Gerresheimer Aktie aktuell Gerresheimer: Erste Nagelprobe bestanden

News: Aktuelle Analyse der Gerresheimer Aktie

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Gerresheimer
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Zur Gerresheimer Aktie

Der im MDAX gelistete Verpackungsmittelspezialist Gerresheimer legte am Dienstagmorgen seine Bilanz für das dritte Quartal vor. Nicht unbedingt früh, denn dass diese Zahlen deutlich vor dem Gros der Ergebnisse deutscher Unternehmen kamen liegt daran, dass Gerresheimer ein um einen Monat vorverlegtes Geschäftsjahresende hat. Hier endet das Bilanzjahr am 30. November, was also auf den Tisch kam, waren die Ergebnisse der Monate Juni bis August. Die Zahlen waren gut, aber nicht umwerfend. Aus dieser Warte heraus hielt sich die Aktie sehr gut … denn es hätte zumindest nicht überrascht, wenn das Ergebnis den Kurs mehr als die 2,14 Prozent gekostet hätte, die zum Handelsende zu Buche standen.

Der Umsatz stieg organisch gerechnet um 0,4 Prozent gegenüber dem dritten Vorjahresquartal. Der Gewinn, um Sondereffekte bereinigt und gerechnet vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) legte um 4,1 Prozent zu. Der zum Umsatz überproportionale Gewinnanstieg basierte auf einem leichten Anstieg der EBITDA-Marge von 20,1 Prozent vor einem Jahr auf jetzt 21,5 Prozent. Die bisherige Prognose für das Ende November endende Geschäftsjahr wurde bestätigt: Umsatzwachstum im mittleren, einstelligen Prozentbereich und eine bereinigte Marge um 21 Prozent. Gut, ja. Aber das hätte für viele nicht gut genug sein können, denn:

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Gerresheimer Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Gerresheimer gehört zu den Aktien, die im Frühjahr und Sommer weit über den Level früherer Jahre hinausschossen, weil man sie als Profiteure der Krise erkannte. In diesem Fall, weil Gerresheimer Impfstoff-Ampullen herstellt. Und die werden, wie man ahnen kann, in den kommenden Monaten in viel, viel größerer Zahl benötigt als in den vergangenen Jahren. Zwar ist klar, dass sich ein zu erwartender Umsatzanstieg nicht in den Bilanzen vergangener Monate niederschlagen kann. Aber sicherlich haben einige darauf gebaut, dass Gerresheimer jetzt, da die Chance auf COVID19-Impfstoffe steigt, dies in seiner Prognose berücksichtigen und diese anheben würde. Dass die Aktie sich passabel hielt, zeugt davon, dass die Anleger hier Geduld beweisen und Ruhe bewahren.

Besonders ermutigend ist, dass es anfänglich sehr wohl zu einer Enttäuschungsreaktion kam, indem die Aktie am Morgen gut 6,6 Prozent durchsackte, dieses Minus dann aber in Richtung Handelsende konsequent reduziert wurde, indem Anleger in diesen Rücksetzer hinein einsteigen und damit unterstrichen, dass diese Bilanz nicht umwerfend, aber auch nicht enttäuschend war.

Dadurch wurde verhindert, dass die Gerresheimer-Aktie aus der Seitwärtsspanne zwischen 92,10 und 101,10 Euro, in die der Kurs nach der Rallye vom Frühjahr/Sommer eingeschwenkt war, nach unten verlassen wurde. Das ist schon mal gut, aber unser langfristiger Chart auf Wochenbasis zeigt eines deutlich: Der Kurs „schwebt“ jetzt auf einem Niveau, das weit über der Zone 74,50/80,25 Euro liegt, die in den Vorjahren für die Bullen immer wieder das Ende der Fahnenstange bedeutete und jetzt als Unterstützung dient. In den kommenden Monaten muss Gerresheimer in Sachen Bilanz und Prognose Positives liefern, ansonsten wird die gestern bewiesene Geduld wohl aufgebraucht sein. Und wenn der Kurs die Zone 92,10/101,10 Euro nach unten verlassen sollte, wäre die nächstliegende, charttechnische Auffangzone eben erst dort unten, im Bereich 74,50/80,25 Euro, zu finden.

Gerresheimer Aktie: Chart vom 13.10.2020, Kurs 98,15 Euro, Kürzel GXI | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Gerresheimer Aktie

Nachdem bis Mitte März im Zuge der Panik alles querbeet verkauft wurde, kam es in den darauffolgenden Wochen zu einer ebenso wenig differenzierten Gegenreaktion. Danach aber begannen die meisten Marktteilnehmer genauer hinzusehen. Man machte sich auf die Suche nach Unternehmen, die entweder von dem Lockdown und der Pandemie an sich nicht beeinträchtig würden oder, noch besser, davon womöglich profitieren könnten. Zu den Unternehmen der zweiten Gruppe gehört auch der Verpackungsmittelspezialist Gerresheimer, denn dessen Schwerpunkt liegt im Pharma- und Medizinsektor. Und einigen fiel es schon auf, bevor Gerresheimer selbst Anfang Juli meldete: Sobald ein Impfstoff gefunden wäre, würde man Milliarden an Ampullen dafür brauchen. Und ein Drittel des Weltmarkts für Injektionsfläschchen entfällt auf Gerresheimer. Dass die Aktie auch in Phasen stabil höher lief, in denen der Benchmark-Index MDAX seitwärts unterwegs war, basierte auf der Erwartung der Marktteilnehmer, dass Gerresheimer durch diesen Umstand deutlich mehr Umsatz und Gewinn erzielen werde. Aber wie stark würde der Umsatz dadurch anziehen? Diese Frage ist derzeit noch offen und birgt auf dem derzeitigen Kursniveau ein Risiko, zumal Gerresheimer seine Prognose trotz der erwarteten Umsatz-Zugewinne durch den Mehrbedarf an Injektionsfläschchen noch nicht angehoben hat. Wieso? Expertenmeinung: Zum einen dürfte das daran liegen, dass man noch nicht absehen kann, ob dieses Mehr an Glasampullen noch in diesem Geschäftsjahr abgesetzt wird, das bei Gerresheimer vom Kalenderjahr abweichend am 30.11. enden wird. Zum anderen entstehen dadurch auch Kosten. Im Zuge der Meldung zum Mehrbedarf an Injektionsfläschchen teilte Gerresheimer Anfang Juli mit, dass man in weitere Maschinen investiert habe, um die Kapazitäten auszubauen und bereits jetzt auf vollen Touren produziert. Ein gewisses Risiko ist da schon dabei, wenn man im Vorfeld einer erhofften Entwicklung agiert. Und das gilt für die Anleger erst recht, wenn sie die Aktie bereits im Vorfeld in luftige Höhen heben. Denn das zur Monatsmitte markierte Hoch von 100,80 Euro ist zugleich auch ein Allzeithoch. Und damit wird die Aktie jetzt von der Bewertung her erst einmal nur „teurer“. Die Bilanz des zweiten Quartals kam hier bereits am 14. Juli, da die Quartale hier um einen Monat nach vorne versetzt sind, d.h. das zweite Quartal endete Ende Mai. Der Umsatz blieb da zum Vorjahresquartal stabil, doch der Gewinn lag zwar über der Prognose, aber zugleich 16 Prozent unter dem zweiten Quartal 2019, was durch eine deutlich unter Druck geratene, von 28,2 auf 23,2 Prozent gesunkene Gewinnmarge auf EBITDA-Basis verursacht wurde. Die Geschäftsjahresprognose rechnet mit einer insgesamt zum Vorjahr gehaltenen Marge um 21 Prozent bei einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich. Das wurde am 14. Juli bestätigt, d.h. das Unternehmen selbst sieht die Bäume derzeit nicht in den Himmel wachsen, die Aktie preist genau das aber ein. So gesehen wäre es allemal einen Gedanken wert, auf diesem Niveau ein paar Gewinne mitzunehmen. Denn ein Rücksetzer in die Zone 74,50/80,25 Euro, die über Jahre hinweg das obere Ende der Handelsspanne bedeutete, wäre in dieser Konstellation eine Möglichkeit, die man auf jeden Fall einkalkulieren müsste. Chart vom 27.07.2020, Kurs 95,40 Euro, Kürzel GXI | Online Broker LYNX

Ein Minus von 7,2 Prozent beförderte die Aktie des Gerresheimer-Konzerns am Dienstag an die Spitze der MDAX-Verliererliste. Man darf sich allerdings fragen, ob das nicht ein deutlich zu großer Schluck aus der Pulle war. Denn die diese Abgaben auslösende Nachricht war zweifellos nicht gut, aber sie kam auch nicht gerade einem Beinbruch gleich. Das Unternehmen, das vor allem Verpackungs- und Systemlösungen anbietet, hatte im Sommer 2018 das Schweizer Unternehmen Sensile Medical gekauft, das sogenannte Mikropumpen entwickelt und herstellt. Diese sind unter anderem im Bereich der Medizintechnik anzusiedeln. Das war bislang nicht gerade eine Domäne von Gerresheimer, aber die Finger nach einem solchen Wachstumsmarkt auszustrecken, erscheint schlüssig. Jetzt wurde am Dienstag von Gerresheimer gemeldet, dass der französische Pharmariese Sanofi einen an Sensile Medical vergebenen Auftrag zur Entwicklung von Mikropumpen zur Insulinversorgung storniert habe. Nicht gut, sicher. Aber damit war die Meldung noch nicht beendet. Expertenmeinung: Gerresheimer meldete zugleich, dass Sensile Medical einen Vertrag zur Entwicklung einer Mikropumpe mit einer anderen Zielausrichtung mit dem Schweizer Unternehmen SQ Innovation abgeschlossen habe und weitere Projekte mit Pharmakunden existieren, die Gerresheimer optimistisch hinsichtlich des Zukunftspotenzials der Mikropumpen sein lassen. Darüber hinaus hat ein stornierter Entwicklungsauftrag bei Sensile Medical eher nicht das Potenzial, dem Gesamtunternehmen eine bilanzielle Delle zuzufügen, die einem Abschlag von 7,2 Prozent in der Aktie entsprechen würde. Der Grund, warum die Aktie so stark reagierte, dürfte über das Ignorieren der positiven Aspekte der Unternehmensmeldung hinaus in der charttechnischen Situation gelegen haben, denn: Der Chart zeigt, dass die Aktie seit dem Frühjahr in einer breiten Seitwärtsspanne unterwegs ist. Deren obere Begrenzung bei 74,80 Euro wurde Anfang November angegangen, konnte aber nicht überboten werden. Seither lief die Aktie unterhalb dieser Hürde seitwärts. Das dürfte einige Akteure bereits in Bereitschaft versetzt haben auszusteigen, sollte sich abzeichnen, dass Gerresheimer nach unten abdreht. Diese Meldung in Kombination mit der relativen Marktenge der Aktie hat daher zu einem schnellen Rutsch geführt, zumal dabei die 20-Tage-Linei fiel, unter der so mancher einen Stop Loss gelegt haben dürfte. Aber zum Handelsende lief der Kurs wieder in den Bereich der aktuell um 67,50 Euro verlaufenden, zeitweise schon deutlicher unterbotenen 200-Tage-Linie zurück. Ein Indiz, dass die ersten gegen Abend erkannten, dass dieser Abschlag recht überzogen wirkt. Zwar könnte die Aktie nach dem Motto „kleine Ursache, große Wirkung“ trotzdem weiter nachgeben. Aber erst, wenn Gerresheimer diese mehrmonatige Handelsspanne mit Schlusskursen unterhalb von 61,50 Euro nach unten verlassen hätte, wäre der Weg zurück nach oben wirklich erst einmal zugestellt. Chart vom 19.11.2019, Kurs 67,00 Euro, Kürzel GXI | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen Sie möchten täglich vor Börsenstart unsere Chartanalysen per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie hier unseren Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.