US-T-Bonds (10 Jahre) aktuell US T-Bonds (10 y): Trendwende? Eher nicht!

News: Aktuelle Analyse des US-T-Bonds (10 Jahre) Futures

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Vor drei Wochen hatte die Rendite der US-Staatsanleihen (Treasury Bonds oder kurz T-Bonds) mit zehn Jahren Laufzeit mit 0,51 Prozent noch ein Rekordtief markiert, das hauchdünn unter dem Renditetief vom März lag. Damals kauften die Marktteilnehmer Anleihen in blanker Panik. Diesmal, bei zugleich immer höher steigenden US-Aktienindizes, weitaus bewusster. War es der Test dieses März-Tiefs der Rendite der US T-Bonds, das im US T-Bond-Future bedeutete, dass das Kurs-Hoch getestet wurde (je tiefer die Rendite, desto höher steigt der Kurs der umlaufenden Anleihen, die hier über den Future nachgebildet werden), der dazu führte, dass jetzt Verkäufe einsetzen? Ist damit die Long-Seite im Future ausgereizt, der Weg für fallende Kurse und somit für wieder höhere Anleiherenditen frei?

Es ist fraglich. Diese Abgaben, die die Rendite der dem Future zugrundeliegenden US T-Bonds mit zehn Jahren Laufzeit am Donnerstag bis 0,75 Prozent nach oben trug, wirken eher wie Gewinnmitnahmen, weniger wie eine echte Trendwende. Denn das, was die US-Notenbank in Person von Jerome Powell am Donnerstag verkündete, deutet nicht nur an, dass die US-Leitzinsen lange Zeit bei null bleiben werden. Diese Aushöhlung der Inflations-Zielzone würde auch negative Leitzinsen denkbar machen, somit noch niedrigere Renditen bei den US-Anleihen. Und vor allem würde die US-Notenbank eine solche Maßnahme nicht vornehmen, wenn sie nicht fürchten würde, dass es nötig werden könnte, die Zinspolitik von solchen zuvor ehernen Regeln zu lösen.

Expertenmeinung: Es gäbe also keine Argumente, ausgerechnet jetzt auf eine nachhaltige Wende der Zinsen nach oben und damit auf einen größeren Abstieg des T-Bond-Futures zu setzen, im Gegenteil. Wahrscheinlicher ist, dass dieser Anstieg der Renditen das Ergebnis von zwei Faktoren ist. Zum einen, dass Anfang des Monats der Versuch, das bisherige Kurshoch zu überwinden (i.e. das Renditetief von 0,52 Prozent zu unterschreiten) scheiterte. Zum anderen, dass mit dieser Aufweichung des Inflationsziels vorerst nichts Neues seitens der US-Notenbank zu erwarten ist. Natürlich könnte es auch zu negativen Leitzinsen kommen, was dann auch ein entsprechend bullisches Signal für die Anleihen und den T-Bond Future auslösen würde. Aber dazu müsste die Erholung der US-Wirtschaft sich nicht nur verlangsamen, wie das derzeit der Fall ist, sie müsste scheitern, die Lage schlimmer werden. Kurzfristig ist das nicht zu erwarten, daher sind Gewinnmitnahmen im Future nachvollziehbar.

Für eine echte Abwärtstrendwende im Future müsste sich die Gesamtsituation deutlich zum Besseren wandeln, d.h. es müsste mehr kommen als diese zuletzt schon ermüdende Gegenreaktion auf den Konjunktureinbruch. Nur eine nachhaltige, glaubwürdige Rückkehr zum Status Quo in Sachen US-Wirtschaftsleistung könnte einen deutlicheren Anstieg der Renditen und damit einen größeren Abwärtsschub des T-Bond Future fundamental unterfüttern. Aus aktueller Sicht wäre daher ein Test der Supportzone 136 28/32 zu 137 6/32 US-Dollar und damit der unteren Begrenzung der seit Ende März geltenden Seitwärtsrange möglich. Aber das wäre dann bereits ein Level, der, sollte er glaubwürdig verteidigt werden, wieder zum Einstieg auf der Long-Seite einladen würde.

US Treasury Bonds: Chart vom 27.08.2020, Kurs 138 31/32 US-Dollar, Kürzel ZN | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des US-T-Bonds (10 Jahre) Futures

Es hat schon Tradition, dass die meisten Akteure am Aktienmarkt Warnsignale anderer Assetklassen wie die der Edelmetalle und des Anleihemarkts ignorieren. Das ist alleine deshalb bemerkenswert, weil diese Warnsignale sich in der Börsengeschichte in der großen Mehrzahl der Fälle als richtig erwiesen haben. Am Edelmetallmarkt und bei den Anleihen ist die Zahl der erfahrenen und tendenziell vorsichtigeren Marktteilnehmer deutlich höher. Diese Bereiche wirken komplizierter, langweiliger und werden daher von Leuten, die glauben, an der Börse ließe sich ohne Aufwand, Wissen und Risiko leicht großes Geld machen, gemieden. Gold greift aktuell nach dem Rekordhoch, Silber ist zum Leben erwacht. Und die Anleihen?

In den USA geht es da ebenfalls um Rekordhochs bei den Kursen, im Gegenzug um Rekordtiefs bei den Renditen. Der hier abgebildete Kursverlauf des derzeitigen „Frontmonats“ September des T-Bond-Futures für zehnjährige Laufzeiten zeigt, dass sich der Kurs Stück für Stück dem bisherigen Rekordhoch von 140 3/32 Dollar annähert. Dieses Hoch wurde am 9. März erreicht, dem Tag mit der gigantischen Abwärts-Kurslücke an den Aktienmärkten. Die standen da kurz vor dem Ende eines panischen Ausverkaufs, heute spekuliert man bei DAX und Dow über das Überwinden der „Prä-Corona“-Rekordhochs … während diese US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit wieder nahe dem Panik-Tief der Renditen, d.h. dem Rekordhoch der Kurse notieren. Wie geht das zusammen?

Expertenmeinung: Gar nicht. Eine Seite liegt komplett falsch. Das kann lange so weitergehen, irgendwann aber wird es schiefgehen, sich die Schere zwischen dem Anleihe- und dem Aktienmarkt schließen. Dazu hört man bisweilen das Argument, es würde sich doch beides gar nicht widersprechen. Der Anleihemarkt preist mit diesen so äußerst hoch gestiegenen Kursen ein, dass die US-Notenbank die Leitzinsen womöglich in negatives Terrain drücken muss, weil die Wirtschaft sonst nicht wieder anzieht. Dies aber würde billigere Kredite bedeuten und das sei gut für die Unternehmen und damit für den Aktienmarkt. Allerdings hat diese Argumentation einen Haken. Wenn die US-Notenbank die Zinsen weiter senken muss, die blitzartige Senkung auf null also nicht geholfen hat, zeigt das, wie tief der Karren im Dreck steckt. Und das ist eben nicht gut für die Unternehmen und den Aktienmarkt. Und nichts würde garantieren, dass sich das mit negativen Leitzinsen ändern würde, die Erfahrung haben wir in Europa ja schon gemacht.

Noch können sich die weniger beschlagenen Akteure am Aktienmarkt damit beruhigen, dass die Quartalsbilanzen und Konjunkturdaten trotz der in den USA nicht unter Kontrolle gebrachten Pandemie viel besser als erwartet seien. Was zwar nur daran liegt, dass die Analysten im Vorfeld gezielt tiefe Prognosen abgaben. Und auch so sind diese scheinbar starken Daten bei genauem Hinsehen nur eine Gegenreaktion auf den Lockdown, indizieren noch keine Rückkehr zum Wachstum. Aber man kennt es ja: Was man nicht sehen will, ist eben auch nicht da. Doch sollte der T-Bond-Future dieser wichtigen 10-Jahre-Laufzeit das bisherige Rekordhoch überbieten und damit tatsächlich langsam negative US-Leitzinsen einpreisen, wäre das nicht nur ein bullisches Signal für die Bond-Trader. Es wäre auch etwas, das man am Aktienmarkt womöglich nicht mehr übersehen kann. Und dass es so kommt, sich diese Super-Hausse der US-Staatsanleihen fortsetzt, ist in der derzeitigen Gemengelage recht wahrscheinlich.

US T-Bonds Chart vom 24.07.2020, Kurs 139 19/32 US-Dollar, Kürzel ZN | Online Broker LYNX

 

 

 

Angebliche Gewissheiten haben an der Börse eine ziemlich kurze Halbwertszeit. So auch die „Gewissheit“, dass US-Anleger nie und nimmer negative Renditen am Bondmarkt, sprich bei ihren Anleihen, akzeptieren würden. Bislang sind sie auch noch nicht negativ, wenngleich die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen (US Treasury Bonds oder kurz T-Bonds) zuletzt mit +0,51 Prozent am 9. März schon sehr nahe an diese Nulllinie heran rutschte und damit die vorherigen, historischen Tiefs (2016 bei +1,36 Prozent erreicht) deutlich unterbot. Aber die kurzen Laufzeiten am US-Bondmarkt nähern sich negativem Terrain zügig, so rentierten die US T-Bonds mit Laufzeit von zwei Jahren am Dienstag bei +0,21 Prozent. Und das Kippen in negatives Terrain wird dadurch nicht verhindert, dass US-investoren das nicht wünschen.

Schließlich sehnte sich bei uns in der Eurozone auch niemand Bundesanleihen mit tief negativen Renditen herbei. Kommt es so, bleibt den Anlegern wenig anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen. Es sei denn, man würde in Scharen in den Aktienmarkt überlaufen. Nur ist da das Problem: Wenn die Bond-Renditen negativ werden, dann aus Gründen, die für den Aktienmarkt fatal wären und dort größere Verluste fürchten lassen als das, was man bei den US-Bonds dann durch Inflation und negative Renditen einbüßen würde. Kommt es so?

Expertenmeinung: Es ist zumindest ein Szenario, das, wenngleich nicht sicher, so doch gut möglich wäre. Denn unser Chart, der den Kursverlauf des US T-Bonds mit zehn Jahren Laufzeit abbildet, zeigt: Nach der ersten, panischen Kaufwelle und den dadurch rapide auf das bisherige Tief von 0,51 Prozent gefallenen Renditen kam es zwar zu einer Beruhigung und Gewinnmitnahmen. Aber seit knapp zwei Wochen wird wieder kräftig zugelangt, der Kurs notiert nur noch wenig unter dem am 9. März bei 140 4/32 US-Dollar markierten Rekordhoch. Warum?

Eine direkte Flucht aus dem Aktienmarkt speist diese erneute Bond-Rallye eher nicht. Kurz, nachdem die Käufe bei den T-Bonds wieder begannen, erreichten die US-Aktienindizes ihr vorläufiges Tief und legten eine gewaltige Rallye hin, ohne dass es dadurch zu Abgaben bei den T-Bonds gekommen wäre. Und diese stiegen trotz der Aktien-Rallye einfach weiter. Es scheint, als würde derzeit ablaufen, was oft bei massiven Verwerfungen an den Börsen auftritt:

Zunächst verkaufen die großen Adressen alles querbeet, erhöhen dadurch ihre Barreserven und entscheiden dann neu, wo sie gezielt wieder einsteigen. Ein Teil glaubt an den Aktienmarkt, der andere tut genau das nicht und kauft daher T-Bonds. Wer wird Recht bekommen? Die Nachrichtenlage spricht momentan eher für die Bond-Käufer … daher wäre es durchaus denkbar, dass dieses bisherige Rekordhoch von 140 4/32 US-Dollar überboten wird und die Renditen auch bei längeren US T-Bond-Laufzeiten in den kommenden Wochen oder Monaten negativ werden!

US T-Bonds Chart vom 31.03.2020, Kurs 138 23/32 US-Dollar, Kürzel ZN | Online Broker LYNX

 

Während man am Aktienmarkt fassungslos zusieht, wie die Hausse der Leichtsinnigen binnen weniger Tage in sich zusammenfällt und der Dow Jones plötzlich wieder auf dem Niveau von Ende Oktober aufschlägt, pflegt man am US-Anleihemarkt seine eigene Panik. Nur ist es hier eine Kaufpanik. Die Rendite der US-Staatsanleihen (T-Bonds oder Treasury-Bonds) mit zehn Jahren Laufzeit hat am Dienstag mit 1,32 Prozent ein Rekordtief erreicht. Die Tiefs der Jahre 2012 und 2016 wurden damit unterboten. Was den Kurs der Anleihen angeht, der mit fallenden Renditen zulegt, wurde das letzte markante Hoch aus dem Herbst mit Schwung überboten. Damals hatte man noch befürchtet, dass es in Sachen Handelskrieg USA/China zu massivem Druck auf die US-Wirtschaft kommen würde. Als sich abzeichnete, dass mit dem Phase I-Deal eine Beruhigung entsteht, kamen die Kurse zurück, die Renditen steigen wieder an. Aber seit Januar ist das Kaufdruck erneut äußerst.

Steigende Anleihekurse suggerieren grundsätzlich die Erwartung, dass die entsprechende Notenbank, hier also die „Fed“, die Leitzinsen weiter senken wird. Die Motivation ist dabei in der Regel die Sorge vor einer sich deutlich abschwächenden Konjunktur. Im aktuellen Fall ist das aber nicht die alleinige Basis. Viele völlig überrumpelte Akteure am Aktienmarkt suchen nahezu panisch nach Ausweichmöglichkeiten. Und US-Bonds werden da neben Gold als die sicherste Alternative angesehen. Diese Umschichtungen in den US-Bondmarkt basieren damit zum einen aus der vorherigen Hausse-Blase bei den Aktien, zugleich aber aus der Angst vor einer heftig wegsackenden US-Wirtschaft. Zu Recht?

Expertenmeinung: Derzeit ja. Man realisiert momentan zwei höchst problematische Aspekte gleichzeitig. Zum einen wird deutlich, dass China kaum in der Lage sein wird, diesen Phase I-Deal umzusetzen. Und vielen ist klar, dass das selbst ohne die Virus-Epidemie schwer geworden wäre. Nur war dieser Erfolg in den Aktienmärkten eingepreist … jetzt schwant vielen, dass das Wachstum womöglich auch durch diesen Phase I-Deal nicht von seinem unterdurchschnittlichen Niveau loskommen wird. Und nicht erst mit der gestern Abend lancierten Meldung des US-Centers for Disease Control wird den Anlegern klar, dass der Druck auf die US-Wirtschaft auch durch die Virus-Epidemie intensiviert wird. Dort wurde mitgeteilt, dass es keine Frage mehr sei, ob die Virus-Epidemie die Dimension einer Pandemie erreicht, sondern nur wann es soweit ist.

Dies in Verbindung mit der durch die langen Jahre niedrigster Zinsen provozierten Überschuldung vieler kleiner und mittlerer US-Unternehmen bringt die US-Notenbank in eine Zwangslage. Sie muss die Leitzinsen schnell senken, auch, wenn die Inflation eigentlich über dem Zielkorridor liegt und deshalb normalerweise sogar Zinserhöhungen erwogen werden müssten. Die Lage ist brenzlig. Und auch, wenn der Aktienmarkt in den USA bereits brutal korrigiert hat: Das muss noch nicht das Ende sein. Was bedeutet: Der Exodus hin zu den US T-Bonds kann allemal weitergehen, noch höhere Kurse, noch niedrigere Renditen erreicht werden. Solange die „Zehnjährigen“ nicht deutlicher unter dem vorherigen, jetzt klar überbotenen Hoch aus dem Herbst 2019 (132 16/32 US-Dollar) schließen, bleiben die US T-Bonds ohne Wenn und Aber bullisch!

US T-Bonds 10 y Chart vom 25.02.2020, Kurs 133 6/32 US-Dollar, Kürzel ZN | Online Broker LYNX

 

 

Tagelang hatten die Investoren den Atem angehalten. Denn was die US-Notenbank am Mittwochabend beschließen und wie sie Lage und Perspektiven einschätzen würde, konnte richtungweisend für Wochen oder Monate sein. Aber als die Entscheidung auf dem Tisch lag, fragte man sich:

Wie ist das zu werten? War es das? Hat der Abstieg der US-Anleiherenditen jetzt mittelfristig ein Ende gefunden, werden die Kurse der US-Staatsanleihen (US T-Bonds) ab jetzt fallen? Es wäre gut möglich, denn die Entscheidung der US-Notenbank am Mittwochabend implizierte nicht das, was viele Akteure offenbar vorweggenommen hatten: eine schnelle Serie von weitreichenden Zinssenkungen. Es wäre im Gegenteil keineswegs überraschend, wenn diese zweite Leitzinssenkung vorerst die letzte ist.

Die US-Notenbank hat sich dazu durchgerungen, den Leitzinssatz, die Fed Funds Rate, um einen weiteren Viertelpunkt zu senken. Aber das Statement zeigte auf, dass es diesmal in der Tat ein echtes Ringen um diese Entscheidung gab. Von den zehn stimmberechtigten Mitgliedern des FOMC, des „Federal Open Market Committee“, waren sieben für diese Entscheidung. Einer war dagegen, weil er eine Senkung um 0,5 Prozent befürwortete, zwei andere hatten dafür plädiert, den Leitzins unverändert zu lassen.

Das allein deutet an, dass die von vielen Investoren am Aktien- und Anleihemarkt erwartete Serie regelmäßiger Leitzinssenkungen alles andere als sicher ist. Zumindest, solange die US-Konjunktur noch einigermaßen stabil bleibt. Aber müssen die Kurse der US T-Bonds jetzt deutlich nachgeben, die Renditen dieser Staatsanleihen somit wieder steigen?

Die Rendite der US T-Bonds mit zehn Jahren Laufzeit stieg am Mittwoch von 1,74 Prozent vor der US-Notenbankentscheidung auf 1,84 Prozent kurz danach, kam dann aber wieder zurück. Dementsprechend hielten sich die Kursverluste der Bonds, deren Kursentwicklung Sie in den Chart des Kursverlaufs dieser 10 Jahre-US T-Bonds auf Tages- und Wochenbasis sehen, in Grenzen. Aber natürlich stand die Frage im Raum: Bleibt es dabei?

Chart auf Wochenbasis vom 18.09.2019, Kurs 129 7/32 US-Dollar, Kürzel ZN | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen

Im übergeordneten Bild war die Anleiherendite dieser Zehn-Jahres-Laufzeit von 3,22 Prozent im Herbst 2018 auf 1,44 Prozent Anfang September eingebrochen. Dieser Abstieg der Rendite um fast 1,8 Prozent führte zu dem immensen Anstieg, den der Kurs dieser T-Bonds seit Herbst vollzogen hatte, wie in den Charts zu sehen. Damit hatte man am US-Bondmarkt eine rasante Serie von Leitzinssenkungen vorweggenommen, fünf Senkungen um je 0,25 Prozent im Leitzins waren da am Renditetief in etwa eingepreist.

Eigentlich müssten die Anleihekurse also weiter fallen, vorausgesetzt, dass der Eindruck, der nach der US-Notenbanksitzung entstand, sich hält. Der Eindruck, dass es einen klaren Dissens über weitere Zinssenkungen gibt, widerspricht der auch von Donald Trump geschürften Erwartung schnell und weit sinkender Leitzinsen. Die Mitglieder des FOMC waren komplett geteilter Meinung bei der Frage, ob es 2019 noch eine weitere Senkung geben werde. Es wäre daher zumindest nicht überraschend, wenn die Kurse der T-Bonds weiter nachgeben.

Sie sehen in den Charts, dass die vorherige Rallye schon Anfang September abrupt beendet wurde, die Kurse deutlich zurückkamen. Das kann erklären, warum die Reaktion am Mittwochabend eher moderat ausfiel. Aber auch die Charttechnik stützt: Bei 128 16/32 US-Dollar findet sich die doppelte Unterstützung aus der 100-Tage-Linie und dem mittelfristigen Aufwärtstrend. Sollte diese fallen und darüber hinaus das markante Hoch aus dem Herbst 2017 bei 127 15/32 US-Dollar, kann sich der Abstieg schnell fortsetzen und sich die Rendite der US T-Bonds der jetzt gedämpften Perspektive auf zeitnah deutlich niedrigere Leitzinsen anpassen.

Chart auf Tagesbasis vom 18.09.2019, Kurs 129 7/32 US-Dollar, Kürzel ZN | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen

Betrachtet man die Kursentwicklung der US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit (US T-Bonds) ausschließlich aus charttechnischer Perspektive, passt alles perfekt. Das markante Hoch, das im September 2017 erreicht wurde, wurde im Juni überboten. Danach konsolidierte der Kurs, um in der vergangenen Woche ausgehend von diesem als Unterstützung fungierenden 2017er-Hoch massiv durchzustarten. Und das innerhalb eines im Herbst 2018 etablierten Aufwärtstrendkanals, bis zu dessen oberer Begrenzung noch einiges an Spielraum wäre. Aber was hinter diesem Aufwärtstrend und dem immensen Kursanstieg der Vorwoche steckt, war alles andere als zu erwarten gewesen.

Das Kursniveau der T-Bonds spiegelt ja die Rendite der Anleihen auf den Kopf gestellt wieder. Steigt der Kurs, bedeutet das, dass die Renditen fallen. Und in der Tat fielen die radikal. Im Herbst 2018 lag die Zinsrendite dieser zehnjährigen T-Bonds noch bei 3,22 Prozent, auf dem höchsten Niveau seit 2011. Jetzt sind sie förmlich eingebrochen, mit 1,84 Prozent so niedrig wie zum Zeitpunkt unmittelbar nach Donald Trumps Wahlsieg im Herbst 2016. Aber wieso?

Expertenmeinung: Das ist Mr. Trump höchstpersönlich zu verdanken. Und diese Kaufwelle in US T-Bonds ist nicht gerade ein bullisches Omen für den Aktienmarkt bzw. die Erwartungen der Investoren an die US-Konjunktur. Als die US-Notenbank am Mittwochabend den Leitzins erstmal seit Jahren und wie erwartet um 0,25 Prozent senkte, bewegte sich am Anleihemarkt noch relativ wenig. Aber als Donald Trump am Donnerstagabend überraschend weitere Strafzölle gegen China ankündigte, brach eine Kaufwelle los.

Geld floss aus dem US-Aktienmarkt heraus und in die T-Bonds hinein. Denn diese Eskalation im Handelskrieg erscheint vielen Akteuren als ein Fehler, der dazu führen kann, dass es mit dem „Deal“ mit China überhaupt nichts mehr wird. Und das hieße eine enorme und länger anhaltende Belastung der US-Wirtschaft und in der Folge für die US-Notenbank die Notwendigkeit, die Leitzinsen zügig und massiv zu senken, um den Schaden, den Trumps Handelskrieg anrichtet, so gut als möglich aufzufangen.

Das Tief der T-Bond-Rendite hatte im Sommer 2016 bei 1,34 Prozent gelegen. Würde dieses alte Tief angesteuert, hätte dieser Aufwärtstrend der T-Bond-Kurse noch allerhand Spielraum nach oben. Da dieser Trend durch solche politischen und, was Mr. Trump angeht, oft unberechenbaren Entscheidungen stark beeinflusst wird, sollte man aber immer im Hinterkopf haben: Die T-Bond-Kurse wurden in den letzten Jahren durch unverhoffte Entwicklungen in Washington stark beeinflusst. Und das dürfte sich nicht ändern. Der Aufwärtstrend ist intakt, aber wir sehen hier eine „politische Börse“ die, anders als in früheren Jahren, diesmal beileibe keine kurzen Beine hat!

Chart vom 02.08.2019, Kurs 128 28/32 US-Dollar, Kürzel ZN | LYNX Aktienempfehlungen