Die vom VW-Konzern am Freitag vorgelegten Quartals- und Halbjahreszahlen waren düster. Doch ein größerer Ausverkauf der Aktie blieb aus: Die Marktteilnehmer hatten das angesichts der Negativschlagzeilen im Vorfeld erwartet. Ist das die Chance auf eine Bodenbildung?
Das erste Halbjahr war eines zum Vergessen. Die Frage ist aber, ob das angelaufene zweite Halbjahr so viel besser wird, dass die Anleger die negative Entwicklung der ersten zwei Quartale auch tatsächlich vergessen, sprich abhaken. VW hofft es. Aber kommt es auch so?
Der Konzern übertitelte seine Pressemitteilung zum Halbjahr mit „Volkswagen Group hält Kurs in anspruchsvollem Umfeld …“. Das könnte man auch interpretieren als „Wir ändern den Kurs nicht und segeln weiter in den Sturm hinein“. Denn das, was da auf den Tisch kam, war bezeichnend. Zwar gelang es, den Umsatz mit 158,1 Milliarden Euro fast auf dem Level des ersten Halbjahres 2025 zu halten (-0,2 Prozent). Aber der Fahrzeugabsatz ging zugleich um 8,4 Prozent in die Knie. Und die daraus ableitbaren, tendenziell höheren Preise könnten auf Sicht noch mehr Kunden vertreiben. Und zugleich bleibt das Kostenproblem:
Die Diskussion um einen massiven Stellenabbau und Werksschließungen hält an. Derweil lag die operative Gewinnmarge, die ja entscheidend von den Kosten abhängt, im zweiten Quartal mit 4,2 Prozent noch unter der Schätzung der Analysten von im Schnitt 4,8 Prozent. Für das Gesamtjahr hält der Konzern aber in Bezug auf seine Margenprognose Kurs: Weiterhin sieht man da eine Umsatzrendite zwischen 4,0 und 5,5 Prozent, basierend auf der Erwartung, dass das zweite Halbjahr besser wird, indes:
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Expertenmeinung: Das kann man erwarten, wie man will; es müsste eben auch so kommen. Und die derzeitige Gemengelage, in der vor allem chinesische Konkurrenten in Europa zulegen, während die deutschen Autobauer in China an Boden verlieren … in der man versucht, Kosten zu reduzieren, was indes die Attraktivität der Marke nicht steigert … und in der hohe Kraftstoffkosten und eine in vielen Ländern Schlangenlinien fahrende politische Guidance die potenziellen Käufer abschrecken … diese Gemengelage ist nicht dazu angetan, da einfach mal optimistisch den Daumen zu heben.
Und selbst wenn es gelänge, diese Marge zu halten: Da VW im Zuge dieser Halbjahreszahlen die Umsatzprognose gesenkt hat (jetzt -3 bis 0 statt zuvor 0 bis +3 Prozent), wird beim Gewinn pro Aktie trotzdem ein trauriges Bild entstehen. Doch angesichts des momentanen Chartbilds und der verhalten negativen Reaktion am Freitag auf die Zahlen (-2,03 Prozent) heißt das nicht, dass der weitere Weg der Aktie zwingend wie ein Strich abwärts weisen müsste.
Sie sehen im Chart, dass das bisherige Jahrestief noch hält. Das lag bei 69,20 Euro und entstand als Folge der vielen Gerüchte um einen immensen Stellenabbau und der Tatsache, dass der VW-Vorstand diese Meldungen so lange nicht kommentierte. Da war längst klar, dass die Lage bitterernst ist. Und da stellt sich die Frage, ob die jetzt vorgelegten Bilanzdaten wirklich noch viele Akteure zum Ausstieg anleiten, die zuvor investiert geblieben waren. Die Baisse dauert schon so lange und reicht so weit, dass der Aktie womöglich schlicht die Verkäufer ausgehen könnten. Aber!

Dass das Abwärtspotenzial begrenzt sein könnte, zumal die Bewertung längst eine ganze Menge „Krise“ eingepreist hat, heißt nicht, dass die Aktie zwingend über dem Jahrestief bleiben müsste oder gar eine Basis dafür bieten würde, hier ein „Schnäppchen“ zu sehen. Denn bärische Trader, die die Aktie leer verkaufen, könnten hartnäckig versuchen, das bisherige Tief trotzdem zu durchbrechen. Und noch ist offen, wie sehr sich die Krise des Konzerns und der Branche an sich noch verschärfen könnte.
Die Reaktion vom Freitag deutet an, dass, wer jetzt erst über Short-Trades nachdenkt, womöglich gefährlich lebt. Aber für ein bullisches Signal, das über die Daytrading-Ebene hinausgehen soll, müsste diese Aktie eine ganze Phalanx an Charthürden nehmen, wie der Chart zeigt. Bei Schlusskursen über 77 Euro und damit über dem Zwischenhoch von Anfang Juli wäre die Aktie für kurzfristige Trader auf der Long-Seite womöglich einen Gedanken wert. Aber für eine tragfähig wirkende Aufwärtswende muss sie über 96 Euro laufen. Und dieser Weg ist nicht nur ein langer, er ist auch äußerst steinig.
Quellenangaben: Ergebnis des 1. Halbjahres 2026, 24.07.2026: https://www.volkswagen-group.com/de/pressemitteilungen/volkswagen-group-haelt-kurs-in-anspruchsvollem-umfeld-und-erwartet-verbesserte-marge-im-zweiten-halbjahr-20542
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.07.2026 um 22:58 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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