Die Rendite für deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit war Ende September bis auf das 17-Jahres-Hoch von 3,65 Prozent gestiegen. Am Donnerstag kam sie deutlich auf 3,33 Prozent zurück, der Bund Future zog entsprechend kräftig an. Ist das schon die Wende?
Das ist nicht nur aus charttechnischer Sicht noch offen. Was das Chartbild des Bund Future als Kursbarometer der zehnjährigen Bundesanleihen am Terminmarkt angeht, sehen wir zwar erste Schritte hin zu einer denkbaren Wende. So gelang es, die zur Jahresmitte etablierte Abwärtstrendlinie zu überwinden – ein grundsätzlicher Punkt für die Bullen. Dass im Vorfeld die 20-Tage-Linie überboten wurde und danach dann als Unterstützung „funktionierte“, ebenso. Diese beiden Linien bilden aktuell im Bereich von 120,80/120,85 Prozent eine Unterstützung. Eine, die nicht brechen sollte, wenn aus einer echten, mittelfristig relevanten Aufwärtswende des Kurses und damit einer Abwärtswende der Anleihe-Renditen etwas werden soll.

Eine solche Wende wäre indes erst dann zu unterstellen, wenn zunächst die Widerstandszone bei 122,96/123,47 Prozent in der aktuell relevanten, weil als nächste auslaufenden Dezember-Laufzeit überboten wird und danach der Sprung über die 200-Tage-Linie (124,32) und die im März etablierte, mittelfristige Abwärtstrendlinie (derzeit um 125) gelingen würde. Und auch, wenn die Hälfte der Distanz vom Jahrestief zu eben dieser übergeordneten Abwärtstrendlinie bereits geschafft wäre:
Expertenmeinung: Ob da wirklich noch so viel Luft nach oben vorhanden ist, hängt von Faktoren ab, deren Entwicklung aktuell nicht vorhersehbar ist. Als „Dauerbrenner“ ist da die Erwartungshaltung in Bezug auf weitere Leitzinsanhebungen zu nennen. Die hängt von der Entwicklung der Inflation ab. Und die wiederum entscheidend davon, wie sich die Energiepreise in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln. Was, wie man weiß, mit Blick auf das planlos wirkende Hin und Her im Iran-Krieg nicht abschätzbar ist.
Der zweite Faktor findet sich, gerade in den vergangenen Tagen, in einem markanten Abstieg derjenigen Aktien, in die monatelang sehr viel Anleger-Kapital hineingeflossen war: den Technologie-Titeln im Allgemeinen und denen aus dem weiteren Umfeld des KI-Themas im Besonderen. Geld, das dort abfließt, konnte man zuletzt lesen, würde auch in Anleihen fließen und dies die jüngsten Kursgewinne begründen. Aber das ist tendenziell eher kein Boden, der eine mittelfristige Aufwärtswende tragen könnte, denn:
Zum einen ist offen, wie lange noch nennenswerte Summen aus dem KI-Bereich des Aktienmarkts abfließen, immerhin haben viele der dazugehörigen Aktien bereits deutlich an Boden verloren. Zum anderen sind Anleihen keine „natürliche“ Alternative für Anleger, die aus Hightech-Aktien aussteigen. Sie stehen da in klarer Konkurrenz zu defensiveren Aktien und/oder den Edelmetallen.
Und um den gewaltige Kapitalsummen bindenden Anleihemarkt alleine aus dieser Situation heraus zu bewegen, müssten die Summen, die da die Seiten wechseln, immens sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es dann ja nicht nur um die Bundesanleihen gehen würde, sondern auch um die Festverzinslichen vieler anderer Länder, allen voran um die US-Bonds, in die solches Geld fließen könnte.
Bislang sehen wir zwar einen spannenden Ansatz, der sich zu einer mittelfristig relevanten Aufwärtswende beim Bund Future entwickeln könnte. Aber wir sehen noch nicht die Wende selbst. Und ob es wirklich gelingt, den mittelfristigen Abwärtstrend zu sprengen, ist offen genug, um in Bezug auf die Long-Seite unverändert größte Vorsicht walten zu lassen.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 22.10.2026 um 22:56 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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