Euro-Bund Prognose Bund Future: Sollte man mit dem Anleihe-Einstieg noch warten?

News: Aktuelle Analyse des Euro-Bund Futures

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Euro-Bund
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Ticker: GBL
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Nachdem mit den US-Inflationsdaten des Septembers vor sechs Wochen immer mehr Anleger glauben wollten, dass der Inflationsdruck und mit ihm Leitzinserhöhungen langsam dem Ende zugehen, begannen einige, sich die stark gestiegenen Anleihe-Renditen zu sichern. Zu früh?

Zwischen Mitte Oktober und aktuell ist die Rendite für deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit von in der Spitze 2,45 Prozent auf 1,95 Prozent zurückgekommen. Da die Verzinsung einer Anleihe bei der Ausgabe fixiert wird und bis Laufzeitende gleich bleibt, kann die Rendite einer Anleihe, sprich das, was ein Käufer dabei nach der Formel Zinskupon ./. Kaufkurs als persönliche Verzinsung herausholt, nur über die Veränderung des Kurses passieren. Steigt der Kurs, fällt die Rendite und umgekehrt. Eine fallende Rendite bedeutet somit, dass die Kurse dieser Anleihen zulegen. Die Anleger greifen also gerade zu, was sich auch im Bund Future niederschlägt, der die Kursentwicklung solcher deutschen Bundesanleihen mit 10 Jahres-Laufzeit am Futures-Markt abbildet. Aber:

Auch, wenn ein Rückgang der Rendite um fast einen halben Prozentpunkt klingt, als sei das eine große Veränderung, ist sie es de facto nicht. Immerhin war die Rendite für diese zehnjährigen Bundesanleihen zu Beginn des Jahres mit -0,25 Prozent noch negativ. Gar so viele Akteure haben bislang also noch nicht gekauft, um die Rendite der „Zehnjährigen“ unter den derzeitigen EZB-Leitzinslevel zu drücken. Die Frage ist: Haben die Käufer der letzten Wochen trotzdem die beste Rendite für die kommenden Jahre für sich herausgeholt … oder waren sie womöglich deutlich zu früh dran, weil noch weit höhere Renditen zu erwarten sind?

Expertenmeinung: Das ist immer ein Ratespiel. Sicher kann man sich natürlich nicht sein, wie lange die EZB die Zinsanhebungen noch weiter führt und wo man am Ende vom Leitzinsniveau her stehen wird, zumal einige EZB-Mitglieder den Markt jetzt auf kleinere Zinsschritte vorbereiten. Dabei sind die langen, bei hohen Renditen natürlich besonders attraktiven Laufzeiten am schwersten einzuschätzen. Kurze Anleihe-Laufzeiten von ein bis zwei Jahren reagieren schnell auf veränderte Rahmenbedingungen, da blicken die Anleger nicht so weit voraus. Aber bei dem, was der Bund Future repräsentiert, der Laufzeit von zehn Jahren, ist das eben anders. Da kann man auch nicht unterstellen, dass die Rendite so weit anzieht, wie die Leitzinsen steigen werden, denn natürlich weiß man: Ein über zwei Prozent liegendes Leitzinsniveau wird irgendwann wieder niedriger liegen, die jetzt beim Kauf solcher „Zehnjährigen“ gesicherte Rendite bleibt aber für diese zehn Jahre dann gleich. Also?

Wir sehen zwar im Bund Future eine Bodenbildung des Kurses, die umgedacht auf die Anleihe-Rendite einer Toppbildung entspricht. Aber ob die gelingt, ist noch offen. Der Kurs müsste erst einmal durch die Widerstandszone 141,07/142,87 Prozent hindurch, erst dann wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht an die übergeordnete Abwärtstrendlinie um 150 Prozent frei. Und diese zu erreichen würde einfordern, dass aus diesen bislang noch nicht unterfütterten Hoffnungen auf ein baldiges Ende der EZB-Zinserhöhungen ein wirklich greifbares Szenario wird.

Noch ist das nicht der Fall, noch liegt die Eurozone-Inflation auf Rekordlevel. Und sollte sich da erst einmal keine Entspannung ergeben, könnten die bisherigen Tiefs im Bund Future durchaus neuen Tiefs weichen, man sollte also lieber nicht zu früh auf die Zinswende setzen.

Bund Future: Chart vom 21.11.2022, Kurs 140,37 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des Euro-Bund Futures

Der Bund Future, das Anleihebarometer deutscher, zehnjähriger Bundesanleihen, hat binnen kurzer Zeit den letzten der drei größeren Abwärtsimpulse der vergangenen sieben Monate wieder aufgeholt. Aber so beeindruckend diese Rallye ist: Die Wende ist das wohl nicht.

Die gestrigen US-Inflationsdaten und die Entscheidung der Bank of Canada, den kanadischen Leitzins in einem Zug um ein ganzes Prozent anzuheben, machen klar, dass die Notenbanken weder zögern können noch wollen, wenn es darum geht, die Inflation mit einer Rosskur niederzuringen. Es ist daher äußerst unwahrscheinlich, dass sich die EZB den bisherigen, zögerlichen Kurs noch lange leisten kann. Wäre es anders, wäre die Rallye des Bund Future damit durchaus erklärbar, denn:

Je höher die Kurse bereits umlaufender Anleihen steigen, desto weiter geht ihre Rendite, also der Zins in Relation zum Kurs, zurück. Steigende Anleihekurse und mit ihnen der parallel dazu laufende Bund Future würden also indizieren, dass man im Vorfeld, als die Rendite deutscher „Zehnjähriger“ bis gut 1,75 Prozent nach oben geschossen war, überzogen hatte. Das wäre begründbar, wenn man mittlerweile annehmen könnte, dass die EZB doch nicht wirklich Ernst machen und die Zinsen zügig und deutlich anheben wird. Aber kann man das unterstellen?

Expertenmeinung: Nein, das kann man nicht. Es müsste also einen anderen Grund dafür geben, dass der Bund Future nach diesem vorherigen, bereits dritten Abwärtsimpuls Mitte Juni auf dem Absatz kehrt gemacht hat und seither zügig steigt. Und den gibt es auch, er ist sogar äußerst profan:

Eine Rendite von gut 1,75 Prozent haben deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit seit Anfang 2014 nicht mehr gebracht. Und auch, wenn ein Zins von 1,75 Prozent im Vergleich zur Inflationsrate jämmerlich wirkt: Solange der Aktienmarkt im Abwärtstrend ist, kann man dort nicht unterstellen, jährlich mehr zu erwirtschaften. Zudem wird die Inflation nicht auf Dauer so hoch bleiben, diese 1,75 Prozent Verzinsung, die bekommt man dann aber jahrelang, auch, wenn die Inflationsrate darunter fällt.

Es ist also vor allem das wegen der deutlich höheren Renditen stark gestiegene Kaufinteresse an Bundesanleihen gewesen, was die Kurse dieser Anleihen und mit ihnen den Bund Future höher trieb. Und da dieses Kaufinteresse naturgemäß nachlässt, je tiefer die Renditen wieder sinken … vor allem mit dem Hintergrund einer EZB, die die Leitzinsen womöglich schneller und weiter anheben muss als man das zuletzt dachte und hoffte … dürfte auch das Potenzial des Bund Future nach oben mittlerweile eher überschaubar sein.

Ob man sich dabei an charttechnischen Eckpunkten orientieren wird, ist hier immer so eine Sache, weil ja die Kursveränderungen der zugrundeliegenden Anleihen den Weg vorgeben. Aber momentan ließe sich vermuten, dass es nicht allzu wahrscheinlich ist, dass der Kurs des Bund Future an der Widerstandszone 155,57/156,41 Euro vorbeikommt. Und sollte die Kreuzunterstützung im Bereich 149,75/150,72 Euro fallen, kann es sehr gut sein, dass das Anleihebarometer damit das nächste „Bein“ der Abwärtsbewegung einläutet.

Bund Future: Chart vom 13.07.2022, Kurs 152,88 Euro, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Anfang des Jahres lag die Rendite deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit noch bei -0,15 Prozent. Gestern erreichte sie im Hoch +1,92 Prozent. Das bedeutet einen dramatischen Selloff im Bund Future. Das kann doch nicht immer so weitergehen … oder?

Wo geht all dieses Geld eigentlich hin, das frei wird, weil die Investoren seit März massiv Anleihen verkaufen? Denn das passiert ja, nur so können die Renditen bestehender Anleihen steigen und sich dem rasant ansteigenden Zinsniveau am Kapitalmarkt anpassen. In Aktien geht es nicht, wie man kaum übersehen kann, in Gold ebenso wenig. Und dass Anleihe-Investoren auf einmal beginnen, bei Weizen, Öl oder Gas auf Hausse zu zocken, ist unwahrscheinlich. Das Geld wird also offenbar geparkt … um dann bei besseren Renditen wieder in den Anleihemarkt zurück zu fließen. Das würde bedeuten, dass der Selloff der deutschen Anleihekurse und mit ihnen der ihres Terminmarkt-Barometers Bund Future endlich ist. Aber:

Wann das Ende eines Abverkaufs erreicht ist, lässt sich selbst in normalen Phasen nicht sicher sagen. Bei einer Börse, die dermaßen emotional und langsam nahezu panisch ist, erst recht nicht. Aber 1,92 Prozent als bisheriges Hoch der Rendite für zehn Jahre Laufzeit … ist das nicht schon eine Übertreibung, müsste die Wende und damit eine Trading-Gelegenheit auf der Long-Seite rein von der Logik her nicht schon ziemlich nahe sein?

Expertenmeinung: Grundsätzlich könnte man das so sehen, denn die EZB hat ja noch nicht einmal angefangen, die Leitzinssätze anzuheben. Und sie hat bislang auch nicht vor, ein „Quantitative Tightening“ vorzunehmen, wie es die US-Notenbank begonnen hat, indem sie ihre eigenen Anleihebestände in den Markt gibt. Wenn man zum Vergleich sieht, dass die US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gestern bis 3,48 Prozent liefen, ist der Abstand der Renditen dieser „Zehnjährigen“ kleiner als der der Leitzinsen … und Letzterer würde eher noch anwachsen, weil die US-Notenbank den Leitzins viel schneller anhebt. Aber:

Wer momentan etwas rein aus der logischen Warte heraus betrachten und entscheiden will, kann damit leicht Schiffbruch erleiden. Denn wenn die Mehrheit der anderen Marktteilnehmer die Logik über Bord geworfen hat und emotional handelt, kommt man mit einem „müsste aber“ nicht weit, egal, wie schwerwiegend die Argumente grundsätzlich wären.

Der Bund Future ist, wie Sie im Chart sehen, seit Ende Mai dramatisch zurückgekommen und aus markttechnischer Sicht klar überverkauft. Aber trotzdem muss bei einer Gegenbewegung am Ende keine Trendwende herauskommen. Es wäre zwar jederzeit denkbar, dass der Future in einer schnellen Gegenreaktion in den Bereich des nächstliegenden Kreuzwiderstands im Bereich 150/151 Euro springt. Aber erst, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, zum Beispiel, indem deutlich wird, dass die Konjunktur so schnell in sich zusammenbricht, dass die EZB ihre Zinserhöhungen abbrechen muss und damit das Rendite-Hoch erreicht ist, wäre mehr als eine kleine Rallye zu erwarten. Der Abwärtstrend an sich wird, auch, wenn der Bund Future gerade nach unten überzieht, wohl vorerst erhalten bleiben.

Bund Future: Chart vom 16.06.2022, Kurs 143,43 Euro, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Der Bund Future, das Barometer deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am Futures-Markt, fällt und fällt. Die Rendite für die zehnjährigen Bonds ist gestern auf 1,32 Prozent gestiegen, so viel bekam man zuletzt vor acht Jahren. Geht der Trend wirklich weiter?

Übermorgen wird die EZB entscheiden, wie es in Sachen Leitzinsen weitergeht. Nachdem andere Notenbanken längst handeln, wird man sich um klare Aussagen nicht herumwinden können. Und nachdem es Anfang des Jahres noch hieß, Zinserhöhungen im Jahr 2022 seien nahezu ausgeschlossen, geht es jetzt nicht um „ob“, sondern nur um „wann“ und „wie viel“.

Aber was kann man da erwarten? Zwei, vielleicht drei kleine Zinsschritte wären für das laufende Jahr denkbar, jeweils um 0,25 Prozent. Aber mehr? Das wäre zwar dann nicht auszuschließen, wenn die Inflation im Herbst immer noch so immens ist wie derzeit. Aber da die Preise im vergangenen Herbst schon kräftig angezogen hatten, könnte die EZB auf einen Basiseffekt hoffen, der die Teuerungsrate zumindest optisch reduziert. Und es wäre nicht unbedingt überraschend, wenn in dieser so instabilen Konjunkturlage schon solche kleinen Zinsschritte dazu führen, dass das Wachstum ins Gegenteil umschlägt und die EZB ihre Zinserhöhungen abbrechen muss. Zumal:

Sackt die Konjunktur weg, besteht auch die Chance, dass ein jetzt noch zu geringes Angebot an Waren zum Überangebot wird, weil die Nachfrageseite einknickt. Daher sollte man diese Baisse des Bund Future besser nicht einfach mit dem Lineal in die Zukunft verlängern.

Expertenmeinung: Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen ist seit Jahresbeginn grob gerechnet von -0,20 auf +1,30 Prozent gestiegen, also um 1,5 Prozent. Was zwar nicht einfach mit sechs kleinen 0,25-Prozent-Zinsschritten im Leitzins gleichzusetzen ist. Aber es ist definitiv ein Vorgriff auf ein „neutrales“ Zinsniveau, das man für die Eurozone derzeit im Bereich zwischen 1,5 und 2,0 Prozent im Leitzins ansiedelt. Und steigen die Renditen, fallen eben die Anleihekurse und mit ihnen der Bund Future. Denn da der Zinskupon von bereits laufenden Anleihen unveränderlich ist, können Renditeveränderungen am Markt nur durch ein Auf und Ab der Anleihekurse eingepreist werden.

Da wir uns selbst auf der hier abgebildeten Wochenebene seit recht langer Zeit im überverkauften Bereich bewegen und es nicht gerade selten vorkommt, dass Trader auf ein Ereignis hin vorher eine Position aufbauen und den Gewinn mitnehmen, wenn dieses Ereignis eingetreten ist, besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass der Bund Future ab Donnerstag, wenn die EZB  entschieden hat, wieder anzieht. Einfach, weil die Short-Seller eindecken, sprich ihren Gewinn mitnehmen, und der Kurs dadurch steigt. Aber:

Deswegen Long zu gehen, könnte schiefgehen. Denn vorerst dürfte die Perspektive kleiner Zinserhöhungen in den kommenden Monaten nicht vom Tisch kommen. Und so lange das der Fall ist, wäre der Spielraum des Bund Future nach wohl eher begrenzt, die Widerstandszone im Bereich 155/156,25 (bezogen auf den hier abgebildeten, aktuellen Liefertermin September) könnte da schon eine nicht bezwingbare Hürde sein. Aber der Gedanke, vielleicht schon im Vorfeld der EZB-Entscheidung am Donnerstag ein paar Short-Gewinne mitzunehmen, der käme einem hier schon.

Bund Future: Chart vom 06.06.2022, Kurs 149,19 Euro, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Wochenlang kannte der Bund Future nur eine Richtung: abwärts. Aber Mitte Februar etablierte sich eine Bodenbildung, die jetzt in einen kräftigen Anstieg überging. Der vor allem auf Spekulationen beruhen dürfte, was die EZB in dieser veränderten Gemengelage tun könnte.

Mit den Sanktionen gegen Russland hat sich eine durch zu viel Inflation und zu viele laufende Kredite schwierige Ausgangssituation noch weiter kompliziert. Ein Grund für die Käufe im Barometer deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am Futures-Markt, dem Bund Future, mag dabei gewesen sein, dass Kapital, das in russischen Anleihen investiert war oder investiert werden sollte, hier ein Ausweichziel gefunden hat. Aber deutlich schwerer dürfte die Spekulation sicherlich nicht weniger Akteure dahingehend wiegen, dass die EZB nach ihrer Sitzung am 10. März womöglich doch keinen Kurswechsel verkünden wird.

Denn wir wissen ja, dass sich die Europäische Zentralbank sowieso äußerst schwertut, dem Kurs der Bank of England und der US-Notenbank zu folgen, die viel zu hohe Inflation mit Leitzinserhöhungen zu bekämpfen. Erstens, weil man fürchtet, dass das den Preisauftrieb nicht bremst. Zweitens, weil man Sorge hat, dass die Kreditblase, die durch jahrelange Nullzinsen entstanden ist, bei höheren Kreditkosten platzt.

Aber wenn „Fed“ und „BoE“ vorangehen, ist es äußerst problematisch, einen anderen Weg zu einzuschlagen und einfach zu hoffen, die Inflation werde von alleine verschwinden. Zumal man sie damit sogar noch befeuern könnte, weil dieser „Sonderweg“ auf den Euro drücken und die Rohstoffpreise dadurch nur noch höher ziehen dürfte. Aber jetzt, vermuten einige, hätte man eine neue Ausrede.

Expertenmeinung: Denn da die Sanktionen natürlich auch Druck auf die Wirtschaft der Eurozone bedeuten, man denke da an die wegfallenden Abnehmer in Russland oder die Probleme, die Unternehmen bekommen, die dort Werke unterhalten, ließe sich argumentieren, dass ein Anziehen der Inflation – erneut – durch einen einmaligen Sondereffekt zustande komme. Und höhere Zinsen würden die Lage der Wirtschaft in dieser besonderen Gemengelage zusätzlich verschlechtern, so dass man weiterhin den Anleihemarkt mit Milliarden stützt und die Leitzinsen als Thema vom Tisch wischt. Wird es so kommen?

Möglich wäre es, auch, wenn damit natürlich das Risiko noch weiter steigen würde, dass es dann eben die Inflation alleine ist, die die Eurozone in eine Rezession befördert. Dass dann eine das ganze verschärfende Lohn/Preis-Spirale nicht abwendbar ist. Und dass es im Nachhinein nur noch durch sehr radikale und dann eben noch heftiger negativ wirkende Zinserhöhungen möglich wäre, die Inflation zu drücken. Wie sollte man sich verhalten?

Bevor die EZB nicht am 10. März Tacheles geredet hat, ist eine Long-Position im Bund Future, die auf wieder steigende Anleihekurse (= fallende Anleiherenditen) setzt, eine reine Wette. Und auch, wenn der Bund Future die Dezember-Abwärtstrendlinie gestern im zweiten Anlauf tatsächlich überboten hat: Wirklich bullisch wäre er dennoch erst auf höherem Niveau, nämlich nach einem Schlusskurs klar über der mittelfristig entscheidenden Widerstandszone zwischen 168,79 und 169,45 Prozent. Noch ist da also auf der Long-Seite Vorsicht geboten.

Bund Future: Chart vom 28.02.2022, Kurs 167,76 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

In den Statements von EZB-Chefin Christine Lagarde wiederholt diese immer wieder, dass die Inflation zurück in die Zielzone rutschen werde und Zinserhöhungen daher voreilig wären. Doch die Investoren am Anleihemarkt nehmen längst höhere Zinsen vorweg. Geht das gut?

Normalerweise gilt die eherne Regel, niemals gegen die eigene Notenbank zu traden, weil die am längeren Hebel sitzt. Doch die aktuelle Situation ist eine besondere. Mehrere auch große Notenbanken haben damit begonnen, die weit über das Tolerierbare gestiegene Inflation mit höheren Leitzinsen anzugehen; bei der US-Notenbank geht man davon aus, dass sie diesen Prozess spätestens in drei Wochen beginnen und dann schnell durchziehen wird. Dabei ist das Inflationsproblem überall im Prinzip dasselbe, aber:

Da die EZB bislang als eine der letzten Notenbanken so tut, als sei die Inflation ein rein vorübergehendes Problem, um sich um konkrete und umfassende Maßnahmen herum zu drücken, wird der Euro immer schwächer. Internationales Kapital wandert aus dem Euroraum dorthin, wo die Investitionsbedingungen besser und die Renditen am Bondmarkt höher sind. Dieser Druck auf den Euro führt aber dazu, dass die Inflation erst recht steigt. Denn die Eurozone muss viele Rohstoffe importieren – und die werden in dem dadurch immer teurer werdenden US-Dollar bezahlt. Was bedeutet:

Bund Future: Tages-Chart vom 16.02.2022, Kurs 165,19 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Die EZB ist nicht nur zunehmend isoliert in ihrer Haltung, Zinsanhebungen als „vorschnell“ zu bezeichnen, während es in den USA jetzt vielen nicht schnell genug gehen kann. Diese Politik befeuert die Inflation sogar über den schwachen Euro zusätzlich. Und das, davon gehen die Investoren aus, wird die EZB nicht durchhalten, womöglich sogar dann umso schneller hinter den anderen Währungshütern herlaufen müssen. Also nimmt man bereits steigende Zinsen vorweg, wie wir an dem immensen Abstieg des Bund Future, dem Abbild der Kurse deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am Futures-Markt, sehen können.

Die Rendite der hier im Future als Kurs abgebildeten deutschen „Zehnjährigen“ ist mittlerweile erstmals seit Frühjahr 2019 positiv, liegt derzeit bereits bei +0,31 Prozent. Und während es normalerweise durchaus seine Berechtigung hat, nicht gegen die Notenbank zu agieren, befinden sich die Short-Seller beim Bund Future auf ziemlich soliden Terrain. Erste Stimmen aus Kreisen des EZB-Rats beginnen schon ganz anders zu klingen als Frau Lagarde … und die immer weiter steigenden Preise und der Mangel an anderen, geeigneten Instrumenten zur Eindämmung der Inflation geben der Wette, dass die EZB noch in diesem Jahr und womöglich mehr als einmal an der Zinsschraube drehen muss, eine gute Chance.

Wie weit der Bund Future noch fallen könnte, ist indes eine ganz andere Frage mit deutlich weniger Prognosesicherheit. Rechnet man diesen Selloff seit Ende Dezember auf die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen um, hat er bereits einen Anstieg der Rendite um etwa 0,75 Prozent ausgemacht. Das ist schon ein ziemlich großer „Schluck aus der Pulle“, daher wären bestehende Short-Trades im Bund Future zwar mittelfristig haltenswert. Aber es wäre jederzeit möglich, dass das Anleihebarometer ein Pullback an den Ausbruchslevel, sprich an die Widerstandszone zwischen 167,60 und 169,80 Prozent vollzieht. Da dann neu Short zu gehen, wäre eine Überlegung wert; diesem Abverkauf jetzt direkt noch hinterherzulaufen, eher riskant.

Bund Future: Wochen-Chart vom 16.02.2022, Kurs 165,19 Prozent, Kürzel GBL | Online Broker LYNX