Die meisten Anleger suchen nach den Gewinnern von morgen und übersehen dabei oft die Qualitätsunternehmen von heute. Mensch und Maschine vor Rekordgewinn.
Vom Softwarehändler zum Softwarehaus
Mensch und Maschine war für lange Zeit ein Börsensternchen, doch davon ist wenig übriggeblieben. Mit dem Kurs geht es seit Monaten abwärts, obwohl das Unternehmen wohl vor dem 11. Rekordjahr in Folge stehen dürfte.
Mit rund 75 Standorten in Europa sowie einer Präsenz in Asien und Amerika zählt der Konzern zu den führenden Anbietern von Software- und Digitalisierungslösungen für Industrie, Bauwesen und Infrastruktur.
Das Unternehmen ist in zwei Bereiche gegliedert. Im Segment MuM-Software entwickelt es eigene Lösungen für CAD, CAM, CAE und BIM. Das zweite Standbein umfasst Digitalisierungsprojekte, Beratung, Schulungen und die Implementierung individueller Lösungen. Beide Bereiche tragen etwa gleich viel zum Umsatz bei. Den Löwenanteil des operativen Gewinns erwirtschaftet jedoch die eigene Software.
Die Kundenbasis ist breit diversifiziert. Maschinenbauer, Architekten, Ingenieurbüros, Infrastrukturunternehmen oder Industriekonzerne nutzen die Softwarelösungen von Mensch und Maschine. Gleichzeitig besteht kaum eine Abhängigkeit von einzelnen Kunden. Selbst der größte Kunde steuert weniger als ein Prozent zum Konzernumsatz bei.
Höhere Margen statt höherer Umsätze
Lange Zeit galt die starke Verbindung zu Autodesk als größtes Risiko. Mensch und Maschine verdiente ursprünglich vor allem mit dem Wiederverkauf von Autodesk-Produkten Geld.
Das Management erkannte jedoch früh, dass die langfristige Wertschöpfung in eigener Software liegt. Über Jahre wurde deshalb konsequent investiert und das Geschäftsmodell umgebaut.
Heute stammt weniger als ein Fünftel der konzernweiten Wertschöpfung aus dem Autodesk-Wiederverkauf. Der Konzern ist damit deutlich unabhängiger geworden als viele Marktteilnehmer noch immer annehmen. Statt als Softwarehändler positioniert sich Mensch und Maschine inzwischen als Softwareentwickler mit hoher eigener Wertschöpfung und attraktiven Margen.
Die EBIT-Marge lag zuletzt bei 22 %.
Elf Rekordjahre sind kein Zufall
Dass diese Strategie aufgeht, zeigen die Geschäftszahlen eindrucksvoll. Seit mehr als zehn Jahren wächst das Unternehmen ohne Unterbrechung und hat jedes Jahr einen neuen Rekordgewinn erzielt.
Der Gewinn je Aktie stieg in diesem Zeitraum von 0,40 auf zuletzt 1,91 Euro. Eine derart konstante Entwicklung findet man selbst unter Qualitätsunternehmen nur selten.
Daher avancierte die Aktie zu einem regelrechten Anlegerliebling. Der Kurs ging bis 2021 durch die Decke, das KGV erreichte am Hoch einen Wert von über 50.
Seitdem haben sich die operativen Erfolge fortgesetzt, auch wenn die Kursentwicklung das Gegenteil vermuten lässt.
Über die Gründe dafür lässt sich nur spekulieren, denn operativ zeigt der Trend klar aufwärts. Vermutlich hat die Furcht vor einer Disruption durch KI in den letzten Monaten Druck auf den Kurs ausgeübt.
Ein weiterer Grund dürfte die Charttechnik sein. Sinkende Kurse provozieren sinkende Kurse und üben mentalen Druck auf die Aktionäre aus, die irgendwann aus Frust und Ungeduld die Reißleine ziehen.
Das hat den Absturz verursacht
Hinzu kommt die Umstellung des Geschäftsmodells. Früher hat das Unternehmen Software von Autodesk eingekauft und anschließend an Kunden weiterverkauft, was zwar hohe Umsätze generiert hat, aber wenig Gewinn.
Inzwischen läuft dieses Geschäft überwiegend über ein Provisionsmodell. Die Kunden schließen ihre Verträge direkt mit Autodesk ab, während Mensch und Maschine Vertrieb, Beratung und Betreuung übernimmt und dafür eine Provision erhält.
Dadurch wird ein geringerer Umsatz verbucht, aber ein ebenso hoher Gewinn. An der wirtschaftlichen Substanz des Geschäfts hat sich wenig geändert.
Wer lediglich auf den Umsatz blickt, könnte diese Entwicklung als Schwäche interpretieren. Tatsächlich erhöht sich jedoch der Anteil der eigenen Wertschöpfung kontinuierlich.
Eigene Software wird zum Motor
Dieser Trend hat sich auch im laufenden Geschäftsjahr weiter fortgesetzt. Der Konzernumsatz kletterte im ersten Halbjahr um 8,2 % auf 130,8 Mio. Euro.
Im margenstarken Softwaresegment konnten der Umsatz und der Rohertrag jeweils um 9 % gesteigert werden.
Im Digitalisierungssegment belastete dagegen ein erwartbarer Einmaleffekt aus dem Autodesk-Geschäft den ausgewiesenen Rohertrag. Dieser dürfte sich jedoch bereits ab dem dritten Quartal weitgehend normalisieren.
Besonders interessant ist die Entwicklung der eigenen Wertschöpfung. Lag dieser Anteil 2025 noch bei rund 75 %, stieg er im ersten Halbjahr 2026 auf nahezu 83 %.
Das zeigt, wie sich das Unternehmen konsequent von margenschwachen Handelsumsätzen löst und den Fokus auf eigene Software verlagert.
Zusätzlichen Rückenwind liefert das Kostenmanagement. Die bereits 2025 eingeleitete Personalkonsolidierung zeigt zunehmend Wirkung. Die operativen Kosten konnten im ersten Halbjahr nahezu stabil gehalten werden.
Daher konnte das EBIT trotz der temporären Belastung im Digitalisierungssegment um 5,2 % auf einen neuen Rekordwert von 28,1 Mio. Euro gesteigert werden.
Im Softwaresegment kletterte das operative Ergebnis sogar um 19 % auf 22,2 Mio. Euro. Das Altgeschäft verliert zunehmend an Bedeutung und die hauseigene Software gewinnt an Bedeutung.
Ausblick und Bewertung
Der Nettogewinn erhöhte sich auf 18,2 Mio. Euro beziehungsweise 1,11 Euro je Aktie. Besonders erfreulich entwickelte sich der operative Cashflow, der nach den Sondereffekten der vergangenen Jahre wieder anzog und sich auf 25,5 Millionen Euro nahezu verdoppelte.
Das Management bleibt entsprechend optimistisch. Für 2026 wird unverändert ein Gewinn je Aktie zwischen 2,11 und 2,26 Euro sowie ein EBIT von 54,5 bis 58,5 Millionen Euro erwartet.
Das entspräche einem Gewinnsprung um 10 – 18 % und im Mittel einem KGVe von 16.
Gleichzeitig soll die Dividende auf 2,20 bis 2,40 Euro je Aktie steigen, was einer Dividendenrendite von etwa 6,5 % entsprechen würde.
Noch ambitionierter ist das mittelfristige Ziel: Bis 2030 soll sich das Ergebnis je Aktie gegenüber 2025 mehr als verdoppeln und über 3,80 Euro liegen.

Kann der Abwärtstrend überwunden werden, kommt es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 38 und 40 – 41 Euro.
Über 41 Euro würde sich das Chartbild weiter aufhellen, was Kursgewinne in Richtung 45 Euro ermöglichen könnte.
Fällt die Aktie hingegen unter das bisherige Jahrestief, muss mit Kursverlusten bis 30 oder 27 Euro gerechnet werden.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.07.2026 um 10:56 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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