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Kontron Aktie Prognose Kontron: Da blickt keiner mehr durch

News: Aktuelle Analyse der Kontron Aktie

In diesem Artikel
Kontron
ISIN: AT0000A0E9W5
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Ticker: KTN --- %
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Börse: --

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Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral
Zur Kontron Aktie

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).

Und die Verwirrung wird all jene verwirren, die nicht wissen; und niemand wird wirklich genau wissen, wo diese kleinen Dinge zu finden sind…

Zitat aus „Das Leben des Brian“ (1979). Passend zur aktuellen Lage von Kontron.

Zwischen Sondereffekten und strategischem Wandel

Kontron wird an der Börse aus meiner Sicht seit Jahren falsch verstanden. Immer wieder führen ähnliche Missverständnisse dazu, dass die tatsächliche Entwicklung des Unternehmens nicht vollständig erkannt wird.
Teilweise sind die Fehler aber auch hausgemacht und finden vor allem auf der kommunikativen Ebene statt.

Der Wandel begann bereits vor mehreren Jahren. Im Jahr 2022 trennte sich Kontron von Unternehmensteilen und erzielte dabei attraktive Verkaufserlöse. Dieser Schritt führte zu einem außergewöhnlich hohen Gewinn, der jedoch nicht die normale operative Entwicklung widerspiegelte.

Als dieser Sondereffekt im Folgejahr wegfiel, entstand der Eindruck eines massiven Gewinneinbruchs. Tatsächlich handelte es sich aber vor allem um einen statistischen Effekt und nicht um eine Verschlechterung des Geschäfts.

Ein Teil der Erlöse wurde anschließend als Sonderdividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Als diese zusätzliche Zahlung später entfiel und nur noch die reguläre Dividende übrigblieb, wurde dies von einigen Marktteilnehmern und Börsenmedien fälschlicherweise als Dividendensenkung interpretiert.

Solche Verzerrungen haben das Bild von Kontron an der Börse geprägt und sind bis heute relevant.

Vom Hardwarelieferanten zum Technologiepartner

Operativ hat sich das Unternehmen in dieser Zeit jedoch weiterentwickelt. Wer genauer hinsieht, erkennt ein klares Muster: Kontron verabschiedet sich zunehmend von wachstumsstarkem, aber margenschwachem Volumengeschäft und konzentriert sich auf profitablere Bereiche.

Das Unternehmen entwickelt und produziert Embedded-Computer, IoT-Plattformen und Softwarelösungen für industrielle Anwendungen. Die Technologie kommt unter anderem in Zügen, Maschinen, Kommunikationssystemen und zunehmend auch in sicherheitsrelevanten Bereichen zum Einsatz.

Traditionell war ein großer Teil des Geschäfts durch Hardware geprägt, etwa durch Computer-on-Modules und industrielle Boards. Diese Komponenten bilden zwar die Grundlage vieler moderner Systeme, bieten aber vergleichsweise begrenzte Margen.

Genau hier setzt die Transformation an. Kontron will nicht mehr nur einzelne Komponenten verkaufen, sondern komplette Lösungen aus Hardware, Software und Dienstleistungen anbieten. Dadurch steigt die Wertschöpfung pro Kunde, gleichzeitig entstehen engere und langfristige Kundenbeziehungen.
Weg vom austauschbaren Zulieferer, hin zum integrierten Technologiepartner mit wiederkehrenden Erlösen.

Nicht das Geschäft ist das Problem, sondern die Kommunikation

Ein wichtiger Schritt dieser Strategie war die Trennung von Teilen des margenschwächeren Modulgeschäfts im Geschäftsjahr 2025. Auch dieser Verkauf sorgte für einen positiven Sondereffekte – einen Gewinnsprung.

Dadurch entsteht im laufenden Geschäftsjahr erneut der Eindruck einer schwächeren Ergebnisentwicklung, obwohl sich das operative Geschäft weiter verbessert.

Genau diese Zusammenhänge scheinen viele Marktteilnehmer nicht ausreichend zu berücksichtigen. Wer Kontron nur anhand einzelner Gewinnzahlen oder Schlagzeilen bewertet, übersieht die eigentliche Geschichte hinter dem Unternehmen.

Allerdings liegt die Verantwortung auch beim Unternehmen selbst. Die Kommunikation von Kontron war in einigen Situationen unglücklich und hat zusätzliche Verunsicherung geschaffen.

Ein Beispiel dafür ist das Pflichtangebot von Ennocon. Einige Anleger interpretierten dieses Pflichtangebot als Übernahmeangebot und leiteten daraus ab, dass der Preis in Höhe von 23,50 Euro angemessen sei.

Tatsächlich handelte es sich jedoch lediglich um ein Pflichtangebot, nachdem die Beteiligung von Ennocon durch die Aktienrückkäufe von Kontron die Schwelle von 30 Prozent überschritten hatte.

Pflichtangebot und Insiderverkäufe

Ennocon hatte offenbar kein Interesse daran, die Beteiligung deutlich auszubauen, weshalb der Angebotspreis möglichst niedrig angesetzt wurde. Daraus entstand der Eindruck, dass selbst der Großaktionär Kontron keinen höheren Wert zugesteht.

Für zusätzliche Irritation sorgte anschließend der Umgang des Managements mit diesem Thema. Der Vorstand empfahl den Aktionären, das Angebot abzulehnen. Gleichzeitig nutzten vier Insider, darunter auch der CEO, die Möglichkeit, Aktien im Rahmen des Angebots zu verkaufen. Insgesamt wechselten dabei mehr als 300.000 Aktien den Besitzer.

Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich – mancher Aktionär dürfte sich im ersten Moment sogar getäuscht oder hintergangen gefühlt haben.

Wer sich jedoch die Details anschaut, dem wird klar, was wirklich geschehen ist. Die Vorstände konnten Aktienoptionen zu einem Preis von 15,30 Euro ausüben und diese anschließend direkt für 23,50 Euro verkaufen.

Die Entscheidung war aus individueller Sicht wirtschaftlich nachvollziehbar. Kommunikativ war sie jedoch äußerst unglücklich, weil sie ohne zusätzliche Erklärung bei vielen Anlegern einen negativen Eindruck hinterlassen musste.

Auch die Größenordnung sollte richtig eingeordnet werden. Der Verkauf von rund 120.000 Aktien durch den CEO klingt zunächst nach einem starken Signal. Entscheidend ist aber der Gesamtbestand: Nach dem Verkauf besitzt Niederhauser rund 1,4 Millionen Aktien und Optionen für weitere 600.000 Anteile.

Alles nachvollziehbar. Aber kommunikativ: ganz schlecht.

Plötzliche Dividendenstreichung

Ähnlich verhält es sich mit der Entscheidung, für das Geschäftsjahr 2025 keine Dividende auszuschütten. Auch diese Maßnahme wurde von einigen Anlegern als Warnsignal interpretiert.

Der Hintergrund war jedoch nicht eine schwächere Geschäftslage oder ein Mangel an Liquidität.
Vielmehr entschied sich das Unternehmen für eine andere Form der Kapitalrückführung. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen vor, den Bilanzgewinn von rund 147 Millionen Euro vollständig auf neue Rechnung vorzutragen und stattdessen ein Aktienrückkaufprogramm umzusetzen.

Das Programm umfasst bis zu 2,9 Millionen Aktien beziehungsweise etwa 4,54 Prozent des Grundkapitals. Dafür sind bis zu 50 Mio. Euro vorgesehen.

Auch an dieser Stelle: Nachvollziehbar, bei einem KGVe von etwa 15 sogar sinnvoll. Aber kommunikativ: ganz schlecht

All das ist für die Aktionäre äußerst unerfreulich. Eigentlich müsste die Kontron-Aktie auf einer Welle von guten Nachrichten reiten. In den letzten Monaten konnte das Unternehmen einen Großauftrag nach dem anderen an Land ziehen, doch statt den positiven Newsflow in einen steigenden Börsenwert umzumünzen, werden immer wieder Fehler in der Kommunikation gemacht.

Wenn das Unternehmen an irgendeiner Stelle nachbessern muss, dann hier. Denn operativ gibt es wenig zu klagen.

Für das laufende Geschäftsjahr stellt Kontron ein organisches Wachstum von 8 % und ein bereinigtes EBITDA von 225 Mio. Euro (vor Restrukturierungsaufwendungen von rund 25 Mio. Euro) in Aussicht.

Den Konsensschätzungen zufolge wird im laufenden Geschäftsjahr ein Gewinn von 1,46 Euro je Aktie erwartet und im kommenden Geschäftsjahr ein Ergebnis von 2,00 Euro je Aktie.
Kontron wird dementsprechend mit einem KGVe von 15,7 bewertet. Sollten die Prognosen erfüllt werden, würde das KGV im kommenden Jahr auf 11,5 sinken. Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV von Kontron bei 19,6.

Kontron Aktie: Chart vom 10.07.2026, Kurs: 22,98 EUR – Kürzel: KTN | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Kontron Aktie: Chart vom 10.07.2026, Kurs: 22,98 EUR – Kürzel: KTN | Quelle: TWS

Übergeordnet ist das Chartbild leicht bullisch. Gelingt jetzt ein Anstieg über 24 Euro, könnte das Kursgewinne in Richtung 25,00 Euro ermöglichen. Darüber kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 26,00 sowie 26,70 und 29 Euro.

Fällt die Akte jedoch unter die Unterstützungszone bei 22,00–22,50 Euro, muss mit einem Rückfall in Richtung 20 oder 19 Euro gerechnet werden.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.07.2026 um 15:23 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

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Vorherige Analysen der Kontron Aktie

31.03.2026
15:52 Uhr

Die Börse scheint es nicht zu verstehen: So tickt Kontron — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 31.03.2026 um 15:34 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Schwache Umsatzentwicklung, ein stark steigender Gewinn und anschließend ein Gewinneinbruch? Die Entwicklung von Kontron wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Doch wer genauer hinsieht, könnte dahinter eine klare Strategie erkennen.

So kompliziert ist es eigentlich nicht

Kontron wird aus meiner Sicht seit Jahren falsch verstanden und obendrein ist es auch noch zu einem mir unerklärlichen Kurssturz gekommen.

Im Endeffekt sind es scheinbar immer wieder dieselben Gründe, die dafür verantwortlich sind, dass Kontron nicht verstanden wird.
Kontron befindet sich seit mehreren Jahren in einer strategischen Neuausrichtung. Bereits 2022 wurden Unternehmensteile verkauft und da Kontron einen guten Preis erzielt hat, führte das zu einem massiven Gewinnsprung.

Darauf folgte ein vermeintlicher Gewinneinbruch, der jedoch durch den Wegfall dieses Sondereffektes verursacht wurde und nichts mit der operativen Realität zu tun hatte.

Ein Teil der Verkaufserlöse wurde als Sonderdividende ausgeschüttet, was anschließend zu einer „Senkung der Dividende“ geführt hat. Wenn Sie diese mediale Einordnung als unsinnig erachten, sind Sie damit nicht allein.

All das wird später noch von Bedeutung sein.

Seitdem wurden die operativen Erfolge an der Börse nur halbherzig aufgenommen. Der Kurs legte zwar ordentlich zu, hinkt den geschäftlichen Entwicklungen aber hinterher.

Der Kurs liegt zwar trotz der jüngsten Kursverluste noch weit über dem Tief aus 2022, doch seit Mitte vergangenen Jahres geht es tendenziell wieder abwärts.

Die Börse scheint wieder nicht zu verstehen, was vor sich geht, obwohl die aktuelle Situation im Kern dieselbe ist wie 2022.

Wie Einmaleffekte für Verwirrung sorgen

Wer genauer hinschaut, erkennt ein klares Muster: Das Unternehmen tauscht Volumen gegen Profitabilität.

Kontron entwickelt und produziert Embedded-Computer, IoT-Plattformen und Softwarelösungen, die vor allem in industriellen Anwendungen zum Einsatz kommen. Die Produkte stecken in Zügen, Maschinen, Kommunikationsnetzen und zunehmend auch in Verteidigungssystemen.

Klassisch stammt ein großer Teil des Geschäfts aus Hardware, etwa Computer-on-Modules oder industriellen Boards. Diese Komponenten sind das Rückgrat vieler vernetzter Systeme, liefern aber vergleichsweise niedrige Margen. Genau hier setzt der Strategiewechsel an.

Statt möglichst viel Hardware zu verkaufen, verlagert sich Kontron in Richtung Software und integrierte Lösungen.
Diese Kombination aus Gerät, Betriebssystem und Service bindet Kunden langfristig und steigert die Wertschöpfung pro Auftrag. In der Branche folgt das Unternehmen damit einem klaren Trend: weg vom reinen Komponentenlieferanten, hin zum Lösungsanbieter mit wiederkehrenden Erlösen.

Warum 2026 schwach wirkt, es aber nicht ist

Der sichtbarste Schritt war die Trennung von Teilen des margenschwachen Modulgeschäfts im Geschäftsjahr 2025. Dadurch wurde der Gewinn abermals künstlich aufgebläht.

Wer das nicht weiß und Kontron oberflächlich betrachtet, sieht jedoch nur einen Gewinnsprung und eine vermeintlich schwache Prognose.
Denn dieser positive Einmaleffekt fällt 2026 weg, was zu einem scheinbaren Rückgang des Ergebnisses führt.

All das scheint nicht verstanden zu werden, dabei ist es gar nicht so kompliziert. Da ich seit 2022 live mitverfolge, wie diese Entwicklungen nicht durchschaut werden, gehe ich davon aus, dass sie auch aktuell nur unzureichend verstanden werden.

Hinzu kommen rätselhafte Vorfälle wie am 19. März, als die Aktie ohne ersichtlichen Grund kollabierte.
Was genau der Auslöser war, darüber lässt sich nur spekulieren: Ein sogenannter Fat Finger, eine dadurch ausgelöste Welle an Stopps und eine gezielte Short-Attacke oder eine Mischung daraus.

Aktienrückkäufe, Ausblick und Bewertung

Der Vorstand reagierte darauf mit handfesten Maßnahmen, sowohl persönlich als auch auf Unternehmensebene.
Der Vorstandschef hat seitdem mehrfach Aktien des Unternehmens gekauft, zunächst 5.000 Stück zu einem Preis von 17,62 Euro und dann weitere 3.000 Stück für 18,74 Euro.

Darüber hinaus wurde der Rückkauf von bis zu 2,9 Millionen eigenen Aktien beschlossen, was etwa 4,5 % aller ausstehenden Papiere entspricht. In Anbetracht der Bewertung und der Kapitalausstattung des Unternehmens ist das aus meiner Sicht die richtige Entscheidung.

Den Konsensschätzungen zufolge wird für 2026 ein Gewinn von 1,98 Euro je Aktie erwartet. Kontron kommt demnach auf ein KGVe von 9,6.
Das wäre für einen kränkelnden Konzern angebracht, doch diese Beschreibung trifft auf Kontron meines Erachtens nicht zu. In den letzten fünf Jahren lag das KGV durchschnittlich bei 15.

Kontron Aktie: Chart vom 31.03.2026, Kurs: 18,95 EUR – Kürzel: KTN | Online Broker LYNX
Kontron Aktie: Chart vom 31.03.2026, Kurs: 18,95 EUR – Kürzel: KTN | Quelle: TWS

Können die langfristigen Abwärtstrends bei etwa 19,60 und 20,50 Euro wieder überwunden werden, könnte das eine Erholung in Richtung 21 oder 22,00 – 22,50 Euro einleiten.
Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal.

Fällt die Aktie jedoch unter 18,80 Euro, könnte das zu einem erneuten Rücksetzer in Richtung Aufwärtstrend führen.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

12.11.2025
11:13 Uhr

Kontron: Kampf zwischen Hedgefonds und Insidern — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 12.11.2025 um 10:58 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Spektakuläre Kurskapriolen, Short-Angriffe und Insiderkäufe. Hinter den Kulissen tobt ein Kampf um das Vertrauen der Anleger.

Gezielter Angriff?

In den letzten Monaten hat die Kontron-Aktie einen Höhenflug erlebt. Seit Ende 2024 ist der Kurs von unter 16 auf 29 Euro gestiegen, ein Plus von etwa 80 %.
Doch der Weg war alles andere als geradlinig. Immer wieder kam es zu Kurskapriolen.

Der letzte Kurssturz wurde ausgelöst, als bekannt wurde, dass mehrere Hedgefonds Leerverkaufspositionen eröffnet haben.
Dem Bundesanzeiger zufolge sind gleich vier Hedgefonds Short.

Viel interessanter ist aus meiner Sicht aber das Timing. Wie der Zufall es so will, kamen die Meldungen über die Short-Positionen fast zeitgleich mit der Nachricht, dass Goldman Sachs seine Beteiligung an Kontron reduziert hat.

Ich würde das natürlich niemals behaupten, aber ein gezielter Angriff würde auch nicht anders aussehen.
Ebenso gut ist es möglich, dass die Hedgefonds schlichtweg vorher schon wussten, dass Goldman seine Beteiligung reduzieren würde und den Moment der Schwäche genutzt haben.

Insider schlagen zu

Der Vorstand hat auf die Situation souverän reagiert und vorläufige Quartalszahlen vorgelegt, um dem „fundamental unbegründeten Kursrutsch“ entgegenzuwirken und „Marktspekulationen vorzubeugen“.
Da inzwischen auch die abschließenden Zahlen vorliegen, werden wir die vorläufigen Zahlen überspringen und später im Artikel den Quartalsbericht durchleuchten.

Die vorläufigen Zahlen waren aber nicht die einzige vertrauensbildende Maßnahme. Der CEO und Großaktionär hat am 28. Oktober bei einem Kurs von 23,12 Euro für über 100.000 Euro Aktien von Kontron gekauft.
CFO Billek hat bei einem Kurs von 23,10 Euro zugeschlagen und 2.000 Anteile für etwas mehr als 46.000 Euro gekauft.

Anschließend hat Ennoconn International Investment Co., die in Verbindung mit dem Aufsichtsratsmitglied Chu steht, bei einem Preis von 22,08 Euro pro Aktie auf einen Schlag 30.000 Aktien mit einem Gesamtwert von 662.400 Euro erworben.

Einige Hedgefonds und Goldman scheinen skeptisch zu sein, doch die Insider sind es nicht.

Strategische Neuausrichtung trägt Früchte

Die Geschäftszahlen zeigen, warum das der Fall ist. Da Kontron das COM-Geschäft, welches in etwa einen Jahresumsatz von 100 Mio. Euro erzielt hat, verkauft hat, ist der Konzernumsatz in den ersten neun Monaten mit 1,18 Mrd. Euro nahezu unverändert.

Die Profitabilität hat sich jedoch deutlich verbessert. Das Konzernergebnis ist von 62,3 auf 110,8 Euro gestiegen. Der Gewinn je Aktie kletterte von 1,01 auf 1,80 Euro.

Der Auftragsbestand konnte seit dem Jahreswechsel von 2,08 auf 2,44 Mrd. Euro massiv gesteigert werden. Die Auftragsbücher sind demnach prall gefüllt, was für eine Fortsetzung des Wachstums spricht.
Der Wert der Projekt-Pipeline ist sogar von 6,64 auf 7,80 Mrd. Euro gestiegen.

Die strategische Neuausrichtung des Unternehmens scheint sich auszuzahlen:
Kontron hat den Großteil des IT-Geschäfts im Jahr 2022 an Axians verkauft. Damals verblieben drei IT-Gesellschaften mit einem Umsatz von 220 Mio. Euro in Ungarn, Rumänien und Österreich. 70 Mio. Euro an IT-Geschäft wurden mittlerweile beendet.

Durch den Abgang des COM-Geschäfts und die Reduktion der IT-Aktivitäten gingen rund EUR 170 Mio. Umsatz verloren. Ein weiterer Verkauf von IT-Aktivitäten ist in Planung.
Gleichzeitig konnte aber die Gross Marge von 34,7 % im Jahr 2022 auf 41,7 % in Q3 2025 gesteigert werden. In derselben Zeit stieg das EBITDA von 70 Mio. Euro 2022 auf 220 Mio. Euro (operativ ohne Sondereffekt). Die Fokussierung zahlt sich aus.

Massiver Gewinnsprung in diesem Jahr

Die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr wurde bestätigt. Kontron stellt weiterhin ein operatives EBITDA von mehr als 220 Mio. Euro in Aussicht, zuzüglich einmaliger positiver Sondereffekte in Höhe von 46 Mio. Euro durch den Verkauf von COM.

Kontron stellt demnach für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinnsprung von 1,47 auf etwa 2,47 Euro je Aktie in Aussicht.
Das KGVe liegt demnach bei 9,3.

Darüber hinaus sieht sich das Unternehmen gut positioniert, um den Wachstumskurs und die Profitabilität auch im kommenden Jahr fortzusetzen.
Der gemeldete Gewinn je Aktie könnte dennoch auf der Stelle treten, da der positive Sondereffekt durch den Verkauf von COM wegfallen wird.

Womöglich ist auch das einer der Gründe für den Short-Angriff auf die Aktie. Sinkt der gemeldete Gewinn im nächsten Geschäftsjahr, lässt sich das gut für Negativ-Schlagzeilen nutzen – auch wenn das operative Ergebnis gleichzeitig steigt.

Daher wird auch mit einer steigenden Dividende gerechnet. Die Ausschüttung für 2025 könnte von 0,60 auf 0,83 Euro je Aktie steigen, was einer Dividendenrendite von 3,63 % entspricht.

Kontron Aktie: Chart vom 12.11.2025, Kurs: 22,82 EUR - Kürzel: KTN | Online Broker LYNX
Kontron Aktie: Chart vom 12.11.2025, Kurs: 22,82 EUR – Kürzel: KTN | Quelle: TWS

Aus technischer Sicht war der Abverkauf von untergeordneter Bedeutung. Die Aktie ist nicht in den Abwärtstrend zurückgekehrt, sondern ist abgeprallt und anschließend wieder über 22,50 Euro gestiegen.
Dadurch sind die Bullen wieder im Vorteil. Ausgehend von dieser Basis könnte es jederzeit wieder zu einem Anstieg in Richtung 24 oder 25 Euro kommen. Darüber würde ein Kaufsignal ausgelöst.

Fällt die Aktie jedoch unter 22,50 Euro, muss mit einem erneuten Rücksetzer bis 21 Euro gerechnet werden. Wirklich problematisch wird die Sache aber erst unter 20 Euro.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

18.08.2025
14:48 Uhr

Kontron: Lange übersehen, jetzt im Fokus — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Wenn Anleger das Interesse verlieren, entstehen oft die besten Chancen. Warum Sie sich Kontron jetzt genauer anschauen sollten.

Systematisch mögliche Kursraketen identifizieren

An der Börse verläuft vieles in Zyklen, die vor allem durch das zunehmende oder sinkende Interesse von Anlegern getrieben wird.

Zeitweise stehen Aktien oder ganze Sektoren im Fokus der Anleger, sie sind beliebt und gehen durch die Decke. Meistens wird das durch Wachstumsfantasien oder starke Geschäftszahlen getrieben.
In beiden Fällen kommt es in der Regel dazu, dass der Kurs wesentlich schneller steigt, als es rational und fundamental zu rechtfertigen wäre.
Bei Kontron ist das beispielsweise in den Jahren bis 2018 geschehen.

Es kam zu einer Überbewertung, die unweigerlich in einem Crash oder einer langwierigen Stagnation münden musste.
Läuft das Geschäft tendenziell schlecht, kommt es meistens zu Crashs. Läuft es gut, tendiert der Kurs meistens seitwärts.

Während dieser Seitwärtsbewegungen sinkt das Anlegerinteresse immer weiter. Wer möchte schon in eine Aktie einsteigen, die auf der Stelle tritt?

Man sollte nicht unterschätzen, wie groß der psychologische Effekt von sinkenden oder stagnierenden Kursen auf Anleger ist.
In solchen Situationen ist die naheliegendste Erklärung, dass mit dem Unternehmen „etwas nicht stimmt“.

Bis es nicht mehr ignoriert werden kann

Dabei werden realwirtschaftliche Fortschritte gerne übersehen oder schlichtweg ignoriert.

Wie lange Fakten an der Börse ignoriert werden, davon kann jeder erfahrene Anleger ein Liedchen singen. Wie viele Beispiele fallen Ihnen ein, in denen der Markt unaufhörlich gestiegen ist, obwohl die dunklen Wolken längst sichtbar waren?

In den letzten 12 Monaten habe ich ein halbes Dutzend Analysen zu Kontron geschrieben und immer wieder darauf hingewiesen, dass hier so ein Fall vorliegt. Sie finden mehrere ausführliche Artikel zum Unternehmen auf LYNX Broker.

Dort können Sie im Detail nachlesen, was in dieser Zeit geschehen ist. Kurz zusammengefasst lässt es sich wie folgt ausdrücken:
Kontron hat nach der strategischen Neuausrichtung auf IoT eine deutliche Zunahme der Wachstumsdynamik erlebt, etliche Großaufträge an Land gezogen, erhebliche Gewinnsteigerungen verzeichnet und Quartal nach Quartal neue Rekorde eingefahren.
Der Auftragsbestand war bereits Anfang des vergangenen Jahres so hoch, dass aus meiner Sicht vollkommen klar war, wohin die Reise gehen würde.

Im ersten Quartal 2024 lag der Auftragsbestand bei 1,84 Mrd. Euro und der Wert der Projekt-Pipeline bei 5,35 Mrd. Euro, was damals dem anderthalb beziehungsweise Vierfachen des Jahresumsatzes entsprach.

Das bringt mir jetzt auch nichts mehr …

Alles schön und gut, denken Sie sich vielleicht. Welchen Nutzen haben all diese Informationen rückblickend noch?
Aus meiner Sicht ist der Erkenntnisgewinn enorm.

Anhand von Kontron lässt sich exemplarisch aufzeigen, wie man zukünftige Gewinner identifizieren könnte. Es ist natürlich nicht die einzige Methode, um potenzielle Kursraketen zu finden, es ist aus meiner Sicht jedoch eine der einfachsten und zuverlässigsten.

Läuft der Kurs einer Aktie über Jahre hinweg seitwärts, obwohl Umsatz, Gewinn und Cashflow stetig steigen, baut sich mit der Zeit immer mehr Druck auf. Doch irgendwann können die Fakten nicht mehr ignoriert werden.

In den meisten Fällen mündet das in einer impulsiven Aufwärtsbewegung und es kommt zu einem Umdenken an der Börse. Zuerst steigen fundamental orientierte Anleger ein, dann aktive Trader und schlussendlich die breite Masse.

Man muss sich nur vorab positionieren und abwarten, den Rest erledigt die Gravitation.

Kontron Aktie: Chart vom 18.08.2025, Kurs: 24,96 EUR - Kürzel: KTN | Online Broker LYNX
Kontron Aktie: Chart vom 18.08.2025, Kurs: 24,96 EUR – Kürzel: KTN | Quelle: TWS

Der erste Aufwärtsimpuls hat Kontron von etwa 16 auf 29 Euro katapultiert. Das könnte jedoch erst der Anfang einer langwierigen Rallyephase sein.

Der Kurs ist heute nicht höher als 2018, obwohl der Gewinn doppelt so hoch ist und sich die Qualität des Unternehmens durch die strategische Neuausrichtung verbessert hat.

Im letzten Geschäftsjahr hat Kontron einen Gewinnsprung um 16 % auf 1,42 Euro je Aktie erzielt und im laufenden Geschäftsjahr konsequent daran angeknüpft.

Im ersten Quartal konnte der Umsatz von 356,1 auf 385,4 Mio. Euro und der Gewinn von 0,26 auf 0,33 Euro je Aktie gesteigert werden. Der Auftragsbestand kletterte von 2,08 auf 2,19 Mrd. Euro und der Wert der Projekt-Pipeline sogar von 6,64 auf 7,45 Mrd. Euro.

Im zweiten Quartal legte der Umsatz von 395,7 auf 423,8 Mio. Euro und der Gewinn von 0,35 auf 1,12 Euro je Aktie zu.

Warum Anleger Kontron jetzt nicht mehr ignorieren sollten

Nach sechs Monaten hat Kontron somit nahezu so viel verdient wie im Vorjahr. Der positive Trend dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen, denn der Auftragsbestand konnte von 2,08 auf 2,28 Mrd. Euro und der Wert der Projekt-Pipeline konnte von 6,64 auf 7,72 Mrd. Euro gesteigert werden.

Daraufhin hat Kontron die Prognose für das EBITDA in diesem Jahr von mindestens 220 auf mindestens 270 Mio. Euro erhöht, was einem Anstieg um 40 % oder mehr entspricht.

Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis in diesem Jahr um 50 % auf 2,20 Euro je Aktie steigen.
Das bedeutet, dass das KGVe heute genauso hoch oder niedrig ist wie am Tief von 2024 bei etwa 16 Euro.

Das spricht dafür, dass das Kurspotenzial noch nicht ausgeschöpft sein könnte. Hinzu kommt eine solide Dividendenrendite von 3,0 %.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.