Klöckner: Da stecken sehr viele Vorschusslorbeeren drin!

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Klöckner
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Zur Klöckner Aktie

Nach der gestern vorgelegten Jahresbilanz des Metall-Händlers Klöckner hoffen die Investoren darauf, dass das Unternehmen in diesem Jahr wieder an die guten Ergebnisse der Jahre 2017/2018 heranreicht. Aber selbst wenn es so käme, hätte der Aktienkurs das zum Großteil vorweggenommen. Vorsicht ist geboten – auf welche Chartmarken kommt es an?

Der Umsatz fiel 2020 um 18,7 Prozent, 2019 hatte der Umsatzrückgang 7,0 Prozent betragen. Erst drückte der US-Handelskrieg, dann Corona. Das Unternehmensergebnis war daher schon 2019 im Minus gelandet, 2020 fiel es noch größer aus (-114 Millionen Euro nach -55 Millionen 2019). Doch die Aktie, die im Zuge der Corona-Panik vor knapp einem Jahr bei 2,61 Euro aufgesetzt hatte, war zuletzt schon wieder auf in der Spitze 9,47 Euro gestiegen. Da wurde also einiges an Vorschusslorbeeren verteilt. Zu Recht?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Klöckner Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Das ist eben die Frage. Denn in Sachen 2021er-Perspektive las man bei Klöckner von der Erwartung eines „deutlichen Umsatzanstiegs“ und einem „deutlich verbesserten Ergebnis“. Das können jeweils +10 Prozent oder +100 Prozent sein. Dass Klöckner nicht konkreter wird, ist dabei nicht verwunderlich. Die Metallpreise schwanken stark, deren Nachfrage-/Angebots-Situation ist wankelmütig und politische Stolpersteine können jederzeit auftauchen oder aus dem Weg geräumt werden – all das ist nicht vorhersehbar. Daher ist diese schwammige Formulierung nachvollziehbar. Was aber auch bedeutet, dass sich die Anleger mit dieser Rallye, die zwischen Anfang November und Mitte Dezember noch einmal richtig Fahrt aufgenommen hatte, weit aus dem Fenster lehnen.

Im Moment ist die Lage durchaus günstig. Klöckner hatte bereits im Februar gemeldet, dass sich die Stahlnachfrage und mit ihr das Preisniveau im vierten Quartal deutlich verbessert habe und sich dies im laufenden ersten Quartal fortsetzt. Aber wie gesagt: Das Unternehmen verweigert nicht umsonst eine präzise Guidance für das Gesamtjahr. Das Risiko, dass sich die Rahmenbedingungen wieder verschlechtern könnten, ist kein Grund, hier auszusteigen. Wichtig wäre aber, sich für den Fall einer enttäuschenden Entwicklung zu wappnen, die mit Blick auf diese immense Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate, die hohe Erwartungen impliziert, einfach einkalkuliert werden muss. Immerhin hat die Aktie bereits wieder den Level vom Sommer 2018 erreicht, als die Welt in Sachen Umsatz und Gewinn noch in Ordnung war.

Für eine sinnvolle, charttechnisch basierte Absicherung laufender Positionen wäre derzeit der Level um acht Euro entscheidend. Knapp darüber kreuzen sich die obere Begrenzung des im Herbst nach oben durchbrochenen, mittelfristigen Aufwärtstrendkanals und die steile November-Aufwärtstrendlinie. Sollte Klöckner in diesen mittelfristigen Aufwärtstrendkanal zurückfallen, wäre ein Test dessen unterer Begrenzung durchaus möglich. Die bildet zusammen mit der 200-Tage-Linie und den Monatshochs vom Juli, August und Oktober im Bereich 5,90/6,25 Euro eine massive, mittelfristige Auffangzone … deren Test man natürlich nicht auf der Long-Seite miterleben möchte.

Chart vom 10.03.2021, Kurs 8,905 Euro, Kürzel KCO | Online Broker LYNX

 

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Die Börse ist im Rallye-Modus. Die Indizes stehen am Allzeithoch, die Kurse gehen durch die Decke und haben sich teilweise vervielfacht.

Bei einigen Krisengewinnern ist das noch halbwegs nachvollziehbar, bei anderen Aktien lauern aber ernstzunehmende Gefahren.

Für viele Anleger wird das nicht gut enden. Die ein oder andere Depotleiche ist vorprogrammiert.

Hier finden Sie den ersten Teile dieser Artikelreihe:
1. Herzlich Willkommen zur Schrottrallye
2. Fulminanter Gewinn

Zur Einordnung und zum Verständnis der folgenden Analyse wäre es ratsam vorab den ersten Artikel zu lesen, falls noch nicht geschehen.

Klöckner: Vorreiter der digitalen Transformation

Klöckner ist einer der weltweit führenden Anbieter hochqualitativer Stahl- und Metallbearbeitung.

Das Unternehmen sieht sich als Vorreiter der digitalen Transformation in der Stahlindustrie und hat sich das Ziel gesetzt, die Liefer- und Leistungskette durchgängig zu digitalisieren.

Bei mehr als 100.000 Kunden und einem Umsatz von 6,32 Mrd. Euro kann man wahrlich nicht behaupten, dass es keine Nachfrage für die Angebote von Klöckner gibt.

Kurze Delle

Das laufende Geschäftsjahr ist oder war jedoch eher schwierig. In den ersten neun Monaten ist der Umsatz um 21% auf 1,28 Mrd. Euro eingebrochen.
Das Ergebnis lag bei -1,38 Euro je Aktie.

Die ganze Branche stand unter Druck und natürlich könnte man argumentieren, dass es sich hierbei nur um eine kurze Delle handelt.

Dann muss man aber einige Fragen beantworten: Warum war der Umsatz 2013, 2015, 2016 und 2019 rückläufig.
Warum lag der Umsatz auch vor Corona mit 6,32 Mrd. Euro weit unter dem Niveau von 2011 mit 7,10 Mrd. Euro?

Warum hat der Konzern in den letzten zehn Jahren in vieren kein Geld verdient? Warum übersteigen die Verluste in dieser Zeit den gesamten Gewinne der guten Jahre?

Es dürfte relativ schwer sein, jetzt noch die These von der kurzen Delle zu vertreten.

Auf der anderen Seite erwartet das Unternehmen im ersten Quartal 2021 ein „außergewöhnlich starkes operatives Ergebnis“.
Die Stahlnachfrage und das Preisniveau haben sich zuletzt erfreulich entwickelt. Es dürfte sich vor allem um Nachholeffekte handeln.

Damals wie heute?

Das könnte den Kurs in den kommenden Monaten weiter beflügeln. Ein oder einige gute Quartale lösen aber die grundlegenden Probleme der Branche und des Unternehmens nicht.

Es wäre weder das erste gute Quartal des Unternehmens noch die erste Rallye.

Vor der Finanzkrise lief es auch gut. Die Aktie kletterte von 15 auf 65 Euro, stürzte dann allerdings auf 6 Euro ab.
Nach der Finanzkrise erholte sich das Geschäft, die Aktie kletterte auf 25 Euro und stürzte dann wieder ab.

Danach ging es mit dem Kurs und dem Geschäft mehrfach auf und ab.
Am Ende wurden aber stets noch niedrigere Kurse erreicht. Der vorläufige Tiefpunkt wurde erst kürzlich bei einem Kurs unter 3,00 Euro markiert.

Vielleicht erkennen Sie ein gewisses Muster.

Chart vom 19.02.2021 Kurs: 9,02 Kürzel: KCO - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 19.02.2021 Kurs: 9,02 Kürzel: KCO – Wochenkerzen

Die Klöckner-Aktie stand in den letzten Tagen ganz oben auf den Kurszetteln der Anleger. Seit Anfang November ist der Kurs um sagenhafte 60% gestiegen. Nimmt die Aktie jetzt erst richtig an Fahrt auf?

Aufgabe eines Zyklikers / aktuelle Lage

Dass das Stahlgeschäft konjunkturanfällig ist, muss man niemandem erklären. Unternehmen in solchen Branchen leiden in Krisen ganz besonders stark.

Das zeigt sich auch aktuell wieder. In den ersten drei Quartalen des Jahres ist der Umsatz um 16% auf 3,68 Mrd. Euro eingebrochen. Der Verlust explodierte von -0,05 auf -1,38 Euro je Aktie.

Um das auszugleichen, müssen Zykliker in guten Zeiten überproportional wachsen und sich ein Polster „anfuttern“.

Bei Klöckner ist das aber nicht der Fall. Man sieht es schon an den Vorjahreszahlen, auch damals war man nicht profitabel.
Die Probleme besten aber schon viel länger. Unter dem Strich stagniert der Umsatz seit einer gefühlten Ewigkeit. Im Vorjahr erzielte man einen niedrigeren Umsatz als in 6 der letzten 9 Jahre.

Darüber hinaus war man in dieser Phase der wirtschaftlichen Expansion immer wieder unprofitabel. Selbst in guten Jahren tendiert die operative Marge gegen null.

Ersparen Sie sich das

Von starkem Wachstum oder einem Polster kann also keine Rede sein. Wir haben es eher mit Siechtum zu tun und genau aus diesem Grund ist die Aktie auch ein ewiger Underperformer.
Erst kürzlich hat Klöckner ein neues Allzeittief markiert.

Heute ist die Aktie die Hälfte Wert, wie beim Börsengang im Jahr 2006. Als Anleger sollte man sich so etwas wirklich ersparen.

Wenn ein Unternehmen keine Werte schafft, kann die Aktie nicht nachhaltig steigen.
Die Hoffnung der Anleger auf eine Trendwende ist eine Fata-Morgana.

Solange die grundlegenden Probleme nicht behoben werden, wird jede Rallye am Ende wieder im Keller enden.

Wir haben es bei Unternehmen wie Thyssen oder der Deutschen Bank immer wieder erlebt.
Ersparen Sie sich das.

Machen Sie es sich einfach

Von Zeit zu Zeit haben derartige Unternehmen einige gute Quartale. Anleger hoffen und zeitweise steigen dann auch die Kurse, nur um am Ende wieder zu kollabieren.

Sie sollten es sich einfacher machen. Selbst wenn Sie nur traden möchten, machen sie es doch einfach mit guten Unternehmen.

Nehmen wir als Beispiel Google und Klöckner. Bei Klöckner müssen Sie schon sehr viel Glück und Timing beweisen und dann auch noch im richtigen Moment aussteigen, um einen Gewinn zu erzielen.

Wenn es aber schiefgeht, kommen Sie vielleicht nie mehr aus der Aktie raus. Die nächste Depotleiche ist geboren.

Bei guten Unternehmen wie Google gilt das Gegenteil. Selbst wenn Sie zu einem sehr unglücklichen Zeitpunkt einsteigen kann langfristig nicht viel passieren.

Wenn Sie mir nicht glauben, hören Sie auf Charlie Munger, er bringt es wie immer auf den Punkt:
„Time is the friend of a good business and the enemy of a poor business.“

Das ist der große Unterschied

Trotzdem hatten die Finanzinvestoren Apollo und Swoctem wohl Interesse an Klöckner bekundet.

Mit Blick auf meine vorherigen Worte, werden sich einige Leser wundern, warum ich so eindringlich warne, andere Investoren aber Interesse an Klöckner haben.

Das hat einfache Gründe: Wenn Apollo oder sonst jemand das komplette Unternehmen kauft, hat er ganz andere Möglichkeiten als Sie als Kleinanleger.

Die Macht zur Einflussnahme von Kleinanlegern ist faktisch nicht existent. Sie können nur hoffen, dass der Vorstand gute Entscheidungen trifft.

Ein Finanzinvestor, der das gesamte Unternehmen kauft, kann aber beispielsweise Unternehmensteile verkaufen, sich an den Cash-Reserven bedienen, Investitionen zusammenstreichen und sich selbst eine Dividende oder Beratungsgehälter zahlen.

Am Ende, nachdem man das Unternehmen „gestrafft“ hat und hinnehmbare Zahlen erzielt, bringt man es wieder an die Börse.
Dadurch kann sich der Kauf von maroden Unternehmen durchaus lohnen.

Übernahme vom Tisch

Genau das ist bei Klöckner übrigens schon mal geschehen. Der Stahlkonzern wurde 2005 von der Private-Equity-Firma Lindsay Goldberg & Bessemer (LGB) gekauft und 2006 an die Börse gebracht.
Für LGB war das ein guter Deal, für Anleger nicht.

Am Dienstag wurde bekannt, dass die aktuelle Übernahme durch Apollo und Swoctem aber ohnehin vom Tisch ist.
Klöckner bleibt an der Börse und für Anleger ist dieser Kaufgrund – eine Spekulation auf eine Übernahme – verschwunden.

Chart

Kurzfristige Trader dürften all die Probleme aber nicht abhalten. Für sie zählen vor allem der Chart und ein positiver Newsflow.
Bricht Klöckner über 7,50 Euro aus, käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit Kurszielen bei bis zu 9,00 Euro.

Chart vom 11.12.2020 Kurs: 7,65 Kürzel: KCO - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 11.12.2020 Kurs: 7,65 Kürzel: KCO – Wochenkerzen

Klöckner ist einer der größten produzentenunabhängigen Stahl- und Metallhändler in Europa und Nordamerika. Der Konzern agiert hierbei als Bindeglied zwischen der Stahlerzeugung und den Verbrauchern und ist mit 170 Standorten in 12 Ländern tätig.

Das wird sich nicht ändern

Die Stahlindustrie ist notorisch konjunkturanfällig. Unternehmen ist solchen Branchen müssen also in guten Zeiten überdurchschnittlich wachsen und sich ein Polster zulegen. Bei Klöckner ist aber keine nachhaltig positive Umsatzentwicklung zu erkennen. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr war der Umsatz niedriger als 2011 und 2012. Darüber hinaus hat man Probleme mit der Profitabilität. Die operative Marge tendiert gegen Null, in vielen Jahren ist man gar nicht profitabel. Hinzukommt, dass das Geschäft kapitalintensiv ist. Alles was man erwirtschaftet, muss umgehend wieder reinvestiert werden. Das Geld versickert einfach. Daher musste man in der Vergangenheit auch mehrfach auf Kapitalerhöhungen zurückgreifen. All das wird sich nicht ändern. Daher habe ich in der Vergangenheit auch immer wieder vom Kauf abgeraten. Zuletzt zu Kursen bei 9,35 und 6,44 Euro. Danach sackte die Aktie bis auf 4,19 Euro ab. Eine ausführliche Analyse finden Sie hier.

Aktuelle Lage

Das laufende Geschäftsjahr passt gut in das übergeordnete Bild. In den ersten neun Monaten lag der Stahlabsatz 6,6% unter dem Vorjahr. Der Umsatz ist von 5,2 auf 4,9 Mrd. Euro gesunken. Die Margen waren rückläufig, das EBITDA ist von 197 auf 136 Mio. Euro eingebrochen. Unter dem Strich war man nicht mehr profitabel. Das Ergebnis sank von 0,75 auf -0,05 Euro je Aktie. Dennoch hat sich die Aktie wieder spürbar erholt. Anleger hoffen auf bessere Zeiten, doch wie realistisch ist das? Klöckner hat schließlich nicht nur ein schwieriges Jahr. Sondern ein paar schwierige Dekaden. Die Dividende wurde bereits gekürzt, eigentlich kann man sich gar keine leisten. Selbst wenn die Erwartungen in den kommenden beiden Jahren erfüllt werden können, läge das KGV für 2020 und 2021 bei 60 und 32. Warum sollte man das zahlen? Die Bullen argumentieren mit den Vermögenswerten. Doch was sind sie in Wirklichkeit Wert?  Schließlich kosten sie Geld und erwirtschaften keins. Realistischerweise wird auch das den Anlegern nicht weiterhelfen.

Chart

Durch die Erholung hat sich die Aktie dem Abwärtstrend und den zentralen Widerständen bei 7-7,50 Euro angenähert. Die Kursrisiken sind dadurch wieder deutlich gestiegen. Diese Hürde dürfte schwer zu überwinden sein. Tatsächlich scheinen die Bullen bereits eine Etage tiefer aufzugeben. Seit Wochen kommt die Aktie nicht mehr weiter. Unter 6,00 Euro droht ein neuerlicher Rückfall in Richtung 5,50 und 4,50 Euro. Mehr als 7.300 Trader & Investoren folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants. Ihre Ordergebühren sind zu hoch? Mein Broker ist LYNX. Chart vom 07.01.2020 Kurs: 6,09 Kürzel: KCO - Wochenkerzen | LYNX Online Broker