US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichten zu Wochenbeginn die als kritisch angesehene Marke von fünf Prozent Rendite – der höchste Stand seit 2007. Heute entscheidet die US-Notenbank über den Leitzins … könnte diese Rendite danach noch höher laufen?
Im Jahr 2007 war die Rendite letztmals höher. Damals erreichte sie im Hoch 5,23 Prozent, aber damals lag auch die Fed Funds Rate, der Leitzins der US-Notenbank, bei 5,25 Prozent. Aktuell, vor der heutigen Entscheidung der US-Notenbank „Fed“, liegt er bei 3,75 Prozent.
Zwar rechnet man am Anleihemarkt tendenziell mit einer Anhebung um 0,25 Prozent und wäre auf die Andeutung einer weiteren Erhöhung in dieser Größenordnung gefasst. Aber damit wäre die Differenz zu den Anleiherenditen ja trotzdem so groß, dass man sich sagen könnte:
Die Renditen am Anleihemarkt sind jetzt derart weit gestiegen und die Kurse dieser US-T-Bonds mit zehn Jahren Laufzeit (siehe Chart) entsprechend drastisch gefallen, dass man auch im Fall einer Zinsanhebung nicht viel falsch machen könnte, wenn man da die Hand aufhält und damit auf wieder sinkende Renditen respektive steigende Kurse setzt. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht.

Expertenmeinung: Denn dass wir hier eine so große Differenz zwischen Leitzinsen und Anleihemarktrenditen sehen, ist kein von niemandem bislang bemerkter Zufall. Die Anleihekurse folgen den Leitzinsen ja keineswegs sklavisch, weil es auch andere Einflussfaktoren gibt, denen sie unterliegen … das sind in erster Linie natürlich Angebot und Nachfrage.
Und es ist kaum zu übersehen, dass die Nachfrage nach diesen US-T-Bonds seit Anfang März zu klein ist, um diesen für Anleihekurse sehr umfassenden Abstieg zu stoppen. Und das hat Gründe, die außerhalb des Einflusskreises der US-Notenbank liegen.
Zum einen sind die steigenden Energiepreise ein erheblicher Inflationstreiber, der mit höheren Leitzinsen aber nicht zu stoppen wäre, was auch hieße: Es müsste nicht bei einer oder zwei Zinsanhebungen bleiben, falls die Inflationsrate nicht herunterkommt.
Aber vor allem registriert man eine zunehmende Skepsis internationaler Investoren gegenüber den US-Anleihen, die früher als absolut sicher galten. So meldete das Manager Magazin unter Berufung auf die „Financial Times“ am Dienstag, dass ausländische Anleger erstmals in diesem Jahrhundert deutlich mehr US-Aktien als US-Anleihen kaufen.
Das Vertrauen in die Sicherheit der US-T-Bonds schwindet mit den Beliebtheitswerten des US-Präsidenten und mit dem ungebremsten Anstieg der Staatsverschuldung. Keines von beidem könnte die US-Notenbank beeinflussen, daher:
Es ist durchaus möglich, dass die Kurse der zehnjährigen US-Staatsanleihen, deren Future wir im Chart sehen, heute im Anschluss an eine Zinsmaßnahme zulegen. Aber das wäre in diesem Umfeld zunächst einmal nur „Buying on bad News“ und nichts, was die Gründe für die Baisse dieser Anleihekurse vom Tisch bringen würde. Der heutige Showdown in Sachen Leitzinsen wird zwar von den Investoren weltweit mit Spannung erwartet. Aber zu einem „Game Changer“ dürfte er sich daher wohl nicht entwickeln.
Erst wenn diese zehnjährigen T-Bonds die den Abwärtstrend führenden 50-Tage- und 100-Tage-Linien überwinden würden, könnte man hier, zumindest auf charttechnischer Ebene, von einer Aufwärtswende sprechen. Aber das wäre, der Chart zeigt das deutlich, ein eher weiter und vermutlich auch steiniger Weg.
Quellenangaben:
Meldung über das Kaufverhalten ausländischer Anleger bei US-Aktien und US-Anleihen, 15.09.2026:
https://www.manager-magazin.de/finanzen/geldanlage/anleihen-ausverkauf-setzt-immobilienkaeufer-in-usa-und-deutschland-unter-druck-a-bb9e51bb-63d0-4ca6-be02-164dda3194c3
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 15.09.2026 um 22:04 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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