Gerresheimer Aktie nach Zahlen: Geht jetzt die Achterbahn los?

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Gerresheimer
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Zur Gerresheimer Aktie

Gerresheimer kann mit einem starken Ausblick bei den Anlegern punkten. Wenn man jetzt auch liefern kann, sieht es gut aus. Oder hat die Aktie womöglich schon zu viel vorweggenommen?

Grundsolide, das steht außer Frage

Gerresheimer ist ein Hersteller von Arzneimittelverpackungen und andere Verpackungen aus Spezialglas und Kunststoffen für die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie.

Das Geschäft ist dementsprechend wenig konjunkturanfällig, allerdings wächst die Branche auch nicht sonderlich schnell.
Wir werden sehen, ob sich Gerresheimer in diesem Umfeld abheben kann.

Aktuell durchläuft der Konzern eine Neuausrichtung. Nach den eigenen Worten will man ein „innovativer Lösungsanbieter für Biotech, Pharma und Beauty“ sein.

Wie sind die Zahlen ausgefallen?

Gerresheimer ist im dritten Quartal etwas stärker gewachsen als erwartet. Der Umsatz konnte um 9,4% auf 382 Mio. Euro gesteigert werden.

Das Unternehmen verzeichne eine anhaltend hohe Nachfrage nach Produkten wie Glasampullen, Spritzen und pharmazeutischen Kunststoffverpackungen.
Auf der anderen Seite seien allerdings auch die Kosten deutlich gestiegen.

Daher hinkte der Gewinn etwas hinterher und legte „nur“ um 5,2% zu.

Im ersten Halbjahr verzeichnete man zwar ein langsameres Wachstum, konnte den Gewinn aber stärker steigern.
Die Prognose trägt diesem Umstand Rechnung.

Das wäre eine deutliche Verbesserung

Gerresheimer stellt für das laufende Geschäftsjahr nun einen Umsatz am oberen Ende der bisherigen Prognose in Aussicht, aber auch eine Marge am unteren Ende der Prognose.
In Summe soll das Ergebnis um 10% steigen.

Wichtiger ist aber der mittelfristige Ausblick. Demnach will man in den kommenden Jahren ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und eine Verbesserung des bereinigten Ergebnisses je Aktie um mindestens 10 Prozent pro Jahr erreichen.

Kann Gerresheimer abliefern, wäre das im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit eine deutliche Verbesserung.
In diesem Szenario würde das Unternehmen wieder eine ordentliche Bewertung verdienen. Ein KGV von 20 wäre durchaus denkbar. In den letzten fünf Jahren lag das KGC durchschnittlich bei 17,9.

In dieser Zeit lief es allerdings auch nicht annähern so gut. Von konstanten Gewinnsteigerungen um 10% per annum gab es keine Spur.

Ist da was zu holen?

Das eigentliche Problem ist aber, dass die positive Entwicklung schon weitgehend vorweggenommen wurde. Aktuell kommt Gerresheimer auf ein KGV von 27,9 und ein KGVe von 25,3.

Teurer war das Unternehmen selten. In den letzten zehn Jahren lag das KGV per Ende Dezember nur zweimal über 25.

Geneigte Schnäppchenjäger wird man damit nicht anlocken können. Darüber hinaus muss Gerresheimer erst noch beweisen müssen, dass man die Prognosen auch erfüllen kann.

Daran kann man durchaus auch Zweifel haben. Inflationsbereinigt stagniert der Umsatz bereits seit mehr als sechs Geschäftsjahren.
Das Ergebnis dürfte in diesem Jahr noch immer unter dem Niveau von 2015 liegen.

Und selbst bei 10% Gewinnsteigerungen pro Jahr, dürfte es bis 2024 dauern, bis man das Rekordergebnis aus 2018 endlich übertreffen wird.
Die Aktie notiert aber heute schon über dem damaligen Niveau. Die Hoffnungen, dass Gerresheimer ein Krisengewinner sein könnte, scheinen sich zunehmend zu zerschlagen.

Summa summarum: Wirklich einladend ist das Chance-Risiko-Verhältnis nicht. Vorerst scheinen Anleger die Quartalszahlen und den Ausblick aber positiv aufzunehmen.
Gerresheimer notiert aktuell 5,34% im Plus bei 82,85 Euro.

Chart vom 12.10.2021 Kurs: 82,85 Kürzel: GXI - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 12.10.2021 Kurs: 82,85 Kürzel: GXI – Wochenkerzen

Aus technischer Sicht ist die Lage bei diesem Underperformer nicht optimal. Die beiden oberen Aufwärtstrends wurden durchbrochen.
Aus Sicht der Bullen muss dringend eine Rückkehr über 83,00 Euro gelingen. Dann würde sich die Lage vorerst entspannen und weitere Kursgewinne in Richtung 88 und 92 Euro ermöglichen.
Zwischen 92 und 95 Euro wird es allerdings zunehmend schwierig. Derzeit erscheint es unwahrscheinlich, dass es höher geht.

Wo auch immer die Erholung ein Ende finden wird, anschließend dürfte es wieder in Richtung 78,30 Euro abwärts gehen.
Unter 78,00 sowie 76,00 und 74,00 Euro käme es jeweils zu prozyklischen Verkaufssignalen. Werden diese Margen unterschritten, muss mit einer ausgedehnten Korrektur gerechnet werden.

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Der Verpackungs-Spezialist Gerresheimer legte am Dienstag die Bilanz des zweiten Quartals vor. Umsatz und Gewinn legten zum Vorjahresquartal zu, die Analystenprognosen wurden getroffen. Doch die Aktie brach um 8,92 Prozent ein – was war da los?

Die Bilanz wies Wachstum aus, zudem zeigte sich das Management optimistisch, dass die derzeit durch Corona besonders hohe Nachfrage nach den „Vials“ genannten Glasampullen für Impfstoffe womöglich kurzfristig mit dem weltweiten impffortschritt etwas zurückgehen, mittelfristig aber weiter hoch bleiben werde. Nimmt man dieses Statement für sich, wäre das kein Grund, um die Aktie zu verkaufen. Aber war den Marktteilnehmern nicht gefallen haben dürfte, was die Größenordnung des Wachstums.

Denn der Umsatz wuchs schon im von Corona geprägten Geschäftsjahr 2019/2020 (Geschäftsjahresende 30.11.) nur einstellig. In diesem zweiten Quartal 2021, das bei Gerresheimer wegen des zum Kalender um einen Monat nach vorn verschobenen Geschäftsjahrs von März bis Mai reichte, wurde ebenfalls nur ein magerer Umsatzanstieg von 3,9 Prozent zum Vorjahresquartal gemeldet. Und das, obwohl die Impfungen mit Beginn dieses laufenden Geschäftsjahres 2020/2021 angelaufen sind. Dass die Analysten sogar einen Tick weniger Umsatz prognostiziert hatten, dürfte diejenigen, die davon ausgingen, dass Gerresheimers Umsatz weit stärker zulegen müsste, nicht trösten.

Auch der Gewinn riss niemanden vom Hocker. Als Nettogewinn gerechnet stand da ein Plus von 8,2 Prozent zu Buche, als EBITDA gerechnet (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) ging der Gewinn jedoch von 84,2 Millionen im 2. Geschäftsjahresquartal 2019/2020 auf jetzt 81,9 Millionen zurück. Auch da wurde die durchschnittliche Expertenprognose von 81,7 Millionen sogar ein wenig übertroffen. Aber das war unstrittig zu mager für eine Aktie, die unmittelbar vor den Zahlen auf ihr bisheriges, im November 2020 bei 103,70 Euro markiertes Rekordhoch zusteuerte. Und jetzt?

Expertenmeinung: Jetzt stellen sich offenbar einige die Frage, ob das vor den Zahlen angesteuerte Hoch für dieses Wachstumstempo nicht zu teuer sein könnte. Immerhin rechnen die Analysten derzeit mit einem Gewinn pro Aktie, der trotz Corona noch unter dem des Geschäftsjahres 2017/2018 liegt. Und damals lag die Handelsspanne der Aktie zwischen 60 und 80 Euro. Und wenn das Wachstumstempo bei einer Pandemie wie dieser nur so moderat anzieht, wann sollte es sich dann deutlich beschleunigen?

Das könnte auch noch zu Anschlussverkäufen führen, welche die am Dienstagabend noch gehaltene, mittelfristige Aufwärtstrendlinie brechen. Fall die erst einmal halten würde, wäre die Aktie immer noch nicht „billig“ genug, um ein ideales Chance/Risiko-Verhältnis zu bekommen. Aber wenn der Kurs die bis ins Jahr 2015 zurückreichende Unterstützungszone zwischen 74 und 80 Euro testen sollte, würde es für die bullische Seite interessant. Denn dann könnte man die Bewertung der Aktie wieder als gut bezeichnen. Und auch, wenn die Bäume dann aufgrund des moderaten Wachstums der Unternehmensgewinne nicht in den Himmel wachsen würden: Würde Gerresheimer diese Zone 74/80 Euro testen und von dort wieder nach oben hinauslaufen, wäre ein Einstieg durchaus eine Überlegung wert, zumal sich der Stoppkurs dann relativ eng knapp unter diese dann gerade verteidigte Auffangzone legen ließe.

Chart vom 13.07.2021, Kurs 89,35 Euro, Kürzel GXI | Online Broker LYNX

Vor einer Woche legte Gerresheimer das Ergebnis des Geschäftsjahres 2020 vor. Zunächst sah es so aus, als gelänge es, die eingangs negative Reaktion in einen Aufwärtsimpuls umzuwandeln. Doch dann kamen die Verkäufer zurück … und jetzt könnte das bärische Lager die Aktie über die Klippe stoßen.

Wo liegt das Problem, das die Akteure derzeit aussteigen lässt? Als vor allem für den Medizin- und Pharmasektor agierender Verpackungsspezialist könnte man doch davon ausgehen, dass sich das Unternehmen einer stabil wachsenden Nachfrage erfreut? Das ist auch so. Aber der Umsatz wächst relativ langsam. Und der Gewinn gestaltet sich recht volatil. Das zeigte sich auch in der Bilanz des (jeweils am 30.11. endenden) letzten Geschäftsjahres. Der Umsatz stieg nur um zwei Prozent zum Vorjahr, der Gewinn fiel um 22 Prozent. Das Unternehmen hatte zwar im Dezember avisiert, den Umsatz 2021 mehr als zuvor avisiert steigern zu wollen, aber da wurde dann ein Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich angekündigt statt wie zuvor im mittleren einstelligen Bereich.

Expertenmeinung: Das war eben zu mager für eine Aktie, die im November mit 103,70 Euro ein Rekordhoch erreicht hatte. Vor allem, weil die Gerresheimer-Aktie im Jahr 2020 satte 46 Prozent zugelegt hatte, da man sie als Hersteller von Glasphiolen für Vakzine als „Corona-Gewinner“ eingestuft hatte. Mit diesem eher schwachen Wachstum wurde die Aktie dadurch aber einfach nur „teuer“, weist selbst jetzt, deutlich unter dem Rekordhoch, noch ein für Gerresheimer untypisch hohes Kurs/Gewinn-Verhältnis um 30 auf. In den Vorjahren rangierte dieses Kurs/Gewinn-Verhältnis zwischen 20 und 25. Das bullische Lager versuchte trotzdem, das Ruder nach der Bilanz herumzureißen:

Anfangs kräftige Abgaben am Bilanztag wurden großenteils wieder aufgeholt und am Folgetag, dem vergangenen Freitag, wurde die Flucht nach vorne angetreten: Die Aktie stieg bis 97,35 Euro und damit dem bisherigen Verlaufsrekord von 103,70 Euro entgegen. Aber diese Käufe trafen auf Abgabedruck, der Ausbruchsversuch nach oben ging schief. Und so etwas wird oft zu einem Bumerang. Denn so erkennen die Akteure, dass der Weg nach oben zugestellt ist. Und wenn man dann noch gute Argumente in Form der eher enttäuschenden Bilanz hat, um so nahe am Rekordhoch den Gewinn mitzunehmen – warum nicht? Und genau das passierte:

Gerresheimer rutschte zügig weiter ab und landete dadurch an der Ende Oktober etablierten und Ende Januar erfolgreich getesteten Unterstützungslinie bei 85 Euro. Der Versuch, so wie Ende Januar von dieser Supportlinie aus sofort wieder nach oben zu drehen, misslang am Mittwoch. Damit hätten die Bären jetzt einen Matchball. Sollte Gerresheimer eindeutig unter 85 Euro schließen, läge die nächste potenzielle Unterstützung erst bei 75 Euro, wo die obere Begrenzung einer zwischen Anfang 2019 und Frühjahr 2020 geltenden Seitwärtsspanne verläuft. Für kurzfristige, risikofreudige Trader könnte sich hier also kurzfristig eine interessante Trading-Chance etablieren.

Chart vom 24.02.2021, Kurs 85,65 Euro, Kürzel GXI | Online Broker LYNX

Der im MDAX gelistete Verpackungsmittelspezialist Gerresheimer legte am Dienstagmorgen seine Bilanz für das dritte Quartal vor. Nicht unbedingt früh, denn dass diese Zahlen deutlich vor dem Gros der Ergebnisse deutscher Unternehmen kamen liegt daran, dass Gerresheimer ein um einen Monat vorverlegtes Geschäftsjahresende hat. Hier endet das Bilanzjahr am 30. November, was also auf den Tisch kam, waren die Ergebnisse der Monate Juni bis August. Die Zahlen waren gut, aber nicht umwerfend. Aus dieser Warte heraus hielt sich die Aktie sehr gut … denn es hätte zumindest nicht überrascht, wenn das Ergebnis den Kurs mehr als die 2,14 Prozent gekostet hätte, die zum Handelsende zu Buche standen.

Der Umsatz stieg organisch gerechnet um 0,4 Prozent gegenüber dem dritten Vorjahresquartal. Der Gewinn, um Sondereffekte bereinigt und gerechnet vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) legte um 4,1 Prozent zu. Der zum Umsatz überproportionale Gewinnanstieg basierte auf einem leichten Anstieg der EBITDA-Marge von 20,1 Prozent vor einem Jahr auf jetzt 21,5 Prozent. Die bisherige Prognose für das Ende November endende Geschäftsjahr wurde bestätigt: Umsatzwachstum im mittleren, einstelligen Prozentbereich und eine bereinigte Marge um 21 Prozent. Gut, ja. Aber das hätte für viele nicht gut genug sein können, denn:

Expertenmeinung: Gerresheimer gehört zu den Aktien, die im Frühjahr und Sommer weit über den Level früherer Jahre hinausschossen, weil man sie als Profiteure der Krise erkannte. In diesem Fall, weil Gerresheimer Impfstoff-Ampullen herstellt. Und die werden, wie man ahnen kann, in den kommenden Monaten in viel, viel größerer Zahl benötigt als in den vergangenen Jahren. Zwar ist klar, dass sich ein zu erwartender Umsatzanstieg nicht in den Bilanzen vergangener Monate niederschlagen kann. Aber sicherlich haben einige darauf gebaut, dass Gerresheimer jetzt, da die Chance auf COVID19-Impfstoffe steigt, dies in seiner Prognose berücksichtigen und diese anheben würde. Dass die Aktie sich passabel hielt, zeugt davon, dass die Anleger hier Geduld beweisen und Ruhe bewahren.

Besonders ermutigend ist, dass es anfänglich sehr wohl zu einer Enttäuschungsreaktion kam, indem die Aktie am Morgen gut 6,6 Prozent durchsackte, dieses Minus dann aber in Richtung Handelsende konsequent reduziert wurde, indem Anleger in diesen Rücksetzer hinein einsteigen und damit unterstrichen, dass diese Bilanz nicht umwerfend, aber auch nicht enttäuschend war.

Dadurch wurde verhindert, dass die Gerresheimer-Aktie aus der Seitwärtsspanne zwischen 92,10 und 101,10 Euro, in die der Kurs nach der Rallye vom Frühjahr/Sommer eingeschwenkt war, nach unten verlassen wurde. Das ist schon mal gut, aber unser langfristiger Chart auf Wochenbasis zeigt eines deutlich: Der Kurs „schwebt“ jetzt auf einem Niveau, das weit über der Zone 74,50/80,25 Euro liegt, die in den Vorjahren für die Bullen immer wieder das Ende der Fahnenstange bedeutete und jetzt als Unterstützung dient. In den kommenden Monaten muss Gerresheimer in Sachen Bilanz und Prognose Positives liefern, ansonsten wird die gestern bewiesene Geduld wohl aufgebraucht sein. Und wenn der Kurs die Zone 92,10/101,10 Euro nach unten verlassen sollte, wäre die nächstliegende, charttechnische Auffangzone eben erst dort unten, im Bereich 74,50/80,25 Euro, zu finden.

Gerresheimer Aktie: Chart vom 13.10.2020, Kurs 98,15 Euro, Kürzel GXI | Online Broker LYNX

Nachdem bis Mitte März im Zuge der Panik alles querbeet verkauft wurde, kam es in den darauffolgenden Wochen zu einer ebenso wenig differenzierten Gegenreaktion. Danach aber begannen die meisten Marktteilnehmer genauer hinzusehen. Man machte sich auf die Suche nach Unternehmen, die entweder von dem Lockdown und der Pandemie an sich nicht beeinträchtig würden oder, noch besser, davon womöglich profitieren könnten. Zu den Unternehmen der zweiten Gruppe gehört auch der Verpackungsmittelspezialist Gerresheimer, denn dessen Schwerpunkt liegt im Pharma- und Medizinsektor. Und einigen fiel es schon auf, bevor Gerresheimer selbst Anfang Juli meldete: Sobald ein Impfstoff gefunden wäre, würde man Milliarden an Ampullen dafür brauchen. Und ein Drittel des Weltmarkts für Injektionsfläschchen entfällt auf Gerresheimer. Dass die Aktie auch in Phasen stabil höher lief, in denen der Benchmark-Index MDAX seitwärts unterwegs war, basierte auf der Erwartung der Marktteilnehmer, dass Gerresheimer durch diesen Umstand deutlich mehr Umsatz und Gewinn erzielen werde. Aber wie stark würde der Umsatz dadurch anziehen? Diese Frage ist derzeit noch offen und birgt auf dem derzeitigen Kursniveau ein Risiko, zumal Gerresheimer seine Prognose trotz der erwarteten Umsatz-Zugewinne durch den Mehrbedarf an Injektionsfläschchen noch nicht angehoben hat. Wieso? Expertenmeinung: Zum einen dürfte das daran liegen, dass man noch nicht absehen kann, ob dieses Mehr an Glasampullen noch in diesem Geschäftsjahr abgesetzt wird, das bei Gerresheimer vom Kalenderjahr abweichend am 30.11. enden wird. Zum anderen entstehen dadurch auch Kosten. Im Zuge der Meldung zum Mehrbedarf an Injektionsfläschchen teilte Gerresheimer Anfang Juli mit, dass man in weitere Maschinen investiert habe, um die Kapazitäten auszubauen und bereits jetzt auf vollen Touren produziert. Ein gewisses Risiko ist da schon dabei, wenn man im Vorfeld einer erhofften Entwicklung agiert. Und das gilt für die Anleger erst recht, wenn sie die Aktie bereits im Vorfeld in luftige Höhen heben. Denn das zur Monatsmitte markierte Hoch von 100,80 Euro ist zugleich auch ein Allzeithoch. Und damit wird die Aktie jetzt von der Bewertung her erst einmal nur „teurer“. Die Bilanz des zweiten Quartals kam hier bereits am 14. Juli, da die Quartale hier um einen Monat nach vorne versetzt sind, d.h. das zweite Quartal endete Ende Mai. Der Umsatz blieb da zum Vorjahresquartal stabil, doch der Gewinn lag zwar über der Prognose, aber zugleich 16 Prozent unter dem zweiten Quartal 2019, was durch eine deutlich unter Druck geratene, von 28,2 auf 23,2 Prozent gesunkene Gewinnmarge auf EBITDA-Basis verursacht wurde. Die Geschäftsjahresprognose rechnet mit einer insgesamt zum Vorjahr gehaltenen Marge um 21 Prozent bei einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich. Das wurde am 14. Juli bestätigt, d.h. das Unternehmen selbst sieht die Bäume derzeit nicht in den Himmel wachsen, die Aktie preist genau das aber ein. So gesehen wäre es allemal einen Gedanken wert, auf diesem Niveau ein paar Gewinne mitzunehmen. Denn ein Rücksetzer in die Zone 74,50/80,25 Euro, die über Jahre hinweg das obere Ende der Handelsspanne bedeutete, wäre in dieser Konstellation eine Möglichkeit, die man auf jeden Fall einkalkulieren müsste. Chart vom 27.07.2020, Kurs 95,40 Euro, Kürzel GXI | Online Broker LYNX

Ein Minus von 7,2 Prozent beförderte die Aktie des Gerresheimer-Konzerns am Dienstag an die Spitze der MDAX-Verliererliste. Man darf sich allerdings fragen, ob das nicht ein deutlich zu großer Schluck aus der Pulle war. Denn die diese Abgaben auslösende Nachricht war zweifellos nicht gut, aber sie kam auch nicht gerade einem Beinbruch gleich. Das Unternehmen, das vor allem Verpackungs- und Systemlösungen anbietet, hatte im Sommer 2018 das Schweizer Unternehmen Sensile Medical gekauft, das sogenannte Mikropumpen entwickelt und herstellt. Diese sind unter anderem im Bereich der Medizintechnik anzusiedeln. Das war bislang nicht gerade eine Domäne von Gerresheimer, aber die Finger nach einem solchen Wachstumsmarkt auszustrecken, erscheint schlüssig. Jetzt wurde am Dienstag von Gerresheimer gemeldet, dass der französische Pharmariese Sanofi einen an Sensile Medical vergebenen Auftrag zur Entwicklung von Mikropumpen zur Insulinversorgung storniert habe. Nicht gut, sicher. Aber damit war die Meldung noch nicht beendet. Expertenmeinung: Gerresheimer meldete zugleich, dass Sensile Medical einen Vertrag zur Entwicklung einer Mikropumpe mit einer anderen Zielausrichtung mit dem Schweizer Unternehmen SQ Innovation abgeschlossen habe und weitere Projekte mit Pharmakunden existieren, die Gerresheimer optimistisch hinsichtlich des Zukunftspotenzials der Mikropumpen sein lassen. Darüber hinaus hat ein stornierter Entwicklungsauftrag bei Sensile Medical eher nicht das Potenzial, dem Gesamtunternehmen eine bilanzielle Delle zuzufügen, die einem Abschlag von 7,2 Prozent in der Aktie entsprechen würde. Der Grund, warum die Aktie so stark reagierte, dürfte über das Ignorieren der positiven Aspekte der Unternehmensmeldung hinaus in der charttechnischen Situation gelegen haben, denn: Der Chart zeigt, dass die Aktie seit dem Frühjahr in einer breiten Seitwärtsspanne unterwegs ist. Deren obere Begrenzung bei 74,80 Euro wurde Anfang November angegangen, konnte aber nicht überboten werden. Seither lief die Aktie unterhalb dieser Hürde seitwärts. Das dürfte einige Akteure bereits in Bereitschaft versetzt haben auszusteigen, sollte sich abzeichnen, dass Gerresheimer nach unten abdreht. Diese Meldung in Kombination mit der relativen Marktenge der Aktie hat daher zu einem schnellen Rutsch geführt, zumal dabei die 20-Tage-Linei fiel, unter der so mancher einen Stop Loss gelegt haben dürfte. Aber zum Handelsende lief der Kurs wieder in den Bereich der aktuell um 67,50 Euro verlaufenden, zeitweise schon deutlicher unterbotenen 200-Tage-Linie zurück. Ein Indiz, dass die ersten gegen Abend erkannten, dass dieser Abschlag recht überzogen wirkt. Zwar könnte die Aktie nach dem Motto „kleine Ursache, große Wirkung“ trotzdem weiter nachgeben. Aber erst, wenn Gerresheimer diese mehrmonatige Handelsspanne mit Schlusskursen unterhalb von 61,50 Euro nach unten verlassen hätte, wäre der Weg zurück nach oben wirklich erst einmal zugestellt. Chart vom 19.11.2019, Kurs 67,00 Euro, Kürzel GXI | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen Sie möchten täglich vor Börsenstart unsere Chartanalysen per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie hier unseren Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.