DocuSign: Der Anfang vom Ende? Wie sollte man sich jetzt verhalten?

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DocuSign hat am vergangenen Freitag eine regelrechte Bauchlandung hingelegt. Einen Kurssturz von 42,22% erlebt man bei Aktien mit einem derartigen Börsenwert nur selten.

Immerhin war der Spezialist für digitale Unterschriften am Donnerstag noch 46,0 Mrd. USD Wert.
Binnen Stunden wurden rund 20 Mrd. USD an Börsenwert vernichtet.

Am Hoch, welches erst kürzlich erreicht wurde, kam DocuSign sogar auf einen Börsenwert von 60 Mrd. USD.

Wie geht es jetzt weiter?

Kurzfristig ist sehr schwer absehbar, wie sich der Kurs weiterentwickeln wird. Sowohl ein Bounce als auch eine Fortsetzung des Abverkaufs sind möglich.

In den seltensten Fällen kommt es nach derartigen Kursstürzen zu einer schnellen V-Umkehr.
Selbst wenn es jetzt zu einer Erholung, beispielsweise bis 155 oder 180 USD kommt, kann es anschließend noch tiefer gehen.
Die Bodenbildung dürfte sich danach noch einige Zeit ziehen.

Für interessierte Investoren, die noch nicht engagiert sind, besteht also kein Grund zur Eile.
Wie man sich verhalten sollte, wenn man leider schon vor dem Kurssturz investiert war, werden wir folgend erörtern.

Ist das nicht übertrieben?

Interessant an der ganzen Geschichte ist allerdings, dass die Zahlen gar nicht so schlecht waren.

Der Gewinn lag in Q3 mit 0,58 je Aktie über den Erwartungen von 0,50 USD. Der Umsatz übertraf mit 545 die Analystenschätzungen 530 Mio. USD ebenfalls.

An dieser Stelle enden die guten Nachrichten allerdings auch schon. Die Umsatzprognose für das vierte Quartal liegt mit 557 – 563 Mio. USD weit unter den Erwartungen von 575 Mio. USD.

Auf Jahressicht wäre das zwar ein ordentliches Wachstum, es zeichnet sich aber eine spürbare Verlangsamung der Dynamik ab.

Darauf deuten auch die Billings hin, also die in Rechnung gestellten Services von DocuSign. Die Billings lagen mit 565,2 Mio. USD weit unter den Erwartungen von 585 Mio. USD.

Der Vorstand drückte es wie folgt aus: „After six quarters of accelerated growth, we saw customers return to more normalized buying patterns, resulting in 28% year-over-year billings growth.“

Was kommt nach Corona?

Die Wachstumsraten sind also stark rückläufig und die „Normalisierung“ in der Geschäftswelt belastet das Geschäft. Dabei ist Corona ja keineswegs vom Tisch. Das hat bei den Anlegern wohl die ernstzunehmende Sorge ausgelöst, was wohl nach der Pandemie kommen wird.

All das hätte aber wohl noch keinen Crash von über 40% ausgelöst. Wie so oft ist es eine ganze Reihe von Faktoren, die dazu beigetragen haben:
Ein enttäuschender Ausblick, Sorgen über die Zeit nach Corona, aber auch ein nervöser Gesamtmarkt und die Fed.

Mit am wichtigsten war aber sicherlich auch die enorme Bewertung von DocuSign. Vor dem Kurssturz lag das KUV immerhin bei 23,5.
Ich hatte es schon oft in Analysen thematisiert: Wenn die Wachstumsraten bei Aktien mit derartigen Bewertungen nur leicht sinken, führt das mitunter zu enormen Crashs.

Darüber hinaus hat DocuSign unter anderen auch noch Microsoft und Adobe im Nacken. Die beiden möchte man nicht als Konkurrent haben.

Daher und aus vielen weiteren Gründen hatte ich auch vor Monaten schon vor DocuSign gewarnt.
Die Gründe, die aus meiner Sicht gegen ein Investment sprechen, finden Sie hier:
DocuSign: Jetzt geht es um alles

Ist das nicht erstaunlich?

An den grundlegenden Problemen hat sich wenig geändert, womöglich realisiert man das an der Börse erst jetzt.
Es wäre nicht das erste Mal.

Solange die Kurse steigen ist die Stimmung eben gut und mögliche Fallstricke werden einfach ignoriert.
Rauschen die Kurse dann in die Tiefe, löst das für sich genommen bereits Zweifel an der Aktie und dem Unternehmen aus.

Erst dann beginnen viele Anleger, sich auch mit den Punkten zu beschäftigen, die gegen eine Aktie sprechen. Und wie Sie dem verlinkten Artikel entnehmen können, wird man schnell fündig, wenn man nur will.

Wenn der Wind erst dreht

Plötzlich sind die Anleger, die bei 300 USD noch überzeugt waren, zutiefst verunsichert.

Und statt Anleitung und hilfreichen Input zu liefern, verstärken all die Banken und Researchhäuser diese Effekte noch.
Auch sie erhöhen ständig die Kursziele, solange eine Aktie läuft. In den zurückliegenden Monaten überschlug man sich regelrecht, es kam zu einem Upgrade nach dem anderen.

RBC hatte das Kursziel beispielsweise erst vor wenigen Wochen von 280 auf 345 USD erhöht.

Jetzt rudern plötzlich alle zurück. Bei der RBS ging es von 345 auf 220 USD.
JP Morgan hat das Kursziel am Freitag von 300 auf 175 USD gesenkt.
Bei der UBS ging es von 350 auf 170 USD und bei der Citigroup von 389 auf 231 USD.

Im Nachhinein bringt das aber auch nichts mehr. Das soll gar keine Kritik sein, zeigt aber, wie wenig Mehrwert all die Ratings haben.
Kursziele und Ratings laufen den Kursen hinterher und nicht umgekehrt.

Chart vom 06.12.2021 Kurs: 135,09 Kürzel: DOCU - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 06.12.2021 Kurs: 135,09 Kürzel: DOCU – Tageskerzen

Dass die technische Lage nach einem Kurssturz dieser Dimension angeschlagen ist, dürfte klar sein.
Die Bullen haben sich am Freitag am letzten Strohhalm gerettet,

Bisher ist der langfristige Aufwärtstrend noch intakt. Wird das Tief von letzter Woche nachhaltig unterschritten, muss mit einer unmittelbaren Fortsetzung des Abverkaufs gerechnet werden.
Das wäre bei Kursen von unter 130 USD der Fall. In diesem Szenario läge das nächste Kursziel bei 118 USD.

Solange die Aktie allerdings nicht unter 130 USD rutscht, besteht zumindest kurzfristig die Chance auf eine Erholung. Die Aktie ist oversold. Mögliche Kursziele liegen bei 136 sowie 150 USD.

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DocuSign steht unmittelbar vor einer Entscheidung. Es geht um alles und jetzt tauchen auch noch Konkurrenz in Form von Microsoft und Adobe auf. Wie sieht die Prognose für die Aktie aus?

Der Erfolg gibt Ihnen recht

DocuSign ermöglicht es Unternehmen in der Cloud Vereinbarungen zu verwalten und Dokumente digital zu signieren.

Das bringt offensichtliche Vorteile mit sich. Man spart sich in vielen Fällen den Postweg und somit auch Zeit.

Die Idee dahinter ist erstaunlich einfach und ebenso lukrativ. Es hat die Unternehmensgründer in kürzester Zeit zu Milliardären und Multimillionären gemacht.

Zeitweise wurde Docusign an der Börse mit 50 Mrd. USD bewertet.

So weit, so gut

Zu den Profiteuren dürften aber auch einige Anleger gehören. Neben dem wirtschaftlichen Erfolg hat sich auch der Aktienkurs sehr erfreulich entwickelt.

Seit dem Börsengang 2018 legte die Aktie von 38 im Hoch auf 280 USD zu.

Der Umsatz kletterte in diesem Zeitraum von 519 Mio. auf 1,45 Mrd. USD. Das Wachstum ist also enorm, konnte mit der Kursentwicklung aber nicht mithalten.

Möglicherweise waren die enormen Kursgewinne der letzten Monate einfach zu viel des Guten.

Bear-Case

Gewisse Zweifel sind jedenfalls naheliegend, wenn ein Umsatzplus von 51% zu einem Kursplus von 300-400% führt.
Dadurch ist das KUV in kürzester Zeit von unter 10 auf 25 gestiegen.  

Das ist selbst bei dem gegebenen Wachstum außerordentlich hoch.

Nun wird manch ein Anleger argumentieren, dass die Bewertungen derzeit nun mal so sind.
Diese These kann man vertreten. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass sich das als Boomerang herausstellt.

Wer zum Beispiel Microsoft zur Jahrtausendwende bei einem KUV von 25 gekauft hat, musste anschließend 15 Jahre warten, bis die Aktie ein neues Hoch markierte.

Wohlgemerkt trotz der außerordentlich guten Geschäftsentwicklung des Windows-Konzerns.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob Docusign wirklich die Qualität von Microsoft hat, oder womöglich nur eine One-Trick-Pony ist.

Es naht

Ein weiteres Problem ist, dass es sehr fraglich ist, ob DocuSign in dieser Geschwindigkeit weiterwachsen kann, oder das Tempo zunehmend nachlassen wird.

Das sind aus meiner Sicht die Hauptgründe:
Die positiven Effekte durch Corona laufen aus und ganz gewöhnliche Unterschriften mit Blatt und Papier werden wieder zunehmen.

Wenn Angestellte wieder hauptsächlich im Office statt Zuhause arbeiten, ist diese Option plötzlich wieder schneller und günstiger.

Microsoft und Adobe als Konkurrenz

Darüber hinaus bieten Microsoft, Adobe und andere inzwischen ebenfalls digitale Unterschriften an.

Und wenn uns die Vergangenheit eine Sache gelehrt hat, dann dass Microsoft dazu in der Lage ist, erfolgreiche Services zu kopieren und die Erfinder oder bisherigen Marktführer zu verdrängen.

Microsoft macht seit Jahrzehnten nichts anderes.

Ich hatte es hier ausführlich beschrieben:
Microsoft: Der größte Aktienrückkauf der Geschichte?

Copycat > Innovator

Eine Sache unterscheidet Microsoft von nahezu allen anderen Software-Unternehmen: Enorme Anpassungsfähigkeit.

Es ist der eigentliche Kern von Microsoft, die Geschichte des Unternehmens basiert auf Anpassungsfähigkeit. Neue Produkte und Trends werden umgehend erkannt und im Zweifelsfall kopiert.

Im Jahr 1980 versprachen Bill Gates und Paul Allen IBM ein Betriebssystem, ohne auch nur eine Code-Zeile parat zu haben. Die beiden kauften kurzerhand für 50.000 USD die Rechte am „Quick and Dirty Operating System“. Es war die Basis für DOS. Es folgte Windows, der Rest ist Geschichte.

Es ist aber keineswegs das einzige Beispiel. Gates sah ein Gerät, welches erste Züge einer heutigen Computer-Maus hatte. Wenig später hatte Microsoft ein eigenes Produkt.

In ähnlicher weise lief es bei Office, dem Internet Explorer, der Cloud und unzähligen anderen Fällen. Man kopiert Erfolgsmodelle.

Mohnish Pabrai hat es wie folgt ausgedrückt: “They have looked for customer validation of someone else’s innovation before embarking on their own. It is a very powerful strategy.”

Sieht Microsoft also, dass eine Innovation der Konkurrenz Anklang findet, springt man umgehend auf den Zug auf. Es ist vielleicht nicht die feine englische Art und auch nicht heldenhaft, dafür aber eine sehr kluge Strategie.

Helden sterben und Innovatoren gehen am laufenden Band unter, doch Microsoft prosperiert.

Einfacher

Heute ist die Marktmacht von Microsoft größer als jemals zuvor und die Möglichkeiten zum Cross-Selling sind gigantisch.
Adobe als Konkurrenten wünscht man sich ebenso wenig.

Für Unternehmen, die Microsoft oder Adobe nutzen (also alle), stellt sich eine einfache Frage:
Warum nicht dort digital unterschreiben, statt sich noch einen Anbieter ins Haus zu holen.

Da ist noch mehr

Neben diesen „Soft-Facts“ findet man aber auch in den Zahlen gewisse Kritikpunkte. Das Wachstum ist hoch.
Die Bruttomarge stagniert allerdings und der operative Verlust hat sich trotz eines Umsatzplus von 51% auch kaum verbessert.

Bei Einnahmen von 1,45 Mrd. USD muss man sich fragen, wann das Unternehmen endlich profitabel werden will.

Als Lichtblick erscheint der freie Cashflow von 214 Mio. USD.
Der ist aber schon aus einem Grund ziemlich theoretischer Natur: DocuSign hat für 286 Mio. USD Aktienpakete an Mitarbeiter verteilt, die in der Berechnung des FCF nicht auftauchen.

Wir brauchen Geld

Unter dem Strich bedeutet das, dass man mehr Geld ausgibt als einnimmt.

Daher benötigt man auch ständig neues Kapital. Neben den gewöhnlichen Kapitalerhöhungen hat man sich kürzlich auch noch 690 Mio. USD über eine Wandelanleihe besorgt.
Hinzu kommen hunderte Millionen USD an Schulden, die man angehäuft hat.

Muss das Docusign zum Fall bringen? Keineswegs.

Aber würde ich in Angesicht der enormen Bewertung Geld auf Docusign und damit gegen Microsoft und Adobe wetten?

Eher nicht. Dazu bin ich nicht mutig genug und wie wir gesehen haben, gehen die meisten Helden an der Börse unter.

Chart

Die Bullen stehen jedenfalls unter Zugzwang. Es droht eine langfristige Top-Bildung. Docusign kommt bereits seit Mitte vergangenen Jahres auf der Oberseite nicht mehr weiter.

Fällt die Aktie nachhaltig unter 190 USD, kommt es zu einem prozyklischen Verkaufssignal mit einem Kursziel bei 150 USD.

Wer hingegen von Docusign überzeugt ist, für den ist die Stunde gekommen. In den letzten Monaten hat die Aktie mehrfach auf diesem Niveau gedreht.
Eine Entscheidung steht an.

Chart vom 26.03.2021 Kurs: 200,29 Kürzel: DOCU - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 26.03.2021 Kurs: 200,29 Kürzel: DOCU – Tageskerzen

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Das US-amerikanische Softwareunternehmen DocuSign ist einer der ganz großen Profiteure der aktuellen Krise, denn viele Unternehmen mussten in den letzten Monaten die gewohnten Wege und Strukturen verändern. Während Geschäftsreisen bislang gang und gäbe waren, werden Konferenzen mittlerweile über Online-Meetings abgehalten. Verträge müssen nicht mehr vor Ort, sondern können via digitaler Signatur unterschrieben werden. Gerade hier setzt das Unternehmen mit seinen Ideen und Produkten an. So wundert es auch kaum, dass sich der Kurs der Aktie seit März dieses Jahres mehr als vervierfachen konnte – was für eine Performance. Die zuletzt Anfang September veröffentlichten Quartalsergebnisse sorgten ebenfalls für einen Sturm der Begeisterung. Doch die Korrektur an der Nasdaq hat zwischenzeitlich auch DocuSign wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Diese scheint mittlerweile jedoch beendet zu sein.

Expertenmeinung: Mit dem Sprung der Aktie über das Niveau von 220 USD konnte ein neues technisches Kaufsignal ausgelöst werden. Auch die Rückeroberung der gleitenden Durchschnitte der Perioden 20 und 50 war ein überaus positives Zeichen. Es scheint fast so, als ob sich der Titel im Frühstadium einer Rallye Richtung Norden befindet. Alles oberhalb der Marke von 220 USD bleibt vorerst bullisch. Die Bullen dürften wohl das bisherige Allzeithoch der Aktie im Visier zu haben. Wir sehen der weiteren Entwicklung von DocuSign positiv entgegen.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 05.10.2020 Kurs: 225.92 Kürzel: DOCU | Online Broker LYNX