Nemetschek: Warum ich jetzt ans Verkaufen denken würde

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Nemetschek
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Zur Nemetschek Aktie

Man sieht derzeit immer öfter, dass Anleger und Analysten völlig anderer Meinung sind. Im Fall der Nemetschek-Aktie sind die Experten mittlerweile skeptisch, die Trader aber kaufen immer weiter. Analysten haben nicht immer Recht, aber in diesem Fall würde ich auf sie hören.

Ende Oktober legte der Entwickler von Spezialsoftware für die Bereiche Bau und Architektur ein gutes Quartalsergebnis vor. Der Umsatz legte 9,7 Prozent zum Vorjahresquartal zu. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) stieg überproportional um 16,5 Prozent, da es gelang, die Gewinnmarge auf EBITDA-Basis auf 33,3 Prozent zu steigern (Vorjahresquartal: 31,4 Prozent). Für das Gesamtjahr wurde die Perspektive seitens des Unternehmens daher leicht angehoben, man erwartet jetzt ein Umsatzwachstum zwischen 12 und 14 und eine EBITDA-Marge zwischen 30 und 32 Prozent.

Das waren solide Ergebnisse, die zudem, zumindest leicht, über den Prognosen der Analysten lagen. Aber wer meint, diese hätten daraufhin grandiose Kursziele und „Kaufen“-Empfehlungen ausgelobt, lag falsch. Die sieben Experten, die seither reagierten, hoben zwar mehrheitlich die Kursziele an. Aber kein einziges liegt über dem aktuellen Kurs, ein neues Kursziel lag sogar nur bei 65 Euro. Und die Einstufungen? Viermal „Halten“, einmal „Übergewichten“, einmal „Untergewichten“ und einmal „Verkaufen“. Und auch, wenn es angesichts der wilden Rallye der Aktie so wirkt, als würden die Experten falsch und die Bullen richtig liegen, sollte man sich besser überlegen, warum die Analysten so verhalten urteilen.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Nemetschek Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Das liegt nicht daran, dass sie für Nemetschek eine düstere Zukunft fürchten. Man zweifelt keineswegs daran, dass Nemetscheks Gewinn 2022 und 2023 weiter zulegen wird. Aber die Bewertung dieser Aktie über das Kurs/Gewinn-Verhältnis ist im Vergleich zu der Wachstumsrate zu hoch. Viel zu hoch, genau genommen. Selbst wenn man das starke, dem Ende zugehende Jahr 2021 mit einrechnet, läge das durchschnittliche Gewinnwachstum, 2021 bis 2023 einschließlich, im Schnitt bei 23 Prozent. Das ist gut, natürlich. Aber nicht, wenn das Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit auf Basis des erwarteten 2021er-Gewinns bei 95 liegt … und für den geschätzten 2023er-Gewinn immer noch bei 73!

Normalerweise billigt man einer Aktie ein Kurs/Gewinn-Verhältnis zu, das doppelt so hoch liegt wie das erwartete Wachstum der kommenden Jahre. Da kämen wir dann auf 46, großzügig aufgerundet auf 50. Und ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von um die 50, das sah die Nemetschek-Aktie auch Ende 2018 und Ende 2019. Aber jetzt liegen wir fast doppelt so hoch. Was müsste passieren, um wieder auf eine normale Bewertung zu kommen? Die Gewinne müssten entweder unerwartet und über zwei Jahre hinweg viel stärker zulegen als alle denken. Oder die Aktie müsste zurückkommen. Für ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 50 um fast die Hälfte. 

Nun könnte man natürlich trotzdem mit dieser Hausse-Welle mitschwimmen und einfach den Stoppkurs sukzessiv nachziehen. Aber zu dieser zu hohen Bewertung kommt noch ein Chartbild, das eine hochgezogene Augenbraue wert ist.

Sie sehen, dass die Nemetschek-Aktie Ende Oktober kurzzeitig kräftig weggebrochen war. Das war die Reaktion auf die o.a. Quartalsbilanz! Dass bullische Trader sich um dieses Warnsignal einfach nicht scheren, die Aktie im D-Zug-Tempo an und über das vorherige Rekordhoch ziehen, ist ein Signal dafür, dass hier eine Übertreibungs- und Euphorie-Phase eingesetzt hat. Und die trieb die Aktie am Freitag auch noch über diese ohnehin ansteigende „Trompeten-Formation“ (ein nach rechts offenes Dreieck) hinaus. Und dort, auf luftigen Höhen und weit über dem durchschnittlichen Analysten-Kursziel von aktuell 88 Euro, produzierte die Aktie am Freitag auch noch einen Doji.

Wer mutig sein will, bleibt am Ball und legt eine Stop Loss-Absicherung knapp unter 100 Euro in den Markt. Wer keine Lust auf Wagnis, dafür aber auf gute Gewinne hat, nimmt den Gewinn in einer derart heiß gelaufenen Aktie einfach mit.

Nemetschek-Aktie: Chart vom 05.11.2021, Kurs 110,55 Euro, Kürzel NEM | Online Broker LYNX
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Die Aktie des Bau- und Architektursoftware-Entwicklers Nemetschek war schon vor der Corona-Krise ungewöhnlich hoch bewertet. Jetzt, während sie von einem Rekordhoch zum nächsten steigt, ist sie es erst recht. Bislang hält das die Bullen nicht ab – aber wie lange noch?

Die Aktie startete am Donnerstag aus einer ohnehin laufenden Aufwärtsbewegung durch, nachdem Nemetschek am Vorabend mitteilte, dass man sich von der mittlerweile komplett übernommenen Tochter Maxon, ein Spezialist für die Umwandlung digitaler Inhalte in 2D und 3D-Grafik, starkes Wachstum verspreche, 15 bis 20 Prozent Wachstum jährlich strebe man da an. Gut … aber ansonsten wurden am Abend des 20. Oktober nur die bereits Ende Juli leicht angehobenen Ziele bekräftigt. 2021 soll das Umsatzwachstum zwischen 12 und 14 Prozent liegen, die EBITDA-Gewinnmarge soll zwischen 30 und 32 Prozent erreichen.

Für die aktuelle Phase bleibt es also bei den Perspektiven, die Nemetschek schon im Zuge der Bilanz des zweiten Quartals Ende Juli vorlegte. Mit dem Unterschied, dass die Aktie mittlerweile über 30 Prozent über dem Kursniveau notiert, das sie Ende Juli als Reaktion auf die damaligen Zahlen erreicht hatte. Daraus errechnet sich auf Basis der momentanen, durchschnittlichen Gewinnschätzung der Analysten ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 88. Und das ist außerordentlich teuer.

Expertenmeinung: Als Faustregel für ein angemessenes KGV gilt, dass das Doppelte des im laufenden Jahr bzw. in den kommenden zwei Jahren erwarteten, prozentualen Gewinnwachstums angemessen wäre. Nemetscheks Wachstumsperspektive liegt aber derzeit um die 15 bis 20 Prozent. Da wäre also ein KGV von 40 normal, 50 vielleicht noch hinnehmbar, aber 88 – das wäre sogar für so manche Aktie eines schnell wachsenden Hightech-Unternehmens viel.

Zwar zeigt der Chart, dass das die Anleger nicht im Mindesten zu stören scheint. Aber solange die Dynamik eines Aufwärtstrends stark ist und intakt bleibt, scheren sich viele nicht darum, ob eine Aktie womöglich teuer bzw. zu teuer ist. Solange der Aufwärtstrend also stark ist, müsste man sich über den Ausstieg oder gar einen Wechsel ins bärische Lager keine Gedanken machen. Aber drei Aspekte über das schwindelerregend hohe KGV hinaus sind angetan, zu überlegen, ob man nicht zumindest einen Teil der Aktien abstoßen und sich damit diese grandiosen Gewinne bei einer Teilposition sichern sollte.

Zum einen notiert die Aktie fast 50 Prozent über ihrer 200-Tage-Linie, das macht deutlich, wie immens überkauft der Kurs aktuell ist. Zweitens wurde am Freitag sogar das höchste aller derzeitigen Analysten-Kursziele überboten, das bei 98 Euro liegt. Im Schnitt haben die Experten hier aktuell ein Kursziel von 82 Euro. Drittens ist die „magische Marke“ von 100 Euro fast erreicht. Gut möglich, dass deren Überwinden noch einmal einen Schub auslöst, aber wenn eine sehr hoch bewertete Aktie dann auch noch in der bisherigen 2021-Performance über 65 Prozent Gewinn ausweist und damit den Gesamtmarkt extrem deutlich abgehängt hat, würde es nicht überraschen, wenn diese „runde 100“ Anleger dazu bewegen würde, auch mal Kasse zu machen.

Nemetschek-Aktie: Chart vom 21.10.2021, Kurs 98,80 Euro, Kürzel NEM | Online Broker LYNX

Je länger und höher eine marktenge Aktie steigt, desto mehr kurzfristig agierende Trader springen auf den Zug auf. In solchen Phasen kann den Trend schon eine Kleinigkeit ins Wanken bringen – bei Nemetschek war es gestern eine Neueinstufung durch einen Analysten.

Gegen einen langen, weitreichenden Aufwärtstrend einer Aktie ist nichts einzuwenden, wenn dadurch ein entsprechend starker Anstieg der Umsätze und Gewinne des Unternehmens nachvollzogen wird. Aber im Fall des Software-Entwicklers von Bau- und Architektur-Software Nemetschek ist die Aktie über Jahre hinweg schneller gestiegen als die zwar konstant, aber in der Relation langsamer gestiegenen Gewinne. Per Ende 2017 lag das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) der Nemetschek-Aktie bei 39, Ende 2018 bei 48. Ende 2019 lag es schon bei 53, Ende 2020 bei atemberaubend hohen 72. Aber auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung der Analysten für 2021 lag dieses KGV am bisherigen Verlaufshoch der Aktie, das vergangene Woche bei 93,84 Euro erreicht wurde, sogar bei 85!

Das ist angesichts der allgemeinen Experten-Erwartung, dass Nemetschek 2021 nur die „Corona-Delle“ ausbeulen und wieder den Gewinnlevel von 2019 erreichen wird, zu hoch. Auch, weil man derzeit davon ausgeht, dass Nemetscheks Gewinn zwar weiter zulegen wird, dies aber nur in einer Größenordnung von etwa 10 bis 15 Prozent im Schnitt der nächsten Jahre. Da ist es nicht überraschend, dass die Trader mehr und mehr auf der Hut sind und die Aktie zum Wochenstart auf eine Meldung reagiert, die eigentlich nicht wirklich negativ war:

Expertenmeinung: Die Experten des Bankhauses Metzler erhöhten das Kursziel für die Nemetschek-Aktie von 83 auf 87 Euro, stuften aber die Handlungsempfehlung von „Kaufen“ auf „Halten“ ab. Logisch, schließlich hatte die Aktie diesen Level bereits zeitweise überboten. Trotzdem reagierten einige Marktteilnehmer sofort mit Verkäufen. Und auch das wundert nicht.

Vielen ist ja klar, dass die Aktie von der Bewertung her eigentlich zu schnell zu weit gestiegen ist. Wenn ein Analyst auf diese Weise klar macht, dass nach seiner Ansicht jetzt vorerst einmal das Hoch erreicht sein dürfte, wirkt das wie eine Aufforderung, die großen Gewinne auch mal mitzunehmen. Aber beendet das auch diese seit Anfang Juni fast nonstop laufende Rallye?

Man sollte es zumindest nicht ausschließen. Viele wissen das hohe KGV ja zu interpretieren. Angenommen, die Aktie wollte auf einen Level korrigieren, auf dem ein KGV von 50 gälte, was immer noch nicht „billig“ wäre, müsste die Aktie bei einer gleichbleibenden Gewinnperspektive dazu auf 55 Euro fallen! Wer das erkennt, wird natürlich vorsichtig. Und aus charttechnischer Sicht hat diese vier Monate währende Aufwärtsbewegung ein Problem entstehen lassen:

Es gab keinerlei Korrektur, so dass sich oberhalb der dabei überbotenen, alten Bestmarke von 74,35 Euro aus dem Frühsommer 2020 keine charttechnischen Unterstützungen bilden konnten. Es gab nur die im Chart blau markierte 20-Tage-Linie, an der entlang die Aktie stieg wie auf Schienen. Mit den gestrigen Abgaben ist der Kurs aus eben dieser Schiene aber herausgesprungen, eine Entwicklung, die die negative Divergenz des RSI-Indikators (unten im Chart) seit einigen Wochen angekündigt hatte. Die nächstgelegene Supportlinie wartet also erst bei 74,35 Euro – wer hier nicht bewusst langfristig dabei sein will, könnte sich daher jetzt überlegen, besser den Gewinn mitzunehmen.

Ein Jahr lang war mit der Aktie des Bau- und Architektursoftware-Entwicklers Nemetschek nichts los, der Kurs tendierte sogar gegen den Markttrend leicht abwärts. Doch seit Juni steigt diese Aktie wie ein Strich … was steckt dahinter?

Nemetschek ist, was die Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) angeht, seit Jahren nicht mehr „billig“. Das KGV bewegte sich seit Mitte des letzten Jahrzehnts in einer Range zwischen 40 und 50, in Relation zum Anstieg des Unternehmensgewinns war das relativ viel. Doch für die momentan seitens der Analysten geschätzten Gewinne des laufenden Jahres liegt das KGV jetzt bei 76. Und das kann nicht lange gutgehen, es sei denn, es gibt dafür einen triftigen Grund.

Gegenüber 2020 rechnen die Experten aktuell damit, dass Nemetschek etwa 30 Prozent mehr verdienen wird als 2020. Doch damit käme man nur zurück auf den Level von 2019, weil 2020 auch hier eine „Corona-Delle“ verursacht hat. Und als man in der zweiten Jahreshälfte 2019 absehen konnte, was da am Ende des Jahres an Gewinn auflaufen würde, notierte die Nemetschek-Aktie in einer Spanne zwischen 42 und 58 Euro. Gestern schloss sie bei 83,74 Euro, obwohl nicht mehr Gewinn als damals zu erwarten ist. Liegt es an der Perspektive für die kommenden Jahre?

Expertenmeinung: Auch nicht, denn momentan liegt die durchschnittliche Gewinnerwartung der Analysten für 2023, also für das übernächste Jahr, 26 Prozent über dem für 2021 erwarteten Gewinn von 1,09 Euro pro Aktie. Käme es so, hätte Nemetschek per Ende 2023 ein KGV von 60 … bezogen auf den aktuellen Kurs. Das ist mehr als üppig. Und wer heute in diese Rallye hinein einsteigt, wünscht sich ja nicht, dass der Kurs zwei Jahre wie festgenagelt stehenbleibt. Es sei denn, man könnte auf eine immense Dividendenrendite setzen. Aber auch da ist nicht viel zu holen, die liegt derzeit auf Basis der 2021er-Schätzung um die 0,5 Prozent.

Zwei Aspekte könnten den Kurs derzeit sukzessiv höher treiben. Zum einen eine Art Kettenreaktion auf charttechnischer Ebene. Denn nachdem es im Juni gelang, die mittelfristige Abwärtstrendlinie zu überwinden, wurde aufgrund der vielen darüber liegenden Zwischenhochs eine Hürde nach der anderen überboten, was immer aufs Neue Käufe charttechnisch orientierter Trader ausgelöst haben dürfte.

Zum anderen könnte die am Montag anstehende Umstellung der Indizes DAX und MDAX eine Rolle spielen. Zehn Aktien werden den MDAX Richtung DAX verlassen. Könnte Nemetschek eine von ihnen sein? Das ist unwahrscheinlich, dazu liegt Nemetschek hinsichtlich des Qualifikationskriteriums, der Marktkapitalisierung, zu weit unten in der MDAX-Hitparade. Aber die Aktie läge weit genug oben, um dann, wenn die größten zehn MDAX-Aktien weg sind (die ja nicht ersetzt werden, der MDAX hat ab Montag dann 50 statt zuvor 60 Aktien) eine wichtigere Rolle im Index mit einer entsprechend höheren Gewichtung zu spielen. Gut möglich, dass Trader darauf setzen und dies die Aktie weiter treibt, als sie normalerweise steigen würde.

Geht das gut? Das ist nicht zu sagen, denn dieser „Cut“ des MDAX hat keine Präzedenzfälle. Aber möglich wäre es allemal, dass sich mancher, der darauf gewettet hat, dass eine höher gewichtete Nemetschek einen Sprung macht, wenn zehn größere MDAX-Titel abwandern, verabschieden würden, wenn es soweit ist, ob dieser Sprung kommt oder nicht. Was tun?

Letztlich müsste man raten oder einfach abwarten, was passiert. Wobei Letzteres der bessere Weg wäre, denn der Chart zeigt ja, dass dieser wochenlange, stetige Anstieg einen „Leitstrahl“ hat: die 20-Tage-Linie. An ihr entlang hangelt sich die Aktie von einem Rekordhoch zum nächsten. Daher wäre es opportun, den Gewinn mitzunehmen, wenn eben dieser Leitstrahl, derzeit bei 81,15 Euro, durch Schlusskurse von zwei Euro oder mehr darunter signifikant brechen sollte.

Nemetschek hob am Dienstag nach Handelsende die Gesamtjahresprognose an und reichte am Donnerstagmorgen die Quartalsbilanz nach. Das sorgte zwar für relativ hektische Schwankungen, aber unter dem Strich stieg die Aktie nur wenig. Wo ist das Haar in der Suppe?

Im Frühsommer 2020 hatte die Nemetschek-Aktie das vorherige, im Januar 2020 erzielte Rekordhoch knapp überboten. Das passierte im Zuge der hektischen Suche der Investoren nach sicheren Häfen im Zuge der Corona-Krise. Und ein Unternehmen, das Bau- und Architektur-Software entwickelt und vertreibt, das wirkt wie ein sicherer Hafen. Und richtig ist schon, dass Nemetschek ohne allzu große Blessuren durch die heiße Phase der Pandemie kam. Das Geschäft läuft weiterhin gut, wie man der angehobenen Prognose entnehmen kann.

Die Ergebnisse des zweiten Quartals waren gut, aber wichtiger ist, was das Software-Unternehmen für das Gesamtjahr avisiert. Hier hob man bereits am Dienstagabend die Umsatzprognose von der vorherigen Erwartung eines hohen, einstelligen Wachstums auf 12 bis 14 Prozent an. Und auch die EBITDA-Gewinnmarge (EBITDA = vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) soll höher liegen als zunächst gedacht, zwischen 30 und 32 Prozent (vorher: 27 bis 29 Prozent). Wieso hat die Aktie daraufhin nicht mehr gezeigt? Die Kombination aus mehr Umsatz und einer höheren Marge wirkt schließlich wie ein Hebel für den Gewinn – haben die Anleger nicht nachgerechnet?

Expertenmeinung: Doch, das dürften sie getan und genau deshalb nicht allzu beherzt zugegriffen haben. Will man vergleichen, wie Nemetschek dann Ende 2021 dasteht, sollte man das nicht vom Sonderfaktor Corona beeinflusste Jahr 2019 als Vergleichsbasis nehmen, zumal die Aktie heute höher steht als sie 2019 je notierte. Das ginge in Ordnung, wenn auch der Gewinn vergleichbar höher hereinkommen wird. Aber wird er das?

Das wäre zwar möglich, wenn alles am oberen Ende der aktuellen Prognosespanne über die Ziellinie geht, aber sicher ist es nicht. Denn die 1,10 Euro Gewinn pro Aktie des Jahres 2019, die die bisherige Bestmarke darstellen, basierten zwar auf einem mit 557 Millionen Euro geringeren Umsatz als die 668 bis 680 Millionen, die die derzeitige Umsatzprognose bedeuten würden. Aber die EBITDA-Marge lag 2019 mit 35,5 Prozent höher. Daher könnte Nemetschek diesen bisherigen Gewinnrekord zwar im Idealfall, wenn bei Umsatz und EBITDA-Marge das obere Ende der Prognosespanne erreicht wird, um zehn Prozent überbieten. Aber eben nur dann. Und das bedeutet:

Nemetschek ist von der Bewertung her teuer. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis würde je nachdem, ob der Gewinn im unteren oder oberen Bereich der Prognosespanne hereinkommt, zwischen 60 und 65 liegen. Für ein Gewinnwachstum, das auch 2022 seitens der Analysten nicht besonders hochgesehen wird, zu teuer.

Nemetschek-Aktie: Chart vom 29.07.2021, Kurs 74,56 Euro, Kürzel NEM | Online Broker LYNX

Nicht unbedingt überraschend war es daher, dass die einzigen zwei Analysten, die am Donnerstag sofort reagierten, ihre Kursziele zwar einmal von 56,50 auf 61 und einmal von 48 auf 60 Euro anhoben, damit aber deutlich unter dem derzeitigen Kursniveau blieben. Auch das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt mit 71,50 Euro unter dem letzten Kurs. Hinzu kommt die Charttechnik:

Die Aktie ist durch den Run von 55 auf 75 Euro binnen zwei Monaten markttechnisch überkauft und hängt damit zugleich am bisherigen Rekordhoch von 74,35 Euro fest. Die Chance, dass da noch allzu viel Luft nach oben ist, ist daher nicht gerade grandios. Wer trotzdem dabeibleiben will, sollte zumindest einen Stoppkurs unter der nächstgelegenen Unterstützungszone im Bereich 67,85/70,55 Euro erwägen.

Nemetschek legte gestern Ergebnisse für das erste Quartal vor, die in allen Bereichen über den Analystenerwartungen lagen. Die Nemetschek-Aktie legte daraufhin zwar zu … aber reicht das schon für die Aufwärtswende?

Der Umsatz stieg im ersten Quartal gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent (währungsbereinigt um 12,1 Prozent), der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) kletterte überproportional um 18,5 Prozent, basierend auf einem Anstieg der EBITDA-Marge, die auf überdurchschnittliche 31,3 Prozent stieg. Das ist ohne Wenn und Aber gut, zumal Nemetschek als Spezialist für Bau- und Architektursoftware keine nennenswerte „Delle“ durch die Corona-Krise wettzumachen hat. Aber müsste die Aktie deswegen bereits zwingend wieder in den Hausse-Modus wechseln?

Expertenmeinung: Sie könnte, wenn es gelingt, die aktuell attackierten charttechnischen Widerstände zu bezwingen, aber sie muss es keineswegs. Denn die Aktie hat ein Problem: Sie ist bereits recht teuer bewertet, was das Kurs/Gewinn-Verhältnis angeht.

Selbst, wenn man angesichts dieses starken Quartals ein wenig auf die derzeitige, durchschnittliche Gewinnschätzung der Analysten für 2021 draufrechnet, die da im Schnitt erwarteten 0,91 Cent pro Aktie auf einen Euro aufrundet, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit über 60. Das wäre angemessen, wenn man aktuell ebenso wie in den kommenden ein, zwei Jahren mit Gewinnsteigerungen von jährlich um die 25 bis 30 Prozent rechnen könnte. Aber das ist eben nicht der Fall.

Nemetschek selbst betonte im Zuge der vorgelegten Zahlen, dass die EBITDA-Marge von 31,3 Prozent „überdurchschnittlich“ gewesen sei. Die unternehmenseigene Prognose sieht für 2021 eine Marge im Bereich von 27 bis 29 Prozent (2020: 28,8 Prozent) und ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Wenn sich das nicht radikal verbessern sollte, wäre die Aktie einfach zu hoch bewertet. Das dürfte die Bereitschaft der Bullen dämpfen, sich durch die jetzt angegangene Widerstandszone hindurch zu kämpfen, sofern sie dabei auf nennenswerte Gegenwehr stoßen sollten.

Daher wäre es sinnvoll, dem Braten erst zu trauen, wenn er aus dem Ofen heraus ist. Sie sehen im Chart, dass die Aktie gerade die aus dem Sommer 2020 stammende, mittelfristige Abwärtstrendlinie angeht, die aktuell bei 64 Euro verläuft – und gestern verlief die Attacke nicht gerade erfolgreich.

Nemetschek-Aktie: Chart vom 29.04.2021, Kurs 60,90 Euro, Kürzel NEM | Online Broker LYNX

Um überhaupt eine Basis für einen neuen, nachhaltigen Aufwärtsimpuls zu bekommen, muss der Kurs da, idealerweise zügig, durch. Aber schon bei 67,85, bei 69,20 und 70,55 Euro würden mehrere obere Wendepunkte der vergangenen Monate als weitere potenzielle Widerstände warten, bevor der Weg dann aus rein charttechnischer Sicht an und im Idealfall über den bisherigen Verlaufsrekord der Nemetschek-Aktie von 74,35 Euro frei wäre. Zumindest einen klaren Ausbruch über die jetzt umkämpfte Abwärtstrendlinie sollte man daher abwarten, bevor man sich mit dem Gedanken trägt, hier auf der Long-Seite ins Geschehen einzugreifen.