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ASML Aktie Prognose ASML: Der ultimative KI-Gewinner? Oder?

News: Aktuelle Analyse der ASML Aktie

In diesem Artikel
Gültigkeit der Analyse
1 Woche

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

ASML gilt als unverzichtbar und großer KI-Gewinner. Doch ein Blick auf Bewertung und Geschäftszahlen zeigt, dass vermeintliche Perfektion ihren Preis hat.

Weltklasse-Unternehmen, aber …

ASML ist eines dieser Unternehmen, bei denen Superlative nicht übertrieben wirken, sondern nüchtern beschreiben, was Sache ist. Wer verstehen will, wie die moderne Welt technologisch funktioniert, landet früher oder später bei diesem niederländischen Konzern.

Denn ohne ASML gäbe es viele der Chips nicht, die unseren Alltag, die globale Wirtschaft und den technologischen Fortschritt antreiben. Das macht die Firma außergewöhnlich. Und genau deshalb scheint es lohnenswert, gerade jetzt etwas genauer hinzusehen.

Ich habe mich in der Vergangenheit unzählige Male positiv zu ASML geäußert. Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert. Die Qualität des Unternehmens ist unbestritten, das Geschäftsmodell beeindruckend, die technologische Stellung einzigartig. Doch der Aktienkurs ist in eine Region vorgestoßen, die zumindest zum Nachdenken zwingt.

Seit der letzten Analyse (ASML stürzt nach Quartalszahlen ab) ist der Kurs von 653 Euro auf 1.162 Euro gestiegen. Das ist kein durch Geschäftszahlen begründeter Anstieg, sondern eine Neubewertung der Aktie.
Die Börse hat ihre Meinung zu ASML vollständig geändert. Damals wurde das Unternehmen kritisch gesehen, heute scheint kaum ein Preis zu hoch zu sein.

ASML und die KI-Euphorie

ASML ist ein weltweit bedeutender Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Diese Maschinen sind das Herzstück der Chipproduktion. Sie ermöglichen es, winzige Strukturen auf Siliziumscheiben zu projizieren, mit einer Präzision, die jenseits dessen liegt, was man sich noch vor wenigen Jahren vorstellen konnte. Ohne diese Systeme lassen sich moderne Mikrochips schlicht nicht herstellen.
ASML liefert die zentrale Infrastruktur für die gesamte Branche und ist obendrein Monopolist.

Das Geschäftsmodell ruht auf zwei stabilen Säulen. Zum einen verkauft ASML seine hochkomplexen Lithographiesysteme, die einzeln bis zu 400 Mio. USD kosten.

Zum anderen verdient das Unternehmen kontinuierlich Geld mit Dienstleistungen rund um die bereits installierten Maschinen. Wartung, Upgrades und technischer Support sorgen für planbare, wiederkehrende Umsätze. Dieses Servicegeschäft gewinnt seit Jahren an Bedeutung und macht ASML weniger zyklisch, als es ein reiner Maschinenbauer wäre.

Technologisch unterscheidet ASML zwischen DUV- und EUV-Lithographiesystemen. Während DUV-Systeme weiterhin breit eingesetzt werden und einen soliden Teil des Geschäfts ausmachen, liegt der eigentliche Burggraben im EUV-Bereich.

Extreme Ultraviolet Lithography ist die Schlüsseltechnologie für die modernsten Chips. Hier geht es um Strukturen im Nanometerbereich, um Rechenleistung, Energieeffizienz und Miniaturisierung. Ob Künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Hochleistungscomputer, autonomes Fahren oder Smartphones – überall dort stecken Chips, die auf EUV-Basis gefertigt werden.

Wenn Qualität zur Ausrede wird

Und hier kommt der entscheidende Punkt: ASML ist der einzige Anbieter solcher EUV-Systeme weltweit.

All das war jedoch auch schon bekannt, als die Aktie noch bei 653 Euro stand. Die technologische Führungsrolle ist nicht neu, das Servicegeschäft nicht plötzlich entstanden, das Monopol kein frischer Überraschungseffekt.

Seit der damaligen Analyse ist realistisch betrachtet wenig passiert. Abseits davon, dass sich der Kurs fast verdoppelt hat. Das Unternehmen hat einmal Quartalszahlen vorgelegt, doch die waren nicht weiter spektakulär.

Was sich verändert hat, ist das Sentiment. Die Börse hat ASML zum ultimativen KI-Gewinner erklärt.

Bekannte Stärken, neue Bewertung

In den Geschäftszahlen spiegelt sich das jedoch nur bedingt wider. Im dritten Quartal lag der Gewinn mit 5,49 EUR je Aktie über den Erwartungen von 5,45 EUR. Mit einem Umsatz von 7,52 Mrd. EUR wurden die Analystenschätzungen von 7,55 Mrd. EUR jedoch leicht verfehlt.

Für sich genommen wäre das kaum der Rede wert. Auf Jahressicht konnte der Umsatz jedoch nur marginal gesteigert werden und das Ergebnis auch nur um 4 %.

Dynamisches Wachstum sieht anders aus. In der Vergangenheit habe ich bei schwachen Quartalen immer wieder darauf hingewiesen, dass einzelne Quartale bei ASML nicht sonderlich aussagekräftig sind – und daran hat sich nichts geändert.

Es handelt sich jedoch nicht um das erste operativ schwache Quartal und obendrein auch nicht um das erste Quartal mit einem dürftigen Auftragseingang.

Langsam aber sicher verfestigt sich bei ASML ein Trend. Im ersten Quartal lag der Auftragseingang nur bei 3,94 Mrd. Euro, im zweiten bei 5,54 und im dritten bei 5,40 Mrd. Euro.
Noch wird das durch den enormen Auftragsbestand in Höhe von etwa 33 Mrd. Euro abgefedert. Wenn der Auftragseingang jedoch mehrere Quartale infolge deutlich unter dem Umsatz liegt, ist das kein gutes Zeichen.

Radikaler Stimmungswechsel

Die Bullen stehen jedoch auch nicht mit leeren Händen da. Für das vierte Quartal 2025 stellt ASML einen Umsatzsprung auf 9,2 – 9,8 Mrd. Euro und eine Bruttomarge von 51 – 53 % in Aussicht.

Das würde einer deutlichen Zunahme der Wachstumsdynamik entsprechen und könnte ein Vorbote für 2026 sein.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis 2025 bei 19,25 Euro je Aktie liegen und 2026 um 29 % auf 24,78 Euro je Aktie steigen.

Das KGVe für 2025 liegt demnach bei 60 und würde 2026 auf 46,8 sinken. Bei aller Liebe zu ASML und all den angesprochenen Eigenschaften, die das Unternehmen mitbringt. Aber das ist nicht gerade wenig – auch nicht für einen Monopolisten in diesem Sektor.
In den letzten fünf Jahren lag das KGV durchschnittlich bei 40.

ASML ist heute kein doppelt so gutes Unternehmen wie zum Zeitpunkt der letzten Analyse, der Kurs aber fast doppelt so hoch. Das bedeutet nicht, dass man aus diesem Unternehmen komplett aussteigen sollte – das sollte man bei Top-Unternehmen meiner Meinung nach nie -, aber man sollte über Gewinnmitnahmen nachdenken.

ASML Aktie: Chart vom 23.01.2026, Kurs: 1.162 EUR - Kürzel: ASML | Online Broker LYNX
ASML Aktie: Chart vom 23.01.2026, Kurs: 1.162 EUR – Kürzel: ASML | Quelle: TWS

Die Kursentwicklung seit der letzten Analyse zeigt, wie wankelmütig die Börse ist. Damals lag der Kurs noch bei 653, heute bei 1.162 Euro. An der Qualität des Unternehmens hat sich derweil nichts verändert, sie war damals genauso hoch wie heute.

Deshalb sollte der Tenor nicht lauten: verkaufen und abhaken. Top-Unternehmen gibt man nicht leichtfertig aus der Hand. Aber es ist legitim und aus meiner Sicht sinnvoll, über Gewinnmitnahmen nachzudenken.
Kapital aus einer Position zu ziehen, die sich extrem gut entwickelt hat, ist kein Misstrauensvotum gegen das Unternehmen. Es ist Risikomanagement.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.01.2026 um 11:08 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

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Vorherige Analysen der ASML Aktie

23.09.2025

ASML: Kasse machen oder nicht? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

34 Prozent Kursanstieg binnen drei Wochen: Das sind nicht nur Wunschträume bullischer Anleger, das ist bei der ASML Holding tatsächlich passiert. Aber stellt sich da nicht die Frage, ob das womöglich jetzt zu viel des Guten war und man vielleicht besser Kasse macht?

Diese Frage kann und muss man sich stellen. Aber nur, weil diese zu Anfang des Monats gestartete Rallye ungewöhnlich schnell und weit geführt hat, muss die Antwort nicht automatisch lauten, dass die Luft nach oben verbraucht ist und man daher besser aussteigt. Denn auch, wenn die große Abrechnung an der Terminbörse der ASML-Aktie zum Ende der vergangenen Woche noch einen „Extra-Boost“ verpasst haben könnte: Diese Käufe sind nicht einfach eine wilde Zockerei, befeuert von einem immer stärker werdenden Momentum der Aufwärtsbewegung, sondern haben durchaus ein robustes Fundament.

ASML stellt Produktionsanlagen für die Halbleiterindustrie her, sprich: für Computerchips. Dass die Aktie seit Sommer 2024 deutlich fiel, nachdem sie im Juli 2024 mit 1.022 Euro ein Rekordhoch erzielt hatte, basierte auf der Wahrnehmung, dass die weiter flaue Nachfrage in China und ab Jahresbeginn 2025 auch noch die US-Einfuhrzölle nebst Exportbeschränkungen für KI-Chips stärkeren Druck auf die Halbleiterbranche ausüben würden als zuvor vermutet. Und dass das zugleich Probleme für die Zulieferer von Produktionsanlagen und Basismaterialien nach sich ziehen wird. Was auch grundsätzlich zutraf. Nur dauert keine Flaute ewig. Was es dann braucht, ist ein Weckruf, um den zuvor eingeschlafenen Optimismus wiederzubeleben. Und bei ASML kam der Anfang des Monats:

Die ASML Holding beteiligt sich mit etwa elf Prozent an der europäischen KI-Hoffnung Mistral. Ein bemerkenswerter Brückenschlag zwischen einem Unternehmen, das die Basis für die Chipherstellung liefert, und einem, das damit arbeitet, was die Chiphersteller produziert haben. Das suggeriert Rührigkeit, eine breitere, zukunftsorientierte Aufstellung und damit, wenngleich nicht in Euro und Cent ausdrückbare, Wachstumschancen.

Darüber hinaus sehen einige Analysten die Versuche der Halbleiterbranche, insgesamt wieder Fahrt aufzunehmen – nötigenfalls auch ohne die derzeit fehlende Zugkraft Chinas – positiv und leiten daraus auch für die Zulieferer neues Potenzial ab. So bewertete beispielsweise die Bank of America das Zusammenrücken von Intel und Nvidia auch für die Zulieferer wie ASML als belebendes Element. Die Anleger sehen das offenbar auch so und kaufen die Aktie weiter.

Aber irgendwann ist auf der Oberseite ja mal Schluss. Sollte man also nicht zumindest kurzfristig verkaufen und nach einer Korrektur günstiger wieder einsteigen?

Expertenmeinung: Eine Korrektur könnte angesichts der beeindruckend heiß gelaufenen markttechnischen Indikatoren wie dem hier im Chart gezeigten RSI jederzeit kommen, das ist wahr. Aber wahr ist auch, dass ein Rücksetzer, der einen zeitweiligen Verkauf lohnen könnte, nicht zwingend kommen muss. Denn es ist nicht die Hoffnung auf neuen Schwung alleine, die die Aktie trägt:

ASML Holding Aktie: Chart vom 22.09.2025, Kurs 811,00 Euro, Kürzel: ASML | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
ASML Holding Aktie: Chart vom 22.09.2025, Kurs 811,00 Euro, Kürzel: ASML | Quelle: TWS

Der Chart zeigt, dass der Kurs bereits zu Beginn der vergangenen Woche eine Aufwärts-Trendwendeformation in Form einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter vollendet hatte, und das mit großer Dynamik. Dadurch hat die Aktie jetzt mehrere recht markante Chartlinien als Unterstützungen unter sich, die einen Rücksetzer auffangen könnten. Das auffällige Zwischenhoch vom Oktober 2024 bei 804 Euro liegt zwar noch zu nahe, um schon jetzt als Basis für Käufe nach einem Rücksetzer dienen zu können. Aber das Hoch des ersten Quartals 2025 bei 753 Euro wäre ein naheliegendes Korrekturziel, was hieße: So wirklich viel Luft nach unten muss hier, sofern nicht auf einmal „Bad News“ auftauchen, nicht sein, ein Pullback an die derzeit knapp unter 700 Euro verlaufende Nackenlinie der Trendwendeformation wäre eher überraschend, zumal:

Weder ist die ASML-Aktie bereits ungewöhnlich teuer – ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von derzeit 33 ist angesichts des grundsätzlich weiterhin hohen Wachstumspotenzials nicht zu viel. Noch werden die Analysten bereits nervös, im Gegenteil läuft die Aktie gerade erst in die Richtung dessen, was die Experten im Schnitt für machbar halten: Fast alle Analysten sehen die Aktie zumindest als haltenswert an, wobei über zwei Drittel mit „Kaufen“ werten, das durchschnittliche Kursziel liegt mit momentan 932 Euro noch ein gutes Stück über dem momentanen Level. Also:

Ausgerechnet jetzt, bei heiß gelaufener Markttechnik, noch neu einzusteigen oder zuzukaufen wäre sicher riskant, da wartet man besser eine Korrektur ab. Und kommt sie nicht, sucht man sich andere Ziele für sein Geld. Aber auszusteigen wäre ebenfalls gewagt, denn ob es dann wirklich gelingt, nennenswert günstiger wieder in die Aktie hineinzukommen, ist unsicher genug, um sich das zweimal zu überlegen.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

16.07.2025

ASML stürzt nach Quartalszahlen ab — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

ASML hatte ein überraschend starkes Quartal, doch der Auftragseingang enttäuscht. Der Weltmarktführer schwächelt.

Technik vom Feinsten

ASML ist der weltweit führende Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Das Unternehmen spielt eine entscheidende Rolle in der Herstellung von integrierten Schaltkreisen (Mikrochips). ASML entwickelt und produziert hochkomplexe Maschinen, die für die Produktion von Chips unverzichtbar sind.

Das Geschäftsmodell von ASML basiert auf zwei Hauptsäulen: Dem Verkauf von Lithographiesystemen und der Bereitstellung von Dienstleistungen für die bereits installierten Lithographiesysteme.
Das Servicegeschäft umfasst die Wartung, Upgrades und technische Unterstützung.

Die Kernprodukte von ASML sind Lithographiesysteme, die in zwei Hauptkategorien unterteilt werden können: Extreme Ultraviolet (EUV)-Lithographiesysteme und Deep Ultraviolet (DUV)-Lithographiesysteme.

Die EUV-Systeme stellen die Spitze der Technologie dar und sind entscheidend für die Herstellung der modernsten und kleinsten Mikrochips, die in Geräten wie Smartphones, Computern und anderen hochentwickelten Technologien verwendet werden.

Faktisches Monopol

Diese Maschinen ermöglichen es Halbleiterherstellern, Strukturen im Nanometerbereich zu erzeugen, was für die fortschreitende Miniaturisierung von Chips unerlässlich ist.
Egal ob KI, Rechenzentren, Hochleistungscomputer, autonomes Fahren oder moderne Smartphones – überall stecken Chips drin, die auf EUV-Basis hergestellt wurden.
ASML ist der einzige Anbieter von EUV-Lithographiesystemen weltweit.

Hinzu kommt das Servicegeschäft, auf das inzwischen ein bedeutender Teil der Umsätze entfällt. Im letzten Quartal waren es 2,10 Mrd. Euro. Der Gesamtumsatz lag bei 7,69 Mrd. Euro.
Durch diese Kombination kann ASML sowohl von der Nachfrage nach neuen Systemen als auch von der langfristigen Betreuung bestehender Kunden profitieren.

Zuletzt läuft das Geschäft dennoch eher schleppend. Die Exportbeschränkungen gegenüber China belasten den Auftragseingang, gleiches gilt für die allgemeine Unsicherheit und die Zoll-Drohungen der USA.

Sinnbefreit

ASML ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Zölle die US-Wirtschaft schädigen könnten. Nehmen wir beispielsweise an, die USA würden Zölle in Höhe von 30 oder 300 % gegen die EU verhängen.
In diesem Szenario würde kein Konkurrent von ASML in den USA gestärkt, da es keinen gibt.

Stattdessen würden die Maschinen von ASML für die Chiphersteller in den USA schlichtweg teurer und da es keinen heimischen Hersteller für EUV-Systeme gibt, könnte man nicht ausweichen.
Das würde eine wettbewerbsfähige Herstellung von Hochleistungschips in den USA geradezu unmöglich machen und die gesamte Branche schädigen.

Die damit einhergehende Unsicherheit hat dazu beigetragen, dass Investitionen zurückgestellt wurden.
Daher entwickelt sich der Auftragseingang von ASML mittelprächtig. Langfristig könnte das zu einem Problem werden. Steigen die Produktionskapazitäten nicht ebenso schnell, wie die Nachfrage, könnte das zu steigenden Halbleiter-Preisen führen, was wiederum den globalen Konsum belasten würde.

Gemischtes Bild

Im zweiten Quartal lag der Gewinn mit 2,29 Mrd. Euro weit über den Erwartungen von 2,02 Mrd. Euro. Mit einem Umsatz von 7,69 Mrd. Euro hat man die Analystenschätzungen von 7,38 Mrd. Euro ebenfalls übertroffen.

Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 23 % und einem Gewinnsprung von 45 %.
Da ASML gleichzeitig eigene Aktien zurückkauft, ist das Ergebnis um 47 % auf 5,90 USD je Aktie gestiegen.

Das Problem ist jedoch der Auftragseingang, der im letzten Quartal nur bei 3,94 Mrd. Euro lag und in diesem Quartal bei 5,54 Mrd. Euro, also jeweils weit unter dem Umsatz. Noch reicht der Auftragsbestand aus, aber sollte sich das nicht zeitnah ändern, wird ASML nicht wachsen können.

Dem CEO zufolge soll der Umsatz in diesem Jahr um 15 % steigen und das zweite Halbjahr wesentlich stärker ausfallen als das erste Halbjahr. Ein besonders hoher Anteil der Auslieferungen fällt voraussichtlich auf das vierte Quartal.
Das Geschäft mit EUV-Systemen soll dabei um etwa 30 % wachsen und die installierte Basis um 20 %.

Schwächelnder Auftragseingang: Ein Warnsignal?

Trotz geopolitischer Unsicherheiten, insbesondere durch Zölle und makroökonomische Faktoren, hält ASML an seiner Wachstumsstrategie fest. Der CEO zeigt sich verhalten optimistisch für 2026, auch wenn eine konkrete Wachstumsprognose aufgrund der Unsicherheiten derzeit nicht möglich sei. Man bereite sich dennoch weiterhin auf Wachstum vor, vorwiegend getragen durch die starke Nachfrage aus dem KI-Sektor.

Trotz der Exportbeschränkungen bleibe China ein wichtiger Markt, auf den mehr als 25 % der Umsätze entfallen. Der CEO betont, dass die Auswirkungen der Zölle bislang weniger negativ ausgefallen seien als zunächst befürchtet. Dennoch bestehe weiterhin eine erhebliche Unsicherheit.

Technologisch schreitet ASML weiter zügig voran. Die NXE 3800 (EUV-Hochleistungsmodell für 2 Nanometer) erreicht bereits die geplante Leistung, und die EXE 5200 (EUV-Hochleistungsmodell für Fertigungsgrößen unter 2 Nanometern, Kaufpreis etwa 400 Mio. USD) wird bereits für den Hochvolumenbetrieb installiert und hat eine rund 60 % höhere Leistung als das Vorgängermodell.

Auch im DUV-Bereich sieht ASML eine starke Dynamik, insbesondere durch den Übergang zu HBM- und DDR5-Produkten bei DRAM-Herstellern, wodurch mehr Schichten in EUV gefertigt werden.

Dem CEO zufolge strebt ASML bis 2030 einen Jahresumsatz von 44 bis 60 Mrd. Euro und eine Bruttomarge von 56–60 % an. Insgesamt sieht man sich trotz kurzfristiger Unsicherheiten klar auf Wachstumskurs.

An der Börse kamen diese Neuigkeiten nicht besonders gut an. Aktuell notiert die Aktie 7,39 % im Minus bei 653,90 Euro. ASML kommt demnach auf ein KGVe von 27,5. Langjährig schwankt das KGV um einen Wert von 35.

ASML Aktie: Chart vom 16.07.2025, Kurs: 653,90 EUR - Kürzel: ASML | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
ASML Aktie: Chart vom 16.07.2025, Kurs: 653,90 EUR – Kürzel: ASML | Quelle: TWS

ASML ist übergeordnet bullisch, kurzfristig jedoch angeschlagen. Die Aktie ist mehrfach am Widerstand bei 713 Euro abgeprallt. Unter 650 Euro drohen weitere Kursverluste in Richtung 626 Euro, oder möglicherweise sogar 605 Euro.

Gelingt hingegen eine Rückkehr über 670 Euro, würde sich die Lage wieder entspannen.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.