Am Montag geriet der Ölpreis außer Kontrolle, in der Spitze lief Brent Crude bis 120 US-Dollar. Dann kamen Statements von Mr. Trump, die den Kurs drückten – aber der Effekt war nicht nachhaltig. Und dass Brent nicht auf die gestrige IEA-Entscheidung reagierte, war auffällig.
Zu behaupten, der Ölmarkt sei unruhig, wäre wohl die Untertreibung des Monats. Brent Crude Oil und die anderen Ölsorten reagieren auf die kleinsten Nachrichten extrem … und da wird, wie z.B. bei der Falschmeldung des US-Energieministers, der behauptete, die US-Marine habe einen Öltanker durch die Straße von Hormus eskortiert, nicht abgewartet, ob an den Nachrichten etwas dran ist. Zugleich kommt es zu drastischen Kurssprüngen wie am Montagmorgen, als der Ölpreis weit über 100 US-Dollar startete, dann aber förmlich wegbrach, als Donald Trump auf einmal bisherigen Aussagen zum Trotz verkündete, der Krieg mit dem Iran sei quasi abgeschlossen.
Die unmittelbaren Reaktionen sind für Trader nicht zu greifen, man müsste nonstop und hochkonzentriert in Bereitschaft bleiben, um solche Impulse effektiv zu traden. Und das auch in der Nacht, denn Aussagen aus den USA kommen der Zeitverschiebung wegen eben oft weit nach der normalen Handelszeit in Europa. Aber auch Marktteilnehmer, die keine Ambitionen haben, in diesem Hexenkessel mitzumischen, sind davon betroffen, denn die Aktienindizes reagieren wie Spiegel auf die Bewegungen der Ölpreise. Wobei indes eines auffällt:
Expertenmeinung: Der übergeordnete Aufwärtstrend bei Brent Crude Oil wurde durch das „Herunterreden“ der Kurse durch US-Offizielle bislang nicht gebrochen. So erratisch die Sprünge auch sind, wie man in unserem ganz kurzfristigen Chart sehen kann, der Brent Crude Oil seit Montagfrüh auf 15-Minuten-Basis zeigt:

Die Tendenz an sich bleibt aufwärts gerichtet. Aktuell ist es die im Chart auf Tagesbasis gelb markierte 10-Tage-Linie, die die Hausse zu führen scheint, vergleichbar mit dem extremen Peak beim Silberpreis unlängst.

Das alleine deutet an, dass sich die Beschwichtigungen sukzessiv abnutzen. Zumal man seitens Israel hört, dass man dort Mr. Trumps Ansicht über ein sehr baldiges Ende eines bereits klar gewonnenen Konflikts nicht teilt. Aber was gestern besonders auffiel, war die Reaktion auf die Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA), strategische Reserven in Höhe von 400 Millionen Barrel freizugeben. So viel wie noch nie, das entspricht knapp dem weltweiten Bedarf für vier Tage. Eigentlich hätte man sich nicht wundern müssen, wenn die Ölpreise daraufhin deutlich nachgegeben hätten, weil man schlussfolgert, dass ein Angebotsengpass damit kompensiert wäre. Aber das blieb aus, Brent zuckte nur kurz nach unten, holte diesen Rücksetzer aber binnen weniger Minuten wieder auf – wieso?
Vermutlich, weil man diese Maßnahme auch anders herum sehen kann: Die IEA scheint nicht daran zu glauben, dass die Passage durch die Straße von Hormus bald wieder frei sein wird, denn ansonsten wäre eine derart gewaltige Menge an aus strategischer Reserve freigegebenen Rohöls nicht erforderlich. Und es scheint, dass man am Ölmarkt momentan eher diesen Experten als den stetig wechselnden Aussagen aus Washington vertraut. Und damit bleibt auch der Aufwärtstrend bei Brent Crude Oil bis jetzt grundsätzlich erhalten.
Wir sehen zwar, dass der Kurs auf der 15-Minuten-Ebene (siehe oben) zwei Charthürden bei 95 und 99 US-Dollar vor sich hätte, bevor es erneut zu einer extremen Rallye kommen könnte. Aber dass Brent bislang Tuchfühlung zu diesem Bereich hält und sich sehr deutlich vom bisherigen Wochen-Verlaufstief bei 81 US-Dollar absetzen konnte, zeigt: Das Risiko, dass diese Hausse trotz des abverkauften Exzesses vom Montag die „zweite Luft“ kriegen könnte, bleibt erhalten.
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