Doch wann verfallen eigentlich DAX-Optionen, Eurex-Optionen oder US-Optionen – und vor allem zu welcher Uhrzeit? Haben Börsen unterschiedliche Verfallstage? Wie werden diese festgelegt und worauf sollten Anleger dabei achten? Das erfahren Sie in diesem Artikel.
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Inhalt
Was bedeutet der Verfallstag einer Option?
Der Verfallstag (manchmal auch Fälligkeitsdatum oder Verfallstermin genannt) einer Option ist der Zeitpunkt (Datum und Uhrzeit), zu dem ein Optionskontrakt seine Gültigkeit verliert. In der Regel – jedoch nicht immer (siehe z. B. VIX-Optionen weiter unten) – entspricht der Verfallstag auch dem letzten Handelstag dieser Option.
Bis zum Verfallstag einer Option stehen einem Anleger grundsätzlich folgende Möglichkeiten offen:
- Als Käufer der Option kann er sie ausüben, falls es sich um eine Option amerikanischer Art handelt. Handelt es sich um eine Option europäischer Art, kann die Ausübung nur am Verfallstag selbst erfolgen.
- Die Position schließen, um einen Gewinn oder einen Verlust zu realisieren.
- Die Position verfallen lassen.
Grundlagen der Verfallsdaten
Das letzte Handelsdatum ist nicht mit dem Verfallstag (Fälligkeitsdatum) zu verwechseln und bezeichnet den letzten Tag, an dem eine Option gekauft oder verkauft werden kann, bevor die Lieferung des Basiswerts (Underlying) oder der Barausgleich erfolgt. Ist die Option wertlos (sie ist aus dem Geld), muss sie nicht geschlossen werden: Sie verfällt automatisch.
Wie bereits erwähnt, entspricht der Verfallstag in der Regel dem letzten Handelsdatum. Eine Besonderheit findet sich beispielsweise beim Volatilitätsindex VIX. Indexoptionen auf den VIX weisen einen Verfallstag an jedem Mittwoch auf, wobei das letzte Handelsdatum am Dienstag davor liegt. Der dritte Mittwoch des Monats ist der monatliche Verfallstag, während die übrigen Mittwoche die wöchentlichen Verfallstage darstellen.
Für Aktienoptionen und die meisten Indexoptionen in den USA ist der letzte Handelstag identisch mit dem Verfallstag.
Indexoptionen wie Optionen auf den SPX (S&P 500 Index), den RUT (Russell 2000 Index), den NDX (Nasdaq 100 Index) und den VIX (Volatilitätsindex) sind europäischer Art und können während der Laufzeit nicht ausgeübt werden.
Daher muss bis zum letzten Handelsdatum entschieden werden, wie mit der Optionsposition verfahren werden soll.
Die meisten Optionen verfügen über eine automatische Ausübungsregelung. Das bedeutet, dass Optionen automatisch ausgeübt werden, wenn sie zum Zeitpunkt des Verfalls im Geld sind. Soll eine Ausübung vermieden werden, muss die Position bis zum letzten Handelstag glattgestellt oder gerollt werden.
In der Regel führt die Ausübung von Aktienoptionen zur physischen Lieferung der Aktien in das Depot, während die Ausübung von Indexoptionen zu einem Barausgleich führt.
Aus diesem Grund ist der Verfallstag für Optionshändler von besonderer Bedeutung. Der Faktor Zeit steht im Mittelpunkt der Preisbildung und der Mechanismen von Optionen. Mehr zum Thema Zeitwert erfahren Sie in unserem Artikel „Der Zeitwertverfall – Wie sich der Zeitwert von Optionen auswirkt“.
Monatliche Optionen
Die Verfallstage variieren je nach gehandeltem Basiswert. Der monatliche Verfallstag für börsennotierte Aktienoptionen in den USA ist in der Regel der dritte Freitag des Kontraktmonats. In Monaten, in denen dieser Freitag auf einen Feiertag fällt, liegt der Verfallstag am Donnerstag unmittelbar vor dem dritten Freitag.
Wöchentliche Optionen: Die sogenannten „weeklys“
Im Oktober 2005 führte in den USA die Chicago Board Options Exchange (CBOE), die größte US-Börse für den Handel mit Optionen, sogenannte „Weekly“-Optionen ein.
Für viele Aktien, ETFs und Indizes ist es seitdem möglich, Optionen mit einem Verfallstag an nahezu jedem Freitag im Monat zu handeln. Dadurch können Laufzeiten präziser gewählt und Positionen gezielter gesteuert werden.
Wöchentliche Optionen werden unter anderem genutzt, um auf größere Marktereignisse wie Quartalsergebnisse oder Fed-Ankündigungen zu reagieren.
Auch die Eurex bietet auf europäische und insbesondere deutsche Basiswerte Optionen mit Verfallstagen an jedem Freitag.
So können beispielsweise Optionen auf den DAX, den Euro Stoxx 50 oder den SMI (Blue-Chip-Index der SIX Swiss Exchange) sowie Optionen auf Aktien aus dem DAX und Optionen auf Aktien aus dem Euro Stoxx 50 mit wöchentlichen Verfallstagen an der Eurex gehandelt werden.
Die Handelszeiten der meisten wöchentlichen Optionen entsprechen denen der übrigen Optionen auf denselben Basiswert.
Vorsicht bei der Liquidität wöchentlicher Optionen
Die Möglichkeit, Optionen mit Verfallsdaten an mehreren Tagen im Monat zu handeln, kann zusätzliche Flexibilität bieten. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass diese Optionen ein ausreichend hohes Handelsvolumen aufweisen, um eine angemessene Liquidität sicherzustellen. Nur bei ausreichender Liquidität bleibt die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs beim Optionshandel in einem vergleichsweise engen Rahmen.
Bei manchen Aktien sind wöchentliche Optionen weniger liquide, sodass die Geld-Brief-Spanne entsprechend größer ausfallen kann und die Option dadurch weniger attraktiv für Optionshändler ist.
Tägliche Optionen
Bei großen Indizes wie dem S&P 500, dem Russell 2000 und dem Nasdaq 100 bietet die CBOE sogar Optionen mit Verfallstagen an jedem Wochentag an.
Kleine und große Verfallstage
Im Börsenjargon wird zwischen „kleinen“ und „großen“ Verfallstagen unterschieden. Die großen Verfallstage fallen auf den dritten Freitag des dritten Monats eines Quartals. Diese Freitage am Quartalsende sind auch unter dem Begriff „Hexensabbat-Termine“ bekannt.
Mit diesen Terminen ist häufig die Annahme verbunden, dass sich die Märkte an solchen Tagen besonders schwankungsreich entwickeln können. Für diese pauschale Aussage gibt es jedoch keine einheitlich belegte empirische Grundlage.
Die „kleinen“ Verfallstage fallen auf den dritten Freitag der übrigen Monate.
Monatliche Verfallstermine für Aktien- und ETF-Optionen (USA) für die Jahre 2026-2028
| 2026 | 2027 | 2028 |
|---|---|---|
| 16. Januar 2026 | 15. Januar 2027 | 21. Januar 2028 |
| 20. Februar 2026 | 19. Februar 2027 | 18. Februar 2028 |
| 20. März 2026 | 19. März 2027 | 17. März 2028 |
| 17. April 2026 | 16. April 2027 | 21. April 2028 |
| 15. Mai 2026 | 21. Mai 2027 | 19. Mai 2028 |
| 18. Juni 2026 (Donnerstag) | 18. Juni 2027 | 16. Juni 2028 |
| 17. Juli 2026 | 16. Juli 2027 | 21. Juli 2028 |
| 21. August 2026 | 20. August 2027 | 18. August 2028 |
| 18. September 2026 | 17. September 2027 | 15. September 2028 |
| 16. Oktober 2026 | 15. Oktober 2027 | 20. Oktober 2028 |
| 20. November 2026 | 19. November 2027 | 17. November 2028 |
| 18. Dezember 2026 | 17. Dezember 2027 | 15. Dezember 2028 |
Wie lange kann man Optionen handeln?
Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die Verfallstage von Eurex-Optionen und US-Optionen sowie den Handelsschluss am letzten Handelstag von Optionen.
| Deutsche Aktienoptionen | Deutsche Indexoptionen | US-Optionen | |
|---|---|---|---|
| Verfallstag | Der dritte Freitag des Monats. Für "weeklys": Jeden weiteren Freitag | Der dritte Freitag des Monats. Für "weeklys": Jeden weiteren Freitag | Standard: Der dritte Freitag des Monats. Für "weeklys": Jeden weiteren Freitag Ausnahmen: VIX jeden Mittwoch große US-Indizes jeden Tag |
| Handelsschluss am letzten Handelstag | 17:30 Uhr | ESTX50 12:00 Uhr DAX 13:00 Uhr | 22:00 Uhr (22:15 Uhr für Indexoptionen) |
Eurex Optionen: Verfall deutscher Aktienoptionen
Deutsche Aktienoptionen können bis zum Verfallstag um 17:30 Uhr gehandelt werden. Ist eine Long-Aktienoption mit 0,01 Euro oder mehr im Geld, wird diese in der Regel automatisch ausgeübt.
Eurex Optionen: Verfall deutscher Indexoptionen
Die Handelszeit von Indexoptionen auf den DAX endet um 13:00 Uhr. Optionen auf den Euro Stoxx 50 werden hingegen nur bis 12:00 Uhr gehandelt. Die Schlussabrechnung erfolgt jedoch nicht auf Basis des zuletzt gehandelten Preises, sondern wird anhand der durchschnittlichen Indexstände der letzten zehn Handelsminuten ermittelt. Dieser Mittelwert wird berechnet, indem der Indexstand minütlich erfasst wird.
Optionsverfall: US-Optionen
US-amerikanische Aktienoptionen können am Verfallstag in der Regel bis 22:00 Uhr deutscher Zeit gehandelt werden; danach endet der reguläre Handel und die Optionen verfallen. US-amerikanische Indexoptionen können in der Regel bis 22:15 Uhr deutscher Zeit am Verfallstag gehandelt werden.
Fazit Verfallstermine Optionen: Große Auswahl bei wachsender Komplexität
In den letzten Jahren hat sich das Angebot an Optionen sowohl auf den amerikanischen als auch auf den europäischen Märkten deutlich erweitert. Durch die größere Vielfalt an Verfallsterminen besteht inzwischen eine breite Auswahl: Es können kurzfristigere Optionsstrategien umgesetzt und Optionspositionen gezielter rund um besondere Ereignisse gehandelt werden.
Diese Vielfalt birgt jedoch auch die Gefahr, den Überblick zu verlieren. Je nach Basiswert unterscheiden sich die Handelszeiten teilweise erheblich. Das Ergebnis nach dem Verfall ist – abhängig davon, ob die Option im Geld oder aus dem Geld ist – entweder die Lieferung von Aktien, ein Barausgleich oder der wertlose Verfall.
Es empfiehlt sich daher, sich im Vorfeld genau zu informieren, was am Verfallstag mit einer Option passieren kann und bis zu welchem Zeitpunkt ein Kauf oder Verkauf noch möglich ist.
