US-Notenbankchef Warsh hielt beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole eine Rede, in der er klarmachte, dass die „Fed“ die Leitzinsen anheben müsse, sollte die Inflation nicht zügig in die Zielzone zurückkehren. Die Anleihekurse sackten durch – wie stellt sich die Lage jetzt dar?
Die Antwort lässt sich auf ein Wort reduzieren: kritisch. Zumindest für diejenigen, die sich bei weiter steigenden Anleihezinsen in den USA Sorgen machen müssten. Denn die Rendite für die US-Staatsanleihen (T-Bonds) mit zehn Jahren Laufzeit stieg als Reaktion auf Kevin Warshs Aussagen am Freitagabend zum Handelsende auf 4,728 Prozent. Damit klopft sie erneut an die seit Ende Juli belagerte Marke von 4,75 Prozent, die von nicht wenigen als „marktkritisch“ angesehen wird. Der Kurs dieser „Zehnjährigen“, den Sie in unserem Chart abgebildet sehen, rutschte folgerichtig wieder nahe an das bisherige Jahrestief heran.
Zwar geht es hier weit weniger um die reine Charttechnik, als man das bei anderen Assets gewohnt ist. Aber dass sich die zehnjährigen T-Bonds in einem nahezu perfekten Abwärtstrend bewegen, macht es dennoch noch schwieriger, hier eine Wende zum Besseren, sprich zu steigenden Kursen und vice versa fallenden Renditen, hinzubekommen. Wir sehen, dass der Kurs des hier gezeigten Futures auf diese zehnjährige Laufzeit präzise entlang der 50-Tage- und 100-Tage-Linie nach unten geführt wird, wobei er im August gleich zweimal genau an der 50-Tage-Linie nach unten abgewiesen wurde. Ginge es alleine um das Chartbild, wäre man versucht zu sagen: Das schreit förmlich nach einem Ausbruch nach unten.

Expertenmeinung: Zwar geht es bei den Zinsen nie alleine um die Charttechnik, aber das Problem derer, die sich im Fall von Renditen über 4,75 Prozent bzw. Kursen unter 108 US-Dollar Sorgen machen müssten, ist: Eigentlich spricht nicht gerade wenig dafür, dass dieser Support bricht und sich die Anleiherendite in Richtung von fünf Prozent in Marsch setzt.
Die Tendenz zu einer Leitzinserhöhung wurde bereits anhand der drei Gegenstimmen zur Entscheidung, den Leitzins in der letzten Notenbanksitzung unverändert zu lassen, erkennbar. Aber so klar, wie „Fed“-Chef Warsh sich am Freitag in Jackson Hole ausdrückte, hatte man das noch nicht gehört, zumal ja immer noch viele hofften, Warsh, der ja von Donald Trump ausgewählt wurde, werde dessen Dauer-Forderung nach niedrigen Zinsen nachkommen oder zumindest den Leitzins nicht anheben, auch, wenn die Inflation ein gutes Stück über dem Ziel von zwei Prozent liegt. Es scheint, man hat sich geirrt.
Der Grund, warum weiter anziehende Anleiherenditen bzw. dadurch fallende Kurse „marktkritisch“ sind, verteilt sich auf vier Aspekte.
Zum einen bedeuten höhere Renditen bei US-Staatsanleihen, dass die US-Regierung entsprechend mehr Zinsen für die Finanzierung des schnell wachsenden Schuldenbergs bezahlen müsste. Was man dort natürlich höchst ungern sähe.
Darüber hinaus würden höhere Renditen bei Staatsanleihen auch tendenziell zu teureren Privatkrediten führen, bei einem Land, bei dem sehr viel über Kredite läuft, eine potenzielle Wachstumsbremse.
Dazu sehen internationale Investoren das in den fallenden Anleihekursen sichtbare, schwindende Vertrauen in US-Anleihen als früher sicher scheinendes Investment. Das kann dazu führen, dass ausländische, große Adressen solche Anleihen weniger nachfragen.
Und zuletzt können höhere Anleihezinsen den KI- und Halbleiterboom gefährden, denn der läuft großenteils auf Kredit.
Doch das sind Aspekte, die die Notenbank, wenn sie sich an ihre Aufgabenbereiche hält, wenig bis gar nicht zu interessieren haben. Dort geht es um Geldwertstabilität und, als weitere Aufgabe, die die EZB nicht hat, darum, ein wirtschaftliches Umfeld zu generieren, in dem nach Möglichkeit Vollbeschäftigung herrscht … was aber der Inflationsbekämpfung untergeordnet ist. Das weiß man am Markt, daher war die Reaktion recht deutlich … und sollte es Mr. Trump nicht gelingen, die US-Notenbanker doch noch irgendwie seinem Willen zu unterwerfen, könnte das bisherige Jahrestief dieser zehnjährigen US-T-Bonds, nach diesem doch sehr klaren Statement des US-Notenbankchefs zum Thema Inflation, durchaus fallen.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.08.2026 um 23:08 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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