Ölpreis-Prognose | Online Broker LYNX

Die Entwicklung der Ölpreise ist heutzutage für viele Investoren eine wichtigere Vorlage für die Richtung des weltweiten Wachstums, als es Konjunkturdaten oder die Trends am Anleihe- und Devisenmarkt sind. Und die dahinterstehende Überlegung wirkt auch vollkommen logisch: Steigt die Rohöl-Nachfrage, brummt der Konjunkturmotor. Nur:

Da liegt man oft falsch. Denn die Rohöl-Kurse gehorchen keineswegs nur der reinen Angebot/Nachfrage-Entwicklung. Eine Prognose ist daher immer ein Abwägen zwischen Realität und Projektion, zwischen der echten Nachfrage und der Spekulation. Und wenn dann noch geopolitische Spannungen hinzukommen, die gerade in diesem Jahr 2022 massiv Einfluss auf den Ölpreis nehmen, wird die Situation für Verbraucher und Investoren erst recht herausfordernd. Dieser Markt hat es also in sich. Und eines ist er für uns Anleger damit nie: langweilig!

Investoren wie Konsumenten gleichermaßen beschäftigt dabei in diesem Sommer 2022 nur eine Frage: Ist das Schlimmste hinsichtlich des zuvor dramatischen Ölpreis-Anstiegs überstanden? Zu dieser Frage unten mehr, zunächst ein grundsätzlicher Überblick:

Was bewegt den Ölpreis?

In erster Linie sind es die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft, die für die grundsätzliche Trendrichtung entscheidend sind. Diese bestimmen die Nachfrage nach Rohöl und Benzin, Kerosin oder Heizöl. Auf der anderen Seite ist es das Angebot, das auf die Kurse einwirkt. Dabei spielt die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) eine wichtige Rolle. Allerdings stellen auch Länder, die nicht der OPEC angehören, beispielsweise Russland, die USA und Norwegen, in Bezug auf das Angebot und damit letzten Endes auf die Preisbildung eine zunehmend wichtige Größe dar. Vor allem die USA haben ihre Förderung in den vergangenen Jahren immens ausgebaut und sind mittlerweile das Land mit der höchsten Förderung von allen.

Das zweite Element ist die Spekulation am Rohstoff-Markt. Am Ende ist es die dortige Angebot/Nachfrage-Situation, die den Kurs bestimmt. Dabei ist die reale Nachfrage nach Rohöl zwar ein wichtiges Element. Aber wenn große Spekulanten massiv über den Terminmarkt Long oder Short gehen, dominieren sie und nicht die ökonomischen Rahmenbedingungen für diesen Moment den Trend. Wichtig ist dabei (das ist auch ein entscheidender Aspekt, wenn es um eine Prognose für den Ölpreis geht) dass diese Spekulation sich an der realen Nachfrage-Entwicklung bzw. deren Perspektiven orientieren kann, aber nicht muss!

(Mehr Fakten und Informationen zum Thema Rohöl finden Sie in diesem Beitrag: „Rohöl – Fakten und Handelsmöglichkeiten“)

Sehen wir uns einmal, Stand August 2022, die vier entscheidenden Aspekte an, die den Ölpreis dieses Jahr beeinflussen werden. Konkret sind das die Wachstumssituation weltweit, die Angebotsseite, die politische Entwicklung und vor allem der Faktor der Spekulation.

Ölpreisprognose – Ausgangslage Sommer 2022 (1): Die ökonomischen Aspekte

Die aus dem Ruder gelaufene Inflation wurde auch durch einen immensen Anstieg der Rohstoffpreise ausgelöst. Diese wiederum fußte auf einer zeitweiligen Verknappung des Angebots, weil die im Zuge der Corona-Lockdowns im Mai 2020 massiv reduzierte Ölförderung seither nur schrittweise wieder angehoben wurde, während die Industrie weltweit versuchte, die durch diese Lockdowns verursachten Einbußen aufzuholen. Dafür war aber zu wenig Energie und Material vorhanden bzw. wegen der Überforderung der Logistik nicht zeitgerecht zu bekommen. Aber diese Ausgangslage veränderte sich im Verlauf des Frühjahrs und des Sommers 2022.

Ölpreis-Prognose: Kapazitätsauslastung der US-Industrie und die Entwicklung des Ölpreises im Vergleich von 2018 bis 2022 | Online Broker LYNX

Der Beginn des Ukraine-Konflikts und die damit verbundene Verunsicherung darüber, ob Russland als einer der größten Ölförderer den Hahn zudrehen oder der Westen im Gegenteil ein Embargo verhängen wird, trieb den Kurs der wichtigsten Ölsorten zwar im Februar und März massiv nach oben. Aber seither zeigt der Ölpreis eine Toppbildung, weil man jetzt langsam eine andere Karte hinsichtlich der ökonomischen Perspektiven spielt: die der Rezession.

Die angehobenen Leitzinsen als Maßnahme zur Bekämpfung der zu hohen Inflation bremsen das Wachstum. Wie stark, ist noch nicht absehbar, aber klar ist: Je geringer das Wachstum wird bzw. wenn die Wirtschaftsleitung zurückgeht, wird das auch die Nachfrage nach Rohöl, nach Benzin, Diesel und Heizöl verringern. Kommt es so, würde aus dem zu knappen Angebot auf einmal ein Angebotsüberhang. Aber wie sieht es aktuell mit der Angebotsseite aus?

Ölpreisprognose – Ausgangslage Sommer 2022 (2): Die Angebotsseite

Als die Weltwirtschaft im Frühjahr 2020 fast zum Stillstand kam, brach der Ölpreis massiv ein. Die OPEC+, d.h. die Organisation erdölexportierender Länder plus Russland, nahm daher im Mai 2020 eine radikale Förderkürzung um ganze zehn Millionen Barrel pro Tag vor. Die USA, die nicht in einer solchen Gruppierung organisiert sind, reduzierten die Förderung ebenfalls massiv.

Und diese Verknappung des Angebots besteht teilweise immer noch, obwohl der Ölpreis seither immens gestiegen ist. Seit Sommer 2021 wird die Förderung seitens OPEC+ wieder angehoben, aber bislang ist das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht. Richtig ist zwar, dass viele davon ausgehen, dass auch die aktuelle Förderung ausreicht, weil das Wachstum der Weltwirtschaft mittlerweile deutlich unter Druck steht. Und grundsätzlich wäre genug Rohöl vorhanden und förderbar, so dass auch eine wieder steigende Nachfrage befriedigt werden könnte. Aber zwei Faktoren machen die Angebotsseite schwierig einschätzbar:

Ölpreis-Prognose: Entwicklung Ölpreis der Sorte Brent von 2018 bis 2022 | Online Broker LYNX

Zum einen ist den Ölförderländern ein hoher Ölpreis natürlich sehr recht. Warum also sollten sie das Angebot nicht erneut kürzen, wenn die Nachfrage nachlässt. Zum anderen ist nicht kalkulierbar, ob und wie sich das zumindest halbherzige Embargo Europas gegen russisches Öl auf die Angebotsseite auswirkt. Wie schwer die Angebotsseite derzeit kalkulierbar ist, zeigen auch Aussagen der OPEC selbst, die Mitte August getroffen wurden:

Auf der einen Seite geht die OPEC zwar davon aus, dass im laufenden, dritten Quartal 2022 ein Überangebot an Rohöl besteht. Auf der anderen Seite sieht man die Möglichkeit eines Öl-Angebotsengpasses im späteren Verlauf des Jahres. Der Schlüssel dieser Unsicherheiten liegt nicht zuletzt im dritten großen Einflussbereich auf den Preis: der Politik.

Ölpreisprognose – Ausgangslage Sommer 2022 (3): Der Faktor der Politik

Die Politik spielt bei der Entwicklung des Ölpreises keine permanente Rolle, kann aber jederzeit durch bestimmte Ereignisse oder die Reaktionen darauf starke Kursbewegungen auslösen. Dabei sollte man sich nicht darauf verlassen, dass der alte Börsenspruch „politische Börsen haben kurze Beine“ immer zutrifft – es kommt darauf an, was passiert.

Dass diese „kurzen Beine“ auch mal äußerst lang sein können, beweist die derzeitige Situation ja wie keine andere.

Ölpreis-Prognose: Einfluss politscher Entscheidungen auf den Ölpreis im Zeitraum 2019 bis 2022 | Online Broker LYNX

Der Angriff Russlands auf die Ukraine Ende Februar 2022 war, wie der folgende Chart zeigt, Auslöser für einen immensen Anstieg des Ölpreises. Der sich dann zwar erst einmal moderierte, aber politische Entscheidungen im Zuge dieser Krise hatten und haben weiterhin direkte Auswirkungen auf den Kurs. Der Umgang mit russischen Ölexporten, die Suche nach Alternativen durch höhere Lieferungen anderer Förderländer, die Reaktionen der OPEC, all das bewegt sich im Bereich politischer Entscheidungen.

Und der Chart zeigt auch, dass der Ölpreis auch vorher schon stark unter dem Eindruck politischer Entscheidungen stand. Die Entscheidung für Lockdowns und deren Beendigung, die Geldpolitik der Notenbanken, all das nimmt starken Einfluss auf die Trends am Ölmarkt. Und solche Einflüsse sind oft schwer berechenbar.

Ölpreisprognose – Ausgangslage Sommer 2022 (4): Das wichtige Element der Spekulation

So stark die Impulse durch die Angebotsseite, die Politik und die konjunkturellen Perspektiven auch sind: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Preisbildung bei Rohöl letztlich an der Börse vorgenommen wird. Es ist daher am Ende die dortige Relation zwischen Käufern und Verkäufern, die die Kurse bewegt. Und ob jemand auf der Käuferseite tatsächlich ein „Abnehmer“ ist, sprich das über den Future gekaufte Rohöl wirklich abnehmen wird oder nur aus rein spekulativen Gründen Long geht, die Position vor der Abrechnung des Futures neutralisiert und damit gar kein „echtes“ Öl abnimmt, ist egal: Einen kurstreibenden Effekt hat beides. Sehen wir uns das anhand eines Charts über einen langen Zeitraum an:

Ölpreis-Prognose: Entwicklung Ölpreis und S&P 500 im Vergleich von 1996 bis 2022 | Online Broker LYNX

Hier sehen Sie den langfristigen Kursverlauf des Ölpreises in Relation zum marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500). Oft verlaufen die Trends parallel, was logisch ist, da das weltweite Wirtschaftswachstum für beide Assets gleichermaßen eine Orientierung ist. Aber es gibt auch Phasen, in denen der Ölpreis völlig gegensätzlich läuft.

Das ist momentan, Mitte August 2022 der Fall, denn während der Ölpreis wieder zurückkommt, zeigt der S&P 500 eine starke Aufwärtsbewegung. Aber es gab auch frühere Fälle, in denen sich Aktien und Ölpreis massiv gegensätzlich entwickelten.

Am extremsten war das 2008 der Fall, als der Aktienmarkt längst einbrach, der Ölpreis aber förmlich explodierte. Das ist ein markantes Beispiel dafür, wie groß die Rolle der Spekulation beim Ölpreis sein kann. Der Kurs wurde damals förmlich durch die Decke getrieben, stieg auf im Vorfeld ungeahnte Rekorde, bevor er dann 2009 implodierte, den negativen Rahmenbedingungen doch noch folgte. Was bedeutet:

Wäre der Faktor der Spekulation nicht so erheblich, wäre die Ölpreisprognose für 2022 einfacher, wenngleich „einfacher“ alleine wegen der aktuell kaum absehbaren Entwicklung des Wachstums und der unberechenbaren Entwicklungen auf politischer Ebene nicht „einfach“ heißt. Aber der Spekulationsfaktor ist eben erheblich und erfordert deswegen für Anleger, die sich bei Rohöl engagieren, noch höhere Aufmerksamkeit.

Ölpreisprognose – Glaskugel vs. Charttechnik: Folgen Sie dem Trend!

Gerade im Bereich der Commodities (d.h. Rohstoffe) pflegen die charttechnisch orientierten Trader Trends konsequent und nicht selten extrem auszureizen. Wenn sich ein klares charttechnisches Signal zeigt und sich danach ein Trend etabliert hat, kann der sehr weit führen, über das hinaus, was man aus rein rationaler Sicht erwarten würde.

Was die derzeitige Situation im August 2022 angeht, stellen sich eine ganze Reihe von Fragen. Öl ist zwar grundsätzlich genug da. Aber mit Blick auf die Russland-Problematik, die OPEC-Politik und die Probleme mit der Logistik weltweit ist noch lange nicht klar, ob es in den kommenden Monaten auch ausreichend verfügbar sein wird.

Dementsprechend offen ist die charttechnische Konstellation. Und gerade weil man eine Glaskugel bräuchte, um vorhersehen zu können, wie sich die Rahmenbedingungen zum Jahresende darstellen und was die Trader daraus machen, kann es letzten Endes nur eine Lösung geben, wenn es um die Frage geht, in welche Richtung man sich beim Rohöl-Trading orientieren könnte: konsequent dem Trend bzw. den charttechnischen Signalen zu folgen. Vor allem, weil ein Spruch beim Ölpreis noch öfter zutrifft als z.B. am Aktienmarkt: Unverhofft kommt oft!

Ölpreis-Prognose: Entwicklung Ölpreis der Sorte Brent von 2019 bis 2022 | Online Broker LYNX

Gerade aktuell ist die Ausgangslage äußerst interessant. Auf der einen Seite hat Rohöl Brent gerade ein großes Doppeltopp vollendet, was grundsätzlich ein Short-Signal wäre. Aber noch wird der Weg nach unten durch die im Frühjahr 2020 etablierte Aufwärtstrendlinie und das markante Hoch des Jahres 2018 versperrt. Erst, wenn Brent Crude Oil signifikant unter 86 US-Dollar schließen würde, wäre der Weg nach unten frei … bis dahin wäre ein erneuter Aufwärtsimpuls an der Aufwärtstrendlinie keineswegs auszuschließen. Unser Fazit für das Trading am Ölmarkt ist daher:

Fazit unserer Ölpreis-Prognose 2022

Legen Sie sich nie vorab fest, wenn Sie im Rohöl traden, sondern folgen Sie etablierten Trends. Die können, wie gesagt, verblüffend dynamisch und weitreichend ausfallen und sie müssen, das haben die vorstehenden Charts gezeigt, nicht immer rational sein, d.h. den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechen. Und auch, was diese Rahmenbedingungen angeht, gilt: Was heute richtig ist, kann morgen schon falsch sein. Folgen Sie daher konsequent dem Trend und nie persönlichen Vermutungen!

Auch interessant und aktuell sind in dieser Kategorie folgende Beiträge mit Prognosen:

„Silberpreis-Prognose“

„Euro/US-Dollar-Prognose“

„Goldpreis-Prognose“

„DAX-Prognose“

Sie möchten in Öl investieren?

Der Online Broker LYNX bietet Ihnen die Möglichkeit, Öl über verschiedene Wertpapierklassen wie ETFs, Futures oder Optionen zu handeln.

Profitieren Sie als Daytrader, Anleger oder Investor von dem ausgezeichneten Angebot über LYNX, denn wir ermöglichen Ihnen den preiswerten Handel von Aktien, ETFs, Futures, Optionen, Forex u.v.m. Nehmen Sie sich die Zeit, unsere Gebühren mit denen der Konkurrenz zu vergleichen und handeln Sie in Zukunft über unsere professionelle Handelsplattform.

Das müssen Sie als Trader wissen!

Trading-Strategien – Nachhaltig erfolgreich traden

Die Technische Analyse – Lassen Sie Charts für sich arbeiten!

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
T-Hoch
T-Tief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.