Die Hermès-Aktie hatte bereits ein schwaches erstes Halbjahr hinter sich. Aber als Reaktion auf die am Mittwoch vorgelegten Halbjahreszahlen brach der Kurs um weitere elf Prozent ein. Gestern sah man jedoch wieder erste Käufe … hat man das Tief womöglich jetzt gesehen?
Möglich wäre das grundsätzlich zwar schon, darauf wetten sollte man aber lieber noch nicht. Denn dass die Aktie als Reaktion auf das Halbjahresergebnis schlagartig in die Knie ging, hatte durchaus Gründe. Der Umsatz legte gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 nur um 1,6 Prozent zu, das war schon mager genug. „Währungsbereinigt“, also wenn man so tut, als habe sich der Euro zu anderen Währungen nicht verändert, käme man zwar auf 6,1 Prozent. Aber der Euro ist nun einmal zu den meisten anderen Währungen gestiegen und drückt auf Umsatz und Gewinn beim Absatz außerhalb der Eurozone. Ein „Was wäre, wenn“ ist Wunschdenken … und damit konnten diejenigen, die die Hermès-Aktie am Mittwoch verkauften, offenkundig nichts anfangen.
Der eigentliche Aspekt, an dem sich die Marktteilnehmer gestört haben dürften, lag aber darin, was aus dem Umsatz wurde, denn die operative Gewinnmarge fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 41,4 auf 41,0 Prozent. Und auch beim Nettogewinn ging es mit der Marge bergab, von 28,0 auf 27,4 Prozent. Das logische Ergebnis: Vom leichten Umsatzplus blieb beim Gewinn nichts übrig. Der operative Gewinn lag mit 3,351 Milliarden nur einen Hauch über den 3,327 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025, der Nettogewinn landete mit 2,238 Milliarden sogar minimal unter den 2,246 Milliarden Euro des Vorjahres.
Es ging also im Saldo nichts vorwärts in den ersten sechs Monaten. Hätte man einen weiteren Rückgang des Geschäfts befürchtet, wäre das eine gute Nachricht gewesen. Da aber andere Luxusgüterkonzerne wie Richemont, Kering und LVMH besser vorankamen, war es keine.
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Expertenmeinung: So gesehen war das Minus des Mittwochs nachvollziehbar, zumal diejenigen Analysten, die danach bereits ihre Kursziele anpassten, diese senkten. JPMorgan ging mit seinem Ziel von 2.000 auf 1.800 Euro, die UBS von 1.795 auf 1.695 Euro nach unten, die DZ Bank senkte das Ziel von 2.100 auf 1.800 Euro. Zwar rangiert die Aktie aktuell am unteren Ende der Gesamtkurszielspanne der Experten, die von 1.500 bis 2.320 Euro reicht, zudem sind immerhin 13 der 22 Analysten, die Hermès aktuell einstufen, bullisch. Aber zahlreiche der höheren Kursziele sind schon älter und könnten einer Neubewertung im Licht dieses bilanziellen Wassertretens womöglich nicht standhalten.
So betrachtet kann es zwar theoretisch sein, dass nach dieser drastisch negativen Reaktion auf magere Ergebnisse langsam alle ausgestiegen sind, die aussteigen wollten, und die Aktie in eine Bodenbildung übergeht. Aber sieht man sich den Chart an, erkennt man: Mit diesem Minus war erst einmal der bisherige Bodenbildungsversuch gescheitert.
Mit der Gegenbewegung des Donnerstags von knapp 2,8 Prozent ist die Hermès-Aktie zunächst nur wieder in die vorherige Handelsspanne zwischen 1.529 und 1.800 Euro zurückgekehrt und wäre damit selbst auf kurzfristiger Ebene nur als charttechnisch neutral einzustufen. Erst wenn der Hermès-Kurs auch diese Zone mit Schlusskursen klar über 1.800 Euro bezwingen würde und darüber hinaus den doppelten, mittelfristigen Leitstrahl der Bären in Form der 200-Tage-Linie und der übergeordneten Abwärtstrendlinie um 1.900 Euro überwindet, wäre das ein bullisches Signal. Und der Weg dorthin dürfte mit derart mageren Bilanzzahlen im Gepäck ein eher steiniger werden.

Quellenangaben:
Ergebnis des 1. Halbjahres 2026, 29.07.2026: https://assets-finance.hermes.com/s3fs-public/node/pdf_file/2026-07/1785260662/hermes_20260729_pr_firsthalfresults_va.pdf?VersionId=vBzzQgk8phRPRfHjjNsCBZ_1IkdUXHJj
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/RMS.PA/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.07.2026 um 22:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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