ASML Aktie aktuell ASML Holding: Eine Goldgrube? Ja, aber keine Einbahnstraße

News: Aktuelle Analyse der ASML Aktie

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To the ASML Aktie

Überall sind Chips knapp. Viele Hersteller versuchen, ihre Produktionskapazität hochzufahren. Was dazu benötigt wird, sind Anlagen, die die niederländische, im MDAX notierte ASML Holding liefert. Eine Aktie wie eine Goldgrube … aber eine Einbahnstraße ist es dennoch nicht.

Die ASML Holding stellt sogenannte Lithographie-Systeme her, die für die Herstellung von Halbleitern benötigt werden. In einem Umfeld, in dem das Endprodukt weltweit knapp ist, eine perfekte Situation. Der ASML Holding werden ihre Anlagen aus den Händen gerissen … und das macht es natürlich möglich, starke Gewinnmargen zu erzielen. Es wird quasi bezahlt, was verlangt wird, denn ASML gehört zu den Weltmarktführern. Wenn der Preis zu hoch erscheint, können Chiphersteller da eben nicht so einfach zum nächsten Anbieter um die Ecke gehen. Das Ergebnis waren grandiose Zahlen zum zweiten Quartal:

Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2021 um gut 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, der Nettogewinn legte überproportional um 38 Prozent zu. Und diese Zugewinne haben keinen „Corona-Basiseffekt“, denn bei der ASML Holding waren Umsatz und Gewinn 2020 ebenfalls schon kräftig gestiegen. Dass der Gewinn deutlich mehr zulegte als der Umsatz, ist dabei nicht zuletzt das Resultat aus dieser aktuellen Mangelsituation: Es gelang, die Bruttomarge auf sagenhafte 50,9 Prozent zu steigern.

Daraufhin hob das Unternehmen die Gesamtjahresprognose an. Derzeit rechnet man mit einem Umsatzplus von 30 Prozent, einer Bruttomarge im Bereich 51/52 Prozent und einem Anstieg des Nettogewinns um 35 Prozent. Die derzeitigen Gewinnerwartungen der Analysten sehen im Schnitt sogar noch mehr. Und da die Chip-Verknappung nicht in Kürze enden wird, dürften sie wohl nicht falsch liegen. Eine solche Aktie kann nur immer weiter steigen … oder?

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Expertenmeinung: Heute ist sie eine Goldgrube, keine Frage. Aber eines sollte man natürlich im Hinterkopf behalten: Dieser Chipmangel ist ein hartnäckiges und nicht schnell zu beseitigendes Problem, aber dennoch endlich. Vor allem, wenn die Produktionskapazität, die die Chiphersteller jetzt zusätzlich aufbauen, auch aktiviert werden kann, was in 12 bis 18 Monaten erwartet wird. Und das hieße: Was ASML heute aus den Händen gerissen wird, ist ebenfalls eine Art „Flaschenhals“, denn wenn diese zusätzliche Chipproduktion auf eine wieder normalisierte Nachfrage trifft, hat man ein Überangebot. Und dann braucht es erst einmal keine neuen Produktionsstätten mehr, so dass die Nachfrage nach den ASML-Anlagen irgendwann in ein Loch fällen könnte.

Wann das sein wird, ist in keiner Weise vorhersehbar, aber so, wie die Aktie derzeit läuft, muss man fürchten, dass kaum jemand momentan so weit nach vorne denkt. Oder, wenn doch, zumindest nicht entsprechend handelt. Momentan verlängern die Analysten die Gewinnsteigerungen bis einschließlich 2023 wie mit dem Lineal, viele Anleger werden das wohl auch tun. Aber wie lange noch? Das Problem ist:

In dem normalen Umfeld der Jahre 2014 bis 2018 lag das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) der ASML-Aktie immer um 30, per Ende 2019 dann bei 40. Jetzt aber liegt es bei 55. Das wäre nur gerechtfertigt, wenn das Wachstum mit dem aktuellen Tempo nicht nur 2022, sondern auch 2023 weitergeht. Wenn nicht, und damit sollte man eben rechnen, wäre die Aktie zu teuer. Und eine Korrektur vom aktuellen KGV bei 55 auf 40 hieße einen Rückgang des Aktienkurses um fast 30 Prozent. Da kann es wirklich nicht schaden, bei diesem Highflyer auch mal nach unten zu schauen um zu prüfen, was bei Rücksetzern halten müsste, um den Aufwärtstrend zu wahren.

Sie sehen im Chart, dass die ASML-Aktie den ohnehin schon steilen, im Herbst 2020 etablierten Aufwärtstrendkanal im August nach oben verlassen hat. Damit haben wir jetzt drei wichtige charttechnische Ankerpunkte: die obere Begrenzung des überbotenen Trendkanals, die 20-Tage-Linie als kürzester der gleitenden Durchschnitte von Bedeutung und die dieses „Überschießen“ führende Juli-Aufwärtstrendlinie. Diese drei Schlüssel-Supports bewegen sich derzeit in der Zone 690 bis 705 Euro und steigen langsam mit dem Kurs mit.

Fiele dieser Bereich, wäre die nächste, größere Auffangzone erst um 590 Euro zu finden. Zu weit weg, um das mit aggressiven, kurzfristigen Long-Trades mitmachen zu wollen. Ein Stoppkurs um 690 Euro, den man dann mit dem Anstieg dieser Linien sukzessiv nachzieht, wäre daher eine sinnvolle Versicherung gegen die Tatsache, dass keine Aktie eine Einbahnstraße ist, auch die der ASML Holding nicht.

Chart vom 08.09.2021, Kurs 722,40 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen der ASML Aktie

Seit Anfang des Jahres hat die Aktie der ASML Holding bereits über 50 Prozent zugelegt. Da ist zweifellos einiges an Vorschusslorbeeren auf weiterhin dynamisches Wachstum im Kurs enthalten. Aber bislang hat die ASML Holding solche „Vorschüsse“ auch immer zurückgezahlt.

Die niederländische ASML Holding ist ein Hersteller von Lithographie-Systemen zur Herstellung von Halbleitern. Die Chipindustrie ist eine äußerst konjunktursensible Branche und diejenigen, die hier als Zulieferer agieren, sind den Schwankungen der Weltwirtschaft normalerweise umso mehr ausgesetzt. Die ASML Holding jedoch wies auch in für die Chiphersteller schwierigen Jahren steigende Umsätze und Gewinne aus. Und jetzt rechnet man damit, dass sich dieses Wachstum beschleunigen und über Jahre verstetigen wird.

Das für viele Unternehmen schwierige Jahr 2020 hat die ASML Holding mit einem Umsatzanstieg von 18 Prozent und einem Gewinnplus von 38 Prozent abgeschlossen. Im Zuge der Bilanz zum ersten Quartal avisierte das Unternehmen für 2021 einen Umsatzanstieg von 30 Prozent und erreichte in den ersten drei Monaten eine grandiose Brutto-Gewinnmarge von 53,9 Prozent. Kein Wunder, dass die Anleger die ASML-Aktie von einem Hoch zum nächsten tragen. Und auch, wenn keine Aktie eine Einbahnstraße ist: Solange die ASML Holding „liefert“, indem sie weiterhin starke Wachstumsraten vorweisen kann, kann diese Reise auf immer neue Hochs durchaus weitergehen.

Expertenmeinung: Kommende Woche, am 21. Juli, steht die Bilanz des zweiten Quartals im Terminkalender. Wenn es erneut gelingt, Anleger und Analysten zu überzeugen und die bullische, unternehmenseigene Perspektive bestätigt, im Idealfall sogar etwas angehoben wird, wäre es durchaus denkbar, dass die Aktie die obere Begrenzung des derzeit relevanten, Ende Oktober etablierten Aufwärtstrendkanals ansteuert. Diese Linie liegt aktuell bei 640 Euro und läuft, natürlich, sukzessiv höher.

Besonders positiv sticht hier hervor, dass der Trend nicht zu einer „Zocker-Orgie“ verkommt. Die Kursgewinne laufen in moderatem Tempo ab, neue Hochs werden immer mal wieder korrigiert, so dass die markttechnischen Indikatoren nicht heiß laufen. Dennoch:

Ein solcher, lange anhaltender und schon jetzt weit reichender Aufwärtstrend muss immer wieder mit „good news“ gefüttert werden. Und zumindest für den Moment wäre das durchschnittliche Analysten-Kursziel (610 Euro) genau erreicht. Die Bilanz am 21. Juli kann also wegweisend werden. Aber bevor dieser bereits erfolgreich bestätigte Trendkanal, dessen untere Begrenzung aktuell bei 543 Euro verläuft, nicht gebrochen würde, behält diese so solide steigende Aktie ihre Chance, auch kurzfristig weitere Rekordhochs zu markieren.

Chart vom 14.07.2021, Kurs 609,10 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

Die Quartalsergebnisse lagen weit über den Analystenschätzungen, trotzdem hat sich bei der ASML Holding-Aktie eine Toppbildung etabliert. Wo liegt das Problem?

Der Gewinn des auf die Halbleiterindustrie spezialisierten Anlagenbauers lag im ersten Quartal knapp 25 Prozent über den Prognosen der Analysten. Und ASML sticht nicht zum ersten Mal die Experten aus. Der Gewinn des vierten Quartals 2020 lag 31 Prozent über der Konsens-Prognose, der des dritten Quartals 12 Prozent. Für das Gesamtjahr 2021 sehen die Analysten einen Gewinnanstieg gegenüber 2020 von knapp 60 Prozent. Was wiederum bedeutet, dass das Kurs/Gewinn-Verhältnis, das auf Basis dieser 2021er-Gewinnschätzung aktuell bei 43 läge, sogar noch moderat wäre.

ASML Holding-Aktie: Chart vom 10.05.2021, Kurs 525,70 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

Trotzdem geht seit Anfang April nichts mehr wirklich voran, das Chartbild weist ein potenzielles Topp aus. Das zwar erst dann als signifikant vollendet anzusehen wäre, wenn die Aktie unter 500 Euro rutschen würde, aber wieso haben die Bullen ihre Aktivität hier überhaupt eingestellt?

Expertenmeinung: Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die ASML-Aktie zwischen Ende Oktober und ihrem bisherigen Verlaufshoch, im April bei 559,40 Euro markiert, in der Spitze um fast 84 Prozent gestiegen. Das ist für ein knappes halbes Jahr eine Menge Holz. Und da steigt die Neigung, den Gewinn mitzunehmen, parallel zu einer zunehmenden Abneigung, noch neu einzusteigen, wenn eine Perspektive wie die aktuelle vorliegt.

Denn ja, die Experten rechnen für 2021 mit einem Gewinnsprung. Was aber nicht nur an der Erwartung einer durchstartenden Weltwirtschaft nach der Corona-Krise, sondern auch an der derzeitigen Chip-Knappheit liegt. Und da findet sich der Haken. Die Chiphersteller investieren in die Ausweitung ihrer Produktionskapazität, das kommt Zulieferern wie ASML zugute. Aber damit haben wir hier auch eine Nachfrage die, wenn sich die Lage am Chip-Markt normalisiert, hinsichtlich der von ASML gelieferten Anlagen danach umso kräftiger nachlassen könnte.

Für 2022 sehen die Analysten derzeit zwar auch noch einen Gewinnanstieg, die Erwartung liegt da dann aber nur noch bei einem Gewinnplus von 20 Prozent. Gerade die Chipindustrie ist extrem konjunktursensibel. In einer Boomphase explodieren die Gewinne, aber wenn der Wachstumsmotor wieder stottert, implodieren sie eben auch. Und Zulieferer einer derart volatilen Branche erleben dieses Auf und Ab der Gewinne mit Hebelwirkung. Fazit: Diejenigen, die im Bereich dieses unlängst markierten Rekordhochs Kasse machen, tun das, weil sie unterstellen, dass in diese Aktie nach einer solchen Super-Rallye bereits der in den kommenden Monaten noch weiterlaufende Boom eingepreist ist. Das klingt logisch, aber offen ist, ob so viele Akteure so denken und darüber hinaus auch entsprechend agieren, dass dieses Topp mit Schlusskursen unter 500 Euro wirklich vollendet würde. Es bräuchte nur eines erneuten, entschlossenen Impulses des bullischen Lagers, um das bisherige Hoch bei 559,40 Euro mit Schwung zu überbieten und der Wende damit erst einmal zu entkommen. Ratsam wäre also, dieser jetzt Kontur annehmenden Abwärtswende nicht vorzugreifen.

Die ASML Holding überzeugte mit dem gestern vorgelegten Ergebnis des ersten Quartals und dem mitgelieferten Ausblick. Die ASML-Aktie stieg daraufhin auch, aber es war zu wenig, um in Sachen neuer Hochs bereits den Daumen heben zu können.

Der Umsatz legte im Vergleich zum Vorjahresquartal zwar nur 2,6 Prozent auf 4,36 Milliarden Euro zu, das war aber weit mehr als die durchschnittliche Analystenprognose, die bei 3,95 Milliarden Euro gelegen hatte. Und der Gewinn, der nicht mit diesem Zahlenwerk gemeldet wurde, dürfte überproportional zugelegt haben, weil die Bruttomarge des für die Chipindustrie tätigen Anlagenbauers von 52 Prozent im Vorjahr auf 53,9 Prozent stieg. Auch hier hatten die Experten mit weniger, konkret mit 50,9 Prozent, gerechnet.

Im laufenden zweiten Quartal soll der Umsatz zwar etwas niedriger, um die 4,0 bis 4,1 Milliarden Euro, liegen. Aber insgesamt sieht die ASML Holding für 2021 einen Umsatzanstieg in Richtung von 30 Prozent. Was nicht überrascht, denn der derzeitige Mangel an Chips führt dazu, dass die Zulieferer, die wie ASML die für die Fertigung nötigen Anlagen bauen, unter Volllast arbeiten. Besser hätten die Zahlen also eigentlich kaum sein können. Und immerhin sah die Aktie ja auch ein Plus von gut vier Prozent.

Aber das reichte eben nicht, um den „Deckel zu sprengen“, sprich das bisherige Rekordhoch als charttechnischen Widerstand herauszunehmen. Die Bullen müssten also, idealerweise umgehend, nachlegen.

Expertenmeinung: Möglich wäre das allemal. Wie stark eine Aktie nach Bilanzdaten reagiert, ob die Zahlen positiv oder negativ gewertet werden und wie stark eine solche Reaktion dann ausfällt, ist nicht zwingend unmittelbar an die Zahlen an sich gekoppelt. Wenn Anleger beispielsweise von den Daten beeindruckt sind, dann aber sehen, dass ein charttechnischer Widerstand nicht umgehend überwunden wird, warten sie tendenziell erst einmal ab … und dann kann es am Ende eines Tages so aussehen wie bei der ASML Holding:

Der Kurs lief zwar am Tageshoch nahe an den bisherigen Verlaufsrekord von 543,20 Euro heran, blieb dort aber erst einmal hängen und schloss sogar unter dem Eröffnungskurs des Tages, da die Reaktion auf die Bilanz zu einem Aufwärts-Gap geführt hatte, dem dann aber die Anschlusskäufe abgingen. Nichtsdestotrotz ist die Perspektive eines 30 Prozent-Umsatzanstiegs gut, so gesehen wäre es durchaus drin, dass das bullische Lager heute oder in den kommenden Handelstagen nachlegt.

Würde es gelingen, einen Schlusskurs über dem bisherigen Verlaufshoch von 543,20 Euro zu erreichen, wäre der Weg nach oben erst einmal wieder frei. Kritisch hingegen würde es, wenn die Aktie die nächstgelegene, markantere Unterstützung, das Hoch des Februars bei 502,60 Euro, durchbrechen würde. Dort einen Stoppkurs darunter zu legen, dürfte kein Fehler sein.

Chart vom 20.04.2021, Kurs 532,90 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

Zwischen Anfang März und Anfang April hat die ASML-Aktie in der Spitze fast 30 Prozent zugelegt. Zeit, um Gewinne mitzunehmen? Kurzfristig eine Option. Aber mittelfristig kann noch viel mehr drin sein.

Der die Chipindustrie beliefernde, niederländische Anlagenbauer ASML Holding war im Zuge des Internet-Booms 1999/2000 an die Börse gegangen. Und auch diese Aktie hatte massiv Boden verloren, als diese Blase damals platzte. Die Aktie begann den Handel Ende 1999 um 37 Euro und fand sich im Herbst 2002 kurze Zeit unter sechs Euro wieder. Aber im Gegensatz zu vielen der ehemaligen Gipfelstürmer, die ihre damaligen Hochs noch nicht einmal ansatzweise wiedersahen, sind die 60 Euro, die die ASML-Aktie im Jahr 2000 im Hoch erreicht hatte, Geschichte. Der gestern markierte, bisherige Verlaufsrekord lag bei 543,20 Euro. Und das muss noch nicht das Ende der Hausse sein.

Bislang liegen nur die Ergebnisse des vierten Quartals 2020 vor, die Bilanz des ersten Quartals 2021 wird Ende des Monats erwartet. Aber in diesem vierten Quartal übertraf ASML die Prognosen der Analysten ebenso wie die unternehmensinternen Ziele deutlich und in allen Bereichen: beim Umsatz, beim Gewinn, bei der Bruttomarge. Und da die Chipindustrie derzeit der Nachfrage nicht Herr wird, bleiben die Aussichten für ASML als wichtigen Zulieferer positiv. Was natürlich nicht heißen muss, dass die Aktie wie ein Strich weiter steigen wird, aber:

 

Expertenmeinung: Die Aktie ist, was die Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) angeht, immer noch nicht „zu“ teuer. Momentan schätzen die Analysten, dass das Unternehmen 2021 einen Gewinnzuwachs in der Range von 25 bis 35 Prozent schaffen könnte. Da man bei dynamisch wachsenden Unternehmen als Faustregel das Doppelte des aktuellen, prozentualen Gewinnzuwachses als KGV akzeptieren kann, wäre da also ein KGV zwischen 50 und 70 machbar – und da bewegt sich die Aktie derzeit erst am unteren Ende der Spanne. Genaueres wird man aber erst wissen, wenn die ASML Holding ihr Ergebnis des ersten Quartals vorlegt und dabei wohl auch die eigene Prognose für 2021 präzisieren wird. Auf dem Terminplan ist dafür der 21. April vorgesehen. Und sollte sich die bullische Erwartung der Analysten bestätigen, könnte das bisherige Verlaufshoch allemal überboten werden.

Wer aber etwas aggressiver und flexibler agiert, die Aktie nicht langfristig halten, sondern ein wenig traden will, hätte da immer wieder Gelegenheit, nach kräftigen Rallye-Schüben bei einem Teil der Position den Gewinn mitzunehmen und das Engagement wieder aufzustocken, sobald eine Korrektur abgeschlossen wurde, indem wichtige Unterstützungen gehalten haben und/oder die 20-Tage-Linie zurückerobert wurde. Aktuell wäre die Aktie überkauft, da könnte man durchaus überlegen, ein bisschen Gewinn zu realisieren. Zumal auch eine Aktie mit derart guten Perspektiven einmal kräftiger nach unten laufen kann.

Sie sehen, dass der Kurs über einem massiven Netz potenzieller Unterstützungen läuft. Aber dieses Netz reicht von 500 Euro bis hinunter auf 340 Euro. Da ist es immer möglich, dass die Aktie nicht gleich an der ersten der zahlreichen Unterstützungen dreht, sondern tiefer in diese Auffangzone eintaucht. Bei klar überkauften Kursen immer mal ein bisschen Geld vom Tisch zu nehmen und sich zugleich konsequent gegen den Fall abzusichern, dass es auch mal kräftiger abwärts geht, ist auch bei einer grundsätzlich starken Aktie wie ASML nie ein Fehler.

Chart vom 07.04.2021, Kurs 524,90 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

„Selling on good news“ ist ein Phänomen, das am Aktienmarkt oft auftaucht. Die Anleger erwarten positive Nachrichten und kaufen deshalb bereits im Vorfeld. Sie hoffen darauf, dass andere Trader erst einstiegen, wenn die positiven Nachrichten auf dem Tisch liegen und wollen dann in die erneut steigenden Kurse hinein den Gewinn kassieren. Aber wenn zu viele vorgekauft haben, geht das schief, dann geht es mangels Käufern unverhofft ab- statt aufwärts. Bei der Aktie des Chipindustrie-Zulieferers ASML Holding hätte es ebenso kommen können. Aber es kam nicht so: Die Aktie erreichte im Zuge der am Morgen vorgelegten Ergebnisse des vierten Quartals neue Rekorde. Will denn hier niemand den Gewinn mitnehmen?

Offenbar nicht. Bereits am vergangenen Donnerstag kam es zu einem Ausbruch auf neue Hochs, basierend auf zwei zeitgleich erfolgten Kursziel-Anhebungen durch Analysten. Im Vorfeld von Bilanzergebnissen erscheint dergleichen gewagt, aber die vorgelegten Zahlen rechtfertigten die höheren Kursziele:

Der Gewinn stieg 2020 um beeindruckende 38 Prozent. Und daran hatte das vierte Quartal einen entscheidenden Anteil. Der Umsatz stieg zwischen Oktober und Dezember auf 4,24 Milliarden Euro und übertraf damit die unternehmenseigene Prognose (eine Range zwischen 3,6 und 3,8 Milliarden) und die Analystenprognose (im Schnitt 3,73 Milliarden) beeindruckend deutlich. Der Gewinn lag allein in diesem vierten Quartal bei 1,35 Milliarden Euro (Prognose 1,02 Milliarden). Zugleich wurde die Dividende für 2020 auf 2,75 nach 2,40 Euro angehoben.

Expertenmeinung: Diese Ergebnisse waren derart stark, dass es nicht überrascht, dass, wer womöglich im Vorfeld vorhatte, die Gelegenheit zum Ausstieg zu nutzen, dies bleiben ließ. Aber wenn man sich den Chart ansieht, stellt man fest, dass diese Aktie schon ziemlich heiß gelaufen wirkt. Seit Ende Oktober ist der Kurs sagenhafte 50 Prozent gestiegen, ist seitens der Markttechnik (hier im Chart der Stochastik-Oszillator) überkauft und nähert sich der oberen Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals.  Die untere Begrenzung des Kanals, d.h. die mittelfristige Aufwärtstrendlinie, ist ca. 23 Prozent entfernt, die 200-Tage-Linie 28 Prozent.

Das ist ungewöhnlich, aber: Diese Bilanzzahlen sind es auch. Dass ein Zulieferer der immens konjunktursensiblen Chipindustrie derart stark durch das schwierige Jahr 2020 kam, in dem manch anderes großes Unternehmen massiv unter Druck geriet, beeindruckt die Akteure zu Recht. Und wenn die Analysten Recht behalten, wird die ASML Holding 2021 weiter steigende Gewinne vermelden, da liegen die Prognosen in einer Range um die +25 bis +30 Prozent.

Trotzdem wäre es unrealistisch davon auszugehen, dass die Hausse einfach wie ein Strich weitergehen wird. Jetzt, nachdem die „good news“ erst einmal auf dem Tisch liegen, könnten Gewinnmitnahmen jederzeit einsetzen, nicht zuletzt mit Blick auf die nahe, aktuell bei 467 Euro wartende obere Begrenzung des Trendkanals.

Wer kurzfristig und aggressiv agiert, könnte erwägen, einen Teil der Position in noch steigende Kurse hinein glattzustellen und den Rest knapp unterhalb der kurzfristigen, steilen Aufwärtstrendlinie bei momentan 415 Euro abzusichern. Wer hingegen gezielt mittel- und langfristig investiert, könnte sich die Gelassenheit leisten, einen Stopp unter die mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei momentan 352 Euro zu legen und einfach am Ball zu bleiben.

Chart vom 20.01.2021, Kurs 453,15 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX