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NASDAQ 100 Index: Historische Analysen der letzten 6 Monate

Index-Portrait und Kursentwicklung: NASDAQ 100
Datum

Titel

Analysis

„Daumen Hoch“, das gehört beim technologielastigen Nasdaq 100 zum guten Ton. Da gab es zwar diese heftigen, rasanten Korrekturen Ende Januar/Anfang Februar und Mitte März. Aber das ist für bullische Trader, die sich sicher sind, hier zu Long-Trades keinerlei Alternative zu haben, lange her.

Seither erreicht der Index ein neues Rekordhoch nach dem anderen … und aus dem heimlichen Wunsch der ewigen Hausse wurde für manche eine Gewissheit. Rauf immer, runter nimmer. Zumindest sieht es so aus. Negative Nachrichten bleiben zwar nicht aus, aber es gelingt immer wieder, diese „abzuleiten“, indem man das Geld aus schwächelnden Papieren wie Facebook abzieht und einfach in Aktien steckt, zu denen es gerade keine negativen Nachrichten gibt.

Wobei keine Nachrichten automatisch gute Nachrichten sind, das ist für solche Phasen, in denen Aufwärtstrends seit Jahren laufen, üblich. Und seit der Wende nach dem Platzen der Subprime-Blase im März 2009 sind jetzt bereits neuneinhalb Jahre vergangen. Zu lange, um sich noch daran zu erinnern, wie „Baisse geht“? So scheint es, aber:

Expertenmeinung: Wenn man sich den Chart des Nasdaq 100 so ansieht, entsteht der Eindruck, dass da nicht wenige sorgsam darauf bedacht sind, es nicht darauf ankommen zu lassen. D.h. sie versuchen Situationen zu verhindern, in denen die Anleger eventuell doch „eine Dummheit begehen könnten“ … was hier hieße, Gewinne mitzunehmen. Denn eines ist denen, die immer genau da zugreifen, wo es nötig ist, um diesen Index in einem gefühlt „perma-bullischen“ Terrain zu halten, wohl klar:

Jetzt, in einem solchen Alters-Stadium der Hausse und bei zum Teil extrem teuer bewerteten einzelnen Aktien innerhalb des Index braucht es keine Short-Attacke der Bären, um eine Lawine auszulösen. Da würden einfache Gewinnmitnahmen reichen, um all diejenigen, die seit Jahren nach dem Motto „ich steige erst aus, wenn die anderen auch aussteigen“ vorgehen, dazu zu bewegen, genau das zu tun. Eben weil sie dann sehen würden, dass die ersten die Reißleine ziehen.

Wenn man das im Hinterkopf hat, erklärt sich, warum der Nasdaq 100 zwar seit Monaten an Aufwärts-Momentum einbüßt, dabei aber wie an der Schnur gezogen entlang der 50-Tage-Linie verläuft. Sie ist eine typische Marke für kurzfristige US-Trader. Solange sie unter dem Kurs liegt, geht man Long. Bricht die Linie, dann stoppen auch die Trader-käufe, die ersten würden dann sogar Short gehen, was genau diese Gewinnmitnahmen „normaler“ Anleger auslösen könnte. Und dann würden andere folgen, die Lawine könnte losbrechen, so, wie es Ende Januar oder Mitte März auch der Fall war.

Der Haken ist: Niemand kann übersehen, dass diese 50-Tage-Linie, aktuell bei 7.464 Punkten, das fragile Rückgrat dieser scheinbar ewigen Hausse ist. Auch die nicht, die hinsichtlich einer Short-Attacke durchaus nicht abgeneigt wären. Ein Stop Loss Long unter dieser Linie wäre unbedingt anzuraten!

Chart vom 28.09.2018, Kurs 7.627,65 Punkte, Kürzel NDX

Seit Monaten geht es schon so: Der technologielastige Nasdaq 100, der im Gegensatz zum Dow Jones seit Januar schon mehrfach für neue Rekordhochs gut war, korrigiert nach einem neuen Rekord, rutscht dabei einen Tick unter das vorherige Hoch und zieht dann einfach mühelos wieder an, um den nächsten Rekord anzugehen. Dieses Spielchen funktionierte im Juli, es funktionierte im August … und diejenigen, die jetzt wieder einsteigen, sind sich sicher: Es wird auch im September funktionieren.

Richtig ist: Es kann funktionieren. Aber es muss nicht. Es wirkt zwar so, als hätten relativ attraktive Anleihezinsen, weitere anstehende Leitzinserhöhungen oder der Unsicherheitsfaktor namens Handelskrieg niemanden unter den Investoren wirklich erschüttert. Daher gehen viele davon aus, dass diese Risiken in den Kursen längst enthalten sind und nicht mehr negativ wirken können.

Aber es wäre nicht das erste Mal, dass man mit solchen Theorien schiefliegt. Vor allem dann, wenn sich zu viele sicher sind, dass auf der Unterseite nichts anbrennen wird, kann es genau dazu kommen, weil jeder, der optimistisch ist, klängst investiert ist und auf die nächsten Käufer wartet, die die eigenen Positionen höher in den Gewinn tragen sollen. Bleiben die aus, weil das Lager der Bullen längst voll ist, geht es schief. Aber kann man das vorher wissen? Ließe es sich womöglich bereits auf der Short-Seite investieren, einem Abwärtsschub zuvorkommen?

Expertenmeinung: Die derzeitige Situation gleicht den beiden vorherigen Fällen so sehr, dass das mehr als gewagt wäre.  Aber es wäre zugleich auch unnötig, denn der Chart zeigt gut, was passieren müsste, um die Chance für die Bären deutlich zu erhöhen. Im Gegensatz zu Europa, wo dieser gleitende Durchschnitt relativ wenig Bedeutung hat, achtet man an der Wall Street sehr auf die 50-Tage-Linie, d.h. den gleitenden Durchschnitt der letzten 50 Börsentage.

Dass diese Linie für den Index wichtig ist, erkennen Sie daran, dass die letzten beiden Rücksetzer wie erwähnt zwar knapp unter das vorherige Rekordhoch reichten, aber genau auf Höhe eben dieser 50-Tage-Linie abgefangen wurden und der Nasdaq 100 von dort aus seinen Weg zu einem neuen Rekordhoch in Angriff nahm. Diese Linie verläuft aktuell bei 7.384 Zählern und damit knapp unter dem bisherigen Tief des Rücksetzers bei 7.400 Punkten. Schafft es der Nasdaq 100 über das vorherige Rekordhoch vom Juli um 7.511 Punkte, stünden die Chancen für die Bullen gut. Aber sollte diese 50-Tage-Linie mit Schlusskursen unter 7.384 Punkten fallen, sollte man besser erst einmal nicht mehr über einen Long-Trade nachdenken, denn das wäre ein markanter Hinweis darauf, dass dem Bullen-Lager etwas anbrennt.

Chart vom 10.09.2018, Kurs 7.447,68 Punkte, Kürzel NDX

 

 

 

Bis zum bisherigen Verlaufsrekord des Nasdaq 100 fehlten am Freitag gerade noch 26 Punkte, ein gutes Drittel Prozent. Eine Kleinigkeit, die gleich zum Wochenstart überwunden werden könnte. Aber dass das für viele bereits ausgemachte Sache zu sein scheint, sollte zumindest vorsichtig stimmen. Vor zwei Wochen stand der technologielastige Nasdaq 100 ebenfalls zum Wochenschluss auf dem Sprung – und verweigerte diese Hürde zunächst. Warum sollte es diesmal anders sein? Drei Argumente werden da seitens der Bullen ins Feld geführt:

Erstens fiel der jüngste Rücksetzer ausnehmend moderat aus. Nicht einmal die 20-Tage-Linie als nächstgelegene Unterstützung wurde da nennenswert unterboten. Und dass der Nasdaq 100 schon nach zwei Wochen erneut antritt, neue Hochs zu erreichen, suggeriert die Entschlossenheit des bullischen Lagers ebenso wie deren Dominanz. Zweitens, so wird argumentiert, ist die Saison der Quartalsbilanzen vorüber. Und dort, wo es wie z.B. bei Facebook oder Netflix „bad news“ gab, hat man sich bereits ausgetobt. Wer verkaufen wollte, ist längst ausgestiegen, jetzt kann es bei den schwächeren Werten wieder aufwärts gehen und die stark gebliebenen Aktien weiter steigen. Und drittens habe die vergangene Woche gezeigt, dass dem Aufwärtstrend weder die ausgebliebenen Fortschritte bei den Gesprächen mit China im Handelsstreit noch das zunehmende Risiko etwas anhaben kann, dass am US-Präsidenten doch etwas von der Russland-Affäre hängenbleibt. Es kann also gar nichts passieren.

Wirklich? Erfahrene Investoren werden immer besonders vorsichtig, wenn solche Meinungen zum Allgemeingut zu werden scheinen. Denn wer ist schon bullisch und zugleich nicht investiert? Viele Anleger, auch die großen Adressen, sind bereits hoch oder voll investiert. Und gerade dann, wenn die großen Adressen erkennen, dass Gewinnmitnahmen schwierig werden, weil die Nachfrage, die die Verkäufe auffangen könnte, ohne die Kurse zu kippen, geringer wird, greifen sie gerne zu einem Kniff:

Man trommelt zum Einstieg, setzt Kursziele höher, verbreitet, dass nichts der Hausse gefährlich werden kann, um im Fall eines charttechnisch bullischen Signals durch den Sprung über das bisherige Hoch sicherzustellen, dass zahlreiche Marktteilnehmer das auch als Kaufsignal wahrnehmen und umsetzen. Aber in diese gestiegene Nachfrage hinein wird dann seitens der großen Adressen zügig das verkauft, was man an Beständen reduzieren will – weil man dort sehr wohl weiß, dass das Ignorieren von Risiken nicht bedeutet, dass die sich nicht doch irgendwann auswirken. Und je länger man sie ignoriert, desto heftiger fällt die Reaktion aus, wenn die Lawine erst einmal rollt. Das hatte man ja gerade erst zu Jahresbeginn erlebt.

Nasdaq 100 - Tageschart - NDX_2018_08_27_Day

Fazit: Die Stimmung ist derzeit besser als die Lage. Das birgt das Risiko einer Bullenfalle, wenn es gelingen sollte, diese kleine Distanz bis zur bisherige Rekordmarke von 7.511,39 Punkten zu überwinden. Aber Risiko und Gewissheit sind zweierlei: Es muss nicht so kommen, der Nasdaq 100 kann weiter laufen, zumindest an die obere Begrenzung des im Wochenchart abgebildeten Trendkanals bei derzeit 7.750 Punkten. Was tun? Es würde sich anbieten, ob man jetzt bei neuen Schlusskurs-Hochs Long zukaufen oder nur die Position halten will, eine konsequente Absicherung nach unten einzuziehen, für die sich momentan ein Level um 7.370 Punkte, knapp unterhalb der 20-Tage-Linie und der April-Aufwärtstrendlinie, anbieten würde.

Nasdaq 100 - Wochenchart - NDX_2018_08_27_Week

Es könnte die Kombination aus zwei Überlegungen gewesen sein, die dazu führt, dass der Nasdaq 100-Index ausgerechnet jetzt in die Knie geht. Die erste: 7.500 Punkte sind eine „runde Marke“ – und die wurde in der vergangenen Woche erreicht. Für viele Investoren dienen solche runden Marken als Kursziele. Das bedingt nicht zwingend, dass diese Marktteilnehmer dann auch aussteigen. Aber man orientiert sich dort, überlegt neu. Und kann, wenn andere Aspekte das nahelegen, eben auch entscheiden, Kasse zu machen. Kommen zu viele gleichzeitig zu diesem Schluss, kann es auch mal kräftig und schnell abwärts gehen. So wie es derzeit der Fall ist. Aber was motiviert diejenigen, die derzeit verkaufen, das zu tun?

Da dürften die FAANG-Aktien ins Spiel kommen, die Technologie-Schwergewichte und Publikumslieblinge Facebook, amazon.com, Apple, Netflix und Google (Alphabet). Facebook und Netflix enttäuschten die mit immer höher gestiegenen Kursen auch immer höheren Erwartungen der Investoren. amazon.com und Alphabet waren gut, aber nicht revolutionär. Doch im Vorfeld wurden diese Aktien auf neue Rekorde gezogen, zu sicher war man sich, dass sie danach erst recht zu Kursraketen würden. Die Erkenntnis, da auf Sand gebaut zu haben und der Fakt, dass diese Aktien trotz kräftigen Verkaufsdrucks immer noch großenteils starke Gewinne seit Jahresanfang aufweisen, erleichtert die Entscheidung, zu verkaufen. Was angesichts deren hoher Gewichtung beim Nasdaq 100 selbst kräftige Spuren hinterlässt.

Heute Abend nach Handelsende kommt mit Apple das letzte dieser großen Unternehmen mit seinen Zahlen. Sollte auch Apple die Hoffnungen der Anleger nicht erfüllen, könnte es für den Index ernst werden. Denn auf diesen Nasdaq-Schwergewichten wäre noch genug „Speck“ drauf, d.h. Gewinne vorhanden, damit die Verkäufe weitergehen. Und Sie sehen im Wochenchart des Nasdaq 100, dass dem Doji der vorvergangenen Woche letzte Woche ein abverkauftes, neues Rekordhoch folgte, wobei der Schlusskurs der Woche unter dem der vorherigen lag. Das ist immens problematisch, weil es zeigt, dass den Bullen definitiv die Luft auszugehen droht – und das bleibt keinem Anleger verborgen. Was den Tageschart anbelangt, findet sich dort indes noch eine Chance, das Ruder herumzureißen:

Chart vom 30.07.2018, Kurs 7.190,57 Punkte, Kürzel NDX

Bevor es an die mittelfristig entscheidende, doppelte Unterstützung aus dem Anfang 2016 etablierten Aufwärtstrend und der 200-Tage-Linie geht, die sich derzeit im Bereich 6.630/6.730 Punkte befinden, wären neben der am Montag gerade noch so eben gehaltenen kurzfristigen Aufwärtstrendlinie vom April noch das Juni-Tief bei 6.950 Punkten und eine Wendezone vom April und Mai um 6.850 Zähler potenzielle Auffanglinien. Aber sollte Apple heute nach US-Handelsende enttäuschen, könnten solche Linien sehr schnell und deutlich durchschlagen werden!

Chart vom 30.07.2018, Kurs 7.190,57 Punkte, Kürzel NDX

Das unerwartet schlechte Quartalsergebnis von Netflix setzte dem Nasdaq 100 am Dienstag anfangs spürbar zu. Die Aktie ist im Index kein Leichtgewicht mehr. Und als sie zum Handelsstart mit einem Minus um 13 Prozent ins Rennen ging, ächzte das Gebälk des Index erheblich. Aber dann begannen erste Rückkäufe bei Netflix. Und nicht nur das, es wirkte, als würde man um die „Schadstelle“ drum herum kaufen, einfach andere Aktien mit hoher Gewichtung gezielt einsammeln, so z.B. amazon.com oder Facebook. Wieso?

Es ist zwar richtig, dass ein schwaches Ergebnis bei Netflix kein Grund ist, auch bei den anderen „FAANG“-Aktien Facebook, Apple, amazon.com und Alphabet unerfreuliche Ergebnisse zu unterstellen. Einerseits, weil Netflix in einem anderen Feld agiert, andererseits, weil dort die Erwartungen auch immens hoch gesteckt waren. Aber dass man zumindest vorsichtiger würde, hätte man doch erwarten können. So wirkte es, als wolle man den Nasdaq 100 auf Biegen und Brechen im Bereich seines am Montag erreichten Rekordhochs bei 7.390 halten, was dann im Handelsverlauf auch noch überboten wurde.

Dass da mit der Brechstange agiert wurde, dieser Schein dürfte nicht trügen. Denn übermorgen steht wieder einmal die Abrechnung von Index-Optionen an. Und da scheint es einige große Adressen zu geben, die sich durch Netflix nicht die Petersilie verhageln lassen wollen. Was nicht einmal ein allzu gefährliches Spiel ist. Jedenfalls nicht im ganz kurzfristigen Zeitraster.

Expertenmeinung: Denn ein nahender Verfalltermin oder Hexensabbat, wie man diese Options-Abrechnungen nennt, intensiviert gemeinhin einen vorbestehenden Trend. Der weist nach oben, also können diejenigen, die den Nasdaq 100 am Dienstag aus dem Minus ins Plus und auf neue Hochs gezogen haben, davon ausgehen, dass das Gros der großen Akteure am Terminmarkt mit ihnen an einem Strang zieht. Zwar fällt dieses „Zugpferd“ ab kommender Woche weg, aber bis dahin wäre man mit diesen sturen Käufen auf der einigermaßen sicheren Seite, vorausgesetzt, es kämen keine dramatisch negativen Nachrichten, die den Aktienmarkt erheblich ins Wanken brächten.

Ab Montag aber wird sich weisen, aus welchem Holz diese Rallye geschnitzt ist, zumal in der kommenden und der darauffolgenden Woche nahezu alle Quartalsergebnisse der Nasdaq-Schwergewichte auf den Tisch kommen. Und immer dann, wenn wie jetzt einfach vorausgesetzt wird, dass diese Quartalsbilanzen herausragend und weit besser als erwartet ausfallen werden, ist das Eis dünner, als es scheint.

Fazit: Für den Moment ist es gelungen, trotz Netflix die Spur zu halten, aber ab kommender Woche kann – muss aber nicht – sich das ändern. Jetzt bereits einfach auf Verdacht dagegen zu halten und Short zu gehen, könnte also sehr daneben gehen. Aber enge Stop Loss auf der Long-Seite wären, mit Blick auf die Zeit nach dieser Options-Abrechnung, erste Trader-Pflicht!

Chart vom 17.07.2018, Kurs 7.403,89 Punkte, Kürzel NDX

Das Ganze basierte auf einer Art Irrtum. Aber die Folgen, die daraus entstehen können, nachdem man zu sehen bekam, wie diese Fehlinterpretation einer Meldung korrigiert wurde, könnten erheblich sein, denn der Tag endete in Ernüchterung pur. Um 13:45 Uhr wurde gemeldet, US-Präsident Trump werde gegenüber chinesischen Investitionen in den USA einen weniger harten Weg gehen, indem er dem CFIUS, das Committee on Foreign Investment in the United States, weiterhin die Regulierung ausländischer Investitionen überlasse, diesem Gremium aber mehr Kompetenzen bewilligen werde. Daraufhin schossen die US-Index-Futures blitzartig und weit nach oben. Der Nasdaq 100, der über den Future um 13:45 Uhr noch um 7.012 Punkte und damit klar im Minus gelegen hatte, stieg bis eine Stunde nach Beginn des regulären Handels auf 7.128 Punkte – und drehte plötzlich doch wieder ab. Am Ende stand ein Abschlag von fast 100 Punkten oder knapp 1,4 Prozent zu Buche. Wieso? Es scheint, als hätten viele, die von der Nachricht überrascht wurden, unterstellt, dass es sich hier um ein Einknicken Trumps im Handelskonflikt mit China handeln würde. Aber zum einen betonte Larry Kudlow, der Wirtschaftsberater des Präsidenten, am Nachmittag, dass Donald Trump in Bezug auf China keinen Rückzieher machen werde. Und es handelte sich bei dieser Sache ja auch grundsätzlich um eine andere „Baustelle“, denn hier ging es nicht um Im- und Export, sondern um Beteiligungen an oder den Kauf von US-Firmen durch ausländische (und nicht nur chinesische) Unternehmen. Hinzu kommt, dass die Aussage, dass CFIUS ausreichen werde, um das zu regulieren, nicht bedeutet, dass die USA jetzt auf einen sanften Kurs einschwenken würden.

Expertenmeinung: Gut behauptet gestartet, deutlich ins Plus gelaufen und am Ende tief im Minus geschlossen – dieser Mittwoch brachte einen ernüchternden Turnaround nach unten. Das war ein sehr markantes Signal dahingehend, was enttäuschte Hoffnungen bewirken können. Der erhebliche Druck, der dazu führte, dass der Nasdaq 100 nicht nur diese anfängliche Rallye zurücknahm, sondern auch nahe Tagestief schloss, das unter dem Niveau lag, das der Index vorbörslich aufwies, zeigt, wie groß der Verkaufsdruck werden kann und wie wenig das bullische Lager dem dann entgegenzusetzen hätte. Hinzu kommt, dass der Index dadurch rein auf den Schlusskurs bezogen auf einem neuen Tief im Zuge der erst vor einer Woche begonnenen Abwärtsbewegung aus dem Handel ging. Und sollte die schnell näher kommende Unterstützungszone 6.830/6.843 Punkte fallen, wäre der Weg frei für den nächsten, dann vierten Test des doppelten Leitstrahls der nach der US-Wahl begonnenen Hausse in Form der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie bei 6.538 und der 200-Tage-Linie bei 6.592 Punkten. Und je öfter eine solche wichtige Auffangzone getestet wird, desto größer wird die Chance für das Bären-Lager, sie zu brechen!

Chart vom 27.06.2018, Kurs 6.969,67 Punkte, Kürzel NDX

Wer die Käufe der letzten fast zwei Monate an der Nasdaq schon fast als zwanghaft einstuft, hat wohl gar nicht mal so Unrecht. Das war eine Kaufwelle, die äußerst irrational wirkte und auch war. War, weil sie mit der roten Kerze des Donnerstags vor dem Ende stehen könnte. Seit dem 3. Mai gab es bis gestern nur drei rote Kerzen – und 31 grüne. Auch an Tagen, an denen der Nasdaq 100 im Minus schloss, tauchten meist grüne Kerzen auf, die zeigen, dass der Index auch an grundsätzlich schwächeren Tagen über dem Eröffnungskurs schloss. Übersetzt heißt das: Es wurde quasi immer gekauft, auch in fallende Kurse hinein. Aber wieso? Weil die Marktteilnehmer die Technologieaktien einerseits als die größten Gewinner eines für das zweite Quartal erhofften, anziehenden Wachstums auserkoren haben und sie andererseits glauben, dass Technologieaktien ebenso wie „Small Caps“, kleine Nebenwerte, nicht von den Folgen des Handelskriegs der USA mit dem Rest der Welt betroffen wären. Ersteres müsste erst einmal wirklich so kommen. Und Zweites ist fraglich, denn gerade große US-Technologieunternehmen könnten Ziel der Gegenmaßnahmen Chinas oder Europas werden, sollte dieser Zwist noch weiter eskalieren. Das schien am Donnerstag den ersten Marktteilnehmern zu dämmern. Und sie begannen auf Rekordhoch, Gewinne mitzunehmen. Das kann jetzt für die Bullen brandgefährlich werden, denn:

Expertenmeinung: Die für die laufende Rallye entscheidenden charttechnischen Unterstützungen liegen extrem nahe. Ein weiterer schwacher Tag, und alle wichtigen Supportlinien wären „durch“. Zum einen wäre dies das alte Rekordhoch aus dem März bei 7.183 Punkten, da war der Nasdaq 100 am Donnerstag bereits nahe dran. Und nur ganz knapp darunter verlaufen mit der 20-Tage-Linie (7.139 Punkte) und der April-Aufwärtstrendlinie (7.135 Punkte) die beiden anderen Linien, die diese Kaufwelle seit Ende April begleiten. Wobei beide Linien am heutigen Freitag noch einmal etwa zehn Punkte höher liegen werden. Die nächsten Linien, die als Unterstützung dienen könnten, lägen bei 6.990 Punkten (Mai-Hoch) und 6.843 Punkten (April-Hoch). Aber dadurch, dass sich hier so viele „auf Wolke Sieben“ befinden, sich in der vermeintlichen Sicherheit einer unerschütterlichen Hausse wähnen … und das auf Basis höchst gewagter Annahmen … wäre es keine Überraschung, wenn es hier zum krassen Gegenteil eines „geordneten Rückzugs“ käme, sollten April-Aufwärtstrendlinie und 20-Tage-Linie erst einmal auf Schlusskursbasis gebrochen sein!

Chart vom 21.06.2018, Kurs 7.217,49 Punkte, Kürzel NDX

Ende April ging es beim Nasdaq 100 noch darum, die 200-Tage-Linie zu verteidigen. Jetzt, gut sechs Wochen später, hat der Index ein neues Rekordhoch erreicht. Und kaum jemand macht sich darüber Gedanken, dass es in eine Bullenfalle münden könnte, obwohl das vorherige Allzeithoch aus dem März nur wenig über das von Ende Januar hinauskam und diese damalige Bullenfalle in einer heftigen Korrektur endete. Warum sollte es diesmal nicht so kommen? Weil die Stimmung extrem bullisch ist? Gerade das ist ja gerne ein Kontraindikator, vor allem, wenn diese Stimmung nur darauf fußt, dass der Index entgegen der wachsenden Risiken neue Hochs markiert. Ein „jetzt erst recht“ ohne Unterbau ist das wackligste aller Argumente für steigende Kurse. Da müssten schon bessere Argumente her. Gibt es die? Im Gegenteil. Seit Ende April ist der US-Dollar vor allem zum Euro wieder kräftig gestiegen. Das verteuert die Exporte der US-Unternehmen in den wichtigen europäischen Markt. Dow Jones und S&P 500 haben das umgesetzt, notieren noch deutlich unter den bisherigen Hochs. Der Nasdaq 100 nicht … aber auch und gerade Technologie wird exportiert. Und auch Technologie wäre ein Bereich, der bei einer sich momentan abzeichnenden Eskalation des Handelskonflikts von Strafzöllen betroffen sein könnte. Das schließt man derzeit einfach aus – aber warum? Und damit nicht genug:

Expertenmeinung: Als die wichtigsten Unternehmen im Nasdaq 100 ihre Quartalsbilanzen Anfang Mai auf dem Tisch liegen hatten, notierte der Index um 6.800 Punkte, jetzt sind es fast 500 Punkte mehr. Auf besseren Quartalszahlen kann das also nicht basieren … sehr wohl aber auf der festen Überzeugung, dass die des zweiten Quartals absolut grandios sein werden. Was sich indes erst herausstellen muss, womit man wieder bei einer Rallye ohne Unterbau wäre. Und noch eines sollte man bedenken: Gerade dann, wenn die Vernunft eher für fallende Kurse spräche, werden sehr viele Anleger am Optionsmarkt, die deswegen Put-Optionen gekauft haben, bei einer Rallye auf dem falschen Fuß erwischt. Die großen Adressen am Terminmarkt, die Put-Optionen an die Anleger verkauft haben, finden deshalb ein ideales Niveau bei der Abrechnung der Optionen dort, wo so viel wie möglich Put-Optionen verfallen: am oberen Ende der Handelsspanne. Deswegen nennt man einen Abrechnungstermin am Terminmarkt sowie die Tage davor auch „Hexensabbat“: Dort kommt es wegen solcher Aspekte oft zu irrational wirkenden Kursbewegungen. Und heute findet eine solche Options-Abrechnung statt, was bedeutet: Diesem neuen Rekordhoch des Nasdaq 100 blind zu vertrauen und daraufhin Long zuzukaufen, wäre riskant und sollte wenn, dann mit hautengen Stoppkursen erwogen werden, wofür sich der doppelte Leitstrahl der Rallye aus April-Aufwärtstrendlinie und 20-Tage-Linie um 7.050 Punkte als Orientierung aufdrängen würde.

Chart vom 14.06.2018, Kurs 7.279,59 Punkte, Kürzel NDX

Vielleicht war einer der „Väter“ dieses Anstiegs auf neue Rekorde, dass viele damit absolut nicht gerechnet hatten. Es gab und gibt eine Menge guter Argumente, warum der Nasdaq 100 das im März bei 7.183 Punkten markierte Rekordhoch so schnell nicht wieder erreichen könnte. Ende April hätte es wohl nur wenige überrascht, wenn der doppelte Leitstrahl der Trump-Hausse in Form der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie im Zuge des damals schon dritten Tests gebrochen wäre. Und seither haben sich einige Rahmenbedingungen eher noch verdüstert. Aber Unverhofft kommt oft an der Börse, unter tätiger Mithilfe derer, die dann auf dem falschen Fuß erwischt werden und ihre Positionen drehen müssen. Wer Short war, musste nicht nur leer verkaufte Aktien eindecken und sie zu diesem Zweck kaufen. Um zugleich eine Long-Position einzunehmen, musste man gleich noch einmal kaufen. Das zieht einen Index natürlich. Und die Charttechnik passte auch: Anfang Mai der Ausbruch über das Zwischenhoch vom April, danach eine Konsolidierung, die indes sofort mit Touchieren der 20-Tage-Linie wieder Fahrt aufnahm und den Nasdaq 100 mit dieser Linie als „Motor“ zunächst über das Januar-Hoch bei 7.022 Punkten und am Mittwoch dann auch über das Rekordhoch bei 7.183 Zählern trug. Perfekt. Oder doch nicht?

Expertenmeinung: Der Ausbruch über das Januar-Hoch ging schwungvoll vonstatten. Unmittelbar unter dem Allzeithoch stockte der Nasdaq 100 am Dienstag etwas, aber das kommt oft vor. Gerade vor Tagen mit wichtigen Entscheidungen oder Daten bringt man Indizes gerne in eine Art Startposition, um dann mit dem Rückenwind von „good news“ einen fulminanten und dadurch auch signifikanten Ausbruch zu erreichen. Der Haken mochte gewesen sein, dass der Mittwoch, an dem der Nasdaq 100 dann knapp 0,4 Prozent über dem vorherigen Rekordhoch schloss, solche „good news“ nicht zu bieten hatte … und der gestrige Donnerstag auch nicht. Dass es da hinsichtlich Anschlusskäufen zäh vorwärts gehen würde, damit hätte man rechnen dürfen. Dass es jedoch zu Gewinnmitnahmen kam, die sofort zu Handelsbeginn einsetzten und nicht auf Käufe trafen, so dass der Nasdaq 100 zwar nicht stark im Minus landete, aber doch unter dem vorherigen Hoch vom März, ist ungewöhnlich. Die Reaktion, die man beim Break über ein altes Hoch hätte erwarten können, blieb vollständig aus … und das bei einem überkauften Stochastik-Oszillator, der den Bären Rückenwind geben würde, würden die Gewinnmitnahmen heute weitergehen und den Ausbruchsversuch auch auf Wochenbasis zu einem Rohrkrepierer machen. Sollte der Index dann auch noch unter 6.980 Punkte rutschen und damit die Zwischenhochs von Ende Januar und Ende Februar sowie die 20-Tage-Linie durchbrechen, wäre aus der Bullen-Party eine Bullen-Falle geworden und die Vorzeichen auf den Kopf gestellt.

Chart vom 07.06.2018, Kurs 7.152,83 Punkte, Kürzel NDX

Schwächeneigung mit einem Ausbruch nach oben belohnt. Mit Schwung ging es über die Zwischenhochs von Ende Januar und Ende Februar bei 7.023 bzw. 7.004 Punkten. Die 7.000er-Marke ist zurück. Und der letzte charttechnische Widerstand, der am 13. März bei 7.183 Punkten markierte Verlaufsrekord, ist damit in Reichweite. Alles ist also bestens. Oder?

Nein, das ist es nicht. Und genau das sollte hier nicht unmittelbar negativ, aber doch sehr vorsichtig stimmen. Richtig ist, dass die Chart- und Markttechnik hier eitel Sonnenschein suggeriert. Der im Wochenchart zu sehende, aus dem Sommer 2016 stammende Aufwärtstrend, der parallel zur 200-Tage-Linie läuft, wurde seit Februar dreimal getestet und dreimal gehalten. Durch den Anstieg der letzten Tage hat der Trendfolgeindikator MACD auf Wochenbasis blitzsauber auf Höhe seiner Signallinie wieder nach oben gedreht und damit die mittelfristig bullische Indikation bestätigt. Auf Tagesbasis zeigt der MACD genau dasselbe Bild. Und die 20-Tage-Linie diente in den letzten Tagen gleich zweimal als tragfähiger Rückhalt und Sprungbrett für neue Käufe. Da passt also alles. Nur eben bei den Rahmenbedingungen nicht.

Es fällt auf, dass innerhalb des Nasdaq 100 nur knapp über die Hälfte der darin enthaltenen 100 Aktien über der 200-Tage-Linie notiert. Und einige von denen haben es nur durch den Anstieg der abgelaufenen Woche über diesen gleitenden Durchschnitt geschafft, über die Scheidemarke zwischen bullisch und bärisch auf mittel- und langfristiger Ebene. Nur ein halber Index im Aufwärtstrend, nahe eines Allzeithochs? Das unterstreicht, dass die Marktbreite dieser so leichtfüßig wirkenden Rallye miserabel ist. Immer weniger Aktien tragen die Hausse. Und die werden dadurch immer teurer, immer mehr zu wandelnden Pulverfässern. Und:

Weder das bislang nur durchschnittliche US-Wachstum an sich ist ein gutes Argument, ausgewählte Aktien immer höher zu treiben noch die Perspektiven, die ein Handelskrieg mit sich bringt. Dass Technologieunternehmen von einer Eskalation der Lage ausgenommen blieben, ist ein Gedanke, der jeder Logik entbehrt. Und die mit diesen rasanten Käufen in typischen Publikumslieblingen wie Apple, Netflix, Intel, Microsoft oder amazon.com vorweg genommenen Gewinnsteigerungen müssten erst einmal Realität werden. Sogar Facebook ist jetzt wieder unmittelbar unter den bisherigen Verlaufsrekord gestiegen. Die Bullen haben den Vorteil, dass die Fakten in Bezug auf die Gewinne des zweiten Quartals nicht vor Mitte Juli auf den Tisch kommen und die US-Regierung sich gerade in den dortigen Medien so präsentiert, als könnte ein Handelskrieg der US-Wirtschaft nicht den kleinsten Kratzer verpassen, zumal man ihn ohnehin nur gewinnen kann. Natürlich wird in einem bullischen Umfeld das Augenmerk auf positive Aussagen gelenkt. Aber:

Chart vom 01.06.2018, Kurs 7.083,92 Punkte, Kürzel NDX

Das bedeutet nicht, dass ignorierte Risiken nicht trotzdem vorhanden wären. Gerade erst Ende Januar hatte man beim Nasdaq 100 die Erfahrung gemacht, dass die Realität einen irgendwann eben doch einholt. Natürlich vergessen das viele nur allzu gerne, sobald die Rallye erneut losgeht. Aber wer hier ohne „Fallschirm“ auf der Long-Seite dabei wäre, riskiert viel. Ein Stop Loss, der um 6.820/6.830 Punkte und damit knapp unterhalb der Handelsspanne der letzten gut drei Wochen läge, wäre da unbedingt zu erwägen!

Chart vom 01.06.2018, Kurs 7.083,92 Punkte, Kürzel NDX

Auf den ersten Blick hätte es nicht besser laufen können. Ende April war der Nasdaq 100 noch nahe an die immens wichtige Supportzone aus mittelfristiger Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Linie gerutscht, dann aber gelang dort der Turnaround, der in eine Aufwärtsbewegung mündete, die deutlich an Fahrt aufnahm, als der Index mit dem Rückenwind der US-Arbeitsmarktdaten am 4. Mai über die kurzfristige Abwärtstrendlinie lief und Mitte der vergangenen Woche das Zwischenhoch vom April bezwang. Die Zwischenhochs vom Januar und Februar bei 7.023 und 7.004 Punkten wirken jetzt wie leicht zu bewältigende Hürden … und es wären die letzten, die den technologielastigen Nasdaq 100 von einem Anlauf an und womöglich über das bisherige Allzeithoch bei 7.183 Zählern trennen würden. Was könnte da jetzt noch daneben gehen? Wenn man genauer hinsieht: einiges. Zunächst hat diese Rallye keinen Rückhalt bei den normalerweise das Geschehen entscheidend bestimmenden Rahmenbedingungen:

Expertenmeinung: So waren die US-Arbeitsmarktdaten, mit denen der Sprung über die Abwärtstrendlinie gelang, bei genauem Hinsehen keineswegs überzeugend. Und neben weiterhin eher gemischten Konjunkturdaten, die den Eindruck erwecken, dass die vorher hoch gelobte und mit massiven Vorschusslorbeeren versehene Steuerreform in Bezug auf das US-Wirtschaftswachstum ins Leere läuft, sehen wir keine Beruhigung in Bezug auf die Handelskonflikte oder die Entwicklung um den Iran. Die USA agieren politisch mit der Brechstange, machen sich so zusehends zu einem höchst ungeliebten Handelspartner. Und dass das spurlos an den Umsätzen der US-Unternehmen vorbeigehen wird, ist stark zu bezweifeln. Hinzu kommt, dass das Chartbild des Nasdaq 100 so überzeugend gar nicht ist. Sollte der Index an den vorgenannten Hürden bei 7.004 und 7.023 Punkten nicht vorbeikommen, kann es schnell wieder eng werden, denn das Bild einer potenziellen Toppbildung bliebe dann erhalten. Und dass der Index die Woche mit einem Harami abschloss, d.h. mit einem Doji innerhalb des Kerzenkörpers des Vortags, ist zumindest ein Grund, vorsichtig zu bleiben. Schlusskurse unterhalb des April-Hochs (6.843 Punkte) und der zuletzt bei 6.726 Punkten notierenden, zügig steigenden 20-Tage-Linie wären ein Anlass, um bullische Positionen hier sicherheitshalber zumindest zu reduzieren.

Chart vom 11.05.2018, Kurs 6.952,56 Punkte, Kürzel NDX

Das könnte jetzt sehr schnell richtig unangenehm für die Bullen werden. Der Freitag war mit einem Elfmeter vergleichbar: Alles war „angerichtet“ für einen sehr starken Wochenschluss, der einen Befreiungsschlag nach oben hätten bedeuten können, man möchte fast sagen „müssen“. Da zu versagen ist fatal, denn es passierte in aller Öffentlichkeit, sprich: Die Bären sehen sehr wohl, dass die Bullen heftig gestolpert sind. Sie sehen im Chart, dass der Nasdaq 100, der all die großen Publikumslieblinge wie Apple, amazon.com, Netflix, Alphabet, Nvidia u.a. umfasst, am Mittwoch knapp oberhalb der gerade erst Anfang April getesteten, doppelten Unterstützung aus mittelfristiger Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Linie wieder nach oben drehte und damit eine bullische Vorlage lieferte, die am Donnerstag mit dem Rückenwind einer nach Quartalszahlen stark zulegenden Facebook-Aktie auch verwandelt wurde. Zum Handelsende des Donnerstags war der Index bereits wieder über die 20-Tage-Linie und die knapp darüber liegende Widerstandszone 6.626/6.646 Punkte gestiegen. Jetzt brauchte es einer weiteren starken Vorlage, um auch noch die Januar-Abwärtstrendlinie anzugehen und im Idealfall zu überwinden. Und genau diese Vorlage kam: Am Donnerstagabend nach US-Handelsende lieferten die drei Schwergewichte amazon.com, Intel und Microsoft ihre Quartalsergebnisse ab. Und alle drei konnten die durchschnittlichen Gewinnprognosen der Analysten sehr deutlich schlagen. Konsequenz:

Expertenmeinung: Stark steigende Kurse dieser drei Aktien im nachbörslichen Handel, die dafür sorgten, dass der Nasdaq 100-Future zum Start in den Freitagshandel die Indikation lieferte, die die Bullen brauchten: Eine Eröffnung unmittelbar an der bei 6.750 Punkten verlaufenden Januar-Abwärtstrendlinie. Das war wie das Zeigen auf den Elfmeterpunkt: Eröffnung am Widerstand, Anschlusskäufe … und dann freie Bahn nach oben. Aber Sie sehen es im Chart: Es kam völlig anders. Statt zu Anschlusskäufen kam es sofort zur Eröffnung zu Gewinnmitnahmen. Schon nach einer Handelsstunde war das stattliche Plus verschwunden. Und danach ging es bis zum Handelsende um die Nulllinie seitwärts. Was, da es nie zu ernsthaften, weiteren Attacken der Bullen kam, wirkte, als hätte man da nur damit zu tun gehabt, noch tiefere Kurse zu verhindern. Aber die könnten nachgeliefert werden. Jetzt sind die Ergebnisse der großen Unternehmen des Nasdaq 100 fast alle auf dem Tisch, nur Apple folgt noch morgen Abend. Wenn amazon.com, Facebook, Intel, Microsoft & Co. nicht imstande sind, den Ausbruch herbeizuführen, was sollte den jetzt noch anschieben können? Dass diese guten Quartalszahlen Gewinnmitnahmen statt Käufe auslösten, ist wie ein Tritt in die Magengrube der Bullen. Wer wollte sich jetzt kurzfristig an einen zweiten Ausbruchsversuch machen – und auf welcher Grundlage? Und sollte die im Tagestief schon wieder getestete, zum Handelsende noch einigermaßen gehaltene 20-Tage-Linie bei 6.606 Punkten kurzfristig brechen, wäre der Weg schon wieder frei an diese „Doppel-Linie“ aus Juli-Aufwärtstrendlinie (6.380 Punkte) und 200-Tage-Linie (6.358 Punkte). Würde der Index erneut dorthin zurückfallen, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zone im dann bereits vierten Anlauf bricht, allein wegen der fatalen psychologischen Wirkung der immer kürzer werdenden Abstände bis zum nächsten Test sehr hoch!

Chart vom 27.04.2018, Kurs 6.656,35 Punkte, Kürzel NDX

Seinem Spitznamen „Turnaround Tuesday“ wurde der Dienstag wieder einmal gerecht. Aber das, was sich da gestern an der Wall Street abspielte, könnte Folgen haben, die weit über einen Tag hinausgehen. Da, wo der technologielastige Nasdaq 100 hätte nach oben drehen müssen, um aus dem Rücksetzer der vergangenen Tage einen Pullback an den Ausbruchslevel und damit eine Bestätigung des Anfang vergangener Woche vollzogenen Ausbruchs zu machen, kippte der Index aus leichtem Plus schnell in die Verlustzone und wurde in den folgenden Stunden gnadenlos nach unten durchgereicht. Damit wurde der Ausbruch zur Bullenfalle – und die wirklich kritischen Tage kommen erst noch. Die zunächst direkt nach ihrer Veröffentlichung am Montagabend positiv aufgenommene Quartalsbilanz von Alphabet (ehemals Google) mündete am Dienstag in scharfe Abgaben in dieser Aktie. Und die Halbleiter-Branche stand ohnehin weiter unter Druck – das Resultat im Index war ein Minus von 2,1 Prozent. Die Stimmung beginnt zu wanken. Umso mehr, als man noch vor einer Woche dachte, dass der (jetzt zurück genommene) Ausbruch nach der vorangegangenen, zweimaligen Annäherung an die 200-Tage-Linie die Kuh vom Eis gebracht hätte. Wenn jetzt die anderen Schwergewichte des Index nicht absolut überzeugen, kann die derzeit „nur“ wankende Stimmung völlig umschlagen – und die 200-Tage-Linie erneut zur Dispositionen stehen.

Expertenmeinung: Das werden also Tage der Angst für die Bullen. Heute nach US-Handelsende steht das Quartalsergebnis von Facebook an. Morgen Abend folgen amazon.com, Microsoft und Intel. Und am 1. Mai steht das Ergebnis von Apple an. Hinzu kommt am Freitag die erste Schätzung zum Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal, von dem nicht wenige mittlerweile befürchten, dass es in keiner Weise einen Effekt der vorher monatelang als Kurstreiber fungierenden US-Steuerreform wiederspiegeln wird. Die Marktteilnehmer gehen nach dem gestrigen, kräftigen Minus des Nasdaq 100 entsprechend nervös in diese kommenden Handelstage, eine hohe Volatilität ist damit garantiert. Wo liegen die charttechnischen Ankerpunkte? Um wieder kurzfristig bullisch einstufbar zu sein, müsste der Index über dem Vorwochen-Hoch von 6.843 Punkten schließen. Auf der Unterseite ist es eine relativ breite Unterstützungszone, auf die es ankommt. Sie reicht von der Juli 2017-Aufwärtstrendlinie bei 6.360 Punkten über die knapp darunter bei 6.344 Zählern verlaufende 200-Tage-Linie und das April-Tief bei 6.311 Punkten bis an das bisherige Jahres-Verlaufstief, das Anfang Februar bei 6.167 Zählern markiert wurde. Aber das ist eine Distanz, die schnell durchmessen wäre, würde bei den jetzt in dichter Folge auflaufenden Quartalsbilanzen der Nasdaq-Schwergewichte ein ähnliches Anlegerverhalten aufkommen wie bei der am Dienstag abverkauften Alphabet-Aktie. Das werden spannende und mittelfristig immens wichtige Tage … denn ein Bruch des bisherigen Jahrestiefs dürfte Folgen haben, die über den kurzfristigen Zeithorizont deutlich hinausgehen!

Chart vom 24.04.2018, Kurs 6.509,05 Punkte, Kürzel NDX

Anfang April hielten die Bullen den Atem an: Der Nasdaq 100 rutschte präzise an die aus den Tiefs vom Juli 2017 und Februar 2018 konstruierbare Aufwärtstrendlinie – und hielt sie. Und damit auch die wichtige 200-Tage-Linie, die mit 6.307 Punkten ganz unmittelbar unter dieser bei aktuell 6.335 Punkten verlaufenden Aufwärtstrendlinie verläuft. Aber so rasant wie im Februar gestaltete sich die darauffolgende Aufwärtsbewegung nicht. Erst am vergangenen Dienstag schien die Gegenwehr des bärischen Lagers zu erlahmen, das zuvor mehrfach Aufwärtsbewegungen wieder abverkauft hatte. Der Nasdaq 100 präsentierte sich in einer Bodenbildung – so weit, so gut. Aber was noch fehlte, war der Break über die nächstliegenden charttechnischen Widerstände. Denn Unterstützungen zu verteidigen ist eine Sache. Da können alleine Gewinnmitnahmen der Bären, d.h. das Eindecken von Short-Positionen beim Erreichen kurzfristiger Kursziele, zu wieder anziehenden Kursen führen. Aber erst, wenn Chartmarken bezwungen werden, die normalerweise von bärischen Akteuren verteidigt werden, wäre zu unterstellen, dass die Bullen tatsächlich wieder das Heft in der Hand halten und eine taugliche Chance auf weitere Kursgewinne vorliegt. Genau das hätte am Freitag gelingen können. Aber es gelang eben nicht.

Expertenmeinung: Der Bereich, der hätte bezwungen werden müssen, um den Weg nach oben freizumachen, war die Zone des Zwischentiefs von Anfang März, der Zwischenhochs der vergangenen zwei Wochen und der 20-Tage-Linie, alle drei auf engem Raum zwischen 6.625 und 6.645 Punkten gelegen. Am Donnerstag war der Nasdaq 100 schon marginal darüber gelaufen, aber signifikant war der Break über diese Zone mit einem Schlusskurs von 6.656 Punkten noch nicht. Am Freitag hätten die Bullen den Sack zu machen und für klare Verhältnisse sorgen können. Und anfangs sah es auch so aus, als würde das gelingen, denn der Index startete mit knapp 6.700 Punkten schon recht solide über dieser Zone in den Handel. Doch dieser Kursgewinn verwandelte sich sehr schnell in ein Minus – und damit war die Chance, mit einer bullischen Indikation ins Wochenende zu gehen, vertan. Ein Matchball für die Bären ist das aber noch nicht. Noch 40 Minuten vor dem Handelsende sah es zwar so aus, als würde der Nasdaq 100 auf Tagestief aus dem Handel gehen und damit ein negatives „bearish engulfing pattern“ produzieren. Aber dann kamen direkt zum Handelsende Käufe auf, die dafür sorgten, dass der Index wenigstens im Bereich dieser kurzfristig entscheidenden Chartzone schloss. Aber ein erneuter Ausbruchsversuch müsste sitzen, ansonsten dürfte sich das bärische Lager nicht mehr so die Butter vom Brot nehmen lassen, wie dies durch die kleine Schlusskurs-Rallye am Freitagabend geschah. Immerhin lockt große Beute: Würde der Nasdaq 100 in einen erneuten, dynamischen Abwärtsimpuls übergehen, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass nicht nur die Juni-Trendlinie und die 200-Tage-Linie, sondern auch das Februar-Tief bei 6.167 Punkten erreicht werden und ggf. dann auch brechen, nicht zu unterschätzen!

Chart vom 13.04.2018, Kurs 6.628,34 Punkte, Kürzel NDX

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