Evotec: Hier laufen sich die Bären bereits warm

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Zur Evotec Aktie

Mit dem Start ins neue Börsenjahr kam die Evotec-Aktie unter die Räder. Es scheint, dass die Aktie, die im Jahr 2021 deutlich besser lief als der Gesamtmarkt, Opfer von Umschichtungen wurde. Gestern kam eine Meldung, die die Abgaben stoppte … aber wird das von Dauer sein?

Gut 40 Prozent Kursgewinn schaffte Evotec im Jahr 2021. Deutlich mehr als MDAX und TecDAX, in denen die Aktie notiert ist. Zwar ist das Wachstum grundsolide, die Perspektive des Biotechunternehmens hervorragend, aber vom Kurs/Gewinn-Verhältnis her ist die Aktie damit keineswegs mehr „billig“. Dass große Adressen im Zuge ihrer typischerweise zur Jahreswende vorgenommenen Überprüfung ihrer Investment-Strategie aus einer Aktie wie dieser kurzfristig aussteigen und ihr Glück in anderen, aus ihrer Sicht zurückgebliebenen Branchen versuchen, ist daher nicht unbedingt überraschend.

Aber Evotec ist auch eine sehr volatile Aktie, in der sich gerne kurzfristige Trader tummeln. Und die haben in den vergangenen Jahren immer mal wieder für schnelle, weitreichende Selloffs gesorgt. So etwas könnte jetzt auch drohen, denn die Abgaben der ersten zwei Handelstage haben dazu geführt, dass Evotec kurz davor steht, ein Topp zu vollenden.

Die mittelfristige, im November 2020 etablierte Aufwärtstrendlinie war am Dienstag schon gefallen, nur die bei aktuell 38,58 Euro verlaufende 200-Tage-Linie stoppte die Abgaben. Würde sie fallen und darüber hinaus das Zwischentief vom November bei 37,38 Euro, wäre die Aktie aus der über die letzten Monate etablierten Seitwärtsrange nach unten herausgefallen … dies in Kombination mit dem Bruch der 200-Tage-Linie würde viele Trader umgehend auf die Short-Seite bringen und den Druck intensivieren. Doch dann kam gestern eine Meldung, die dazu führte, dass die 200-Tage-Linie erst einmal hielt.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Evotec Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Am Dienstagabend nach Handelsende meldete das Unternehmen einen „Insider-Trade“: Der Vorstandschef von Evotec hatte im Verlauf des Dienstags in die fallenden Kurse hinein kräftig eigene Aktien gekauft. Eine Aktion mit Symbolkraft, die besagt: „Wenn ich unsere Aktie auf diesem Niveau für kaufenswert halte, müsste ihr, liebe Anleger, auf demselben Niveau nicht verkaufen.“ Und immerhin ist der Chief Executive Officer des Unternehmens ja jemand, der wissen muss, wie die Perspektive aussieht. Allerdings muss man einschränkend hinzufügen, dass die Perspektive von Umsatz und Gewinn eines Unternehmens und sein Aktienkurs immer zwei Paar Schuhe sind. Aber immerhin, diese Käufe zeigten Wirkung:

Evotec verteidigte die 200-Tage-Linie und schaffte mit dem Mittwochs-Plus von 3,52 Prozent auch ganz knapp die Rückkehr in den mittelfristigen Aufwärtstrend. Aber eben nur knapp.

Noch ließe sich daher keine Entwarnung geben. Die Short-Seller, die „Bären“, dürften die Aktie im Auge behalten, immerhin dürften nicht wenige von ihnen bereits in den vergangenen Tagen mitgeholfen haben, den Kurs an diese Trigger-Zone zu drücken. Evotec müsste heute und in den kommenden Tagen tendenziell Boden gutmachen, sonst bleibt das Risiko, dass die 200-Tage-Linie und das November-Tief bei 37,38 Euro doch noch fallen. Und käme es so, wäre angesichts der starken Dominanz kurzfristiger Trader ein baldiger Test des Tiefs vom Sommer bei 33,73 Euro keine Überraschung.

Evotec-Aktie: Chart vom 05.01.2022, Kurs 40,02 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

 

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Notenbanksitzungen, Inflationsdaten und morgen noch die große Terminbörsen-Abrechnung: Am Aktienmarkt ist man dieser Tage nervös. Doch die Evotec-Aktie zieht gegen diese Tendenz kräftig an und nähert sich den bisherigen Jahreshochs. Warum wollen die Anleger hier rein?

Evotec ist ein Wirkstoff-Forschungsunternehmen, sprich ein Teil der Biotech-Branche, das über die Jahre konstant gewachsen ist. Kluge Zukäufe und ein breites Portfolio an Kooperationen haben Evotec schon vor Jahren erreichen lassen, was viele andere Biotech-Unternehmen sich bislang nur wünschen: die Gewinnschwelle. Das hebt Evotec aus dem Kreis der vielen Branchen-Kollegen heraus. Und bislang spricht alles dafür, dass das Wachstum konstant und in solidem Tempo weitergeht.

Die Frage, ob man die Evotec-Aktie vom Kurs/Gewinn-Verhältnis her als günstig oder teuer einstufen müsste, ist schwer zu beantworten. Denn die Gewinne sind mal stark, mal schwach, je nachdem, ob und wie viele sogenannte „Meilenstein-Zahlungen“ in einem Geschäftsjahr hereinkommen. Das sind Zahlungen von Kooperationspartnern, die für erreichte Arbeitsziele fällig werden. Und die lassen sich, wie immer, wenn es um Forschung und Entwicklung geht, nicht im Kalender vorherbestimmen.

Doch das ist den meisten Anlegern auch klar. Sie kaufen diese Aktie nicht, weil sie davon ausgehen, dass die Gewinne kurzfristig explodieren, sondern weil sie hier eine mittelfristig starke Perspektive sehen, die auf zwei Aspekten basiert:

Expertenmeinung: Zum einen ist die Biotechnologie eine Branche, die unabhängig vom Auf und Ab des Wirtschaftswachstums immer weiter an Bedeutung gewinnt. Zum anderen zeichnet sich Evotec dadurch aus, dass man dort seit Jahren so ziemlich alles richtig macht und sich auf einem grundsoliden Wachstumspfad bewegt. Was übrigens auch die Analysten mehr und mehr honorieren, denn die jüngsten vier Kurziel-Anpassungen haben es in sich:

Nur die Deutsche Bank ist da eher skeptisch, sieht ein Kursziel von 39 Euro und bewertet, da dieser Level bereits überboten ist, mit „Halten“. Aber Morgan Stanley sieht für Evotec 53 Euro, die Royal Bank of Canada 50, Jeffries 55 Euro. Wobei da ein Aspekt mit hineinspielt, der Evotec mittelfristig ebenfalls zu höheren Kursen verhelfen könnte: Seit November ist Evotec auch an den US-Börsen notiert, dementsprechend befassen sich jetzt auch viele US-Analysten mit der Aktie und das, wie die vorstehenden Kursziele zeigen, wohlwollend.

Eine solche Aktie kann sich gegen einen schwachen Markt stemmen, könnte sogar von einigen als „sicherer Hafen“ angesehen werden. Dass die Aktie am Mittwoch aus ihrem kurzfristigen Abwärtstrend ausbrach und jetzt auf das bisherige Jahres-Verlaufshoch bei 45,83 Euro zusteuert, belegt das. Und auch, wenn man in einem nervösen Markt nicht darauf wetten sollte: Die Chance, dass Evotec auch dieses Hoch nimmt, ist da. Sollte der Kurs mit Schlusskursen unter 42 Euro wieder in den Abwärtstrend zurückfallen, wäre Vorsicht angebracht. Aber mittelfristig bärisch wäre Evotec erst, wenn die Aktie unter 37 Euro schließen würde. Oberhalb dieses Levels gäbe es für die Bären nichts, für die Bullen hingegen einiges zu holen.

Evotec-Aktie: Chart vom 15.12.2021, Kurs 44,58 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Wenn ein Unternehmen wie Evotec Vorab-Ergebnisse vorlegt und dadurch im TecDAX zum Top-Verlierer des Tages wird, müssen die Zahlen entsprechend schlecht ausgefallen sein … oder nicht? Durchaus nicht, man liegt absolut im Plan. Trotzdem überrascht das Minus nicht.

Evotec präsentierte am Dienstagmorgen vorläufige Ergebnisse für das dritte Quartal, die im Rahmen der Prognosen lagen, die man zuletzt Anfang August bekräftigt hatte. Das um Sondereffekte bereinigte Umsatzwachstum sieht man für die ersten neun Monate in einer Range zwischen 24 und 27 Prozent. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) wird niedriger liegen, aber im Rahmen dessen, was die Anleger seit Monaten wissen. Evotec hat da vorab für die ersten drei Quartale eine Schätzung von 68 bis 72 Millionen Euro vorgelegt. Was zwar weniger als die 76,9 Millionen des entsprechenden Vorjahreszeitraums ist, aber das basiert nicht auf einem schwächeren Geschäftsverlauf, sondern auf höheren Investitionskosten. Netto werden die Gewinne voraussichtlich 12 bis 18 Prozent höher liegen.

Trotzdem gab die Aktie nach. Aber ein Blick auf das Chartbild macht das nachvollziehbar, denn die Anleger hatten hier im Jahresverlauf kräftig zugelangt.

Expertenmeinung: Im Vergleich zu MDAX und TecDAX, in denen die Evotec-Aktie gelistet ist, hat diese Aktie seit Jahresanfang eine mehr als doppelt so starke Performance hingelegt. Und das, obwohl die Gewinne in diesem Jahr eben eher langsam zulegen. Damit hat man honoriert, dass höhere Investitionskosten letztlich eine Investition in eine zukünftig wieder stärkere Gewinndynamik sind. Aber nach einer solchen Performance, die in der Spitze im September bereits 50 Prozent gegenüber dem Schlusskurs 2020 ausmachte, ist eben eine Bilanz „im Plan“ nicht gut genug, um unmittelbar noch weitere Käufe zu generieren … das hätte nur eine Prognoseanhebung vollbringen können.

Darüber hinaus hatte die Evotec-Aktie unmittelbar vor den Vorab-Zahlen das bisherige, im September bei 45,83 Euro markierte Jahres-Verlaufshoch angesteuert. Einen charttechnischen Widerstand also, der zugleich den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 bedeutete. Dass die Trader da eher mal Kasse machten statt zu versuchen, diese Hürde zu nehmen, nachdem neue Argumente zum Kauf ausblieben, ist normal. Aber:

Solange die vor einem Jahr etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei derzeit 37,70 Euro nicht brechen und damit ein Doppeltopp vollendet würde, ist das gestrige Minus zumindest für mittel- und langfristige Akteure kein Beinbruch. Ginge es da indes drunter … und würde dann auch noch die momentan bei 36,30 Euro verlaufende 200-Tage-Linie fallen … sähe das schon anders aus, denn Evotec ist eine Aktie, bei denen kurzfristige Trader gerne auch mal mit Wucht Short gehen. Aber solange dieser Aufwärtstrend hält, hätten sie dafür keine Grundlage. Oberhalb dieser Trendlinie wäre zwar mit einer Korrektur, nicht aber mit einer größeren Verkaufswelle oder gar gezielten Short-Attacke zu rechnen, denn dafür ist dieses „im Plan“, das Evotec am Dienstag kommunizierte, dann eben einfach zu gut.

Evotec-Aktie: Chart vom 26.10.2021, Kurs 43,23 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Im Minus gestartet, im Plus geschlossen: Die positive Reaktion der Investoren auf die gestrige Bilanz eröffnet der Evotec-Aktie die Chance, den Ende Januar bei 43 Euro markierten Peak, der vorerst unerreichbar schien, doch anzusteuern. Aber eine Hürde steht noch im Weg.

Die erste Reaktion auf die Halbjahresbilanz war eine Abwärts-Kurslücke. Aber nachdem die Evotec-Aktie zunächst bis zu drei Prozent hinten lag, zog sie relativ zügig wieder an und beendete den Tag mit einem Zugewinn von 2,11 Prozent. Da durch die daraus entstandene grüne Kerze auch noch der Kerzenkörper des Vortages komplett umhüllt wurde, war das zudem ein „bullish engulfing pattern“ auf Basis der Candlestick-Lehre.

Grundsätzlich also eine gute Basis, um nach Höherem zu streben. Vor allem, weil es im Vorfeld gelang, einen Mitte Juli aufgetretenen, scharfen Rücksetzer genau auf Höhe der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie abzufangen und nach Ausbildung eines kleinen Doppeltiefs wieder Fahrt aufzunehmen. Eine gute Grundlage für weitere Kursgewinne, vorausgesetzt, es gelingt, den jetzt unmittelbar anstehenden Widerstand bei 39,22 Euro herauszunehmen. Dann wäre es in der Tat denkbar, dass Evotec das Hoch vom Januar bei 43 Euro ansteuert.

Expertenmeinung: Dieses Hoch vom 27. Januar ist eigentlich keine sinnvolle Orientierung für die Investoren, aber es ist nun einmal da und wird dementsprechend als charttechnischer Ankerpunkt gesehen. Es entstand durch eine Überreaktion auf eine gute Nachricht. Damals wurde gemeldet, dass eine US-amerikanische Evotec-Tochterfirma einen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums ergattert habe. Das ist natürlich eine sehr gute Nachricht und kann mittelfristig die Umsätze spürbar stärken, aber die Größenordnung dieses Auftrags stellte die Ertragsperspektive des Biotechunternehmens nicht einfach auf den Kopf. Kein Wunder, dass besonnene Akteure diesen Kurssprung zum Anlass nahmen, Gewinne zu kassieren und die Aktie erst einmal wieder zurückfiel.

Das Bemerkenswerte an der gestrigen Reaktion auf die Halbjahreszahlen war, dass Evotec da keine umwerfenden Überraschungen vorlegte. Man sieht weiterhin einen Umsatzzuwachs in der Region 10 bis 15 Prozent und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA), der im Bereich des Vorjahres bis zu, am oberen Ende der Prognosespanne, zwölf Prozent höher liegen wird. Das ist alles, nur nicht dynamisch. Aber die Anleger haben offenbar realisiert, dass Evotec nur deswegen relativ langsam vorankommt, weil viel Geld in den Bereich Forschung und Entwicklung investiert wird. Und angesichts der klugen, seit Jahren sehr erfolgreichen Strategie des Unternehmens geht man davon aus, dass sich das in den kommenden Jahren deutlich positiv niederschlagen wird.

Das gestrige Plus unterstrich also einen gesunden Optimismus unter den Akteuren und zugleich das (momentane) Fehlen kurzfristiger, hochspekulativer Trader, die bei nicht so umsatzstarken Titeln wie Evotec leicht für unkontrollierbare Ausschläge sorgen können. Man sollte nicht erwarten, dass diese Aktie auf einmal zur Kursrakete wird. Aber die Chance, dass diese jetzt anstehende Charthürde in Richtung 43 Euro bezwungen wird, liegt auf dem Tisch. Und solange Evotec nicht diese mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei derzeit 34,50 Euro brechen sollte, bleibt der Trend auch dann bullisch, wenn der Sprung über diesen aktuell anvisierten Widerstand bei 39,22 Euro nicht im ersten Anlauf gelingen sollte.

Evotec-Aktie: Chart vom 11.08.2021, Kurs 38,74 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Ein Minus von 6,3 Prozent als Reaktion auf die Herabstufung durch nur einen Analysten, das erscheint überzogen. Zumal der nicht zum Verkauf von Evotec riet, sondern von „Kaufen“ auf „Halten“ wechselte und das Kursziel sogar anhob. Könnte das eine Einstiegschance sein?

Das könnte es. Aber die Evotec-Aktie jetzt einfach als „billig“ einzustufen und einzusteigen, wäre nicht ganz ungefährlich. Denn auch, wenn die Aktie des deutschen Biotech-Unternehmens mittlerweile neben dem TecDAX auch im MDAX notiert ist, ist diese Aktie bisweilen eher markteng, so dass größere Orders in beide Richtungen starke Bewegungen auslösen könnten. Vor allem, wenn durch Verkäufe Stop Loss-Orders ausgelöst werden und die Bullen nicht umgehend mit ausreichend großem Kaufinteresse zur Stelle sind. Was vermutlich der Grund war, warum dieses Minus des Freitags so relativ groß ausfiel.

Denn diese Neubewertung der Aktie durch einen einzelnen Analysten war kein Beinbruch. Dieser reduzierte die Einschätzung ja nur von „Kaufen“ auf „Halten“, weil dessen Kursziel zwischenzeitig erreicht wurde. Und eben dieses Kursziel wurde auch noch nach oben genommen, von 36 auf 38,50 Euro. Aber in diesem Fall kamen zwei ungünstige Faktoren zusammen:

Expertenmeinung: Am Freitag war Abrechnungstermin an der Terminbörse. Wenn an einem solchen Tag größere Kursbewegungen entstehen, kann das dazu führen, dass einigen Stillhaltern ihre Positionen unmittelbar vor der Abrechnung aus dem Ruder laufen. Die hedgen sich dann gegen Verluste, was bei einem fallenden Aktienkurs bedeutet, dass sie eine Short-Gegenposition zu ihrer vorbestehenden Position aufbauen – was den Kurs umso mehr drückt.

Und das wiederum traf im Fall Evotec auf den Bruch der zuvor mehrere Tage lang verteidigten März-Aufwärtstrendlinie. Deren Bruch dürfte Stop Loss-Verkaufsorders ausgelöst haben, was den Abstieg zusätzlich intensivierte. Da die Terminmarkt-Abrechnung jetzt vorüber ist, könnte das bedeuten, dass der Kurs nicht weiter fallen müsste – zumal jetzt die mittelfristige, Ende Oktober 2020 etablierte Aufwärtstrendlinie als eine recht „mächtige“ Supportlinie (aktuell bei 33,50 Euro nahe ist und das Verlaufstief vom Juni (34,11 Euro) den Abgaben am Freitag standhielt. Aber:

Evotec-Aktie: Chart vom 16.07.2021, Kurs 34,86 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Die relative Marktenge bedingt, dass Evotec leicht schnell und weit abrutschen kann, wenn die Short-Seller, die „Bären“ sich auf die Aktie stürzen sollten. Da das durchschnittliche Analysten-Kursziel mit derzeit 37 Euro zuvor erreicht wurde und die Bilanz des zweiten Quartals erst Anfang August erwartet wird (die Bären hätten also Zeit, bevor sie durch eventuelle „good news“ ausgebremst werden könnten), ist das ein Risiko, das man im Hinterkopf haben sollte.

Wer gezielt risikofreudig und spekulativ agiert, könnte es wagen, mit einem Stop Loss knapp unterhalb dieser mittelfristigen Aufwärtstrendlinie einen Versuch zu starten. Aber für weniger spekulative Trader wäre es der sicherere Weg abzuwarten, ob Evotec oberhalb dieser Trendlinie eine Bodenbildung gelingt, statt womöglich in ein fallendes Messer zu greifen.

Biotech-Aktien sind heutzutage nichts Elektrisierendes mehr. Wo früher massiv spekuliert wurde, wird heute investiert. Aber man sollte die Evotec-Aktie, so gemütlich sie auch daherzukommen scheint, nicht unterschätzen.

Es mag auch daran liegen, dass sich die Aktie nach der extrem volatilen Phase zwischen Ende Januar und Anfang März wieder in weit ruhigeres Fahrwasser begeben hat, dass gar nicht auffällt, dass Evotec bislang zu den Outperformern des TecDAX bzw. des MDAX gehört (notiert ist die Aktie ja in beiden Indizes). Während beide Indizes per 21. Mai ein Plus im Bereich vier bis fünf Prozent zum letzten Kurs 2020 ausweisen, liegt Evotec 18 Prozent vorne. Und die Aktie könnte diesen Vorsprung durchaus noch ausbauen, denn gerade zum Wochenschluss gelang ein erneutes, bullisches Signal:

Die Aktie schloss über dem bisherigen Monats-Verlaufshoch, Anfang Mai bei 35,34 Euro markiert. Damit wurde eine kurze Korrektur abgeschlossen, in deren Verlauf sich die nach dem kräftigen Anstieg im April überkaufte Markttechnik konsolidieren konnte. Und Argumente, diesen derzeit sehr ruhigen, zugleich aber eben auch soliden Aufwärtstrend weiterzuführen, gäbe es durchaus.

Evotec-Aktie: Chart vom 21.05.2021, Kurs 35,75 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Von der reinen Charttechnik abgesehen, die jetzt als nächstes Kursziel das Februar-Verlaufshoch bei 37,65 Euro ausweist, präsentierte sich die Bilanz des ersten Quartals positiv, der dabei mitgelieferte bzw. präzisierte Ausblick auf das Gesamtjahr ermutigend. Da gab es keine Sensationen, aber genau das für ein Biotech-Unternehmen beeindruckend stabile Wachstum, das ein taugliches Fundament eines ruhigen, aber auch stetigen Aufwärtstrends der Aktie wäre.

So meldete Evotec für die ersten drei Monate einen umsatz- Und Gewinnzuwachs auf bereinigter EBITDA-Basis um jeweils 16 Prozent, zugleich avisiert das Unternehmen für 2021 insgesamt einen Umsatzanstieg von 501 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 565 bis 585 Millionen bei konstanten Wechselkursen. Ebenfalls unter dieser Prämisse sieht man einen bereinigten Jahresgewinn auf EBITDA-Basis zwischen 115 und 130 Millionen Euro (Vorjahr 106,6 Millionen).

Natürlich finden sich Unternehmen, die 2021 höheres Umsatz- und Gewinnwachstum zu bieten haben. Aber Evotec überzeugt mit einer jahrelangen Konstanz beim Wachstum, so dass dieses bullische Signal, der Break über das bisherige Monatshoch mit erstem Kursziel 37,65 Euro, für mittel- und langfristige Anleger, die es gerne etwas weniger hektisch hätten, durchaus eine interessante Basis wäre, um hier eine kleine Position zu erwägen. Ein sinnvoller Level für die Absicherung nach unten wäre derzeit ein Kursniveau knapp unterhalb von 31 Euro, wo das Dezember-Hoch und die November-Aufwärtstrendlinie aktuell eine markante Kreuzunterstützung bilden.

22. Januar 2020

Evotec steigt und steigt