Heute in einer Woche steht die Halbjahresbilanz des Windkraftanlagen-Herstellers Nordex im Terminkalender. Mit großen Überraschungen rechnet man zwar nicht, aber die Zahlen müssen – und werden wohl auch – die knifflige Chartkonstellation auflösen, in der Nordex steckt.
Ein „einerseits, andererseits“ begegnet uns an der Börse recht oft. Alles kann man von zwei Seiten aus betrachten, auch und gerade deshalb gibt es dieses ewige Miteinander bullischer und bärischer Meinungen. Hier, bei Nordex, taucht aber gleich mehrfach ein „einerseits, andererseits“ auf. Einmal bei den Fundamentaldaten, zum anderen bei der Charttechnik. Und das macht die Sache spannend.
Auf der einen Seite weiß man: Bei Nordex läuft es wieder. Der Umsatz legt im Saldo ziemlich kontinuierlich zu, das Auftragsbuch ist gut gefüllt und die Margen sind, früher als vor zwei, drei Jahren noch erwartet, auf einem Level, der gute Gewinne ermöglicht. Und sie könnten sogar noch ein bisschen zulegen. Kurz:
Man weiß, dass der Gewinn 2026 zulegen und vermutlich im kommenden Jahr weiter steigen wird. Daher könnte man unterstellen, dass dieser Aspekt bereits im Kurs eingepreist ist. Doch hat man da trotzdem noch Luft nach oben … oder ist da bereits so viel von einer perfekten Zukunft vorweggenommen worden, dass man eine positive Überraschung bei diesen Halbjahreszahlen und in Bezug auf den Ausblick bräuchte, um einen herben Rücksetzer zu verhindern? Da kommt das erste „einerseits, andererseits“:
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Nordex Aktie finden Sie hier.
Expertenmeinung: Denn einerseits wäre die Bewertung der Aktie über das Kurs-/Gewinn-Verhältnis auf Basis der durchschnittlichen 2026er-Gewinnschätzung der Analysten mit 20 alles andere als teuer. Und da man in Expertenkreisen mit weiter steigenden Gewinnen pro Aktie in den kommenden Jahren rechnet, wäre es sogar eher niedrig und damit attraktiv. Andererseits sind die Analysten aber gar nicht mal so bullisch, wenn es um ihre Einschätzung der Aktie selbst geht. Denn von den 15 aktuellen Bewertungen lauten nur acht auf „Kaufen“, sechs sagen „Halten“, einmal heißt es sogar „Verkaufen“. Zugleich liegt das durchschnittliche Kursziel mit 47,93 Euro zwar über dem aktuellen Kurs … dieses Kurslevel war aber im zweiten Quartal mehrfach erreicht bzw. kurz überboten worden.
Der Optimismus in Bezug auf den kommenden Zuwachs beim Unternehmensgewinn ist also größer als der in Bezug auf Zuwächse beim Aktienkurs. Bemerkenswert.

Und dann wäre da noch das Chartbild. Einerseits ist die Nordex-Aktie im Bereich 35,22 bis 38,50 Euro durch mehrere Supportlinien gut unterstützt, unter anderem sind da die 200-Tage-Linie und die mittelfristige Aufwärtstrendlinie am Start. Andererseits zeigt der Kursverlauf momentan eine Toppbildung oberhalb dieser Unterstützungszone, die an Kontur gewann, als die Aktie im Juni beim Versuch, das bisherige Jahreshoch (51,70 Euro) zu überwinden, einen perfekten, bärischen „Abendstern“ hinlegte. Aktuell bewegt sich Nordex zudem unterhalb der 20-Tage- und der 50-Tage-Linie.
Für einen glaubwürdigen, bullischen Befreiungsschlag müsste der Kurs über das bisherige Jahreshoch hinaus. Für ein klar bärisches Signal müsste er durch diese Auffangzone zwischen 35,22 und 38,50 Euro rutschen. Solange weder noch der Fall ist, bleibt alles offen … und damit kann diese anstehende Bilanz das Zünglein an der Waage werden. Wer im Vorfeld eine Position aufbauen wollte, würde, eingedenk dieses so auffälligen „einerseits, andererseits“, schlicht eine Wette eingehen. Und da wir ja als Anleger immer den Spruch „Mit Geld spielt man nicht“ im Hinterkopf haben, kann der Rat nur lauten: Nicht vorgreifen, sondern abwarten, was nach dieser Halbjahresbilanz in einer Woche passiert!
Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NDX1.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.07.2026 um 22:21 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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