Seit Beginn des Iran-Krieges fallen die Kurse nicht nur bei den Aktien, sondern auch am Anleihemarkt. Zu Wochenbeginn hatte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen den höchsten Stand seit 2011 erreicht, der Bund Future fällt. Ist man damit auf dem richtigen Dampfer?
Die Grundidee ist im Prinzip ja nachvollziehbar: Die Energiepreise sind massiv gestiegen. Das befeuert die Inflation. Also wird die EZB wohl die Leitzinsen anheben müssen. Die Renditen am Anleihemarkt werden mitziehen, also würden dort die Kurse fallen. Und weil das so logisch wirkt, nimmt man diese Entwicklung seit Anfang März gleich mal vorweg.
Die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hat jetzt die Drei-Prozent-Marke knapp überschritten und liegt damit sogar höher als am Hoch der EZB-Leitzinsen im Jahr 2023. Der Bund Future, das Kursbarometer dieser „Zehnjährigen“ am Terminmarkt, ist entsprechend gefallen (steigende Renditen bedeuten fallende Kurse und umgekehrt). Und auch, wenn der Juni-Kontrakt als aktuellste Laufzeit noch knapp über dem markanten Tief vom Frühjahr 2025 liegt, als die Erwartung von Trumps Zöllen dazu führte, dass die Anleiherenditen anzogen: Er rutscht auf diese bei 124,65 Prozent liegende Marke zu. Ist das nicht völlig überzogen?

Expertenmeinung: Das könnte es durchaus sein. Denn hier preist man bereits steigende Leitzinsen wegen kräftig anziehender Inflationsraten ein, die zumindest fraglich sind. Und das aus mehreren Gründen:
Zunächst einmal müssten die höheren Energiepreise noch mehrere Wochen hoch bleiben und darüber hinaus die berechtigte Erwartung bestehen, dass man vorerst nicht mehr auf die vorherigen Preise für Heizöl, Gas, Benzin und Diesel zurückkehren wird. Dass es dazu kommt, ist möglich, aber keineswegs so sicher, dass man es durch eine Vorwegnahme steigender Zinsen und Renditen durch Short-Trades im Bund Future vorwegnehmen müsste.
Hinzu kommt, dass ein solcher Inflationsschub zugleich massiv negativ auf Unternehmen und Verbraucher wirkt. Zinserhöhungen würden dieses Problem nicht lindern, sondern verschärfen. Davon abgesehen, dass eine solche Gemengelage durchaus dazu führen kann, dass – gerade, weil wir in Europa ja im Vorfeld schon ein schwaches Konsumklima hatten – Preiserhöhungen trotz steigender Kosten bei den Unternehmen nicht in der Breite durchsetzbar sind.
Richtig ist andererseits, dass die Lage in Nahost auch den allgemeinen Güterverkehr beeinträchtigt, die Frachtraten für alle Güter steigen und Lieferketten reißen könnten. Dann hätten wir in der Tat ein ähnliches Szenario wie 2022, aber:
Die EZB gerät jetzt in eine ähnliche Zwickmühle wie die, in der die US-Notenbank bereits festsitzt: Auf der einen Seite die Gefahr einer deutlich nachgebenden Konjunktur, auf der anderen das Risiko steigender Preise. Ersteres spräche für fallende, Letzteres für steigende Leitzinsen. Am Ende könnte das durchaus darauf hinauslaufen, dass die EZB in Sachen Leitzins erst einmal gar nichts tut und der Abverkauf bei deutschen Anleihen sowie im Bund Future damit voreilig war.
Aus dieser Überlegung heraus dagegenzuhalten, sprich in den laufenden Abwärtsimpuls hinein einen Long-Trade zu erwägen, wäre dennoch extrem riskant, denn aktuell weiß niemand, was morgen oder übermorgen sein wird. Aber denkt man sich die Gesamtsituation in Ruhe durch, erscheint diese Abwärtsbewegung deutlich gewagter für die Bären, als das Chartbild alleine vermuten ließe.
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