Hapag-Lloyd Aktie Prognose Hapag Lloyd: Die Aktie fällt auf das Korrekturziel zu – und jetzt?

News: Aktuelle Analyse der Hapag-Lloyd Aktie

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Chart vom 09.06.2022, Kurs 314,20 Euro, Kürzel HLAG | Online Broker LYNX

Irgendwann endet jede überzogene Kaufwelle. Und dann meist abrupt, wie wir das jetzt auch bei Hapag Lloyd sehen. Dadurch ist die Reederei-Aktie bereits nahe an einen Bereich gefallen, den man als Korrekturziel ansehen könnte. Könnte man womöglich wieder einsteigen?

Am 17. Mai erreichte die Aktie der deutschen Reederei Hapag Lloyd mit 474,60 Euro ein Rekordhoch. Gestern, nur gut drei Wochen später, schloss sie ganze 33,8 Prozent tiefer. Davon könnte man zwar noch den Abschlag der beeindruckenden Dividende von 35 Euro abziehen, die Ende Mai ausgeschüttet wurde. Aber was bleibt, ist dennoch eine Hausse, die abrupt und heftig zu Ende ging. Warum?

Weil jedem klar ist, dass die extrem gestiegenen Gewinne, die Hapag Lloyd 2021 einfahren konnte und bislang auch 2022 einfährt, nicht von Dauer sein werden. Sie basieren auf dieser Sondersituation massiver Materialengpässe, die dazu führen, dass Unternehmen so ziemlich jeden Preis zu zahlen bereit sind, um an die benötigten Rohstoffe, Bauteile etc. heranzukommen. Das führt zu Staus vor den Häfen, zu Volllast bei den Frachtkapazitäten und damit zu Frachtpreisen, die die gestiegenen Energiekosten der Reeder weit übersteigen. Daher sprudeln die Gewinne derzeit. Aber sobald dieser Nachfrageüberhang endet, fallen die Frachtpreise zurück. Und wenn es dumm läuft, bleiben die Energiekosten für den Schiffsverkehr trotzdem hoch. Das bedeutet:

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Hapag-Lloyd Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Jeder wusste, dass die Hausse bei der Hapag Lloyd-Aktie ein Spiel auf Zeit war. Es ging nur um die Frage, wann die ersten bullischen Trader anfangen, ihr Geld vom Tisch zu nehmen. Das ist jetzt passiert … und man sieht, welche Dynamik das entwickelt.

Chart vom 09.06.2022, Kurs 314,20 Euro, Kürzel HLAG | Online Broker LYNX

Und das Thema Dynamik macht die Sache weiterhin riskant. Denn niemand könnte absehen, wie schnell und wie dynamisch sich der Nachfrageüberhang bei den Unternehmen abbaut und damit auch nicht, wann und wie stark die Frachtraten unter Druck kommen werden. Man müsste hier also „auf Sicht“ navigieren. Daran ändert der Umstand nichts, dass die Hapag Lloyd-Aktie jetzt bereits nahe an das mittelfristige Korrekturziel gerutscht ist, das sich aus dem Anfang Januar erreichten Zwischenhoch bei 295 Euro und dem doppelten Hausse-Leitstrahl aus 200-Tage-Linie und Oktober 2021-Aufwärtstrendlinie bei aktuell 269 Euro zusammensetzt. Was also sollte man tun?

Jetzt mit Käufen zu beginnen, in der Hoffnung, dass diese Supportzone 269/295 Euro halten wird, wäre ein Trade „auf gut Glück“ … an der Börse ist so etwas nie ratsam. Erst einmal sollte man abwarten, wie sich die Aktie im Bereich dieser Zone verhält, wenn sie bis dorthin weiter fällt und erst den Einstieg erwägen, wenn ein klarer Aufwärtsschwenk sichtbar wird, der dann auch einen engen Stop Loss ermöglicht. Ansonsten wäre nur eines zu raten:

Wer hier auf der Short-Seite auf genau das gesetzt hatte, was gerade eingetreten ist, könnte langsam anfangen, ein paar Gewinne zu realisieren, für die verbleibende Position den Stop Loss knapp über das März-Hoch (366,60 Euro) nachziehen und mit dieser Restposition an Bord bleiben!

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Vorherige Analysen der Hapag-Lloyd Aktie

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Das Minus von 11,6 Prozent, das die Aktie der Reederei Hapag Lloyd gestern zu verbuchen hatte, basierte zwar auch auf der Dividenden-Ausschüttung … aber nicht nur. Könnte das das Ende der Hausse sein? Möglich wäre es – wir schauen, auf welche Chartmarken es ankommt.

Diese Dividendenrendite war traumhaft. Weil die Kombination aus Materialengpässen und Inflation Preise für Frachtraum ermöglichten, die die ebenso deutlich gestiegenen Kosten für den Kraftstoff der Frachtschiffe deutlich überkompensierten, hat die deutsche Reederei Hapag Lloyd 2021 einen unglaublichen Gewinn von 51,63 Euro pro Aktie eingefahren, fast das Zehnfache dessen, was 2020 hängen geblieben war. Und schon der 2020er-Gewinn war ein Rekord gewesen.

Da ließ es sich mit der Dividende großzügig sein. 35 Euro gab es pro Anteilsschein, ausgeschüttet am Donnerstag. Eine Dividendenrendite von sagenhaften 7,8 Prozent. Und es ist normal, dass dieser Dividendenbetrag dann erst einmal vom Aktienkurs abgeschlagen wird. Aber Hapag Lloyd fiel eben nicht um 35 Euro, sondern um 52 Euro, das Minus betrug 11,6 Prozent. Und das sollte man im Auge behalten.

Expertenmeinung: Denn eines wissen ja alle Marktteilnehmer: Auch, wenn man davon ausgeht, dass Hapag Lloyd im laufenden Jahr noch einmal mehr verdienen wird, im Schnitt prognostizieren die Analysten da 75 Euro pro Aktie: Diese phantastischen Gewinne sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Und sie könnten sogar, wenn es dumm läuft, viel schneller in sich zusammenfallen als manche denken. Würde die Rosskur, die die Notenbanken zur Inflationsbekämpfung begonnen haben, die Wirtschaft schnell ausbremsen, weil das vorherige Wachstum instabil war und viel zu sehr auf Kredit basierte, würde der Nachfrageüberhang schnell ins Gegenteil umschlagen. Frachtraum wäre weit weniger begehrt … dann könnte man sogar schnell vor Überkapazitäten stehen.

Chart vom 25.05.2022, Kurs 396,40 Euro, Kürzel HLAG | Online Broker LYNX

So gesehen wäre es ja nicht überraschend, wenn mancher Anleger nur gewartet hat, um die Dividende mitnehmen zu können, um dann nahe am bisherigen Rekordhoch der Aktie auszusteigen. Und auch wenn der letzte gestern dann 17 Euro tiefer ausstieg als die Dividende im Gegenzug einbrachte: Was ist das schon angesichts dieser vorherigen Hausse, bei der sich der Kurs, gerechnet vom Herbst 2020, glatt Verzehnfacht hatte?

Und im Gegenzug stellt sich die Frage: Wer kauft jetzt, da man schließlich weiß, dass man auf der Long-Seite ein Spiel auf Zeit betreibt und die nächste Dividende erstens knapp ein Jahr entfernt ist und zweitens keineswegs so hoch ausfallen muss wie die aktuelle? Ausschließen kann man nicht, dass da genug Trader noch zuversichtlich genug sind, um die Aktie vor einem bärischen Signal zu bewahren. Aber sollte der Kurs die Unterstützungslinie bei 389 Euro brechen, sollte man vorsichtig werden und Gedanken an den Einstieg besser auf Eis legen. Und würde dann auch noch die wichtigere Unterstützung in Form des März-Hochs bei 366,60 Euro fallen, sollte man … spätestens … besser die Beine in die Hand nehmen.

Die Aktie der Reederei Hapag-Lloyd hatte 2021 ca. 200 Prozent zugelegt. Im Januar begann eine Konsolidierung, doch seit vergangener Woche zieht sie erneut davon. Grund: Der Ausblick 2022. Sollte man da noch dabei bleiben oder nicht besser den Gewinn mitnehmen?

Rechnet man die Performance der Hapag Lloyd-Aktie ab dem Herbst 2020, ist der Kurs sogar bereits um etwa 600 Prozent gestiegen. Doch da ist man in guter Gesellschaft: Die Aktien der großen japanischen Fracht-Reeder sind genauso stark gelaufen. Und das ist im Verhältnis dazu, wie sich die Gewinne entwickelt haben, je eigentlich noch harmlos. Denn Hapag-Lloyd verdiente 2019 noch 2,06 Euro pro Aktie, 2020 dann 5,27 Euro, 2021 waren es sagenhafte 51,53 Euro. Aber das heißt nicht, dass die Aktie deshalb wirklich immer noch „billig“ wäre.

Denn die Investoren wissen: Diese Hausse ist, ebenso wie diese exorbitanten Gewinne, nicht für die Ewigkeit gemacht. Basis dieser Gewinnexplosion ist nämlich nicht ein organisches Wachstum. Obwohl Hapag-Lloyd 2021 fast das Zehnfache pro Aktie verdiente wie 2020, ist das Frachtvolumen 2021 gegenüber dem Vorjahr nur um ein Prozent gestiegen. Es waren die dramatisch gestiegenen Kosten für Frachtraum, die den Gewinn nach oben katapultierten. Die basierten auf dem massiven Nachfrageüberhang, als Spätfolge der Lockdown-Phasen. Und das wird sich über kurz oder lang wieder einpendeln, die Frachtraten zurückkommen und die Gewinne der Reederei mit ihnen. Wie kommt es also, dass die Aktie nach einer monatelangen Konsolidierung auf einmal doch wieder durchstartete?  

Expertenmeinung: Das basierte auf dem am 10. März vorgelegten Ausblick für das Geschäftsjahr 2022. Die 2021er-Ergebnisse waren bereits am 1. Februar geliefert worden, aber erst letzte Woche wurde klar, wie Hapag-Lloyd das laufende Jahr sieht. Und da war zu lesen, dass man mit einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) rechnet, der mit 12 bis 14 Milliarden US-Dollar in der Bandbreite des Vorjahres (12,8 Milliarden US-Dollar) bleiben wird. Man geht bei Hapag-Lloyd davon aus, dass das erste Halbjahr 2022 weiter von der Materialknappheit und damit verbundenen, ungewöhnlich hohen Frachtkosten dominiert wird und sich die Lage erst im Verlauf des zweiten Halbjahres langsam normalisieren wird. Das war es, was die Anleger dazu brachte, erneut zuzugreifen, denn viele rechneten nicht damit, dass sich die für die Reeder so profitable Situation so lange hinziehen wird. Aber:

Ein Spiel auf Zeit ist es dennoch. Den meisten Akteuren ist klar, dass sich der Kurs der Hapag-Lloyd-Aktie nicht auf Dauer auf diesen Rekordlevels halten wird. Daher wäre es äußerst riskant, auf diesen dahin rasenden Zug jetzt noch mit dem Ziel eines mittel- oder langfristigen Investments aufzuspringen. Zumal sich diese hohe Profitabilität auch dann schnell reduzieren könnte, wenn zwar das Angebot knapp bleibt, dafür aber durch eine rezessive Entwicklung der Weltwirtschaft die Nachfrage nachließe.

Was spekulative, eher kurzfristig ausgelegte Long-Trades anginge, hat dieser Ausbruch auf neue Rekordlevels den Vorteil, dass sich die Gewinnsicherung dadurch deutlich anheben ließe. Jetzt wäre zu überlegen, den Stoppkurs auf einen Level knapp unter die jetzt als Unterstützung fungierende Zone zwischen 270 und 292 Euro anzuheben, die zuvor den Widerstand am oberen Ende der jetzt überbotenen Handelsspanne der Aktie darstellte.

Hapag-Lloyd-Aktie: Chart vom 16.03.2022, Kurs 324,40 Euro, Kürzel HLAG | Online Broker LYNX

Die Super-Hausse der Hapag Lloyd-Aktie ist eine auf Zeit. Das ist den meisten Tradern klar, aber solange keine Abwärtswende kommt, bleiben die meisten am Ball. Doch gestern kam es zu Verkaufsdruck nach Vorlage der 2021er-Zahlen. Die Abwärtswende könnte sehr nahe sein.

Auf den ersten Blick waren die vorläufigen 2021er-Ergebnisse der deutschen Hapag Lloyd-Reederei herausragend. Der Umsatz lag mit 22,3 Milliarden Euro gut 75 Prozent höher als 2020, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) betrug mit 9,4 Milliarden Euro mehr als das Siebenfache des EBIT 2020 und lag weit über allem, was in den Vorjahren erzielt wurde. Doch die Sache hat einen Haken, der auch denen bewusst sein muss, die diese Aktie seit Herbst 2020 förmlich durch die Decke gekauft hatten.

Denn das Frachtvolumen blieb mit 11,9 Millionen TEU (ein TEU entspricht einem 20 Fuß-Container) gegenüber 2020 nahezu gleich. Der Grund für die explodierten Unternehmensgewinne liegt in den durch die Lieferengpässe nach der Lockdown-Phase extrem gestiegenen Frachtraten, die per Ende 2021 etwa doppelt so teuer waren wie Ende 2020. Damit ist der immense Gewinnanstieg nicht durch ein organisches Wachstum zustande gekommen, sondern durch eine Sondersituation, deren Dauer zwar unbestimmbar ist, die aber nicht für die Ewigkeit anhalten wird. Was bedeutet:

Expertenmeinung: Obwohl der Gewinn noch deutlich stärker gestiegen ist als die Aktie und diese daher, bezogen auf das 2021er-Kurs/Gewinn-Verhältnis von ca. 5,4, spottbillig wirkt, ist klar, dass der Gewinn pro Aktie wieder fallen wird. Und auch, wenn offen ist, ob das bereits 2022 der Fall sein wird, muss man damit rechnen, dass er so weit nachgibt, dass die Hapag Lloyd-Aktie auf dem aktuellen Niveau dann viel zu hoch bewertet wäre.

Momentan sehen die Analysten beispielsweise den 2023er-Gewinn nur noch halb so hoch wie das, was 2021 verdient wurde. Was sich auch in den Einschätzungen niederschlägt. Aktuell liegt die durchschnittliche Einstufung der Analysten knapp schlechter als „Halten“ … und außer bei der Deutschen Bank, wo man das Kursziel im Dezember auf 334 Euro anhob und damit das Topp aller Kursziele markiert, lagen die drei danach neu formulierten Kursziele anderer Analysten allesamt unter dem aktuellen Kursniveau.

So gesehen sind Long-Trades auf Hapag Lloyd ein Spiel auf Zeit. Und es kann gut sein, dass diese Zeit gerade dabei ist, abzulaufen. Dass die Aktie als Reaktion auf diese eigentlich ja grandiose Bilanz am Dienstag zwar im Plus startete, dann aber kräftig abverkauft und dadurch an der nächstliegenden Charthürde in Form der 20-Tage-Linie abgewiesen wurde, ist kein gutes Omen. Entscheidend ist jetzt die Unterstützungszone bei 230 zu 236 Euro:

Im Herbst war dieser Bereich ein hartnäckiger Widerstand und bewährte sich, nachdem er im Dezember überwunden wurde, im Januar als Unterstützung. Das muss jetzt erneut klappen … und angelaufen hat der Kurs sie schon. Würde die Aktie diese Linie brechen, könnte das nächste Kursziel, die bei aktuell 202 Euro verlaufende 200-Tage-Linie, schnell erreicht werden … und müsste dann einem Test keineswegs standhalten.

Hapag Lloyd-Aktie: Chart vom 01.02.2022, Kurs 232,80 Euro, Kürzel HLAG | Online Broker LYNX

Mit einem Plus von 201 Prozent gehörte die Aktie der Reederei Hapag Lloyd 2021 zu den Top-Gewinnern. Und im neuen Jahr gelang mit 295 Euro bereits ein neues Rekordhoch. Doch was die Aktie heute antreibt, kann jederzeit enden … was tut man mit solch einer Aktie?

Die Schiffsfrachtraten für Schütt- und Flüssiggüter, die im Baltic Dry Index gemessen werden, sind bereits deutlich von ihren Rekordlevels vom Herbst zurückgekommen. Doch die Frachtraten für Container notieren immer noch nahe ihrer jüngsten Rekordhochs, liegen fünfmal höher als vor zwei Jahren. Das bedeutet für Reedereien wie Hapag Lloyd Vollauslastung der Frachtkapazität und perfekte Gewinne. Aber wie lange geht das so weiter?

Irgendwann kommt die aus der Spur geratene, weltweite Logistik wieder ins Lot. Dann würden die Gewinnspannen derjenigen, die Frachtraum anbieten, wieder sinken. Momentan tendieren viele Analysten dazu, dass diese Sondersituation noch lange genug anhalten wird, um Hapag Lloyd 2022 erneut Gewinne in der Größenordnung der absoluten Rekorde zu ermöglichen, die für 2021 erwartet werden. Aber sicher wissen kann man das eben nicht. Daher wundert es nicht, wenn die Analysten die Perspektive dieser Aktie sehr unterschiedlich beurteilen.

Expertenmeinung: Anfang November lobten die Analysten der Deutschen Bank mit 324 Euro das aktuell höchste Kursziel für die Hapag Lloyd-Aktie aus und stuften sie als „Kauf“ ein. Doch Ende November aktualisierte Goldman Sachs sein Kursziel auf 120 Euro und bewertete, klar, mit „Verkaufen“. Im Schnitt liegen die Analysten mit ihren Kurszielen bei 195 Euro. Aber bei derartigen Unterschieden ist der Durchschnittswert nicht besonders tauglich als Anhalt für das Potenzial der Aktie. Die wichtigere Aussage, die sich aus diesen so markant unterschiedlichen Einschätzungen ergibt, ist: Man bewegt sich hier auf äußerst unsicherem Terrain.

Klar ist immerhin eines: Diese derzeitigen Rekordgewinne sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Und um einmal einen Anhalt zu liefern, wo sie in normalen Zeiten liegen könnten: 2021 soll der Gewinn in etwa um 50 Euro pro Aktie betragen. Aber 2019, vor der Corona-Krise und dieser Sondersituation der weltweiten Logistik, verdiente Hapag Lloyd pro Aktie gerade einmal 2,06 Euro. Und Ende 2019 notierte die Aktie selbst bei 76,50 Euro.

Auch, wenn Hapag Lloyd im Dezember über das bisherige Rekordhoch hinaus ausgebrochen ist und mit 295 Euro ein neues Allzeithoch markiert hat, handelt es sich hier um eine, wenngleich weiterhin intakte, Hausse auf Abruf. Daher: Hier neu einzusteigen ist äußerst riskant, denn je höher der Kurs steigt, desto volatiler wird er – in beide Richtungen, immerhin ist diese Aktie recht markteng. Am besten dürfte man fahren, wenn man nach starken Rallye-Schüben und einer zugleich überkauften Markttechnik immer mal wieder ein paar Gewinne mitnimmt und für die verbleibenden Aktien sukzessiv den Stoppkurs anhebt. Wofür sich momentan ein Level knapp unterhalb der jetzt überwundenen und damit als Support fungierenden Hochs der Monate September, November und Dezember im Bereich 234,40/238,20 Euro anbieten würde.  

Hapag Lloyd-Aktie: Chart vom 12.01.2022, Kurs 270,20 Euro, Kürzel HLAG | Online Broker LYNX

Charttechnisch eine klare Sache: Die Aktie der Reederei Hapag Lloyd klopft an das bisherige Rekordhoch vom September. Zweimal wurde sie abgewiesen, geht der Kurs diesmal durch, wäre das ein markantes Kaufsignal. Aber wie sieht es mit dem fundamentalen Unterbau aus?

Es scheint, als würde das bullische Lager darauf setzen, dass sich das Chaos in der weltweiten Logistik noch Monate hinzieht. Und es stimmt schon: Ob die Corona-Lage neue, flächendeckende Lockdowns auslöst oder nicht, ist da langsam unerheblich. Was sich aus zeitweise geschlossenen Häfen in China und dem querliegenden Containerschiff im Suezkanal ergeben hat, erweist sich als hartnäckig. Und davon profitiert Hapag Lloyd als große Fracht-Reederei.

So sehr, dass sich der Gewinn pro Aktie im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr etwa verzehnfachen wird, von 5 auf knapp 50 Euro. Und diese 5 Euro im Jahr 2020 waren schon eine immense Steigerung gegenüber den Vorjahren. Wenn man sich dann ansieht, dass die Hapag Lloyd-Aktie im Jahresverlauf „nur“ etwas über 150 Prozent zugelegt hat, kommt leicht der Gedanke auf, dass die Aktie selbst auf diesem Niveau noch „billig“ und der Ausbruch über das im September erzielte Rekordhoch reine Formsache ist. Aber das wäre zu kurz gedacht.

Expertenmeinung: Der Pferdefuß bei dieser Sache ist, dass die Gewinnexplosion auf dieser Sondersituation in Form einer aus der Spur geratenen Logistik basiert. Das führt dazu, dass die Frachtraten explodieren, weil immens viele Unternehmen bereit sind, viel höhere Frachtpreise zu bezahlen, um nur ja an die dringend benötigen Rohstoffe und Bauteile zu kommen. Und auch, wenn sich diese Situation noch Monate hinziehen würde: Sie ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Und es ist in keiner Weise vorhersehbar, ob es erst noch heftiger wird, bevor sich die Lage normalisiert und wann letzteres der Fall sein wird. Doch das bedeutet:

Wer bei der Hapag Lloyd-Aktie auf der Long-Seite agiert, vor allem, wenn es darum ginge, im Fall eines charttechnisch bullischen Signals in Form eines Ausbruchs über diese Widerstandslinie um 238/239 Euro erst neu einzusteigen, spielt daher ein Spiel gegen die Zeit. Was die Analysten ebenso sehen. Dort erwartet man bereits für 2022 einen Rückgang des Gewinns um 15 bis 20 Prozent. Von elf die Aktie beobachtenden Analysten haben nur noch zwei eine „Kaufen“-Einstufung, der Rest sieht die Aktie als Halteposition oder rät zum Verkauf.

Damit wird ein Einstieg oder Zukauf im Fall eines Ausbruchs nach oben zum Vabanque-Spiel. Wie viele sind sich der „Sterblichkeit“ dieser Sondersituation bewusst? Wie groß ist die Zahl derer, die hier noch auf die letzte Eskalation der Lage bei der Frachtschifffahrt spekulieren? Und wie groß die Zahl derer, die einen Ausbruch nach oben als ideale Gelegenheit sehen, um zu noch höheren Kursen aussteigen oder gar Short gehen zu können? Wenn die letztgenannte Gruppe zu groß ist, kann ein Ausbruch zur Bullenfalle und damit für die Käufer zum Bumerang werden. Daher wäre ich mit Zukäufen lieber vorsichtig und würde, wenn man trotzdem noch dabei sein will, wenigstens mit einem Rettungsboot in Form eines Stoppkurses knapp unter der den Kurs seit Oktober begleitenden, kurzfristigen Aufwärtstrendlinie agieren, die derzeit bei 213 Euro verläuft.

Hapag Lloyd-Aktie: Chart vom 09.12.2021, Kurs 224,80 Euro, Kürzel HLAG | Online Broker LYNX