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Nemetschek Aktie Prognose Nemetschek: Zu früh gefreut?

News: Aktuelle Analyse der Nemetschek Aktie

In diesem Artikel
Nemetschek
ISIN: DE0006452907
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Ticker: NEM --- %
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Börse: --

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Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral
Zur Nemetschek Aktie

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Nemetschek legt seine Quartalsbilanz vor und die Aktie bricht um 13,69 Prozent ein. Ein Großteil der viertägigen Rallye zuvor ist dadurch wieder abverkauft. Doch bedeutet das, dass sich das Bärenlager wieder durchsetzt und die Aktie auf neue Jahrestiefs drücken könnte?

Unmöglich ist an der Börse, das weiß man ja, definitiv nichts. Aber dass dieser Sell-off des Donnerstags der Beginn eines neuen, größeren Baisseschubs sein wird, ist noch lange nicht raus. Denn die Argumente, die man für weiteren Abgabedruck hätte, wirken nach einem genaueren Blick in diese Bilanz dünn.

Argumentiert wurde damit, dass der Entwickler von Bau- und Architektursoftware zwar in Sachen Umsatz mit einem Plus von nicht währungsbereinigt 13,0 Prozent auf 327,7 Millionen Euro über den Analystenerwartungen lag, beim operativen Gewinn, gerechnet als EBITDA, aber nicht. Da wurden 11,5 Prozent erreicht, das waren 98,6 Millionen Euro. Der Grund für den weniger stark als der Umsatz gestiegenen operativen Gewinn war natürlich eine gesunkene Gewinnmarge: Die EBITDA-Marge fiel auf 30,1 Prozent nach 30,5 Prozent im Vorjahresquartal. Das wäre ein Warnsignal, wenn der Druck auf die Gewinnspanne operative Gründe hätte. Aber das hatte er eben nicht.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Nemetschek Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Hier gab es zwei Faktoren, die die Gewinnspanne schmälerten. Zum einen waren das Kosten, die durch die Akquisition des US-Softwareunternehmens HCSS entstanden sind. Das sind aber Einmalaufwendungen, die in den kommenden Quartalen vom Tisch sind und nichts mit dem unternehmerischen Erfolg zu tun haben. Zum anderen ging es da um eine – um den Text der Quartalsmeldung zu zitieren – „stichtagsbezogene Neubewertung von in nichtfunktionaler Währung gehaltenen Bilanzpositionen einer einzelnen Konzerngesellschaft infolge der erheblichen und unerwarteten Wechselkursschwankungen im zweiten Quartal“. Was ebenfalls eine einmalige Belastung darstellt.

Rein vom Basisgeschäft her läuft es bei Nemetschek eher besser als seitens der Analysten im Vorfeld vermutet. Immerhin lag der Gewinn pro Aktie für das zweite Quartal mit 0,57 Euro höher als die im Schnitt prognostizierten 0,55 Euro – ein Ergebnis, das zudem deutlich über den im Vorjahreszeitraum erzielten 0,45 Euro lag. Dementsprechend behielt das Unternehmen auch die bestehende Prognose für 2026 bei, die neben einem Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent – exklusive des Beitrags des Zukaufs HCSS – eine EBITDA-Gewinnmarge zwischen 32 und 33 Prozent vorsieht, nach 31,2 Prozent im Vorjahr.

Das war also kein taugliches Argument, der Aktie ein derartiges Minus zu verpassen. Und diese Ansicht hatten offenbar auch die beiden Experten, die ihre Kursziele auf Basis der Bilanzzahlen noch am selben Tag überprüften. Zwar senkte man bei MWB Research das Ziel von 95 auf 91 Euro. Aber das mit dem Zusatz „Kaufen“. Und bei JPMorgan blieb man bei 110 Euro, natürlich mit Blick auf den Abstand zum aktuellen Kurs ebenso mit der Einschätzung „Kaufen“. Insgesamt raten hier derzeit 13 von 18 Analysten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 85 Euro. Allein: Die Aktie ist nicht bullisch.

Zwar war sie das auch vor diesem herben Minus noch nicht, weil die entscheidende, mittelfristig relevante Widerstandszone zwischen 69,50 und 73,70 Euro durch die vorherige Kaufwelle zwar näher gerückt, aber noch nicht überboten worden war. Aber jetzt ist man hier in die Defensive gedrängt und muss seitens des bullischen Lagers zusehen, dass die Supportzone zwischen 54 und 57 Euro nicht bricht. Da könnten sich also einige in Sachen Aufwärtswende zu früh gefreut haben, aber:

Nemetschek Aktie: Chart vom 30.07.2026, Kurs 58,00 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 30.07.2026, Kurs 58,00 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Verschoben ist nicht unbedingt aufgehoben. Und angesichts des Umstands, dass hier auf ein kleines Haar in der Suppe ein großes Minus erfolgt ist, erscheint der Gedanke, sich hier auf der Short-Seite zu betätigen, äußerst gewagt.

Quellenangaben:
Ergebnis des 2. Quartals 2026, 30.07.2026: https://ir.nemetschek.com/nachrichten/nemetschek-group-erfolgreiches-1-halbjahr-2026-mit-weiterhin-starkem-profitablem-wachstum/2beb0dfe-0064-4831-9563-c44e7fa899e8
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.07.2026 um 22:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

 

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Vorherige Analysen der Nemetschek Aktie

12.06.2026
08:20 Uhr

Nemetschek: Hier zahlt sich Trading-Disziplin aus — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.06.2026 um 22:42 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Wenn eine zuvor zu hoch bewertete Aktie eine umfassende Korrektur sieht, die Bewertung wieder eher günstig ist und die Analysten-Kursziele weit über dem Kurs liegen, wird man in Sachen Aufwärtswende leicht ungeduldig. Aber bei Nemetschek ist nun einmal Geduld nötig.

Manchmal kann man es als Gewinn verbuchen, wenn man aufgrund disziplinierten Tradings nichts verliert. Bei der Nemetschek-Aktie gab es in den vergangenen Wochen zahlreiche Situationen, die Trader zu voreiligen Aktionen verleiteten. Aktuell hätte es die Bullen getroffen:

Anfang Juni sah es so aus, als würde jetzt endlich der Ausbruch über die Zwischenhochs der vergangenen Monate gelingen. Die Aktie des Entwicklers von Bau- und Architektur-Software schob sich in die obere Begrenzungszone der seit Februar andauernden Seitwärtsspanne bei 69,50 zu 73,10 Euro … und scheiterte. Und nicht nur das:

Nemetschek Aktie: Chart vom 10.06.2026, Kurs 57,10 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 10.06.2026, Kurs 57,10 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Der fehlgeschlagene Ausbruchsversuch erzeugte frischen Abgabedruck, der die Aktie jetzt bereits nahe an das untere Ende der Handelsspanne im Bereich 55,00 bis 57,34 Euro gedrückt hat. Ausbruch nach unten statt nach oben? Rein aus fundamentaler Sicht wäre das nicht logisch unterfüttert, denn:

Es gab keine neuen Nachrichten, Kursziele oder Bilanzdaten zwischen dem Ausbruchsversuch nach oben und dem aktuellen Rutsch Richtung „Keller“. Wenn es Argumente für einen Befreiungsschlag gab, dann wären die also immer noch vorhanden … dementsprechend müsste das Abwärtspotenzial eher limitiert sein bzw. diese Supportzone halten. Oder?

Expertenmeinung: Würde es an der Börse immer streng logisch zugehen, wäre das so. Das tut es aber höchst selten. Hier geht es nicht um Analysten-Kursziele (der Schnitt für Nemetschek liegt derzeit mit 94 Euro weit über dem Kurs) oder Bewertungen (das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist auf Basis der 2026er-Konsens-Gewinnschätzung mit 26 im Vergleich zu früheren Jahren niedrig). Es geht darum, in welche Richtung kurzfristige Trader die besseren Chancen für Gewinne sehen.

Je länger eine Seitwärtsbewegung anhält, desto größer wird üblicherweise der Anteil derer, die auf extrem kurzfristiger Ebene agieren und dadurch auch mit relativ kleinen Kursgewinnen zufrieden sind. Diese „Range-Trader“, die innerhalb der Handelsspanne operieren, bestimmten dann meist das Tagesgeschäft. Was auch hieße: Sofern keine neuen Argumente für einen Ausbruch nach unten kommen sollten, könnte die Nemetschek-Aktie diese jetzt anvisierte Supportzone halten und wieder nach oben drehen.

Aber sich darauf zu verlassen, wäre ebenso riskant, wie sich sicher zu sein, dass es „diesmal bestimmt klappt“ mit dem Ausbruch aus der Spanne, wenn die Aktie auf deren oberes oder unteres Ende zusteuert. Wer genau das bei dem so dynamisch wirkenden Start dieser und anderer Software-Aktien in den Juni dachte, hat jetzt feststellen müssen: Trading-Disziplin und damit die Geduld, zu warten, bis aus einem „Vielleicht“ ein Fakt wird, ist gerade in solchen Situationen zwingend, was zum Fazit führt:

Nemetschek könnte weiterhin in beide Richtungen ausbrechen, wobei Bewertung, Wachstum und Analysten der Oberseite mehr Argumente liefern würden. Aber erst, wenn ein Ausbruch wirklich vollzogen wurde, kann man hier sinnvoll und mit tauglichen Stoppkursen agieren. Bis dahin wäre es unbedingt angeraten, sich auf die Beobachterrolle zu beschränken!

Quellenangaben: Analysten-Kursziele: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

02.06.2026
08:24 Uhr

Nemetschek: Sind die Käufer gekommen, um zu bleiben? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 01.06.2026 um 22:20 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Sieht man sich die Verliererliste des TecDAX seit Jahresbeginn an, stellt man fest: Sie setzt sich fast durchweg aus Aktien des Software-Sektors zusammen … Nemetschek liegt auf Platz 4 der „Biggest Loser“. Aber gestern ging ein Ruck durch den Kurs: Könnte das die Wende sein?

Um es gleich vorwegzunehmen: Es könnte die Wende werden, noch ist es definitiv keine. Denn der Blick auf den Chart macht deutlich, dass sich die Aktie des Entwicklers von Bau- und Architektursoftware durch das unstrittig beeindruckende Plus von 8,74 Prozent zwar aus einer kleinen Dreiecksformation nach oben hinausbegeben hat.

Nemetschek Aktie: Chart vom 01.06.2026, Kurs 67,20 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 01.06.2026, Kurs 67,20 Euro, Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Aber um die dadurch fortgeführte Bodenbildung abzuschließen, müsste der Kurs ganz aus seiner Handelsspanne der vergangenen vier Monate hinaus – und dazu braucht es Schlusskurse über 73,10 Euro. Aber man könnte immerhin sagen: Man ist auf dem Weg dorthin. Die Frage ist:

Kann daraus wirklich eine Aufwärtswende werden? Wurden die Software-Aktien nicht seit Ende Januar massiv gedrückt, weil man sich sagte, dass die KI dieser Branche erheblich zusetzen werde? Und sind Aussagen, die das als überzogen oder sogar als falsch einstuften, nicht bislang ignoriert worden? Warum sollte das jetzt auf einmal anders werden?

Expertenmeinung: Das muss nicht anders werden – und wenn diese „KI-Angst“ erhalten bliebe, hätten nachhaltige Aufwärtswenden vorerst keine guten Chancen. Aber es könnte anders werden. Denn Szenarien wie diese „KI-Angst“, die auf Annahmen basieren, sind sehr davon abhängig, ob das Chartbild sie unterstützt. Wenn die Kurse fallen, ist die Akzeptanz automatisch höher, weil die Kurse diese Sichtweise ja scheinbar beweisen. Dreht der Trend jedoch, kann sich Berichterstattung und allgemeine Meinung sehr schnell wandeln. Die Kurse formen ganz und gar nicht selten die Art der Berichterstattung, statt umgekehrt.

Dass diese Käufe bei Nemetschek und vielen anderen Software-Aktien am ersten Tag eines neuen Börsenmonats erfolgten und zugleich kräftige Gewinnmitnahmen bei den im April und Mai favorisierten Halbleiter-Aktien zu beobachten waren kann darauf hindeuten, dass hier große Adressen umschichten. Das ist keine Garantie dafür, dass die Käufe bei Nemetschek weitergehen und die charttechnische Aufwärtswende dadurch gelingt. Die Chance wäre aber groß genug, um die Aktie im Auge zu behalten, denn Argumente hätte man ja mittlerweile durchaus.

So ist die Bewertung über das Kurs-/Gewinn-Verhältnis, die bei Nemetschek jahrelang viel zu hoch lag (Ende 2024 kam man da noch auf 62), mittlerweile auf 27 für die durchschnittliche 2026er-Gewinnschätzung der Analysten heruntergekommen. Und eben diese Analysten stufen die Aktie mehrheitlich als kaufenswert ein. Zugleich hatte der Kurs Mitte April das niedrigste aller Analysten-Kursziele von 55 Euro erreicht. Das durchschnittliche Kursziel liegt derweil bei aktuell 94 Euro und damit weit über dem derzeitigen Kurs.

Falls es gelingt, Nemetschek aus dieser Handelsspanne nach oben hinaus zu tragen und die Bodenbildung dadurch zu vollenden, ist also ein Deckel wegen der „KI-Angst“ nicht zwingend zu erwarten. Dieses Argument kann wiederkommen, muss es aber nicht. Aber einer Aufwärtswende vorzugreifen, wäre riskant – abzuwarten, ob diese Wende wirklich gelingt, wäre da der klar vernünftigere Weg.

Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

11.05.2026
11:38 Uhr

Intel, Nemetschek und antizyklisches Investieren: Erst kommen die Schmerzen — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.05.2026 um 11:24 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Macht diese eine Fähigkeit den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem außergewöhnlichen Investor aus?

Antizyklisches Investieren hat erstaunlich viele Gemeinsamkeiten mit dem berühmten Marshmallow-Experiment. In beiden Fällen geht es darum, auf eine sofortige Belohnung zu verzichten, um später deutlich mehr zu erhalten.

Die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub könnte an der Börse langfristig den Unterschied zwischen durchschnittlichen und außergewöhnlichen Renditen ausmachen.

Miserables Timing

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich in einem Artikel positiv zu Intel geäußert.
Aus heutiger Sicht war das keine schlechte Idee, denn der Kurs hat sich vervielfacht.

Das Problem daran war jedoch, dass der Kurs von Intel nach der Veröffentlichung des Artikels von etwa 30 auf unter 20 USD eingebrochen ist.

Genau das ist das Problem beim antizyklischen Investieren: Wer gegen die Stimmung am Markt kauft, wird zunächst oft bestraft. Die Kurse fallen weiter, schlechte Nachrichten reißen nicht ab und das Investment fühlt sich falsch an.

Den Boden genau zu treffen, ist extrem schwierig bis unmöglich – und wenn es gelingt, ist immer auch eine Portion Glück dabei.

Denn antizyklisches Investieren bedeutet letztlich, dort einzusteigen, wo andere verkaufen wollen. Nicht in Euphoriephasen, wenn alle überzeugt sind, sondern in Momenten der Unsicherheit, Enttäuschung oder sogar Panik.

Das klingt in der Theorie einfach, ist in der Praxis aber psychologisch enorm anspruchsvoll.
Die wenigsten Anleger werden beispielsweise die Panik im S&P 500 im April 2025 genutzt und beherzt zugeschlagen haben. Und wer hat schon mitten in der Krise zugeschlagen, Intel bei 20 oder 30 USD gekauft und ist bis heute investiert?

Richtig gelegen – und trotzdem erst einmal verloren

Die Mehrheit handelt umgekehrt und kauft Aktien, die bereits gestiegen sind. Die sofortige Belohnung ist zu verführerisch. Schließlich fühlt es sich deutlich angenehmer an, erfolgreiche Aktien zu kaufen, die seit Monaten steigen und von allen gefeiert werden. Problematisch ist nur: Genau dann sind viele Chancen oft bereits eingepreist.

Antizykliker müssen hingegen akzeptieren, dass sie selten den perfekten Zeitpunkt erwischen und kurzfristig bestraft werden.

Doch das muss man auch nicht. Entscheidend ist nicht das kurzfristige Timing, sondern vielmehr die Frage, ob das Unternehmen langfristig wieder auf die Beine kommen kann.

Viel wichtiger ist die Einschätzung, ob der Markt möglicherweise zu pessimistisch geworden ist und ob die Probleme zwar real, aber nicht dauerhaft unlösbar sind.

Natürlich funktioniert dieser Ansatz nicht immer. Deshalb ist antizyklisches Investieren keine Einladung zum blinden Kaufen gefallener Aktien. Entscheidend bleiben Fundamentaldaten, Bilanzqualität, Wettbewerbsvorteile und die Fähigkeit des Managements, Krisen zu bewältigen.

Und genau an dieser Stelle wären wir bei Nemetschek. Die Aktie ist abgestürzt und hangelt sich seit einigen Wochen am mehrjährigen Aufwärtstrend entlang.

Nemetschek Aktie: Chart vom 11.05.2026, Kurs: 61,70 EUR – Kürzel: NEM | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 11.05.2026, Kurs: 61,70 EUR – Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Sollte der Aufwärtstrend zeitnah durchbrochen werden, könnte das einen Abverkauf in Richtung 51 oder 45 Euro auslösen.
Wer heute einsteigt, könnte also kurzfristig bestraft werden. Könnte.

Ebenso gut könnte Nemetschek morgen zur Oberseite drehen und in eine mehrmonatige Rallye übergehen. Wer heute einsteigt, könnte also einen Volltreffer landen.

Das ist die eigentliche Frage

Keiner kann vorhersagen, was geschehen wird. Wir können höchstens mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten.
Doch bei einer Sache dürften sich alle Anleger einig sein: Sollte der Gewinn von Nemetschek in diesem und den kommenden beiden Jahren jeweils um 20 % oder mehr steigen, dürfte irgendwann auch der Kurs steigen – vorausgesetzt natürlich, die Bewertung ist aktuell nicht ausufernd hoch.

Diese Fragen gilt es zu beantworten:
Ist die Bewertung ausufernd hoch und wie wahrscheinlich ist es, dass Nemetschek den Gewinn in diesem Umfang steigern wird?

Derzeit kommt Nemetschek auf ein KGVe von 26,4. Damit geht die Aktie nicht als klassisches Schnäppchen durch, in absoluten Maßstäben ist die Bewertung aber auch nicht ungewöhnlich hoch.

Im langjährigen Durchschnitt wurde Nemetschek mit einem KGV von etwa 50 gehandelt.
Im Verhältnis zu den bisherigen und erwarteten Wachstumsraten ist die Bewertung moderat, denn Nemetschek hat den Gewinn langfristig in etwa um 20 % pro Jahr gesteigert – also in dem Umfang, welcher derzeit auch für dieses und die kommenden beiden Jahre erwartet wird.

Und da wären wir bereits bei der zweiten Frage: Selbstverständlich ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass ein Unternehmen mit dieser Historie an die bisherigen Erfolge anknüpfen kann.

Weitere Anhaltspunkte liefern die jüngsten Quartalsberichte. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres konnte der Umsatz um 10 % auf 313,1 Mio. Euro gesteigert werden.
Das EBITDA verbesserte sich um 22 %, das EBIT kletterte um 27,3 % auf 79,2 Mio. Euro und der Konzernüberschuss sogar um 34,5 % auf 60,4 Mio. Euro.

Das unterstreicht die These, dass ein Gewinnsprung um 20 % in diesem Jahr möglich sein könnte.
Bilanzielle Probleme liegen ebenfalls nicht vor. Die Nettoverschuldung von Nemetschek lag vor der Übernahme von HCSS bei nahezu null (Mehr dazu hier).

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

17.04.2026
15:27 Uhr

Nemetschek dreht fast wie von Geisterhand. Direkt am Aufwärtstrend — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 17.04.2026 um 15:06 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Nach heftigen Verlusten meldet sich Nemetschek eindrucksvoll zurück. Start einer nachhaltigen Erholung? Wie ist die Übernahme von HCSS zu werten?

Das steckt hinter Nemetschek

Nemetschek zählt zu den weltweit bedeutenden Anbietern von Software für die Bau- und Immobilienbranche. Rund sechs Millionen Nutzer weltweit arbeiten täglich mit Lösungen aus dem Portfolio der 16 Marken des Unternehmens.

Das Geschäftsmodell folgt einer bestechenden Logik: Wer ein Gebäude plant, baut oder betreibt, braucht Software. Und Nemetschek liefert sie für jeden dieser Schritte. Das Unternehmen gliedert sich in die vier Segmente Design, Build, Manage und Media.

Im Segment Design dreht sich alles um Planung und Architektur. Hier bietet Nemetschek Software unter den Marken Allplan, Graphisoft und dRofus an — insbesondere im Bereich Building Information Modeling (BIM), mit dem Architekten, Ingenieure und Planungsbüros Gebäude dreidimensional modellieren und koordinieren.
Auf den Bereich entfielen im letzten Geschäftsjahr 45 % des Konzerngeschäfts.

Im Segment Build (Build & Construct) geht es um die Bauausführung selbst. Die Lösungen unterstützen Bauunternehmen bei der Projektabwicklung, der Zusammenarbeit auf der Baustelle, dem Dokumentenmanagement sowie mobilen und cloudbasierten Anwendungen.
Die Marke Bluebeam ist hier das Aushängeschild — ein kollaboratives Werkzeug, das auf Baustellen weltweit verwendet wird, um Pläne zu prüfen, zu kommentieren und freizugeben.
Auf den Bereich entfiel im letzten Geschäftsjahr 40 % des Konzerngeschäfts.

Weitere 10 % werden im Media-Segment und 4 % im Bereich Manage erzielt. Durch die Übernahme von HCSS wird der Umsatz im Segment Build jedoch um etwa die Hälfte steigen, wodurch das Gewicht der beiden kleinsten Konzernbereiche weiter sinkt.

Die Bereiche Design und Build machen den Großteil des Konzerngeschäft aus.

Übernahme von HCSS durchgerechnet

Die Übernahme von HCSS war zuletzt das beherrschende Thema. Die Bewertung von HCSS könnte auf den ersten Blick überzogen wirken, doch im Endeffekt legt Nemetschek vergleichsweise wenig Geld auf den Tisch.

Nemetschek übernimmt die Schulden von HCSS in Höhe von 450 Mio. Euro und bekommt dafür eine neue Tochter, die in das Segment Build & Construct eingegliedert wird. Im Gegenzug steigt der bisherige Eigentümer, Thoma Bravo, bei Nemetschek ein und erhält 28 % am Segment Build & Construct.

Der Bereich Build & Construct der Nemetschek Group und HCSS weist vergleichbare und attraktive Wachstums- und Profitabilitätsprofile auf. 
Das Segment Build & Construct von Nemetschek hat letztes Jahr einen Umsatz von 476 Mio. Euro erzielt und HCSS 215 Mio. USD.
Setzt man den Umsatz ins Verhältnis, entspricht das exakt der Aufteilung des Deals in Höhe von 72 % und 28 %.

Der Deal ist für beide Seiten fair. Für Nemetschek und die neue Tochter ergeben sich dadurch neue Wachstumspfade, Zugang zu neuen Kunden und vieles mehr.

Ausblick und Bewertung

Das Update zum ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wird voraussichtlich am 30. April vorgelegt. Dann werden wir sicher wissen, ob sich die positiven Trends fortgesetzt haben, was jedoch anzunehmen ist.

Im letzten Geschäftsjahr konnte der Umsatz um 23 % auf 1,19 Mrd. Euro gesteigert werden. Nahezu das gesamte Geschäft basiert inzwischen auf wiederkehrenden Einnahmen und ist entsprechend gut planbar.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert, die EBIT-Marge ist von 23,5 % auf 25 % gestiegen.

Der Gewinn kletterte um 25 % auf 217,2 Mio. Euro, respektive von 1,52 auf 1,88 Euro je Aktie.
Der freie Cashflow konnte um 33 % auf 389,5 Mio. Euro gesteigert werden.

Die Nettoverschuldung wurde von 294,6 auf 107,5 Mio. Euro reduziert. Nemetschek war vor der Übernahme von HCSS nahezu schuldenfrei und dürfte sich den Deal daher wohl problemlos leisten können.

Vor dem Zukauf wurde für 2026 ein Umsatzwachstum um 14 – 15 % und ein Anstieg der EBITDA-Marge von 31,2 % auf 32 bis 33 % in Aussicht gestellt.
Dazu passen die Konsensschätzungen, die für 2026 einen Gewinnsprung um 24 % auf 2,32 Euro je Aktie vorsehen.

Nemetschek kommt demnach auf ein KGVe von 28,4. Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV bei über 40. Dasselbe gilt für die letzten Jahre.

Nemetschek Aktie: Chart vom 17.04.2026, Kurs: 66,50 EUR – Kürzel: NEM | Online Broker LYNX
Nemetschek Aktie: Chart vom 17.04.2026, Kurs: 66,50 EUR – Kürzel: NEM | Quelle: TWS

Nemetschek hat deutliche Kursverluste verzeichnet und die Hälfte an Wert verloren. Doch übergeordnet ist das Chartbild weiterhin bullisch, denn der langjährige Aufwärtstrend ist intakt.
Gelingt jetzt ein nachhaltiger Anstieg über 66 Euro, könnte das eine Erholung in Richtung 70 oder 74 Euro einleiten. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal.

Fällt die Aktie hingegen per Wochenschluss unter 57 Euro, muss mit weiteren Verlusten in Richtung 45 Euro gerechnet werden.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

14.04.2026
08:32 Uhr

Nemetschek: Ist hier eine Krise eingepreist, die es nicht gibt? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 13.04.2026 um 21:32 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Seit dem bisherigen Rekordhoch der Nemetschek-Aktie sind wenig mehr als acht Monate vergangen. Seither hat sich der Kurs mehr als halbiert. Auch der Schnitt der Analysten-Kursziele sank deutlich … aber weitaus weniger stark als die Aktie selbst. Das hat Gründe.

Analysten bewerten die aktuelle Datenlage eines Unternehmens, das Umfeld und die Perspektiven auf Basis bekannter Rahmenbedingungen oder als wahrscheinlich anzunehmender Entwicklungen. Beschränkt man sich auf diese Aspekte, ist es sogar ein wenig überraschend, dass das durchschnittliche Kursziel der die Aktie regelmäßig einstufenden Experten in den vergangenen sechs Monaten überhaupt von 120 auf aktuell gut 98 Euro sank, denn:

Nemetschek, ein Entwickler von Bau- und Architektursoftware, meldete im März für das Jahr 2025 erneut Rekordumsätze und -gewinn. Zugleich lag man mit dem Ausblick eines Umsatzanstiegs zwischen 14 und 15 Prozent und einer von 31,2 Prozent im Vorjahr auf 32 bis 33 zulegenden operativen Gewinnmarge leicht über den Erwartungen der Analysten.

Und während der Gewinn pro Aktie damit das fünfte Jahr in Folge stieg und auch dieses Jahr steigen soll, kam die Aktie vom Verlaufshoch bei 138,50 Euro im August 2025 auf das bisherige, gestern erreichte Korrekturtief von 55 Euro zurück. Das wirkt absurd … und ja, zumindest geht es mittlerweile in diese Richtung. Der Grund:

Expertenmeinung: Zwar war die erste Phase der Korrektur faktisch angemessen, weil die Aktie trotz des stetigen Anstiegs des Unternehmensgewinns überbewertet war, einfach, weil der Kurs weit schneller nach oben lief als der Gewinn pro Aktie. Aber mittlerweile ist diese Überbewertung eher eine Unterbewertung, denn auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung der Experten für das laufende Jahr käme man hier auf ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24.

Für Software-Aktien sind KGVs von 30 normal. Und angesichts des im Ausblick des Unternehmens für 2026 avisierten Wachstums des operativen Gewinns um knapp 20 Prozent wäre auch ein KGV von 35 bis 40 drin, sofern keine dunklen Wolken erwarten lassen, dass die Gewinndynamik in Bälde versiegt oder der Gewinn sogar sinkt. Und genau da setzt das Problem an, das die Aktie drückt.

Denn die Aktie fällt gemeinsam mit vielen anderen Software-Titeln weiterhin auf Basis der im Januar aus dem Hut gezauberten „KI-Angst“. Obwohl Nemetschek KI in die eigenen Systeme integriert, wird darauf spekuliert, dass schnellere und einfachere KI-Systeme dazu führen werden, dass Umsatz und Margen bei den „klassischen“ Software-Anbietern in den kommenden Jahren deutlich unter Druck kommen. Diese Karte wird bislang stur weitergespielt … und am Montag kam mit der UBS das erste Bankhaus, das der Nemetschek-Aktie die Einstufung „Verkaufen“ mit Kursziel 56 Euro verpasste und diesen Aspekt der „KI-Verdrängungssorgen“ dabei in die Begründung einarbeitete.

Aber mit diesem Pessimismus steht die UBS bislang noch alleine. Und Nemetscheks 2026er-Ausblick sieht diesen Druck bislang nicht, will heißen: Der Aktienkurs hat eine Krise eingepreist, die noch gar nicht da ist und auch nicht zwingend kommen muss. Und selbst wenn es so käme: Sogar dieses neue, mit Abstand niedrigste Kursziel von allen hatte die Aktie zum Wochenstart im Tagestief bereits erreicht. Ist Nemetschek damit also eine Kaufgelegenheit?

Für einen unmittelbaren Kauf nicht, denn auch wenn die Bewertung mehr als „passt“, die Charttechnik tut es noch nicht. Sie sehen im untenstehenden Chart, dass der Kurs wie an der Schnur gezogen einer vom Rekordhoch ausgehenden Abwärtstrendlinie folgt. An dieser Linie hatte der Kurs Ende März abgedreht, in der vergangenen Woche passierte das erneut. Zumindest über diese bei derzeit 66 Euro mit der 20-Tage-Linie einen Doppel-Widerstand bildende Hürde müsste diese Aktie hinaus, bevor man darüber nachdenken könnte, auch im Fall eines fortbestehenden Gegenwinds durch die „KI-Angst“ mit einem bullischen Chartsignal im Rücken den Einstieg zu wagen.

Nemetschek Aktie: Chart vom 13.04.2026, Kurs 59,60 Euro, Kürzel: NEM | Online Broker LYNX

Wie lange es bis zu einem solchen Befreiungsschlag noch dauert, wie tief die Aktie bis dahin noch fällt – beides ist nicht voraussagbar. Aber dass es lohnen könnte, Nemetschek weit oben in der Watchlist zu haben, dürfte ziemlich unstrittig sein, zumal der Kurs am Montag sein Minus recht deutlich eingrenzen konnte, nachdem die Aktie im Tief im Bereich des markanten September-2023-Tiefs bei 55,52 Euro auf Käufe oder zumindest auf Eindeckungen von Leerverkäufen traf. Ein Indiz, aber noch kein Beleg, dass es hier für die Käuferseite womöglich bald wieder spannend werden könnte.

Quellen:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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