Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.

Börse aktuell vom 14.-20.10.2019

Das Damoklesschwert der „unsichtbaren Macht“

Haben Sie sich mal gefragt, wieso Sie offenbar der einzige Investor sind, der nicht völlig plemplem ist? Wenn man sich die Berichte über die aktuelle Börse so anhört bzw. ansieht, wird da permanent behauptet, dass „die Anleger“ dies oder jenes aufgrund irgendwelcher aktuellen Nachrichten tun. Nur Sie nicht.

Nein, weder Sie noch ich reagieren wie Roboter auf irgendwelche Nachrichten. Wir denken nicht am Morgen positiv und am Nachmittag negativ über ein und dasselbe Faktum. Aber angeblich tun es alle anderen. Was steckt dahinter? Wer oder was ist diese scheinbar „unsichtbare Macht“, die die Kurse so seltsam bewegt? Worauf muss man achten, um zu verstehen, was wirklich an der Börse aktuell vorgeht? Sehen wir uns das mal an.

Vorsicht: Meist machen die Kurse die Nachrichten und nicht umgekehrt!

Wie närrisch wäre es denn, heute wegen der Erwartung, dass die x-ten Verhandlungen zwischen den USA und China gute Chancen haben zu gelingen, zu kaufen … morgen wegen der Befürchtung, dass diese x-ten Gespräche scheitern, wie wild zu verkaufen … und übermorgen aufgrund derselben Argumente von vorgestern alles wieder zurück zu kaufen? Glaubt man den angeblichen Experten hinter den Mikrofonen, ist es aber so. Damit nicht genug:

„Man“ reagiert scheinbar auf jede Konjunkturzahl, die hereinkommt, auf Notenbankentscheidungen und, natürlich, auf Mr. Trumps Twitter-Nachrichten. Mal scheint die Reaktion logisch zu sein. Aber oft wirken die Argumente völlig daneben. Da heißt es dann, als Beispiel, dass die aktuellen Konjunkturdaten zwar gut seien, aber man würde verkaufen, weil das die Chance reduziert, dass die Notenbanken bald die Leitzinsen weiter senken. Oder es wird uns, auch sehr hübsch, weisgemacht, dass es nach sehr schwachen Daten deswegen eine wilde Kaufwelle gibt, weil die Marktteilnehmer, die einen Tag vorher noch wegen vergleichbar mieser Daten ausgestiegen sind, der Ansicht sind, dass schlechte Daten bullisch sind, weil das die Notenbanken zu Zinssenkungen zwingt. Oder die USA und China zu einer Einigung. Das Füllhorn seltsamer Erklärungen leert sich nie. Und immer fragt man sich: Wer macht denn sowas? Die Antwort:

So gut wie niemand. Hier werden die Nachrichten und Erklärungen den Kursbewegungen angepasst. Die Kurse formen die Nachrichten statt umgekehrt.  Diese sogenannten „Experten“ beugen die Realität so lange, bis sie zu dem passt, was die Kurse aktuell an der Börse tun. Sie tun es, weil man sonst nicht in zwei Minuten erklären könnte, was wirklich vorgeht. Denn das ist komplex … und doch so einfach. Sehen wir uns dazu mal ein Beispiel an, eines, das man so schnell nicht vergessen dürfte: Die wundersame Wende der Aktienmärkte am frühen Morgen des 9. November 2016.

Die „Trump-Wende“ 2016 und was sie über die Börse aussagt

Sie erinnern sich zweifellos: Im Vorfeld der US-Wahl war man sich bei zwei Dingen ziemlich sicher: Zum einen, dass Clinton die Wahl gewinnt und zum anderen, dass Trumps Programm der Wirtschaft zwar einen immensen Wachstumsimpuls verleihen würde, dieser aber nur kurzfristig wirken könne und sich die Probleme gerade wegen Trumps „Ideen“ danach extrem verschärfen. Der folgende Chart des DAX aus dieser Phase zeigt, dass man zwar im Vorfeld vorsichtig war, der Index dann aber in den beiden Tagen vor der Wahl stieg. Und dann …

… gewann überraschend Trump. Das wurde in unserer Zeitzone gegen sechs Uhr morgens deutlich, als schon fast alle Stimmen ausgezählt waren. Die Reaktion war eine Verkaufspanik in den zu dieser Zeit bereits in Asien gehandelten US-Futures. Und so startete der DAX am Morgen meilenweit tiefer. Aber dann drehte auf einmal alles. Die Kurse schossen förmlich durch die Decke und hörten gar nicht mehr auf. Am Ende dieses Tages lag der DAX deutlich über Vortagesschluss. Noch besser sieht man diesen gigantischen Turnaround, wenn man sich mal die Börse in Tokio ansieht. Denn da endete der Handel gegen 8 Uhr und damit bevor diese wundersame Kehrwende losgetreten wurde:

Der Nikkei 225, der Tokioter Leitindex, sackte als Reaktion auf das US-Wahlergebnis 5,3 Prozent durch und schloss nahe Tagestief, nachdem er anfänglich noch im Plus gelegen hatte. Denn als er den Handel startete, lag Clinton noch vorne. Dieser Selloff war eindeutig: Trumps Sieg löste an der Börse unter den Investoren Panik aus. Aber am nächsten Tag schloss der Nikkei-Index noch über der Eröffnung des Vortags, denn in Europa und den USA hatte die Tendenz sich gedreht, wie wir eben anhand des DAX gesehen haben. Die unvergessene „Trump-Wende“ war perfekt. Die Kommentare in den Medien: ein Witz.

Gerade die US-Medien glänzten da. Da hatte man in die fallenden Kurse hinein erklärt, dass Trumps Wirtschaftspläne negativ gesehen werden und die Investoren deswegen verkaufen, so schnell es geht. Nachdem es am Morgen zu der dramatischen Aufwärtswende kam, hieß es dann Richtung US-Handelsende auf einmal, dass die Anleger begeistert und voller Zuversicht die die Konjunktur belebenden Trump-Pläne honorieren. Wie belieben?

Das ist genau dieser Unsinn, den man uns heute andauernd weismacht, wenn die Kurse an der Börse aktuell scheinbar von Geisterhand drehen und im D-Zug-Tempo davonschießen, egal, ob es dabei dann nach oben oder nach unten geht. Wäre etwas Wahres dran, hieße das, dass die Anleger der ganzen Welt einfach mal so, aber alle gleichzeitig, ein und denselben Fakt morgens negativ und abends positiv sehen oder umgekehrt. Und wir als normal denkende Marktteilnehmer müssen da zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass an der Börse aktuell ausschließlich Idioten agieren oder mit uns selbst etwas nicht stimmt. Aber die Schlussfolgerung ist deswegen falsch, weil an diesen „Erklärungen“ eben meist nichts Wahres dran ist!

Alle Marktteilnehmer an der Börse denken so wie Sie!

Im Gegenteil denken fast alle Marktteilnehmer so wie Sie und ich. Und wie denken wir? Wir alle denken auf zwei Ebenen:

Ebene 1 nimmt die neu einlaufenden Informationen wahr und verarbeitet sie, indem wir prüfen, ob diese neuen Fakten Ebene 2 beeinflussen und dadurch Handlungsbedarf entsteht.

Ebene 2 ist die Ebene unserer Ziele. Für uns Privatanleger sind die relativ einfach strukturiert: Gewinne erzielen, Risiken im Griff behalten, basta. Aber!

Diese „Zielebene“ ist bei denen, die Trends „machen“, sprich den großen Adressen, die mit gigantischen Summen am Derivate- und Kassamarkt agieren und damit Trends intensivieren, aber auch brechen können, deutlich komplexer. Denn a) kämpft man dort um jeden Zehntelpunkt in der Performance gegen die Konkurrenz. Und b) geht es da um ganz andere Summen. Summen, mit denen man imstande ist, den Markt aktiv in Richtung der eigenen Ziele zu beeinflussen. Und da verbirgt sich des Pudels Kern. Nehmen wir dazu wieder dieses Beispiel der „Trump-Wende“.

Wenn Sie wissen wollen, warum etwas passiert, fragen Sie: cui bono?

Was hat zu dieser scheinbar wundersamen und nicht nachvollziehbaren Wende im November 2016 geführt? Ganz sicher keine kollektive Meinungswende rund um den Erdball. Also? Wenn Sie wissen wollen, was wirklich vorgeht, müssen Sie nur der klassischen Vorgehensweise der Kriminalisten folgen, sprich nach einem plausiblen Motiv suchen. Fragen Sie immer „cui bono“, will heißen: Wem nützt es?

Im Fall der „Trump-Wende“ konnte die Antwort nur lauten: Den großen Adressen, sprich den riesigen Fonds, Pensionskassen, Versicherungen, Hedgefonds. Denen also, die Billionen verwalten, die deshalb den pflanzenfressenden Dinosauriern gleich, zu groß geworden sind, um „wegzulaufen“ und deswegen bei einem Baisse-Schub mit vollen Segeln mit in die Tiefe gerissen zu werden. Für diese Klientel wäre es fatal gewesen, wären die Kurse nach Bekanntwerden von Trumps Wahlsieg weiter eingebrochen. Zumal man dort sehr wohl weiß: Wenn die Lawine erst abgeht, ist sie nicht mehr aufzuhalten. Und diese Klientel hat die nötigen Kapitalmittel, um dagegenzuhalten.

Die haben am Morgen des 9. November mit aller Macht dagegengehalten. Diese großen Adressen haben die Kurse nach oben gepeitscht in der Hoffnung, andere würden auf den Zug aufspringen. Und diese Klientel weiß sehr wohl, dass das gelingen konnte, gerade weil in den Medien die Kurse die Nachrichten formen und man zugleich sorgsam vermeidet zu erwähnen, dass die, die über die größten Summen verfügen können, den Trend „machen“. Wieso eigentlich?

Die Börse ist wie ein Damoklesschwert, wenn …

Wieso tut man in den Medien so, als würden wir normale Anleger es sein, die DAX & Co. nach oben oder unten ziehen und nicht die, die das Tausendfache an Kapital in den Ring werfen? Und wo wir gerade dabei sind: Wieso tut man in den Medien seit eh und je so, als würde die Terminbörse, wo man mit Futures mit gewaltigen Summen und gewaltigen Hebeln noch viel mehr bewegt, keine Rolle spielen, als würden dort bloß ein paar Spieler mit „Wetten“ hantieren? Wieso stellt man sich nicht einfach hin und erklärt:

Da, wo das meiste Geld bewegt wird, wird auch der Trend gemacht? Nichts anderes ist ja logisch, so funktioniert die Börse nun einmal. Und wenn diejenigen, die mit dem meisten Geld in eine Richtung agieren, Ziele haben, die sich nicht aus den Nachrichten erschließen, wieso soll es ein Drama sein, das zu erklären? Wieso sagt man den Anlegern nicht, dass Fonds immer weiter kaufen müssen, wenn die Sparer ihnen Monat für Monat neues Geld vor die Tür karren? Dass Hedgefonds bisweilen mit Macht einen Trend brechen, weil sie hoffen, so einen starken Gewinn zu erreichen und so fort?

Mir scheint, man will vermeiden, dass diejenigen, die diese deswegen für viele „unsichtbare Macht“ darstellen, so allmächtig wirken, dass der Eindruck entsteht, wir privaten Anleger könnten die Börse gar nicht beeinflussen. Wäre das so schrecklich? Die aktuelle Börse funktioniert so, die Börse vor 50 Jahren funktionierte so und es wir in 50 Jahren auch nicht anders sein. Aber nein, offenbar hat man Angst, dass die Anleger sich dann abwenden, weil sie erkennen, dass sie „machtlos“ sind. Was, mit Verlaub, ausgemachter Quatsch ist!

Natürlich kann ich mit 10.000 Euro den DAX nicht bewegen. Aber wer bitte glaubt denn, das zu können? Es gilt zu verstehen, was vorgeht und dem Trend und den Motivationen derer zu folgen, deren Motive so sorgsam unerwähnt bleiben, nur dann lässt sich auch auf Dauer ein Gewinn erzielen. Und nur darum muss es uns ja gehen.

Wer jedoch nicht erkennt, was wirklich vorgeht, glaubt, dass alle außer einem selbst heute dies und morgen das Gegenteil tun. Für den sind die Börse und die Aktivitäten, die tatsächlich ablaufen, ein messerscharfes Damoklesschwert, das mitnichten immer nur über einem schwebt, sondern regelmäßig niedersaust und sich dicke Scheiben Ihres Ersparten abschneidet. Beispiel: Die Bewegungen des DAX seit Sommer. Manches davon wirkte unerklärlich … wenn man nicht fragt: cui bono.

Die Wahrheit liegt im Chart: Warum der DAX im Juni und August so plötzlich nach oben drehte

Sehen wir uns den DAX und da vor allem die beiden Aufwärtswenden Anfang Juni und Mitte August mal an. Angeblich basierte das wie üblich auf einem plötzlichen Meinungsumschwung in Sachen BrExit, Wachstum und Handelskrieg. Wenn man sich aber den Chart ansieht und sich erinnert, dass diejenigen, die die Mittel haben, Abwärts-Trendwenden zu verhindern, das auch tun, wenn es irgend geht, entsteht ein anderes Bild.

So ging es Anfang Juni unübersehbar um die 200-Tage-Linie, im Chart dick rot hervorgehoben. Diese Linie ist wichtig, weil sie von vielen Investoren als Scheidemarke zwischen einem Bullen- und einem Bärenmarkt gesehen wird. Was hieß: Ein nachhaltiger Bruch dieser Linie hätte weitere Verkäufe nach sich gezogen. Aber eine Verteidigung wäre ein positives Signal gewesen. Also wurde es versucht – und es gelang. Dass der DAX im Juni steil anstieg, war weniger auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen zurückzuführen als auf diesen Turnaround des Index an der 200-Tage-Linie. Aber was war mit dem August? Da war diese Linie doch relativ deutlich gefallen, trotzdem bekam man wieder die Kurve nach oben. Wieso?

Es ist immer ratsam, sich auch andere Märkte anzusehen, vor allem die Wall Street, weil sie meist den Vorlagengeber stellt. Auch Monats- und Quartalswenden sowie Abrechnungstermine an der Terminbörse. Und wer sich da umtut, findet schnell die Erklärung für diese Wende im DAX, die sich übrigens, wie oben zu sehen, als tadellose umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation präsentierte. Sehen wir uns im folgenden Chart den Dow Jones an: Er war die Basis der DAX-Wende.

Hier sehen wir, dass der Dow Jones im August mehrfach die beim DAX zeitweise deutlich gebrochene 200-Tage-Linie testete und sie dabei nie wirklich signifikant brach. Dass das gelang, motivierte die großen Akteure, auch beim DAX aktiv gegen weiter fallende Kurse zu kämpfen. Zumal es kein Zufall ist, dass der Druck unmittelbar nach dem Abrechnungstermin der Optionen am Terminmarkt, gerade in den USA ein die Kurse stark beeinflussendes Element, umgehend geringer wurde. Das Tief lag, ob beim DAX oder beim Dow Jones, nur einen Tag vor der Abrechnung, die am 16. August über die Bühne ging. Warum solche „Hexensabbats“, wie sie auch genannt werden, oft Wendepunkte darstellen, wird Thema eines späteren Marktkommentars im Rahmen unserer Kolumne „Börse Aktuell“ sein.

Warum ist es so gefährlich, wenn die wahren Beweggründe unsichtbar bleiben?

Von alldem war in der Berichterstattung über das Börsengeschehen wenig bis nichts zu hören. Aber das birgt für diejenigen, die nicht erkennen, dass die eigentlichen Ursachen für Kursbewegungen nicht in einem roboterhaften Folgen der Tagesmeldungen liegen, große Gefahren. Durch diese seltsame Scheu, den Anlegern die tatsächlich die Kurse bewegenden Elemente zu nennen aus Angst, diese würden sich dann von der Börse abwenden, kann man ganz leicht auf dem falschen Dampfer landen.

Denn so glaubten wohl viele, dass es wirklich die Erwartung gewesen wäre, sinkende Leitzinsen würden Wunder wirken, der BrExit doch noch gutgehen und der US-Handelskrieg bald vorbei sein, was Anfang Juni die Wende nach oben brachte. Wer das glaubte, mochte anfangen, die Nachrichten in diesem Sinne positiver zu interpretieren, als sie waren… und wäre aus diesem Grund womöglich eingestiegen. Dann indes hätte man die Welt nicht verstanden, als die Kurse plötzlich Ende Juli in ein und demselben Umfeld wieder fielen und beim DAX tiefer abrutschten als zur Wende Anfang Juni. Daher:

Glauben Sie nicht diese „einfachen Wahrheiten“. Das, was alles die Kurse bewegen kann, ist zu komplex, als dass simpel wirkende Gründe allzu oft die richtigen sein könnten. Suchen Sie im Terminkalender und in den Charts nach glaubwürdigen Gründen, warum etwas passiert. Denn wenn diese wahren Beweggründe für Sie unsichtbar bleiben, werden sie zu einer Bedrohung, die Sie jederzeit gewaltig aufs Glatteis führen kann!

Wobei es noch einen weiteren, immens wichtigen Aspekt gibt, den sehr viele, sogar erfahrene Akteure, übersehen und der einen, wenn er mal wieder zuschlägt, eiskalt erwischen kann: die „dritte Kolonne“.

Die „unsichtbare Macht“ unter den Investoren: Viele übersehen die „dritte Kolonne“!

Es gibt Bullen und Bären und sonst nichts. Die ringen täglich um die Vorherrschaft. Und mal gewinnen die einen, mal die anderen. So einfach ist das … nicht. Es gibt eine dritte Gruppe. Und auf die kommt es sehr oft an. Sie kann plötzliche Bewegungen auslösen, vor allem bei abrupten Richtungswechseln kann diese „dritte Kolonne“ entscheidend sein. Wer das ist? Ganz einfach: Die, die gerade nichts tun, aber morgen etwas tun könnten – die Marktteilnehmer, die im Moment passiv sind!

Wer wollte denn ernsthaft behaupten, dass diejenigen, die im Hier und Jetzt die Kurse an der Börse aktuell bewegen, von der Verteilung nach bullisch und bärisch her die Gesamtheit aller Investoren repräsentieren? Warum sollte der Anteil der Bullen und Bären bei denen, die in diesem Moment gerade nichts tun, gleich sein? Im Gegenteil, das wäre ja eher unlogisch. Denn würden die abwartenden Marktteilnehmer einem laufenden Impuls voll und ganz über den Weg trauen, würden sie ihm ja aktiv folgen. Was bedeutet:

Diejenigen, die gerade nichts tun, können immer eine potenzielle Gefahr für einen Trend sein. Es wäre möglich, dass diejenigen, die abwarten, den Trend nur so lange laufen lassen wollen, bis sie ihn für ausgereizt halten, um dann zu idealen Kursen auf die Gegenseite zu gehen. Was in einer Hausse hieße, dass viele der „unsichtbaren“ Akteure darauf warten, zu aus ihrer Sicht ideal hohen Kursen auszusteigen oder aber in einer Baisse, Short-Positionen in einen Selloff, auf den sie warten, einzudecken und/oder dann billiger zu kaufen. Aber kommt es immer so?

Natürlich nicht. Wer wartet, hat seine Entscheidung noch nicht getroffen. Was heißt, dass die dritte Kolonne auch deswegen noch abwarten könnte, weil sie erst sehen will, ob eine Bewegung auch wirklich vorhält. Ein tadelloses Beispiel finden wir wieder in der Phase nach der US-Wahl 2016. Schauen wir uns unter diesem Gesichtspunkt den Chart des Dow Jones an:

Wir sehen hier die abrupte Aufwärtsbewegung an der Börse nach der US-Wahl, die fünf Tage lang für kräftige Käufe sorgte. Im unteren Bereich des Charts eingeblendet sehen Sie die Umsätze. Die hatten im Zuge der Käufe direkt nach der Wahl angezogen. Aber der richtige, gewaltige Anstieg bei den Umsätzen tauchte erst Anfang Dezember, ca. vier Wochen nach diesem ersten Hausse-Schub auf. Wieso? Das war die Reaktion der „dritten Kolonne“:

Diejenigen, die diese plötzliche Kehrtwende der Kurse nach Trumps Wahlsieg für „falsch“ hielten, glaubten, dass sich dieser Spuk nicht lange halten würde und stiegen deshalb nicht ein. Doch der Dow Jones fiel einfach nicht. Der immense Schwung der ersten Tage ließ zwar deutlich nach, aber die Abwärtswende blieb aus. Also entschieden diejenigen, die bis dahin passiv geblieben waren, dass ihnen nichts anders übrigbleibt, als diesem Trend doch noch zu folgen. Das zog den US-Index erneut deutlich höher – und da sieht man (roter Kreis) anhand der immens gestiegenen Umsätze, dass viele der vorher passiven Marktteilnehmer jetzt mit von der Partie waren.

Der „Deal Phase I“ und die dritte Kolonne

Abschließend noch ein Beispiel der aktuellen Börse für die Relevanz der unsichtbaren, passiven Akteure: der Freitagabend. Sehen wir uns dazu den Kursverlauf des US-Index Nasdaq 100 für den Donnerstag und Freitag auf Fünf-Minuten-Basis an:

Der Nasdaq 100 startete ebenso wie alle US-Indizes mit einer großen Aufwärts-Kurslücke in den Freitag. Man konnte sicher vermuten, dass der erwartete „Interims-Deal“ positiv wirkt. Besser ein wenig Fortschritt als wieder ein Platzen der Gespräche, dachte man sich. Also wurde schon im Vorfeld gekauft. Und wer da im Vorfeld mit dem Risiko einstieg, dass vielleicht doch kein solcher Deal zustande kommt, war sicher: Wer da noch abwartet, der kauft, wenn die Sache verkündet ist. Die Kurse hielten sich … keiner mochte weichen … und dann, gegen 21:40 Uhr und damit 20 Minuten vor dem Handelsende, wurde bekanntgegeben, worauf man gesetzt hatte: Eine Art Waffenstillstand mit ein paar Zugeständnissen auf beiden Seiten. Also hätten die Notierungen jetzt erst Recht durch die Decke gehen müssen. Aber Sie sehen im Chart, was passierte:

Der Nasdaq 100 hielt zwar ein Plus gegenüber dem Vortag, sackte aber in Windeseile an das untere Ende der Handelsspanne des Freitags durch. Diejenigen, die abwarteten, waren eben nicht der Ansicht, dass dieser „Deal Phase I“ irgendetwas voranbringt. Sie hatten nur abgewartet, ob nicht doch eine Kaufwelle kommt, um dann sofort zu verkaufen und/oder Short zu gehen. Und wieder galt für diejenigen, die nicht beachten, dass diese „dritte Kolonne“ derer, die für den Moment nicht aktiv sind, ein immens wichtiger, aber eben auch unberechenbarer Faktor sind: Unverhofft kommt oft!

Börse aktuell: Fazit

Unterschätzen Sie nie diejenigen, die gerade bewusst an der Börse aktuell nichts tun. Niemand könnte all diesen Akteuren in die Köpfe schauen, so dass Sie immer bedenken müssen, dass Sie nicht wissen, was diese Klientel vorhat. Davon abgesehen, dass die Nachrichtenlage sich so ändern könnte, dass diejenigen, die abwarten und eigentlich vorhatten, zu verkaufen, sich dann auf einmal entscheiden zu kaufen oder umgekehrt!

Noch ein kleiner Hinweis zum Volumenanstieg im Dow Jones nach der US-Wahl im Dezember. Hier spielte auch der am 16. Dezember 2016 absolvierte große Abrechnungstermin am Terminmarkt eine Rolle in Sachen steigender Umsätze. Aber das ist, wie gesagt, ein Thema für einen zukünftigen Marktkommentar.

 

Mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Börsenwoche

Ihr

Ronald Gehrt

 

*Charts vom 10.10.2019, Chartquelle marketmaker pp4

Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.

Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren..

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

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