DAX aktuell DAX: Optimisten nennen es eine Konsolidierung, aber…

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Bei 13.718,78 Punkten endete für den DAX das Börsenjahr 2020 … und damit wider Erwarten vieler im Plus. Doch zumindest per Montagabend scheint es, als könne der deutsche Leitindex diesen Schwung nicht mit ins neue Jahr nehmen, denn durch das Minus von 230 Punkten zum Start in die letzte Januar-Woche könnte dieser erste Handelsmonat 2021 im Minus enden, wenn die Bullen sich jetzt nicht wieder zeigen. Und das wäre aus charttechnischer Sicht problematisch, denn:

Sie sehen im Chart auf Monatsbasis, dass dadurch der Ausbruch nach oben zu einer Bullenfalle werden könnte. Sollte er am Freitag und damit zum Schluss des Handelsmonats unter 13.597 Punkten aus dem Handel gehen, wäre nicht nur das vormalige Rekordhoch vom Februar 2020 bei 13.795 Punkten wieder unterboten, sondern auch das Hoch 2018 bei eben diesen 13.597 Zählern. Und auch auf kurzfristigerer Ebene würde es dann brenzlig. Der Chart auf Tagesbasis zeigt, dass der Index seit mehreren Wochen sehr nach Toppbildung aussieht.

DAX: Tages-Chart vom 25.01.2021, Kurs 13.643,95 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Am Montag hielt die 38-Tage-Linie. Ob das indes der Erfolg der bullischen Trader war, die dort die Abgaben auffingen oder mehr ein Zufall, sei mal dahingestellt, weil dieser 38-Tage-Durchschnitt eher ein Klassiker früherer Jahrzehnte ist, der heutzutage weniger relevant ist. Wichtiger ist die langsam in Schlagdistanz geratende Auffangzone 13.314/13.460 Punkte. Wenn der DAX da durchgehen sollte, wären die 13.000 sofort im Fokus … und unter 13.000 Punkten würde dann erst wieder die 200-Tage-Linie bei aktuell 12.576 Zählern als potenzielle Unterstützung warten.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Die Käufer wären also jetzt gefordert. Seitens des bullischen Lagers hört man derzeit immer wieder, dass es sich hier nur um ein normales „Atemholen“ handele, eine angesichts der Kursgewinne seit Anfang November völlig im Rahmen liegende Konsolidierung. Was für den Moment auch zutreffend ist. Aber ob es dabei bleibt und der DAX in Kürze in Richtung neuer Rekorde nach oben davonzieht oder aber eine womöglich scharfe Korrektur ansteht, hängt nicht davon ab, was die Bullen denken und hoffen. Es hängt davon ab, was sie tun.

Der gestern schwächer als erwartet hereingekommene ifo-Geschäftsklimaindex, die Querelen um die weit hinter dem Notwendigen zurückbleibenden Impfstofflieferungen, die Untätigkeit der EZB ebenso wie der EU hinsichtlich einer Aufstockung der konjunkturellen Unterstützung, die am Montagnachmittag aus den USA gemeldete Verzögerung hinsichtlich des nächsten Konjunktur-Hilfspakets: All das ist nicht angetan, jetzt besonders mutig zu werden. Und zugleich wissen die Käufer ja sehr wohl, dass das derzeitige Niveau des DAX ein „best case“-Szenario vorweggenommen hat, das mittlerweile nicht mehr realistisch ist.

Ob also genug Käufer antreten, um den DAX aktiv wieder anzuschieben oder aber zu viele hoffen, dass das mit den Käufen andere für sie erledigen, ist jetzt entscheidend dafür, ob es wirklich bei der optimistischen Sichtweise einer harmlosen Konsolidierung bleibt. Spätestens, wenn der DAX die Zone 13.314/13.460 Punkte auf Schlusskursbasis unterbieten würde, wäre klar, dass der Start ins neue Jahr zum Fehlstart geworden ist.

DAX: Monats-Chart vom 25.01.2021, Kurs 13.643,95 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des DAX Index

Die Bullen halten die Stellung. Aber man darf sicher sein, dass sie die Kursbewegungen sowie die Nachrichtenlage in den USA ohne Unterlass verfolgen. Die kommenden Tage werden entscheidend: Gelingt es, die Wogen ein wenig zu glätten oder wenigstens das Gros geplanter Attacken vor und während der Vereidigung des neuen Präsidenten zu verhindern – oder nicht?

Wenn das gelingt, werden die US-Indizes anziehen und der DAX-Kurs mit ihnen. Natürlich ist der Markt schon sehr weit gestiegen. Und damit ist die Hypothek, die die Anleger auf die Zukunft aufgenommen haben, schon jetzt gefährlich hoch. Nur, wenn neben der politischen Lage in den USA auch die Corona-Problematik wieder bessere Nachrichten zu bieten hätte, ließe sich dieses so hohe Level an Hoffnung, das in den Kursen steckt, aufrechterhalten. Aber es wäre normal, wenn eine umschiffte Klippe zu umgehenden, positiven Reaktionen führt und man sich erst dann wieder der anderen Rahmenbedingungen erinnert, wenn der Schwung einer „Relief Rallye“, einer Erleichterungs-Rallye, vorüber ist.

DAX: Tages-Chart vom 13.01.2021, Kurs 13.939,71 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der DAX könnte also weiterlaufen, wenn jetzt nichts allzu viel schiefgeht. Wobei er sich in „uncharted territory“ befindet, d.h. Widerstände, die wirklich Sinn ergeben würden, hätte er nicht über sich. Aber Kursziele zu ermitteln, wäre aktuell auch nicht das Gebot der Stunde. Wichtiger wäre, wenn man auf der Long-Seite dabei ist, die Bereiche zu identifizieren, die halten müssten, wenn es zu einer negativen Reaktion kommt, weil die Hoffnung, drüben in Übersee werde schon alles gutgehen, sich nicht erfüllt. Wo ließe sich die entscheidende Zone verorten?

Das alte Rekordhoch vom vergangenen Februar bei 13.795 Punkten liegt zu nahe, um bereits eine Supportlinie von Belang sein zu können. Wichtiger ist der Bereich, an dem der DAX zwischen Anfang Juli und Mitte Dezember mehrfach hängengeblieben war: die Zone 13.314/13.460 Punkte. Würde der deutsche Leitindex diesen Bereich eindeutig unterbieten, wäre auch der Versuch, sich im ersten Monat des neuen Börsenjahres nach oben abzusetzen, in Gefahr.

Der Chart auf Monatsbasis zeigt, dass die alten Hochs als Widerstand derzeit überboten wären, ein sehr positives Signal für den Start ins Jahr wäre also gegeben. Aber der Monat ist eben noch lang. Sollte der DAX unter 13.314 Punkte rutschen, wären auch diese wichtigen, alten Hürden in Form des 2018er-Hochs bei 13.597 und des 2020er-Hochs bei 13.795 Punkten wieder unterboten und auf Monatsbasis aus dem momentanen Doji eine rote Kerze geworden. Von diesen kommenden Tagen wird somit abhängen, ob der Start ins Jahr 2021 gelingt. Auch, wenn das Jahr gerade erst begonnen hat und vieles, was die Kurse bewegen wird, heute noch niemand ahnt, hat der Januar unterschwellig Signalwirkung. Sich mit einem Stoppkurs unterhalb dieser aktuell entscheidenden Zone 13.314/13.460 Punkte abzusichern, wäre daher unbedingt zu empfehlen.

DAX: Monats-Chart vom 13.01.2021, Kurs 13.939,71 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Wenn der DAX an einem Tag beeindruckende 240 Punkte zulegt, sollte man annehmen, dass, wenn nicht alle, so doch der ganz überwiegende Teil der 30 DAX-Aktien zugelegt hat. Doch das war gestern nicht der Fall. 10 der 30 Aktien fielen. Und das teilweise sehr deutlich. Das sollte man sich besser genauer anschauen!

Der Auslöser für dieses untypische, wenngleich insgesamt bullische Treiben war klar: Es ging um die Wahl der letzten beiden Senatsposten in den USA. Als am Morgen deutlich wurde, dass einer der Sitze sicher, der andere zumindest sehr wahrscheinlich an die Demokraten geht, reagierten die US-indizes umgehend und deutlich. Teilweise folgte man dabei den US-Vorgaben. Dort, in den USA, zog der Dow Jones kräftig an, der Nasdaq 100 hingegen fiel. Das lag daran, was man sich angesichts einer knappen Mehrheit (50:50 Sitze mit Vizepräsidentin Kamala Harris als „Tie Breaker“, d.h. als entscheidende 51. Stimme für die Demokraten) als voraussichtliches Szenario ausrechnete:

DAX: Tages-Chart vom 06.01.2021, Kurs 13.891,97 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Einerseits rechnet man mit Steuererhöhungen, die aber vor allem die höheren Einkommen betreffen, was für das Wachstum nicht allzu tragisch wäre. Man rechnet zudem damit, dass die Demokraten beim Konjunkturpaket umgehend nachlegen, was den Dow Jones mit seinen vielen Vertretern „klassischer“ Branchen höher zog. Auf der anderen Seite wird befürchtet, dass Biden zügig die Beschneidung der Macht der großen Technologieunternehmen angehen könnte, weshalb die Nasdaq unter Druck geriet. Und hierzulande?

Hierzulande war die Tendenz zwar ähnlich – DAX rauf, TecDAX runter – aber was die Bewegungen innerhalb des DAX angeht, war deutlich die Tendenz zu erkennen, dass große Adressen in fliegender Hast umschichteten. Raus aus Immobilienwerten (Deutsche Wohnen, Vonovia), raus aus Corona-Gewinnern (Delivery Hero), teilweise auch raus aus der Automobilbranche (Conti und Daimler im Minus, VW und BMW kaum verändert) und dafür rein in die Finanztitel (Dt. Bank, Allianz, Münchener Rück), rein in klassische Industrietitel (BASF, Bayer, Siemens oder HeidelbergCement). Es scheint, als wollten einige Akteure von einer Minute auf die andere von einer defensiven Positionierung auf eine aggressivere Wachstumsstrategie umstellen. Das wirkt überzogen hektisch, denn:

Das Regieren wird für die Regierung Biden zwar leichter, wenn auch der zweite, am Mittwochabend noch nicht sichere zweite Senatorensitz aus Georgia an die Demokraten geht. Aber ein Spaziergang wird es nicht, erbitterter Widerstand der Republikaner gegen jegliche Projekte ist dennoch zu erwarten. Und auch Biden und Harris können nicht hexen. Eine effektive Eindämmung der Pandemie und die Wiederbelebung des Wachstums können nicht binnen Wochen passieren. Und das gilt natürlich für uns in Europa erst recht, denn was in den USA gelingt, kann auf Europa ausstrahlen, aber es wird nicht 1:1 auf die deutsche Wirtschaft übertragbar. Das wird den meisten Akteuren auch klar sein. Und das hieße:

Es ist gut möglich, dass dieser Impuls eines „Umschichtens mit der Brechstange“ noch weitergeht, wenn die Verkündung des offiziellen US-Wahlergebnisses in der Nacht auf heute einigermaßen rund laufen sollte (das war bei Redaktionsschuss am Mittwochabend noch offen). Aber danach wäre es keine Überraschung, wenn es zu Gegenreaktionen käme, d.h. wenn die Gewinner von gestern Gewinnmitnahmen sehen, während die Verlierer auf tieferem Niveau eingesammelt werden. Das müsste den DAX ausbremsen – oder?

Das kann es. Das muss es aber nicht. Es kommt darauf an, ob diese Aufbruchsstimmung insgesamt erhalten bleibt. Bliebe es dabei, wäre es wahrscheinlicher, dass die gestern massiv gelaufenen Titel zwar etwas durch Gewinnmitnahmen gebremst werden, insgesamt aber bullisch bleiben und die am Mittwoch auf den Markt geworfenen Aktien nachziehen, alleine, weil es keine Argumente gibt, defensivere Aktien jetzt einfach über Bord zu werfen.

Was die Charttechnik angeht, hätte letzteres Szenario durch das Plus des Mittwochs eine tadellose Basis erhalten, denn der DAX drehte nach diesem Mini-Rücksetzer der ersten zwei Handelstage genau dort, wo er drehen musste. Oberhalb der jetzt als Unterstützung fungierenden Zone der Sommer-Hochs zwischen 13.314 und 13.460 Punkten, oberhalb der im Chart auf Tagesbasis hellblau dargestellten 20-Tage-Linie und oberhalb der alten Hochs aus der Zeit Ende 2017/Anfang 2018, wie wir im Chart auf Wochenbasis sehen. Das ist ein klares Signal der Stärke, auch, wenn es durch die Ereignisse in den USA „extern“ ausgelöst wurde. Und das kann genau der Treibstoff sein, der die Rallye vorerst weitergehen lässt, auch, wenn vielen sehr wohl klar ist, dass man damit die Hypothek auf eine Zukunft ohne Corona und mit solidem Wachstum erst einmal nur aufstockt.

DAX: Wochen-Chart vom 06.01.2021, Kurs 13.891,97 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Man ist auf dem Weg zum perfekten Jahresausklang. Ein lange Zeit „verloren“ scheinendes Börsenjahr wird wohl im Plus enden und damit viele Skeptiker daran erinnern, dass „müsste eigentlich“ an der Börse ein Minenfeld ist. Der DAX hat am Montag mit 13.790,29 Punkten einen neuen Schlussrekord erzielt, es läuft also nach Plan für die Bullen:

Erst zog der große Abrechnungstermin an der Terminbörse die Kurse, danach gingen die Käufe im Zuge des „Window Dressing“ der institutionellen Investoren weiter. Jetzt noch ein Jahresschlusskurs auf Jahreshoch, dann ein fulminanter Start ins Jahr 2021, in dem alles besser wird und der DAX dementsprechend erst recht steigen müsste … was will man mehr, alles läuft perfekt. Oder?

Nein, nicht alles. Der bisherige DAX-Rekord auf Schlusskursbasis wurde am 19. Februar markiert. Bei 13.789,00 Punkten. Das gestrige Closing ist somit wirklich nicht als nennenswerter Anstieg über das vormalige Hoch anzusehen. Und auch, wenn der bisherige Verlaufsrekord bei 13.795 Zählern gestern mit 13.818 Punkten intraday überboten war: Zum Handelsende war er es eben nicht. Das mag angesichts eines Kursanstiegs von gut 200 Punkten am gestrigen Tag wie Erbsenzählerei klingen. Und das wäre es auch, wäre der Handelstag nicht zu einem „Doji“ geworden. Sie sehen das im Chart auf Tagesbasis:

Tageschart vom 28.12.2020, Kurs 13.790,29 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der Index eröffnete mit einem großen „Gap“ nach oben, angeschoben durch die „Doch-Noch-Unterzeichnung“ des US-Konjunkturpakets durch Donald Trump und diese Last Minute-Einigung zwischen der EU und den Briten. Doch dann kam nichts nach. Zum Ende des regulären Handels lag der DAX gerade einmal elf Zähler über dem Eröffnungskurs. Ausgerechnet dort, wo man die Chance hätte, mit neuen Hochs Geschichte zu schreiben, die letzten Bären zu überrennen und weitere Trader auf die Long-Seite zu ziehen, tat sich nichts. Ein Warnsignal?

Ja, aber bislang ist es auch nicht mehr als das. Sicher, würde es heute zu einer Eröffnung mit einer Kurslücke nach unten und weiteren Abgaben im Tagesverlauf kommen, würde daraus ein potenziell bärischer „Abendstern“ im Candlestick-Chart, dann würde es, vor allem, weil sich das auf Höhe des alten Rekordhochs abspielen würde, ziemlich brenzlig. Aber man muss sehen, dass das Erreichen eines vormaligen Hochs auch Gewinnmitnahmen auslöst. Die bremsen den Anstieg … und immerhin waren sie nicht so stark, dass der DAX in die Knie gegangen wäre und seinen Gewinn wieder abgegeben hätte. Allerdings kommt es jetzt auf diesen heutigen und den morgigen Handelstag an:

Das ist die Zeitspanne, in der die Bullen normalerweise hartnäckig bleiben. Wenn es ihnen in dieser Zeit gelingt, die Verkaufsorders im Markt abzuarbeiten und den Deckel nicht nur wie jetzt zu erreichen, sondern zu sprengen, passt alles. Dann liefe der Fahrplan der Bullen weiter wie geschmiert. Wenn es aber bis morgen Abend nicht zum Ausbruch nach oben kommen sollte, könnte die aktuell entscheidende Unterstützung bei 13.000 Punkten schnell wieder in Spiel kommen. Die Bullen haben es jetzt selbst in der Hand!

Monatschart vom 28.12.2020, Kurs 13.790,29 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Es war im Vorfeld offensichtlich geworden und genauso kam es auch: Die großen Akteure an der Terminbörse hatten das Ziel, die Abrechnung der Optionen und Futures mit Dezember-Laufzeit auf maximal hohem Niveau zu erreichen. Und in der Tat kam der DAX am Freitag bis auf 20 Punkte an den Verlaufsrekord vom Februar heran. Diese Gewinne konnte er aber nur teilweise in den Feierabend retten. Es entstand ein Warnsignal in den Candlestick-Charts, das sich am Montag umgehend auswirken sollte. Doch die Frage steht im Raum:

Wie hätte die Woche begonnen, wenn es nicht zu Verkaufswelle aufgrund der Nachricht über eine Mutation des SARS COV2-Virus gekommen wäre? Hätte man das US-Konjunkturpaket positiv aufgenommen, obgleich es eigentlich zu klein ist und zu kurz greift? Hätte man weiterhin ignoriert, dass viele Unternehmen ab dem 1. Januar wegen des mittlerweile hoch wahrscheinlichen, vertragslosen Ausstiegs der Briten aus der EU-Zollunion große Probleme bekommen? Hätte man kräftig zugelangt, obwohl unübersehbar ist, dass das laufende ebenso wie das kommende Quartal wieder eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung bringen werden?

Oder wäre der DAX alleine deswegen am Montag gestiegen, weil so mancher noch Aktien einsammeln muss, die er durch verkaufte und für den Käufer in den Gewinn gelaufene Call-Optionen zu liefern hat, wie das oft nach aufwärts weisenden Abrechnungsterminen an der Terminbörse passiert? Und wenn ja – wie lange hätte all das vorgehalten?

Wer schon ein paar Jahre als Anleger dabei ist, hat Tage wie diesen Montag schon öfter erlebt: Eigentlich ist die Lage schlecht, aber der Trend weist seit Wochen nach oben. Dann kommt eine Nachricht, die den Bullen die Füße wegtreten müsste … aber nach einer kurzen, negativen Reaktion werden die Verluste wie von Geisterhand wieder aufgeholt. Beim DAX hielt sich die Aufholjagd dabei in Grenzen, der Index schaffte es nur, 186 Punkte vom Tagestief wettzumachen. Aber der Markt, an dem er sich dabei orientierte, die US-Aktienindizes, holten schon über die Index-Futures ab 12 Uhr unserer Zeit auf und liefen Richtung US-Handelsende teilweise sogar ins Plus. Ist das eine Vorlage, die den Tag überdauert?

Das ist eine „offensive Defensive“ der Bullen, die das Risiko bärischer Signale gezielt „wegkaufen“. So etwas hat in der Vergangenheit durchaus schon dazu geführt, dass eine Rallye weitergeht, negative Aspekte einfach durch die all das überlagernde Wirkung von steigenden Notierungen aus dem Bewusstsein der Anleger verschwinden. Und genau das ist auch diesmal das Ziel. Es ging aber auch schon, nicht gerade selten, schief. Nüchtern betrachtet muss man zugeben: Ob es diesmal funktioniert oder der DAX Hand in Hand mit den US-Börsen heute wieder nach unten sackt, ist nicht vorhersehbar.

Aber muss man das unbedingt vorhersehen können? Bei Dow, S&P 500 und Nasdaq 100 wäre es sicher hilfreich, beim DAX hingegen ist es weniger tragisch, keine funktionierende Glaskugel zu besitzen, denn der hat eine „Lebenslinie“ ausgebildet. 13.000 Punkte, das ist der Bereich, der halten muss.

Tageschart vom 21.12.2020, Kurs 13.246,30 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die Linie, die über ihre im Prinzip kaum relevante, „psychologische“ Bedeutung als runde Marke auch charttechnisch wichtig wurde, als Gewinnmitnahmen nach der Rallye von Anfang November dort mehrfach aufgefangen wurden. Die Linie, auf der der DAX am 11. Dezember aufsetzte, drehte und so den Schwung für den Ausbruch über das Sommer-Hoch bekam. Dieser Linie kam der DAX gestern bis auf 60 Punkte nahe. Und mit 13.246 Punkten schloss er nicht so deutlich darüber, dass man sie bereits als verteidigt ansehen könnte.

Solange die 13.000 nicht klar und auf Schlusskursbasis gebrochen ist, ist nach oben für die Bullen alles drin, selbst das Verdrängen möglicher, zusätzlicher Probleme durch diese Virus-Mutation wäre dann denkbar. Aber fiele sie, würde das die Büchse der Pandora öffnen, all die verdrängten negativen Aspekte mit einem Schlag freisetzen. Diese 13.000 Punkte-Marke im Auge zu behalten, wäre daher in jedem Fall ratsam.

Monatschart vom 21.12.2020, Kurs 13.246,30 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der Zeitpunkt war geschickt gewählt, wenngleich der Versuch, den Deckel zu sprengen, den das Hoch des Sommers bei 13.460 Punkten für den DAX bedeutete, zu erwarten war. Gerade erst hatte die Unterstützung bei 13.000 Punkten erneut gehalten, so dass der Impuls, ausgehend von einer wichtigen Unterstützung, den nötigen Schwung aufbauen konnte. Die zuvor kurzfristig überkauften markttechnischen Indikatoren auf Tagesbasis hatten im Zuge dieses Tests der 13.000er-Marke wieder Spielraum nach oben aufgebaut und, das ist entscheidend, morgen ist die Abrechnung der Optionen und Futures mit Laufzeit Dezember am Terminmarkt.

Die Richtung, die für die Mehrheit des aktiven Kapitals am Terminmarkt für die Abrechnung ideal ist, wird gemeinhin schon eine Woche vor dem eigentlichen, „Hexensabbat“ genannten Abrechnungstermin ausgefochten. Dass es erst so relativ knapp vor dem Termin zu einer Attacke der Bullen kam, könnte diesen in die Karten spielen. Denn damit werden diejenigen, die so auf dem falschen Fuß erwischt wurden, genötigt, entweder noch in letzter Minute dagegen zu halten, um den DAX in seine vorherige Handelsspanne zurück zu drücken oder aber sich gegen diesen Anstieg abzusichern, indem sie ins Minus laufende Short-Positionen, die morgen auslaufen, schnell Long-Trades entgegensetzen. Letzteres würde dem DAX nur umso mehr Auftrieb geben und ihn an, womöglich auch über sein bisheriges Allzeithoch bei 13.795 Punkten tragen. Kommt es so?

DAX: Tages-Chart vom 16.12.2020, Kurs 58,77 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX

Wahrscheinlich wäre es, sicher ist es nicht. Der Fahrplan der Bullen ist zwar klar erkennbar, aber ob er auch eingehalten wird, ist eine andere Frage. Das Ziel wäre es, den Schwung des Ausbruchs über den Abrechnungstermin hinaus zu erhalten, um dann in den nur noch sechs verbleibenden Handelstagen des Jahres das sogenannte „Window Dressing“ institutioneller Investoren zu provozieren. Beim „Window Dressing“ wird versucht, die Performance zu einem Stichtag wie dem Quartals- und Jahresultimo werbewirksam aufzupolieren, indem man z.B. bei den Fonds die Barreserven nutzt, um gezielt stark gelaufene Aktien einzusammeln. Das soll den DAX über das alte Rekordhoch treiben.

Und da dann gleich die runde Marke von 14.000 Punkten lockt und die Anleger sehen, dass das so schwierige Jahr 2020 am Ende unversehens ein Gewinnerjahr wurde, hofft man darauf, dass die Marktteilnehmer, angefeuert durch das Momentum der Rallye, zum Start ins neue Jahr weiter kaufen.

Doch das wird nur funktionieren, wenn entweder die Rahmenbedingungen klar besser werden oder es gelingt, sie weiterhin auszublenden. Nachdem auch die US-Notenbank gestern ihre letzte Sitzung des Jahres ohne spektakuläre Entscheidungen absolviert hat, bleiben die Großbritannien-Frage und das US-Konjunkturpaket die kritischsten Elemente für die Bullen. Sollte es in beiden Punkten vor dem Jahresultimo zu einer positiven Entwicklung kommen, wäre der Weg nach oben wohl frei. Wenn nicht, muss man hoffen, dass die Anleger durch die „ewige Möhre“ vor der Nase, d.h. durch das permanente Beteuern baldiger Lösungen, bei der Stange bleiben.

Ansonsten liefe man Gefahr, dass der Anlauf an diese letzte Widerstandszone (die übrigens, Sie sehen es im langfristigen Chart auf Monatsbasis, aus zwei Hürden besteht, nämlich dem Hoch von 2018 bei 13.597 Punkten und dem Rekordhoch vom Februar bei 13.795 Punkten) als Erreichen eines Kursziels und nicht als Etappe betrachtet wird und umfassende Gewinnmitnahmen einsetzen. Sich gegen letzteren Fall abzusichern, indem man Long-Trades mit einem Stop Loss knapp unter der zuletzt verteidigten 13.000 Punkte-Marke absichert, kann in einer solchen Gemengelage nicht schaden.

DAX: Monats-Chart vom 16.12.2020, Kurs 58,77 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX