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US-T-Bonds (10 Jahre) Aktie Prognose US T-Bonds 10y: Am US-Bondmarkt wartet man auf Fakten

News: Aktuelle Analyse der US-T-Bonds (10 Jahre) Aktie

von

04.12.2025 | 08:50 Uhr
In diesem Artikel
US-T-Bonds (10 Jahre)
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Ticker: ZN
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Währung: USD
Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Während man am US-Aktienmarkt längst eine Leitzinssenkung der „Fed“ in der kommenden Woche eingepreist hat, ist man am US-Anleihemarkt vorsichtiger. Das Chartbild bietet zwar die Chance auf einen Ausbruch. Aber es scheint, dass man lieber auf klare Fakten wartet.

Die US-Einkaufsmanager sind dieser Tage nicht gerade optimistisch. Die gestern veröffentlichten ADP-Arbeitsmarktdaten könnten mit ihrem geschätzten Stellenabbau von 32.000 US-Jobs im November ein böses Omen für die morgen (vermutlich) anstehenden offiziellen Daten sein. Und immer mehr US-Notenbanker tendieren zu einer Zinssenkung in der kommenden Woche. Es wäre die dritte Senkung um 0,25 Prozent in Folge nach der relativ langen Pause zuvor.

Da sich die Zinsrenditen am US-Anleihemarkt, vor allem die der US-Staatsanleihen (Treasury Bonds oder kurz T-Bonds), an den Leitzinsen orientieren und fallende Renditen steigende Anleihekurse bedeuten, könnte man denken, dass diese US T-Bonds, hier gezeigt mit der Laufzeit von zehn Jahren, im Bereich neuer Jahreshochs notieren. Schließlich hat der US-Aktienmarkt diese vermutete Reaktion der „Fed“ (Kurzform von Federal Reserve Bank) auch schon eingepreist und sieht sie als Allheilmittel gegen wankendes Wachstum.

Was aber bedeutet, dass man bei den US-Aktien feiert, dass die Feuerwehr vermutlich kommt, aber im Vorfeld keine Träne in Form von Verkäufen wegen des Feuers vergossen hat, das sich mit Blick auf verdächtig schwache Arbeitsmarktdaten unter dem Teppich allgemeinen Optimismus ausbreitet. Das ist ein wenig blauäugig. Und genau das sind die mehrheitlich weitaus erfahreneren Akteure am Anleihemarkt nicht.

Expertenmeinung: Hier pflegt man das Fell der Bären selten zu verkaufen, bevor man sie erlegt hat. Und das führt in der aktuellen Situation dazu, dass die Kurse der zehnjährigen T-Bonds noch nicht im Bereich neuer Jahreshochs notieren. Man hat noch nicht einmal das bisherige Jahreshoch erreicht, das im Zuge panischer Bond-Käufe während des Trump’schen Zoll-Crashs im April bei 113 30/32 US-Dollar markiert wurde (am US-Bondmarkt rechnet man stur aus Tradition noch mit Brüchen nach dem Komma). Was auch aussagt, dass die vorherigen zwei Senkungen um jeweils ein Viertelprozent beim Leitzins eher als eine Art „Angleichung“ an die Realität angesehen wurden und nicht als offensiver Schritt der „Fed“ in Richtung wirklich niedriger Zinsen.

Hinzu kommt, dass man hier, bei den Bond-Tradern, weiß, dass zwar mehrere Mitglieder des FOMC (des Federal Open Market Committee, das über Zinsschritte entscheidet) eine Senkung im Dezember befürworten, aber nicht alle. Und da sich mehrere Ratsmitglieder bedeckt halten, ist nicht sicher, ob eine erneute Senkung überhaupt eine Mehrheit finden würde.

US T-Bonds 10y: Chart vom 03.12.2025, Kurs 113 02/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
US T-Bonds 10y: Chart vom 03.12.2025, Kurs 113 02/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS

Also bleibt man zwar sprungbereit, in der Nähe der Widerstandszone 113 26/32 bis 113 30/32 US-Dollar und zugleich in einem mittelfristigen, seit Jahresbeginn laufenden Aufwärtstrend. Aber gerade der Zeitpunkt, an dem dieser Trend sich etablierte, sollte klar machen, dass die Denk- und Handlungsweise am US-Aktienmarkt und bei den Anleihen oft ziemlich verschieden ist. Denn damals, im Januar, lagen die Zinsrenditen hoch und die Kurse niedrig, weil man fürchtete, dass die neue Wirtschaftspolitik der Wieder-Präsidenten für Probleme und vor allem dafür sorgen werde, dass die Inflation nicht – wie ansonsten zu erwarten gewesen wäre – ans Notenbankziel von zwei Prozent zurückkehrt. Und da ist sie auch jetzt noch nicht, daher wäre es für besonders bullische Akteure am Aktienmarkt durchaus ratsam, sich durch regelmäßige Seitenblicke auf die weit vorsichtiger vorgehenden Bond-Trader das Mütchen kühlen zu lassen.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 03.12.2025 um 21:56 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Vorherige Analysen der US-T-Bonds (10 Jahre) Aktie

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Nachdem die US-Erzeugerpreise im Juli stark anzogen, war man im Vorfeld der August-Daten nervös, denn erneut zu hohe Preissteigerungen hätten die Hoffnung auf sinkende Leitzinsen untergraben. Aber es kam anders – die Tür für die US-Bonds nach oben bleibt offen.

Ein Anstieg von 0,9 Prozent bei den Erzeugerpreisen im Juli … dieser von den Experten so nicht vorhergesehene Preissprung ließ fürchten, dass die Folgen der US-Zollpolitik nun doch bei den Unternehmen angekommen sind und steigende Verbraucherpreise eine unausweichliche Folge sein werden. Für den August hatten die Volkswirte einen Anstieg dieser Erzeugerpreise um 0,3 Prozent geschätzt, aber unter der Hand dürfte mancher Akteur am US-Anleihemarkt auch höhere Werte erwartet haben. Und dann die Überraschung: Für den August wurden keine steigenden, sondern fallende Preise gemeldet!

Die Erzeugerpreise fielen im August gegenüber Juli in der Gesamt- ebenso wie in der Kernrate (die Nahrungsmittel- und Energiepreise herausrechnet) um 0,1 Prozent. Und nicht nur das, zugleich wurde der Anstieg der Juli-Preise von bislang 0,9 auf 0,7 Prozent nach unten korrigiert. Alles scheinbar also halb so wild … und vor allem: Damit fällt das Damoklesschwert, das über der Wiederaufnahme der Leitzinssenkungen durch die US-Notenbank hing, weg. Es sei denn, die heute anstehenden US-Verbraucherpreise würden das Bild wieder kippen, indem die Steigerungsrate zum Vormonat deutlich über den im Schnitt prognostizierten +0,3 Prozent liegen sollten. Entsprechend wurde auf die gestrigen Erzeugerpreise zwar positiv reagiert, aber mit der gebotenen Vorsicht:

Expertenmeinung: Wir sehen im Kursbild der US-Staatsanleihen (Treasury Bonds oder kurz T-Bonds) mit zehn Jahren Laufzeit, dass die T-Bonds gestern leichte Gewinne auswiesen, vorerst aber noch in der engen Spanne blieben, die sich nach dem Kurssprung als Reaktion auf die erneut schwachen US-Arbeitsmarktdaten letzten Freitag ergab. Dieser Impuls, mit dem man der wegen des wackligen Arbeitsmarkts gestiegenen Chance auf eine Leitzinssenkung in der nächsten US-Notenbanksitzung (kommenden Mittwoch) Rechnung trug, wurde also bislang nur zementiert, aber noch nicht ausgebaut.

US Treasury Bonds Laufzeit 10 Jahre: Tageschart vom 10.09.2025, Kurs 113 19/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
US Treasury Bonds Laufzeit 10 Jahre: Tageschart vom 10.09.2025, Kurs 113 19/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS

Das könnte nachgeholt werden, wenn die US-Verbraucherpreisdaten heute weniger als die erwarteten 0,3 Prozent zulegen. Zwar würde die Jahresrate der Teuerung dann trotzdem noch über dem angestrebten Zielbereich um zwei Prozent liegen. Aber der wankende US-Arbeitsmarkt wäre dann Argument genug, um nicht Trumps Forderungen nachzugeben, sondern wirklich ein konjunkturelles Argument zu haben, um den Leitzins jetzt – und ggf. auch noch ein bis zweimal im weiteren Verlauf des Jahres – zu senken.

Die gestern abgehaltene Auktion neuer, zehnjähriger US-Staatsanleihen reflektierte bereits, dass viele am Markt ein Szenario sinkender Zinsen sehen und vorwegzunehmen bereit sind: Diese „Neuen“ wurden zu einer Rendite von im Schnitt 4,03 Prozent verkauft, die vorherige Auktion hatte, bei zugleich geringerer Nachfrage, eine Rendite von 4,25 Prozent gesehen, sprich: Man war bereit, höhere Preise zu zahlen und damit eine niedrigere Rendite zu akzeptieren, die Nachfrage gab das her.

Damit besteht heute die Chance, aus bullischer Sicht Nägel mit Köpfen zu machen und die wichtige Charthürde bei 114 US-Dollar zu überwinden (das Hoch des Monats April). Dann wäre der Weg aus charttechnischer Sicht an die obere Begrenzung der die zehnjährigen T-Bonds seit zwei Jahren in einer Seitwärtsbewegung haltenden Handelsspanne bei 116 US-Dollar frei. Die US-Verbraucherpreisdaten kommen um 14:30 Uhr unserer Zeit – es dürfte spannend werden!

US Treasury Bonds Laufzeit 10 Jahre: Wochenchart vom 10.09.2025, Kurs 113 19/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
US Treasury Bonds Laufzeit 10 Jahre: Wochenchart vom 10.09.2025, Kurs 113 19/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der Dow Jones erreichte neue Rekorde, weil man am Aktienmarkt offenbar sicher ist, dass „Fed“-Chef Powell am Freitag baldige Leitzinssenkungen avisiert hat. Am US-Anleihemarkt mag man dem vielleicht zustimmen … beurteilt die Relevanz einer solchen Aktion aber anders.

Tatsächlich hat Jerome Powell in seiner Rede im Rahmen des jährlichen Notenbankertreffens in Jackson Hole nicht klar gesagt, dass er dafür sei, die US-Leitzinsen in der nächsten Sitzung im September zu senken. Es gab nur einen Hauch einer Tendenz dahingehend, dass er die Risiken eines sich deutlicher als bislang gedacht abschwächenden Arbeitsmarkts etwas höher wertet als das Risiko einer durch Zölle wiederbelebten Inflation.

Powell sagte, dass das Basis-Szenario der Notenbanker, die Entwicklung also, die man derzeit für die wahrscheinlichste hält, eine nur vorübergehende, preistreibende Wirkung der Einfuhrzölle ausweist. Das Problem dabei ist aber, dass man das eigentlich nicht ernsthaft vorher abschätzen kann. 2022 waren „Fed“ und EZB unisono davon ausgegangen, dass die steigenden Preise als Reaktion auf die Logistik- und Produktionsengpässe nach den Corona-Lockdowns nur vorübergehend seien und von alleine verschwinden. Und man lag damit dramatisch daneben. Und was heißt überhaupt „vorübergehend“?

Expertenmeinung: Da man die Inflation zum Vormonat und zum Vorjahresmonat misst, würde, als reines Beispiel, eine Verteuerung der Verbraucherpreise um fünf oder zehn Prozent bis zum Jahresende dann am Ende nächsten Jahres nicht mehr auftauchen. Denn auch wenn die US-Verbraucherpreise zwar dann im Dezember um zehn Prozent höher lägen als im Dezember 2024, wäre, wenn nach diesem Sprung nichts weiter passiert, die Inflationsrate im Dezember 2026 dann wieder niedrig, weil dieser Preissprung über ein Jahr zurückliegt und dadurch aus der Statistik geflogen wäre. Nur: De facto wären die Preise eben immer noch viel höher als vor dem Zoll-Theater und drücken ebenso de facto auf die Geldbeutel der US-Bürger. Diese Form von „vorübergehend“ wäre also keine gute.

Aber eigentlich könnte die US-Notenbank in solchen Situationen durch Veränderungen beim Leitzins sowieso nicht viel ausrichten. Ob der Leitzins einen halben oder ganzen Prozentpunkt höher oder tiefer steht, ist für Unternehmen, die investieren müssen oder wollen, ebenso wie für die Verbraucher das kleinere Problem. Nicht die Zinsen, sondern die Zölle würden die Preise hochtreiben. Und sinkende Leitzinsen bekommen die Preise ja nicht mehr herunter.

Für viele am Aktienmarkt sind Zinssenkungen automatisch bullisch, aber am Anleihemarkt findet man einen drastisch höheren Anteil fachkundiger, versierter Investoren. Und die nur moderate Kurssteigerung bei den US-Staatsanleihen (T-Bonds) mit zehn Jahren Laufzeit am Freitag lässt vermuten, dass man dort drei Schlussfolgerungen gezogen hat:

Erstens ist eine vorsichtige Tendenz hin zu einer Zinssenkung im September noch keine klare Ansage. Zweitens würde ein Leitzins, der von der aktuellen Range von 4,25 zu 4,50 Prozent um einen halben oder sogar in zwei Senkungen um einen ganzen Prozentpunkt sinkt, für die Konjunktur kein „Game Changer“ sein. Und drittens würde eine solche Maßnahme die Gefahr nicht bannen, dass ein schwächerer Arbeitsmarkt und ein mageres Wachstum sich gegenseitig hochschaukeln, während die Preise durch den externen, nicht durch Leitzinsen beeinflussbaren Aspekt der Zölle steigen. Das scheinbar eindeutig bullische Signal, das der Dow Jones am Freitag ablieferte, fand daher hier, bei den T-Bonds, keine Entsprechung. Sie sehen in diesem Chart auf Wochenbasis:

US T-Bonds 10 Jahre: Chart vom 22.08.2025, Kurs 112 3/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
US T-Bonds 10 Jahre: Chart vom 22.08.2025, Kurs 112 3/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS

Der Kurs dieser „Zehnjährigen“ bewegt sich weiterhin in einer Dreiecksformation. Es kam am Freitag zwar zu Kursgewinnen, aber nicht so stark, dass die Renditen der T-Bonds nennenswert gefallen wären. Von einem umgehenden Einpreisen einer Zinssenkung kann da keine Rede sein.

Erst, wenn dieses Dreieck mit Schlusskursen über 113 US-Dollar oder unter 110 16/32 US-Dollar klar verlassen wurde, ließe sich unterstellen, dass die erfahrenen Bond-Trader sich für eine Richtung entschieden haben. Die Käufe am Aktienmarkt, die hier eigentlich eine Entsprechung durch einen kräftigen Anstieg der T-Bond-Kurse sehen müssten, laufen also bislang ohne den Geleitschutz des US-Anleihemarkts ab … nicht ganz ungefährlich.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
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Es gibt momentan sehr gute Argumente dafür, dass die Renditen der US-Staatsanleihen mittelfristig deutlich steigen, die Kurse der US-Anleihen also fallen. Es gibt aber zugleich ebenso gute Argumente für das genaue Gegenteil. Eine hochspannende Situation.

Vor zwei Wochen hatte die Rendite der US-Staatsanleihen (Treasury Bonds oder kurz T-Bonds) 4,6 Prozent erreicht. Steigende Renditen bedeuten fallende Anleihekurse, sprich: Da floss Geld ab aus den US T-Bonds. Weil vor allem internationale Investoren die neue US-Wirtschaftspolitik als hoch problematisch ansehen. Man ging raus aus dem US-Dollar, raus aus US-Anleihen. Am Aktienmarkt blieb man gierig, aber da ist der Grad der Spekulation einerseits und der des mangelnden Fachwissens andererseits auch höher als am Bondmarkt.

4,6 Prozent, das ist teuer. Teuer für die Regierung, denn die reinfinanziert sich ja über solche Anleihen, leiht sich Geld bei den Investoren. Und bei zehn Jahren Laufzeit macht es schon allerhand aus, ob man dafür dann jahrelang zwei, drei oder eben 4,6 Prozent Zinsen zahlen muss. Doch jetzt scheint es, dass es Entwarnung gibt: Die Renditen fallen wieder. Indes, auch das ist nicht unbedingt ein erfreuliches Signal.

Denn sie fallen, weil die Konjunkturdaten schlechter werden. Die vorab der morgen anstehenden, offiziellen Arbeitsmarkdaten gestern von ADP vorgelegte Berechnung neuer US-Arbeitsplätze fiel extrem schwach aus. Der Einkaufsmanagerindex der Dienstleister ebenso, der für das verarbeitende Gewerbe am Vortag nicht minder. Die Konjunktur wackelt. Das wiederum führt auch deswegen zu Käufen bei Anleihen, weil man hofft, dass dann wenigstens die US-Notenbank bei ihrer nächsten, in zwei Wochen anstehenden Sitzung den Leitzins senken wird. Aber das Problem wäre:

Sie täte es nicht, weil das Umfeld tadellos passt, sondern vorsorglich, um zu hohen Druck auf die US-Wirtschaft zu lindern. Aber wie weit könnten die Zinsen denn sinken?

Expertenmeinung: Das ist eben ein Problem, denn die US-Regierung hat ihre Wirtschaftsagenda ja bislang keinen Schritt breit verändert. In Bezug auf eine Einigung im Zollstreit darf man skeptisch sein. Dass Donald Trump am Dienstagabend sagte, es sei schwierig, mit China zu einer Einigung zu kommen, klingt gar nicht gut, das riecht nach Inflation und das wiederum nach eher hoch bleibenden Leit- und Anleihemarkt-Zinsen.

Und das derzeit im Senat festhängende Trump’sche Steuergesetz auch nicht, denn kaum jemand außerhalb der US-Regierung hegt Zweifel daran, dass das nicht nur die soziale Schere noch mehr ausweiten wird, sondern auch die Staatsverschuldung. Was mittelfristig hieße: Mehr Refinanzierungsbedarf und, als Lockmittel, um das Geld auch wirklich von den Investoren zu bekommen: noch höhere Zinsen.

Pro und Kontra im steten Wechsel … genauso sieht das Chartbild der zehnjährigen US T-Bonds auch aus. Aber ob bullische oder bärische Argumentation, es geht hier nicht um „Peanuts“. Es ist sehr gut möglich, dass neue Entwicklungen in Bezug auf Zölle, Zinsen oder Steuern den unter Druck stehenden Kessel hochjagen und zu einem starken Trendimpuls führen. Richtung? Offen. Zeitpunkt? Dito. Was tun?

Es bietet sich an, die derzeit relevanten Ränder der Handelsspanne im Auge zu behalten. Wird diese in Bezug auf den Kurs dieser zehnjährigen US T-Bonds zwischen 107 10/32 und 114 US-Dollar liegende Range eindeutig verlassen, können die Anleihekurse schnell und weit in Ausbruchsrichtung weiterlaufen. Und das könnte, bei eine Nachrichtenlage wie dieser, jederzeit passieren!

US T-Bond Future 10y: Chart vom 04.06.2025, Kurs 111 6/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
US T-Bond Future 10y: Chart vom 04.06.2025, Kurs 111 6/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Bärisch
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Gestern zog die Rendite für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit auffällig um 11 Basispunkte auf knapp 4,6 Prozent an, die Kurse fielen entsprechend. Sie fielen an eine charttechnisch hoch brisante Supportlinie – und die könnte durchaus brechen. Ein Alarmsignal.

Dass die Verkäufe bei den US-Anleihen in dem Moment einsetzten, als gemeldet wurde, dass die US-Regierung das Geschenk Katars in Form eines Luxus-Jets offiziell angenommen habe, war sehr wahrscheinlich ein Zufall. Und dürfte trotzdem mit der Sache zusammenhängen, wenngleich indirekt.

Der unmittelbare Auslöser für diese Verkäufe, welche die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen (Treasury Bonds oder kurz T-Bonds) nach oben und den Kurs nach unten trieben und die am Aktienmarkt einen auffallend deutlich negativen Widerhall sahen, lag in der Auktion neuer US-Staatsanleihen, die um 19 Uhr über die Bühne ging. Es wurden für 16 Milliarden US-Dollar T-Bonds mit 20 Jahren Laufzeit angeboten … und das lief schlecht:

Die Rendite kam bei 5,05 Prozent heraus, weit über den 4,81 Prozent der vorherigen Auktion für „Zwanzigjährige“ Mitte April. Dieser drastische Anstieg kam unerwartet, die Emissions-Rendite für diese Laufzeit lag zuletzt im Oktober 2023 höher. Eine unerwartet hohe Rendite basiert auf einem schwachen Kurs, der erzielt wurde, d.h. die Nachfrage war schlecht. Und das ist etwas, das zum einen ein Licht auf die Sicht internationaler Investoren auf die Entwicklung in den USA wirft und andererseits die US-Regierung in Schwierigkeiten bringt.

Expertenmeinung: Die Verschuldung der USA wird vorerst weiter steigen, selbst wenn Trumps Kabinett an neuralgischen Stellen mit dem Rotstift herumkitzelt und man dort glaubt, Zölle könnten den Kapitalbedarf auffangen. Aber je höher die Renditen am Anleihemarkt steigen, desto höher wird die Zinslast, die der Staat für seine Kapitalbeschaffung zu zahlen hat. 4,5 Prozent bei den T-Bonds mit zehn Jahren Laufzeit gilt da als Schmerzgrenze. Gestern schlossen diese „Zehnjährigen“ aber bei 4,599 Prozent. Kurz vor Trumps Amtsübernahme wurde das bisherige Jahreshoch bei 4,89 Prozent markiert, im Oktober 2023 wurden mal für einen kurzen Moment 5,00 Prozent erreicht. Noch höhere Levels gab es zuletzt 2007.

US Treasury Bonds 10y Future: Chart vom 21.05.2025, Kurs 109 16/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
US Treasury Bonds 10y Future: Chart vom 21.05.2025, Kurs 109 16/32 US-Dollar, Kürzel: ZN | Quelle: TWS

Wenn die Nachfrage nach US T-Bonds so schlecht ist, reflektiert das das Misstrauen der Investoren gegenüber dem derzeitigen Kurs. Das Hin und Her um die Finanzierung und die Steuersenkungen kommt nicht gut an. Und auch, wenn es eigentlich eine Nebensache ist: Dass Donald Trump sich hat von Katar beschenken lassen, nachdem er Jahre zuvor die damaligen Regierungen scharf dafür kritisierte, dass sie zu Ländern wie diesen überhaupt Geschäftsbeziehungen unterhalten, ist ein Symbol dafür, dass die Leute am Steuerruder dieser Wirtschaftsmacht einen problematischen Kurs fahren.

So sieht es so aus, als müsste die US-Regierung zukünftig sukzessiv höhere Zinskupons anbieten, um ihre Anleihen loszuwerden und sich so weiter refinanzieren zu können. Und das ist mittel- und langfristig ein großes Problem, denn die US-Staatsschulden steigen ohnehin rasant.

Es wäre nicht unbedingt überraschend, wenn auch andere Anleihe-Auktionen für T-Bonds schlecht laufen und die wichtige Zehn-Jahre-Laufzeit dadurch das bisherige Jahreshoch anpeilt. Ein „Trigger“ dafür wäre ausgelöst, wenn die 10-jährigen T-Bonds die jetzt nahe gekommene Supportlinie bei 109 8/32 US-Dollar durchbrechen und damit der Weg an das bisherige Jahres-Verlaufstief frei würde, das im Januar bei 107 8/32 US-Dollar entstand. Das wäre ein markant bärisches Signal, das dann auch am Aktienmarkt seine Wirkung entfalten dürfte. Denn auch, wenn man dort meist weit weniger eng entlang der Rahmenbedingungen agiert: Deutlich steigende Zinsen würden da nicht übersehen!

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.