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DAX - Deutscher Aktienindex: Historische Analysen der letzten 6 Monate

Index-Portrait und Kursentwicklung: DAX
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Analysis

Der DAX hatte am Dienstag massiv im Minus gelegen, rutschte scheinbar haltlos auf das bisherige Jahrestief von 11.727 Punkten zu. Doch um 14 Uhr setzten auf einmal Käufe ein. Und die trugen den Index zum Handelsende ins Plus. Der Dienstag wurde also wieder einmal zu einem „Turnaround Tuesday“.

Und der DAX präsentiert sich zum heutigen Handelsstart mit einem „Hammer“, einer grünen Kerze mit einem langen unteren Docht. Hinzu kommt, dass das in der breiten Unterstützungszone aus den bisherigen markanten unteren Umkehrpunkten des Jahres vonstattenging. Rein charttechnisch gesehen ist das eine tadellose Steilvorlage für eine Rallye. Eine, die vielleicht erreichen konnte, was zuletzt misslang: sich wenigstens über die Juni-Abwärtstrendlinie hinaus zu retten, die derzeit bei 12.400 Punkten verläuft. Eigentlich.

Denn das Marktumfeld wird immer nervöser. Dass der Handelskrieg derzeit nicht in der Schlagzeilen ist, reicht nicht, um die Akteure vergessen zu lassen, dass die Situation zwischen den USA und China festgefahren und für die beiden Kontrahenten schädlich ist. Und das strahlt auf die gesamte Weltwirtschaft aus, zumal man sich aufgrund des Verhaltens der US-Regierung ausrechnen darf: Europa dürfte der nächste „Sparringspartner“ des US-Präsidenten werden.

Die Sprünge des DAX werden hektischer, immer größere Summen gehen in kürzester Zeit um. Und die Wall Street sieht nicht ruhiger aus. Dort gelingt es bisher, einen Verkaufsimpuls, wie ihn der DAX seit Monatsbeginn zeigt, zu verhindern. Aber wer sich das Kursgeschehen dort genau ansieht, die steigende Zahl neuer 52 Wochen-Tiefs, die schwindende Marktbreite, die erratischen Ausschläge in beide Richtungen, fügt hinzu: noch.

Und das versieht diesen Turnaround des Dienstags, diesen „Hammer“ im Candlestick-Chart, mit einer Achillesferse: So ziemlich jedem Marktteilnehmer ist klar, dass diese Wende des DAX nach zwei sehr schwachen Tagen im Vorfeld vor allem eines war: eine Defensivaktion.

Gedacht zu verhindern, dass der DAX einfach sang- und klanglos durch das bisherige Jahrestief rutscht. Denn würde das passieren, der DAX auch auf Wochenschlusskurs-Basis nennenswert unter 11.727 Punkten schließen, wäre eine breite, große Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation vollendet, wie der DAX-Chart auf Wochenbasis zeigt. Die Basis des Intraday-Turnarounds war Angst, nicht Überzeugung. Und das wissen alle. Auch die Bären.

Die wissen: Nervöse Käufer, die ihre Positionen eng absichern und hoffen und bangen, dass diese Käufe den nötigen Effekt haben werden, die Trendwende abzuwenden, sind leichte Gegner. Nur, wenn die Wall Street in den kommenden Tagen nach oben davonziehen sollte und man bereit wäre, diese Vorgabe hier auch umzusetzen (was zuletzt oft nicht der Fall war), hätten die Verteidiger der Supportzone 11.727/12.003 Punkte eine realistische Chance.

Chart auf Wochenbasis vom 09.10.2018, Kurs 11.977,22 Punkte, Kürzel DAX

Sollten heute keine überzeugenden Anschlusskäufe kommen, sollte das bullische Lager zaudern, könnte das schon reichen, um die Chance, die dieser „Hammer“ bietet, zu eliminieren. Unter 11.700 Punkten wäre die Chance gegeben, Positionen auf der Short-Seite noch einmal aufzustocken und die Stoppkurse nachzuziehen.

Doch bullisch wäre der DAX, der unterhalb zwei Abwärtstrendlinien sowie der 20 Tage- und der 200 Tage-Linie notiert, selbst auf Trading-Ebene erst über 12.400 Punkten. Fazit: Die Verteidigung dieser Auffangzone kann gelingen. Aber allzu groß sind die Chancen dafür im Moment nicht.

Chart auf Tagesbasis vom 09.10.2018, Kurs 11.977,22 Punkte, Kürzel DAX

Die Charttechnik meldet, dass der DAX die Chance auf eine effektive Wende nach oben hätte, die dem deutschen Leitindex zu einem goldenen Herbst verhelfen könnte. Aber die Rahmenbedingungen ziehen da nicht mit. Im Gegenteil.

Womit sich die Frage stellt, ob diese charttechnische Chance so stark ist, dass sie genug rein technisch orientierte Trader mobilisieren kann, um die problematischen Rahmenbedingungen zu „überstimmen“. Oder ob es im Gegenteil so ist, dass die näher rückenden bullischen Signale in diesem Gesamtumfeld keine Chance haben, mehr zu werden als im besten Fall eine Bullenfalle. Der Blick auf den Chart auf Wochenbasis zeigt:

Genau dort, wo der DAX unbedingt nach oben drehen musste, hat er genau das auch getan: Knapp über der „Nackenlinien-Zone“ (11.727/11.870 Punkte) einer gewaltigen, bereits seit Frühjahr 2017 langsam konkreter werdenden Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation. Wenn der Index da durchrutscht, haben nur noch die Bären gut Lachen. Und es ist ermutigend, dass der Stochastik-Oszillator auf Wochenbasis diesen Schwenk nach oben mit einem Kaufsignal knapp oberhalb der überverkauften Zone begleitet.

Das Problem ist: Bislang war es das dann auch schon mit den Erfolgen des bullischen Lagers. Damit ist nur die Basis für einen Befreiungsschlag nach oben geschaffen worden, vollzogen werden muss er aber auch noch. Und das wird nicht einfach werden, selbst, wenn die Rahmenbedingungen günstig wären. Und das sind sie nicht.

Der DAX-Chart auf Tagesbasis zeigt, dass der Index auf dieser Zeitebene schon ein wenig ausgelaugt wirkt. Der Schwenk im Bereich wichtiger Unterstützungen war wichtig, aber jetzt ist dieselbe Stochastik, die auf Wochenbasis gerade erst bullisch geworden ist, auf Tagesbasis nah am überkauften Level. Und dem DAX stehen gleich drei markante Hürden ins Haus:

Die Juni-Abwärtstrendlinie bei 12.500, die 200-Tage-Linie bei 12.615 und die übergeordnete Januar-Abwärtstrendlinie bei 12.860 Punkten. Gerechnet vom Tageshoch des Freitags wäre das eine Distanz, die kleiner ist als die, welche der DAX in den knapp zwei Wochen zuvor zurückgelegt hat. Das Problem könnte indes sein, dass ihm jetzt genau das Zugpferd fehlt, das diesen Karren zuletzt alleine gezogen hat:

Chart auf Wochenbasis vom 24.09.2018, Kurs 12.350,82 Punkte, Kürzel DAX

Der „dreifache Hexensabbat“, der Abrechnungstermin für Optionen und Futures. Der ging am Freitag über die Bühne. Und es gibt einige Indizien, dass dieser Termin diese Kurse diesmal noch deutlich intensiver – und nach oben – beeinflusst hat als üblich.

Dass der deutsche Leitindex am Montag und damit gleich am ersten Handelstag nach dieser Abrechnung kraftlos zurückfiel, ist kein allzu gutes Omen für die Bullen. Denn zieht man die Sogwirkung des „Hexensabbat“ ab, bleiben in der Gleichung der Rahmenbedingungen momentan vor allem die negativen Vorzeichen übrig: Die Eskalation des Handelskriegs … der wieder kräftig anziehende, den Export belastende Euro … die auffällige Häufung von Gewinnwarnungen am deutschen Aktienmarkt … die offenen Fragen in Bezug auf BrExit, Türkei, Italien.

Das ist kein Umfeld, das den Bullen Rückenwind verleihen würde, im Gegenteil. Daher: Erst, wenn der DAX diese aktuell anstehenden drei Widerstände mit Schlusskursen über 12.860 Punkten genommen hat, wäre der Weg aus charttechnischer Sicht frei. Bis dahin sollte man dem Braten besser nicht trauen und auch ein Auge auf die Unterseite haben. Denn das bisherige Jahrestief bei 11.727 Punkten ist nicht so weit entfernt, um nicht schnell erreicht und unterboten zu werden. Und dann hätte dieser Herbst das Zeug dazu, nur für die Bären golden zu werden.

Chart auf Tagesbasis vom 24.09.2018, Kurs 12.350,82 Punkte, Kürzel DAX

Es ist meist so, dass wenig beschlagene Kommentatoren eine Kursbewegung als Basis dafür nehmen, wie sie diese dem Publikum begründen sollen. Im Fall des Dienstags führt dieser Weg indes zu höchst unsinnigen Argumentationen. Der DAX erzielte ein Plus von einem halben Prozent. Das charttechnisch nicht unwichtig war, vor allem aber kam es unerwartet. In der Nacht lagen die Taxierungen für den DAX zeitweise unter 12.000 Punkten. Und wäre er darunter gerutscht, es hätte angesichts der in der Nacht gegen 00:30 Uhr aufgetauchten Meldung niemand gewundert.

Eine Meldung, die besagte, dass Donald Trump tatsächlich im Vorfeld der geplanten, nächsten Gesprächsrunde mit China weitere chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar mit Strafzöllen belegt hat und diese von zehn Prozent ab kommenden Montag automatisch auf 25 Prozent ab Anfang 2019 steigen werden. Dass China zurückschlagen würde, war klar. Und das passierte auch am Nachmittag. Was wiederum dazu führte, dass Trump avisierte, dass er auch alle verbliebenen chinesischen Importe mit Strafzöllen belegen werde, sollte China diese Gegenmaßnahmen wirklich umsetzen.

Diese Sache läuft aus dem Ruder. Der Schaden, den die Wirtschaft nehmen wird, wird nicht nur die USA und China treffen, dazu ist die Weltwirtschaft viel zu eng verwoben. Und die Höhe des Schadens ist nicht vorhersagbar. Eine negative Entwicklung, verbunden mit einer immensen Unsicherheit: Nichts könnte negativer für die Aktienmärkte sein. Aber der DAX stieg, Hand in Hand mit den US-Börsen.

War damit zu rechnen? Nein. Aber dass so etwas passiert, ist dennoch gar nicht so selten. Denken wir daran, dass auch ein Wahlsieg von Donald Trump im Vorfeld als Katastrophe angesehen wurde, die Kurse auch zunächst einbrachen, als er die Wahl wider Erwarten wirklich gewann, die Aktienmärkte dann aber rasant nach oben drehten. Nicht, weil man auf einmal kollektiv die Meinung über Trump änderte. Und man ist jetzt ebenso wenig der Ansicht, dass dieser eskalierende Handelskrieg doch seine guten Seiten hätte. Denn er hat keine. Es sind die Mechanismen der Märkte, die dieses „Wunder“ hervorgerufen haben. Aber von denen spricht in den Kommentaren zu diesem Tag kaum jemand. Und das ist gefährlich.

Wenn man sich zuerst die Kurse betrachtet und aus dem Ergebnis eine Begründung „bastelt“, kommen Floskeln heraus, dass die Investoren sich an den Handelskrieg längst gewöhnt hätten und/oder man damit gerechnet hatte, Trump werde die neuen Strafzölle bei 25 Prozent ansetzen, so dass man erleichtert kaufte, weil es nur zehn Prozent wurden. Aber solche Begründungen gehen ins Leere. Erleichterungskäufe hätte es dann geben können, wenn die Indizes, ob DAX oder Dow Jones, im Vorfeld in die Knie gegangen wären. Aber diese Vorab-Verkäufe gab es ja nicht. Was also hat den DAX nach oben gezogen?

Man kann all denen, die an diesem Dienstag ge- oder verkauft haben, nicht in die Köpfe schauen, ist in Bezug auf Motivation und Ziele der Akteure immer auf Indizien angewiesen. Die würden für diesen Tag lauten: Fallende Kurse hätten bei derart negativen Nachrichten eine Lawinen-Reaktion auslösen können. Da mag manch eine große Adresse, die einen größeren Abwärtsimpuls ganz und gar nicht gebrauchen konnte, gestützt haben, wo sie eine Chance sah.

Dasselbe Prinzip griff auch am Tag nach der US-Wahl: Der Abverkauf endet abrupt, weicht steigenden Kursen. Wer auf den Crash gewartet hat und Short ist, deckt überrascht und eilig ein. Effekt: Die Kurse steigen dadurch erst recht. Kurzfristige Trader sehen einen intensiven Trend starten, springen auf und intensivieren ihn zusätzlich. Und schon läuft eine Rallye, wo man mit einem Abverkauf hätte rechnen können.

Hinzu kommt der übermorgen anstehende Options-Abrechnungstermin an der Terminbörse. An der Wall Street ist das Ziel, die Index-Optionen ganz oben, am höchsten Stand seit der letzten Abrechnung Mitte August, zu erreichen, eindeutig. Die Terminbörsen-Akteure sahen mit der Wende gestern ihre Chance und zogen Dow Jones & Co. so hoch wie irgend möglich. Was nach dem Abrechnungstermin passiert, ist jedoch eine ganz andere Sache. Denn, und das gilt natürlich auch für den DAX: Negative Fakten werden nicht positiv, nur, weil die Kurse gestiegen sind.

Beim DAX hatten die großen Terminmarkt-Akteure wohl bis vor einer Woche im Visier gehabt, den DAX am unteren Extrempunkt seit der letzten Abrechnung ins Ziel zu bringen. Auch das bietet optimale Gewinne, wenn die Positionierung entsprechend ist. Aber nachdem der deutsche Leitindex in der Supportzone aus den Tiefs des ersten Quartals zwischen 11.727 und 12.003 Punkten drehte, war ein Kursrutsch nach der in der Nacht bekannt gewordenen Eskalation des Handelskriegs die letzte Chance dafür.

Chart auf Wochenbasis vom 18.09.2018, Kurs 12.157,67 Punkte, Kürzel DAX

Als die Kurse drehten, mussten diejenigen, die für Freitag mit einem DAX unter 12.000 rechneten, ihre Positionierung auf die steigenden Kurse einstellen – auch das wirkt gemeinhin kurssteigernd. Und so gelang es an diesem Dienstag sogar, den DAX über die Tiefs vom Juni und August bei 12.104 und 12.121 Punkte hinaus zu tragen. Ein aktiv überwundener Widerstand, verbunden mit einem aus der überverkauften Zone heraus ein Kaufsignal generierenden Stochastik-Oszillator: Das kann den DAX bis Freitag weiter nach oben tragen. Aber:

Bislang ist er nur auf kurzfristiger Ebene bullisch. Und ab Montag, nach dem Abrechnungstermin der Index-Optionen, ist dieses Zugpferd ausgeschirrt. Hinzu kommt, wie schon hervorgehoben: Die negativen Nachrichten bleiben negativ und eine immense Belastung für den Aktienmarkt. Dass die unmittelbare Verkaufswelle ausblieb, mag manchen verleiten, fest darauf zu setzen, dass sie auch weiterhin ausbleiben wird. Aber genau das implizierte diese wundersame Wende ins Plus nicht!

Chart auf Tagesbasis vom 18.09.2018, Kurs 12.157,67 Punkte, Kürzel DAX

Seit Februar drehte der DAX jedes Mal, wenn es unter 12.200 Punkte ging, relativ bald wieder nach oben. Mal umgehend, einmal erst bei 11.727 Punkten. Aber wer um 12.200 Punkte einstieg, musste jeweils nicht allzu lange warten, um in die Gewinnzone zu kommen. Fünfmal hat das seither funktioniert. Und es kann gut sein, dass nicht wenige Akteure darauf bauen, dass es jetzt ein sechstes Mal gelingt.

Immerhin sind die kurzfristigen markttechnischen Indikatoren, hier im Chart der Stochastik-Oszillator, bereits im überverkauften Bereich angekommen. Zudem hatte sich der DAX am Dienstag aus einem zeitweise größeren Minus befreien können, am Mittwoch weiter zugelegt. Und als kurz vor Handelsende die Meldung eintraf, dass die US-Regierung plane, eine erneute Gesprächsrunde mit China zum Thema Handel zu starten, sahen sich die Bullen noch zusätzlich im Vorteil.

Man fühlte sich durch die Hoffnung unterstützt, dass es womöglich auch in Bezug auf Europa bald vorangehen werde, dass die Sorgen, dass es zu einem die Weltwirtschaft markant belastenden Dauer-Konflikt kommt, zu hoch gehängt seien. Die Rallye, die auf diese Nachricht im Kielwasser nach oben springender US-Indizes folgte, brachte dem DAX zur Wochenmitte ein Plus von einem halben Prozent ein. Aber wer um 17:30 Uhr noch guter Dinge war, könnte am Abend schon weniger optimistisch gewesen sein.

Denn die Rallye der US-Börsen hielt nicht vor. Man erinnerte sich nach der ersten, impulsiven Reaktion auf die vermeintlich gute Nachricht neuer Gespräche, dass eine gute Nachricht erst dann vorliegen würde, wenn es dabei zu Fortschritten käme. Die letzten Gespräche waren ergebnislos geblieben – warum sollte es diesmal besser laufen? Und sollte es erneut zu keiner Annäherung kommen, würden die Fronten umso mehr verhärten.

Chart auf Wochenbasis vom 12.09.2018, Kurs 12.032,30 Punkte, Kürzel DAX

Da die Nachricht über diese seitens der USA „angedachten“ Gespräche um 17:12 Uhr und damit kurz vor Handelsende kamen, hatten die Akteure beim DAX keine Zeit, sich dergleichen Überlegungen hinzugeben, man folgte einfach der Vorgabe der Wall Street. Doch mit dem Schwinden der anfänglichen Begeisterung in den USA dürften die Karten für den DAX heute neu gemischt werden. Dass der deutsche Leitindex wieder einmal in dieser Zone die Kurve nach oben kriegt, ist noch keineswegs sicher.

Chart auf Tagesbasis vom 12.09.2018, Kurs 12.032,30 Punkte, Kürzel DAX

Die Zwischentiefs vom Juni und August bei 12.104 und 12.120 Punkten fungieren jetzt als Widerstand. Das bisherige Jahrestief wäre in Reichweite. Und die Bären, die am Mittwochnachmittag natürlich erst einmal nicht dagegen gehalten haben und abwarteten, ob und wie sich für sie Handlungsbedarf ergibt, könnten zu dem Schluss kommen, dass es lohnen würde, einen erneuten Anlauf zu wagen, das bisherige Jahres-Verlaufstief von 11.727 Punkten anzugehen.

Denn die nächste potenzielle Unterstützung wäre dann erst das Zwischenhoch vom 1. Dezember 2015 bei 11.431 Punkten. Und da mit neuen Jahrestiefs eine große Trendwendeformation in Form einer Schulter-Kopf-Schulter vollendet wäre, wie der Wochenchart zeigt, müsste dieses alte Zwischenhoch keineswegs das Ende der Reise sein, sollte diese Serie eines in diesem Bereich wieder nach oben drehenden DAX diesmal brechen.

Der DAX hat mit den Zwischentiefs vom Juni und August bei 12.104 bzw. 12.121 Punkten eine wichtige Unterstützungszone durchschlagen. Es gehe jetzt um die 12.000, liest man in den Medien. Aber de facto geht es um andere Unterstützungslinien. Sie sehen es in den beiden Charts: Die 12.000 mag eine „runde Marke“ sein. Aber sie hat charttechnisch keine Bedeutung, hat nur einmal, im Februar, als Wendemarke gedient. Aber dieser Punkt wurde von darauffolgenden Wendemarken überlagert, dürfte keine Relevanz mehr haben. Worum es jetzt geht, ist die aus dem Februar 2016 stammende Aufwärtstrendlinie. Sie ist, wie der Chart auf Wochenbasis zeigt, jetzt erreicht, aber noch nicht gebrochen. Den Bullen bliebe noch heute und morgen, um die Linie zu verteidigen.

Ihr Bruch wäre der erste Schritt zur Vollendung einer breiten Schulter-Kopf-Schulter-Formation, deren bislang tiefster Punkt das Jahres-Verlaufstief vom März bei 11.727 Zählern ist. Es sind kaum mehr 300 Punkte bis dorthin. Die Bullen müssen sich also schon strecken, um den Druck aufzufangen, den DAX nach Möglichkeit umgehend drehen. Die Alternative wäre höchst unerfreulich, sofern man nicht längst ins Bären-Lager gewechselt ist. Immerhin läge das rechnerische Kursziel dieser großen Trendwendeformation um 9.850 Punkte. Unvorstellbar niedrig, mag man denken, aber nicht unmöglich. Vor allem, wenn man sich überlegt, warum der DAX am Dienstag und Mittwoch auf einmal so heftig unter die Räder kam.

Das läge an den vielen Krisenherden, die für Unsicherheit sorgen, liest man allerorten. Ist das so? Der wohl chaotisch endende Brexit, die hochbrisante Lage der Türkei, die Unsicherheit über den Kurs Italiens, der Handelskrieg, sind das die Auslöser für zwei Tage, an denen der DAX daherkam wie Fallobst? Logisch ist das nicht, denn keiner dieser Krisenherde ist neu. All das lag auch in der vergangenen Woche bereits auf dem Tisch, als der DAX einen positiven Wochenstart hinlegte, damals noch bis zu 550 Punkte höher als am Mittwochabend. Dass diese kritischen Elemente vorgeschoben werden, ist normal. Aber es wirkt so, als würde man sie nur wie eine Fahne vor sich hertragen, um den Verkäufen Argumente zu verleihen. Argumente, die verhindern, dass denen, die da aussteigen und vor allem denen, die aktiv Short gehen, jemand mit zu viel Optimismus und Kaufwille in die Parade fährt.

DAX_2018_09_06_Day

Der Druck wirkt nicht wie eine Reaktion auf einlaufende „bad news“, er wirkt gezielt. Da mögen Umschichtungen in Richtung Wall Street mit von der Partie sein, aber die beiden vergangenen Tage sahen starke Abwärtsimpulse, deren Struktur Verkaufswellen über den DAX Future und den Verkauf von „Körben“, Paketen von DAX-Aktien, andeuten. Das sieht nach großen Adressen aus, nicht nach nervösen Tradern. Daher hat dieser Bruch der Tiefs um 12.100 Punkte, dieses „Durchfallen“ des DAX, gute Chancen, Basis eines größeren Abwärtsschubes zu sein. Allerdings wäre dazu „Geleitschutz“ von der Wall Street hilfreich, wo man momentan zumindest außerhalb des Technologiesektors stur versucht, jede Schwäche aufzukaufen. Dass der DAX in einem Stück durchgereicht wird, ist daher nur wahrscheinlicher geworden, sicher ist es nicht. Noch könnte es gelingen, die 2016er-Trendlinie per Freitagabend zu halten, noch könnte sich der Bruch der Zone um 12.100 Punkte als Bärenfalle erweisen. Aber selbst auf Trading-Ebene wäre der DAX erst dann wieder einen Gedanken an Long-Positionen wert, wenn er mindestens über den Ausgangspunkt der Verkäufe bei 12.400 Punkten und damit auch wieder über die knapp darunter verlaufende 20-Tage-Linie hinaus käme.

DAX_2018_09_06_Week

Der MDAX hat am Mittwoch knapp einen neuen Verlaufsrekord erreicht, der TecDAX hat längst neue Hochs erzielt, die runde 3.000 Punkte Marke bezwungen. Und an der Wall Street steigt die Zahl der Aktienindizes mit neuen Rekorden ebenso. Nur der DAX hängt fest, als würde ihm ein Bleigewicht an den Füßen hängen.

Am Tagestief des Donnerstags war kurzzeitig der gesamte Wochengewinn dahin. Und weiterhin bleibt die Vollendung einer Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation greifbar. Der Sprung in Richtung der alten Hochs zwar ebenso. Aber die Käufer ziehen nicht mit. Wieso? Was hält die Marktteilnehmer vom deutschen Leitindex fern?

Es ist keineswegs auszuschließen, dass der US-Präsident hier ebenso als Bremse fungiert, wie er die Hausse der US-Indizes befeuert. Derzeit wächst die Zahl derer, die sicher sind, dass die USA durch ihre Ellenbogen-Politik am Ende der Gewinner sein werden, was den Handelskrieg angeht. Gerade der Umstand, dass es der US-Regierung gelungen zu sein scheint, die vormaligen NAFTA-Partner Mexiko und Kanada in die Knie zu zwingen, Mexiko ganz, Kanada zumindest in Ansätzen, überzeugt viele Investoren. Sie gehen davon aus, dass Europa und China am Ende ebenfalls Zugeständnisse machen müssen, die die Gewinne der US-Unternehmen steigern, die der „Verlierer“ aber ausbremsen werden.

Dass es in den vergangenen Wochen immer wieder zu schnellen, kräftigen Abwärtsschüben beim DAX kam, deutet auf Verkäufer hin, die mit großen Volumen aussteigen. Große Adressen also. Dass die gerade versuchen, Bestände in Richtung USA umzuschichten und ihre Exposition an den Euro-Börsen zu verringern, wäre da ein naheliegender Gedanke. Wäre dem so, wäre der DAX für Trader vor allem auf der Unterseite interessant, weil man da mit mehr Dynamik rechnen könnte.

DAX_2018_08_31_Day

Natürlich würden solche „Absetzbewegungen“ international agierender Investoren sofort gestoppt, wenn es gelingt, die entscheidenden Widerstände zu bezwingen. Konkret wären das die Juni-Abwärtstrendlinie bei 12.660 und die 200-Tage-Linie bei 12.690 Punkten sowie die vom Rekordhoch ausgehende Abwärtstrendlinie bei 12.930 Punkten. Würde sich der DAX durch Schlusskurse über diesen Hürden befreien, die Käufer wären wohl umgehend zurück. Aber bis dahin gilt: Hier ist ein „Deckel“ drauf, der momentan so leicht nicht zu sprengen sein wird.

DAX Chart auf Wochenbasis vom 30.08.2018, Kurs 12.494,24 Punkte, Kürzel DAX

Man blickt hinüber an die Wall Street, wo der technologielastige Nasdaq 100 und der marktbreite S&P 500 im Bereich ihrer Rekordhochs notieren, scheinbar jede Gefahr mühelos vom Tisch wischen … und fragt sich: Wieso klappt das bei uns nicht? Warum fehlen dem DAX zehn Prozent zu seinem bisherigen Rekordhoch, warum zieht er nicht einmal mit, wenn die Bullen an der Wall Street kräftig zulangen?

Diese Zurückhaltung basiert auf mehreren Aspekten. Zum einen darauf, dass man am europäischen Börsenplatz zusätzlich noch die Sorgen um eine wirtschaftlich instabile Türkei und einen wohl recht chaotischen BrExit mit sich herumträgt, zusätzlich zu den völlig offenen Konsequenzen des weiterhin schwelenden Handelsstreits mit den USA. Zum anderen darauf, dass die US-Anleger großenteils fest davon überzeugt sind, dass das Risiko des Handelskriegs für die US-Wirtschaft keines sei.

Kurzfristige Einbußen würden am Ende schnell durch einen klaren Sieg überkompensiert, der die USA wirtschaftlich ebenso wie politisch stärker machen wird denn je. Selbst Anleger, die ansonsten an Trumps Kompetenz zweifeln, trauen ihm zu, dahingehend genau das Richtige zu tun. In Europa, mit einer weniger polarisierten Berichterstattung und dem nötigen Abstand, ist man davon indes ganz und gar nicht überzeugt. Hier dominiert die Sorge, dass der Handelskrieg am Ende nur Verlierer zurücklässt und dass, was man verliert, in seiner Dimension völlig unberechenbar ist. Und noch etwas fehlt dem DAX, was die US-Indizes stützt:

Aktives Handeln großer Adressen, die wissen: Wenn die Wall Street kippen sollte, kippt alles. Die anderen Weltbörsen ebenso wie das US-Wachstum. Denn in den USA steckt so viel Geld der Altersversorgung im Aktienmarkt wie sonst wohl nirgendwo. Also wird im Zweifel gekauft, mit der Brechstange die Flucht nach vorne angetreten. Was auch erklärt, warum die US-Indizes scheinbar nicht einmal allzu sehr auf die kritischen Entwicklungen um die Personalien Cohen und Manafort oder die Inkraftsetzung der nächsten Strafzoll-Welle gegen China zu reagieren scheinen: Kleine Rücksetzer werden sofort „weggekauft“. Diese „Betreuung“ genießt der DAX nicht. Und so bleibt es dabei: Hier kann es jederzeit zu einer Trendwende kommen.

Der Chart auf Wochenbasis zeigt: Das Bild einer potenziellen Schulter-Kopf-Schulter-Trendwende bleibt erhalten. Dass nach dem „Kopf“ jetzt auch die rechte Schulter in sich die Struktur eines Doppeltopps trägt, macht die Sache noch brenzliger: Im Juli kam es wieder zu einem unterhalb des vorherigen liegenden Zwischenhoch. Würde diese Formation durch neue Jahrestiefs (11.727 Punkte) vollendet, wäre zugleich auch noch die 2016er-Aufwärtstrendlinie dahin und ein schneller Abverkauf in Richtung 10.800 Zähler danach keine Überraschung. Was muss passieren, von der Rückkehr des Optimismus abgesehen, um den deutschen Leitindex aus der Gefahrenzone zu bringen?

Chart vom 23.08.2018, Kurs 12.365,58 Punkte, Kürzel DAX

Das zeigt der Chart auf Tagesbasis. Der DAX muss weg von diesem zögerlichen Hin und Her oberhalb des letzten Tiefs, müsste mit Schwung das letzte Zwischenhoch überwinden, den Bann tieferer Zwischenhochs damit brechen. Damit würden die Rückeroberung von 20-Tage- und 200-Tage-Linie ebenso einhergehen wie der Anstieg über die derzeit noch bei 12.950 Punkten abwärts laufende, übergeordnete Abwärtstrendlinie vom Januar. Und wie stehen die Chancen hierfür? Angesichts unerfreulicher Nachrichten wie von Bayer oder Continental und dem Damoklesschwert des Handelskriegs in Kombination mit einer weit weniger blauäugigen Wahrnehmung der Realität als in den USA: nicht gerade ideal. Momentan „gehört“ der DAX definitiv noch den Bären.

Chart vom 23.08.2018, Kurs 12.365,58 Punkte, Kürzel DAX

 

Als am vergangenen Freitag die türkische Lira in den freien Fall überging, zog man am deutschen Aktienmarkt den Kopf ein. Denn die Sorge, dass die Türkei im Fall eines wirtschaftlichen Kollapses dort einen ähnlichen Ansteckungs- bzw. Dominoeffekt haben könnte wie damals Griechenland, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. In dieser Woche rutschte auf einmal der chinesische Yuan zum US-Dollar in die Tiefe. Und erneut ging der DAX in die Knie, weil auch das etwas mit sich bringt, was auf Aktienmärkte immens toxisch wirkt: unabsehbare Folgen.

Binnen vier Handelstagen gingen über 500 Punkte verloren. Gestern gab es indes eine leichte Gegenbewegung. Bildet sich hier, knapp über der Unterstützung in Form des Juni-Tiefs bei 12.104 Punkten ein Boden aus? Bauen Marktteilnehmer darauf, dass die für die kommende Woche vermuteten Gespräche zwischen den USA und China eine Eskalation des Handelskriegs verhindern und die Maßnahmen, welche die Türkei ergreifen will, um die Lira zu stabilisieren und die Inflation zu stoppen, greifen? Die Antwort ist eine Gegenfrage: Warum sollten sie das glauben?

Expertenmeinung: Weder Präsident Erdogan noch Präsident Trump neigen dazu, freundliche, der Vernunft gehorchende Kompromisse einzugehen. Was in beiden Fällen aber die Voraussetzung für eine Beruhigung der Lage wäre. Etwas Handfestes, das darauf bauen ließe, dass die kommenden Monate keine ernsthaften Probleme für die Weltwirtschaft bringen werden, gibt es nicht.

Die vagen Willensbekundungen aller möglichen Konfliktparteien hören wir seit Monaten, bewegt hat das bis jetzt nichts. Das Argument, der Optimismus sei zurückgekehrt, nachdem der DAX noch einen Tag zuvor weggebrochen ist, zieht also nicht. Was indes sicherlich „zog“, war die Wall Street. Dort schoss der Dow Jones massiv nach oben. Angeblich, weil Einigungen mit China und der Türkei nahe seien. Aber wie gesagt: Das ist nicht glaubwürdig.

Und richtet man den Blick auf den Kalender, kommt einem ein deutlich realistischerer Grund in den Sinn: Heute ist Abrechnungstermin für Optionen an der Terminbörse. Das dürfte es vor allem sein, was den Dow Jones gestern so extrem höher zog. Aber da der DAX keine Chance hatte, das obere Ende seiner Handelsspanne seit dem letzten „Hexensabbat“, wie man diese Termine auch nennt, zu erreichen, dürfte hier das Interesse, den Index am unteren Ende der Spanne in die Abrechnung zu schicken, hoch gewesen sein.

Vom Misstrauen ob dieser so offensichtlichen auf die heutige Abrechnung fixierten Rallye der US-Börsen abgesehen dürfte dieser Abrechnungstermin den DAX eher ausgebremst als gestützt haben. Aber das heißt nicht, dass er ab Montag, befreit vom Druck der Terminbörse, nach oben davonziehen muss. Nach solchen Hexensabbats werden die Karten neu gemischt. Und auch, wenn der Index zwischen 12.104 und 11.727 Punkten auf gleich mehrere grundsätzlich tragfähige Unterstützungen trifft, wäre es keineswegs ausgeschlossen, wenn er seine Abwärtsbewegung in der kommenden fortsetzen würde.

Chart vom 16.08.2018, Kurs 12.237,17 Punkte, Kürzel DAX

Bis Donnerstagabend schien es noch ausgemachte Sache zu sein, dass der DAX die Handelswoche im Plus beenden würde. Doch der Freitag brachte ein Minus von gut 250 Punkten und damit einen negativen Wochensaldo. Ein Wochen-Ende mit Schrecken … besser als ein Schrecken ohne Ende, wie ein Sprichwort sagt. Nur: Was, wenn dieser Abverkauf des Freitags nur der Beginn eines größeren Abwärtsimpulses war, wenn der „Schrecken“ also gerade erst begonnen hätte?

Der Grund, weshalb die Marktteilnehmer zum Wochenschluss ihr Heil in der Flucht suchten, lag darin, dass man durch die haltlos einbrechende Türkische Lira daran erinnert wurde, dass hier zu viel auf einmal aus dem Ruder läuft. Die Türkei wird wirtschaftlich im Eiltempo instabiler, die Inflation läuft aus dem Ruder und der Präsident, der die Fäden in der Hand hat, wirkt hinsichtlich einer Stabilisierung der Lage eher kontraproduktiv.

Die Türkei ist zwar nicht Teil der Eurozone wie Griechenland. Aber an Griechenland erinnerte man sich … und daran, wie schnell eine sich destabilisierende Lage damals auf ganz Europa übergegriffen hatte. Und die Türkei ist eine weitaus größere Volkswirtschaft. Aber das war nur ein Aspekt, der die Investoren zum Wochenende nervös machte. Die USA sind ja auch noch da.

Expertenmeinung: Dass der US-Präsident sogar aus dem Urlaub heraus aktiv Öl in jedes erreichbare Feuer gießt, erzeugt bei vielen ein schnell zunehmendes Unbehagen. So verdoppelte er die Strafzölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte am Freitag auf 50 bzw. 20 Prozent. Und ein US-Regierungssprecher avisierte neue Sanktionen gegen Russland. Die Drohungen, gegen den über den Iran verhängten US-Bann zu verstoßen, werden lauter.

All das erweckt den Eindruck, dass eine politische Eiszeit und die Eskalation des Handelskriegs bei solchen Hauptdarstellern wohl kaum zu vermeiden ist. Es war diese Kumulation negativer Nachrichten, die zu diesem Abriss des DAX führte. Und ob sich die Gemüter zum Wochenstart dauerhaft beruhigen, ist zumindest zweifelhaft, denn auch seitens der Charttechnik ziehen sich die Wolken zu. Der Versuch, die 200-Tage-Linie zurückzuerobern, scheiterte. Am Freitag fiel auch noch die 20-Tage-Linie. Der Trendfolgeindikator MACD hat bereits ein Verkaufssignal generiert.

Und der Index steuert mit Schwung auf die untere Begrenzung einer Dreiecksformation zu, deren Bruch im Fall von Schlusskursen unter 12.300 Punkten den Weg an das Verlaufstief des zweiten Quartals bei 12.104 Zählern freigeben würde. Und sollte sich das politische Klima weiter in diesem Tempo abkühlen, wäre nicht nur hinsichtlich der Wachstumsperspektiven, sondern auch in Bezug auf den DAX nach unten nichts unmöglich.

DAX_2018_08_13

Die Monate August und September sind statistisch gesehen prädestiniert, um Ärger zu machen. Oft ging es in den vergangenen Jahrzehnten ausgerechnet in dieser Zeit kräftig bergab, erst Ende September wäre dann, sagt die Statistik, wieder eine gute Zeit, um sich auf der Long-Seite zu engagieren. Und grundsätzlich wären die Rahmenbedingungen passend, um auch im Jahr 2018 für einen bärischen Hochsommer zu sorgen. Immerhin ist der kurze Anflug von Optimismus, ausgelöst durch den sich mittlerweile verflüchtigten Eindruck, das Gespräch zwischen der EU und den USA zum Thema Handelsstreit könnte die Wogen geglättet haben, bereits komplett abverkauft.

Donald Trumps Verhalten gegenüber China brachte das mulmige Gefühl zurück, dass dieser Handelskrieg womöglich erst noch davor steht, in den nächsthöheren Gang zu schalten. Mit dem kräftigen Abschlag des Donnerstags, der am Freitag nur geringfügig korrigiert wurde, sind jetzt gleich mehrere charttechnische Unterstützungen gefallen, die der DAX gerade erst zurückerobert (die 200-Tage-Linie) oder die im Vorfeld noch als Unterstützung gehalten hatten (20-Tage-Linie, kurzfristige Aufwärtstrendlinie). Aber ist das bereits das Signal dafür, dass das Bären-Lager freie Bahn hat?

Expertenmeinung: Dass die US-Aktienmärkte weiterhin gelassen reagieren, wenn es um Donald Trumps Säbelrasseln in egal welche Richtung geht, ist zwar insofern nicht zwingend richtungweisend, weil man dort eine sehr einseitige Sicht auf die Chancen und Risiken dieser Politik hat, die der Rest der Welt nicht teilt. Aber ob sich beim DAX gegen eine stabile Wall Street ein größerer und nachhaltiger Abwärtsimpuls etablieren kann, ist zumindest fraglich. Hinzu kommt, dass der Euro zum US-Dollar unmittelbar davor steht, eine markante Abwärtswende zu vollenden. Auch, wenn es in Bezug auf die bisherigen Bilanzen zum zweiten Quartal ungewöhnlich oft lange Gesichter gibt, wäre ein erneuter Abwärtsimpuls des Euro geeignet, durch die Erwartung dadurch wieder aufgehellter Exportperspektiven neue Zuversicht in den Markt zu bringen.

Und noch steht der Trendfolgeindikator MACD unmittelbar vor einem neuen Verkaufssignal. Würde der DAX zum Wochenstart die Kurve kriegen, wieder über die 200-Tage-Linie bei aktuell 12.761 Punkten laufen, kann es gut sein, dass für die Bären in den kommenden Wochen doch erst einmal nichts zu holen ist. Eine Bestätigung des jüngsten Abwärtsimpulses durch ein Unterschreiten der letztwöchigen Verlaufstiefs von 12.493 Punkten auf Schlusskursbasis wäre hingegen ein Signal, dass sich das Bären-Lager das Heft erst einmal nicht mehr aus der Hand nehmen lassen wird.

Chart vom 03.08.2018, Kurs 12.615,76 Punkte, Kürzel DAX

So muss ein bullischer Kursverlauf aussehen. Gerade der Umstand, dass der DAX in der vorangegangenen Woche noch an der 200-Tage-Linie gescheitert war, macht den Anstieg des deutschen Leitindex über diesen wichtigen gleitenden Durchschnitt so bedeutsam. Hinzu kommt ein perfektes Vorspiel: Der Chart auf Tagesbasis zeigt, dass der Index nach dem ersten, abgewiesenen Anlauf an die 200-Tage-Linie gleich mehrfach von der anziehenden 20-Tage-Linie aufgefangen wurde, die ihn zum Wochenschluss letzten Endes über diesen Widerstand getragen hat. Jetzt hätte der DAX aus charttechnischer Sicht Spielraum bis an die Zwischenhochs vom Mai (13.204 Punkte) und Juni (13.170 Punkte). Vorausgesetzt, es kommt nichts dazwischen. Denn natürlich ist ein bullisches Chartbild eine ideale Basis für Anschlusskäufe. Aber:

Die Käufer werden nur bei der Stange bleiben, wenn die Rahmenbedingungen das auch unterstützen. Und genau da wird die Sache knifflig. Denn was hier momentan zieht, ist der schöne Schein einer angeblichen „Einigung“ zwischen den USA und der EU in Sachen Handelskrieg. Aber so ziemlich jedem Investor ist sehr wohl klar, dass nur eines wirklich vereinbart wurde: Man wird miteinander reden und keine neuen Zölle erheben, solange gesprochen wird. Das nennt sich „Waffenstillstand“ und nicht „Einigung“. Hinzu kommt:

Bei der grundsätzlichen Willenserklärung, auf beiderseitig niedrigere Zölle für Industrieprodukte hinzuarbeiten, wurde die Automobilindustrie ganz gezielt ausgenommen. Am deutschen Markt tat man so, als habe man das nicht bemerkt. Und auch die erschreckend schwachen Quartalsergebnisse der US-Autobauer und die eher mäßige Daimler-Bilanz wurden ausgeblendet. Der einzige Vorteil, den man aus diesem Treffen Juncker/Trump herauslesen könnte ist, dass man womöglich erst einmal Zeit gewonnen hat, dass eine Eskalation, wenn, dann nicht so schnell wie befürchtet stattfindet.

Aber das Wachstum, ob insgesamt oder bei den DAX-Unternehmen, scheint angesichts der bisher präsentierten Quartalszahlen nicht mehr dem zu entsprechen, was man sich noch zu Jahresbeginn erhofft hatte. Auch der für den Export hilfreiche Abstieg des Euro zum US-Dollar und zu anderen wichtigen Währungen ist erst einmal zum Erliegen gekommen. Das alte Rekordhoch von 13.597 Punkten vom Januar zu erreichen, womöglich gar zu überbieten, wird also nicht so einfach sein. Aber eines darf man nicht übersehen:

DAX_2018_07_30_Week

Hoffnungen sind oft hartnäckig und nicht selten eine stärkere Motivation als Fakten. Vor allem, solange der Trend passt und der DAX sukzessive imstande ist, Charthürden zu überwinden. Daher wäre es sicherlich keine gute Idee, mit dem Verweis auf die Gemengelage, die derzeit nur gefühlt besser ist als vor vier Wochen, auf Verdacht Short zu gehen. Der DAX ist kurz- und mittelfristig derzeit bullisch, dem Trend zu folgen, wäre daher die sinnvollere Alternative. Allerdings unter Berücksichtigung dieses nicht gerade soliden Fundaments der Aufwärtsbewegung mit einer konsequenten Absicherung nach unten, für die derzeit die als zuletzt Sprungbrett genutzte 20-Tage-Linie eine sinnvolle Orientierung für kurzfristige Trader darstellen würde.

DAX_2018_07_30_Day

Wie groß war der Anteil des am Freitag absolvierten Terminbörsen-Abrechnungstermins daran, dass der DAX den Tag und damit zugleich die ganze Woche nicht am Verlaufstief beendete? Heute könnten wir davon eine erste Ahnung bekommen, morgen, wenn mögliche „Nachwehen“, d.h. mit der Abrechnung in Zusammenhang stehende Dispositionen, über die Bühne sind, sollten wir es wissen.

Und man darf annehmen, dass das Lager der Bullen dieser neuen Woche nicht gerade gelassen entgegensieht. Denn der Freitag hatte allerhand zu bieten, was den Index über eine kurze Reaktion hinaus unter Druck setzen kann. Und immer wieder fällt dabei der Name Trump.

Der hatte sich zuerst in der Nacht zum Freitag in einem Interview über steigende Zinsen beklagt. Darüber sei er nicht glücklich, so der US-Präsident. Was er aber nicht auf volkswirtschaftliche Aspekte bezog. Er sagte, die Regierung stecke so viel Arbeit in die Wirtschaft und dann steigen die Zinsen. Das sorgte schon unmittelbar in der Nacht bei den US-Index-Futures für Abgabedruck.

Aber es ging noch weiter. Zur Mittagszeit wurde am Freitag bekannt, Trump habe in Bezug auf die US-Strafzölle gegen China gesagt, er würde „bis 500 gehen“, d.h. das Volumen der chinesischen Importe, die er mit Strafzoll belegen würde, auf einen Warenwert von bis zu 500 Milliarden US-Dollar hochfahren.

Interessant dabei war der Satz, dass „er niemandem Angst machen wolle“ … was indiziert, dass er sich sicher ist, bei diesem Abenteuer völlig unangreifbar zu sein. Die Anleger wissen, dass das nicht so ist. Und um das Ganze abzurunden, twitterte er später, dass Europa und China ihre Währungen manipulieren würden, um den USA zu schaden. Eine Aussage, die zwar früher schon auftauchte, hinsichtlich derer er aber zwischenzeitig erklärt hatte, dem sei nicht so.

All das zeichnet ein gefährliches Bild. Es wirkt, als würde der Präsident die Wirtschaftspolitik wie ein Pokerspiel betreiben. Mit einem Einsatz, der die gesamte US-Wirtschaft, aber auch die Weltwirtschaft insgesamt in die Tiefe reißen würde, wenn er sich „verzockt“. Gleich drei unerfreuliche Statements binnen 24 Stunden – es war nicht unbedingt überraschend, dass der DAX zeitweise deutlich in die Knie ging. Am Tagestief lag der deutsche Leitindex über 200 Punkte im Minus, am Ende gelang es, sich knapp 100 Punkte vom Tagestief zu lösen. Aber:

DAX_2018_07_23_Day

Es besteht das Risiko, dass die Erholung zum Handelsende nur auf die Abrechnung der Optionen auf Aktien zurückzuführen war, die zum um 17:30 Uhr stattfand. Und charttechnisch betrachtet dürfte den Bären die aktuelle Entwicklung überaus gefallen.

Der DAX scheiterte zur Wochenmitte an der wichtigen 200-Tage-Linie … und im Tagestief hatte er bereits die 20-Tage-Linie erreicht, die einzige Unterstützungsmarke, die ihn vom Juni-Tief bei 12.104 Punkten trennt.Und damit bleibt ein Szenario virulent, das viele Akteure angesichts der hohen Volatilität der Notierungen, die ihre Aufmerksamkeit auf kurzfristige Zeitraster lenkt, womöglich noch gar nicht realisiert haben:

Die Möglichkeit einer großen Trendwendeformation in Form einer Schulter-Kopf-Schulter. Die wird sofort erkennbar, wenn man sich den DAX in der Darstellung auf Wochenbasis ansieht. Und dass er in der vergangenen Woche an der 200-Tage-Linie abgewiesen wurde, erhält die Möglichkeit aufrecht, dass der Index gerade dabei ist, seine rechte Schulter auszubilden.

Vollendet wäre dieses immens massive Short-Signal, würde der DAX unter das bisherige Jahrestief von 11.727 Punkten rutschen. Das erscheint derzeit noch weit weg. Aber in einem Umfeld wie diesem, in dem die Risiken stetig zunehmen, kann so etwas schnell gehen.

DAX_2018_07_23_Week

Im Wochenverlauf hatte man mit Blick auf die mediale Berichterstattung den Eindruck, die Zuversicht würde an den deutschen Aktienmarkt zurückkehren. Positive Nachrichten wurden herumgereicht. China und die USA würden in Kürze wieder miteinander reden, die neue Liste mit potenziellen US-Strafzöllen sei nur ein Druckmittel, um Peking an den Verhandlungstisch zu zwingen. Und das mit den Strafzöllen gegen europäische Autos, das werde schon noch abgebogen, immerhin stehen da kommende Woche auch Gespräche mit der EU auf dem Programm. Was indes auffiel: Etwas wirklich Greifbares hatten diejenigen, die wirkten, als wollten sie die Bullen durch das Verbreiten guter Laune wiederbeleben, nicht zu bieten. Und sieht man sich die Wochenbilanz des DAX an, stellt man fest:

Auch der konnte in der vergangenen Woche wenig bieten. Während der Dow Jones in der abgelaufenen Woche über 500 Punkte zulegte, der Nasdaq 100 neue Rekordhochs markierte, belief sich die Wochenbilanz des DAX auf gerade einmal 44 Pluspunkte. Und die hatte er bereits am Montagmorgen zur Eröffnung erreicht, was heißt: Diese Woche wurde am Ende eine Nullnummer und führte im Chart auf Wochenbasis zu einem perfekten Doji, also einer Kerze ohne Kerzenkörper, weil Eröffnung und Schluss auf demselben Niveau liegen. Damit ist der Schwung der Erholung aus der vorangegangenen Woche dahin.

Bullen und Bären scheinen derzeit gleich stark. Und damit ist die Chance, sich nach oben abzusetzen von der Ausgangslage her grundsätzlich nicht größer als das Risiko, in dieser Woche schon wieder nach unten abzudrehen. Wobei sich das Pendel sogar ein wenig in Richtung der Bären neigt, wenn man sich über das mittelfristige Bild auf Wochenbasis hinaus den Tageschart ansieht:

Chart vom 13.07.2018, Kurs 12.540,73 Punkte, Kürzel DAX

Der DAX ist derzeit erst am unteren Ende einer breiten Widerstandszone angekommen, die bei 12.547 Punkten beginnt und bis hinauf ans Mai-Hoch bei 13.204 Punkten reicht. Um dort durchzukommen, braucht es mehr als positiv interpretierte offene Fragen. Das, was bislang an Fakten auf dem Tisch liegt, ist wenig angetan, eine wirklich glaubwürdige Kaufwelle auszulösen. Das mag ein entscheidender Grund sein, weshalb der Anstieg über die 20-Tage-Linie, im Tageschart blau, im Wochenverlauf keine Anschlusskäufe auslöste. Am Freitag landete der Index erneut über diesem gleitenden Durchschnitt, den man aktuell als eine Art untere Verlängerung der vorgenannten Widerstandszone sehen kann. Ob es heute die Anschlusskäufe gibt, die vergangene Woche ausblieben?

Möglich ist das natürlich, aber an der Nachhaltigkeit einer Rallye darf man zweifeln, solange sich in Bezug auf den Handelskrieg keine belastbar positiven Nachrichten einfinden, solange der Euro zum US-Dollar seine Abwärtsbewegung durch ein Unterschreiten der 1,15er-Marke nicht wieder aufnimmt und solange man zudem angesichts der zuletzt aufgetauchten Gewinnwarnungen Sorge haben muss, dass die jetzt langsam anlaufende Saison der Quartalsbilanzen für die deutschen Unternehmen kein Quell der Freude wird. Schon ein Schlusskurs unter dem Verlaufstief der Vorwoche (12.398 Punkte) wäre ein Indiz dafür, dass das derzeitige, durch den Doji auf Wochenbasis ausgedrückte „Patt“ in einen neuen Abwärtsimpuls übergehen könnte.

Chart vom 13.07.2018, Kurs 12.540,73 Punkte, Kürzel DAX

 

Das derzeitige Szenario erinnert an das Jahr 2007. Damals war der Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts im Sommer und Herbst zwar schon in vollem Gange, auch in Spanien und Großbritannien wankten die Immobilienpreise. Aber am Aktienmarkt, ob in den USA oder in Europa, tat man so, als wäre das alles nicht von Bedeutung. Es war daher eine zähe Wende, die dann aber doch in eine heftige Baisse mündete. Viel später, als man hätte erwarten können. Aber der Wunsch, es möge doch alles nicht so schlimm kommen und das Wachstum an sich nicht durch den Immobilienmarkt kippen, hielt die Anleger in ihren Positionen fest. Bemerkenswert an der damaligen Wende war, dass sie aus dem Lehrbuch der Charttechnik hätte stammen können. Die Wende entstand aus einem großen Doppeltopp heraus, wobei das rechte Topp den DAX für sich selbst ein Doppeltopp war. Man hätte die Zeichen wahrnehmen können, aber viele wollen genau das eben nicht. Und heute?

DAX_2018

Heute besticht der DAX erneut dadurch, eine lehrbuchgerechnete Trendwende zu entwickeln. Würde der deutsche Leitindex das bisherige Jahres-Verlaufstief bei 11.727 Punkten unterschreiten, würde hier für die Bären absolut alles passen. Sie sehen im Chart auf Wochenbasis, dass sich derzeit die rechte Schulter einer breit angelegten Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausbildet. Diese Formation ist so lange potenziell, bis sie mit dem Bruch ihrer Nackenlinie vollendet wäre, dazu müsste der DAX durch eben dieses bisherige Jahrestief hindurch. Aber allzu weit wäre der Weg dorthin ja derzeit nicht. Bemerkenswert ist, dass nicht nur der „Kopf“ der Formation, der sich zwischen September 2017 und März 2018 herausgebildet hat, für sich genommen ein Doppeltopp ist. Auch aktuell sehen wir ein Doppeltopp, dessen Nackenlinie bei 12.547 Zählern vor einigen Tagen unterboten und die Formation dadurch vollendet wurde, wie Sie im Tageschart gut sehen können: Das ist die rechte Schulter dieser übergeordneten Formation.

DAX_2018_07_03_Day

Grundsätzlich ist diese formvollendete Schulter-Kopf-Schulter-Wende so lange in der Schwebe, bis die Nackenlinie unterboten und damit zugleich der aus dem Februar 2016 stammende Aufwärtstrend (siehe der Chart auf Wochenbasis) gebrochen wurde. Aber die Chance, dass es dazu kommt, steht derzeit recht gut. Denn an der Wall Street fällt auf, dass die sonst immer sofort in charttechnisch brenzligen Situationen zulangenden Bullen offenbar hoffen, dass irgendjemand anders die Kartoffeln aus dem Feuer holt. Und beim DAX haben wir neben der zermürbenden Verunsicherung in Bezug auf die nächsten Schritte im Handelskrieg eine sich sukzessive abschwächende Wachstumsperspektive, eine wankende Regierungskoalition und, auf ganz kurzfristiger Ebene, einen verdächtig schwachen Start ins neue Quartal. Oft wird seitens der Sparer neu zufließendes Kapital von den Fonds umgehend in den Markt investiert. Aber diese denkbare Kaufwelle blieb aus. Ein Indiz dafür, dass die Chance der Bären, das bisherige Jahrestief bei 11.727 Punkten nicht nur erneut zu testen, sondern zu durchbrechen, sukzessive steigt.

Die abgelaufene Woche stand unter dem Zeichen einer sukzessiven Verschärfung des von den USA losgetretenen Handelskonflikts. Die europäischen Gegenzölle sind nunmehr in Kraft. Die USA verlängerten ihre Liste potenzieller Strafzölle gegen China, weil dem US-Präsidenten die Reaktionen Chinas nicht passen. Und aus China kam der Hinweis, dass man durchaus auch die großen Unternehmen im Dow Jones ins Visier nehmen könnte, was Gegenmaßnahmen angeht, sofern die USA sich weiter derart irrational verhalten. Und weit und breit hört man nichts davon, dass sich die Entscheider zusammensetzen und vernünftig reden würden. Die Anleger werden nervös. Und das nicht nur wegen dieser Nachrichtenlage, sondern weil auch Analysten, Volkswirte und Unternehmen langsam unruhig werden:

Erste europäische Volkswirte senken ihre Wachstumsprognosen. Daimler gab eine Gewinnwarnung heraus, die Strafzölle für europäische Autos noch nicht einmal beinhaltet. Kursziele einzelner Aktien werden auf einmal zügig gesenkt. Und über diese eher wenig beeindruckenden „Gegen-Zölle“ auf Harley Davidson-Motorräder, Erdnussbutter, Jeans und Bourbon-Whisky hinaus wirkt Europas Politik wie gelähmt, kommt nicht über Warnungen hinaus, dass eine Verschärfung des Konflikts allen schaden würde. Das Dumme ist: Das hat der US-Präsident mittlerweile auch erkannt, aber das sieht er als notwendigen Flurschaden auf dem Weg zu einer am Ende siegreichen US-Politik an. Und der DAX rutscht ab, es wundert in diesem Umfeld wirklich nicht. Aber die 430 Punkte, die in der abgelaufenen Handelswoche an Abschlägen zu verbuchen waren, können gut und gerne erst der Anfang eines deutlich größeren Abwärtsimpulses sein.

Das fällt im Chart auf Tagesbasis weniger auf. Da sehen wir zwar, dass der deutsche Leitindex nur eine Woche nach dem Versuch, sich mit dem Rückenwind der EZB und eines fallenden Euros über das Mai-Hoch (13.204 Punkte) in Richtung des bisherigen Rekordhochs (13.597 Punkte) zu schieben, aus der breiten Unterstützungszone, die ihm dafür als Sprungbrett dienen sollte, nach unten herausgerutscht ist. Man sieht auch, dass der Versuch des Freitags, sich wieder in diese Zone zurück zu begeben, recht kraftlos wirkt. Und man erkennt, dass nach unten aus charttechnischer Sicht bis an die drei Wendemarken vom Februar und März bei 12.003, 11.831 und 11.727 Punkten keine wirklich vertrauenerweckend wirkenden Unterstützungen warten. Aber ein Blick auf den Chart auf Wochenbasis macht deutlich, dass das eigentliche Risiko eine ganz andere Dimension hat. Und wenn man sich überlegt, welche Folgen diese aggressive und zugleich toxisch auf das Wachstum wirkende US-Politik haben kann, wäre es keineswegs aus der Welt, dass Realität wird, was bislang im langfristigen Chart nur als Möglichkeit auftaucht:

DAX_2018_06_25_Day

Chart vom 22.06.2018 auf Tagesbasis, Kurs 12.579,72 Punkte, Kürzel DAX

Eine breit angelegte Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation. Würde der DAX die bisherigen Jahrestiefs bei 11.727 Punkten durchschlagen, wäre damit zum einen der längerfristige, aus dem Februar 2016 stammende Aufwärtstrend gebrochen, zum anderen aber auch die Nackenlinie dieser potenziellen Schulter-Kopf-Schulter unterboten, die Formation somit vollendet und das Chancen-Pendel dadurch tief im Lager der Bären angekommen. Kurslevels in der Region 10.500/10.800 Punkte wären dann recht zügig erreichbar.

DAX_2018_06_25_Week

Chart vom 22.06.2018 auf Wochenbasis, Kurs 12.579,72 Punkte, Kürzel DAX

 

Das Minus, mit dem der DAX in die neue Woche startete, kam für manche womöglich überraschend. Aber bedenkt man, welche Risiken eine sich derzeit klar abzeichnende Eskalation des Handelskriegs der USA mit demjenigen Rest der Welt, der nicht umgehend klein beigibt, birgt, wäre ein Ausbruch über die schon fast erreichte Charthürde bei 13.204 Punkten auch höchst gewagt gewesen. Dass sich der DAX so nahe an dieses Hoch aus dem Mai herangewagt hatte, lag einerseits an der Kombination eines aufgrund der EZB-Aussagen am Donnerstag ungewöhnlich scharf einbrechenden Euro/US-Dollar-Kurses, der für die Eurozone-Exporteure eine Verbesserung der Exportperspektive in Aussicht stellte. Und andererseits an der Abrechnung von Futures und Optionen am Freitag. Eine solche Rallye, wie sie der DAX am Donnerstag mit dem Rückenwind des schwachen Euro gezeigt hatte, so nahe an einer solchen Abrechnung, das intensivierte die Rallye noch deutlich. Denn wer da am Terminmarkt auf dem falschen Fuß erwischt wurde, musste sich gegen zu weit steigende Kurse „hedgen“, sprich absichern. Aber:

Expertenmeinung: Mit der Verhängung der (wohl nur ersten) Liste mit chinesischen Produkten, für die in den USA jetzt ein höherer Zoll gilt, war man schon am Freitag wieder auf dem harten und womöglich höchst instabilen Boden der Tatsachen angelangt. Was Grund zur Sorge macht ist vor allem, dass keine Seite sich derzeit ernstlich zu bemühen scheint, der Eskalation Einhalt zu gebieten. Dass die nächste Welle an Strafzöllen Europa trifft, ist relativ wahrscheinlich. Und momentan scheinen viele gerade international agierende Investoren den Eindruck zu haben, dass es Europa sein wird, das da den größeren Schaden davontragen wird. Was nicht ganz unlogisch ist. Denn gäbe man Trumps Forderungen nach, wäre die eigene Wirtschaft dadurch benachteiligt. Hält man so wie bisher eher zögerlich dagegen, trifft es zwar auch US-Unternehmen, aber die Eurozone-Firmen eben trotzdem. Der DAX ist mit dem kräftigen Abschlag des Montags wieder unsanft am oberen Ende der breiten Unterstützungszone gelandet, aus der er sich gerade erst hatte befreien können. Was den Bullen Hoffnung machen dürfte ist der Umstand, dass der deutsche Leitindex dabei die wichtige 200-Tage-Linie, aktuell bei 12.773 Punkten, hielt. Vor hier aus besteht damit die Chance, einen zweiten Anlauf nach oben zu wagen. Aber ob der angesichts der so unberechenbaren Nachrichtenlage nachhaltig gelingen kann, ist zumindest fraglich. Richtig kritisch würde es, sollte der DAX diese 200-Tage-Linie auf Schlusskursbasis brechen. Und bärisch würde der Index, sobald er die bis 12.547 Zähler reichende Unterstützungszone nach unten verlässt.

DAX_2018_06_19

Wenn man sich das Chance/Risiko-Verhältnis für potenzielle Long-Trades rein aus charttechnischer Sicht betrachtet, sieht es gut aus für die Bullen. Der abgebrochene Anlauf an das bisherige Rekordhoch von 13.597 Punkten, der Mitte Mai in eine Korrektur überging, wurde in der breiten Auffangzone 12.601/12.848 Punkte aufgefangen. Von dort aus kämpften sich die Bullen schnell wieder über die kurzzeitig unterbotene, inmitten dieser Zone verlaufende 200-Tage-Linie zurück. Die wurde zwar am vergangenen Freitag anfangs erneut gebrochen, zum Handelsende lag der DAX aber schon wieder darüber und schlug sich in der ersten Hälfte dieser Woche tadellos, indem es gleich zweimal gelang, diesen wichtigen gleitenden Durchschnitt zu verteidigen. Und am Mittwoch schaffte es der deutsche Leitindex auch erstmals in diesem Monat, über der 20-Tage-Linie zu schließen. Unterstützend steht seitens der Markttechnik der Trendfolgeindikator MACD unmittelbar vor einem neuen Kaufsignal. Was wollte man als bullischer Trader mehr? Ein paar Damoklesschwerter weniger wären da sicherlich hilfreich, um ruhiger zu schlafen.

Expertenmeinung: Die Banken wanken, gebeutelt vor allem von den zuletzt unerfreulichen Nachrichten bei der Deutschen Bank. Die Automobilhersteller ebenso wie die Zulieferer müssen damit rechnen, dass Trump seine am Wochenende verbal aufgekochte Strafzoll-Drohung wahrmacht. Der den Export stützende Abstieg des Euro ist derzeit unterbrochen, könnte womöglich durch die EZB wiederbelebt, aber auch nachhaltig beendet werden. Und die EZB selbst ist nicht minder ein Grund zur Unruhe. Denn sollte die im Vorfeld bereits avisierte Diskussion über die Beendigung der Anleihekäufe bereits bei der heutigen Sitzung in einen straffen Zeitplan münden, wäre zu fürchten, dass das zuletzt durch den auf den tiefsten Stand seit Ende 2012 gefallenen deutschen ZEW-Index der Konjunkturerwartungen belegte, nachlassende Wachstum weiter gebremst wird. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob nicht der morgen anstehende Abrechnungstermin an der Terminbörse ein entscheidender Faktor für die Stabilität des DAX gewesen sein kann. Noch ist die Entscheidung zu Gunsten eines erneuten Anlaufs an und über die 13.000er-Marke nicht gefallen. Sollte es dem DAX gelingen, sich kommende Woche, nach diesem Verfalltermin, über 13.000 Punkten festzusetzen, wäre das ein entscheidender, für die Überlegung, hier Long aktiv zu werden aber auch nötiger Schritt. Bevor das nicht gelungen ist, wäre es kein Fehler, auch das Short-Szenario im Auge zu behalten, das dann greifen würde, sollte der DAX diese jetzt bereits verteidigt wirkende Auffangzone mit Schlusskursen unter 12.500 Zählern doch noch durchbrechen.

DAX_2018_06_14

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Artikelserie: Die Technische Analyse – Lassen Sie Charts für sich arbeiten!

  1. Trends, Widerstände und Unterstützungen: Das Fundament jeder Analyse
  2. Trendwende- und Konsolidierungsformationen: Die wichtigsten Chartmuster in Trends
  3. Markttechnik: Mit diesen Indikatoren sind Sie komplett ausgerüstet
  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
  5. Candlestick-Charts: Was diese Charts alles können

Die Gemengelage ist für einen Anlauf an das bisherige Rekordhoch des DAX von 13.597 Punkten eigentlich weitaus weniger günstig als noch vor einigen Wochen. Da lag die Italien-Problematik noch nicht offen auf dem Tisch und es ging nach wie vor die Hoffnung um, dass die aggressive Haltung der USA mit Blick auf deren Handelsbilanzdefizit ohne eine Kaskade gegenseitiger Handelsbarrieren in den Griff zu bekommen sei. Mittlerweile stehen die Zeichen indes auf Sturm. Und einige Indikationen wie der ifo-Geschäftsklimaindex, der ZEW-Index oder die Einkaufsmanagerindizes deuten an, dass sich die Wachstumsperspektiven für Deutschland seit Jahresanfang eingetrübt haben. Ein deutlich weiter zum US-Dollar nachgebender Euro würde da als Gegengewicht fungieren können – aber der hat seinen Abstieg ausgerechnet am unteren Ende der langfristig wichtigen Auffangzone 1,1555/1,2042 US-Dollar erst einmal eingestellt. Doch all diese problematischen Aspekte müssen den DAX nicht bremsen … vorausgesetzt, die computergesteuerten Handelsprogramme und die ausschließlich auf Basis der Chart- und Markttechnik agierenden kurzfristigen Trader hätten Grund, hier Long zu gehen. Was hieße: Der DAX muss aus der derzeit noch gehaltenen Unterstützungszone zwischen 12.600 und 12.850 Punkten nach oben hinaus und damit klare, bullische Signale generieren. Genau das wurde am Montag ebenso wie am Dienstag versucht. Und genau das ging erst einmal schief.

Expertenmeinung: Am Montag startete der DAX den Handel gleich mit einer kräftigen Kurslücke nach oben, doch die Gewinne wurden umgehend wieder abverkauft. Am Dienstag versuchte es das bullische Lager mit einer Kaufwelle innerhalb der Handelszeit – aber erneut scheiterte der Versuch, einen charttechnischen Befreiungsschlag zu erzielen. Zwar gelang es, den Index aus der vorgenannten Zone 12.600/12.850 Punkte nach oben hinaus zu tragen und sogar die knapp über 12.900 Punkte als letzte kleine Barriere fungierende 20-Tage-Linie zu überbieten. Aber am Ende stand, Sie sehen es im Chart, nur ein mickriges Plus von 0,12 Prozent. Zwei fehlgeschlagene Versuche, die Aufwärtstendenz aus einer wichtigen Auffangzone heraus mit bullischen Fakten der Charttechnik wiederzubeleben, da wird es jetzt langsam knapp für die Bullen. Es müsste sofort zu einem erneuten und diesmal erfolgreichen Versuch kommen, ansonsten kann diese Konstellation zu einem Bumerang werden. Denn gerade diese misslungenen Rallyes können die Käuferseite so sehr ausdünnen, weil kaum jemand noch Lust hat, vergebens auf einen Ausbruch zu setzen, dass Short-Attacken leichtes Spiel hätten, den DAX unter 12.600 Zähler zu drücken und so ein Verkaufssignal zu generieren. Die Unsicherheit hinsichtlich der Rahmenbedingungen würden einen erneuten Abwärtsimpuls durchaus unterfüttern, daher ist dieser Mittwoch für die Bullen bereits eine Art „Jetzt-oder-nie“-Tag!

DAX_2018_06_06

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  2. Trendwende- und Konsolidierungsformationen: Die wichtigsten Chartmuster in Trends
  3. Markttechnik: Mit diesen Indikatoren sind Sie komplett ausgerüstet
  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
  5. Candlestick-Charts: Was diese Charts alles können

Der DAX verlor am Donnerstag markant an Boden. Im Chart auf Wochenbasis würde, sollte der deutsche Leitindex heute nicht rasant nach oben drehen, die zweite rote Kerze in Folge auftreten. Eine rote Kerze, die das Warnsignal, das die vorherige Wochenkerze in Form eines „bearish engulfing pattern“ aussandte, bestätigen und damit zu einem Verkaufssignal machen würde. Und dass das womöglich einen markanten Abverkauf nach sich ziehen kann, ist klar, das wissen die Investoren. Denn es liegt immenses Ungemach in der Luft.

Das Inkrafttreten der US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium für Importe aus Europa, Kanada und Mexiko war zwar befürchtet worden. Aber nachdem die Aktienmärkte tatsächlich erst deutlicher reagierten, als US-Handelsminister Ross dies kurz nach US-Handelsbeginn offiziell verkündete, gewann man schon den Eindruck, dass manche Anleger darauf gehofft hatten, dass die US-Regierung den vorher geltenden Aufschub erneut in letzter Minute erneuern würde. Sie tat es nicht. Und auch, wenn kaum jemand auf die Idee käme zu kritisieren, dass die Betroffenen sich wehren werden, was von mehreren Seiten sofort und sehr konkret avisiert wurde, ist klar:

Die USA werden dadurch in erster Linie am Ende zwar wohl Wachstum ebenso einbüßen wie Ansehen. Denn man darf vermuten, dass auch China mit aller Macht dagegenhalten wird, wenn die US-Regierung ihr Verhalten nicht ändert – womit nicht zu rechnen ist. Aber den Preis werden letzten Endes alle Beteiligten zahlen. Der Welthandel wird erheblich leiden. Und niemand könnte absehen, welche Branchen, welche Unternehmen es alles treffen kann und wird. Das ist eine Situation, in der man sich als Investor vorkommt, als müsste man durch dichten Nebel marschieren, wissend, dass voraus jede Mange Fallgruben warten. Es kann daher nicht überraschen, dass der DAX am Donnerstag in die Knie ging, zumal der heftige Kurseinbruch der Deutschen Bank-Aktie (siehe unsere heutige Analyse dazu) den Eindruck zunehmender Gefahr noch intensivierte.

Würde man alleine auf den Chart auf Wochenbasis blicken, müsste man angesichts dieses bisherigen Wochenverlusts von 333 Punkten, der den DAX wieder unter seine 200-Tage-Linie gedrückt hat, während der Stochastik-Oszillator in der überkauften Zone abwärts dreht, konstatieren: Das war es dann wohl für die Bullen. Aber ein Blick auf den DAX-Chart auf Tagesbasis zeigt: Eine kleine Chance bleibt.

DAX_2018_06_01_Week

Der DAX hatte sich nach einer Bodenbildung Anfang Mai durch eine massive Widerstandszone hindurch gekämpft, die zwischen 12.600 und 12.848 Punkten angesiedelt ist. Mittendrin die 200-Tage-Linie. Die ist bereits gefallen. Und die meisten der diese Chartzone ausmachenden Unterstützungslinien ebenso. Doch eine einzige, das Ende Februar bei 12.601 Punkten markierte Zwischenhoch, bleibt noch. Das ist der seidene Faden, an dem die Chance hängt, aus diesen Abgaben einen Rücksetzer zu machen, eine Korrektur, die in neue Aufwärtsdynamik mündet. Bedenkt man aber die derzeitigen Rahmenbedingungen, ist diese Chance in der Tat eine kleine. Sollte der DAX heute unter dem gestrigen Tagestief von 12.547 Punkten schließen, wäre der Weg in die Region unter 12.000 Punkte aus charttechnischer Sicht frei.

DAX_2018_06_01_Day

 

Dass der Trend der Euro/US-Dollar-Relation weiterhin abwärts weist, ist zwar eine Stütze für den DAX. Aber die Nachrichtenlage der vergangenen zwei Tage war angetan, diesen Aspekt erst einmal in die zweite Reihe zu verdrängen. Dass der US-Präsident angeordnet hat zu prüfen, ob Automobilimporte der nationalen Sicherheit der USA schaden, klingt zwar absurd. Aber in solchen Fällen könnte er ohne weitere Absprachen umgehende Maßnahmen ergreifen – sprich Strafzölle  verhängen. Und genau das scheint sein Ziel zu sein. Das schickte die nicht gerade gering gewichteten Automobiltitel des DAX schon am Mittwoch in den Keller, am Donnerstag folgten Anschlussverkäufe. Und dass Trump am Donnerstag das geplante Treffen mit Kim Jong Un abblies, drückte den Gesamtmarkt. Hinzu kam, dass die Hauptversammlung der Deutschen Bank auf die beiden im DAX gelisteten Banken drückte. Knapp 40 Punkte kosteten den DAX die erneut schwachen Autowerte, weitere 20 die beiden stark abrutschenden Banken. Und wäre die Gewichtung von Deutscher Bank und Commerzbank im DAX mittlerweile nicht auf zusammen nur noch drei Prozent gesunken, für den DAX hätte dieser Donnerstag noch deutlich unangenehmer enden können. So blieb es bei einem Minus von knapp einem Prozent, das es ermöglicht, auf die Frage, ob das bereits den Trend gebrochen hat, mit „nein“ zu antworten. Aber:

Expertenmeinung: Ob es so bleibt, ob der DAX die entscheidenden Unterstützungen halten wird oder nicht, ist eine andere Frage. Das würde nur gelingen, wenn sich die Nachrichtenlage wieder beruhigt – und das glaubwürdig. Denn eines fällt auf: Die US-Aktienmärkte, an denen zuletzt abrutschende Kurse permanent aufgekauft werden, bevor charttechnischer Flurschaden entstehen kann, scheinen den deutschen Investoren nicht als Vorlage zu dienen. Und sie tun wohl auch gut daran, dahingehend misstrauisch zu sein, denn zu offensichtlich ist, dass es sich da um verzweifelte Defensiv-Käufe handelt, die aus der berechtigten Angst geboren sind, die Lage nicht mehr unter Kontrolle bringen zu können, wenn Dow Jones & Co. in dieser Situation erst einmal unter entscheidende Unterstützungen rutschen. Dass der DAX da nicht blind und willenlos hinterherläuft, ist zwar kurzfristig für das bullische Lager ärgerlich. Aber es bedeutet auch, dass man sich hierzulande des Ernstes der Lage bewusst ist und so eben nicht aus allen Wolken fiele, wenn Donald Trumps Experimente schiefgehen. Für den Fortbestand der Aufwärtstendenz bzw. für die Abwehr von bärischen Signalen müsste der DAX eine breite Unterstützungszone halten, in die er zwar am Donnerstag kurz eingetaucht war, die er zum Xetra-Handelsende um 17:30 Uhr aber verteidigen konnte. Sie beginnt mit der 20-Tage-Linie bei 12.870 Punkten und reicht hinunter bis auf 12.685 Zähler. Der Chart zeigt es: Diese Zone wirkt äußerst robust, zumal sie die 200-Tage-Linie bei 12.715 Punkten mit einschließt. Aber andererseits würde ein einziger schwacher Tag reichen, um sie zu durchschlagen. Und angesichts der Unberechenbarkeit der Nachrichtenlage wäre es höchst verwegen, einfach vorauszusetzen, dass der deutsche Leitindex von hier aus wieder mit Schwung nach oben läuft. Das kann gelingen, muss es aber keineswegs. Und sollte diese Zone auf Schlusskursbasis gebrochen werden, wäre das ein markant bärisches Signal!

Chart vom 24.05.2018, Kurs 12.855,09 Punkte, Kürzel DAX

Mit dem kräftigen Zugewinn des Donnerstags verließ der DAX seine kurzfristige Konsolidierungszone um 13.000 Punkte. Angesichts der heute anstehenden Abrechnung von Index-Optionen an der Terminbörse hätte es nicht überraschen dürfen, wäre der DAX an einem so typischen Abrechnungslevel wie der runden 13.000 vorerst hängen geblieben und hätte ggf. erst in der kommenden Woche wieder Fahrt aufgenommen. Aber es schien, als hätten diejenigen großen Akteure am Terminmarkt, die als Verkäufer (Stillhalter) von DAX Call-Optionen durchaus nicht daran interessiert sein können, dass der DAX „zu hoch“ in die Abrechnung geht, keine Chance gehabt, den deutschen Leitindex zu bremsen. Rein charttechnisch betrachtet passt damit weiterhin alles für die Bullen. Nachdem es gelungen war, nach der 200-Tage-Linie bei 12.690 Punkten auch die darüber liegenden, bis 12.848 Punkte hinausreichenden Widerstände aus dem Weg zu räumen, ist der Weg grundsätzlich bis an die beiden markanten Hochs der letzten Monate frei: an das November-Hoch bei 13.525 Punkten sowie an den bisherigen Verlaufsrekord bei 12.597 Zählern, den der DAX am 23. Januar erzielt hatte. Die Frage stellt sich indes: Wie dünn ist das Eis, auf dem die bullischen Trader derzeit tanzen?

Expertenmeinung: Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Politik. Denn eigentlich ist das, was wir beim DAX sehen, ebenso eine politische Hausse, wie es die „Trump-Hausse“ 2017 in den USA war. Man nimmt das nicht so sehr wahr wie im Vorjahr an der Wall Street, aber im Prinzip ist das, was den DAX antreibt dasselbe, was Dow Jones & Co. seit Ende Januar daran hindert, an die alte Dynamik anzuknüpfen: Die Enttäuschung darüber, dass die US-Regierung nicht imstande war und ist, das von den US-Bullen erwartete starke Wachstum zu generieren. Außer der US-Steuerreform hat die Regierung keines der angekündigten, großen Projekte durchgebracht, die doch eigentlich im Eiltempo und völlig problemlos auf den Weg gebracht werden sollten. Und die Steuerreform wirkt bislang nur in Form eines Gewinnsprungs in den Bilanzen der US-Großunternehmen, nicht aber bei den Löhnen, beim Konsum und beim Bruttoinlandsprodukt. Hinzu kommt, dass sich die USA in Bezug auf den Handelskonflikt und den Nahen Osten auf immens dünnem Eis bewegen, das jederzeit brechen kann. Und Europa und der DAX als der dort meistbeachtete aller Indizes haben jetzt die Chance, die die USA zu verspielen drohen. Hier kommt die Währung wieder zurück, lässt die Exporteure aufatmen. Hier sind die Kapitalmarktzinsen weiterhin niedrig. Hier hat man ein gutes Verhältnis zu den großen Partnern im Welthandel. Kurz: Das Eis, auf dem die DAX-Bullen tanzen, ist weitaus dicker als das der US-Bullen. Und je mehr auch große, international agierende Adressen das erkennen, desto größer wird die Chance, dass nach und nach auch Kapital heraus aus der Wall Street in den DAX umgeschichtet wird. Fazit: Der Trend passt, die Chance, die bisherigen Rekordhochs zu erreichen, ist recht gut. Nichtsdestotrotz ist eine konsequente Gewinnsicherung nach wie vor das A und O. Hierfür würde sich die 20-Tage-Linie, die zuletzt Ende April einen Rücksetzer auffangen konnte, als Orientierung anbieten; die verlief am Donnerstag bei 12.777 Zählern und läuft dem DAX derzeit zügig hinterher.

Chart vom 17.05.2018, Kurs 13.114.61 Punkte, Kürzel DAX

Skeptiker wiegen angesichts des Kursanstiegs des DAX den Kopf. Das kann nicht gutgehen, hört man aus dem Lager der Zweifler. Haben sie Recht? Dazu müsste man sich einfach mal ansehen, welche Argumente die Bullen und Bären derzeit ins Feld führen können. Beginnen wir mit den Bären:

Sollte heute und morgen nichts mehr allzu sehr schiefgehen, würde der DAX die siebte Woche in Folge mit einem Kursanstieg abschließen. Wäre da nicht langsam ein Rücksetzer fällig? Und was, wenn der ausgerechnet jetzt käme, so knapp unter 13.000 Punkten? Immerhin war der DAX schon einmal, vor einem Jahr, in dieser Zone abgewiesen worden. Und betrachtet man sich den deutschen Leitindex auf Wochenbasis, springt die grundsätzliche Möglichkeit ins Auge, dass sich eine gewaltige Trendwendeformation ausbilden könnte, sollte der DAX jetzt nach unten eindrehen und damit die rechte Schulter einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausbilden. Das wäre, würde diese Formation dann auch noch mit einem Bruch der Nackenlinien-Zone bei 11.727/11.868 Punkten vollendet, in der Tat eine Basis, um für den Rest des Jahres mit lukrativen Short-Trades rechnen zu können. Aber wie realistisch ist das?

DAX_2018_05_10_Week

Derzeit wäre es die klar weniger wahrscheinliche Variante, denn das bullische Lager kann momentan mit den weitaus besseren Argumenten dienen. Auch, wenn der momentane Anstieg der US-Aktienmärkte sehr nach Käufen aus Angst vor einer Trendwende und nicht nach Käufen aus Überzeugung aussieht, es bestünde eine Chance, die sonst selten auftritt: die Chance, sich von der Wall Street abzukoppeln. Mehr noch, es wäre denkbar, dass der DAX sogar profitiert, sollten die US-Börsen den negativen Perspektiven für die US-Wirtschaft folgen. Denn je mehr sich die USA ins geopolitische Abseits bugsieren, desto besser stehen die Chancen dafür, dass der Rest der Welt nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich zusammenrückt und so in Bezug auf den Welthandel auf freundschaftliche Weise erreicht, was den USA mit ihrer Brechstangen-Taktik nicht gelingt. Dazu kommt, dass der über ein Jahr lang immens gestiegene und so den Eurozone-Export ausbremsende Euro nach unten gedreht hat. Sofern diese Tendenz einer Normalisierung am Devisenmarkt nicht völlig ins Gegenteil umschlägt, wäre auch das ein erhebliches Pfund zu Gunsten der Bullen.

DAX_2018_05_10_Day

Nun kann an der Börse nichts absolut sicher sein, dazu gibt es zu viele Einflussfaktoren, die nicht selten völlig unverhofft auf die Kurse wirken. Aber das charttechnische Bild auf Tagesbasis zeigt einen DAX, der aus Sicht der Bullen ohne Wenn und Aber „passt“. Oberhalb des derzeitigen Levels warten erst einmal keine charttechnischen Hürden, auf der Unterseite hingegen hat sich der Index durch eine ganze Phalanx an Widerständen hindurch gekämpft, die jetzt, beginnend mit der 20-Tage-Linie bei 12.609 Punkten bis hinauf zum November-Tief bei 12.848 Punkten, allesamt als Unterstützungen fungieren. Rücksetzer in diese Zone können natürlich jederzeit auftreten. Aber solange der DAX diese Zone nicht wieder nach unten durchbrechen würde, bleibt der momentane Aufwärtstrend intakt und die Perspektiven auf der Oberseite die klar besseren.

Während man in Europa fast überall den Tag der Arbeit beging, gelang an der Wall Street am Dienstag ein Turnaround nach oben. Allerdings nur für S&P 500 und Nasdaq 100, der Dow Jones schloss im Minus. Und auch am Dienstag konnten sich die Bullen an der Wall Street nicht wirklich überzeugend in Szene setzen, solange der Xetra-Handel im DAX noch lief. Die Hoffnung, dass die am Dienstagabend präsentierte Quartalsbilanz von Apple den Gesamtmarkt beflügeln würde, ging nicht recht auf. Doch beim DAX sah das ganz anders aus. Der explodierte förmlich. Und das, nachdem es im vorbörslichen Handel zwischen 8 und 9 Uhr, als der DAX Future bereits handelte, völlig ruhig geblieben war. Auf die Minute mit dem Start des regulären Handels um 9 Uhr startete der deutsche Leitindex durch – und mochte gar nicht mehr aufhören. Dabei fiel auf: Der Rest der Euro-Börsen konnte da nicht mithalten. Auch in Frankreich oder Großbritannien ging es aufwärts, aber der DAX ebenso wie der MDAX und der TecDAX verwiesen die anderen Euro-Indizes klar auf die Plätze. Doch worauf basierte diese Rallye, die zudem sehr breit ausfiel, also nicht nur von einigen wenigen Aktien getragen wurde?

Expertenmeinung: Wenn die Wall Street als Motivator ausfällt, kann es nur eines sein, das die Anleger elektrisiert, zumal der erneute Aufschub der Stahl- und Aluminium-Strafzölle auch den Rest der Eurozone hätte treiben müssen – das war es also auch nicht. Es war der Euro, der zum US-Dollar in eine charttechnisch entscheidende Zone abgerutscht war. Dort ging man die Trendwende nach unten an, schaffte es im Verlauf des Tages, die 200-Tage-Linie als untere Begrenzung einer zwischen 1,2010 und 1,2155 US-Dollar gelegenen Unterstützungszone zu durchbrechen. Richtig ist: Wenn diese Wende wirklich gelingt, kann Euro/US-Dollar zügig in die Region 1,1550/1,1615 US-Dollar durchgereicht werden, was die zuletzt durch die Euro-Hausse markant gebremsten Exportperspektiven ganz erheblich verbessern würde. Und das wäre in der Tat ein triftiges Argument dafür, dass sich die Schere zwischen Wall Street und Europa schließt, indem es dann anders herum geht: Wall Street durch einen steigenden US-Dollar unter Druck, Europa mit dem DAX voran durch einen schwachen Euro beflügelt. Aber diese Rallye hatten dennoch einen nicht unwesentlichen „Zocker-Aspekt“, denn sie vollzog sich vor dem um 20 Uhr präsentierten Statement der US-Notenbank. Die deutete an, dass man zwar die Inflation in der Zielzone für weitere Leitzinsanhebungen sehe, die Wachstumsperspektive aber nicht mehr so positiv sei wie zuvor. Das führte dazu, dass der Abstieg des Euro am Abend erst einmal gestoppt wurde. Ob es wirklich zu einer nachhaltigen Wende unter 1,2010 US-Dollar kommt, bleibt damit noch offen – und birgt ein Risiko für das bullische Lager beim DAX. Rein charttechnisch betrachtet „passt“ alles: Der DAX ging über die Widerstandszone 12.664/12.745 Punkte hinaus. Bei 12.810 und 12.848 Punkten lägen noch die Monatstiefs vom Dezember und November als eher leichte Widerstände im Weg, darüber wäre dann bis über 13.000 Punkte hinaus erst einmal freie Bahn. Doch das erfordert einen Euro, der nicht doch plötzlich wieder „zurückschnappt“, nicht doch wieder über 1,2155 US-Dollar hinaus steigt. Dementsprechend sollte man hier, so bullisch dieses Chartbild auch ist, mit der gebührenden Vorsicht ans Werk gehen.

Chart vom 02.05.2018, Kurs 12.802,25 Punkte, Kürzel DAX

Die Bullen haben es in der Hand. Durch den Anstieg des Donnerstags hat der DAX sich in die Pole-Position gebracht, um den Befreiungsschlag nach oben im zweiten Anlauf zu schaffen. Über die bei 12.664 Punkten wartende 200-Tage-Linie, das markante Zwischenhoch vom Juli 2017 bei 12.678 Punkten und das gleich am ersten Handelstag des Jahres markierte Tief des Januars bei 12.745 Punkten hinaus, zurück in Richtung 13.000 Punkte. Aus chart- und markttechnischer Sicht würde soweit alles passen: Am Mittwoch war es gelungen, die 20-Tage-Linie zu verteidigen. Am Donnerstag folgte ein Plus, bei dem die grüne Kerze des Tages den roten Kerzenkörper des Mittwochs komplett einhüllte und so ein positiv zu interpretierendes „bullish engulfing pattern“ produzierte. Und der Trendfolgeindikator MACD würde, wenn die Bullen jetzt nicht locker lassen, sein Kaufsignal nahe der Signallinie bestätigen. Getrieben wird das bullische Lager durch einen nachgebenden Euro, der jetzt eine Trendwende nach unten vollziehen könnte und so für immense Erleichterung bei den exportorientierten Unternehmen sorgen würde und durch eine wieder kräftig anziehende Wall Street. Doch betrachtet man sich die Gemengelage genauer, fällt auf: Da taucht in vielen, wenn nicht allen Bereichen immer noch ein „wenn“ auf.

Expertenmeinung: Wenn die US-Indizes weiter zulegen, wären sie ein ideales Zugpferd für den DAX. Aber dort feierte man starke Quartalsbilanzen, die noch gar nicht auf dem Tisch liegen, ein Einlenken Chinas im Handelskonflikt, das alles andere als sicher ist, starkes Wachstum, für das erst heute die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukts des ersten Quartals veröffentlicht werden. Das ist kein allzu stabiler Treibsatz für einen Ausbruch des DAX. Und dass die Wall Street zulegt, liegt auch daran, dass man dort bislang erfolgreich ignoriert, was beim DAX wiederum von nicht wenigen bereits in Käufe umgesetzt wird: Die Trendwende der Euro/US-Dollar-Relation nach unten. Aber die wäre erst unter 1,20 vollzogen. Da steht noch ein ebenso großes „wenn“ dabei wie in Bezug auf die Frage, ob die Strafzölle für europäische Stahl- und Aluminiumimporte heute durch die Kanzlerin im Gespräch mit Donald Trump abgewendet werden können. Und die heute ebenfalls besprochenen, aktuellen Entwicklungen der DAX-Aktien Lufthansa und Covestro zeigen: Die Bullen müssen um immer mehr enttäuschende Bilanzen „herumkaufen“. Fazit: Die Bullen haben zwar jetzt ihre Chance. Aber da kann noch sehr viel schief gehen, so dass man gut beraten wäre, auch den Fall eines Scheiterns dieses zweiten Versuchs, die 200-Tage-Linie zu bezwingen, einzukalkulieren. Gelingt ein Schlusskurs über die Widerstandszone 12.664/12.745 Punkte, wäre der DAX in der Tat bullisch. Aber würde er unter dem Wochen-Verlaufstief vom Mittwoch bei 12.313 Punkten und damit auch unter der 20-Tage-Linie schließen, wäre der Matchball der Bullen verspielt und ein kurzfristiges Short-Signal entstanden.

DAX_2018_04_27

In den letzten Jahren hatte sich der April als Einstiegsmonat nicht gerade bewährt. Wird das diesmal anders sein? Zumal der Mai naht, der laut einer alten Börsenregel ein guter Monat sein soll, um sich bis Ende September vom Aktienmarkt zu verabschieden. Was diesen Spruch „Sell in May and go away“ angeht, den haben wir uns in einem aktuellen Artikel mal etwas genauer angesehen – um einen Blick darauf zu werfen, bitte hier klicken: Sell in May and go away: Was ist dran an der Börsenregel?

Aber auch, wenn der herannahende Mai kein Argument wäre, um dem Anstieg des DAX zu misstrauen, die allgemeinen Rahmenbedingungen sind es durchaus. Der deutsche Leitindex legte am Dienstag knapp 200 Punkte zu. Sicher, er folgte damit der Wall Street. Aber davon abgesehen, dass die dort gestern Nachmittag veröffentlichte, gestiegene Industrieproduktion im März nicht repräsentativ für die insgesamt in den letzten Monaten höchst gemischt ausgefallenen US-Konjunkturdaten war, wurde deutlich, dass es nicht angeraten wäre zu erwarten, dass das deutsche Wachstum mit dem US-Wachstum, das derzeit mehr aus Hoffnungen als aus Fakten besteht, mitziehen würde. Der wichtige ZEW-Index der Konjunkturerwartungen für April fiel am Vormittag mit -8,2 Punkten deutlich schlechter als erwartet aus und rutschte damit auf den schwächsten Level seit 2012. Damit nicht genug:

Von einer Entspannung der geopolitischen Lage kann noch keine Rede sein. Dass das Thema Strafzölle momentan nicht im Fokus steht, liegt vor allem daran, dass die Akteure hoffen, dass China und Europa sich bis zu deren avisiertem Inkrafttreten in anderthalb Monaten schon irgendwie mit den USA einigen werden – wobei dahingehend bislang keine Bemühungen erkennbar sind. Und auch eine den deutschen Export stützende Wende der Euro/US-Dollar-Relation ist nicht in Sicht, während immer mehr deutsche Unternehmen im Zuge ihrer Quartalsbilanzen feststellen, dass der teure Euro sich bremsend bemerkbar macht. Also, woher kommt diese scheinbare Begeisterung der Marktteilnehmer für den DAX?

Da kann und muss man mit dem Finger auf die Charttechnik zeigen. Der DAX ist im zweiten Anlauf über die im Tageschart blau eingezeichnete Widerstandslinie gelaufen, die sich aus Zwischentiefs von November bis Anfang Januar und dem Zwischenhoch Ende Februar zusammensetzt. Ein kurzfristig bullisches Signal, auf das die Trader aufgesprungen sind. Sie sehen aber auch, ob im Wochen- oder im Tageschart, dass die eigentlich entscheidende Hürde erst noch bevorsteht: Die Widerstandszone 12.660/12.745 Punkte, bestehend aus der 200-Tage-Linie, der Wendemarke vom Juli 2017 und dem Januar-Verlaufstief.

Chart vom 19.04.2018, Kurs 12.585,57 Punkte, Kürzel DAX

Dieser Anstieg des DAX ist bislang eine reine Trading-Rallye. Das heißt nicht, dass er nicht weitergehen kann und mit einem signifikanten Anstieg über die Widerstandszone 12.660/12.745 Punkte nicht eine auch mittelfristige Wende möglich wäre. Aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass das Gros derer, die aktuell auf der Long-Seite aktiv werden, Trader sind, die schnell dabei sind, die Fronten zu wechseln, wenn der DAX sich unterhalb der Zone 12.660/12.745 Punkte festfahren sollte.

Chart vom 19.04.2018, Kurs 12.585,57 Punkte, Kürzel DAX

Als die US-Indizes am Montagabend das Gros ihrer vorherigen Gewinne zum Handelsende wieder abgaben, waren sich viele sicher, dass das auch die Versuche des DAX, sich Stück für Stück nach oben abzusetzen, beenden würde. Doch zum Handelsstart in Europa waren die US-Verkäufe des Montagabends über die US-Index-Futures bereits wieder aufgeholt. Die Aufwärtsbewegung konnte somit auch beim DAX weitergehen. Es reichte am Dienstag immerhin für ein Plus von 1,1 Prozent auf knapp 12.400 Punkte. Doch die Skepsis bleibt mit Händen greifbar. Und das Argument derer, die mit Blick auf einen neuen, nachhaltigen Aufwärtstrend des DAX abwinken, klingt im ersten Moment einleuchtend:

Die US-Politik bringt die US-Wirtschaft zusehends in Schwierigkeiten. Die Steigerung des auf Normalniveau dahin dümpelnden Wachstums bleibt bisher aus, dafür steigen die Risiken im internationalen Handel. Das wiederum bedeutet, dass die US-Aktienmärkte großes Risiko auf der Unterseite aufweisen, das, wenn aus dem reinen Risiko ein faktischer Abwärtsimpuls wird, den DAX unweigerlich mitreißen würde. Das klingt plausibel, immerhin ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass europäische Indizes markanten US-Vorgaben nahezu willenlos folgen. Aber diejenigen, die momentan vorsichtig beim deutschen Leitindex auf Einkaufstour gehen, halten ein durchaus taugliches Argument dagegen:

Wenn die USA sich selbst in den Abgrund bugsieren, indem man sich seitens der Handels- und der Außenpolitik zusehends isoliert, warum sollte das den europäischen Unternehmen nicht zum Vorteil gereichen? Die wirklich wachstumsträchtigen Märkte für die Exporteure sind Asien und Amerika außerhalb der USA. Und wenn die USA z.B. durch Strafzölle in China ausgebremst werden, würde das den Euro-Exporteuren nur nützen. Warum sollte Europa nicht der lachende Dritte sein? Zumal man beim DAX derzeit in Bezug auf das Kurs/Gewinn-Verhältnis eine bei Weitem günstigere Bewertung vorfindet als bei den US-Aktienindizes.

Auch das klingt plausibel. Aber solange offen bleibt, ob sich die Strafzoll-Streithähne gütlich einigen, bevor die höheren Zölle in Kraft treten, bleibt der DAX eine „Glaubensfrage“ und die Charttechnik das kurzfristig wichtigere Element. Und da sendet der Index auf Wochenbasis ebenso wie im Tageschart vor allem eine Botschaft: Die Chance ist da, aber die Wende nach oben ist noch nicht in Stein gemeißelt. Positiv ist, dass der DAX seit Anfang Februar zwei tiefer liegende Zwischentiefs ausgebildet hat und trotzdem umgehend wieder Kaufneigung auftrat. Und die Markttechnik generiert bullischen Rückenwind: Der Stochastik-Oszillator auf Wochenbasis hat aus der überverkauften Zone heraus ein Kaufsignal generiert, der MACD auf Tagesbasis ist seit der Rückeroberung der 20-Tage-Linie ebenfalls wieder bullisch. Aber:

Chart vom 10.04.2018, Kurs 12.397,32 Punkte, Kürzel DAX

Trotzdem sehen wir hier bis jetzt nur eine Gegenreaktion, wie sie der DAX auch Anfang März gezeigt hatte. Der Tageschart macht deutlich, dass sich der Index seit Oktober in zwei Handelsspannen teilen lässt, deren markanteste Trennlinie die aktuell bei 12.664 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie ist. Diesen mittelfristig bedeutsamen gleitenden Durchschnitt sowie die Widerstandslinien bei 12.678 und 12.745 Punkten müsste der deutsche Leitindex überwinden, dann wäre der Weg für die Bullen in die obere Handelsspanne frei. Bis dahin bleibt der Index ein „Wende-Kandidat auf Abruf“ und nur für risikofreudige Trader für einen Long-Trade geeignet.
Chart vom 10.04.2018, Kurs 12.397,32 Punkte, Kürzel DAX

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