Euro-Bund aktuell Bund Future: Fällt diese Linie, wären die Bären durch!

News: Aktuelle Analyse des Euro-Bund Futures

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Euro-Bund
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Ticker: GBL
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Währung: EUR

Setzt sich die Tendenz zu wieder anziehenden Anleihe-Renditen und damit zu einem fallenden Bund Future fort? Das wird auf die in Kürze anstehenden Inflationsdaten für den Mai ankommen … und aus charttechnischer Sicht auf eine alles dominierende Unterstützungslinie.

Bei einer Rendite von -0,11 Prozent, die letzte Woche erreicht wurde, von wieder steigenden Zinsen zu sprechen, klingt zwar im ersten Moment absurd. Aber diese Rendite für deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, um die es dabei geht, lag im März 2020 schon bei -0,87 Prozent. Damals fürchtete man, dass die Corona-Problematik zu noch extremeren Maßnahmen der EZB führen würde, als man sie bis dahin kannte. Doch über eine Ausweitung der Anleihekäufe blieben massive Maßnahmen aus. Und jetzt wandern die Renditen wieder in Richtung der Nulllinie, einem Level, den man zuletzt im Mai 2019 gesehen hatte. Der Grund:

Die Befürchtung, dass die anziehende Inflation die EZB entgegen den bisherigen Beteuerungen dazu zwingen könnte, den Geldhahn sukzessive wieder zuzudrehen. Bislang ist die Inflation in der Eurozone zwar noch deutlich niedriger als in den USA. Aber sollten die am kommenden Montag, den 31. Mai anstehenden, ersten Berechnungen der Verbraucherpreise in Deutschland für den Mai nicht bei den bislang von den Volkswirten erwarteten 1,9/2,0 Prozent bleiben, dürfte man am Anleihemarkt reagieren. Denn dann würde die Wahrscheinlichkeit natürlich zunehmen, dass eine rigidere EZB-Politik näher rückt und damit höhere Renditen anstehen, die dann die Anleihekurse und mit ihnen das Anleihebarometer der deutschen „Zehnjährigen“ am Futures-Markt, den Bund Future, drücken.

Expertenmeinung: Neben der Entwicklung der Rahmenbedingungen ist es das übergeordnete, charttechnische Bild, das so manchen Bären anlocken dürfte. Dabei ist es zwar fraglich, aber nicht unmöglich, dass die Trendwende, die im Chart auf Wochenbasis langsam Kontur annimmt, auch ohne eine schnell steigende Inflation vonstattengeht.

Sie sehen in diesem längerfristigen Chart auf Wochenbasis, dass der Bund Future eine groß angelegte Toppbildung vollzieht. Momentan ringt er mit der Unterstützungszone 168,97/169,29 Prozent. Sollte die fallen, geht es um die eigentliche Nackenlinie dieses Topps, die im Bereich 167,12/167,41 Prozent liegt.

Bund Future: Chart vom 25.05.2021, Kurs 169,79 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Geht der Bund Future da durch, fallen also die Anleihekurse weiter, würde das den Anstieg der zehnjährigen Bundesanleihen über die Nulllinie bedeuten und eine massivere Veränderung der Gemengelage auch für den Aktienmarkt bedeuten. Die Inflationsdaten, die am kommenden Montag um 14 Uhr anstehen, müssen nicht, können aber der Startschuss für eine solche Entwicklung sein.

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Vorherige Analysen des Euro-Bund Futures

Gestern versuchte „Fed“-Chef Powell die Märkte zu beruhigen: Inflation sei keine Gefahr. Aber was sollte er auch sonst sagen? Kurzfristig funktionierte das, auch hierzulande kamen die Anleiherenditen zurück. Aber die Gefahr ist nicht gebannt!

Die Inflationsrate lag in Deutschland im März „nur“ bei 1,7 Prozent, in der Eurozone bei 1,3 Prozent. Das liegt noch deutlich unter der früheren Eingreifschwelle von zwei Prozent der EZB, die man aber zuletzt Hand in Hand mit den anderen großen Notenbanken so aufgeweicht hat, dass die Investoren nicht einmal dann sicher sein könnten, dass gegengesteuert würde, wenn 2,5 Prozent überboten würden. Dass die US-Notenbank derzeit versucht, die Lage zu verharmlosen, wundert dabei nicht: Dort waren die Verbraucherpreise im März um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Und die Notenbank tut nichts außer zu betonen, dass man die Lage im Griff habe.

Dass die Investoren sich auch hierzulande Sorgen machen, ist berechtigt, denn noch im Dezember hatte die Teuerungsrate bei -0,3 Prozent gelegen. Und der Aufschwung, der die Preise treiben könnte, hat hier, anders als in den USA, noch nicht einmal begonnen. Dafür ist eine Inflation von 1,7 Prozent nicht von Pappe. Was zudem beunruhigt und vermuten lässt, dass die kurzfristige Beruhigung, die US-Notenbankchef Powell am Dienstag mit seinen Beschönigungen erreichte, nicht von Dauer sein muss, ist:

Expertenmeinung: Es ist zu leicht durchschaubar, warum die Notenbanken, ob nun US-Notenbank oder EZB, derzeit bemüht sind, Inflationsgefahren kleinzureden. Das liegt einfach daran, dass sie zu Recht fürchten, dass jedwedes Eingreifen in Form einer Reduzierung der Anleihekäufe oder gar einer Leitzinserhöhung die konjunkturelle Erholung abwürgen würde. Denn dieser Versuch, sich aus den Folgen der Corona-Krise heraus zu kämpfen, hat ein Fundament aus „billigem Geld“. Steigende Refinanzierungskosten wären da Gift. Nur:

Eine überschießende Inflation eben auch. Vor allem, wenn es zu einer Lohn-/Preis-Spirale käme, die sich nicht mehr einfangen lässt und bei der die Löhne am Ende immer das Nachsehen haben. Eine noch weiter gedrückte Kaufkraft wäre fatal. Die Notenbanken sitzen damit in der Zwickmühle: Bekämpfen sie die Inflationsgefahr, würgt dies das Wachstum ab. Tun sie nichts, ist es die Inflation, die der Wende den Garaus macht. Daher verlegt man sich darauf zu hoffen, dass die Preissteigerungen irgendwie im Sande verlaufen. Was sein könnte, aber die weniger wahrscheinliche Variante ist.

Und damit dürfte auch eine große Trendwende des Anleihebarometers Bund Future noch nicht vom Tisch sein. Zwei Linien gälte es hier im Auge zu behalten: Die untere Begrenzung der seit Mitte Februar geltenden Handelsspanne bei 168,97/169,29 Prozent sowie die übergeordnete Nackenlinie der derzeit laufenden Toppbildung im Bereich 167,12/167,15 Prozent. Sollten diese beiden Supportlinien fallen, würde dies einen deutlichen Anstieg der Renditen am deutschen Anleihemarkt widerspiegeln, der durchaus imstande wäre, die Chance auf eine nachhaltige konjunkturelle Erholung zu torpedieren, indem sich die Zinslandschaft auch ohne direktes Zutun der EZB deutlich eintrübt. Diese Zone sollte man daher in den kommenden Wochen und Monaten engmaschig im Auge behalten.

Chart vom 20.04.2021, Kurs 170,86 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Steigende Renditen am Anleihemarkt machten die Akteure in den vergangenen Wochen äußerst nervös. Sie waren eine Reaktion auf ein steigendes Inflationsrisiko. Und sollten die Notenbanken eingreifen, hätte man am Aktienmarkt ein Problem. Die EZB-Sitzung am Donnerstag schien die Investoren zu beruhigen – aber ist die Beruhigung von Dauer?

Die EZB hatte am Donnerstag nicht an der Zinsschraube gedreht und das auch nicht avisiert. Man beobachte das Geschehen, hieß es. Das mochte einige Anleger zwar zufriedenstellen, weil es wirkte, als würde die EZB bislang mit Blick auf die im Februar deutlich gestiegenen Inflationsraten keine Gefahren sehen. Aber ob wirklich alle Akteure mit den Aussagen und der Europäischen Zentralbank zufrieden sind, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Denn angesichts der derzeitigen Konstellation des Bund Future, dem Kursbarometer deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, bestand nicht die Notwendigkeit, sofort zu reagieren, wollte man hier weiter aussteigen. Aber warum sollten Investoren diesen Gedanken überhaupt hegen, wenn die EZB scheinbar keinen Grund zur Sorge sieht?

Expertenmeinung: Weil die EZB in der Zwickmühle sitzt. Selbst kleinste Maßnahme würde in diesem fragilen Umfeld das Risiko bergen, das Wachstum abzuwürgen und nicht nur einen Selloff am Anleihemarkt und zugleich beim Bund Future auszulösen, sondern auch am Aktienmarkt. Tut man aber nichts und die Inflation zieht weiter an, würde das durch eine schwindende Kaufkraft denselben negativen Effekt zeitigen. Daher überraschte es nicht, dass man in Frankfurt darauf hinwies, dass das US-Konjunkturpaket und die steigenden Ölpreise die Inflation noch etwas antreiben könnten, es aber so darstellte, als sei das ein vorübergehendes und unproblematisches Phänomen. Man spielt auf Zeit, um die Märkte zu beruhigen. Aber erfahrene Investoren wissen: Damit kann man sich auch verspekulieren.

Daher war die Reaktion am Anleihemarkt auch überschaubar. Der Bund Future legte zwar zu, die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen kamen damit einen Tick zurück. Aber die Aufwärtswende im Anleihebarometer gelang damit noch nicht, denn genau dort, wo der Future hätte weiter steigen müssen, setzten Abgaben ein, die das Plus bis zum Abend halbierten.

Grundsätzlich hat der Bund Future eine ideale Ausgangsbasis, um einen neuen Aufwärtsimpuls zu starten, der die Angst vor steigenden Anleiherenditen bannen würde. Denn nach dem Abverkauf Ende Februar bildete das Anleihebarometer in den letzten Tagen ein höheres Tief aus, von dem aus ein Anstieg an, ggf. sogar über den Widerstand bei 173,06 Prozent im Juni-Termin des Futures möglich wäre. Aber dazu müsste eben erst einmal das kurzfristige, zwischen den beiden letzten Tiefs liegende Zwischenhoch bei 172,08 Prozent überboten sein – und genau dort begannen am Donnerstag wieder Verkäufe. Gelingt dieser Sprung doch noch, wäre das für den Aktienmarkt zweifellos eine wichtige Stütze. Aber solange die Wende noch nicht vollendet ist, können Akteure, die diesem Beruhigungsversuch der EZB nicht über den Weg trauen, den Bund Future allemal auch unter 170,72 Prozent drücken und damit den Weg zurück an das Selloff-Tief von Ende Februar bei 169,23 Prozent freimachen.

Chart vom 11.03.2021, Kurs 171,71 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Die Zinswende wurde in den vergangenen Jahren schon oft vorhergesagt. Doch diese Prophezeiungen trafen nie ein. Mit am Freitag -0,64 Prozent bleibt die Rendite für deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit nahe ihrer Rekordtiefs. Und der Bund Future, das wichtigste Zinsbarometer an der Terminbörse, das den Kurs einer fiktiven, immer zehn Jahre laufenden Bundesanleihe nachbildet, hält eisern seinen Aufwärtstrend. Und der könnte weitergehen, in den kommenden Monaten womöglich sogar über das Corona-Panik-Rekordhoch vom März bei 181,93 Prozent führen.

Denn was die EZB am Donnerstag beschlossen hatte, war mit Blick auf die derzeitigen konjunkturellen Perspektiven Europas nicht zwingend das Ende von „Quantitative Easing“, das für gezielt niedrige Zinsen sorgen und so die Stabilisierung der Eurozone-Wirtschaft unterstützen soll. So, wie sich die Lage hinsichtlich der Corona-Problematik darstellt, dürfte erst noch deutlich schlechter werden, bevor es besser wird. Und will die EZB verhindern, dass Euroland in die Rezession zurück geschleudert wird, müsste man wohl Richtung März nachlegen. Dieser Ansicht sind auch nicht wenige Marktteilnehmer, denn nach der EZB-Entscheidung des Donnerstags, das Volumen der Anleihe-Stützungskäufe um 500 Milliarden Euro auszuweiten, blieb der Bund Future gesucht und dessen übergeordneter Trend intakt.

Expertenmeinung: Sie sehen in diesem Chart auf Wochenbasis, dass das Anleihebarometer diesen Aufwärtstrend im Herbst 2018 begann, nachdem die Notierungen zuvor eine anderthalbjährige Seitwärtsbewegung absolviert hatten. Das passt zu der 2018 begonnenen Abschwächung des Wachstums in Europa. Insbesondere in Deutschland näherte sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bereits vor dem Einbruch im Frühjahr 2020 der Nulllinie, wurde durch den Corona-Crash nur noch über die Klippe gestoßen, über der man ohnehin schon mit einem Bein hing. Auffällig ist dabei, dass der Kurs trotz der dramatischen Entwicklung des Jahres 2020 noch nicht über dem Level vom Sommer 2019 notiert. Noch weiter ins Minus abdriftende Renditen will nun einmal niemand, das kann und will man sich am Anleihemarkt nur ungern vorstellen. Aber:

Sofern sich die derzeitige Tendenz nicht rasant bessert, wird die Eurozone-Wirtschaft die Erholung des Sommers nicht so schnell wieder aufnehmen, im Gegenteil besteht das Risiko, dass dieser Erholungseffekt vollständig eliminiert wird, wenn nicht massiv gestützt wird. Was hieße: noch niedrigere Anleiherenditen und ein noch weiter steigender Bund Future. Ob es so kommt, ist natürlich nicht sicher vorhersagbar, dafür sind die Rahmenbedingungen zu unwägbar, was auch für die Entscheidungen von unter Druck stehenden Politikern und Notenbankern gälte. Aber das bullische Lager hat nicht nur den Vorteil, dass die kritische Lage eher für steigende Notierungen spräche, auch die Charttechnik bietet Rückenwind:

Der Aufwärtstrend wird derzeit durch die 200-Tage-Linie prominent verstärkt, so dass wir hier einen doppelten Leitstrahl der Hausse im Bereich 176,18 zu 176,70 Prozent vorfinden. Solange der Bund Future diesen Supportbereich nicht auf Wochenschlusskursbasis unterschreitet, behält das bullische Lager die besseren Karten auf der Hand.

Chart vom 11.12.2020, Kurs 178,57 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Bis auf -0,87 Prozent war die Rendite für deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am 9. März weggebrochen. Ein absoluter Rekord, ein Negativ-Zins, wie man ihn sich vor dem Corona-Crash der Aktienmärkte nicht hätte vorstellen können.

Während die Renditen der US-Staatsanleihen immer noch nahe ihrer März-Tiefs verharren, haben sich die Renditen der deutschen Bundesanleihen wieder deutlich erholt, pendeln seit Ende März in einer Range zwischen -0,2 und -0,6 Prozent. Was für die Kurse dieser Anleihen bedeutet, dass sie wieder nachgaben (je höher der Kurs einer umlaufenden Anleihe steigt, desto geringer wird ihre Zinsrendite). Das sehen wir auch im Chart des Barometers dieser deutschen „Zehnjährigen“ am Futures-Markt, dem Bund Future:

Das Anleihebarometer kam nach dem Rekordhoch, das der aktuelle „Frontmonat“, der September-Kontrakt, Anfang März bei 182,47 Prozent erzielte, blitzartig zurück. Was sicherlich zum Teil auf reinen Gewinnmitnahmen basierte. Aber dass dieser Selloff im Bund Future klar vor dem Tief der Aktienmärkte lag, deutet an, dass da einige große Adressen am Anleihemarkt Positionen verkaufen mussten, um Cash zu bekommen, mit dem sich unter die Nachzahlungsschwelle geratene Positionen im Bereich der Aktienmarkt-Futures auffüllen ließen. Dieser Abstieg dürfte also keineswegs allein aus der Überzeugung, dass nicht so heiß gegessen wie gekocht wird, entstanden sein.

Ende April begann sich die Lage zu beruhigen, was für den Bund Future bedeutete, dass er zwischen grob 173 und 178 Prozent in eine Art „stabile Seitenlage“ überging. Allerdings mit einer erkennbaren Tendenz, sich eher nach oben zu orientieren. Geht da auf der Long-Seite bald wieder etwas?

Expertenmeinung: Das wäre durchaus denkbar. Dass die deutschen Anleihekurse und mit ihnen der Bund Future bislang nicht auf Tuchfühlung mit diesem Panik-Hoch des Future (i.e. Panik-Tief der Renditen) von März gingen, liegt daran, dass man im Vergleich zu den USA den durchaus berechtigten Eindruck hat, dass das europäische Krisenmanagement deutlich mehr taugt als das, was derzeit in Washington als entschlossenes Handeln verkauft wird. Doch es dürfte ein Trugschluss sein, dass eine besser als in den USA eingedämmte Pandemie und eine ruhige Hand der EZB ausreichen, um die Rezession zu vertreiben. Und die ist es, nicht das Corona-Virus, was auf die Renditen am Anleihemarkt drückt. Dass die EZB mit ihren bisherigen Maßnahmen auskommt, der Leitzins nicht in negatives Terrain gedrückt werden muss, ist noch keineswegs sicher.

Je mehr Zeit vergeht, ohne dass man erkennen kann, dass die „v-förmige“ Erholung der Wirtschaft wirklich eintritt, desto besser wird die Chance für einen Ausbruch des Bund Future nach oben, der damit dann Leitzinssenkungen der EZB oder doch zumindest eine markante Ausweitung des Volumens der Anleihe-Stützungskäufe vorwegnehmen würde. Die charttechnische Hürde, über die das Anleihebarometer für ein markantes, bullisches Signal hinaus müsste, wäre der Bereich 177,76/178,01 Prozent. Gelingt das, hieße das übersetzt, dass die vorsichtige Beruhigung in Bezug auf die wirtschaftliche Perspektiven Deutschlands und der Eurozone wieder der Angst gewichen wäre. Und dann müsste das bisherige Rekordhoch von 182,47 Prozent nicht einmal zwingend das Ende der Rallye markieren.

Chart vom 19.08.2020, Kurs 176,51 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Es sieht nach Toppbildung aus beim Terminbörsen-Kursbarometer der deutschen Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, dem Bund Future. Und würde die Nackenlinie dieses bislang noch potenziellen Topps (bei 167,49 Prozent) gebrochen, würde zugleich, das sieht man gut im Chart auf Wochenbasis, die längerfristige, Anfang 2018 etablierte Aufwärtstrendlinie fallen. Momentan hat sich der Bund Future zwar von dieser Nackenlinie wieder entfernt. Aber es sieht aus, als würde sich dadurch die rechte Schulter einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation bilden. Zumal sich diese Aufwärtsbewegung als ansteigender Keil zeigt, was man als Konsolidierungsformation des letzten Abwärtsimpulses ansehen könnte. Es wirkt, als wäre diese Super-Hausse, die massiv negative deutsche Anleiherenditen widerspiegelt, langsam ihr Ende finden … zumindest, wenn man sich alleine das Chartbild ansieht. Bund Future Chart auf Wochenbasis vom 13.05.2020, Kurs 173,57 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX Denn eine echte, mittelfristig relevante Wende durch die Vollendung dieser Toppbildung würde ja einen kräftigen Abfluss aus deutschen Anleihen bedingen. Die Zinsen würden also wieder steigen … gibt die Gemengelage das her? Ja, wenn sich die Eurozone-wirtschaft so zügig und weitreichend erholt, dass weitere Maßnahmen der EZB nicht erforderlich wären, ggf. sogar wieder der Gedanke an einen Abbau der Anleihekäufe aufkommt. Dann würde wohl auch zügig viel Kapital vom Anleihemarkt zurück in den Aktienmarkt fließen. Aber ist das momentan wahrscheinlich? Das ist es nicht, solange völlig offen bleibt, ob und, wenn ja, wann der Neustart der Konjunktur gelingt. Dass die Zahl der aktiv infizierten Personen in Deutschland derzeit zügig abnimmt, ist zwar ein gutes Signal. Aber ob es so bleibt, ist offen. Und solange das so ist, dürfte der Konsum als Rückgrat des Wachstums nicht die nötige Intensität erreichen, um ein Wachstum zu generieren, das die EZB der Notwendigkeit weiterer Stützungen entheben würde. Bevor diese Trendwende mit Schlusskursen unterhalb von 167,49 Prozent nicht tatsächlich vollzogen wurde, wären Short-Trades somit riskant. Sollte der Bund Future die im Chart auf Tagesbasis dargestellte Keilformation mit Schlusskursen unter 172,80 Prozent nach unten durchbrechen, würde ein Test dieser Nackenlinie bei 167,49 Prozent zwar wahrscheinlicher, wäre aber, im Vorfeld einer mittelfristig relevanten Abwärts-Wende, „nur“ eine Chance auf Trading-Basis. Bund Future Chart auf Tagesbasis vom 13.05.2020, Kurs 173,57 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX