Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.

Börse aktuell vom 01.-07.06.2020

Das Ikarus-Phänomen: Wäre „Sell in May“ diesmal eine gute Idee?

Jedes Jahr wird die Frage aufs Neue durchgekaut, ob der alte Spruch „sell in May and go away“ womöglich zutreffen könnte. In der Regel ist das nicht der Fall, nicht zuletzt, weil die eigentliche Basis dieses Spruchs sich seit Jahrzehnten erledigt hat. Aber diesmal ist es zumindest empfehlenswert, die Sache genau durchzudenken, denn der Aktienmarkt, vor allem die Wall Street, hat ein Ikarus-Problem.

Es gab einmal eine Zeit, in der konnten Investoren nicht auf ihr Aktiendepot zugreifen, wenn sie im Urlaub waren. Es war die Zeit vor dem Internet, den Mobiltelefonen und den Broker-Handelsplattformen. Vor dreißig Jahren war man in Sachen Börse aus heutiger Sicht noch in der Steinzeit. Wer unterwegs war, hatte nahezu keine Möglichkeit, an aktuelle Informationen heranzukommen und noch weniger, aktiv zu handeln bzw. bei seiner Bank Orders abzugeben. Das war die Zeit, in denen Anleger in Urlaubsregionen die Telefonzellen belagerten und den Wertpapierabteilungen ihrer Bank mit der permanenten Frage danach, ob und was sich denn getan habe, auf die Nerven gingen. Das war die Zeit, in der der Spruch „sell in May and go away, but remember to come back in September“ noch einen Sinn hatte.

Juni, Juli, August und September, das war die Urlaubszeit. Eine Phase, in der sich die Welt zwar weiter drehte, viele aber im Urlaub waren. Das führte dazu, dass man spät oder auch mal zu spät reagieren konnte. Die Lösung damals: Nicht wenige, wenngleich natürlich nicht alle Anleger verkauften ihre Aktien Ende Mai bzw. Anfang Juni und stiegen erst im September wieder ein, wenn die Urlaubssaison vorbei war. Auch, wenn die meisten nur für zwei, drei Wochen nicht reagieren konnten, streckten sich solche „Sicherheits-Verkäufe“ über diese ganzen vier Monate, weil sich die Urlaubszeit ja über diese Monate verteilte. Man wollte eben nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Heute hingegen kann jeder, der es möchte, nahezu überall auf der Welt sofort an Nachrichten gelangen und binnen Sekundenschnelle kaufen und verkaufen, als würde er/sie am heimischen Rechner sitzen. Daher ist die Basis, um in den Sommermonaten zu verkaufen und damit auch die Basis für in dieser Zeit eher schwächere Kurse längst nicht mehr gegeben. Aber das bezieht sich nur auf den Ursprung dieses Börsenspruchs. Wenn es darum geht zu erwägen, diese überkommene Regel im Jahr 2020 zu befolgen, dann natürlich auf Basis der aktuellen, keineswegs saisonal bedingten Chancen und Risiken. Und man muss, wenn man die Lage nüchtern betrachtet, einräumen: Die Risiken für die kommenden Monate sind in der Tat nicht zu unterschätzen.

Die Pandemie ist nicht mehr das eigentliche Problem

Ob es zu weiteren Wellen der Pandemie kommen wird, kann man definitiv nicht sicher abschätzen. Dass insbesondere die Aktienmärkte dieses Risiko inklusive dann denkbarer, erneuter Vollbremsungen der Wirtschaft momentan „auspreisen“, ist gewagt. Aber die Optimisten, die darauf wetten, dass entweder eine zweite und dritte Welle ausbleiben wird oder dann keine vergleichbaren Maßnahmen mehr getroffen werden wie beim „Lockdown“, sind mit ihrer Hoffnung ja keineswegs chancenlos. Deswegen an der Börse aktuell auszusteigen hieße, man wäre sicher, dass dieser Optimismus schiefgeht. Und damit würde man auf Basis der derzeitigen Faktenlage ebenso eine Wette eingehen wie die Gegenseite. Als Argument, um diese Monatswende Mai/Juni und damit den Beginn der Sommersaison als Basis für den Ausstieg oder gar den Switch auf die Short-Seite zu nutzen, würde das also nicht taugen. Es sind zwei andere Aspekte, die das Abwärtsrisiko an der Börse aktuell erhöhen.

Zum einen haben vor allem die US-Aktienmärkte nicht nur die Stabilisierung der Wirtschaft, sondern auch die Wende zurück zu dynamischem Wachstum bereits vorweggenommen. Das ist auch, wenn das Thema der Pandemie an sich nicht mehr in der bisherigen Größenordnung relevant werden sollte, äußerst ambitioniert. Denn noch haben wir keinerlei „harten“ Konjunkturdaten, die die Rückkehr zum Wachstum ausweisen würden. Das zweite Quartal wird, ob in Europa oder in den USA, sehr deutliche Einbußen in der Wirtschaftsleistung mit sich bringen. Der Trick der Optimisten dabei:

Der Plan der Bullen

Dass das Bruttoinlandsprodukt für das Frühjahrsquartal fatal sein wird, weiß man ja. Da kommen die ersten Zahlen aber erst Ende Juli für die USA und Mitte August für Europa. Bis dahin hofft man darauf, dass es an der Börse aktuell gelingt, den jetzt durch die Wende der Kurse geschürten Optimismus zu konservieren, indem man sicherheitshalber besonders dramatisch negative Schätzungen abgibt, damit diese dann überboten werden und man verkünden kann, es sei doch alles weniger schlimm wie erwartet.

Zugleich werden die „weichen“ Daten, d.h. subjektive Einschätzungen von Einkaufsmanagern, Konsumenten oder Unternehmen, bereits wieder besser. Nicht, weil die Lage zwingend besser würde, sondern weil solche Indikationen ja in die Zukunft blicken und alleine deswegen sukzessiv höher ausfallen, weil immer mehr Befragte davon ausgehen, dass es schlimmer nicht mehr werden könnte. Und dann kommen irgendwann die „harten“ Daten mit immensen Steigerungsraten. Sicher, nüchtern betrachtet wäre es wenig wert, wenn das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal um 10 Prozent steigen würden, wenn es im zweiten Quartal 20 Prozent fiel. Aber es wäre beileibe nicht das erste Mal, dass solche beeindruckenden Zahlen ihre Wirkung zeigen, obgleich die Zahlen davor noch mehr im negativen Sinne beeindruckten.

Bis absehbar wäre, ob die Erwartung einer schnellen Rückkehr zum Wachstum womöglich misslingt, sei es, weil die Verbraucher vorsichtig bleiben, sei es, weil die Schuldenblase trotz aller auf Knopfdruck erzeugten Billionen nicht standhält, würden Wochen, eher sogar Monate vergehen, in denen man den Optimismus und damit auch den Aufwärtstrend der Aktienmärkte aufrechterhalten kann. So dürfte im Groben der Plan der Bullen aussehen. Nur kann der eben auch schiefgehen.

Risiko Nummer 1: Das meiste ist längst aufgeholt

Ein ganz entscheidendes Risiko an der Börse aktuell ist die „Flughöhe“ der Kurse. Sehen sie sich dazu den marktbreiten US-Index S&P 500 an: Der hat vergangene Woche die 200-Tage-Linie überboten und notiert noch gut fünf Prozent unter dem Kursniveau, mit dem er ins Jahr 2020 gestartet war. Und an Silvester ahnte man noch nichts von der Pandemie und ihren Folgen, sondern befand sich in der Endphase eines monatelangen Aufwärtstrends, der das in eine Einigung mit China im Handelsstreit hinein interpretierte, intensivierte Wachstum vorwegnahm. Ein Wachstum, das man jetzt auf einige Zeit hinaus abschreiben muss.

Noch extremer stellt sich das Bild bei Nasdaq 100 dar. Der notiert bereits in unmittelbarer Schlagdistanz zum bisherigen Verlaufsrekord. Die Bilanz 2020 ist längst wieder positiv, lag am gestrigen Montagabend bei ca. +10 Prozent! Damit muss sich, wer heute noch einsteigen will, die Frage stellen, wie viele Monate, eher Jahre man dabei vorwegnimmt und was dementsprechend jetzt noch an Spielraum nach oben vorhanden sein könnte. Und das immer unter der Voraussetzung, dass das „Best Case-Szenario“ eintritt und es wirklich zu einer schnellen, weitreichenden und zugleich nachhaltigen Rückkehr des Wachstums kommt!

Risiko Nummer 2: Branchenrotation … aber wohin?

Das zweite Problem erkennt man an der Börse aktuell, wenn man sich die Einzelwerte der stark erholten Indizes mal genauer ansieht. Was in Sachen Umsatz und Gewinn auch nur ansatzweise im Zuge des „Lockdown“ davongekommen sein könnte, ist bereits massiv gestiegen. Selbst die Hoffnung eher moderater Einbußen reichte, um Aktien wie z.B. Apple oder Home Depot im Dow Jones weit besser zu stellen als den Index selbst. Der folgende Chart zeigt, dass beide Aktien schon wieder im Bereich ihrer Rekordhochs vom Februar notieren:

Diese Aktien sind mittlerweile schlicht „teuer“. Gewinnmitnahmen wären an der Börse aktuell also nachvollziehbar. Aber wohin mit dem Geld? Aktien wie Boeing, ebenfalls hier mit eingeblendet, die jetzt noch nicht gelaufen sind, werden so schnell nicht auf die Beine kommen. Zumindest nicht so sehr, um imstande zu sein, eine neue Kaufwelle zu tragen. Und da geht es nicht nur um nicht nur Boeing. Der folgende Chart zeigt, wie verblüffend wenige Aktien an der New York Stock Exchange als breitestem Rahmen zur Betrachtung des US-Aktienmarkt bislang wieder über ihre wichtige „Scheidemarke“ zwischen Hausse und Baisse, die 200-Tage-Linie gelaufen sind. Per Freitagabend waren das jämmerliche 15 Prozent!

Man könnte zwar argumentieren, dass das ja bedeutet, dass noch viele Aktien eine Menge Luft nach oben haben. Aber wenn die alle nennenswert anziehen sollen, muss das Geld ja irgendwoher kommen. Entweder von den bisherigen Überfliegern, dann würde daraus aber ein für die Indizes uneinbringliches Nullsummenspiel. Oder aber „von außen“. Ist das möglich an der Börse aktuell?

Das wäre dann möglich, wenn sich die Zahl der Optimisten deutlich vergrößern würde und diejenigen, die derzeit ihr Geld in Gold oder Anleihen umgeschichtet haben, wieder zurück an den Aktienmarkt kommen. Aber genau das ist derzeit noch nicht der Fall. Und wer dort jetzt noch investiert ist, lässt sich von reinen Hoffnungen nicht locken, sondern wartet auf Fakten. Wäre es anders, wären die Kurse am Anleihemarkt ebenso wie bei Gold seit Wochen wieder im Sinkflug. Was sie aber nicht sind.

Ein typisches Ikarus-Phänomen mit all seinen Facetten

Diese Gemengelage ist ein typisches Ikarus-Problem. Richtig ist: Solange die Akteure an der Börse aktuell aufgrund dieser so ungewöhnlichen und komplexen Rahmenbedingungen vor allem emotional handeln, kann man hoffen, dass vielen gar nicht bewusst wird, dass die Kurse längst über das rationale Maximum hinaus geschossen sind. Aber wie lange geht so etwas gut?

Normalerweise so lange, bis die Schwungkraft erlahmt. Aber das könnte bald sein. Zuletzt hat man immer öfter beobachtet, dass gezielt versucht wurde, das Momentum der Rallye an der Börse aktuell gezielt aufrechtzuerhalten, indem man außerhalb der normalen Handelszeit über die Futures „pusht“, um die Marktteilnehmer vor vollendete Tatsachen zu stellen und Anschlusskäufe zu provozieren. Auf diesem Weg gelang es beispielsweise, den S&P 500 Anfang vergangener Woche über die 200-Tage-Linie zu ziehen. Aber:

Diejenigen, die heute noch mit Macht auf der Long-Seite für ein starkes Aufwärts-Momentum sorgen sind eben auch die ersten, die erkennen, wenn nichts mehr vorangeht und dann zusehen, dass sie ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Und genau in diesem Moment, wenn der Steigflug ins Stocken gerät, dürften sehr viele zugleich nach unten sehen, einen Abgleich mit der Realität vornehmen und wie Ikarus in der Sage erkennen, dass sie zu hochgeflogen sind. So hoch, dass ihre Flügel durch die Hitze der Sonne schmelzen. Wann dieser Augenblick kommt, ist hier und heute nicht vorhersagbar. Aber alleine der Umstand, dass solche gezielten Aktionen zum „Pushen“ der Kurse bereits auftauchen, macht klar, dass es jederzeit kippen kann. In einem Monat, in drei … oder morgen.

Dabei habe ich in diesem Beitrag ausschließlich den US-Aktienmarkt betrachtet. Der DAX hat noch weniger Boden gutgemacht, sieht zugleich hinsichtlich der Zahl an Aktien über der 200-Tage-Linie solider aus als der US-Markt. Aber wenn die Wall Street kippt, kippt Europa mit, vor allem bei sehr dynamischen Impulsen war das noch nie anders. Und sollte dieser Ikarus-Flug in scheinbar unbegrenzte Höhen zu Ende sein, wird es definitiv um einen dynamischen Impuls gehen.

Dabei soll dieser Beitrag nicht dazu verleiten, sofort die Fronten zu wechseln und auf Baisse zu setzen. Wie gesagt: Solch ein Phänomen einer emotionalen, irrationalen Börse muss nicht, kann aber hartnäckig sein. Aber es wäre unbedingt ratsam, sich der Risiken bewusst zu sein und ihnen Rechnung zu tragen, indem man auf der Long-Seite immer und überall mit Stoppkursen agiert und diese regelmäßig anpasst.

 

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

 

Charts vom 29.05.2020, Chartquelle marketmaker pp4

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

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