Eine Aktie fällt um 90 %, steigt danach um 400 % und stürzt dann wieder ab. Doch unter der Oberfläche wächst Sea einfach weiter.
Vom Börsenflop zur digitalen Supermacht
Sea Ltd. ist ein Paradebeispiel dafür, wie stark Börsenkurse und Unternehmensrealität auseinanderklaffen können und wie sehr der Kurs von der Wahrnehmung der Anleger abhängt.
Ab 2020 begann ein Aufstieg, der seinesgleichen sucht. Das Gaming-Geschäft von Sea explodierte regelrecht und die Aktie ebenfalls. Die Aktie wurde als Krisengewinner wahrgenommen.
Als das Gaming-Geschäft einbrach, wurde man jedoch als Verlierer und unprofitabler Wachstumswert abgestempelt. Die Aktie verlor etwa 90 % an Wert, nur um anschließend um mehr als 400 % zu steigen und dann wieder abzustürzen.
Wer nach Beispielen für extreme Kursschwankungen und kurzfristiges Denken an der Börse sucht, dürfte fündig geworden sein.
Gaming, Shopping, Fintech
Gegründet wurde das Unternehmen 2009 von Forrest Li unter dem Namen Garena. Li ist bis heute CEO und der größte Einzelaktionär von Sea Ltd. Im Jahr 2010 investierte der chinesische Technologieriese Tencent erheblich in Garena und gewährte dem Unternehmen bevorzugten Zugang zu seinem Spieleportfolio.
Diese strategische Partnerschaft positionierte Garena als führende Spieleplattform in Südostasien. Durch regionale Innovationen wie AirPay, das es Nutzern ermöglichte, Bargeld an physischen Schaltern für Online-Zahlungen einzuzahlen, konnte Garena seine Marktposition weiter stärken. AirPay entwickelte sich später zu SeaMoney, dem Finanzdienstleistungsarm des Unternehmens.
SeaMoney (Monee) ist ein digitaler Zahlungsabwickler, unterstützt den Online-Handel der anderen Geschäftsbereiche und hat sich zu einem eigenständigen, schnell wachsenden und profitablen Unternehmen entwickelt.
Angesichts des unterentwickelten E-Commerce-Marktes in Südostasien und inspiriert von der Vision, ein bedeutendes Internetunternehmen in der Region zu schaffen, gründete Garena 2015 die E-Commerce-Sparte Shopee. Shopee, das sich an Vorbildern wie Alibaba und Amazon orientiert hat, entwickelte sich zu einer der größten E-Commerce-Plattform Südostasiens und ist heute das wichtigste Geschäftsfeld von Sea Ltd.
Drei Säulen
Sea besteht also aus drei Geschäftsbereichen, die durch unterschiedliche Dynamiken geprägt sind.
Aus meiner Sicht könnte der Payment-Bereich langfristig zu einer echten Cashcow werden, obendrein in einem gigantischen Markt. Aus der Ferne unterschätzt man leicht, welchen Aufschwung die ASEAN-Staaten mit ihren knapp 700 Millionen Einwohnern erlebt haben. Wer Städte wie Kuala Lumpur oder Singapur nicht hautnah erlebt hat, kann es sich kaum vorstellen.
Und während der Kurs von Sea Kapriolen schlägt, wächst das Unternehmen ungebremst weiter.
In den letzten fünf Jahren konnte der Umsatz von 9,96 auf 22,94 Mrd. USD deutlich gesteigert werden. Gleichzeitig hat sich die Profitabilität deutlich verbessert. Die operative Marge kletterte von etwa -16 % auf + 9 %.
Seit 2023 ist das Unternehmen profitabel. Der Gewinn legte in dieser kurzen Zeit von 0,25 auf 3,50 USD je Aktie zu. Der Fokus ist aber nach wie vor Wachstum und nicht ein möglichst hoher Gewinn. In der Phase, in der sich das Unternehmen befindet, in Anbetracht der Durchdringung und der Größe der Märkte, in denen Sea aktiv ist, würde das auch keinen Sinn ergeben.
Die ASEAN-Staaten haben fast so viele Einwohner wie die EU und die USA zusammen.
Worauf kommt es wirklich an?
An der Börse wird das derzeit anders eingeschätzt. Sea hat in den letzten vier Quartalen zweimal die Gewinnerwartungen verfehlt, beim Umsatz aber durchweg übertroffen.
Das hat ausgereicht, um einen Kurssturz von etwa 200 auf unter 100 USD auszulösen.
Bei dem vorliegenden Wachstum könnte man aber ebenso gut argumentieren, dass das Unternehmen überhaupt nicht profitabel sein müsste, um einen Investment-Case abzuleiten.
Sea kann an dieser Stelle jedoch überzeugen. Es handelt sich um ein Wachstumsunternehmen mit drei Sparten, die jeweils profitabel sind.
Wie wir seit einigen Tagen wissen, lag der Gewinn im letzten Quartal mit 0,67 USD je Aktie unter den Erwartungen von 0,74 USD. Mit einem Umsatz von 7,10 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 6,95 Mrd. USD jedoch deutlich übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 47 % und einem Anstieg des Gewinns um 3 %.
Das E-Commerce-Segment Shopee verzeichnete ein Wachstum von 45,1 % auf 4,5 Mrd. USD.
Das EBITDA war jedoch von 264,4 auf 223,2 Mio. USD rückläufig.
Je nach Blickwinkel
Das Zahlungsgeschäft verzeichnete einen Umsatzsprung um 57,8 % auf 1,2 Mrd. USD. Das EBITDA kletterte um 14 % auf 275,2 Mio. USD.
Das Gaming-Segment konnte den Umsatz um 40,6 % auf 696,6 Mio. USD steigern. Das EBITDA verbesserte sich um 25,2 % auf 573,6 Mio. USD.
Das Wachstum ist in allen drei Segmenten erheblich. Wo es Sinn ergibt, also im Gaming-Segment, setzt das Management den Fokus auf Profitabilität und bei Shopee und SeaMoney setzt man auf Wachstum.
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr stagnieren. Sea kommt somit auf ein KGVe von 26. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Gewinn der richtige Maßstab für ein Unternehmen in diesem Stadium ist.
Das KUV liegt aktuell bei 2,2 und dürfte bis Jahresende auf 1,8 sinken. Seit dem Börsengang vor fast zehn Jahren lag das KUV durchschnittlich bei 5,8.

Gelingt jetzt ein Ausbruch über 91 USD, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 100 – 104 USD. Darüber wäre der Weg in Richtung 118 USD frei.
Fällt die Aktie hingegen unter 76 USD, muss mit weiteren Kursverlusten in Richtung 65 USD gerechnet werden.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.05.2026 um 11:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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