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Am Tagestief des Freitags hatte Infineon gut 55 Prozent der Ende März begonnenen Rallye korrigiert. Die jüngste Kursbewegung rückt damit die technische Ausgangslage in den Fokus.
Wenn man in einer dynamisch haussierenden Aktie investiert ist, tut man sich naturgemäß eher schwer damit, zu welchem Zeitpunkt auch immer und egal, wie heiß gelaufen Kurs und markttechnische Indikatoren sein mögen, ein „zu teuer“ zu konstatieren. Man will, dass die Aktie weiter steigt, und zögert alleine deswegen damit, Gewinne zum Teil oder ganz mitzunehmen, weil die Angst, man könnte zu früh ausgestiegen sein, die Wahrnehmung dominiert. Beginnt eine solche Aktie aber abzurutschen, sieht die Sache anders aus.
Ein „Jetzt ist sie billig“ ist da schnell im Kopf … und oft auch schnell in einen Kauf umgesetzt, auch wenn der kurzfristige Abwärtstrend noch voll intakt ist. Das geschieht einfach, weil das vorherige Hoch schon so weit entfernt ist, dass mancher Trader die Distanz vom aktuellen Kurs zum Hoch als potenziellen Gewinn rechnet und sich sagt: Das lohnt sich. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung.
Zum einen könnte die Aktie zwar wieder an das alte Hoch steigen, muss es aber keineswegs. Immerhin haben solche scharfen Korrekturen, wie sie derzeit die Infineon-Aktie zeigt, normalerweise gute Gründe, die sich nicht einfach in Luft auflösen. Zum anderen laufen Abwärtsbewegungen bei hoch volatilen Aktien mit einem dann auch naturgemäß hohen Anteil an sehr kurzfristig und hoch spekulativ agierenden Tradern genauso emotional und unberechenbar ab wie die Rallyes zuvor. Dass bereits viel des vorherigen Anstiegs korrigiert ist, kann die Aktie auffangen, muss es aber nicht. Wie aber könnte man die Sache sonst angehen?
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Infineon Aktie finden Sie hier.
Ein Blick auf die Analystenmeinungen wäre da in der Regel nicht hilfreich. Denn je höher eine Aktie steigt, desto höher gehen viele Experten mit ihrem Kursziel, auch wenn neue Fakten in Form aktueller Bilanzdaten noch gar nicht vorliegen. Das gilt auch für Infineon: Die Ergebnisse des dritten Geschäftsjahresquartals bzw. zweiten Kalenderquartals stehen hier erst am 5. August an. Zudem aktualisieren Analysten ihre Einschätzungen ja nicht alle paar Tage, sodass man nicht weiß, ob einzelne Experten ihre Meinung zu der Aktie womöglich in Kürze dem gesunkenen Kurs anpassen werden.
Wenn man also realisiert, dass ein „zu billig“ genauso eine subjektive Meinung ohne Anspruch darauf, von der Realität umgesetzt zu werden, ist wie ein „zu teuer“, man aber Ersteres leichter glaubt, ist die Größenordnung der bisherigen Korrektur kein tauglicher Maßstab für die Frage, ob man zugreifen könnte oder nicht. Das gilt auch für die Bewertungen, denn gerade bei Wachstumstiteln schaut man da auf die kommenden Jahre … obwohl man wissen müsste, dass absolut nicht abschätzbar ist, ob z. B. Infineon in Kürze massiv vom KI-Boom erfasst wird und der Gewinn pro Aktie deshalb durch die Decke geht … oder eben nicht. Also?
Also wäre der bessere Weg, sich von der die Wahrnehmung beeinflussenden, immensen Dynamik der Kursbewegungen zu lösen und einfach genau das zu tun, was man bei jeder „normalen“ Aktie auch tun würde: Abwarten, ob eine Aufwärtswende gelingt. Und zwar, indem dafür relevante Widerstandslinien überboten werden, was andeuten würde, dass die Verkäufer erst einmal „durch“ sind und aktiv Short agierende Trader nicht mehr dagegenhalten wollen oder können.

Im Fall der Infineon-Aktie wäre das momentan der Widerstandsbereich 74/75 Euro, zusammengesetzt aus der Nackenlinie des unlängst vollendeten Tops und der 20-Tage-Linie. Das wäre zwar ein gutes Stück über dem derzeitigen Kurs. Aber wenn man sich ansieht, dass die vorherige Kaufwelle keine potenziellen Supportlinien herausgebildet hat, sodass das Abwärtspotenzial aus rein charttechnischer Sicht bis hinunter in die Region 48/49 Euro reichen würde, sollte man sich dringend überlegen, diese Geduld und Disziplin erfordernde Variante in Sachen Einstieg zu präferieren, statt vertrauensselig ins fallende Messer zu greifen.
Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 17.07.2026 um 22:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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