Ölpreis Prognose | LYNX Online Broker

Die Entwicklung der Ölpreise ist heutzutage für viele Investoren eine wichtigere Vorlage für die Richtung des weltweiten Wachstums, als es Konjunkturdaten oder die Trends am Anleihe- und Devisenmarkt sind. Und die dahinterstehende Überlegung wirkt auch vollkommen logisch: Steigt die Rohöl-Nachfrage, brummt der Konjunkturmotor. Nur:

Da liegt man oft falsch. Denn die Rohöl-Kurse gehorchen keineswegs nur der reinen Angebot/Nachfrage-Entwicklung. Eine Prognose ist daher immer ein Abwägen zwischen Realität und Projektion, zwischen der echten Nachfrage und der Spekulation. Dieser Markt hat es in sich. Und eines ist er für uns Anleger damit nie: langweilig!

Was bewegt den Ölpreis?

In erster Linie sind es die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft, die für die grundsätzliche Trendrichtung entscheidend sind. Diese bestimmten die Nachfrage nach Rohöl und Benzin, Kerosin oder Heizöl. Auf der anderen Seite ist es das Angebot, das auf die Kurse einwirkt. Dabei spielt die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) eine wichtige Rolle. Allerdings stellen auch Länder, die nicht der OPEC angehören, beispielsweise Russland, die USA und Norwegen, in Bezug auf das Angebot und damit letzten Endes auf die Preisbildung eine zunehmend wichtige Größe dar. Vor allem die USA haben ihre Förderung in den vergangenen Jahren immens ausgebaut.

Das zweite Element ist die Spekulation am Rohstoff-Markt. Am Ende ist es die dortige Angebot/Nachfrage-Situation, die den Kurs bestimmt. Dabei ist die reale Nachfrage nach Rohöl zwar ein wichtiges Element. Aber wenn große Spekulanten massiv über den Terminmarkt Long oder Short gehen, dominieren sie und nicht die ökonomischen Rahmenbedingungen für diesen Moment den Trend. Wichtig ist dabei (das ist auch ein entscheidender Aspekt, wenn es um eine Prognose für den Ölpreis geht) dass diese Spekulation sich an der realen Nachfrage-Entwicklung bzw. deren Perspektiven orientieren kann, aber nicht muss!

(Mehr Fakten und Informationen zum Thema Rohöl finden Sie in diesem Beitrag: „Rohöl – Fakten und Handelsmöglichkeiten“)

Ölpreisprognose – Ausgangslage Anfang 2021 (1): Die ökonomischen Aspekte

Die Ausgangslage für die Tendenz des Ölpreises präsentiert sich zu Beginn dieses Jahres 2021 grundsätzlich bullisch. Der Ölpreis hatte, ausgelöst einerseits durch die Panik, die mit der Verbreitung des Corona-Virus im Frühjahr 2021 entstand, andererseits durch die aufgrund der Lockdowns wegbrechenden Nachfrage, einen Crash hinter sich. Brent Crude Oil, die für uns in Europa entscheidende Rohölsorte, fiel kurzzeitig auf Levels, die man seit fast 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Doch nachdem es Regierungen und Notenbanken gelungen war, die scharfe Rezession durch massive Stützungsmaßnahmen zu beenden und die Voraussetzung für eine nachhaltige Rückkehr zum Wachstum zu schaffen, zog der Ölpreis parallel zu der Stimmungslage in der Wirtschaft, im folgenden Chart durch den wichtigen US-Einkaufsmanagerindex dargestellt, bis Anfang März 2021 wieder auf die „Prä-Corona“-Levels an.

Ölpreis-Prognose: Vergleich der Entwicklung des US-Einkaufsmanagerindex mit dem Ölpreis von 2016 bis 2020 | Online Broker LYNX

Allerdings muss man diese Rückkehr des Ölpreises zum Vorkrisen-Niveau auch als spekulativ ansehen. Denn auch, wenn eine Stabilisierung der Wirtschaft in den USA und Europa gelungen scheint und China scheinbar läuft, als wäre nie etwas gewesen, so ist die Problematik an sich noch nicht vom Tisch. Wie stark die Corona-Maßnahmen die großen Industrieregionen wie China, Japan, die USA und Europa getroffen haben, ist schwer abzusehen, solange die Flut aus dem Hut gezauberter Billionen die tatsächlichen Folgen der Lockdowns übertüncht. Und die folgende Grafik zeigt: Der Ölpreis mag den Level vor dem Corona-Crash bereits wieder erreicht haben. Aber die Wirtschaftsleistung hat das noch nicht geschafft. Beispielhaft hierfür sehen Sie die US-Industrieproduktion:

Ölpreis-Prognose: Vergleich der Entwicklung von Wachstum der Indurstrieproduktion der USA mit dem Ölpreis von 2016 bis 2020 | Online Broker LYNX

Grundsätzlich aber zeigt der Chart, von dieser Vorwegnahme einer nachhaltigen Rückkehr zum Wachstum aktuell abgesehen, dass der Ölpreis recht engmaschig auf das Wachstum der für die Grundtendenz maßgeblichen, größten Wirtschaftsnationen reagiert.

Da es in der Tat auf mittel- und langfristiger Ebene den rational auch nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Wachstum und Ölpreis gibt, könnte man davon ausgehen, dass die derzeitigen Versuche, die Weltwirtschaft zu stützen und dadurch starkes Wachstum zu erzeugen, auch den Ölpreis in diesem noch jungen Jahr 2021 stützen müssen. Aber ganz so einfach lässt sich eine Prognose nicht erstellen, denn es kommen weitere, entscheidende Elemente hinzu, die es einzubeziehen gilt. Zunächst die Angebotsseite:

Ölpreisprognose – Ausgangslage Anfang 2021 (2): Die Angebotsseite

Wenn die Nachfrage nach einem Rohstoff nicht weiter zunimmt oder sogar rückläufig ist, drückt das im Prinzip zwar auf den Preis. Aber nur, wenn mit einer Überversorgung zu rechnen wäre, weil sich nicht zugleich das Angebot reduziert. Ein solches Überangebot versuchen die erdölproduzierenden Länder aber zu vermeiden.

In der OPEC, der Organisation der erdölproduzierenden Länder, werden die Fördermengen regelmäßig besprochen, um sicherzustellen, dass es zu keinem die Preise drückenden Überangebot kommt. Mittlerweile arbeitet auch der große Ölförderer Russland eng mit der OPEC zusammen, so dass Entscheidungen dieses Gremiums, die Fördermengen zu verändern, durchaus deutliche Spuren im Preis hinterlassen, auch, wenn spekulatives Trading großer Adressen am Ölmarkt kurzfristig höheres Gewicht hat als die reale Angebots-/Nachfrage-Situation.

Wie effektiv sind solche Regulierungen der OPEC? Das kommt darauf an, wie massiv sie ausfallen und wie konsequent sich die einzelnen Staaten daran halten. Im November 2018 hatte die OPEC beschlossen, die Fördermengen zu reduzieren, um den markanten Kurseinbruch zu stoppen, der durch ein schwindendes, weltweites Wachstum ausgelöst wurde. Der folgende Chart zeigt, dass das zunächst nicht wirkte, der Ölpreis weiter nachgab. Mittelfristig jedoch gelang es dann eben doch, diesen Kurseinbruch zu stoppen.

Ölpreis-Prognose: Entwicklung Ölpreis Brent von 2016 bis 2021 | Online Broker LYNX

Noch erfolgreicher war man im April 2020. Als der Ölpreis damals immer schneller wegbrach, griffen die OPEC und Russland zu radikalen Maßnahmen und kürzten die Fördermengen um etwa die Hälfte – eine in dieser Dimension noch nicht gesehene Maßnahme. Und auch die USA reduzierten ihre Förderung deutlich, auch, wenn sie sich vertraglich nicht an die OPEC gebunden hatten. Doch funktioniert das auf Dauer? Eher nicht, aus mehreren Gründen.

Das liegt zum einen daran, dass sich die Mitglieder der OPEC oft nicht an diese Beschlüsse halten. Vor allem aber liegt es daran, dass die USA mittlerweile der weltgrößte Ölproduzent sind und nicht daran interessiert sind, die OPEC auch nur als Richtlinie anzusehen. Und das größte Problem, wenn es darum geht, die Preise zu stabilisieren, ist:

Wer in Phasen fallender Preise am günstigsten produziert und am meisten anbietet, bekommt immer noch das größte Stück vom schrumpfenden Kuchen ab. Diejenigen, die für die Stabilität der Preise Einschränkungen hinnehmen, sind dadurch die Dummen. Ein Verhalten, das zwar nicht gerade fair, aber gängig ist. Und eines darf man nicht vergessen:

Dieser Anstieg des Ölpreises, der Anfang März das „Prä-Corona“-Niveau erreicht hat, erfolgte unter diesem massiv reduzierten Angebot. Wenn die OPEC-Staaten nebst Russland ihre Fördermengen wieder normalisieren würden, würde es womöglich schnell unangenehm für die Bullen am Ölmarkt.

Ölpreisprognose – Ausgangslage Anfang 2021 (3): Der Faktor der Politik

Die Politik spielt bei der Entwicklung des Ölpreises keine permanente Rolle, kann aber jederzeit durch bestimmte Ereignisse oder die Reaktionen darauf starke Kursbewegungen auslösen. Dabei sollte man sich nicht darauf verlassen, dass der alte Börsenspruch „politische Börsen haben kurze Beine“ immer zutrifft – es kommt darauf an, was passiert.

So zeigen die vorstehenden, längerfristigen Charts, dass der US-Handelskrieg mit China 2018 deutlich negativ auf den Ölpreis einwirkte, weil er das Wachstum nicht nur in China, sondern auch in den USA unter Druck setzte. Und noch deutlich öfter sind es Entwicklungen innerhalb der ölproduzierenden Länder selbst, die bei den Tradern Schrecksekunden auslösen. Als Beispiel ein Blick auf den Ölpreis zwischen Frühjahr 2019 und Anfang 2020:

Ölpreis-Prognose: Entwicklung Öl Futures von Mai 2019 bis März 2020 | Online Broker LYNX

Die instabile Lage im Nahen Osten ist ein permanenter Unsicherheitsfaktor für den Ölpreis. Auch Libyen und Nigeria zeigen öfter instabile Tendenzen, die die dortige Förderung beeinträchtigen. Diese Brandherde stellen insgesamt ein wichtiges Element in der weltweiten Ölversorgung dar. Eine Eskalation der Lage kann daher immense Kurssprünge nach oben auslösen. Ein gutes Beispiel dafür sah man Anfang Januar 2020, als zu befürchten war, dass die Situation im Irak außer Kontrolle gerät und ein direkter Konflikt USA/Iran beginnt. Brent Crude Oil schoss senkrecht nach oben. Auch am 16. September 2019 kam es zu einer solchen, panischen Reaktion am Ölmarkt, als es zu einem Drohnen-Angriff auf saudi-arabische Förderanlagen kam.

Das zeigt, dass man solche geopolitischen Einflüsse nicht unterschätzen sollte. Sie stellen letzten Endes ein unberechenbares Element dar, das jederzeit massiv Einfluss auf den Ölpreis nehmen kann, aber nie muss. Anleger sollten sich daher gerade beim Trading in diesem Segment immer konsequent über Stop Loss-Orders absichern.

Ölpreisprognose – Ausgangslage Anfang 2021 (4): Das wichtige Element der Spekulation

In einem Umfeld wie diesem, geprägt von massiven Fördermengenkürzungen und großen Hoffnungen auf die Rückkehr einer starken Ölnachfrage, müsste der Ölpreis jetzt eigentlich erst einmal weit genug gelaufen sein. Man könnte mutmaßen, dass die Realität diesen Vorgriff auf ein wieder normales Umfeld erst einmal unterfüttern müsste, bevor die Ölpreise nennenswert weiter steigen. Auch deshalb, weil die bullischen Trader ja eigentlich das Risiko im Hinterkopf haben müssten, was passiert, wenn das Nachfrage-Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt und die OPEC die Fördermengen trotzdem wieder ausweitet. Aber der folgende Chart zeigt, dass in dieser Hinsicht absolut nichts zwingend ist:

Ölpreis-Prognose: Vergleich der Entwicklung von Ölpreis und S&P 500 von 2004 bis 2021 | Online Broker LYNX

Hier sehen Sie den langfristigen Kursverlauf des Ölpreises in Relation zum marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500). Oft verlaufen die Trends parallel, was logisch ist, da das weltweite Wirtschaftswachstum für beide Assets gleichermaßen eine Orientierung ist. Aber es gibt auch Phasen, in denen der Ölpreis völlig gegensätzlich läuft.

Am extremsten war das 2008 der Fall, als der Aktienmarkt längst einbrach, der Ölpreis aber förmlich explodierte. Das ist ein markantes Beispiel dafür, wie groß die Rolle der Spekulation beim Ölpreis sein kann. Der Kurs wurde damals förmlich durch die Decke getrieben, stieg auf im Vorfeld ungeahnte Rekorde, bevor er dann 2009 implodierte, den negativen Rahmenbedingungen doch noch folgte. Was bedeutet:

Wäre der Faktor der Spekulation nicht so erheblich, wäre die Ölpreisprognose für 2021 einfacher, wenngleich „einfacher“ alleine wegen a) dieser Schere zwischen den Wachstumserwartungen und den Risiken, dass es anders kommt und b) aufgrund des Faktors der gekürzten Fördermenge nicht „einfach“ heißt. Aber der Spekulationsfaktor ist eben erheblich und erfordert deswegen für Anleger, die sich bei Rohöl engagieren, noch höhere Aufmerksamkeit.

Ölpreisprognose – Glaskugel vs. Charttechnik: Folgen Sie dem Trend!

Gerade im Bereich der Commodities (d.h. Rohstoffe) pflegen die charttechnisch orientierten Trader Trends konsequent auszureizen. Wenn sich ein klares charttechnisches Signal zeigt und sich danach ein Trend etabliert hat, kann der sehr weit führen, über das hinaus, das man aus rein rationaler Sicht erwarten würde.

Dass man Anfang März 2021 das Risiko einer Ausweitung der OPEC-Fördermenge ebenso ignoriert wie die Gefahr, dass das Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt und die Ölnachfrage dadurch nicht nennenswert steigt, erzeugt einen sehr dynamischen Aufwärtstrend, der sogar schon über den mittelfristigen Aufwärtstrendkanal hinausgeschossen ist, wie der folgende Chart zeigt. Damit kopiert man das Verhalten am Aktienmarkt, wo derzeit ebenfalls ohne Ansehen der Risiken die Hausse-Karte gespielt wird. Normalerweise sollte man, wie eingangs schon geschrieben, vermuten, dass das Aufwärtspotenzial der Ölpreise dadurch limitiert ist, weil diese Rallye großem Enttäuschungspotenzial unterliegt, aber:

Ölpreis-Prognose: Entwicklung Ölpreis von Februar 2020 bis März 2021 | Online Broker LYNX

Am Rohstoffmarkt sind die Tendenzen zwar nicht immer logisch, die Trends aber oft intensiv. Konkrete Kursziele auszugeben, obgleich man eigentlich weiß, dass sich die Rahmenbedingungen im Jahresverlauf so sehr ändern können, dass ein Preis von 90 US-Dollar pro Barrel zum Jahresende ebenso möglich wäre wie einer von 40 US-Dollar, ist daher einfach nicht angebracht. Unser Rat ist daher:

Fazit unserer Ölpreis-Prognose 2021

Legen Sie sich nie vorab fest, wenn Sie im Rohöl traden, sondern folgen Sie etablierten Trends. Die können, wie gesagt, verblüffend dynamisch und weitreichend ausfallen und sie müssen, das haben die vorstehenden Charts gezeigt, nicht immer rational sein, d.h. den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechen. Und auch, was diese Rahmenbedingungen angeht, gilt: Was heute richtig ist, kann morgen schon falsch sein. Folgen Sie daher konsequent dem Trend und nie persönlichen Vermutungen!

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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