Aktienrückkäufe – wirklich ein Segen für die Investoren?

Bis zu zehn Prozent der eigenen Aktien dürfte ein deutsches, börsennotiertes Unternehmen in einem Zeitraum von jeweils anderthalb Jahren zurückkaufen, sofern es durch die Hauptversammlung die Erlaubnis dazu bekommt. Eine gute Sache, heißt es allgemein. Ist das so? Nicht unbedingt. Man sollte immer genau hinsehen, bevor man sich entschließt, solche Aktienrückkäufe als bullisches Signal zu werten.

Aktienrückkäufe – Gut für die Anleger, aber schlecht für das Unternehmen?

Die wichtigste Frage wird von Investoren selten gestellt: Warum tut ein Unternehmen das? Das tritt gerne in den Hintergrund, weil Aktienrückkäufe für die Anteilseigner grundsätzlich positiv aussehen. Wenn das Unternehmen aber selbst die Aktien zurückkauft, werden diese in der Regel meist vernichtet und das Aktienkapital wird dadurch verkleinert. Effekte:

  1. Der Gewinn des Unternehmens verteilt sich auf weniger Aktien, was dazu führt, dass der Gewinn pro Aktie steigt.
  2. Das Unternehmen kann die an die Investoren zur Ausschüttung vorgesehenen Gewinne auf weniger Aktien verteilen, d.h. mit Aktienrückkäufen werden oft zugleich die Dividenden angehoben.
  3. Die Aktienrückkäufe werden an der Börse vollzogen, stärken also die Nachfrage, stützen dadurch den Aktienkurs.

Aber wie gesagt: Warum tun Unternehmen das? Es ist ja doch eher abwegig, diese Frage damit zu beantworten, dass man dort einfach nur „nett“ sein will, den Anlegern ein wenig mehr gönnen möchte. Jedes große Unternehmen hat zum Ziel, Umsatz und Gewinn zu optimieren und diese Entwicklung perspektivisch zu sichern. Welche Rolle können Aktienrückkäufe dabei spielen? Es gibt da mehrere, ganz unterschiedliche Motivationen:

  1. Abwehr von feindlichen Übernahmeversuchen durch Verringerung der umlaufenden Aktien und das Verteuern der Papiere.
  2. Aufbau eines Bestands eigener Aktien als „Währung“ im Fall von Übernahmen, z.B. zur Abfindung der Aktionäre des zu übernehmenden Unternehmens.
  3. Aufkauf von Aktien, um diese im Zuge der Mitarbeiterbeteiligung einzusetzen.
  4. Kurspflege bzw. Stützung eines als zu niedrig empfundenen Aktienkurses oder um nachlassende Gewinndynamik zu kaschieren.

Die Trailing Stop-Order: Gewinne sichern, Verluste begrenzen.

Die Trailing-Stop Verkaufsorder ist eine abgewandelte Stop-Order. Hierbei wird der Stop-Preis in einem festgelegten Folgeabstand (Trailing-Wert) an den Kurs gekoppelt. Wenn dieser Wert steigt und somit der Abstand größer als der Trailing-Wert ist, wird der Stop-Preis nach oben angepasst.

Aktienrückkäufe stützen die Aktien nicht immer

Selten wird bei der Bekanntgabe von Aktienrückkäufen auch die dahinter stehende Motivation eindeutig kommuniziert. Daher sollte man sich als Investor grundsätzlich selbst auf die Suche nach möglichen Motiven machen, denn vorstehende, mögliche Gründe für derartige Maßnahmen können äußerst unterschiedlich wirken. Das zeigt sich auch bei der Aktienperformance derjenigen Unternehmen, die im zweiten Halbjahr 2017 mit Aktienrückkäufen auffielen. Ob nun beim DAX oder beim Dow Jones, einige dieser „Aktien-Rückkäufer“ laufen sehr stark, aber keineswegs alle.

Vergleich der Chartentwicklung von Aktien von DAX-Konzernen, die im Jahr 2017 Aktienrückkäufe durchgeführt haben

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Beim DAX fällt auf, dass die Allianz ein solider Outperformer im Jahr 2017 ist, während die adidas AG, die ebenso in großen Volumina Aktien zurückkauft, trotzdem im Herbst vom Gipfelstürmer zum Mitläufer degradiert wurde, sprich ihren Performance-Vorsprung gegenüber dem DAX verlor. Und bei Siemens halfen die Rückkäufe von Vornherein nichts.

Beim Dow Jones sieht es nicht anders aus. Pfizer und Johnson&Johnson stehen auf den Plätzen 2 und 4, was das Volumen der Aktienrückkäufe bei den im Dow Jones notierten Aktien angeht – zum Überflieger wurden sie dennoch nicht. Apple und Boeing hingegen scheinen davon zu profitieren. Aber ist das wirklich so?

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Vergleich der Chartentwicklung von Aktien von Dow Jones -Konzernen, die im Jahr 2017 Aktienrückkäufe durchgeführt haben

Wie wollte man das sicher feststellen? Die Aktienrückkäufe sind ja nur eine mögliche Motivation für die Anleger. In erster Linie sind es die Entwicklung von Umsatz und Gewinn, ob durch Rückkäufe geschönt oder nicht, und die Perspektive, die das Unternehmen für die kommenden Monate ausgibt. Die kombiniert mit der subjektiven Wertung dieser Gemengelage und, natürlich, charttechnischen Aspekten. Ein solider, dynamischer Aufwärtstrend kann eine Aktie nachhaltiger höher tragen, als die deutliche Reduzierung der am Markt befindlichen Aktien.

Große Geschenke ohne Hintergedanken?

Ein Hauptkritikpunkt bei solchen Maßnahmen ist: Wer Milliarden zum Rückkauf eigener Aktien ausgibt, steht offenbar vor einem weitgehend ausgereizten Markt, der weder Expansion noch Innovation in größerem Umfang hergibt. Das aber deutet an, dass das Wachstum der Branche den Zenit überschritten hat … und Umsatz und Gewinn keine allzu große Perspektive mehr haben.

Unternehmen pflegen darauf zu antworten, dass man selbstredend reichlich für Expansion und Innovation ausgegeben habe und erst danach mit dem Kapital, das darüber hinaus immer noch frei ist und sich womöglich kaum verzinst, eigene Aktien zurückkauft. Das mag sein, aber:

Solche Situationen ergeben sich immer nur in Phasen, in denen ein Unternehmen bereits lange und deutlich gewachsen ist. Da wird dann Kapital frei. Aber beweist es Weitsicht, diese Reserven zu verringern, um die Aktionäre zu bauchpinseln? Um Stärke zu suggerieren, indem man zeigt, dass man an sich selbst glaubt … um dann womöglich festzustellen, dass man solches Kapital im Fall einer überraschend auftauchten Übernahmegelegenheit gut hätte brauchen können? Oder das man in Zeiten, in denen es mit Umsatz und Gewinn abwärts geht, für Investitionen benötigen könnte?

Hinzu kommt: Durch die Verringerung der umlaufenden Aktien steigt der Gewinn pro Aktie. Auf diese Weise fällt es Anlegern, denen meist nur diese Messgröße zur Verfügung steht, schwer, zu erkennen, ob der Gewinn des Unternehmens an sich wirklich so zulegt, wie diese Indikation andeutet. Auf den ersten Blick sieht die Gewinnentwicklung da dann weiterhin dynamisch aus, auch, wenn sie es gar nicht mehr ist.

Fazit: Es wäre in jedem Fall ratsam, genau zu hinterfragen, warum ein Unternehmen „sich selbst kauft“. Ist da der Versuch erkennbar, sich für drohende feindliche Übernahmen zu teuer zu machen? Oder gehen die eigenen Aktien nicht in den Schredder, sondern in die Hände der Mitarbeiter des Unternehmens? Kann dies wiederum als sinnvolle Maßnahme eingestuft werden?

Fest steht nur eines. Dass Aktienrückkäufe automatisch den Aktienkurs treiben ist, die Charts haben es gezeigt, von Fall zu Fall verschieden. Daher wäre es in jedem Fall keine gute Idee, eine Aktie ausschließlich wegen solcher Aktienrückkäufe zu kaufen: Zu allererst muss der Trend passen!

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Hinweis: Charts mit MarketMaker pp4 erstellt

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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