Euro-Bund aktuell Bund Future: Auch nach EZB-Entscheid auf dem Sprung zu höheren Renditen

News: Aktuelle Analyse des Euro-Bund Futures

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Euro-Bund
ISIN: DE0009652644
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Ticker: GBL
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Währung: EUR

Die EZB lässt den Geldhahn offen und betont weiterhin, dass die Inflation ein vorübergehendes Phänomen sei. Die Sorge vieler Investoren, man käme um ein Eingreifen nicht herum, ist also erst einmal vom Tisch. Aber die Reaktion am Anleihemarkt fiel verdächtig mager aus. Wieso?

Die EZB hat das Minimum dessen, was man nur tun könnte, verkündet: Im Zuge der beiden Anleihekaufprogramme APP (Asset Purchasing Program) und PEPP (Pandemic Emergency Purchasing Program) wolle man im vierten Quartal bei PEPP ein bisschen weniger Anleihen kaufen als bislang. Wie viel weniger, blieb offen. Unter dem Strich dürfte das Anleihe-Kaufvolumen insgesamt dann immer noch nahezu gleich sein, „ein bisschen weniger“ ist reine Symbolik, kein echtes Handeln. Und begründet wurde es auch nicht als Maßnahme gegen die Inflation, sondern damit, dass ein stabilisiertes Wachstum es ermöglichen würde, ein wenig langsam zu machen. Da mochte mancher Investor große Augen gemacht haben. Aber dem Gros des Marktes, ob bei Aktien oder Anleihen, war es ja nur recht so: Der Geldhahn bleibt offen. Sperrangelweit.

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Im Vorfeld der EZB-Entscheidung waren die Kurse deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gefallen und mit ihnen ihr Abbild am Futures-Markt, der Bund Future. Was bedeutet: Die Renditen stiegen wieder an, weil alleine der immense Anstieg der europäischen Erzeugerpreise erwarten lässt, dass die derzeit in Bezug auf die gesamte Eurozone noch harmlos wirkende Inflation von zuletzt 3,0 Prozent (Eurozone-August-Schätzung) noch deutlich zulegen wird und zumindest erste, konkrete Schritte der Notenbank unumgänglich seien. Doch die EZB blieb untätig.

Wochenchart vom 09.09.2021, Kurs 172,24 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Eigentlich hätte man daraufhin mit einer kräftigen Rallye beim Bund Future rechnen können, weil diejenigen, die im Vorfeld aufgrund der Befürchtung, dass die Renditen jetzt eben doch wieder anziehen, aus ihren Long-Bond-Positionen ausgestiegen sind, umgehend zurückkaufen. Aber auch, wenn die Kurse am Donnerstag stiegen, die Rallye fiel überraschend mager aus. Und das ist bemerkenswert.

Expertenmeinung: Es scheint, als würden einige Marktteilnehmer damit rechnen, dass die EZB mit diesem gestern erneut vollzogenen Spagat nicht durchkommt. Ein Spagat, der nötig wurde, weil die Eurozone-Wirtschaft über die Jahre hinweg immer abhängiger von ultra-billigen Krediten wurde, so dass auch kleine Straffungsversuche eine immens negative Wirkung haben könnten. Zugleich sieht die EZB natürlich auch diese Bugwelle der Erzeugerpreise, die die Verbraucherinflation in den kommenden Monaten verschärfen dürfte. Aber sie sieht eben auch, dass das Wachstum nicht überzeugen kann, derzeit wieder nachlässt. Das ist ein fragiles Gebilde, das ohne das dünne Rückgrat billigsten Geldes in sich zusammen fallen könnte.

Das so zu kommunizieren, ist nicht drin, schließlich müsste man sich dann die Frage gefallen lassen, wieso man nicht bereits vor Jahren gehandelt habe, als z.B. die US-Notenbank die Leitzinsen anhob, um Reaktionsspielraum zu haben, die EZB aber nichts tat. So stellen sich viele Investoren diese Frage im Stillen. Und das kann der Grund sein, warum die große Kaufwelle als Reaktion auf eine die Hände im Schoß lassende EZB ausblieb.

Denn erfahrene Investoren wissen sehr wohl, dass man sich, wenn man die Inflation laufen lässt und auf einen durch statistische Basiseffekte ausgelösten, rein optischen Rückgang im nächsten Jahr setzt, nur am anderen Ende der Zwickmühle befindet. Denn der immense Kostendruck, dem die Unternehmen ausgesetzt sind und dessen Folgeeffekt auf die Kaufkraft der Verbraucher sind genauso imstande, das instabile Gebäude scheinbar robusten Wachstums zu Staub zerfallen zu lassen. Nur dauert es, vielleicht, ein wenig länger.

Da jetzt noch auf steigende Anleihekurse, also auf die Rückkehr zu den jüngsten Rendite-Rekordtiefs der Anleihen zu setzen, könnte manch einem als nicht mehr sinnvoll erschienen. Und wenn am 20. September die deutschen Erzeugerpreise für den August eintreffen, könnten diejenigen, die erwarten, dass die EZB trotz ihrer Zwickmühle nicht umhinkommt, in der kommenden Sitzung etwas zu tun, bestätigt werden. Was für den Bund Future bedeutet:

Noch bleibt die Chance auf einen größeren Abwärtsimpuls und damit auf einen Anstieg der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen greifbar. Erst, wenn der Bund Future mit Schlusskursen über 173,20 Prozent die den kurzfristigen Trend meist führende 20-Tage-Linie überwindet, hätten diejenigen, die jetzt darauf setzen, dass die EZB die Inflation auch in den kommenden Monaten ignoriert, gewonnen. Würde der Bund Future aber die vor allem im Chart auf Wochenbasis gut erkennbare, durch die 200-Tage-Linie verstärkte Schlüsselzone 170,80/171,40 Prozent durchbrechen, könnte es durchaus zügig abwärts gehen. Und bisweilen entstehen solche Signale bereits, bevor die EZB selbst etwas unternimmt, es lohnt daher, hier die Augen offen zu halten.

Chart vom 09.09.2021, Kurs 172,24 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des Euro-Bund Futures

Mitte Mai begann eine kräftige Kaufwelle am Anleihemarkt, als die Investoren realisierten, dass die großen Notenbanken der anziehenden Inflation nicht aktiv entgegentreten würden. Doch jetzt dreht das Anleihe-Barometer Bund Future wieder nach unten. Was steckt dahinter?

So sehr, wie EZB, US-Notenbank und andere größere Notenbanken die Inflation kleingeredet haben, rechnet niemand damit, dass irgendwo in einem der großen Wirtschaftsräume in absehbarer Zeit die Leitzinsen steigen werden. Und schon gar nicht in der Eurozone, denn dort hält sich die Inflation ja bislang ohnehin im Rahmen der extra-schwammigen Zielzone der EZB, wenn man die Teuerungsrate der Eurozone betrachtet. Dass die Inflation in Deutschland höher liegt, basiert zum einen auch auf einem statistischen Basiseffekt durch die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung, zum anderen interessiert die EZB nur die Eurozone insgesamt, wo die bislang aktuellsten Daten vom Juli nur eine Inflation von 2,2 ausweisen.

Davon abgesehen ist das Wachstum so gering und instabil, dass man sich ausgerechnet hier eine Verschärfung der Geldpolitik nicht leisten kann. Man muss sich nur erinnern, dass die EZB auch 2017/2018, als die US-Notenbank den Leitzins zügig anhob, nicht imstande und willens war, auch nur einen Finger hin zu einer Leitzinsanhebung zu rühren. Also, warum sollte der Anstieg der Anleiherenditen und damit der Rückgang der Kurse am Anleihemarkt, hier dargestellt anhand des Future-Barometers für deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, dem Bund Future, allzu weit führen? Solange die EZB nichts tut, ist schließlich in Sachen Renditeanstieg ein „logischer Deckel“ drauf.

Expertenmeinung: Das ist soweit richtig … und es wird sicherlich keinen Abverkauf bei den Anleihen geben, die unsere Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit aus der Negativ-Rendite hieven könnte. Es könnte bestenfalls dazu kommen, dass der Bund Future wieder dorthin zurückkehrt, wo er vor dieser Kaufwelle notierte. Also auf den Kurslevel, von dem aus sich die Akteure im Mai aufmachten, die wenigstens etwas weniger negativen Renditen zu nutzen, weil sie davon ausgingen, dass es in der Eurozone nicht einmal zu einer Reduzierung der Stützungskäufe am Anleihemarkt kommen werde. Weil genau das jetzt doch wieder im Raum steht bzw. diskutiert wird. Der Auslöser:

Der Chef der niederländischen Zentralbank Klaas Knot sagte gestern, dass der derzeitige Ausblick für das Eurozone-Wachstum eine Verringerung des Stimulus ermöglichen könne. Daraufhin nahmen einige Trader am Bond-Markt schnell die aufgelaufenen Gewinne mit, aber:

Tatsächlich ist das Wachstum eher instabil, außerdem will die EZB allein wegen der durch diese erneute Runde billigen Geldes bis kurz vor dem Platzen aufgeblähte Schuldenblase nichts tun. Die letzten Aussagen der EZB, auf keinen Fall „vorschnell“ zu handeln und so „ein falsches Signal“ zu senden werden, Programm bleiben, Knots Statement dürfte da keinen Widerhall finden. Nur, wenn es bei der nächsten EZB-Sitzung am 9. September tatsächlich zu Andeutungen käme, dass die Anleihekäufe zurückgefahren werden, könnte hier mehr laufen als ein Rücksetzer in eine aus aktueller Sicht solide Unterstützungszone. Die findet sich im Bereich 173,58/174,25 Prozent und wird durch die 200-Tage-Linie verstärkt. Bleibt Knots Sichtweise in Frankfurt ohne Resonanz, wäre das eine Zone, in der sich der „Bund“ fangen sollte und risikofreudige Trader einen neuen Anlauf auf der Long-Seite erwägen dürften.

Bund Future: Chart vom 31.08.2021, Kurs 175,45 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Zuletzt waren Anleihen wieder gesucht, die Renditen fielen. Der Bund Future, das deutsche Terminmarkt-Anleihebarometer, überwand den mittelfristigen Abwärtstrend. Basis der Käufe ist die Überzeugung, dass die EZB Inflation weiter ignorieren wird. Aber bleibt das auch so?

Vergangenen Donnerstag ließen sich in der Tat keine Hinweise erkennen, dass die Europäische Zentralbank der Inflation aktiv entgegentreten wird. Man scheint sich aus Sorge, selbst bei kleinen Maßnahmen das schuldenbasierte Mini-Wachstum abzuwürgen, darauf zu verlegen, auf den Basiseffekt des kommenden Jahres zu setzen. Das heißt: Wenn die Preise jetzt sehr deutlich steigen, erfolgt die Berechnung der Inflation in einem Jahr ja auf dieser höheren Basis. Durch einen solchen Basiseffekt besteht die Chance, dass die Teuerung dann im Bereich um zwei Prozent liegen wird.

Allerdings ist das eine Milchmädchenrechnung, was Geldwertstabilität, Kaufkraft und Wachstumsperspektive angeht. Denn de facto ist es egal, ob die Inflation jetzt stark und in einem Jahr moderat zulegt oder anders herum: Am Ende steigen eben die Preise weit schneller als die Löhne, die Kaufkraft sinkt. Der deutsche Reallohn (Löhne abzüglich Inflation) lag schon im ersten Quartal um 2,0 Prozent unter dem des ersten Quartals 2020. Das Bild wird sich (die Zahlen dazu kommen wohl erst im September), im zweiten Quartal ohne Zweifel deutlich verschlimmert haben. Die EZB kann zwar noch darauf verweisen, dass die Inflation im Juni in Deutschland bei 2,3, in der Eurozone bei 1,9 Prozent lag – und damit auf einem Level, der ein Eingreifen noch gar nicht erfordern würde. Aber achten Sie da auf den Donnerstag!

Expertenmeinung: Da kommt um 14 Uhr die Vorab-Berechnung der deutschen Inflationsrate für Juli. Und da fällt der Basiseffekt weg, durch den die deutsche Inflation im Juni von zuvor 2,5 Prozent auf 2,3 Prozent zurückkam. Die Volkswirte schätzen aktuell, dass die Inflation zum Vorjahresmonat bei 3,3 Prozent liegen wird, die Preise zum Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen sind. Und auch, wenn die Eurozone-Zahlen dann erst Mitte August folgen werden: Das könnte manchen unangenehm überraschen, der zuletzt bei deutschen Anleihen sowie beim Bund Future zugegriffen hatte, weil er/sie sicher war, dass die Arbeitsverweigerung der EZB die Renditen wieder nahe an ihre bisherigen Rekordtiefs drücken werde.

Sollten die übermorgen anstehenden Zahlen nicht über der Prognose liegen, sollten EZB-Vertreter umgehend erneut die Lage beschönigen, es wäre durchaus möglich, dass die Käufe weitergehen, der Bund Future die nächste Charthürde bei 177,83 Prozent erreicht, aber:

Wenn diese anstehenden Inflationszahlen noch übler ausfallen als die prognostizierten 3,3 Prozent, kann es leicht dazu kommen, dass viele, die derzeit Anleihe-bullisch bzw. Rendite-bärisch sind, ihre Positionen umgehend glattstellen und der Bund Future diese gerade erst überbotene, mittelfristige Abwärtstrendlinie wieder unterschreitet. Sollte dabei auch die 200-Tage-Linie, derzeit bei 174,13 Prozent, fallen, wäre der Weg des Bund Future nach unten wieder frei, Kursziel wäre dann der Bereich 168,66/169,83 Prozent.

Bund Future: Chart vom 26.07.2021, Kurs 175,86 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Setzt sich die Tendenz zu wieder anziehenden Anleihe-Renditen und damit zu einem fallenden Bund Future fort? Das wird auf die in Kürze anstehenden Inflationsdaten für den Mai ankommen … und aus charttechnischer Sicht auf eine alles dominierende Unterstützungslinie.

Bei einer Rendite von -0,11 Prozent, die letzte Woche erreicht wurde, von wieder steigenden Zinsen zu sprechen, klingt zwar im ersten Moment absurd. Aber diese Rendite für deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, um die es dabei geht, lag im März 2020 schon bei -0,87 Prozent. Damals fürchtete man, dass die Corona-Problematik zu noch extremeren Maßnahmen der EZB führen würde, als man sie bis dahin kannte. Doch über eine Ausweitung der Anleihekäufe blieben massive Maßnahmen aus. Und jetzt wandern die Renditen wieder in Richtung der Nulllinie, einem Level, den man zuletzt im Mai 2019 gesehen hatte. Der Grund:

Die Befürchtung, dass die anziehende Inflation die EZB entgegen den bisherigen Beteuerungen dazu zwingen könnte, den Geldhahn sukzessive wieder zuzudrehen. Bislang ist die Inflation in der Eurozone zwar noch deutlich niedriger als in den USA. Aber sollten die am kommenden Montag, den 31. Mai anstehenden, ersten Berechnungen der Verbraucherpreise in Deutschland für den Mai nicht bei den bislang von den Volkswirten erwarteten 1,9/2,0 Prozent bleiben, dürfte man am Anleihemarkt reagieren. Denn dann würde die Wahrscheinlichkeit natürlich zunehmen, dass eine rigidere EZB-Politik näher rückt und damit höhere Renditen anstehen, die dann die Anleihekurse und mit ihnen das Anleihebarometer der deutschen „Zehnjährigen“ am Futures-Markt, den Bund Future, drücken.

Expertenmeinung: Neben der Entwicklung der Rahmenbedingungen ist es das übergeordnete, charttechnische Bild, das so manchen Bären anlocken dürfte. Dabei ist es zwar fraglich, aber nicht unmöglich, dass die Trendwende, die im Chart auf Wochenbasis langsam Kontur annimmt, auch ohne eine schnell steigende Inflation vonstattengeht.

Sie sehen in diesem längerfristigen Chart auf Wochenbasis, dass der Bund Future eine groß angelegte Toppbildung vollzieht. Momentan ringt er mit der Unterstützungszone 168,97/169,29 Prozent. Sollte die fallen, geht es um die eigentliche Nackenlinie dieses Topps, die im Bereich 167,12/167,41 Prozent liegt.

Bund Future: Chart vom 25.05.2021, Kurs 169,79 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Geht der Bund Future da durch, fallen also die Anleihekurse weiter, würde das den Anstieg der zehnjährigen Bundesanleihen über die Nulllinie bedeuten und eine massivere Veränderung der Gemengelage auch für den Aktienmarkt bedeuten. Die Inflationsdaten, die am kommenden Montag um 14 Uhr anstehen, müssen nicht, können aber der Startschuss für eine solche Entwicklung sein.

Gestern versuchte „Fed“-Chef Powell die Märkte zu beruhigen: Inflation sei keine Gefahr. Aber was sollte er auch sonst sagen? Kurzfristig funktionierte das, auch hierzulande kamen die Anleiherenditen zurück. Aber die Gefahr ist nicht gebannt!

Die Inflationsrate lag in Deutschland im März „nur“ bei 1,7 Prozent, in der Eurozone bei 1,3 Prozent. Das liegt noch deutlich unter der früheren Eingreifschwelle von zwei Prozent der EZB, die man aber zuletzt Hand in Hand mit den anderen großen Notenbanken so aufgeweicht hat, dass die Investoren nicht einmal dann sicher sein könnten, dass gegengesteuert würde, wenn 2,5 Prozent überboten würden. Dass die US-Notenbank derzeit versucht, die Lage zu verharmlosen, wundert dabei nicht: Dort waren die Verbraucherpreise im März um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Und die Notenbank tut nichts außer zu betonen, dass man die Lage im Griff habe.

Dass die Investoren sich auch hierzulande Sorgen machen, ist berechtigt, denn noch im Dezember hatte die Teuerungsrate bei -0,3 Prozent gelegen. Und der Aufschwung, der die Preise treiben könnte, hat hier, anders als in den USA, noch nicht einmal begonnen. Dafür ist eine Inflation von 1,7 Prozent nicht von Pappe. Was zudem beunruhigt und vermuten lässt, dass die kurzfristige Beruhigung, die US-Notenbankchef Powell am Dienstag mit seinen Beschönigungen erreichte, nicht von Dauer sein muss, ist:

Expertenmeinung: Es ist zu leicht durchschaubar, warum die Notenbanken, ob nun US-Notenbank oder EZB, derzeit bemüht sind, Inflationsgefahren kleinzureden. Das liegt einfach daran, dass sie zu Recht fürchten, dass jedwedes Eingreifen in Form einer Reduzierung der Anleihekäufe oder gar einer Leitzinserhöhung die konjunkturelle Erholung abwürgen würde. Denn dieser Versuch, sich aus den Folgen der Corona-Krise heraus zu kämpfen, hat ein Fundament aus „billigem Geld“. Steigende Refinanzierungskosten wären da Gift. Nur:

Eine überschießende Inflation eben auch. Vor allem, wenn es zu einer Lohn-/Preis-Spirale käme, die sich nicht mehr einfangen lässt und bei der die Löhne am Ende immer das Nachsehen haben. Eine noch weiter gedrückte Kaufkraft wäre fatal. Die Notenbanken sitzen damit in der Zwickmühle: Bekämpfen sie die Inflationsgefahr, würgt dies das Wachstum ab. Tun sie nichts, ist es die Inflation, die der Wende den Garaus macht. Daher verlegt man sich darauf zu hoffen, dass die Preissteigerungen irgendwie im Sande verlaufen. Was sein könnte, aber die weniger wahrscheinliche Variante ist.

Und damit dürfte auch eine große Trendwende des Anleihebarometers Bund Future noch nicht vom Tisch sein. Zwei Linien gälte es hier im Auge zu behalten: Die untere Begrenzung der seit Mitte Februar geltenden Handelsspanne bei 168,97/169,29 Prozent sowie die übergeordnete Nackenlinie der derzeit laufenden Toppbildung im Bereich 167,12/167,15 Prozent. Sollten diese beiden Supportlinien fallen, würde dies einen deutlichen Anstieg der Renditen am deutschen Anleihemarkt widerspiegeln, der durchaus imstande wäre, die Chance auf eine nachhaltige konjunkturelle Erholung zu torpedieren, indem sich die Zinslandschaft auch ohne direktes Zutun der EZB deutlich eintrübt. Diese Zone sollte man daher in den kommenden Wochen und Monaten engmaschig im Auge behalten.

Chart vom 20.04.2021, Kurs 170,86 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Steigende Renditen am Anleihemarkt machten die Akteure in den vergangenen Wochen äußerst nervös. Sie waren eine Reaktion auf ein steigendes Inflationsrisiko. Und sollten die Notenbanken eingreifen, hätte man am Aktienmarkt ein Problem. Die EZB-Sitzung am Donnerstag schien die Investoren zu beruhigen – aber ist die Beruhigung von Dauer?

Die EZB hatte am Donnerstag nicht an der Zinsschraube gedreht und das auch nicht avisiert. Man beobachte das Geschehen, hieß es. Das mochte einige Anleger zwar zufriedenstellen, weil es wirkte, als würde die EZB bislang mit Blick auf die im Februar deutlich gestiegenen Inflationsraten keine Gefahren sehen. Aber ob wirklich alle Akteure mit den Aussagen und der Europäischen Zentralbank zufrieden sind, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Denn angesichts der derzeitigen Konstellation des Bund Future, dem Kursbarometer deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, bestand nicht die Notwendigkeit, sofort zu reagieren, wollte man hier weiter aussteigen. Aber warum sollten Investoren diesen Gedanken überhaupt hegen, wenn die EZB scheinbar keinen Grund zur Sorge sieht?

Expertenmeinung: Weil die EZB in der Zwickmühle sitzt. Selbst kleinste Maßnahme würde in diesem fragilen Umfeld das Risiko bergen, das Wachstum abzuwürgen und nicht nur einen Selloff am Anleihemarkt und zugleich beim Bund Future auszulösen, sondern auch am Aktienmarkt. Tut man aber nichts und die Inflation zieht weiter an, würde das durch eine schwindende Kaufkraft denselben negativen Effekt zeitigen. Daher überraschte es nicht, dass man in Frankfurt darauf hinwies, dass das US-Konjunkturpaket und die steigenden Ölpreise die Inflation noch etwas antreiben könnten, es aber so darstellte, als sei das ein vorübergehendes und unproblematisches Phänomen. Man spielt auf Zeit, um die Märkte zu beruhigen. Aber erfahrene Investoren wissen: Damit kann man sich auch verspekulieren.

Daher war die Reaktion am Anleihemarkt auch überschaubar. Der Bund Future legte zwar zu, die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen kamen damit einen Tick zurück. Aber die Aufwärtswende im Anleihebarometer gelang damit noch nicht, denn genau dort, wo der Future hätte weiter steigen müssen, setzten Abgaben ein, die das Plus bis zum Abend halbierten.

Grundsätzlich hat der Bund Future eine ideale Ausgangsbasis, um einen neuen Aufwärtsimpuls zu starten, der die Angst vor steigenden Anleiherenditen bannen würde. Denn nach dem Abverkauf Ende Februar bildete das Anleihebarometer in den letzten Tagen ein höheres Tief aus, von dem aus ein Anstieg an, ggf. sogar über den Widerstand bei 173,06 Prozent im Juni-Termin des Futures möglich wäre. Aber dazu müsste eben erst einmal das kurzfristige, zwischen den beiden letzten Tiefs liegende Zwischenhoch bei 172,08 Prozent überboten sein – und genau dort begannen am Donnerstag wieder Verkäufe. Gelingt dieser Sprung doch noch, wäre das für den Aktienmarkt zweifellos eine wichtige Stütze. Aber solange die Wende noch nicht vollendet ist, können Akteure, die diesem Beruhigungsversuch der EZB nicht über den Weg trauen, den Bund Future allemal auch unter 170,72 Prozent drücken und damit den Weg zurück an das Selloff-Tief von Ende Februar bei 169,23 Prozent freimachen.

Chart vom 11.03.2021, Kurs 171,71 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX