EURO STOXX 50 aktuell Euro Stoxx: Und auf einmal sind die Bullen in der Defensive

Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

In diesem Artikel

EURO STOXX 50
ISIN: EU0009658145
Ticker: SX5E
Währung: Punkte

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Zum EURO STOXX 50

Es dürfte kaum jemand ein Interesse daran gehabt haben, die Chance auf einen vierten Monat mit Kursgewinnen in Folge nach dem Corona-Crash so kurz vor Torschluss zu vergeben. Nicht einmal die Hedgefonds. Auch die hätten, wollten sie die Fronten wechseln, eher bis zum Monatsanfang gewartet. Dass der Juli plötzlich doch noch ein Monat mit einem Verlust im Euro Stoxx wurde, muss also andere Gründe haben. Aber da drängt sich zumindest auf den ersten Blick nichts auf, denn:

Wer bereit war, all die Warnsignale der Konjunktur zu ignorieren, die andeuten, dass es nichts wird mit der rasanten Rückkehr zur alten Wirtschaftskraft, wird doch nicht plötzlich furchtsam aussteigen, wenn er/sie sieht, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (gemeldet am Donnerstag) und in der Eurozone (gemeldet am Freitag) noch schlechter als erwartet ausgefallen ist. Denn das Credo dieser Klientel ist ja ohnehin: Was war, zählt nicht und was kommt, wird unzweifelhaft gut.

War es womöglich der kräftige Abstieg des Euros zum US-Dollar, der ausländische Investoren bewog auszusteigen, um die Verluste zu begrenzen? Oder haben große Adressen auf diese Euro-Aufwertung reagiert, weil sie realisieren, dass das die Exportchancen der Eurozone ausbremst, den USA dahingehend Vorteile liefert und die Erholung in Europa dadurch noch schwieriger wird? Grundsätzlich möglich, aber wie wir in unserer heutigen Euro/US-Dollar-Analyse sehen, hat das Währungspaar gerade jetzt eine super-massive Widerstandszone erreicht. Damit wäre die Chance gegeben, dass die Euro-Aufwertung erst einmal stoppt. Warum also ausgerechnet jetzt damit anfangen, Euro-Aktien zu verkaufen?

Es könnte sich womöglich um einen weniger ins Auge springenden Aspekt handeln, nämlich, dass größere Investoren deshalb zu verkaufen beginnen, weil sie den Eindruck erhalten, dass der Euro Stoxx nicht überzeugend auf die vielen bereits vorliegenden Quartalsergebnisse reagiert hat. Auch, weil viele Unternehmen so verhaltene (oder gar keine) Perspektiven aufzeigen, dass dem bullischen Lager die Argumente knapp werden. Und die nächsten Wochen dürften angesichts der jetzt abflauenden Unternehmensdaten keine Nachrichten bringen, die imstande wären, den gegenüber der derzeitigen Gemengelage schon weit voraus gelaufenen europäischen Leitindex noch nennenswert höher zu tragen. Kurz: Man sieht vorerst keine neuen bullischen Argumente und beginnt die Gewinne mitzunehmen, bevor es alle anderen tun, nach dem Motto: Wer als erster verkauft, bekommt noch die besten Kurse.

Euro Stoxx Chart auf Monatsbasis vom 31.07.2020, Kurs 3.174,32 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Charttechnisch gesehen ist dadurch nicht nur der Monat Juli zu einem Turnaround-Monat nach unten geworden. Auch die Trendlinie, die diese viereinhalb Monate andauernde Rallye begleitet hatte, wurde dadurch zum Wochenschluss durchbrochen, wie der Chart auf Tagesbasis zeigt. Dabei wiegt besonders schwer, dass das relativ bald nach einem im zweiten Anlauf gelungenen, dann aber doch abverkauften Anstieg über die wichtige 200-Tage-Linie passierte. Jetzt sind es die Bullen, die sich mit einer ganzen Reihe an Chartmarken konfrontiert sehen, die einer Entwicklung in ihrem Sinne im Wege stehen. Der Euro Stoxx müsste klar über 3.400 Punkten schließen, um wieder freie Bahn nach oben zu haben und diese Hoffnungs-Rallye fortzusetzen. Aber da es gerade diese Hoffnungen sind, die den Marktteilnehmern sukzessiv abhandenkommen, dürfte der momentan „weichere“, gangbarere Weg der nach unten sein.

Euro Stoxx Chart auf Tagesbasis vom 31.07.2020, Kurs 3.174,32 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

Nein, das wäre definitiv der falsche Kurslevel, um schlapp zu machen. Am Dienstag hielt das bullische Lager die Chance in Händen, klare Zeichen zu setzen, einen äußerst wichtigen Widerstand im Euro Stoxx zu überwinden … und hat die Chance liegen lassen. Noch bleibt der charttechnische Befreiungsschlag in Reichweite, noch könnten die Käufer erneut zugreifen, die Hürde sozusagen im Nachschuss überwinden. Aber sollte das danebengehen, könnte das die Basis einer nur für die Short-Seller erfreuliche Phase werden.

Der Chart auf Tagesbasis zeigt, worum es jetzt geht: Um die aus dem Oktober-Tief 2019 bei 3.398 und dem Zwischenhoch vom Juni bei 3.395 Punkten bestehende Widerstandszone. Im Juni war diese Hürde noch von der 200-Tage-Linie verstärkt worden. An der war der Euro Stoxx auch noch einmal Anfang Juli hängen geblieben, hatte sich dann aber in der Vorwoche über diesen wichtigen gleitenden Durchschnitt hinaus gekämpft. Da diese Linie aber momentan abwärts gerichtet ist, war damit diese Zone 3.395/3.398 Punkte noch nicht bezwungen. Das schein am Dienstag gelungen zu sein, denn der Index startete gleich mit einer Aufwärts-Kurslücke über dieser Hürde in den Tag und lief bis 3.451 Punkte weiter. Doch dann ging die Sache für die Bullen schief:

Die Gewinne wurden abverkauft, am Ende schloss der Euro Stoxx im Bereich seines Eröffnungskurses und mit 3.405 Punkten nicht signifikant über diesem Widerstand. Am Mittwoch folgte dann Abgabedruck, der den Index wieder unter diesen Bereich 3.395/3.398 Punkte drückte. Dieser erste Angriff der Bullen wurde also eine Pleite. Aber noch ist diese Widerstandszone in unmittelbarer Reichweite. Erst, wenn der Euro Stoxx weiter abrutscht, dadurch auch noch die bei aktuell 3.356 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie auf Schlusskursbasis bricht, wäre der Angriff der Bullen wirklich gescheitert und die Chance greifbar, dass er die momentan bei 3.175 Punkten verlaufende, untere Begrenzung des März-Aufwärtstrendkanals angeht und womöglich auch bricht. Was aber sollte einem zweiten, dann erfolgreichen Ausbruchsversuch im Wege stehen?

Euro Stoxx 50 Chart auf Monatsbasis vom 22.07.2020, Kurs 3.370,76 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der erste, der schiefging. Denn dass dieser Ausbruchsversuch abverkauft wurde, war ja kein Zufall. Ein Ausbruch über diese Zone würde bedeuten, dass der Index wieder in die Handelsspanne zwischen Herbst 2019 und Februar 2020 zurückkehren würde, die Rezession also nahezu „ausgepreist“ hätte. Dass dabei einige Marktteilnehmer die Chance nutzen, zu aus ihrer Sicht guten Preisen auszusteigen, untermauert die Skepsis, mit der man diese Rallye zumindest bei einigen Akteuren sieht. Die Sorge der Bullen, erneut und dann endgültig zu scheitern, dürfte gerade jetzt groß sein, da die ersten großen europäischen Unternehmen ihre Ergebnisse des zweiten Quartals nebst den Prognosen für den Rest des Jahres vorlegen werden. Das kann sich als Hemmschuh erweisen.

Sollte es dennoch gelingen, sollte der Euro Stoxx im „Nachschuss“ über diesen Widerstandsbereich hinauslaufen und diesen Ausbruch auch ein, zwei Tage verteidigen, würde das daraus entstandene charttechnische Signal imstande sein, technisch orientierte Trader zu mobilisieren und den Anstieg kurzfristig zu intensivieren. Zumal: Sollte ein zweiter Anlauf gelingen, würden Marktteilnehmer, die zuvor noch erwogen haben, auf aktuellem Niveau auszusteigen, ihre Verkaufsorders in der Erwartung kurzfristig höherer Kurse erst einmal streichen. Aber sollte die 200-Tage-Linie fallen, wird es für die Bullen umgehend ernst.

Euro Stoxx 50 Chart auf Tagesbasis vom 22.07.2020, Kurs 3.370,76 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Der DAX hat sie bereits überwunden. Der Dow Jones wurde zum Wochenstart gezielt an die Linie gehoben. Jetzt sind die Bullen beim Euro Stoxx gefordert: Auch er muss jetzt umgehend über die wichtige 200-Tage-Linie hinaus, um die Chance zu wahren, dass die Rallye weitergeht. Denn nichts wäre fataler als ein zu lange währendes Wassertreten in einer Situation wie dieser. Denn die Situation ist jetzt einmal eine besondere:

Die seit vier Monaten währende Aufwärtsbewegung hat ein Fundament aus heißer Luft. Zuerst war eine Gegenreaktion nach oben völlig nachvollziehbar, es ging einfach so schnell so weit abwärts, dass das zu erwarten war. Aber dann, ab April, nahm der Aktienmarkt eine Zukunft vorweg, die bestenfalls unsicher ist, so, wie sie die Indizes wie der Euro Stoxx zeichnen. Und auch denen, die da mitziehen, stetig Long sind und zukaufen, ist das durchaus klar. Man müsste schon sehr naiv sein, um zu glauben, dass es zu einer rasanten Rückkehr zum status quo und einer „post Corona“ gestärkten Wirtschaft keine Alternative gäbe. Trotzdem bleiben sie eisern auf der Long-Seite. Der Grund: Es funktioniert.

Nur muss das eben auch weitergehen. Die Bullen sind zu dauerhaftem Erfolg verdammt, müssen einen wichtigen Widerstand nach dem anderen bezwingen. Denn ein zu langes Verharren unterhalb wichtiger Hürden würde dazu führen, dass die ersten von der Fahne, womöglich gar Short gehen. Denn derzeit ist es nur das Momentum, die Schwungkraft der Aufwärtsbewegung, die sie am Leben erhält, es fehlt am Fundament, an guten Nachrichten.

Hinzu kommt, dass die so dominanten computergesteuerten Handelsprogramme bis auf einige, die mit künstlicher Intelligenz auch die Nachrichtenlage mit einbeziehen, alleine auf chart- und markttechnischer Basis agieren. Diese Systeme kaufen so lange weiter, bis ihnen das Momentum des Trends und/oder frisches Geld ausgehen. Passiert das, gehen sie aus dem Markt und im Fall ausreichender negativer Signale umgehend Short. Und es wäre auf diesem so hohen Kursniveau in Verbindung mit einer langsam erodierenden Hoffnung auf ein „alles wird gut“ die Short-Seite, die dann auch fundamentale Argumente auf ihrer Seite hätte.

Also muss man immer wieder neue Hürden nehmen, den Schwung erhalten. Auch, weil nur dann die menschlichen Akteure bereit sind, weiteres Geld in den Markt zu geben. Daher wurde zum Wochenstart die 200-Tage-Linie erneut angegangen, an welcher der Euro Stoxx im Juni und Anfang letzter Woche abgewiesen wurde. Es ist unbedingt erforderlich, die aktuell bei 3.360 Punkten verlaufende Hürde zu nehmen. Sie sehen im Chart auf Monatsbasis, dass dann wieder einiges an charttechnischem Spielraum vorhanden wäre, vor allem, wenn auch das Juni-Verlaufshoch, zugleich das Oktober-Tief 2019, bei 3.398 Punkten bezwungen wird.

Euro Stoxx Chart auf Monatsbasis vom 13.07.2020, Kurs 3.353,26 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Natürlich bliebe es dennoch eine stetige Flucht nach vorne, die mit jedem Prozent, das zugelegt wird, riskanter wird, solange man auf einer Leiter ohne Sprossen emporsteigt, weil die Rahmenbedingungen nicht mitziehen. Aber die Trader denken nicht daran, was in einem Monat oder in einem halben Jahr sein könnte. Für diejenigen, die derzeit das Geschehen dominieren, zählt nur das „Jetzt“. Und das erfordert, dass es weitergeht, das Momentum stark bleibt. Gelingt ein klarer Sprung über die 200-Tage-Linie bei 3.360 und idealerweise mit Closings über 3.400 Punkten auch über das Juni-Hoch, bleibt dieses Momentum vorerst stark.

Euro Stoxx Chart auf Tagesbasis vom 13.07.2020, Kurs 3.353,26 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

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Während man beim DAX wenigstens noch die Chance hatte, an das Kursniveau vom Jahresanfang heranzukommen und damit zu suggerieren, dass die Corona-Krise für den Aktienmarkt nur ein Spuk war, kam der Euro Stoxx als Repräsentant des europäischen Gesamtmarkts nie auch nur in die Nähe des 2019er-Schlusskurses von 3.748 Punkten. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Pandemie in Europa zumindest für den Moment im Griff scheint, in den USA aber nicht. Und dort war man mit dem Versuch, den Schaden, den das Virus am Aktienmarkt nach sich zog auszubügeln, deutlich erfolgreicher. So unschön das für US-Investoren auch klingen mag, der Grund dürfte maßgeblich darin zu finden sein, dass der Grad an Naivität, mit dem man an die Börse herangeht, in Europa deutlich geringer ist.

Der Realitäts-Check zeigt jetzt einmal, dass sich die Rekonvaleszenz-Phase lange hinziehen dürfte. Vor allem, wenn es zu einer zweiten Infektionswelle käme, die man im Euro Stoxx durchaus als Risiko berücksichtigt, in den USA nicht, obwohl sie dort gerade läuft. Daher ist es auch wenig sinnvoll, hinsichtlich der Chancen des Euro Stoxx nach „drüben“ zu schielen. Wenn die Anleger bis jetzt nicht entschieden haben, wieder einmal alle Vorsicht fahren zu lassen, werden sie es auch weiterhin nicht tun. Klare, positive Fakten werden den Index in Fahrt bringen können, das inhaltsleere Trommeln bullischer Experten nicht. Da werden die Unternehmensbilanzen des zweiten Quartals wegweisend sein, nur lassen die noch ein paar Wochen auf sich warten. Bis dahin werden zwei Elemente das Geschehen bestimmen:

Die allgemeine Grundstimmung am europäischen Aktienmarkt und die Charttechnik – wobei das eine das andere meist maßgeblich beeinflusst. Aktuell richtungweisend wird sein, wie der Index ins zweite Halbjahr startet. Die Frage, die sich stellt, ist: Haben die Anleger wieder Zutrauen gefasst oder zumindest genug Angst, dass ihnen die Kurse davonlaufen, um mehr Geld in Fonds, Sparpläne, Pensionsfonds oder ETFs zu investieren? Wenn das erste Halbjahr genügend Investoren davon überzeugt hat, dass das Gröbste vorbei ist, wäre zu erwarten, dass die großen institutionellen Investoren, die das Geld der Sparer verwalten, neu zugeflossenes Kapital zügig investieren. Zumindest am ersten Handelstag des zweiten Halbjahres war das aber nicht wirklich überzeugend der Fall. Kam also kein frisches Geld, muss man den Start ins neue Halbjahr als Fehlstart werten?

Euro Stoxx Chart auf Wochenbasis vom 01.07.2020, Kurs 3.228,45 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Noch nicht. Nur in einem glasklar bullischen Umfeld kommt es oft vor, dass es gleich zum Start in einen neuen Börsenmonat, in ein neues Quartal oder Halbjahr zu einem kräftigen Kurssprung kommt. Doch das Umfeld ist nicht nur seitens der Rahmenbedingungen nicht positiv, sondern auch aus charttechnischer Sicht nicht. Sie sehen in den Charts auf Tages- und Wochenbasis, dass die Rallye des Euro Stoxx Anfang Juni ausgerechnet am Kreuzwiderstand aus dem Oktober-Tief 2019 und der 200-Tage-Linie ausgebremst wurde. Für einen zweiten Anlauf Richtung Halbjahresende reichte die Kraft der Bullen nicht. Das ist keine ideale Ausgangsbasis für große Adressen, frisches Geld in den Markt zu geben, sofern es zu den erhofften Zuflüssen überhaupt kam. Daher muss man noch einige Tage abwarten, um absehen zu können, ob es nicht doch noch zu einer Kaufwelle, befeuert durch seitens der Sparer zugeflossenes Geld, kommt.

Eine Woche ist da eine typische Größe, d.h. erst, wenn der Euro Stoxx am kommenden Dienstagabend immer noch deutlich unter der 200-Tage-Linie festhängt, womöglich auch noch unterhalb der 20-Tage-Linie, an welcher er in den letzten Tagen immer wieder abgewiesen wurde, könnte man einen Fehlstart ins zweite Halbjahr unterstellen. Der dann allemal das Zeug hätte, den Index an und unter die nächsten größeren Supportlinien bei 3.024 und 2.708 zu drücken. Gelingt es jedoch, über 3.400 Punkte und damit über das letzte Zwischenhoch nebst 200-Tage-Linie hinaus zu kommen, wäre der Euro Stoxx klar bullisch und eine Long-Position zu halten bzw. auszubauen allemal zu erwägen … wenngleich angesichts der riskanten Rahmenbedingungen unbedingt mit einer konsequenten Absicherung nach unten!

Euro Stoxx Chart auf Tagesbasis vom 01.07.2020, Kurs 3.228,45 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Auch, wenn der Ursprung des Abgabedrucks an der Wall Street liegen dürfte: Was den europäischen Leitindex Euro Stoxx angeht, kamen die Verkäufe an einem mittelfristig entscheidenden Punkt, der dadurch erst einmal zu einer markanten Wendemarke und in seiner Bedeutung als Widerstand bestätigt wurde: an der 200-Tage-Linie.

Genau dort, an dieser wichtigen, aktuell bei 3.385 Zählern verlaufenden Linie, war für die Rallye zunächst Feierabend. Damit hat das bullische Lager einen schmerzhaften Dämpfer erhalten, aber noch ist damit nur die kurzfristige Aufwärtstendenz beschädigt, eine Trendwende hin zu einem neuen, womöglich weitreichenden Baisse-Impuls ist das nicht. Zumindest noch nicht.

Die Chance, dass es bei einem Rücksetzer bleibt und die 200-Tage-Linie im zweiten Anlauf dann souverän überboten wird, wäre noch da, aber es wird eng. Wenn man diese Chance wahren will, müsste der Euro Stoxx gleich zum Wochenstart wieder kräftig Fahrt aufnehmen. Dann würde er noch über der Handelsspanne der beiden Vormonate und genau auf Höhe der nächstgelegenen Unterstützung in Form der 20-Tage-Linie, auf die er am Freitag präzise aufgesetzt hatte, wieder nach oben drehen … und alles wäre wieder drin. Aber:

Im Chart auf Tagesbasis sehen Sie, dass der Index am Freitag zeitweise eine kräftige Erholung zeigte, diese dann aber abverkauft wurde, so dass er gegenüber dem äußerst schwachen Donnerstag unverändert aus dem Handel ging. Das deutet an, dass es tendenziell mehr war als reine Gewinnmitnahmen, was da in der vergangenen Woche ablief, dass die Short-Seller bereits aktiv agieren. Und so effektiv, dass man denjenigen, die da durch Käufe dagegenhalten, am Freitag erfolgreich den Schneid abkaufen konnte.

Euro Stoxx 50 Chart auf Tagesbasis vom 12.06.2020, Kurs 3.153,74 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Daher wäre es gewagt, blind davon auszugehen, dass die Bullen doch noch die Kurve kriegen. Und auch, wenn erneut Gegenwehr der Käufer aufkommen sollte: Erst, wenn der Euro Stoxx diese 200-Tage-Linie bei 3.385 Punkten im zweiten Anlauf klar überwunden hätte, wäre das Gesamtbild wider bullisch. Bis dahin bleibt er auf der Kippe. Wobei der Aspekt, dass dadurch das Gros der Super-Rallye der vorvergangenen Woche mühelos eliminiert werden konnte und die Markttechnik auf Tages- ebenso wie auf Wochenbasis einiges an Abwärtsspielraum andeutet, die Zuversicht eindeutig ins Lager der Bären trägt.

Mit Schlusskursen unter 3.000 Punkten wäre der Index auf kurzfristiger Ebene wieder bärisch. Eine Distanz, die schnell zurückgelegt wäre, sollten die Verkäufe in dieser neuen Woche weitergehen. Vor allem, weil der am Freitag anstehende, große Abrechnungstermin am Terminmarkt (Optionen und Futures mit Laufzeit Juni werden abgerechnet) zunehmende Volatilität erwarten lässt. Und sollte sich das im Vorfeld greifbare Szenario einer Abrechnung der Derivate am Hoch der Handelsspanne der letzten Wochen zerschlagen, müssten zahlreiche große Player an der Terminbörse ihre Positionierung absichern, was den Verkaufsdruck noch intensivieren würde.

Euro Stoxx 50 Chart auf Wochenbasis vom 12.06.2020, Kurs 3.153,74 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

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Der Dow Jones ringt aktuell um seine 200-Tage-Linie, der DAX hat sie gerade mit Schwung überwunden. Der Nasdaq 100 hatte am Donnerstag sein bisheriger Rekordhoch erreicht, beim TecDAX fehlt dazu nicht mehr viel. Doch der europäische Leitindex Euro Stoxx ist nicht nur von irgendwelchen Hochs, sondern sogar von seiner 200-Tage-Linie noch ein gutes Stück entfernt. Wieso?

Das liegt zum einen daran, dass DAX-Aktien in diesem Index zwar ein knappes Drittel ausmachen, aber andere Märkte mit hohem Anteil im Index wie Frankreich oder Spanien weit weniger von ihren März-Tiefs nach oben gelaufen sind als der deutsche Aktienmarkt. Darüber hinaus ist die übliche Berechnung des Euro Stoxx die eines Kursindex, während der DAX als Performanceindex abgebildet wird. In einen Performanceindex werden Dividenden wie Kursgewinne gewertet und rechnerisch umgehend reinvestiert, so dass alleine daraus ein Performance-Vorteil für den DAX entsteht. Aber wichtiger ist der Aspekt, dass die Investoren außerhalb des deutschen Aktienmarkts spürbar vorsichtiger agieren. Denn soll der Euro Stoxx sein Nachzügler-Dasein aufgeben, müssten skeptische Akteure zu überzeugten Bullen werden. Aber nachdem EU und EZB bereits aus allen Rohren gefeuert haben, was die Versuche angeht, die Rezession mit Geld zu bekämpfen, stellt sich da nicht die Frage, was die Skeptiker jetzt, da all das bereits auf dem Tisch liegt, noch überzeugen könnte?

Es wäre zweifellos ideal, wenn es Käufe aus Überzeugung wären, die den Index über diese so wichtige 200-Tage-Linie tragen würden, denn diese Art von Käufen pflegt nachhaltiger zu sein. Aber nüchtern betrachtet dürfte auch der DAX derzeit vor allem von seiner eigenen Dynamik getragen und durch rein chart- und markttechnische Signale sukzessiv höher gezogen werden. Diese Dynamik kann der Euro Stoxx momentan zwar auch vorweisen, aber eben auf einem relativ tieferen Niveau, so dass er jetzt Widerstände erreicht hat, an denen der DAX bereits vorbeigezogen ist. Konkret handelt es sich dabei um die Zwischentiefs vom Sommer 2019 und vom März 2018 im Bereich 3.240/3.262 Punkte. An dieser Zone ist der Index aktuell angekommen. Gelingt es, sie zu überwinden, würde bereits bei 3.387 Punkten die wichtige 200-Tage-Linie warten, die mit dem Herbst-Tief 2019 (3.398 Punkte) einen Kreuzwiderstand bildet.

Stoxx Chart auf Wochenbasis vom 04.06.2020, Kurs 3.261,67 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Angenommen, es würde gelingen, diese beiden Widerstandsbereiche zu überwinden, könnte sich ein in starken Aufwärtstrends oft gesehenes Phänomen einstellen, bei dem sich DAX und Euro Stoxx durch den hohen Anteil an DAX-Aktien im Euro Stoxx gegenseitig immer höher schaukeln. Jetzt jedoch ist der DAX über wichtige Hürden gelaufen, der Euro Stoxx darunter geblieben. Das ist eine knifflige Situation für die Trader, denn würde der Euro Stoxx nach unten abdrehen, würde das durch die hier eben auch gelisteten 15 DAX-Aktien auch den DAX ausbremsen. Schafft es der Index, mit Schlusskursen über 3.400 Punkten die jetzt im Weg liegenden Hürden aus dem Weg zu räumen, wäre das Risiko, dass der Euro Stoxx den DAX ausbremst, deutlich reduziert. Bis dahin aber sollte man den europäischen Leitindex als potenzielles Risiko der DAX-Hausse besser engmaschig im Auge behalten.

Stoxx Chart auf Tagesbasis vom 04.06.2020, Kurs 3.261,67 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

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