Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 08.-14.07.2024

Vorsicht, Statistik-Fallen!

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DAX
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Angeblich wird das zweite Halbjahr 2024 ziemlich bullisch. Das sagen zumindest Statistiken. Erstens, weil der Juli besonders bullisch ist, angeblich. Und weil der Aktienmarkt in US-Wahljahren statistisch gesehen steigt. Das Problem ist: Statistiken sind „biegsam“. Sie zeigen nur einen Durchschnittswert, der aussagt: Tendenziell stiegen die Kurse in den vergangenen Jahren im Schnitt ab jetzt erst mal weiter. Schön, nur heißt das eben übersetzt: Oft ist das so … wenn aber nicht, dann nicht. Auf dieser Basis soll man traden? Sehen wir uns mal Beispiele an.

Nehmen wir mal an, Sie kommen an eine Brücke, die, vorsichtig formuliert, wenig vertrauenerweckend daherkommt. Am anderen Ende gibt es aber eine dicke Belohnung, das lockt, hinüberzugehen. Aber wenn der zuständige Brücken-Troll ihnen mitteilt, dass diese Brücke in zwei Drittel der Fälle gehalten hat, wenn jemand darüber gelaufen ist, man ansonsten aber publikumswirksam 80 Meter tiefer im Abgrund zerschellt … würden Sie dann ohne lange nachzudenken frohgemut losmarschieren? Nein? Aber sehr viele Anleger tun genau das – und zwar mit ihrem Geld.

Gut, Geld und der eigene Körper sind nicht dasselbe, aber wenn Sie ihre Ersparnisse verzocken, sind die Folgen auch nicht ganz ohne. Und glaube niemand, diese Leute tun das, weil der für den Trend zuständige Börsen-Troll genuschelt hat. Sie hören nur nicht hin und sehen einfach das, was sie sehen wollen. Genauer hinzusehen wäre aber höchst ratsam, auch und gerade in Sachen Statistiken.

Die Aussage einer Statistik hängt entscheidend von der erfassten Zeitspanne ab

In einem Artikel von „Morningstar“ las ich dieser Tage, dass die Bespoke Investment Group mitteilte, dass der Juli der beste Monat für den S&P 500 in Sachen Performance sei, seit dessen Berechnungsstart ebenso wie über die letzten 20 Jahre. Na, sagt sich der geneigte Bulle daraufhin zweifellos, da kann man also noch ein paar Schippen Kohle nachlegen.

Kann man? Da mir das mit dem Top-Performer Juli nicht bewusst und irgendwie suspekt war, habe einfach mal woanders nachgeforscht. So hat die Nachrichtenagentur Reuters die durchschnittliche monatliche Performance des S&P 500 seit 1945 berechnet. Da kommt man aber für den Juli nur auf Platz vier nach November, Dezember und April. Und sieht diese durchschnittliche Juli-Performance bei 1,2 Prozent.

(Einwurf: Beim DAX kommt der Juli bei einer solchen Rechnung, beginnend 1959, nur zusammen mit dem Januar auf Platz fünf nach März, November, Dezember und April.)

Wie belieben? 1,2 Prozent im Schnitt beim S&P 500? Aber das haben wir ja in den vier bisherigen US-Handelstagen des Julis schon abgefrühstückt, wir liegen da an der Börse aktuell ja schon bei +1,95 Prozent!? So ist es. Was indes nicht heißt, dass jetzt in Sachen Hausse Feierabend sein muss. Es zeigt aber eines auf:

Schnittwerte sind, wenn sie über eine zu kurze Zeitspanne ermittelt werden, nichts wert. Und ist die Zeitspanne andererseits zu lang, kommt nur statistischer Matsch heraus, weil nun einmal kein Monat dauernd steigende oder fallende Kurse liefert, sondern es immer mal so, mal so läuft.

Und dass die einen den Juli als Top-Performer ausrufen, die anderen nicht, basiert einfach darauf, dass die Berechnungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten begannen. So liegen die üblen Jahre 2000-2003 eben außerhalb der von Bespoke Investment Group erwähnten 20 Jahre. Und was den erwähnten „Beginn der Berechnung“ des S&P 500 angeht, ist diese Aussage unklar, denn je nach Betrachtung kann dieser Beginn 1923, 1928 oder 1957 sein.

Es läuft immer mal so, mal so … der Schnitt davon bringt einem Trader so gut wie nichts

Nicht, weil ich nichts Besseres zu tun gehabt hätte, sondern um der Sache etwas mehr Struktur zu verleihen, habe ich mir die Performances im Juli für den S&P 500 über die letzten 20 Jahre (2004 – 2023 inklusive) mal genau angesehen. Folgendes kam heraus:

In den letzten neun Jahren brachte der Juli jedes Mal einen Kursgewinn. Und insgesamt lag die Zahl der positiven zu den negativen Juli-Monaten bei 15 zu 5. Das wirkt überzeugend. Aber:

Börse aktuell: Kursentwicklung S&P 500 im Juli von 2013 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Kursentwicklung S&P 500 im Juli von 2013 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Bisweilen fiel eine Aufwärtskorrektur in einem insgesamt schwächeren Markt ausgerechnet auf den Juli, so z.B. 2022 oder aber es ging dafür direkt danach, im August, massiv abwärts. Was übrigens auch etwas ist, das man in solchen Statistiken nicht liest: Der August ist im langfristigen Schnitt eine Nullnummer, der September dann der im Schnitt schwächste Monat von allen. Warum also im Juli noch einsteigen? Aber weiter mit meiner Rechnerei:

Dann dachte ich mir, dass 20 Jahre aktuell ein höchst cleverer Zeitpunkt für eine bullische Aussage sind, weil das die schlechten Jahre 2000-2003 ausnimmt. Also habe ich den Zeitraum auf 25 Jahre erweitert, also ab 1999 bis 2023 einschließlich. Und schon sieht das Bild anders aus, denn sogar 1999 brachte der Juni ein Minus, 2000, 20001 und 2002 ebenso, nur 2003 kam ein kleines Plus heraus. Bei 25 Jahren haben wir also eine Relation von 16 zu 9 … das ist schon deutlich weniger überzeugend.

Das zeigt schon: Da läuft es wie beim eingangs erwähnten Brücken-Beispiel. Es kann mal so, mal so laufen, der Schnittwert davon ist somit kein Wegweiser für egal was. Davon mal abgesehen, dass er ja nur aufzeigt, was im Schnitt der vergangenen X Jahre passiert war. Da sich die Welt aber bekanntlich weiterdreht, jede Situation anders ist als eine in der Vergangenheit und Überraschungen an der Börse deren tägliches Brot sind, taugt das als Blick nach vorne … gar nichts. Davon mal abgesehen:

Wenn man Statistiken und Schnittwerte beachtet, dann aber auch die ungünstigen

Gerade erst vor zwei Wochen aktualisierte Reuters den Stand der Dinge in Sachen S&P 500-Kursziele der Analysten, konkret am 22. Mai, basierend auf einer vom 13. bis 22. Mai durchgeführten Umfrage unter 50 Marktstrategen. Deren Kursziel lag im Schnitt bei 5.302 Punkten für den 31.12.2024. An diesem Punkt sind wir an der Börse aktuell aber schon um fünf Prozent vorbei gelaufen, sprich der Index müsste im zweiten Halbjahr fallen, wenn er dorthin kommen wollte.

Haben die Marktstrategen keine Ahnung? Warum sind die überhaupt so komisch skeptisch, Kursziele liegen doch sonst fast immer weit über dem aktuellen Kurs, egal ob bei Einzelaktien oder Indizes?

Nun, das könnte daran liegen, dass die Rahmenbedingungen … im Gegensatz zu entsprechend von Startzeitpunkt und Fragestellung her zurechtgebogenen Statistiken … nicht zu einer Dauer-Hausse auf Rekordniveau passen. Da werden sogar Leute vorsichtig, die sonst immer bullisch sind. Und wer als Trader einigermaßen bei Sinnen ist, beachtet, wenn man schon Statistiken zur eigenen Orientierung hernehmen will, beide Seiten der Medaille und registriert auch solche Zahlen, die einem nicht in den Kram passen. Aber, so mag ein irritierter Bulle einwenden: Was ist denn mit dem „Wahljahr-Effekt“?

Wahljahre sind bullisch? Wie man’s nimmt.

Auch da kommt es darauf an, wo man anfängt, die Statistik zu berechnen. In einem Artikel von Franklin Templeton gab es u.a. eine Statistik (Link dazu ganz unten), die die Jahre 1990 bis 2018 beim S&P 500 hinsichtlich dessen Performance in den vier Jahren eines Wahlzyklus abklopft. Das für manche sicher erstaunliche++ Ergebnis: Es waren die Jahre außerhalb von Präsidentschafts- und Zwischenwahlen, die die starke Performance brachten, nicht das Wahljahr selbst. Da kam im Schnitt der in diesen Zeitraum fallenden sieben Präsidentschaftswahlen nur eine S&P-Performance von 5,83 Prozent zusammen.

Nimmt man die Wahl 2020 mit hinein, korrigiert sich das zwar nach oben, denn 2020 erreichte der Index eine Performance von 18,4 Prozent. Aber der Schnitt … und da sind wir wieder bei diesem Faktor … verschiebt sich dadurch ja nur mäßig, von 5,83 auf 7,36 Prozent. Und bis jetzt, stand Schlusskurs 5. Juli, liegt die bisherige Jahres-Performance des Index bereits bei 16,7 Prozent. Tja.

Und um diese Sache mit der Aussageschwäche von Schnittwerten zu untermauern, habe ich die Jahres-Performances dieser Wahljahre 1992 bis 2020 inklusive mal einzeln herausgerechnet: 1992 7,6% … 1996 23,0% … 2000 -9,1% … 2004 10,9% … 2008 -37,0% … 2012 16,0% … 2026 12,0% … 2020 18,4%.

Börse aktuell: Kursentwicklung S&P 500 in US-Wahljahren von 1992 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Kursentwicklung S&P 500 in US-Wahljahren von 1992 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Die Spanne reicht also von -37 bis +23 Prozent. Dass insgesamt trotzdem ein Plus herauskommt liegt daran, dass sechs dieser acht Wahljahre einen Kursanstieg brachten, von denen aber nur die 1996 und 2020 höher lagen als das, was der S&P 500 bereits jetzt, zur Halbzeit, eingefahren hat. Und alleine der Umstand, dass die schwachen Jahre 2000 und 2008 nicht wegen der Wahl, sondern wegen der Rahmenbedingungen schwach waren sollte klar machen: Die wiegen immer deutlich schwerer als das politische Possenspiel vor Präsidentschaftswahlen, im positiven ebenso wie im negativen Sinn.

Hinschauen ist sinnvoll, blind daran zu glauben nicht

Gerechnet ab 1929 und damit über 95 Jahre, hat der S&P 500 nur in 30 Jahren im Jahressaldo ein Minus ausgewiesen, auch dazu finden Sie unten einen Link. Somit sind, statistisch gesehen, 68,5 Prozent aller Jahre bullisch. Das klingt wie eine sichere Bank, aber wieder siehe oben: Bei einer Brücke würden Sie vermutlich anders denken. Und wenn Jahre übel wurden, dann gerne richtig. Nur liegt das letzte fatal schwache Jahr mit -38,5 Prozent gut 15 Jahre zurück, das war 2008. Lange genug, um es zu verdrängen und in alte Muster zurück zu fallen. Aber ich meine:

Kaum etwas ist gefährlicher, als eine Gefahr zu ignorieren, indem man sich nur die Daten heraussucht, die einem in den Kram passen. Im „realen Leben“ ebenso wie an der Börse. Aber Statistiken sind wunderbar geeignet, entsprechend unklug zu verfahren, weil sie einem vorgaukeln, einen Blick auf die Zukunft werfen zu können.

Ich gehe an keiner Statistik vorbei: Kommt da etwas, schaue ich hin. Aber es gibt auch keine Statistik, die ich nicht sofort hinterfrage und gegenprüfe. Für mich ist dieser Juli 2024 ein Börsenmonat wie jeder andere und das Jahr 2024 ein Börsenjahr wie jedes andere. Was im Durschnitt von X Jahren in einem Juli oder einem Wahljahr passiert ist, ist zweifellos interessant anzusehen. Aber es kann nie ein verlässlicher Wegweiser für die Zukunft und das eigene Trading sein!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Quellenangaben:
Morningstar-Artikel über die S&P 500-Performance: https://www.morningstar.com/news/marketwatch/20240629284/sp-500-gain-in-first-half-of-2024-blows-historical-average-out-of-the-water
Reuters-Grafik über die monatliche S&P 500-Performance ab 1945: https://www.reuters.com/graphics/USA-MARKETS/SEPTEMBER/zdvxozbwqpx/
Reuters-Meldung über die Kursziele der Analysten für den S&P 500: https://www.reuters.com/markets/us/sp-500-end-2024-around-current-levels-after-strong-run-2024-05-22/
Franklin Templeton-Artikel zum Thema Wahljahre in den USA: https://www.franklintempleton.de/aktuelles/2024/institute/kurze-uberlegungen-haben-die-wahlen-entscheidenden-einfluss-auf-die-markte
Jahres-Performances des S&P 500 seit 1929: https://www.macrotrends.net/2526/sp-500-historical-annual-returns

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Die Rahmenbedingungen für die Börsen unterliegen einem permanenten Wandel. Daher kann man nicht immer richtig liegen, mal eine Zeit lang auf dem falschen Dampfer zu sein, gehört dazu und passiert jedem. Was aber nicht sein muss und doch verblüffend verbreitet ist, ist die Neigung, dann stur auf einer falschen Meinung zu beharren. Das ist etwas, das sich seit Anbeginn der Börse nie verändert hat und viele unnötig viel Geld kostet. Warum ist das so?

Eigentlich ist die Antwort so simpel, dass man diese Kolumne auf einen Absatz beschränken könnte: Wenn es um Geld geht, ist bei vielen nicht nur der Spaß vorbei, es setzt auch der Verstand aus. Denn Vernunft unterliegt einer starken Emotion bei den meisten ein ums andere Mal: der Gier. Punkt.

Wenn dieser Beitrag trotzdem weitergeht, dann deshalb, weil ich über die vielen Phasen, in denen Gier zur leitenden Emotion sehr vieler wurde und in denen sich das nicht selten katastrophal rächte festgestellt habe, dass diese Fehler immer wieder gemacht werden.

Der Blick in den Spiegel: Es geht nicht ohne!

Nicht nur von der nächsten Trader-Generation, die einfach mal unterstellt, dass die „Alten“ doch keine Ahnung haben, wie es heute läuft und somit jedwede Warnungen in den Wind schlagen. Erinnern Sie sich an Ihr Denken und Tun als Teenager und überlegen Sie, wie Sie heute denken: Diese innere Aufmüpfigkeit ist normal. Und nicht wegzukriegen. Sie ist auch nicht wirklich das Problem, die meisten zahlen einfach Lehrgeld und werden mit den Jahren schlauer, das passt. Aber einige eben nicht. Weil?

Weil sie mit den Konsequenzen eines eigenen Fehlers falsch umgehen, indem sie umgehend anderen die Schuld zuweisen und nie das tun, was ein guter Investor immer mal wieder tun muss und auch tut: einen Blick in den Spiegel werfen und sich hinterfragen. Besonders gute Anleger tun das übrigens nicht nur, wenn etwas schiefging, sondern auch, wenn sie einen spektakulären Erfolg hatten. Die Frage lautet dann: War das meine Leistung, mein Wissen, mein Weitblick, meine Disziplin … oder habe ich einfach nur Glück gehabt?

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 von 1996 bis 2024 - Die letzte Baisse ist lange her | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 von 1996 bis 2024 – Die letzte Baisse ist lange her | Quelle: marketmaker pp4

Die meisten erkennen ihre Fehler lange Zeit nicht … und einige erkennen sie nie

Das Problem, das dazu führt, dass so vielen Besonnenheit und Selbstdisziplin abgeht, die sich darin äußern würde, erst nachzudenken und dann zu handeln statt umgekehrt … konsequent auszusteigen, wenn man erkennt, dass man falsch liegt … nie zu viel zu wagen und Reserven zu halten und so weiter, ist, wie gesagt, dass es hier um Geld geht. Um Geld, das gewonnen oder verloren werden kann, sicher. Aber in einem Umfeld, in dem diejenigen, die mit unserem Geld Geld verdienen wollen, medial omnipräsent sind, in dem hochriskante Aktionen wie die Kaufwellen nach dem Corona-Crash am Ende gutgingen und die letzte Baisse lange her ist, ist das mit dem Verlieren nur bei wenigen im Kopf verankert.

Wenn wir uns überlegen, dass die letzte Phase, in der es mehr als zwei Jahre dauerte, bis man, hätte man am Hoch einen Index wie den DAX gekauft, sein Geld wiedersah, auf das Jahr 2008 zurückgeht, ist das kein Wunder. Vor allem, wenn man sieht, dass Leute bei Aktien, die wegen Gewinnwarnungen (also nicht wegen Peanuts) weggebrochen sind, dann nur zwei, drei Wochen danach wieder anfangen zu kaufen und so belegen, dass sie das Gedächtnis einer Stubenfliege haben, die alle paar Sekunden gegen dasselbe geschlossene Fenster donnert.

Börse aktuell: Entwicklung Beyond Meat von 2019 bis 2024 - Absturz auf Raten | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung Beyond Meat von 2019 bis 2024 – Absturz auf Raten | Quelle: marketmaker pp4

Und wenn wir dann noch sehen, dass viele trotzdem Gewinn machen, obwohl sie eine Leiche nach der anderen im Depot haben, keine Stopps setzen, sondern die Verluste einfach laufen lassen, weil sie ein paar der Super-Raketen der letzten Monate mit im Portfolio haben, die das ausgleichen … warum sich selbst hinterfragen, warum in den Spiegel schauen, es läuft doch an der Börse aktuell?

Aber das funktioniert eben nicht immer. Sicher, Phasen, in denen das brutal bestraft wird, in denen Anleger auf Jahre hinaus große Teile ihres Ersparten verlieren und oft nie wiedersehen, sind selten. Aber wenn, haben sie immer heftige Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft, denn wer statt ein paar Zigtausend Euro auf dem Konto nur noch ein paar Tausend hat, neigt nicht zu großen Anschaffungen. Deswegen ist jeder, der beim nächsten Mal sein Geld rettet, für alle ein Gewinn.

Was wäre der richtige Weg?

Ein solcher Beitrag wäre unsinnig, wenn er nur Probleme aufzeigen und keine Lösungen anbieten würde. Also mache ich mich dran, wobei ich eines unterstreichen möchte: Ich habe meine ersten Aktien und Optionsscheine 1989 gekauft. Damit habe ich an der Börse schon einige auch dramatische Phasen erlebt, aber deswegen bin ich weder unfehlbar noch allwissend. Meine Gedanken sind Anregungen, die man aufgreifen kann, aber nicht muss. Aber wie gesagt: Solange nur ein paar diese Zeilen im Kopf behalten, ist schon viel gewonnen. Ich meine:

Börse aktuell: Entwicklung Rohöl von 2006 bis 2009 - Verrückte Rohöl-Hausse ohne Grundlage | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung Rohöl von 2006 bis 2009 – Verrückte Rohöl-Hausse ohne Grundlage | Quelle: marketmaker pp4

Der erste Schritt wäre für jeden, der es bislang nicht tut, der Schritt vor den vorgenannten Spiegel: Was mache ich da eigentlich? Agiere ich bewusst, besonnen, kenne ich mich mit dem, was ich tue, wirklich aus? Oder bin ich nur ein Spielball einer medial befeuerten Hausse und lasse ich mich von dem, was andere tun, mitreißen?

Wer bei diesen Fragen von sich selbst ehrliche Antworten bekommt, könnte schnell die nächste Frage nachschieben: Kenne ich neben meinen Chancen (die jeder kennt und die viele überhöhen und exklusiv betrachten) auch die Risiken? Weiß ich sicher, was ich wage und habe ich das im Griff? Die Antworten würden bei denen, die es bislang nicht tun, dazu führen, sich kundiger zu machen und das Depot mit Stoppkursen abzusichern.

Börse aktuell: Entwicklung HelloFresh von 2019 bis 2024 - Niedergang mit Ansage | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung HelloFresh von 2019 bis 2024 – Niedergang mit Ansage | Quelle: marketmaker pp4

Von der Nabelschau über ein solides Fundament hin zum echten Trader

Eigentlich könnte man, hätte man daraufhin das nötige Fachwissen erworben, die Positionen auf ihre Sinnhaftigkeit abgeklopft, den Mist rausgeworfen und die soliden Positionen mit Stopps gesichert, die Füße hochlegen. Aber man könnte dann auch weitergehen.

Man könnte die Chancen, die Trading-Disziplin und Wissen bringen, nutzen und statt wirrem Hin und Her gezieltes Trading beginnen. Ja, das bedarf Zeit, geht nie ohne eine „try & error“-Phase ab, in der „error“ nicht nur Dekoration ist. Und es fordert einen bisweilen nervlich heraus, weil diszipliniert zu agieren bisweilen härteres Brot ist als anschwellende Verluste zu ignorieren, aber:

Bei all diesen Beispielen, die ich in den begleitenden Charts abgebildet habe und die man als „Galerie der großen Dummheiten“ bezeichnen könnte, wäre man dann eben nicht dabei … bzw. stünde auch beim großen Heulen und Zähneklappern nach einer sinnfreien Welle der Gier auf der richtigen Seite. Eines könnte ich da zu behaupten wagen:

Börse aktuell: Entwicklung AMD von 1999 bis 2024 - 20 Jahre zwischen 2 Hochs | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung AMD von 1999 bis 2024 – 20 Jahre zwischen 2 Hochs | Quelle: marketmaker pp4

Je mehr man sich mit dem Thema Börse ernsthaft beschäftigt, desto mehr Zufriedenheit bringt es … und in der Regel dann auch mehr Gewinn und weniger Totalausfälle. Schauen Sie sich einfach mal um, unter den Bereichen https://www.lynxbroker.de/boerse/boerse-kurse/boerseninfo/, https://www.lynxbroker.de/boerse/trading/ oder https://www.lynxbroker.de/boerse/webinare/ haben meine Kollegen und ich über Jahre hinweg nützliche Wissens-Beiträge bereitgestellt. Und was gute Börsenbücher angeht, würden Sie, was meine Favoriten angeht, hier fündig: https://www.lynxbroker.de/boerse/boerse-kurse/boerseninfo/boerse-news-tipps/diese-10-boersenbuecher-sollten-sie-gelesen-haben/.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Nichts kam in den letzten Jahren auch nur ansatzweise an die Performance des Nasdaq 100 heran, auch aktuell hängt er alle anderen Indizes ab. Damit erscheint die Frage, in welchem US-Index man als Anleger am besten aufgehoben wäre, bereits beantwortet. Aber ist der aktuell stärkste denn auch wirklich zugleich der beste Index, wenn es um kluges Investieren geht?

Da kann man doch in kurzer Zeit richtig viel Geld machen, antwortete mir kürzlich ein Bekannter, nachdem er mich nach meiner Meinung zu seiner Idee gefragt hatte, sein Geld aus Europa-Investments herauszunehmen und in den Nasdaq 100 zu transferieren. Ich hatte das nämlich nicht für die allerbeste Idee gehalten und damit die für ihn eindeutig falsche Antwort abgeliefert. Erwartet wurde ein bestätigendes Nicken nebst „Daumen hoch“ … und dann komme ich mit dem S&P 500 daher. Tja, er hätte ja nicht fragen müssen …

Meine Antwort basierte darauf, dass ich nach jetzt 35 Jahren als Anleger mittlerweile gelernt habe, zuerst über die Risiken nachzudenken, abzuwägen, was ich im ungünstigsten Fall verlieren könnte, ob ich das hinnehmen will und dann erst, wenn der Trade läuft, an mögliche Gewinne zu denken. Denn die Erfahrung hat mich gelehrt, dass die alte Regel „mit möglichen Verlusten muss man sich immer beschäftigen, Gewinne passen auf sich alleine auf“ so verkehrt nicht ist, wie sie in manch Anlegers Ohren klingen mag.

Klar, man geht vor einem Trade grundsätzlich davon aus, dass der Sinn ergibt, sonst würde man es ja bleiben lassen. Aber zu viele glauben, dass der Gedanke, dass ab ihrem Einstieg alles perfekt in Richtung „viel Geld in wenig Zeit“ laufen werde, so etwas wie eine Garantie sei. Ist er aber nicht. Die Börse ist, auch, wenn es an der Börse aktuell ein wenig so wirkt, kein Wunschkonzert. Und wer sich beide Seiten der Medaille anschaut, wird schnell merken:

Schnell rauf, aber auch schnell runter: Der Nasdaq 100 ist nicht jedermanns Sache!

Der Nasdaq 100 ist, egal, ob auf kurz-, mittel- oder langfristiger Ebene, der stärkste Performer von allen … aber wenn er mal fällt, dann fällt er auch deutlich schneller und weiter als der Rest. Die starke Performance gibt es nur zum Preis einer im Vergleich zu anderen Indizes höherer Volatilität. Was bedeutet:

Einfach neuen Hochs hinterher zu laufen und regelmäßig zuzukaufen, ist nicht genial, sondern riskant. Sehen wir uns das mal im Vergleich zum altehrwürdigen Dow Jones an, der zwar im Vergleich zum DAX immer noch stärker ist, in Relation zum Nasdaq 100 aber wie eine lahme Ente wirkt.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 und Dow Jones im Vergleich von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 und Dow Jones im Vergleich von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Anfang 2022 war die Performance-Schere zwischen Dow Jones und Nasdaq 100 immens, obwohl dieser Chart nur fünf Jahre abbildet, d.h. in nur zweieinhalb Jahren vor dem Beginn des Abstiegs des Nasdaq 100 Anfang 2022 hat dieser den „lahmen“ Dow verblüffend weit unter sich gelassen. Doch im Herbst 2022 war das Gros dieses Vorsprungs auf einmal dahin. Der Nasdaq 100 mit seinen meist dem Tech-Sektor zuzuordnenden Aktien ist wie ein Fahrstuhl:

Schnell rauf, aber auch schnell runter. Man sollte also tunlichst nicht zum falschen Zeitpunkt in diesen Fahrstuhl einsteigen, sprich nicht ausgerechnet kurz vor dem höchsten Stockwerk. Das Dumme ist: Wo „oben“ ist, ist hier, im Gegensatz zu einem Fahrstuhl, beim Einstiegen nicht erkennbar. Das bedeutet:

Man sollte sich auskennen und dranbleiben, d.h. das nötige Fachwissen erworben haben … Erfahrung haben, um auch in hektischen Phasen mit ruhiger Hand zu agieren … und das Geschehen stets im Blick behalten. Für „buy & hold“ und für Anleger, die einfach nur monatlich ein wenig im Aktienmarkt investieren und damit über einige Jahre einen Teil ihrer Altersvorsorge bilden möchten, ist das kein ideales Feld. Aber aus meiner Sicht gäbe es dazu eine Alternative: Warum denn nicht stattdessen im S&P 500 investieren?

Der S&P 500: Zwischen allen Stühlen … und damit mittendrin im Geschehen!

Der Dow Jones umfasst 30 Aktien, der Nasdaq 100, wie der Name bereits andeutet, 100. Der S&P 500 listet aber 500 Aktien und bietet damit eine weitaus größere Streuung der Chancen und Risiken. Ja, könnte man einwenden, da sind dann aber auch eine Menge „Krücken“ dabei, die die Performance bremsen!

Eher nicht. Zum einen heißt „kleiner“ nicht zugleich „schwächer“. Zum anderen sind im S&P 500 die Top-Aktien des Nasdaq 100 und die Aktien aus dem Dow Jones mit dabei. Und die haben fast alle eine höhere Gewichtung im S&P 500 als diejenigen Titel, die nicht in diesen beiden Indizes mit drin sind. So gesehen hätte man mit dem S&P 500 eine Art Vermittler zwischen der relativen Stabilität des Dow Jones und der hohen Volatilität nebst insgesamt stärkerer Performance des Nasdaq 100. Sehen wir uns das mal über eine Zeitspanne von 20 Jahren an, die man für ein sinnvolles Investment zum Zweck der Aufbesserung der Alterssicherung anpeilen könnte:

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100, Dow Jones, S&P 500 und DAX Kursindex  im Vergleich von 2004 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100, Dow Jones, S&P 500 und DAX Kursindex im Vergleich von 2004 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Sie sehen, dass der S&P 500 zwar nicht an den Nasdaq 100 heranreicht, aber klar besser lief als der Dow Jones … und weniger volatil wie der Nasdaq 100 ist, so dass man hier eher regelmäßig zukaufen kann und nicht so sehr Gefahr läuft, kurz vor einem massiven Abriss zu viel Kapital investiert zu haben. Denn Verluste holen sich auch im Nasdaq 100 nicht zwingend ruckzuck von alleine auf.

Mit im Bild: der DAX Kursindex zum Vergleich. Nicht der deutlich besser gelaufene DAX Performanceindex, den viele als einzigen DAX kennen, denn nur der DAX Kursindex wird genau so berechnet wie diese drei US-Indizes, die nämlich ebenso wie der DAX Kursindex keine Dividenden wie Kursgewinne obendrauf rechnen. Was der Grund ist, warum der DAX Performanceindex scheinbar so stark ist, diese Dividenden und ihr Zinseszins-Effekt über die Jahre machen das aus, nicht die Kurse der Aktien allein.

Volatil sind Aktien immer, aber das sollte man besser in Maßen genießen

Der S&P 500 als „Mittler zwischen den Welten“ umfasst die New Economy und die Bereiche des KI-Hypes ebenso wie die defensiven Branchen der sogenannten “Old Economy“. Sicher, im Moment würden viele unbesehen den Nasdaq 100 allen anderen Indizes vorziehen, Performance macht halt Eindruck. Aber man würde außer Acht lassen, dass der Nasdaq 100 nicht immer ein Füllhorn der Gewinne war, sondern auch schon als Kapitalvernichter fungierte. Der folgende Chart erinnert an diese Zeit zwischen 2000 und 2003:

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 und S&P 500 im Vergleich von 1995 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 und S&P 500 im Vergleich von 1995 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Ob der KI-Hype an der Börse aktuell bereits mit dem Internet-Hype von damals vergleichbar ist, ich weiß es nicht … gar so hoch bewertet und überkauft wie damals ist der Nasdaq 100 noch nicht. Aber wo der Kipppunkt liegt, weiß man eben nie im Vornherein, auch dazu muss ein alter Börsenspruch herhalten: „Zum Ausstieg wird nicht geklingelt“. Und je länger und weiter eine Rallye läuft, desto mehr sollte man als jemand, der hier nicht mit Spielgeld zockt, sondern seine Ersparnisse für spätere Jahre sichern und mehren will, auf die Defensive achten. Und wenn die, wie die weniger volatile Alternative namens S&P 500, dennoch in einem soliden Aufwärtstrend verläuft und man erwarten darf, dass ein Absturz weniger extrem verlaufen würde wie an der Nasdaq, dann ist das allemal etwas, das man als Fundament eines Depots ins Auge fassen könnte.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Hohe Leitzinsen bedeuten teure Kredite, hohe Hypothekenzinsen und, da sie zudem normalerweise auch noch gestiegene Preise in Schach halten sollen, schmaler werdende Geldbeutel bei den Verbrauchern. Dass der Aktienmarkt in einem solchen Umfeld gut laufen könnte, wirkt im ersten Moment absurd, ist es aber nicht, das ist in der Vergangenheit oft so gewesen. Der Haken ist aber: Diesmal liegen die Dinge etwas anders.

Der folgende Chart zeigt, dass der hierfür als Beispiel gewählte, marktbreite S&P 500-Index in den USA durchaus gut, oft sogar sehr gut lief, wenn die US-Notenbank so wie momentan nach einer Phase steigender Leitzinsen stillhielt, so dass eine Art „Hochzins-Plateau“ entstand. Und das ist gar nicht mal so unlogisch.

Denn normalerweise erfolgen Leitzinsanhebungen vorbeugend, d.h. man will ein zu starkes Wachstum bremsen (und nicht abwürgen), um zu verhindern, dass es als Nebenwirkung zu zu schnell und zu weit steigenden Preisen kommt. Also macht man Geld teurer, dadurch soll weniger auf Kredit investiert und konsumiert werden und über das tolerierbare Maß hinausgehenden Preiserhöhungen die Grundlage entzogen werden. Was bedeutet:

Auf hohem Niveau verharrende Leitzinsen bedeuten normalerweise: Der Wirtschaft geht es gut.

Wenn die Notenbanken den Leitzins anheben, tun sie das normalerweise in einem Wachstumsumfeld, in dem folgerichtig auch die Unternehmensgewinne zulegen und damit die Basis für einen Aufwärtstrend am Aktienmarkt darstellen. Das Ziel ist, das Wachstum auf solidem, aber eben nicht zu hohem Niveau zu halten. Und solange der Anstieg der Leitzinsen nicht zu massiv ist, erzielt das seine Wirkung, ohne zugleich Konsum und Investitionen abzuwürgen. Dass der Aktienmarkt normalerweise zusammen mit dem Wachstum weiter anzieht, ist also grundsätzlich normal und keineswegs „falsch“.

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und US-Leitzinsen von 1997 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und US-Leitzinsen von 1997 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

In einer solchen Situation kann eine Notenbank den Leitzins so lange auf dem angehobenen Niveau belassen, bis es zu negativen Nebenwirkungen der höheren Zinsen kommt. Denn natürlich werden so die Refinanzierung des Staates ebenso wie die der Unternehmen teurer, die Kreditkosten steigen. Bei Ablauf von Zinsbindungen ebenso wie bei der Neuverschuldung drückt das auf das Konsum- und Investitionspotenzial.

Aber, und das ist der günstige Nebeneffekt, es drückt durch ein dann langsam nachlassendes Wachstum auch auf die Preise. D. h. der gewünschte Effekt, den Preisanstieg zu verringern oder sogar zu stoppen, wird dadurch erreicht. Die Notenbank kann daraufhin die Zinsen behutsam senken und so das Wachstum wieder unterstützen. Ein Auf und Ab, das, mit Fingerspitzengefühl umgesetzt, die Wirtschaft in geordneten Bahnen hält. So wie heute auch? Nein, denn diesmal ist einiges anders.

Risikofaktor 1: Die Bewertung

Wenn wir zu den beiden obenstehenden Aspekten noch die Bewertung des Aktienmarkts hinzunehmen, stellen wir fest: Während das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis der im Dow Jones gelisteten Aktien in früheren Phasen eines Hochzins-Plateaus im Vorfeld meist sank und immer im Verhältnis zum längerfristigen Schnitt niedrig war, ist es jetzt ungewöhnlich hoch. Und für eine Phase außerhalb einer Rezession, in der das KGV steigt, weil die Gewinne schneller einbrechen, als die Kurse fallen können, ist es sogar sehr hoch. Woran liegt das?

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500, KGV der Dow Jones Aktien und US-Leitzinsen von 1997 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung S&P 500, KGV der Dow Jones Aktien und US-Leitzinsen von 1997 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Das liegt dran, dass die Gewinne der großen, börsennotierten Unternehmen zwar weiter steigen, weil die Blue Chips eine derart starke Marktposition haben, dass hohe Zinsen deren Wachstum nicht stoppen (und die Verbraucher zugleich trotz hoher Zinsen relativ stark weiter konsumieren), die Kurse aber noch schneller nach oben laufen als die Gewinne. Der S&P 500 und vor allem der Nasdaq 100 sind deshalb an der Börse aktuell teuer bewertet. Im Gegensatz zu früheren Hochzins-Plateaus ist der Aktienmarkt also momentan nicht günstig, sondern hoch bis zu hoch bewertet. Das birgt das Risiko für Turbulenzen am Aktienmarkt die, da sie immer Auswirkungen auf die Verbraucher haben, für die US-Notenbank eine riskante Unbekannte darstellt.

Risikofaktor 2: Diesmal wurde hinterhergelaufen statt vorgesorgt

Wie eingangs erwähnt sollten Leitzinsen bereits als „Bremsinstrument“ zum Einsatz kommen, bevor das Kind im Brunnen liegt und nicht danach. Das funktionierte in den letzten 30 Jahren. Aber diesmal nicht. Als die „Fed“ erstmals im Frühjahr 2022 den Leitzins anhob, war die Inflationsrate mit 7,9 Prozent längst aus dem Ruder gelaufen. Man hatte geglaubt, der Preisanstieg durch die Phase der Materialengpässe würde mit dem Ende der Engpässe genauso verschwinden, lag aber falsch. Dadurch musste man diesmal hektisch nachsteuern. Und das birgt ein erhebliches Risiko für die Konjunktur, denn:

Börse aktuell: Entwicklung US-Leitzins und US-Inflationsrate von 1992 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung US-Leitzins und US-Inflationsrate von 1992 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Dadurch musste der Leitzins viel schneller und weiter angehoben werden als in den vorherigen Phasen. Und je drastischer die Veränderung bei den Kosten für geliehenes Geld ist, desto heftiger sind die Auswirkungen. Aber vor allem bedeutet das, dass die Notenbank – das gilt für die EZB genauso – jetzt hohe Zinsen fährt, obwohl die Preise bereits immens höher liegen. Die Prophylaxe fiel also aus, so dass nicht nur das Geld für Anschaffungen und Investitionen teurer ist, sondern auch der Preis der Anschaffungen und Investitionen selbst. Wie ungewöhnlich das ist, zeigt die nächste Grafik, in der wir die reale Preisveränderung über den HVPI (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) im Vergleich zum Leitzinslevel für die Eurozone sehen.

Börse aktuell: Entwicklung EZB Leitzins und nominaler Preisanstieg der Eurozone von 1998 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung EZB Leitzins und nominaler Preisanstieg der Eurozone von 1998 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Die Folge: Das Zauberlehrling-Problem

Dieses Hinterherlaufen hinter bereits deutlich zu stark gestiegenen Preisen hat seine Folgen: Die Lohn/Preis-Spirale läuft. Regierungen streuen Geld unter die Verbraucher, Unternehmen heben die Löhne viel stärker an als üblich. Zwar mit der Grundidee, die Wirtschaft dadurch zu stabilisieren, indem man den Verbrauchern die Kaufkraft erhält, die unter diesem Doppeldruck aus hohen Preisen und teurem Geld natürlich unter Druck kommt. Aber das hat eben einen Nebeneffekt:

Steigen die Löhne zu stark, müssen die Unternehmen wegen der dadurch gestiegenen Kosten die Preise erhöhen, wenn sie nicht wollen, dass ihre Gewinne sinken. Und das wollen sie, wie wir alle wissen, ganz und gar nicht. Zugleich geht die Staatsverschuldung wegen der höheren Ausgaben zur Eindämmung der Inflationsfolgen bei zugleich viel höheren Zinsen für die Schuldenfinanzierung durch die Decke. Und so setzt ein Kreislauf ein, eben diese Lohn/Preis-Spirale. Eins führt immer wieder zum anderen. Und das Dumme dabei ist:

Das läuft wie bei Goethes Zauberlehrling, der seinen Besen zwar in Gang setzen, aber nicht mehr stoppen konnte: Es gibt keine Lösung dafür, zumal die Notenbanken auf diesen Bereich ja nicht direkt einwirken können. Keine Lösung … außer einer, die da wäre:

Die US-Notenbank weiß schon, warum sie so vorsichtig ist

Die Löhne steigen nicht mehr, die Nachfrage stagniert oder sinkt, das stoppt die Teuerung und macht erneute, zu hohe Lohnerhöhungen unnötig. Aber:

Dazu müssten die Unternehmen mitspielen. Was sie nicht tun werden. Also?

Also bleibt, auch und gerade wegen dieser Lohn/Preis-Spirale, zumindest für die ganz großen Unternehmen ein günstiges Umfeld für steigende Unternehmensgewinne erhalten, die Gefahr, dass die Inflation plötzlich wieder massiv anzieht, aber auch. Und es bleibt das Risiko, dass dieses „Double-Feature“ aus hohen Zinsen und hohen Preisen über kurz oder lang auch in den USA dazu führt, dass den Verbrauchern die Puste ausgeht und die Rezession doch noch kommt, die letzten Monate lieferten Indizien dahingehend, dass das bereits losgeht.

Nun ließe sich sagen: Macht nichts, dann geht die „Fed“ eben zügig mit den Leitzinsen runter und schon läuft wieder alles. Sagen lässt sich das leicht. Das ohne massiv negative Folgen hinzukriegen aber weniger. Weil?

Weil dann der Aufschiebe-Effekt einsetzt. Unternehmer und Verbraucher stürzen ja nicht gleich nach der ersten Leitzinssenkung los und nehmen wieder massiv Kredite auf. Wenn sie davon ausgehen können, dass die Zinsen weiter sinken … und ggf. auch noch schnell … werden sie alles aufschieben, was nicht umgehend gekauft werden muss, bis Kredite wirklich billiger sind. Dass dieses Verhalten ebenso logisch wie üblich ist, sehen wir im folgenden Chart:

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und US-Leitzinsen von 1991 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und US-Leitzinsen von 1991 bis 2024 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Die Notenbanken sehen sich also zwischen zwei Mühlsteinen: Zwischen der Lohn/Preis-Spirale auf der einen und dem Rezessionsrisiko durch den Aufschiebe-Effekt auf der anderen Seite. Ideal wäre für sie, hellsehen zu können, zu wissen, was die Verbraucher tun werden, die Politik, die Unternehmen, also die für das „Große Ganze“ entscheidenden Gruppen, auf die sie keinen direkten Einfluss nehmen können. Aber das können sie eben nicht.

Aber nur dann könnte man sicher sein, dass man nicht entweder zu früh mit Senkungen beginnt (was die Inflation zurückbringen könnte, aber auf jeden Fall den rezessiven Druck in Form des Aufschiebe-Effekts lostreten würde) … oder zu spät, was dann bedeuten würde, dass man eine bereits wegen der teuren Zinsen und Preise zusammenklappende Konjunktur umgehend retten müsste.

Was dann indes hieße, den Leitzins umgehend wieder unter den neutralen Zins zu senken, was zur Folge hätte, dass die nächste Phase des „Gratis-Geldes“ begänne … und mit ihr die üblen Folgen einer solchen Nullzinspolitik. Denn vor allem derentwegen stehen wir ja jetzt in diesem Schlamassel.

Fazit: Dass die US-Notenbank letzten Mittwoch so auffällig vorsichtig und defensiv daherkam, wundert mich absolut nicht!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Bisweilen hat man den Eindruck, als würden sich die Kurse absurd verhalten, das aber mit sturer Konsequenz. Dieser Eindruck täuscht auch nicht, denn computergesteuerte Handelsprogramme werden immer dominanter … und nicht nur sie führen dazu, dass Rahmenbedingungen und Kurse oft völlig konträr unterwegs sind. Aber ist das für uns Anleger wirklich ein Nachteil?

Die im letzten Herbst die Kaufwelle am Aktienmarkt begründende Zinssenkungsphantasie ist jetzt auf der langfristigen Ebene gelandet, auf deren vermeintlich kurzfristigen Charakter hin hatte man aber monatelang wie wild vorgekauft. Das Wachstum in der Eurozone liegt irgendwo zwischen null und „nicht der Rede wert“. Und in den USA beginnen die hohen Zinsen, die vorerst auch hoch bleiben, mit dem Wachstum zu tun, was hohe Zinsen eben so tun: Sie würgen es ab.

Kein Wunder, dass die Aktienmärkte  … steigen? Was geht denn hier an der Börse aktuell vor, könnte sich ein Investor fragen, der über Erfahrung und Fachwissen verfügt. Es spricht doch so gut wie nichts für, aber sehr viel gegen weiter steigende Kurse auf diesem Niveau des Aktienmarkts, oder? Sind denn alle dumm geworden?

Antwort auf Frage 1: Stimmt, wenn man die Sache nüchtern und mit Logik angeht, müssten am Aktienmarkt jetzt, da man auch noch die EZB-Zinshoffnungen auf die Langfrist-Schiene verlagern muss, längst mehr Verkäufe als Käufe zu sehen sein. Antwort auf Frage 2: Kommt drauf an, ob man die Maschinen meint, die das entscheidend mit verursachen oder die Maschinisten. Erstere sind seit eh und je dumm wie zwei Meter Feldweg. Letztere setzen sie aber genau deswegen ein. Um einem „was faselt der da“ zuvorzukommen, gleich zum Punkt:

Handelsprogramme denken nicht. Und wer sie einsetzt, will das auch nicht.

Handelsprogramme machen genau das, was man ihnen vorher vorgegeben hat, nicht mehr und nicht weniger. Sie hinterfragen nicht, sie denken nicht, die brauchen keine Pausen und fallen seltener aus als ein handelsüblicher, menschlicher Trader.

Börse aktuell: Verteidigung der Supportlinie im Nasdaq 100 durch Handelsprogramme | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Verteidigung der Supportlinie im Nasdaq 100 durch Handelsprogramme | Quelle: marketmaker pp4

Und was gibt man diesen Programmen vor? Fast alle Systeme agieren auf Basis einer Kombination aus chart- und markttechnischen Aspekten. Die Rahmenbedingungen taugen als Vorlage für solche Handelsprogramme nicht, weil sie immer kompliziert zu interpretieren sind, vom Gesamtbild abhängen und viel zu zahlreich sind, um als explizites Long- oder Short-Argument erfassbar zu sein. Was bedeutet:

Handelsprogramme agieren völlig unabhängig von der Gesamtsituation, die ja (eigentlich) die Vorlage für Auf- oder Abwärtstrends sein müsste. Aber ist deren Einsatz dann nicht eine unheimlich unkluge Idee? Denn dadurch könnten diese Systeme ja völlig falsch liegen?

Bewusst oder unbewusst: Ein Großteil des Markets zieht mit

Könnten sie, wenn sie nur vereinzelt eingesetzt würden und damit keinen nennenswerten Anteil am Gesamtumsatz hätten. Aber große Adressen agieren immer mehr mit solchen Programmen, auch und gerade, weil sie zuverlässiger, schneller und billiger sind als Horden von teuer bezahlten Tradern in riesigen Handelssälen, wie wir das aus früheren Jahrzehnten kannten. Zumal die Positionen immer größer und komplexer werden. Da müssen Computer ran. Und da die nicht aus dem Bauch heraus oder nach komplexen Gedankenmodellen handeln, sondern nach einem einprogrammierten Schema, ist das definitiv von Vorteil, weil sie damit vorhersehbar sind.

Hinzu kommt, dass die Handelsprogramme durch ihre chart- und markttechnische Ausrichtung automatisch Schützenhilfe von anderen Gruppen im Markt erhalten. So handeln sie stur trendfolgend, sei es auf extrem kurzfristiger Intraday-Basis oder im Tages- oder Wochen-Zeitraster, Und das tun andere ja auch: die technisch orientierten privaten Trader zum einen und, wichtiger noch, der „normale Privatanleger“. Denn was tun letztere denn meist?

Sie kümmern sich mangels Fachwissen und/oder Interesse nicht um die Rahmenbedingungen. Für sie gibt es also kein „müsste aber“, an dem versierte Anleger eben wegen dieser oft absurd wirkenden Trendbewegungen am Markt verzweifeln. Wenn DAX, Dow & Co. steigen, kaufen sie weiter, oft über ETFs, wo die dort sitzenden Profis zwar womöglich wissen, dass der Markt längst überhitzt ist, die aber keinen Spielraum für persönliche Erwägungen haben, weil Geld, das neu hereinkommt, sofort investiert werden muss. Zugleich verlängern viele der unerfahrenen Anleger Trends im Kopf in alle Ewigkeit und verkaufen oft erst, wenn eine Trendwende längst vollzogen und ein Abwärtstrend schon längere Zeit vorhanden ist.

Gerade bei Aufwärtstrends – aber auch bei sehr starken Abwärtsbewegungen – agieren damit die Handelsprogramme, die technischen Trader und die Privatanleger Hand in Hand. Und das hat genau die Auswirkungen, durch die erfahrene Anleger vor lauter Kopfschütteln einen Drehwurm bekommen, wenn sie sich nicht immer wieder daran erinnern, warum der Markt sich öfters ziemlich seltsam verhält.

Börse aktuell: Entwicklung DAX und beste und schlechteste Aktie im Index im Vergleich im Jahr 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX und beste und schlechteste Aktie im Index im Vergleich im Jahr 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Die unmittelbaren Auswirkungen dieser „unsichtbaren Hände“

„Rettungsaktionen“ wie die beim Nasdaq 100 im Chart ganz oben, bei denen eine Reaktion auf „bad news“ zwar kurz und heftig ausfällt, dann aber auf noch viel heftigere Käufe trifft, die genau so lang anhalten, bis ein negatives Signal im Chartbild vom Tisch ist: Das ist ein typisches Zeichen dafür, dass Handelsprogramme aktiv für den Erhalt des Trends sorgen.

Wenn das Momentum eines Trends bis zum Exzess weiter verfolgt wird, obwohl die zugrunde liegende Aktie (oder ein Index) längst über-/unterbewertet und überkauft bzw. überverkauft ist, ist das ein Signal für dominierende Handelsprogramme mit technisch orientierten Tradern in ihrem Windschatten. Denn diese Systeme verfolgen einen Trend eben ohne Ansehen externer Faktoren, weil sie nun einmal nicht „nachdenken“ oder über den Tellerrand ihrer programmierten Vorgaben schauen können.

Daher „merken“ Handelsprogramme auch nicht, dass sie in einem Umfeld immer weiter Long gehen, das eigentlich das Gegenteil einfordern würde. Dass das in den vergangenen Jahren immer extremer der Fall ist, sieht man am Beispiel (einem von vielen) des Verlaufs des marktbreiten US-Index S&P 500 im Verhältnis zum US-Einkaufsmanagerindex für die Industrie, siehe der folgende Chart. Liegt Letzterer unter 50 und damit im rezessiven Bereich, ist das ein negatives Signal, das Druck auf die Unternehmensgewinne bedeutet. Dies in Kombination mit den derzeit hohen und voraussichtlich längere Zeit hoch bleibenden Zinsen wäre markant bärisch – eigentlich. Aber davon wissen die Handelsprogramme eben nichts.

Börse aktuell: Entwicklung US-Einkaufsmanagerindex und S&P 500 im Vergleich von 2013 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung US-Einkaufsmanagerindex und S&P 500 im Vergleich von 2013 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Der Einsatz solcher Systeme kann sogar so weit führen, dass ein Markt insgesamt steigt, obwohl kaum frisches Geld hinzukommt. Dann sieht man eine Art „Ballett“ zwischen einzelnen Aktien oder Indizes: Mal steigt der eine und der andere gibt nach, dann ist es umgekehrt. Es wirkt nicht nur, als würde man einen US-Dollar dann ständig im Kreis herumreichen, es ist quasi so. Kauft man mit dem freiwerdenden Geld dann gezielt dort, wo wenig Verkaufsorders im Markt liegen, kann man mit diesem „raupenartigen“ Vorgehen den Markt insgesamt ohne frisches Geld stützen bzw. leicht nach oben ziehen. Und damit Privatanleger und technisch orientierte Trader bei der Stange halten, ein Beispiel dafür mit Apple und Amazon (als willkürlich herausgegriffene Aktien) sehen wir unten.

Aber ist all das denn für einen privaten Investor wirklich ein Problem? Nein, das ist es nicht … wenn man um die Rolle solcher Handelsprogramme weiß, kann man sich da durchaus „dranhängen“.

Für den Privatanleger sind diese Handelsprogramme eigentlich ein Segen

Man muss nicht wissen oder erahnen, wie die großen Handelsprogramme am Markt genau vorgehen. Wobei man das mit viel Mühe und Zeitaufwand durchaus einigermaßen herausfinden könnte. Ich selbst habe viele Jahre herumgebastelt, bis ich die Grundsystematik der Standard-Systeme herausfand (die ich aber jetzt nicht herausrücken werde) und dabei feststellte: Schau mal einer an, das ist ja simpler als ich dachte.

Es reicht zu wissen, dass die Systematik von ihrer Basis her meist sehr einfach ist. Und das muss sie auch sein, denn Handelsprogramme müssen nicht jede spezielle Situation abdecken, dann werden sie zu kompliziert. Da es am Markt extrem viele „spezielle Situationen“ gibt und keine genau der anderen gleicht, fährt man am besten, wenn man ein System hat, das so robust wie ein Traktor ist. Und genau so sollte man, wenn man den Weg für sich wählen will, der am wenigsten steinig ist, ebenfalls vorgehen.

Wenn man weiß, wie die Sache läuft und damit versteht, warum absurde Dinge nicht nur vorkommen, sondern warum sie dann auch bis zum Exzess weitergetrieben werden … wenn man zudem weiß, wie dominant diese sture Trendfolge ist, ob mit oder gegen die Rahmenbedingungen … dann folgt man ihr. Das ist, als würde man den kürzesten Weg via Autobahn wählen und die Alternative, den unsicheren und auch noch längeren Trampelpfad, links liegen lassen. Einfache Sache … aber Vorsicht!

Börse
Seltsames “Ballett” zwischen Apple und Amazon Aktie | Quelle: marketmaker pp4

Vorsicht, das sind keine reinen „Kaufprogramme“!

Auch, wenn es derzeit so wirkt, in den diesen Artikel begleitenden Charts wird ja schon deutlich, dass diese Systematik nicht bedeutet, dass die Kurse für immer steigen müssten. Handelsprogramme sind keine „Kaufprogramme“, sie können auch aussteigen und/oder drehen, z.B. wenn Chart- und/oder Markttechnik einen überhitzten Markt oder eine bärische Chartkonstellation melden.

Zwar agieren diese Systeme nicht alle gleich, so dass man in solchen Situationen einen Zustand erlebt, in dem die einen Systeme kaufen, die anderen verkaufen, so dass sich eine Abwärtswende öfter zäh gestaltet. Wodurch man bei einem oberflächlichen Blick denken könnte, dass da nur eine kleine Seitwärtsbewegung mit etwas höherer Volatilität vorliegt, während die Programme unsichtbar um die Trendrichtung ringen. Aber wenn es mal abwärts geht, dann oft schnell und weit. Grund:

Da wird dann ja nicht mit sukzessiv und langsam neu zufließendem Kapital Stück um Stück gekauft. Da wird dann verkauft, was da ist. Und wenn ein Handelsprogramm ein bärisches Signal generiert hat, arbeitet es ja genauso rasant, kompromisslos und so lange, wie die Indikation vorliegt, weiter. Das läuft wie der Bruch eines Staudamms ab, daher:

Konsequent einem Trend zu folgen, weil man weiß, dass man die Handelsprogramme dabei im Rücken hat, die sogar dann weiterkaufen, wenn der Markt überkauft ist, überbewertet ist und grundsätzlich in die falsche Richtung läuft, das geht. Aber sich dabei stur auf die Long-Seite zu verlegen und zu glauben, dass diese Programme immer in Abwärtsbewegungen hinein an irgendwelchen Supportmarken die Kuh vom Eis holen, das geht nicht. Konsequente Trendfolge ist eine gute Sache, wenn sie wirklich konsequent betrieben wird. Und das wird sie nur, wenn man bereit ist, in beide Richtungen zu agieren!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Stagflation ist so ziemlich die unerfreulichste Situation, in die eine Volkswirtschaft geraten kann. Dieses Risiko hatten viele zu Beginn der Inflationsphase, als die Leitzinsen rasant stiegen, zwar im Hinterkopf. Aber als dann lange Zeit scheinbar doch nichts passierte, geriet es in Vergessenheit. JP Morgan-Chef Jamie Dimon erinnerte kürzlich daran, dass die Gefahr noch keineswegs vom Tisch ist, im Gegenteil.

Auf dünnem Eis zu tanzen, das ist auf dem Festland ja nicht unbedingt allzu gefährlich. Denn darunter wartet solider Boden, da kann man somit nicht ins Bodenlose stürzen. Der feste Glaube daran, dass es mit der Konjunktur in Europa angesichts der nahen, ersten Leitzinssenkung nur aufwärts gehen kann, wirkt wie ein solcher, fester Untergrund. Ebenso die Ansicht, dass negative Folgen hoher Zinsen in den USA auch weiterhin nicht kommen werden, nachdem man bislang ein robustes, ja zeitweise sogar einem Boom gleichkommendes Wachstum sah. Sicher, ein wenig teuer könnte es jetzt sein am Aktienmarkt, aber weit fallen kann er ja nicht … bei diesem soliden Fundament. Oder täuscht man sich da an der Börse aktuell?

Wenn Jamie Dimon warnt, sollte man besser nicht weghören

Wenn dieses Fundament wirklich solide sein bzw. überhaupt existieren sollte, dann wäre das so. Aber sollte denen, die so denken, bei ihrem Tanz auf dem Eis kein Pinguin, sondern ein Eisbär über den Weg laufen, wäre spätestens das der Moment, um nachdenklich zu werden. Auch, weil so ein Eisbär unter Umständen auf den Gedanken kommen könnte, da gerade seinem Mittagessen über den Weg zu laufen. Aber vor allem, weil der geneigte Anleger dann keinen soliden Untergrund unter den Füßen hat, sondern Wasser. Denn dann ist er am Nord– und nicht am Südpol, dessen Eis in der Tat solide Felsen stützen. Und dieser Eisbär, der die unerfreuliche Kunde bringt, hätte derzeit sogar einen Namen: Jamie Dimon.

Jamie Dimon ist der Chef des US-Investmentbank JP Morgan und nichts weniger als eine Legende. Erstens, weil er schon ein Weilchen dabei ist. Zweitens, weil er die seltene Charaktereigenschaft mitbringt, nicht nur offen zu sagen, was er denkt, sondern auch noch weiß, wovon er redet. Und dieser Jamie Dimon erwähnte unlängst, dass er mit Blick auf das seit der Jahreswende immer weniger starke Wachstum in den USA eine „harte Landung“, sprich eine rezessive Phase, nicht ausschließen könne, wobei eine Stagflation das schlimmste Szenario wäre. Einige Tage später erwähnte er dazu: Das Risiko einer Stagflation sei derzeit höher, als die meisten Menschen glauben. Käme es so, wären die Bullen mit ihren Aktienindizes nahe Rekordniveau in der Tat am Nordpol und nur Wasser statt solide Boden unter diesem Eis, auf dem sie tanzen. Aber was ist eine Stagflation überhaupt?

Stagflation: Eine hochproblematische Sackgasse

Stagflation ist ein Kunstwort, das aus Stagnation und Inflation zusammengesetzt ist. Zwei negative Faktoren, die normalerweise nicht zusammen auftauchen. Aber wenn es passiert, wird die Lage knifflig. Gemeint ist eine Situation, in der das Wirtschaftswachstum stagniert oder sogar eine Rezession vorliegt, kombiniert mit einer Teuerungsrate, die deutlich über dem Normalniveau liegt. Und wieso besteht dieses Risiko jetzt?

Bezogen auf die USA ist das nichts anderes als eine logische Folge der zuvor so verblüffend langen Stärke der Wirtschaft, die deswegen bestand, weil der Konsum trotz stark gestiegener Preise und immens teureren Krediten kaum in die Knie gegangen war. Das ermöglichte den Unternehmen, die Preise weiter anzuheben. Und jetzt scheint eben auch denen, die zuvor ihre Ersparnisse angezapft hatten oder einfach weiter – jetzt eben teurere – Kredite aufnahmen, das Geld oder der Wille, sich noch mehr zu verschulden, abhanden zu kommen. Das Ergebnis ist eine kippende Konjunktur bei trotzdem vorerst noch steigenden Preisen.

In Europa haben wir diesen Zustand einer Stagflation eigentlich schon längst, vielleicht nicht extrem ausgeprägt, aber doch hartnäckig. Denn wir haben in der Eurozone kein nennenswertes Wachstum und trotzdem immer noch eine Inflationsrate über dem Zielbereich. Und daraus ergibt sich eine fatale Sackgasse, denn:

Börse aktuell: Entwicklung Harmonisierter Verbraucherpreisindex von 2017 bis 2024 | Quelle: marktmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Harmonisierter Verbraucherpreisindex von 2017 bis 2024 | Quelle: marktmaker pp4

Solange die Teuerung nicht im Zielbereich ist, kann die EZB den Leitzins nicht nennenswert senken, so dass ein wichtiges Element, um das Wachstum wiederzubeleben, wegfällt. Und wie kommt man aus einer Sackgasse wieder heraus? Rückwärtsgang einlegen und voooorsichtig zurückstoßen? Ja. Aber nicht seitens der Notenbanken. Das müsste dort passieren, wo sich die Basis des Stagflationsrisikos gebildet hat. Und genau dort liegt das nächste Problem, weil das nämlich nicht allzu wahrscheinlich ist. Denn dazu bedarf es … Vernunft.

Was hat dieses Stagflations-Risiko ausgelöst?

Bei inflationsinduziert erheblich angehobenen Zinsen trotzdem mit der Brechstange Wachstum zu erzeugen ist, als wolle man ein Auto mit angezogener Handbremse anschieben, also: dämlich. Aber genau das war das Ziel von Politik und Unternehmen. Die Konsequenzen der Inflation bei denen zu lindern, die ohnehin zu wenig haben, ja, das ist richtig und sinnvoll. Aber per Helikopter mit Geld um sich zu werfen wie z.B. mit dem nicht steuerlich berücksichtigten „Inflationsausgleich“ von 3.000 Euro, zusätzlichen „Inflationsprämien“ bei den Großunternehmen, besonders hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften und, und und …

Börse aktuell: Entwicklung inflationsbereinigtes Lohnwachstum von 2000 bis 2024 | Quelle: marktmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung inflationsbereinigtes Lohnwachstum von 2000 bis 2024 | Quelle: marktmaker pp4

… das führte dazu, dass die Inflation eben nicht längst im Griff ist. Logisch, denn steigende Kosten durch zu stark steigende Löhne, das bringt die Unternehmen dazu, die Preise noch mehr anzuheben. Die Folge: Wachstum futsch, Inflation noch da. Vernünftiges Handeln mit Augenmaß hätte das verhindert. Aber die Vernunft blieb eben auf der Strecke …

… genauso wie in den USA, wo bis zuletzt, als es auf einmal mit den Daten abwärts ging, viele einfach trotzdem teure Kredite aufnahmen und trotzdem weiter konsumierten wie zuvor. Da führte diese damit noch stärker ausgeprägte Unvernunft zwar zunächst dazu, dass es hieß: Wachstum scheinbar stark, aber Inflation auch. Aber jetzt kippt die Sache eben, weil zu viele jetzt Schulden Höhe Oberkante Unterlippe haben und auch die ersten Banken die Stirn runzeln, obwohl sie durch dieses Verhalten grandiose Gewinne machen, wie deren Bilanzen, in Übersee ebenso wie hier, deutlich machen.

Und die Notenbanken? Die können das Verhalten der Politik, der Unternehmen und der Verbraucher ja nicht direkt steuern. Sie können nur versuchen, mit Geldzuflüssen und -abflüssen über Quantitative Easing oder Quantitative Tightening sowie über die Leitzinsen Einfluss zu nehmen. Aber wenn die anderen einfach blind dagegen steuern und die Preise weiter steigen, ist man machtlos.

Börse aktuell: Entwicklung der Produktivität in Deutschland von 2000 bis 2024 | Quelle: marktmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung der Produktivität in Deutschland von 2000 bis 2024 | Quelle: marktmaker pp4

Lösungsmöglichkeiten … wie bekäme man den Kopf aus der Schlinge?

Was Lösungen angeht, können die Notenbanken, wie gesagt, nicht viel tun. Denn angenommen, sie würden es trotzdem tun, was würde passieren? Um das Knäuel zu entwirren, könnten sie an zwei Enden ziehen:

Entweder, die senken die Zinsen trotz zu hoher Inflation trotzdem, um eine Rezession zu verhindern, was indes nicht im Aufgabenheft der EZB steht und auch seitens der US-Notenbank nur indirekt eine Aufgabe wäre. Dann würde die Inflation mit Macht zurückkommen, angesichts des bisherigen Verhaltens der anderen beteiligten Gruppen Politik, Unternehmen und Verbraucher. Schlechte Lösung.

Oder sie heben die Leitzinsen noch weiter an, um die Inflation niederzuringen. Aber gerade weil man gesehen hat, dass die Löhne dann umso mehr steigen und die Verbraucher sich oft schon längst zu zu hohen Zinsen weiter verschuldet haben, würde das zwar einerseits einen herben Einbruch bei der Nachfrage auslösen. Doch das kann dann andererseits so heftig in die Rezession führen, dass man da nicht mehr so leicht herauskommt, ohne die Inflation durch dann in größter Not rasant und weit gesenkten Zinsen sofort wiederzubeleben. Auch keine gute Lösung

Der einzige Weg, eine Stagflation zu beenden oder sie, wenn man unterstellt, dass die Stagflation in den USA noch nicht da wäre (was, wie die nachfolgende Grafik zeigt, Ansichtssache ist), zu verhindern, wäre Vernunft bei allen Beteiligten. Was hieße:

Börse aktuell: Entwicklung der Konjunktur-Frühindikatoren in den USA von 2017 bis 2024 | Quelle: marktmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung der Konjunktur-Frühindikatoren in den USA von 2017 bis 2024 | Quelle: marktmaker pp4

Eine präziser auf die Bedürftigkeit ausgerichtete Unterstützung seitens der Regierungen. Keine die Lage noch schwieriger machenden Faxen in Sachen gegenseitiger Strafzölle. Ein Verzicht auf eine nicht auf die Rahmenbedingungen Rücksicht nehmende Margensteigerung bei großen Unternehmen, insbesondere im Konsum- und Technologiesektor. Besonnenheit seitens der Verbraucher, die zuletzt trotz stark steigender Preise und Kreditzinsen im Kaufrausch geblieben sind.

Nur dann besteht eine gute Chance, dass die Inflation in die Zielzone zurückkehrt und dort auch nachhaltig verbleibt. Eine Chance, dass die Notenbanken die Leitzinsen senken können ohne fürchten zu müssen, dass das umgehend zum Bumerang wird. Und eine Chance dafür, dass die Konjunktur langsam, aber dann eben nicht mit Eisbären, sondern mit Pinguinen im Umfeld, sprich auf Eis, aber mit festem Boden darunter, wieder zu einem moderaten, aber stabilen Wachstum zurückfindet.

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß?

Wird es so kommen? Es wäre gut, aber es würde mich schon eher überraschen, denn mit Vernunft war es ja zuletzt allgemein nicht weit her. Und was hieße das für den Aktienmarkt?

Das kommt darauf an, ob und wann wie viele von denen, die mehr oder weniger passiv jeden Monat Geld dorthin schieben, merken, dass man da ggf. ein wenig vorsichtiger sein sollte oder vielleicht sogar mal Gewinne mitnehmen und somit Geld abziehen könnte. Meine Erfahrung ist, dass aus dieser letztlich für den Trend entscheidenden Klientel kaum jemand weiß, was Stagflation überhaupt ist. Und wer gar nicht weiß, dass er/sie gerade wider Erwarten auf Eis mit ein paar Tausend Metern eiskaltem Wasser darunter tanzt, steigt auch nicht ins Rettungsboot. So gesehen: Das hier ist ein typisches Damoklesschwert – es kann jeden Moment zuschlagen … aber es muss nicht.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt