Varta Aktie aktuell VARTA: Beeindruckende Zahlen … warum fällt die Aktie?

News: Aktuelle Analyse der Varta Aktie

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Zur Varta Aktie

Wer von dieser gestern Früh vorgelegten Quartalsbilanz enttäuscht gewesen wäre, hätte schon seltsame Erwartungen hegen müssen. Denn über einen gemeldeten Umsatzanstieg von knapp 160 Prozent nebst einem Gewinnanstieg, gerechnet als bereinigtes EBITDA, um knapp 181 Prozent in den ersten neun Monaten 2020 kann man beim besten Willen nicht enttäuscht sein. Zumal VARTA auch noch die Gesamtjahresprognose anhob, nicht zum ersten Mal in diesem Jahr.

Für das Gesamtjahr hob der Batteriehersteller jetzt die Umsatzprognose auf einen Korridor zwischen 840 und 960 Millionen Euro an (Vorjahresumsatz 363 Millionen). Der EBITDA-Gewinn (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) soll in einer Range zwischen 230 und 235 Millionen Euro liegen. Die bisherige Prognose sah da 210 bis 215 Millionen (Vorjahres-EBITDA 98 Millionen). Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen. Aber wenn die Ergebnisse so zufriedenstellend waren, warum fiel dann als Reaktion darauf der Aktienkurs?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Varta Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die wahrscheinlichste Erklärung ist nicht, dass zu viele noch mehr erwartet hatten, sondern dass zu viele mit diesen Ergebnissen gerechnet hatten. Was bedeutete, dass diese Akteure im Vorfeld eingestiegen waren und daraufsetzten, dass starke Zahlen weitere Käufe auslösen würden, die ihre eigene Position weiter in die Gewinnzone tragen. Wenn zu viele im Vorfeld eine solche Wette eingegangen sind, gehen der Aktie leicht die Käufer aus. Dann erkennen die Akteure, dass die Aktie eben nicht steigt und sehen zu, dass sie ihre Wette schließen, sprich aussteigen, weil jetzt, nachdem die „good news“ auf dem Tisch liegen, zumindest kurzfristig keine weiteren, kurstreibenden Nachrichten zu erwarten sind. Aber da reden wir von einer unmittelbaren, kurzfristigen Reaktion, die keineswegs zwingend zu Anschlussverkäufen führen und den Trend kippen muss, zumal:

Die VARTA-Aktie war zwar seit März gewaltig gestiegen, aber angesichts der immensen Steigerung des Unternehmensgewinns ist die Aktie deswegen nicht überbewertet. Derzeit lässt sich ein Gewinn pro Aktie um 2,80 Euro für 2020 annehmen. Daraus errechnet sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) um 40. Würde die durchschnittliche Analysten-Konsensschätzung des Gewinns von 3,90 Euro pro Aktie für 2021 eintreffen, würde sich das 2021er-KGV auf derzeit 30 stellen. Was in Relation zum Momentum des Gewinnanstiegs äußerst moderat ist.

Der Weg nach oben dürfte also nicht verbaut sein, nur sollte man jetzt vielleicht etwas behutsam agieren. Denn auch, wenn die Aktie charttechnisch nach unten durch eine ganze Phalanx an potenziellen Supportlinien unterfüttert ist, ist doch völlig offen, auf welcher dieser bis hinunter auf 85 Euro reichenden Linien der Kurs drehen könnte. Daher wäre die sicherere Seite die, abzuwarten, bis VARTA diesen gestrigen Rücksetzer weggesteckt hat, indem die Aktie über dem letzten Zwischenhoch bei 125,10 Euro schließt.

Varta Aktie: Chart vom 12.11.2020, Kurs 116,00 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Varta Aktie

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Im September bildete sich für die Aktie des deutschen Batterieherstellers Varta ein deutliches Verkaufssignal. Eine große rote Kerze zierte das Chartbild und zeigte heftigen Verkaufsdruck an. Dies war auch der Startschuss zu einer mehrwöchigen Talfahrt, welche in Folge ein tieferes Hoch und zwei tiefere Tiefs mit sich brachte. Der Übergang in einer bärische Trendphase war nicht mehr aufzuhalten. Des Weiteren wurde auch der Supportbereich bei rund 110 EUR deutlich nach unten verletzt und lieferte Mitte Oktober ein zusätzliches Verkaufssignal. Doch genau dieses konnte im gestrigen Handel negiert werden. Die Kurse kletterten wieder über die Marke bei 110 EUR und zeigten Stärke. Müssen sich die Bären hier gar wieder geschlagen geben?

Expertenmeinung: Es gibt zwar eine kleine Entwarnung, was den Verkaufsdruck nach unten angeht, doch noch ist die Aktie nicht über den Berg. Die Kurse befinden sich zum einen nach wie vor unter den gleitenden Durchschnitten der Perioden 20 und 50, die üblicherweise in Abwärtsbewegungen als Widerstände agieren. Zum anderen konnte weder ein höheres Hoch noch ein höheres Tief generiert werden. Dies wäre die Grundvoraussetzung, um das Ruder wieder in Richtung der Bullen zu drehen. Aber es gibt zumindest Hoffnung, dass die Bären hier den Verkaufsdruck senken werden. Unsere Bewertung geht vorerst in eine neutrale Phase über.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 02.11.2020 Kurs: 113.30 Kürzel: VAR1 | Online Broker LYNX

Die immense Dynamik der Trendimpulse bei der VARTA-Aktie lockt viele risikofreudige, kurzfristige Trader an, die die Volatilität dieser Aktie noch verstärken. Dass VARTA zuletzt zusätzlich zum TecDAX auch in den etwas „gesetzter“ wirkenden MDAX aufgenommen wurde, änderte daran gar nichts. Die Faszination dieser Aktie erhöht sich zusätzlich, weil der Batteriehersteller in den vergangenen Jahren ein kräftiges Wachstum verzeichnete. Für 2020 rechnen die Analysten im Schnitt mit einem Gewinnanstieg von gut 120 Prozent, 2021 sollen trotz dieses Sprungs noch einmal gut 40 Prozent mehr Gewinn in der Kasse bleiben.

Setzt man diese 2021er-Prognose, die sich aktuell um 3,90 Euro Gewinn pro Aktie bewegt, mit dem derzeitigen Kurs der Aktie in Relation, ergibt sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von nur 26. Das ist für eine solche Gewinndynamik „billig“. Zwar muss man festhalten, dass die Analysten keine funktionierenden Glaskugeln besitzen und daher offenbleibt, ob diese Prognosen für das kommende Jahr in einer derart unsicheren Gesamtsituation wirklich eintreffen werden. Aber dennoch erstaunt es, dass die Aktie, die bis Anfang September durch nichts in ihrem Gipfelsturm aufzuhalten schien, jetzt auf einmal unter derart kräftigem Verkaufsdruck steht. Wissen da einige vielleicht etwas, das die meisten Anleger noch nicht wissen und steigen deshalb aus?

Expertenmeinung: Solche Gedanken tauchen zwar immer wieder auf, erweisen sich aber nur in den seltensten Fällen als richtig. Es dürfte eher an dem eingangs erwähnten Phänomen liegen, dass derart dynamisch verlaufende Aktien die kurzfristigen Trader anlocken wie das Licht die Motten. Diese Akteure scheren sich gemeinhin wenig bis gar nicht um fundamentale Erwägungen und agieren rein charttechnisch. Was auch heißt: Hier gehen Trader Short, d.h. verkaufen die Aktie leer, nicht, weil sie denken, dass VARTA überbewertet ist, sondern weil das Chartbild das einfach hergibt. Was zu Beginn der vergangenen Woche der Fall war:

VARTA war Mitte Oktober daran gescheitert, nach oben auszubrechen. Dadurch fiel der Kurs an die mittelfristige Aufwärtstrendlinie zurück – und das war eine gute Gelegenheit, hier aktiv à la Baisse zu spekulieren. Der Druck der Leerverkäufe sorgte für einen Doppelschlag: Zuerst brach die Aufwärtstrendlinie, danach die Nackenlinie des sich abzeichnenden Topps bei 108,70/108,90 Euro. Dieses bärische Signal löste Stop Loss-Verkäufe aus, die den Kurs zusammen mit Anschlusstrades auf der Short-Seite am Donnerstag schnell weiter drückten.

Nun könnte man argumentieren, dass die Aktie weiter fallen müsste, wenn allein die Charttechnik zählt. Doch das ist ja nicht der Fall. Natürlich finden sich hier auch langfristig denkende Akteure. Die stellen sich zwar einem Güterzug, wie ihn dieser Abverkauf darstellt, nicht einfach in den Weg. Aber sollte VARTA die massive Auffangzone im Bereich 85,30/92,65 Euro erreichen, dürfte das schon anders aussehen, zumal die Leerverkäufer dann wohl dazu tendieren würden, ihre leer verkauften Positionen durch den Kauf der Aktie einzudecken, was den Kurs ebenfalls stützen würde. Kurzfristig könnte es noch Druck geben, aber sollte es zu einem Test dieser Zone kommen, sollte man sich VARTA ganz genau ansehen!

Varta Aktie: Chart vom 23.10.2020, Kurs 103,00 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX

Dass sich Umsatz und Gewinn beim Batteriespezialisten VARTA grandios entwickeln und das Unternehmen dadurch zu den wenigen gehört, die auch im Zuge der laufenden Rezession deutlich an Fahrt gewinnen, steht außer Frage. Nur wissen das auch andere Marktteilnehmer. Und das nicht erst seit gestern. Daher darf man unterstellen, dass diese starke Entwicklung längst im Kurs enthalten ist. Um deutlich weiter zuzulegen, bräuchte es daher charttechnisch bullischer Signale, die die rein technisch orientierten Trader mobilisiert und/oder neuer, positiver Nachrichten in Sachen Umsatz- und Gewinnentwicklung seitens des Unternehmens.

Beides ist momentan nicht unmittelbar in Sicht. VARTA hatte seine Umsatz- und Gewinnprognose für 2020 im Zuge der Mitte August vorgelegten Halbjahresbilanz gerade erst angehoben, worauf man am Aktienmarkt auch mit weiteren Käufen reagiert hatte. Und selbst vorläufige Ergebnisse zum laufenden dritten Quartal wären frühestens Mitte/Ende Oktober zu erwarten, sofern es zu einer solchen Vorab-Meldung kommen sollte. Und was bullische Signale angeht, haben die Akteure eine Chance hierfür Anfang der Woche verschenkt. Dadurch sieht das Chartbild der Aktie jetzt verdächtig nach Toppbildung aus.

Expertenmeinung: Charttechnisch gesehen präsentiert sich VARTA in einem Szenario, bei dem man besser erst dann an Käufe denken sollte, wenn die momentan kritische Konstellation durch einen klaren Befreiungsschlag aufgelöst würde. Dazu müsste die Aktie über 130 Euro schließen und dadurch genau dort vorbeikommen, wo sie Anfang der Woche nicht vorbeikam: an der 20-Tage-Linie und am alten Rekordhoch vom Dezember 2019. Dass der Kurs an diesem 2019er-Hoch bei 128 Euro Ende August vorbeizog, dann aber schnell massive Gewinnmitnahmen einsetzten, die VARTA wieder unter diese Marke drückten, war ein Warnschuss. Dass die Aktie im Wochenverlauf genau an diesem Level wieder nach unten abdrehte, ein weiterer.

Man könnte zwar argumentieren, dass das dynamische Wachstum des Unternehmens die Aktie vor einem allzu weiten Absturz bewahren wird und hätte damit sicherlich auch Recht. Aber das wäre momentan das einzige „aber“, das man als potenzieller Käufer vorbringen könnte. Und die entscheidenden, mittelfristig relevanten Unterstützungen liegen im Bereich 105/110 Euro und darunter in Form der 200-Tage-Linie bei aktuell 92,45 Euro. Wenn man sich überlegt, dass der Weg der Aktie bis zu einem bullischen Signal in Form von Schlusskursen über 130 Euro eher kurz wäre, man aber wohl kaum gerne bis zur 200-Tage-Linie durchgereicht werden will, wenn die Aktie doch weiter korrigiert, dürften viele dieses „aber“ wohl ersatzlos streichen. Es bleibt dabei: Die Aktie sieht momentan „toppish“ aus und sollte daher besser nicht einfach im Vertrauen darauf gekauft werden, dass ein Ausbruch nach oben gelingt, der gerade erst vor ein paar Tagen misslang.

Varta Aktie: Chart vom 17.09.2020, Kurs 119,50 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX

Am 13. August nach Handelsende hob der Batteriehersteller VARTA seine Jahresprognose an, wobei man das untere Ende des voraussichtlichen Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um ca. 20 Prozent höher setzte. Am Morgen des 14. August dann folgte Bilanz des ersten Halbjahres. Da fragt man sich, warum man beides nicht zusammen veröffentlicht hat. Aber noch bemerkenswerter war, dass die Marktteilnehmer die Aktie im Vorfeld der Bilanzveröffentlichung, deren Termin ja bekannt war, am 13.8. (und damit vor der Prognoseanhebung, die kam ja erst nach Handelsende) mit 128,70 Euro auf einen neuen Schlussrekord zogen, knapp über das vorherige Rekord-Closing vom 4. Dezember bei 126,80 Euro. Und dass die Aktie dann am Folgetag, dem 14. August, als Prognoseerhöhung und Bilanz auf dem Tisch lagen, wie ein Stein fiel.

Das hätte nicht überrascht, wenn diese Halbjahresbilanz enttäuscht hätte. Aber selbst ohne Zukäufe hatte VARTA ein Umsatzplus von 66,5 Prozent und einen Anstieg des EBITDA um sagenhafte 124,8 Prozent vorzuweisen. Da können doch nicht so viele Akteure noch mehr erwartet haben, dass die Aktie daraufhin elf Prozent fiel und zeitweise sogar noch deutlich tiefer notierte? Nein, die Gewinne dürften nicht enttäuscht haben. Es ist wahrscheinlicher, dass all diejenigen, die da am Vortag wie wild eingekauft hatten, enttäuscht waren, dass dann am Tag der Bilanz kaum noch jemand neu einstiegen mochte, weil viel zu viele dachten, es wäre clever, der Bilanz vorzugreifen. Der Aktie gingen dadurch einfach die Käufer aus. Und da zugleich zu viele ihren Gewinn in Bares verwandeln wollten, wurde die Aktie durchgereicht.

Expertenmeinung: Dass dieser Abverkauf keine Enttäuschung hinsichtlich der Perspektive von VARTA selbst beinhaltete und damit eher ein „Unfall“ war, zeigte sich in den folgenden Tagen: Die Aktie zog umgehend wieder an und erreichte am Freitag mit 134,10 Euro einen neuen Verlaufsrekord. Geschlossen hat sie dann aber doch zwei Prozent unter dem Donnerstags-Schlusskurs … und mit 127,40 Euro sogar geringfügig unter dem alten Rekordhoch vom vergangenen Dezember. War es das also doch mit der Rallye bei VARTA?

Bei einer derartigen Rallye, wie sie diese Aktie in den vergangenen Monaten gezeigt hat, muss man jederzeit mit einer Korrektur rechnen, die dann eben auch, entsprechend des vorherigen Kursanstiegs, größer ausfallen kann. Ein denkbares Ziel wäre da z.B. die Zone 109/110 Euro, in der VARTA nach dem kurzen Selloff nach der Halbjahresbilanz wieder nach oben gedreht hatte. Aber dazu muss es nicht kommen. Auf eine solche Korrektur zu wetten, ist bei einem derartigen Momentum immer sehr riskant, zumal diese immense Umsatz- und Gewinndynamik dazu geführt hat, dass die Aktie zwar nicht gerade billig bewertet ist, aber eben auch noch nicht überteuert ist. Zumindest solange nicht, bis sich abzeichnen würde, dass das Wachstum 2021 oder 2022 sehr deutlich an Schwung verlieren würde.

Entscheidend ist die Supportzone zwischen 91 und 103 Euro, der Bereich zwischen der 200-Tage-Linie und dem mittelfristigen Aufwärtstrend. Solange dieser sukzessiv mit nach oben laufende Bereich hält, bleibt der übergeordnete Trend der Aktie intakt. Steiniger wird der Weg nach oben natürlich schon, nach einer solchen Rallye ist das nur normal. Daher wäre es zu überlegen hier, wenn, dann in Korrekturen hinein einzusteigen, statt den Kursen hinterherzulaufen. Denn nur in Korrekturen hinein ließe sich ein Stoppkurs ansiedeln, der sich an mittelfristigen Unterstützungen orientiert und trotzdem nicht zu weit entfernt liegt.

Chart vom 28.08.2020, Kurs 127,40 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX

Die Aktie des Batterieherstellers VARTA beendete den Juli mit 94,90 Euro. Am Donnerstag schloss sie dann mit 128,50 Euro auf einem neuen Schlussrekord, knapp über dem bisherigen Rekord, den die Aktie am 4. Dezember bei 127,60 Euro markiert hatte. Ein Anstieg von 35 Prozent in neun Handelstagen, der nicht durch gute Bilanzzahlen ausgelöst wurde. Die kamen nämlich erst Freitag auf den Tisch. Und da wurde deutlich, dass die Vorschusslorbeeren, die die Käufer in den zwei Wochen zuvor verteilt hatten, ein wenig zu reichlich ausgefallen waren.

Zwar war die am Freitagmorgen vorgelegte Halbjahresbilanz grandios, darüber hinaus hob VARTA am Vorabend via ad hoc-Meldung die Gesamtjahresprognose an. Aber all diejenigen, die in den Tagen zuvor und vor allem im Verlauf des Donnerstags, unmittelbar vor den Zahlen, gekauft hatten, waren ja genau davon ausgegangen, sonst hätten sie die Finger weggelassen. Nur ist in solchen Fällen immer die Frage: Wie viele wollten besonders clever sein und kauften vorher? Manchmal sind es eben so viele, die dann bei Vorlage der erhofften, guten Nachricht schnelle Gewinne kassieren wollen, dass die Zahl derer, die das durch ihre Käufe im Anschluss an die „good news“ auffangen sollen, viel zu klein ist. Sprich der Aktie gehen dann die Käufer aus. Die Vorab-Käufer sehen, dass der Kurssprung mangels weiterer Kauforders ausbleibt und sehen zu, dass sie heil aus der Sache herauskommen, indem sie umgehend aussteigen. So etwas passiert nicht gerade selten. Und bei VARTA kam es so.

Expertenmeinung: Um zu verhindern, dass exzessive Vorkäufe zum Bumerang werden, müssten die erwarteten Nachrichten noch einmal besser ausfallen als die meisten dachten. Dann könnte das neue Käufer mobilisieren und verhindern, dass zu viele derer, die kurz vorher auf Verdacht eingestiegen waren, Kasse machen. Aber je steiler die Vorkäufe den Kurs nach oben treiben, desto mehr müssten die „news“ dann positiv überraschen.

Dass das, was VARTA auf den Tisch legte, nicht ausreichte, um den Abgabedruck zu stoppen, deutet an, dass auf diesem Niveau immens viel kurzfristige Spekulation im Kurs steckt. Denn die Ergebnisse waren beeindruckend, umso mehr, als sich die Welt gerade in einer heftigen Rezession wiederfindet. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sagenhafte 158 Prozent, der bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen schnellte um 174 Prozent in die Höhe. Schon am Donnerstagabend, aber nach Handelsende, hatte VARTA die Gesamtjahresprognose deutlich angehoben.

Ein Grund, um umgehend mit diesen „good news“ Gewinne mitzunehmen, könnte der Umstand gewesen sein, dass VARTA vor einem Jahr, als die Ergebnisse der ersten sechs Monate 2019 veröffentlicht wurden, noch um 70 Euro notierte und da auch schon eine 50 Prozent-Rallye seit Anfang 2019 hinter sich hatte. Ob die Aktie deswegen bereits zu teuer bewertet ist, ist indes Ansichtssache. Die derzeitige Bewertung wäre durchaus gerechtfertigt, sollte es VARTA gelingen, auch 2021 weiter zügig zu wachsen. Es war wohl eher die Angst vor der eigenen Courage und das Ausbleiben unmittelbarer Käufe nach der Bilanz, was zu dem Durchsacken der Aktie am Freitag führte, zwingend zu Ende ist der Aufwärtstrend daher noch nicht. Erst, wenn VARTA die breite Unterstützungszone zwischen 90 und 110 Euro brechen sollte, deren oberes Ende am Freitag verteidigt wurde, wäre die Show vorerst vorbei. Oberhalb von 90 Euro hier Short zu gehen, könnte also leicht daneben gehen.

Chart vom 14.08.2020, Kurs 115,60 Euro, Kürzel VAR1 | Online Broker LYNX