Nemetschek legt seine Quartalsbilanz vor und die Aktie bricht um 13,69 Prozent ein. Ein Großteil der viertägigen Rallye zuvor ist dadurch wieder abverkauft. Doch bedeutet das, dass sich das Bärenlager wieder durchsetzt und die Aktie auf neue Jahrestiefs drücken könnte?
Unmöglich ist an der Börse, das weiß man ja, definitiv nichts. Aber dass dieser Sell-off des Donnerstags der Beginn eines neuen, größeren Baisseschubs sein wird, ist noch lange nicht raus. Denn die Argumente, die man für weiteren Abgabedruck hätte, wirken nach einem genaueren Blick in diese Bilanz dünn.
Argumentiert wurde damit, dass der Entwickler von Bau- und Architektursoftware zwar in Sachen Umsatz mit einem Plus von nicht währungsbereinigt 13,0 Prozent auf 327,7 Millionen Euro über den Analystenerwartungen lag, beim operativen Gewinn, gerechnet als EBITDA, aber nicht. Da wurden 11,5 Prozent erreicht, das waren 98,6 Millionen Euro. Der Grund für den weniger stark als der Umsatz gestiegenen operativen Gewinn war natürlich eine gesunkene Gewinnmarge: Die EBITDA-Marge fiel auf 30,1 Prozent nach 30,5 Prozent im Vorjahresquartal. Das wäre ein Warnsignal, wenn der Druck auf die Gewinnspanne operative Gründe hätte. Aber das hatte er eben nicht.
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Expertenmeinung: Hier gab es zwei Faktoren, die die Gewinnspanne schmälerten. Zum einen waren das Kosten, die durch die Akquisition des US-Softwareunternehmens HCSS entstanden sind. Das sind aber Einmalaufwendungen, die in den kommenden Quartalen vom Tisch sind und nichts mit dem unternehmerischen Erfolg zu tun haben. Zum anderen ging es da um eine – um den Text der Quartalsmeldung zu zitieren – „stichtagsbezogene Neubewertung von in nichtfunktionaler Währung gehaltenen Bilanzpositionen einer einzelnen Konzerngesellschaft infolge der erheblichen und unerwarteten Wechselkursschwankungen im zweiten Quartal“. Was ebenfalls eine einmalige Belastung darstellt.
Rein vom Basisgeschäft her läuft es bei Nemetschek eher besser als seitens der Analysten im Vorfeld vermutet. Immerhin lag der Gewinn pro Aktie für das zweite Quartal mit 0,57 Euro höher als die im Schnitt prognostizierten 0,55 Euro – ein Ergebnis, das zudem deutlich über den im Vorjahreszeitraum erzielten 0,45 Euro lag. Dementsprechend behielt das Unternehmen auch die bestehende Prognose für 2026 bei, die neben einem Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent – exklusive des Beitrags des Zukaufs HCSS – eine EBITDA-Gewinnmarge zwischen 32 und 33 Prozent vorsieht, nach 31,2 Prozent im Vorjahr.
Das war also kein taugliches Argument, der Aktie ein derartiges Minus zu verpassen. Und diese Ansicht hatten offenbar auch die beiden Experten, die ihre Kursziele auf Basis der Bilanzzahlen noch am selben Tag überprüften. Zwar senkte man bei MWB Research das Ziel von 95 auf 91 Euro. Aber das mit dem Zusatz „Kaufen“. Und bei JPMorgan blieb man bei 110 Euro, natürlich mit Blick auf den Abstand zum aktuellen Kurs ebenso mit der Einschätzung „Kaufen“. Insgesamt raten hier derzeit 13 von 18 Analysten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 85 Euro. Allein: Die Aktie ist nicht bullisch.
Zwar war sie das auch vor diesem herben Minus noch nicht, weil die entscheidende, mittelfristig relevante Widerstandszone zwischen 69,50 und 73,70 Euro durch die vorherige Kaufwelle zwar näher gerückt, aber noch nicht überboten worden war. Aber jetzt ist man hier in die Defensive gedrängt und muss seitens des bullischen Lagers zusehen, dass die Supportzone zwischen 54 und 57 Euro nicht bricht. Da könnten sich also einige in Sachen Aufwärtswende zu früh gefreut haben, aber:

Verschoben ist nicht unbedingt aufgehoben. Und angesichts des Umstands, dass hier auf ein kleines Haar in der Suppe ein großes Minus erfolgt ist, erscheint der Gedanke, sich hier auf der Short-Seite zu betätigen, äußerst gewagt.
Quellenangaben:
Ergebnis des 2. Quartals 2026, 30.07.2026: https://ir.nemetschek.com/nachrichten/nemetschek-group-erfolgreiches-1-halbjahr-2026-mit-weiterhin-starkem-profitablem-wachstum/2beb0dfe-0064-4831-9563-c44e7fa899e8
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.07.2026 um 22:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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