Brent Crude Oil aktuell Brent Crude Oil: Jetzt sind auch 60 US-Dollar möglich

News: Aktuelle Analyse des Brent Crude Oil Futures

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Brent Crude Oil
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Mittlerweile passt auch der Background für das bullische Lager. Auch die gestern gemeldeten US-Öllagerbestandsdaten für die abgelaufene Woche waren gefallen. Damit sehen wir vier Wochen in Folge nachgebende Lagerbestände, die den immensen Anstieg der Bestände Anfang Dezember wieder ausgeglichen haben. Und obwohl die Kurse der wichtigsten Ölsorten auf dem Weg nach oben sind, hat Saudi-Arabien Anfang der Woche im Zuge der jüngsten OPEC+-Gespräche mitgeteilt, dass es seine Fördermenge um eine Million Barrel pro Tag senken werde. Hinzu kommt die Charttechnik:

Im Dezember ist der Kurs von Brent Crude Oil in die Zone des gewaltigen Gaps hineingelaufen, das im März 2020 entstanden war. Diese Kurslücke liegt, bezogen auf den aktuellen „Frontmonat“ März im Brent Crude Oil-Future, zwischen 50,78 und 59,84 US-Dollar. Da der Anstieg bislang relativ langsam verläuft, sehen wir auch noch keine Überhitzung im Bereich der markttechnischen Indikatoren. Denkbar wäre es also allemal, dass die Bullen Brent Crude Oil in Richtung der oberen Begrenzung des Gaps bei knapp 60 US-Dollar ziehen können. Es sei denn …

Expertenmeinung: … dass das, was sich am Mittwoch in Washington abgespielt hat, nicht zügig wieder unter Kontrolle zu bringen ist. Mit seiner Aufforderung zum Protest gegen die Verkündung des Wahlergebnisses könnte der US-Präsident die Büchse der Pandora geöffnet haben. Sollte es zu einer instabilen Lage in den USA kommen, würde das der dortigen Wirtschaft gnadenlos schaden. In einer Situation, in der die Erholung bereits ausgebremst wurde und es in den USA täglich höhere Zahlen an Pandemie-Opfern gibt, würde das die hinter dieser Aufwärtsbewegung des Ölpreises stehende Erwartung, dass es in Kürze wieder zu starkem Wachstum und einer damit einhergehenden steigenden Ölnachfrage kommen wird, torpedieren. Zumal das bullische Lager da eher einseitig denkt, denn:

Um einen nachhaltigen Anstieg des Kurses zu sehen, müsste die Nachfrage steigen, das Angebot aber nicht. Wer das erwartet, rechnet zwar einerseits mit Wachstum, andererseits ignoriert man dann aber die OPEC. Denn die hat die Fördermengen im Mai 2020 radikal reduziert, um den Kurs zu stabilisieren. Würde die Nachfrage spürbar steigen, würden die Förderländer auch ihren Output wieder steigern, schließlich ist der Ölverkauf für viele der in der OPEC organisierten Nationen eine entscheidende Einnahmequelle. So gesehen wäre zwar ein Anstieg des Kurses bis 60 US-Dollar möglich … aber sich fest darauf zu verlassen, wäre riskant.

Momentan hat das bullische Lager aber den Vorteil einer soliden Supportzone, denn alle wichtigen gleitenden Durchschnitte, die 20-Tage-, die 50-Tage- und die 200-Tage-Linie, verstärken aktuell die Unterstützungszone aus den August-Zwischenhochs und der unteren Begrenzung des Gaps im Bereich 48/51 US-Dollar. Das ist die Plattform, von der aus die Attacken nach oben ausgehen … und damit zugleich eine ideale Orientierung für die Absicherung von Long-Positionen.

Chart vom 06.01.2021, Kurs 53,67 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des Brent Crude Oil Futures

Aus rein charttechnischer Sicht haben die Bullen bei Brent Crude Oil alle Trümpfe in der Hand. Brent ist in das riesige Gap vom März zwischen 50,65 zu 59,80 US-Dollar (im Februar-Kontrakt des Futures, der aktuell entscheidenden Laufzeit) hinein gelaufen und hätte damit laut Lehrbuch das Potenzial, diese Kurslücke zu schließen, sprich bis knapp 60 US-Dollar zu laufen.

Unterstützt wird dieses Szenario durch einen Kurs, der mittlerweile alle wichtigen gleitenden Durchschnitte unter sich gelassen hat, selbst die im Chart schwarz markierte 200-Tage-Linie ist jetzt überboten. Und die 20-Tage-Linie, im Chart blau gehalten, steht kurz davor, diese 200-Tage-Linie zu überwinden: Ein aufwärts gerichteter Crossover steht also bevor, der das bullische Szenario noch verstärken wird.

Dass Brent Crude mittlerweile nach einem Anfang November begonnenen, fast durchgehenden Anstieg überkaufte markttechnische Indikatoren aufweist, kann nicht überraschen, muss den Kurs aber auch nicht bremsen. Solange das Momentum der Bewegung hoch bleibt, können Indikatoren wie der hier abgebildete Stochastik-Oszillator lange in der überkauften Zone verharren. Also, auf geht’s an die 60 Dollar-Marke?

Expertenmeinung: Wenn man alleine die technische Analyse zu Rate zieht, schon. Aber solange die Fundamentals einen Run Richtung 60 US-Dollar eigentlich gar nicht unterstützen würden, bleibt Vorsicht angebracht. Schaut man sich die Entwicklung der US-Öllagerbestände an, so ist deren Saldo seit September ausgeglichen, d.h. die Lager leeren sich nicht. Das ist nicht zwingend eine Indikation dafür, dass die Nachfrage nicht anzieht, da die US-Unternehmen ihre Vorräte ja flexibel und auch entsprechend ihrer Preiserwartungen gestalten.

Aber wenn man sich überlegt, dass die Weltwirtschaft derzeit gerade wieder dabei ist, nach unten abzudrehen und die OPEC immer noch massive Förderkürzungen fährt, wäre das Aufwärtspotenzial der Preise an und für sich limitiert. Hinzu kommt: Würden die Ölpreise wieder deutlicher anziehen, dürfte sich die geschlossene Front der Länder, die diese Förderdisziplin durchhalten, wohl zügig auflösen. Erste Länder würden dann versuchen, ihre monatelangen Einnahmeausfälle bei guten Preisen durch eine umgehende Erhöhung des Outputs aufzuholen. Wobei die Frage offen bleibt, was da ein guter Preis wäre, der ausreicht, um sich Ärger mit der OPEC einzuhandeln. 55 US-Dollar? 60 US-Dollar? Oder doch erst auf höherem Niveau? Als Fazit ließe sich festhalten:

Brent Crude Oil steigt auf aktuellem Kursniveau gegen die Fundamentals, könnte das noch eine Weile durchhalten, muss es aber nicht. Eine sinnvoll Option für bullische Trader wäre derzeit, einfach dem Trend weiter zu folgen, sich aber knapp unter der 20-Tage-Linie, die am Freitag bei 49,12 US-Dollar verlief, abzusichern, die derzeit mit einem Abstand von etwa drei US-Dollar den Leitstrahl dieser Aufwärtsbewegung bildet.

Chart vom 18.12.2020, Kurs 52,10 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Anfang November kehrte am Ölmarkt der Optimismus zurück. Parallel zu den Aktienindizes waren die Kurse der wichtigsten Rohöl-Sorten Ende Oktober gerade auf dem Weg nach unten, als sie Anfang November auf dem Absatz kehrt machten und nach der US-Wahl ebenso wie als Reaktion auf die Meldung über bald verfügbare Impfstoffe deutlich zulegten. Dabei gelang es Ende November, das Zwischenhoch vom August zu überwinden. Aber obgleich es sich um eine wichtige Hürde handelte, geht es seither nur zäh aufwärts. Das hat gleich drei Gründe:

Zunächst haben wir hier das Problem, dass man die Ölsorten zum einen am sogenannten Spotmarkt, zum anderen am Terminmarkt handelt. Am Spotmarkt, wo Rohöl „körperlich“ gehandelt wird, ist der Kurs bereits in die riesige, am 9. März entstandene Abwärts-Kurslücke hineingelaufen und hätte damit aus rein charttechnischer Sicht Aufwärtspotenzial in die Region um 60 US-Dollar. Beim Future, der jeden Monat einen neuen „Frontmonat“ hat, dessen Kursniveau sich von der vorherigen Laufzeit meist unterscheidet, ist das aber noch nicht der Fall. Das sehen Sie hier im Chart, der den aktuellen „Frontmonat“ (d.h. die als nächstes auslaufende Laufzeit) Februar 2021 abbildet. Da ringt der Kurs noch mit der unteren, in dieser Laufzeit bei 50,77 US-Dollar liegenden unteren Begrenzung der Kurslücke und der momentan bei 49,13 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie.

Darüber hinaus ist den Tradern natürlich bewusst, dass die immer noch existierenden Fördermengen-Kürzungen auf den Kurs drücken. Denn sollte die Nachfrage deutlich anziehen, würden viele ölproduzierende Länder jedwede Fördermengen- und Preisdisziplin über Bord werfen und fördern, was irgend möglich ist, um sich ein größeres Stück vom Kuchen zu sichern. Immerhin bedeuten die Kürzungen massive Einschnitte vor allem für diejenigen Länder, für die Rohöl eine entscheidende Einnahmequelle ist. Eine anziehende Nachfrage würde somit sofort durch ein womöglich noch weit mehr zunehmendes Angebot beantwortet.

Und zuletzt scheint die Nachfrage derzeit nicht zu-, sondern abzunehmen, denn entgegen der Prognose der Experten (-1,4 Millionen Barrel) sind die Rohöl-Lagerbestände der US-Unternehmen in der vergangenen Woche massiv um 15,19 Millionen US-Barrel angestiegen. Schon in den Wochen zuvor war der im Sommer zu erkennende, markante Rückgang der Lagerbestände fast nicht mehr zu messen, jetzt scheint die Nachfrage deutlich zu schwinden. Also – keine Chance für die Bullen?

Expertenmeinung: Doch, denn dass Brent Crude Oil auf diesen massiven Anstieg der US-Lagerbestände kaum negativ reagierte, zeigt, dass die Trader sehr wohl erkennen, dass diese Zahlen auch umgekehrt interpretiert werden können. Denn dass die US-Lager so deutlich gefüllt wurden, kann auch darauf basieren, dass die US-Unternehmen einen jetzt noch günstigen Preis vermuten und ihre Lager lieber jetzt auffüllen, bevor der Kurs noch weiter steigt. Und da es auch bei Rohöl nie zwingend um die faktische Angebot/Nachfrage-Entwicklung geht, wenn es um die Tendenz im Future geht, kann die Rallye weitergehen und mit der Erwartung einer massiv steigenden Nachfrage im Windschatten einer Normalisierung der Lage im kommenden Jahr argumentativ unterfüttert werden … sobald es gelingt, die oben genannten Charthürden bei 49,13 und 50,77 US-Dollar zu überwinden.

Dass es bei Brent Crude und den US-Ölsorten nicht selten zu absurd wirkenden Bewegungen kommt, wissen die Akteure spätestens seit dem Frühjahr (sofern sie die Jahre 2008/2009 nicht miterlebt haben). Ein Ausbruch nach oben und ein schneller Run Richtung 60 US-Dollar, dem oberen Ende der großen Kurslücke, wäre da glatt noch im Rahmen des Normalen. Schlusskurse über 51 US-Dollar wären dahingehend ein potenzielles Startsignal.

Chart vom 09.12.2020, Kurs 48,80 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Zwischen Ende Juli und Ende Oktober sanken die Rohöl-Lagerbestände der US-Unternehmen spürbar. Trotzdem zog der Ölpreis nicht an. Und das konnte auch nicht überraschen. Denn dass sich die Kurse der wichtigsten Rohöl-Sorten nach ihrem Crash im März und April überhaupt erholten, lag weniger an einer wieder deutlich auf alte Levels anziehenden Nachfrage, sondern an den radikalen Kürzungen der Fördermengen der wichtigsten ölproduzierenden Länder.

Man geht durchaus zu Recht davon aus: Wenn die Nachfrage wieder deutlicher steigt, werden die meisten Förderländer ihre Zusagen über den Haufen werfen und produzieren, was das Zeug hält, um zu versuchen, ein größeres Stück des Kuchens abzubekommen. Schließlich haben die seit Mai geltenden Kürzungen viele Länder empfindlich getroffen. Das heißt: Sobald die Nachfrage ein wenig anzieht, könnte das Angebot überproportional steigen und der Preis dadurch sofort wieder unter Druck geraten.

Und wer sich dieses Aspekts gewärtig ist, wird wohl gar nicht erst versuchen, Rohöl Brent mit viel Kapitalaufwand durch die entscheidende Widerstandszone 47,75/50,65 US-Dollar hindurch zu boxen (der Chart zeigt den derzeitigen „Frontmonat“ im Future, die Laufzeit Januar 2021). Also, ist damit für längere Zeit ein Deckel drauf, die 50 US-Dollar-Zone das Ende der Fahnenstange für die Bullen?

Expertenmeinung: Würde sich der Kurs rein nach der faktischen Angebot/Nachfrage-Situation richten, könnte man das so sehen, aber das ist ja nicht der Fall. Die kurzfristige Spekulation kann auch massiv und längere Zeit gegen die faktische Nachfrage laufen. Und der „Lohn“ eines solchen Ausbruchs nach oben wäre aus charttechnischer Sicht verlockend. Denn würde es tatsächlich gelingen, Brent Crude Oil über die Linie von 50,65 US-Dollar im Januar-Future zu bringen, würde das bedeuten, dass ein „Gap Close“ begänne und die Trader als dessen Kursziel  den Level von 59,80 US-Dollar anpeilen, die obere Begrenzung dieser im März entstandenen, riesigen Kurslücke.

Indes, darauf wetten sollte man eher nicht. Brent Crude Oil hat zwar seit Anfang November in der Spitze über 25 Prozent zugelegt und damit die Erleichterungsrallye als Reaktion auf die US-Wahl und die Meldungen über erste, zulassungsreife Impfstoffe mitgemacht. Aber in Relation zur der Handelsspanne und Volatilität der vergangenen Monate fiel diese Reaktion eben doch eher moderat aus, weil man weiß:

Bis solche Nachrichten sich in einer deutlichen, ausgeweitete Fördermengen überkompensierenden Nachfragesteigerung äußern, werden viele Monate vergehen. Und in dieser Zeit ließe es sich allemal noch, nicht zuletzt mit Blick auf die durch die Rallye überkauften markttechnischen Indikatoren, ein wenig auf Baisse spekulieren. Hier Long zu gehen, würde erst ein taugliches Chance/Risiko-Verhältnis aufweisen, wenn der Ausbruch über 50,65 US-Dollar tatsächlich vollzogen wäre.

Chart vom 18.11.2020, Kurs 44,72 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

In neun der letzten zehn Wochen wurden aus den USA sinkende Rohöl-Lagerbestände gemeldet. Nachdem die Anfang Mai vollzogenen, radikalen Kürzungen der Öl-Fördermengen fast drei Monate lang kaum einen Effekt auf die Lagerbestände der US-Unternehmen hatten, scheint jetzt die Nachfrage anzuziehen. Zwar ließe sich dieser Schwund der Lagerbestände, der übrigens noch in keiner Weise dramatisch ausfällt, auch erklären, wenn man unterstellt, dass die Unternehmen ihre eigenen Bestände bevorzugt nutzen, weil sie erwarten, diese bald am Markt zu billigeren Kursen wieder auffüllen zu können. Aber die zuletzt in Europa und China etwas besser, in den USA sogar spürbar besser ausfallenden Konjunkturdaten deuten an, dass dieser Anstieg der Nachfrage eine Zeitlang vorhalten könnte.

Doch der Kurs reagiert nicht auf diese Aspekte. Sie sehen, dass Brent Crude Oil, hier dargestellt im Future mit Dezember-Laufzeit, der derzeit den nächstgelegenen Verfalltermin darstellt (Frontmonat), nach einem kurzen Aufbäumen Mitte September schon wieder kraftlos wirkt. Bislang gelingt es nicht, den Kurs wieder auf Touren zu bekommen, nachdem er Anfang September noch unterhalb des „Deckels“ aus dem riesigen Abwärts-Gap vom März und der im Chart violett markierten 200-Tage-Linie nach unten abdrehte. Wo ist das Problem?

Expertenmeinung: Die Bären reklamieren zwei Aspekte für sich. Zum einen ist der Gedanke nicht von der Hand zu weisen, dass die Erholung der Wirtschaft weltweit im Herbst und Winter ins Stocken geraten würde, wenn die Kombination aus schon jetzt erneut steigenden Corona-Infektionen und einer Grippewelle zu wieder stärkeren Restriktionen führt. Zum anderen können und wollen die Ölförderländer die massiv gekürzte Produktion nicht auf Dauer auf diesem niedrigen Level laufen lassen. Viele dieser Nationen sind entscheidend auf die Einnahmen aus dem Ölgeschäft angewiesen und werden eher früher als später den Hahn wieder aufdrehen. Und das würde dieses fragile Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage umgehend wieder kippen.  

Dementsprechend dürften sich die bärischen Trader gute Chancen ausrechnen, die ausgebliebene Dynamik als Reaktion auf sinkende Lagerbestände für sich nutzen zu können, indem sie die mittelfristige, aus dem September-Tief und einem Zwischentief aus dem Juni zusammengesetzte Supportzone bei 38,41/39,90 US-Dollar gezielt attackieren. Sollte es gelingen, Brent Drude durch diese Auffangzone zu drücken, könnte der Lohn reichlich ausfallen, denn der Chart zeigt, dass sich darunter keine markanteren Unterstützungen in unmittelbarer Nähe finden würden, die einen solchen Abwärtsimpuls zwingend aufhalten müssten.

Brent Crude Oil: Chart vom 30.09.2020, Kurs 42,34 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

In den letzten sechs Wochen waren die Rohöl-Lagerbestände in den USA stetig gesunken. Und mit -9,36 Millionen Barrel war der am Mittwoch berichtete Rückgang in der vorherigen Kalenderwoche klar größer als seitens der Experten erwartet. Mittlerweile sind die US-Lagerbestände im Vergleich zu den Beständen zu Beginn der umfassenden Fördermengen-Kürzungen Anfang Mai tatsächlich spürbar gesunken. Und ausgerechnet jetzt, zu einem Zeitpunkt, an dem man behaupten könnte, dass die Nachfrage tatsächlich anzieht, fängt der Kurs von Brent Crude Oil an abzurutschen. Wieso?

Man kann sinkende Lagerbestände auf zweierlei Weise betrachten. Auf den ersten Blick müsste es bullisch sein, dass die Bestände sinken. Aber es kann eben auch eine andere Erklärung dafür geben, wieso die US-Unternehmen ihre Lagerbestände nutzen: Weil sie erwarten, diese Bestände bald zu billigeren Kursen am Markt auffüllen zu können. Und das wiederum wäre bärisch. Das Problem: Die Bestände werden zwar gemessen, aber nicht die dahinterstehenden Motive. Und ob in den USA, Europa oder Asien: In den letzten Wochen verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Erholung vom Konjunktureinbruch zu stocken beginnt. Das würde durchaus dafürsprechen, dass die US-Unternehmen lieber ihre Lagerbestände nutzen, als das Öl trotz großer Vorräte zu einem Kurs am Markt zu kaufen, der sich in ein paar Wochen als „teuer“ erweisen könnte.

Expertenmeinung: Ob diese Interpretation sinkender Bestände richtig ist und ob darüber hinaus auch die US-Firmen mit dieser Vorgehensweise Recht bekommen werden, ist immer erst dann klar, wenn einige Wochen vergangen sind. Das Chartbild von Brent Crude Oil würde den Gedanken, dass der Ölpreis jetzt langsam kippt, aber unterstützen.

Brent Crude konnte sich zwar monatelang über der doppelten Unterstützung aus 20-Tage- und 50-Tage-Linie halten, sich aber andererseits auch nie von diesen Linien nach oben absetzen. Die durch die 200-Tage-Linie verstärkte Widerstandszone 51,30 zu 58,30 US-Dollar (bezogen auf den Kurs des derzeitigen Frontmonats November im Brent Crude Oil-Future) kam nie in Gefahr. Eine derart lange Seitwärtsbewegung ohne ernsthafte Ausbruchsversuche macht die Bullen natürlich nervös. Gut möglich also, dass viele kurzfristige Trader es auf der Short-Seite versuchen, falls die 20-Tage- und 50-Tage-Linie eindeutig brechen sollten. Am Donnerstag konnte sich der Kurs noch von seinem Tagestief lösen und in der Nähe der Linien schließen. Aber sollte dieses gestrige Tagestief (43,15 US-Dollar) mit Schlusskursen unter 42,50 US-Dollar eindeutig unterboten werden, könnte das bullische Lager schnell kapitulieren.

Chart vom 03.09.2020, Kurs 44,08 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX