Als die Rendite der US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit 4,75 Prozent erreichte, gingen viele Augenbrauen nach oben. Bei 5,0 Prozent begann dann das große Stirnrunzeln. Gestern erreichte die Rendite dieser T-Bonds im Hoch 5,29 Prozent. Da brennt was an!
Alleine seit Ende August ist die Rendite der US Treasury Bonds (kurz T-Bonds), d. h. der US-Staatsanleihen, mit einer Laufzeit von zehn Jahren um über 0,6 Prozent gestiegen. Entsprechend drastisch ging es mit den Kursen dieser Anleihen abwärts. Für Marktteilnehmer, die solche Bonds im Depot haben, bedeutet das Kursverluste, die man nur umgehen könnte, wenn man diese Anleihen bis zum Ende ihrer Laufzeit hält. Verluste realisieren oder Kapital womöglich länger binden als gedacht … eine unerfreuliche Wahl. Aber der volkswirtschaftliche Aspekt wiegt noch deutlich schwerer.

Denn das bedeutet für die US-Regierung, dass der ohnehin stetig anwachsende Schuldenberg immer teurer wird, weil man, um seine Anleihen an den Anleger zu bringen, eben immer höhere Zinsen zahlen muss … und das auf Jahre hinaus. Die Rendite der zehnjährigen US T-Bonds überbot am Dienstag knapp die Hochs des Jahres 2007 und liegt damit so hoch wie seit 2002 nicht mehr. Auch bei der langen Laufzeit über 30 Jahre, die gestern auf knapp über 5,6 Prozent anzog, hat man seit einem Vierteljahrhundert keine höheren Renditen mehr gesehen. Das ist ein Warnsignal, auch für den Aktienmarkt. Zumal sich dort eine der Ursachen dieser Entwicklung finden lässt. Was hat diesen massiven Abverkauf am US-Anleihemarkt ausgelöst?
Expertenmeinung: Dass die US-Notenbank den Leitzins anhob und man damit rechnet, dass ein weiterer Schritt womöglich sogar noch knapp vor den Anfang November anstehenden Zwischenwahlen erfolgt (die nächste US-Notenbanksitzung findet am 27./28.10. statt), ist nur ein Puzzleteilchen in diesem Szenario … und eher nicht das wichtigste.
Deutlich schwerer wiegt, dass es zu einem immens gestiegenen Angebot an Anleihen gekommen ist. Nicht nur die US-Regierung will immer mehr Geld von den Investoren, um sich zu refinanzieren, sondern auch der KI-Boom basiert großteils auf „aufgenommenem“ Geld. Und dort werden oft höhere Renditen geboten, sodass wir hier eine Art Wettrennen um das Geld der Investoren erleben. Wobei hinzukommen dürfte, dass das Vertrauen in die Sicherheit von in US-Bonds angelegtem Kapital, das jahrzehntelang unerschütterlich schien, derzeit erodiert.
Das Warnsignal, das die US T-Bonds an den Aktienmarkt übermitteln, lautet daher: Dieser gigantische Kapitalbedarf, der kurzfristig dazu führt, dass die USA durch die Effekte der KI-Expansion noch ein einigermaßen taugliches Wirtschaftswachstum generieren können, kann der Gesamtwirtschaft mittelfristig schwer auf die Füße fallen, weil die ohnehin von Zeitpunkt und Größe her offenen Gewinne mit KI durch die immer teurer werdenden Kredite deutlich verringert werden könnten. Wobei auch das Thema von Zahlungsausfällen mit ins Spiel kommen könnte.
Für den Moment versucht man das insbesondere im Bereich des Nasdaq 100 zu ignorieren. Aber das muss nicht so bleiben, denn was wir bei den T-Bonds derzeit sehen, ist eine Verkaufslawine mit Relevanz für so manches Zugpferd dieses technologielastigen Index. Und Lawinen lassen sich erfahrungsgemäß nicht so einfach aufhalten … schon gar nicht durch Wegsehen.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.09.2026 um 21:16 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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