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Für viele Trader am Aktienmarkt ist der Anleihemarkt eine andere, langweiligere Welt. Doch die Rahmenbedingungen, auf die Aktien und Anleihen reagieren, sind die gleichen. Und wenn sich da, wie derzeit bei den US T-Bonds, Divergenzen auftun, sollte man genau hinsehen.
Am Aktienmarkt sorgte man sich eine Zeitlang, dass die US-Notenbank aufgrund der ein gutes Stück über dem Zielbereich liegenden Inflation die Leitzinsen anheben könnte. Vor allem, nachdem erkennbar wurde, dass der neue „Fed“-Chef Kevin Warsh kein williger Erfüllungsgehilfe für Donald Trumps ständigen Ruf nach deutlich sinkenden Zinsen sein würde. Doch nachdem seit Beginn des Iran-Kriegs nichts in diese Richtung passierte, nahm die Sorge wieder ab. Keine Bremse für die Unternehmensgewinne in Sicht, sagte man sich. Und am Freitag schlug das Barometer sogar in Richtung Zinssenkungen um, denn:
Die US-Arbeitsmarktdaten für den Juli waren fatal ausgefallen. Zwar reagierte die Arbeitslosenquote nicht, aber das dürfte nur an der gesunkenen Arbeitnehmer-Beteiligungsrate gelegen haben. Denn statt der im Vorfeld für den Juli geschätzten 85.000 neu geschaffenen Jobs meldete das US-Arbeitsministerium einen Stellenverlust von 23.000. Zwar entstand das Minus, weil im Bereich der öffentlichen Hand ganze 53.000 Arbeitsplätze verloren gingen, aber damit kam man im rein privaten Bereich trotzdem nur auf 30.000 neue Jobs … aufgrund der wachsenden US-Bevölkerung mit Abstand zu wenig, um das Beschäftigungsniveau real zu halten.
Das wiederum veranlasste einige am Aktienmarkt, stereotyp zu folgern: Das bedeutet Leitzinssenkungen … Leitzinssenkungen sind bullisch … also muss es aufwärts gehen. Es wurde gekauft … aber was dort manch einer übersehen hat oder übersehen wollte:
Expertenmeinung: Die Reaktion am US-Anleihemarkt passte dazu nicht. Zwar kam die Rendite der US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, der sogenannten T-Bonds (Treasury Bonds), leicht zurück. Aber die Rendite dieser zehnjährigen US-Anleihen lag am Freitagabend mit 4,65 Prozent weiter ziemlich nahe am mehrjährigen Hoch von knapp fünf Prozent aus dem Jahr 2023. Die Kurse der Anleihen, die Sie in unserem Chart sehen, blieben somit gedrückt. Was übersetzt heißt:

Am US-Anleihemarkt gehen die Akteure derzeit nicht davon aus, dass die Leitzinsen sinken. Das aktuelle Kursniveau deutet eher an, dass man unverändert mit Leitzinsanhebungen rechnet. Was insofern denkbar wäre, als die US-Notenbank nicht zum ersten Mal in einer Zwickmühle zwischen Inflation und wackliger Konjunktur erst einmal die Inflation angehen würde, sprich die Zinsen anhebt. Nun ließe sich fragen, was es denn die Aktienmarkt-Trader interessieren müsste, was man „nebenan“, bei den Bonds, denkt und tut.
Es ist immer klug, dort hinzusehen, weil der US-Anleihemarkt schließlich die gleichen Fakten sieht und „abarbeitet“ wie der Aktienmarkt, bei den Bonds aber tendenziell erfahrene und besonnene, große Investoren das Geschehen dominieren. Was heißt: Hier dominiert meist die Vernunft, am Aktienmarkt meist die Emotionen. Und da sich die Vernunft … wenngleich es oft lange dauert … auch an der Börse meist durchsetzt, sollte man diese Skepsis, mit der man den US-Arbeitsmarktdaten am Anleihemarkt begegnete, nicht einfach vom Tisch wischen.
Die US T-Bonds mit zehn Jahren Laufzeit verharren in einem klaren Abwärtstrend. Solange diese Abwärtstrendlinie sowie die wichtigsten gleitenden Durchschnitte nicht nach oben durchbrochen wurden, spielt man hier die Karte zumindest potenziell für Aktien positiver Zinssenkungen nicht. Das muss nicht, kann aber dazu führen, dass am Aktienmarkt große Adressen mit erfahrenen Entscheidern, die dieses Warnsignal sehen und verstehen, bei steigenden Kursen eher auf die Verkäuferseite gehen, falls dieser Abwärtstrend bei den Bonds fortbesteht. Es wäre daher sicherlich kein Fehler für Aktienmarkt-Trader, das Geschehen bei den US T-Bonds im Auge zu behalten, statt es als „langweilig“ einzustufen und deshalb zu ignorieren.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 07.08.2026 um 22:16 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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