Die Kurse der im März erheblich gedrückten US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit (kurz Treasury Bonds oder T-Bonds) ziehen an. Und die aktuellen, geopolitischen News wirken, als könnten die US-Bonds wieder attraktiv werden. Doch zwei Faktoren stehen dem noch im Weg.

Zum einen haben die zehnjährigen T-Bonds zwar, wie der Chart zeigt, nach einem markanten Abwärtsimpuls nach oben gedreht. Aber bislang ist das nur eine Gegenbewegung. Denn noch gab es bei dieser Ende März losgetretenen Aufwärtsbewegung keine wirklich markanten Widerstände zu überwinden. Und erst dort, an wichtigen Charthürden, ließe sich abschätzen, ob das bärische Lager wirklich das Feld geräumt hat oder genau dort, wo es darauf ankommt, wieder aktiv wird.
Diese charttechnisch entscheidende Zone wird von den drei wichtigen gleitenden Durchschnitten der letzten 50, 100 und 200 Handelstage gestellt. Die warten zwischen 111 29/32 und 112 6/32 US-Dollar (in den USA werden US-Anleihekurse immer noch traditionell mit Brüchen hinter dem Komma gerechnet). Würde diese Widerstandszone überboten, wäre der Weg aus charttechnischer Sicht bis an das bisherige Jahreshoch bei 113 29/32 US-Dollar frei. Ein Hoch, das Teil einer bis in den April 2025 zurückgehenden, aus fünf Zwischenhochs bestehenden Widerstandszone ist. Dort drehten die Anleihekurse immer wieder ab, im Gegenzug stiegen die spiegelbildlich laufenden Anleihe-Renditen, weil sich in dieser Zone die Zinssenkungserwartungen der Akteure bislang immer wieder erschöpften. Und das führt zur zweiten Hürde:
Expertenmeinung: Zinssenkungen oder zumindest die Erwartung solcher würden sinkende Renditen am Bond-Markt und damit steigende T-Bond-Kurse bedeuten. Richtig ist, dass die Meldung des Freitags, dass der Iran seinerseits die Passage durch die Straße von Hormus zumindest für die Dauer des Waffenstillstands im Libanon freigibt, dazu führt, dass sich der „Pfropf“ löst und die zahllosen bislang festsitzenden Öltanker passieren können. Das verleitet zu der Idee, dass ein Ende der Angebotsverknappung bei Rohöl den Inflationsdruck wegnimmt und das wiederum bedeuten würde, dass ein wichtiges Argument, das weiteren Leitzinssenkungen der US-Notenbank entgegensteht, vom Tisch käme. Der Haken dabei ist:
Davon abgesehen, dass die Reparaturen der im Zuge der Kampfhandlungen beschädigten Produktions- und Logistikeinrichtungen vermutlich Monate benötigen, ist ja keineswegs sicher, dass die Passage durch diese Meerenge auch weiterhin offen bleibt. Der Waffenstillstand Israel/Libanon soll erst einmal nur für zehn Tage gelten, drei davon sind per Montag bereits um. Und ob der Iran einlenkt und die aktuellen US-Forderungen erfüllt, sodass auch iranisches Öl wieder transportiert werden könnte, war zumindest am Freitagabend zum Handelsende der T-Bonds noch völlig offen.
Zwei Hürden, die einem größeren Aufwärtsimpuls entgegenstehen: Zum einen die Charttechnik mit dieser „Sperre“ zwischen 111 29/32 und 112 6/32 US-Dollar in Form der drei gleitenden Durchschnitte, zum anderen die Realität, die zwar den Hoffnungen auf wieder sinkenden Inflationsdruck und Leitzinssenkungen Nahrung gibt, aber bislang noch keine belastbaren Fakten zu liefern vermag:
Das ist genug, um sich hier erst einmal auf die Beobachterrolle zu beschränken. Die zehnjährigen T-Bonds könnten dieses bullische Signal schaffen. Aber bevor das nicht wirklich der Fall ist, sollte man hier eher die Füße stillhalten.
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