ASML Holding: Starke Zahlen, schwache Aktie … geht das so weiter?

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Zur ASML Aktie

Mit -2,37 Prozent am Mittwoch hat die Aktie der ASML Holding das Ringen um die 200-Tage-Linie vorerst verloren. Noch könnte die Vollendung einer Toppbildung zwar verhindert werden. Aber dass das Minus als Reaktion auf die Quartalsbilanz entstand, ist kein gutes Zeichen.

Dabei waren die Ergebnisse, die der Hersteller von Anlagen für die Halbleiterindustrie am Mittwochmorgen vorlegte, nicht nur gut, sondern herausragend. Bezogen auf das aus den Quartalszahlen abgeleitete, vorläufige Ergebnis des Gesamtjahrs 2021 gelang ein Umsatzplus von knapp 33 Prozent, der Nettogewinn stieg überproportional um knapp 64 Prozent. Angesichts dieser Rekordgewinne verdoppelt die ASML Holding die Dividende auf 5,50 Euro.

Einen präzisen Ausblick auf 2022 lieferte man zwar noch nicht, avisierte aber ein Umsatzplus um die 20 Prozent, basierend auf einer die Fertigungskapazität deutlich übersteigenden Nachfrage. Zwar lag die Umsatzprognose für das angelaufene erste Quartal mit 3,3 bis 3,5 Milliarden Euro deutlich unter den knapp fünf Milliarden, die im vierten Quartal umgesetzt wurden. Aber dazu wurde die Erklärung gleich mitgeliefert: Das liegt daran, dass sich Umsätze in der Größenordnung von um die zwei Milliarden Euro ins zweite Quartal verschieben. Also nichts, das andeuten würde, dass es mit dem Wachstum des Chipindustrie-Zulieferers bereits vorbei sein könnte.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur ASML Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: In der Bilanz bzw. im Ausblick konnte man da lange suchen, das Ergebnis war definitiv nicht geeignet, eine zuvor positive Einschätzung ins Negative zu verkehren, zumal die Analysten zuvor im Schnitt für 2022 nur von einem Umsatzplus um die 17 Prozent ausgingen und das Unternehmen selbst 20 Prozent Wachstum erwartet. Aber wenn man sich den Chart ansieht, ließe sich für diese Verluste des Mittwochs eine andere Erklärung finden:

Die „Goldgräberstimmung“ in Bezug auf die ASML-Aktie ist ja nicht erst seit gestern dahin. Seit der Versuch, über das vorherige Rekordhoch vom September hinauszukommen, als Bullenfalle endete, ist in Sachen Zuversicht der Wurm drin. Und wenn ein dynamischer Trend erst einmal kippt, beginnen auch Trader, die zuvor massiv bullisch agiert haben, über den Tellerrand hinauszusehen. Und dort würde man die offene Frage finden: Was wird aus Umsatz und Gewinn, wenn der derzeitige, massive Ausbau der Produktionskapazität in der Chipindustrie abgeschlossen ist? Immerhin geht es bei den Produktionsanlagen, die die ASML Holding anbietet, nicht um kurzlebige Güter, sondern um Anlagen, die viele Jahre lang im Dienst stehen. Wenn die laufenden Aufträge abgearbeitet sind, neue Aufträge seltener werden, könnte die Aktie womöglich mittelfristig wieder dorthin laufen, wo sie ihren derzeitigen Aufwärtszyklus im Herbst 2020 begann: in die Region knapp über 300 Euro.

Mit solchen Gedanken im Hinterkopf tut man sich schwer, in einem weiterhin intakten, kurzfristigen Abwärtstrend zuzugreifen. Um diesen Bann zu brechen, waren die avisierten 20 Prozent Umsatzwachstum ebenso wenig eine ausreichend große Überraschung wie die knapp über den Erwartungen liegenden 2021er-Gewinne. Um wieder in Fahrt zu kommen, müsste die ASML-Aktie zumindest mit Schlusskursen über 700 Euro über den kurzfristigen Abwärtstrend hinaus. Das ist nicht ausgeschlossen, aber ein Bruch der Unterstützung bei 609 Euro und damit die Vollendung des in den letzten Monaten ausgebildeten Topps mit erstem Kursziel 560 Euro ist, zumindest im Augenblick, die wahrscheinlichere Variante.

ASML Holding-Aktie: Chart vom 19.01.2022, Kurs 626,20 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

 

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Der niederländische Anlagenbauer ASML Holding hat auch für das dritte Quartal immenses Wachstum gemeldet. Doch gegen Ende eines Jahres schauen die Anleger nach vorne: Wird sich das Wachstum verlangsamen … oder sogar kippen? Die Zweifel kommen, die Aktie wankt.

Die ASML Holding stellt Lithographie-Systeme für die Halbleiterindustrie her. Kein Wunder, dass dem Unternehmen seine Anlagen aus den Händen gerissen werden, denn der Chipmangel führt dazu, dass die großen Chiphersteller ihre Produktionskapazität im Eiltempo ausbauen. Doch was, wenn der Chipmangel über die Bühne ist, wenn die Kundschaft von ASML dann ihren Bedarf an neuen Anlagen gedeckt hat?

Noch gehen die Analysten mit großer Mehrheit davon aus, dass dem erwarteten Gewinnanstieg um gut 60 Prozent im laufenden Jahr mindestens zwei weitere Wachstumsjahre folgen werden. Für 2022 sieht man unter den Experten einen Anstieg um etwa 25 Prozent Gewinn pro Aktie, für 2023 immerhin noch 10 Prozent. Aber kommt es auch so? Zumal das Risiko besteht, dass die viel länger als noch vor wenigen Monaten gedacht andauernde Corona-Problematik das Wachstum der Gesamtwirtschaft noch zusätzlich dämpfen und den Bedarf an Chips wieder senken könnte.

Expertenmeinung: Die Aktie droht, ihren mittelfristigen Aufwärtstrend zu brechen. Zwar versuchten sich die Trader vor zwei Wochen daran, ASML-Aktie über das vorherige Rekordhoch vom September zu ziehen. Aber dieser Ausbruchsversuch scheiterte, entpuppte sich als Bullenfalle. Seither ist der Wurm drin. Und da auch jetzt noch, trotz bereits laufender Korrektur, ein mit 52 relativ hohes Kurs/Gewinn-Verhältnis vorliegt, könnte der Kurs durchaus noch ein gutes Stück tiefer laufen, sollten die Anleger eine Eintrübung der Perspektiven im kommenden Jahr einpreisen. Welche Chartmarken sind jetzt wichtig?

Hier sehen wir zwei entscheidende Zonen. Die nächstliegende findet sich auf Höhe des Vorwochen-Verlaufstiefs von 670 Euro, das aktuell mit der Ende Oktober 2020 etablierten, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie eine Kreuzunterstützung bildet.

Würde diese Unterstützung fallen, käme die Kreuzunterstützung bei 609/610 Euro ins Spiel. Dort treffen sich das Korrekturtief von Anfang Oktober und die 200-Tage-Linie. Würde dieser Support gebrochen, wäre ein großes Doppeltopp vollendet, was den Abgabedruck dann noch intensivieren könnte. Spätestens dort wäre zu unterstellen, dass die große Zeit dieser so konjunktursensiblen Aktie auch mittelfristig erst einmal vorbei wäre.

Je nach Anlage-Zeithorizont und Risikoneigung Stoppkurse entweder leicht unterhalb 670 oder 610 Euro zu platzieren, wäre hier auf jeden Fall zu überlegen.

ASML Holding-Aktie: Chart vom 02.12.2021, Kurs 690,70 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

Zur Wochenmitte roch es bei der Aktie der ASML Holding noch nach einem mittelfristig relevanten Trendbruch. Dann kamen die Käufer mit Macht zurück. Jetzt ist wieder Abstand bis zur entscheidenden Zone vorhanden, aber reicht das, um die Bären zur Aufgabe zu zwingen?

Ein entscheidender Faktor, der die Antwort auf diese Frage beeinflussen dürfte, ist die Bereitschaft der Investoren, bei der Auswahl ihrer Depotwerte genau zu differenzieren. Die Chipkrise, die sich mittlerweile zu einem Materialmangel in vielen Bereichen ausgeweitet hat, kann in den kommenden Monaten viele Verlierer am Aktienmarkt erzeugen. Aber es gibt auch einige wenige Unternehmen, die davon in gewisser Weise profitieren. Und die niederländische, im Euro Stoxx 50 notierte ASML Holding gehört dazu.

Denn das Unternehmen stellt Lithographie-Anlagen her, die Teil der Produktion im Halbleiterbereich sind. Die weiterhin nicht zu befriedigende Nachfrage bringt viele Unternehmen dazu, ihre Produktionskapazitäten zu erweitern. Das Ergebnis für die ASML Holding: Produktion auf Volllast, steigende Gewinnmargen, volles Auftragsbuch. Die Frage ist zwar, wie lange dieser Boom vorhält, denn was heute auf Vorrat, eine noch weiter steigende Nachfrage vorwegnehmend, geordert wird, muss übermorgen eben nicht mehr bestellt werden. Aber wenn die Analysten Recht behalten, wird das Wachstum der ASML Holding zumindest bis 2023 weitergehen. Lange genug, um sich zu überlegen, eine solche Aktie im Depot zu haben. Aber ist da nicht schon zu viel im Kurs vorweggenommen worden?

Expertenmeinung: Das ist bei vielen Aktien, die in den vergangenen Monaten massiv gestiegen sind, sicherlich der Fall, bei der ASML Holding kann man das indes nicht behaupten. Vor allem, nachdem die Mitte September noch überkaufte Situation durch eine in der Spitze 20 Prozent ausmachende Korrektur bereinigt wurde. Aktuell läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Aktie um 48 und damit auf einem Level, das dem Wachstumstempo angemessen ist.

Hinzu kommt eine ideale charttechnische Basis für weitere Kursgewinne. Der Kurs hat genau auf Höhe der mittelfristigen, vor knapp einem Jahr etablierten Aufwärtstrendlinie ein kleines Doppeltief gebildet, nachdem diese Linie mehrere Tage lang konsequent gehalten wurde. Dieses Doppeltief trug die Aktie jetzt nach oben hinaus – das wirkt wie eine klare Sache für die Bullen. Doch ein wenig Vorsicht wäre da schon angemessen, denn:

Wenn eine zuvor stark gedrückte Aktie ausgerechnet kurz vor einem Abrechnungstermin der Terminbörse wieder anzieht, kann der Terminmarkt eine große Rolle gespielt haben. Und dessen Aktivitäten können nach einer Abrechnung, wie sie am Freitag vollzogen wurde, auch mal schlagartig in die Gegenrichtung weisen. Und es fiel auf, dass der Kurs an eben diesem Abrechnungstermin des Freitags zwar ein Plus auswies, aber unter dem Eröffnungskurs schloss. Zumindest die bei 690 Euro verlaufende Nackenlinie des Doppeltopps, das die ASML-Aktie in die Korrektur schickte, sollte zurückerobert sein, bevor man sich hier den Einstieg überlegt. Denn das würde die Indizienlage dahingehend verbessern, dass es wahrscheinlich eben mehr als alleine der Terminmarkt war, was diese Rallye ausgelöst hat.

ASML Holding-Aktie: Chart vom 15.10.2021, Kurs 676,30 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

Das Wachstum der ASML Holding ist gewaltig. Doch die Aktie stieg noch schneller als die Unternehmensgewinne und ist dadurch recht teuer. Das hat sich in den vergangenen Tagen gerächt, aber das Abwärtspotenzial sollte limitiert sein. Wo lägen potenzielle Einstiegsmarken?

Gestern hob dieses Lithographie-Systeme für die Chipindustrie fertigende Unternehmen seine mittelfristige Prognose an. Bis 2025 wolle man einen Jahresumsatz zwischen 24 und 30 Milliarden Euro erreichen, die Bruttomarge soll im Bereich 54 bis 56 Prozent liegen. Das ist sehr deutlich mehr als die bisherige Zielsetzung, in der von 15 bis 24 Milliarden Umsatz und einer Bruttomarge um 50 Prozent ausgegangen wurde. Aber eine anfänglich positive Reaktion der Aktie verpuffte am Mittwoch. Was nachvollziehbar ist, denn:

Bis 2025 ist es noch lange hin. Und Ziele kann man sich viele setzen, ob sie erreichbar sind, steht auf einem ganz anderen Blatt. Auf einem, das bislang noch unbeschriftet ist. Denn wer wollte jetzt absehen können, wie sich die Weltwirtschaft in den kommenden vier Jahren entwickelt? Das ist eine Gleichung mit lauter Unbekannten. Daher kann ein Blick in eine letztlich offene Zukunft die Aktie in einem wackligen Marktumfeld nicht drehen. Was momentan zählt, ist das Hier und Jetzt. Das zwar kaum besser sein könnte, aber bleibt das so?

Expertenmeinung: Die Nachfrage nach den ASML-Anlagen ist derzeit so gewaltig, dass das Unternehmen im Zuge der Ergebnisse des zweiten Quartals die Umsatzprognose auf +35 Prozent und damit in eine Region von etwa 19 Milliarden Euro angehoben hat – und das bei einer Brutto-Gewinnmarge von 51 bis 52 Prozent. So weit weg ist man also vom mittelfristigen Ziel gar nicht mehr. Und dieser Auftragsboom hat die Aktie ja bereits immens weit gezogen: Gegenüber dem Schlusskurs 2020 hatte die ASML-Aktie Mitte des Monats, als mit 764,50 Euro der bisherige Verlaufsrekord erzielt wurde, sagenhafte 98 Prozent zugelegt.

Und den meisten Investoren ist klar: Ob dieser Nachfrageboom nach ASMLs Lithographie-Anlagen erhalten bleibt, ist faktisch offen. Anlagenbauer sind eine sehr konjunktursensible Branche, in der es schnell gehen kann von Jubel zu Krise und umgekehrt. Was vor allem dann gilt, wenn man mit seinen Anlagen Zulieferer einer Branche ist, die selbst immens konjunktursensibel ist. Wenn eine Aktie dann noch durch einen schneller als die Unternehmensgewinne steigenden Kurs ein gerütteltes Maß positiver Zukunft vorwegnimmt, wird sie eben anfällig für Irritationen. Und die sehen wir jetzt.

Wie in einem defekten Fahrstuhl ging es in den letzten Tagen von 750 auf knapp 650 Euro nach unten. Das ist, was die Bewertung angeht, schon mal hilfreich, das 2021er-Kurs/Gewinn-Verhältnis sank dadurch von 56 auf 48. Und die Aktie hielt damit erst einmal eine Unterstützungslinie bei 650 Euro, wenn auch knapp. Ob die Sache damit aber schon ausgestanden ist, muss man aber erst mal abwarten. Sollte sich die ASML-Aktie mit Schlusskursen über 725 Euro wieder aus dem mittelfristigen Aufwärtstrendkanal nach oben hinausbewegen, wäre sie umgehend wieder bullisch … wobei das bisherige Rekordhoch dann recht nahe läge und die Aktie bei einer solchen kurzen Korrektur natürlich auch sofort wieder teuer bewertet wäre. Wenn es darum geht, hier einzusteigen, müsste man sich also glatt wünschen, dass da nach unten noch mehr ginge.

Gut wäre es, wenn die ASML Holding-Aktie die bei 615 Euro verlaufende, untere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals testen und halten würde. Dann wäre sie wieder relativ günstig, markttechnisch „auskorrigiert“ und man hätte mit der aktuell bei 552 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie und der Unterstützungslinie bei 560 Euro eine Art „Sicherungsnetz“, unter das man dann einen Stoppkurs legen könnte. Natürlich könnte die Aktie, sollte sich z.B. die „Flaschenhals-Problematik“ intensivieren und Lieferausfälle und Auftragsverschiebungen die Folge sein, auch in diese Zone 552/560 zurückfallen, aber darauf zu setzen, wäre momentan wohl nur etwas für Anleger, die wirklich konsequent auf „Schnäppchenkurse“ warten, denn ein Kurs um 552/560 Euro wäre bei dieser Aktie genau das: ein Schnäppchen.

ASML Holding-Aktie: Chart vom 29.09.2021, Kurs 647,70 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

Überall sind Chips knapp. Viele Hersteller versuchen, ihre Produktionskapazität hochzufahren. Was dazu benötigt wird, sind Anlagen, die die niederländische, im MDAX notierte ASML Holding liefert. Eine Aktie wie eine Goldgrube … aber eine Einbahnstraße ist es dennoch nicht.

Die ASML Holding stellt sogenannte Lithographie-Systeme her, die für die Herstellung von Halbleitern benötigt werden. In einem Umfeld, in dem das Endprodukt weltweit knapp ist, eine perfekte Situation. Der ASML Holding werden ihre Anlagen aus den Händen gerissen … und das macht es natürlich möglich, starke Gewinnmargen zu erzielen. Es wird quasi bezahlt, was verlangt wird, denn ASML gehört zu den Weltmarktführern. Wenn der Preis zu hoch erscheint, können Chiphersteller da eben nicht so einfach zum nächsten Anbieter um die Ecke gehen. Das Ergebnis waren grandiose Zahlen zum zweiten Quartal:

Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2021 um gut 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, der Nettogewinn legte überproportional um 38 Prozent zu. Und diese Zugewinne haben keinen „Corona-Basiseffekt“, denn bei der ASML Holding waren Umsatz und Gewinn 2020 ebenfalls schon kräftig gestiegen. Dass der Gewinn deutlich mehr zulegte als der Umsatz, ist dabei nicht zuletzt das Resultat aus dieser aktuellen Mangelsituation: Es gelang, die Bruttomarge auf sagenhafte 50,9 Prozent zu steigern.

Daraufhin hob das Unternehmen die Gesamtjahresprognose an. Derzeit rechnet man mit einem Umsatzplus von 30 Prozent, einer Bruttomarge im Bereich 51/52 Prozent und einem Anstieg des Nettogewinns um 35 Prozent. Die derzeitigen Gewinnerwartungen der Analysten sehen im Schnitt sogar noch mehr. Und da die Chip-Verknappung nicht in Kürze enden wird, dürften sie wohl nicht falsch liegen. Eine solche Aktie kann nur immer weiter steigen … oder?

Expertenmeinung: Heute ist sie eine Goldgrube, keine Frage. Aber eines sollte man natürlich im Hinterkopf behalten: Dieser Chipmangel ist ein hartnäckiges und nicht schnell zu beseitigendes Problem, aber dennoch endlich. Vor allem, wenn die Produktionskapazität, die die Chiphersteller jetzt zusätzlich aufbauen, auch aktiviert werden kann, was in 12 bis 18 Monaten erwartet wird. Und das hieße: Was ASML heute aus den Händen gerissen wird, ist ebenfalls eine Art „Flaschenhals“, denn wenn diese zusätzliche Chipproduktion auf eine wieder normalisierte Nachfrage trifft, hat man ein Überangebot. Und dann braucht es erst einmal keine neuen Produktionsstätten mehr, so dass die Nachfrage nach den ASML-Anlagen irgendwann in ein Loch fällen könnte.

Wann das sein wird, ist in keiner Weise vorhersehbar, aber so, wie die Aktie derzeit läuft, muss man fürchten, dass kaum jemand momentan so weit nach vorne denkt. Oder, wenn doch, zumindest nicht entsprechend handelt. Momentan verlängern die Analysten die Gewinnsteigerungen bis einschließlich 2023 wie mit dem Lineal, viele Anleger werden das wohl auch tun. Aber wie lange noch? Das Problem ist:

In dem normalen Umfeld der Jahre 2014 bis 2018 lag das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) der ASML-Aktie immer um 30, per Ende 2019 dann bei 40. Jetzt aber liegt es bei 55. Das wäre nur gerechtfertigt, wenn das Wachstum mit dem aktuellen Tempo nicht nur 2022, sondern auch 2023 weitergeht. Wenn nicht, und damit sollte man eben rechnen, wäre die Aktie zu teuer. Und eine Korrektur vom aktuellen KGV bei 55 auf 40 hieße einen Rückgang des Aktienkurses um fast 30 Prozent. Da kann es wirklich nicht schaden, bei diesem Highflyer auch mal nach unten zu schauen um zu prüfen, was bei Rücksetzern halten müsste, um den Aufwärtstrend zu wahren.

Sie sehen im Chart, dass die ASML-Aktie den ohnehin schon steilen, im Herbst 2020 etablierten Aufwärtstrendkanal im August nach oben verlassen hat. Damit haben wir jetzt drei wichtige charttechnische Ankerpunkte: die obere Begrenzung des überbotenen Trendkanals, die 20-Tage-Linie als kürzester der gleitenden Durchschnitte von Bedeutung und die dieses „Überschießen“ führende Juli-Aufwärtstrendlinie. Diese drei Schlüssel-Supports bewegen sich derzeit in der Zone 690 bis 705 Euro und steigen langsam mit dem Kurs mit.

Fiele dieser Bereich, wäre die nächste, größere Auffangzone erst um 590 Euro zu finden. Zu weit weg, um das mit aggressiven, kurzfristigen Long-Trades mitmachen zu wollen. Ein Stoppkurs um 690 Euro, den man dann mit dem Anstieg dieser Linien sukzessiv nachzieht, wäre daher eine sinnvolle Versicherung gegen die Tatsache, dass keine Aktie eine Einbahnstraße ist, auch die der ASML Holding nicht.

Chart vom 08.09.2021, Kurs 722,40 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX

Seit Anfang des Jahres hat die Aktie der ASML Holding bereits über 50 Prozent zugelegt. Da ist zweifellos einiges an Vorschusslorbeeren auf weiterhin dynamisches Wachstum im Kurs enthalten. Aber bislang hat die ASML Holding solche „Vorschüsse“ auch immer zurückgezahlt.

Die niederländische ASML Holding ist ein Hersteller von Lithographie-Systemen zur Herstellung von Halbleitern. Die Chipindustrie ist eine äußerst konjunktursensible Branche und diejenigen, die hier als Zulieferer agieren, sind den Schwankungen der Weltwirtschaft normalerweise umso mehr ausgesetzt. Die ASML Holding jedoch wies auch in für die Chiphersteller schwierigen Jahren steigende Umsätze und Gewinne aus. Und jetzt rechnet man damit, dass sich dieses Wachstum beschleunigen und über Jahre verstetigen wird.

Das für viele Unternehmen schwierige Jahr 2020 hat die ASML Holding mit einem Umsatzanstieg von 18 Prozent und einem Gewinnplus von 38 Prozent abgeschlossen. Im Zuge der Bilanz zum ersten Quartal avisierte das Unternehmen für 2021 einen Umsatzanstieg von 30 Prozent und erreichte in den ersten drei Monaten eine grandiose Brutto-Gewinnmarge von 53,9 Prozent. Kein Wunder, dass die Anleger die ASML-Aktie von einem Hoch zum nächsten tragen. Und auch, wenn keine Aktie eine Einbahnstraße ist: Solange die ASML Holding „liefert“, indem sie weiterhin starke Wachstumsraten vorweisen kann, kann diese Reise auf immer neue Hochs durchaus weitergehen.

Expertenmeinung: Kommende Woche, am 21. Juli, steht die Bilanz des zweiten Quartals im Terminkalender. Wenn es erneut gelingt, Anleger und Analysten zu überzeugen und die bullische, unternehmenseigene Perspektive bestätigt, im Idealfall sogar etwas angehoben wird, wäre es durchaus denkbar, dass die Aktie die obere Begrenzung des derzeit relevanten, Ende Oktober etablierten Aufwärtstrendkanals ansteuert. Diese Linie liegt aktuell bei 640 Euro und läuft, natürlich, sukzessiv höher.

Besonders positiv sticht hier hervor, dass der Trend nicht zu einer „Zocker-Orgie“ verkommt. Die Kursgewinne laufen in moderatem Tempo ab, neue Hochs werden immer mal wieder korrigiert, so dass die markttechnischen Indikatoren nicht heiß laufen. Dennoch:

Ein solcher, lange anhaltender und schon jetzt weit reichender Aufwärtstrend muss immer wieder mit „good news“ gefüttert werden. Und zumindest für den Moment wäre das durchschnittliche Analysten-Kursziel (610 Euro) genau erreicht. Die Bilanz am 21. Juli kann also wegweisend werden. Aber bevor dieser bereits erfolgreich bestätigte Trendkanal, dessen untere Begrenzung aktuell bei 543 Euro verläuft, nicht gebrochen würde, behält diese so solide steigende Aktie ihre Chance, auch kurzfristig weitere Rekordhochs zu markieren.

Chart vom 14.07.2021, Kurs 609,10 Euro, Kürzel ASML | Online Broker LYNX