Silberpreis Prognose 2019

Silberpreis Zukunft 2019: Kursziel 21 US-Dollar … und darüber hinaus?

Gold rückte im bisherigen Verlauf des Jahres 2019 mit starken Gewinnen in den Fokus der Investoren. Silber, das „Stiefkind“ des Goldes, stand dabei zunächst im Schatten, vor allem, als sich Gold im Frühjahr seitwärts bewegte, Silber aber den Großteil der zwischen November 2018 und Februar 2019 erreichten Kursgewinne wieder abgab. Doch Ende Mai änderte sich alles. Silber zog gemeinsam mit Gold rasant an und schaffte bis Anfang September in der Spitze über 35 Prozent Kursanstieg. Ist das Potenzial damit erst einmal ausgereizt? Das denken nicht wenige … aber es könnte anders kommen.

Silberpreis Prognose aktuell

Wir sehen uns das „Gold des kleinen Mannes“ einmal genauer an und loten aus, unter welchen Umständen das bullische Szenario weitergehen würde und ebenso, was passieren müsste, damit Silber zu einer tadellosen Chance für Short-Gewinne wird.

Woran orientiert sich der Silber-Kurs?

Der Silberpreis wird am freien Markt gebildet. Die Angebots-/Nachfrage-Situation nach tatsächlichem Silber spielt dabei natürlich eine Rolle, aber oft sind die spekulativen, kurzfristigen Aktivitäten der Trader das deutlich wichtigere Element der Kursbildung.

Ob Silber weiter aufwärts tendiert, wird daher vor allem davon abhängen, ob die kurzfristigen Trader genug Chancen sehen, um nachhaltig und mit großem Volumen auf der Long-Seite aktiv zu werden. Gold ist dafür zwar der wichtigste Vorlagengeber, aber auch dort ist es vor allem die Spekulation, die die Richtung vorgibt. Und die wird dann auf Hausse setzen, wenn die zuletzt unübersehbaren Umschichtungen vieler Investoren in Richtung sicherer Häfen, wozu man neben defensiven Aktien und Anleihen vor allem die Edelmetalle Gold und Silber zählt, weitergehen.

Silber-Hausse Teil 2: Die Voraussetzungen

Die Chance dafür, dass die per Ende September in eine Korrekturphase übergegangene Edelmetall-Hausse einen zweiten, massiven Impuls erlebt, wäre dann groß, wenn sich die derzeit erneut verharmlosten Risiken für die Weltwirtschaft wieder in den Vordergrund drängen und/oder sich als tatsächliche, negative Fakten etablieren, konkret:

  • Erneuter Abbruch der Handelsgespräche zwischen den USA und China
  • Keine Einigung in letzter Minute mit Großbritannien, sondern ein „harter“ BrExit
  • Weiterhin negative Konjunkturdaten in Europa, den USA und China, die die Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Rezession erhöhen

Das hätte folgende Konsequenzen: Der Konsum lässt nach, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft, die Unternehmensgewinne brechen weg. Dann hätten wir ein Umfeld, in dem die Marktteilnehmer am Aktienmarkt wieder intensiver Angst um ihr Geld bekommen und nach „sicheren Häfen“ suchen. Und immer, wenn es um den Gedanken der Sicherheit geht, stehen Edelmetalle in der ersten Reihe.

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Exkurs: Warum soll Silber ein „sicherer Hafen“ sein?

Ein kurzer Gedanke zu der Frage, wieso Edelmetalle eigentlich „sichere Häfen“ sein sollen. Dass Gold und Silber in Phasen zunehmender Verunsicherung vermehrt gekauft werden, ist nicht zwingend logisch begründbar. Schließlich gälte für die Preisbildung hier genauso wie für alles, das an der Börse gehandelt wird, das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Würde auf einmal kein Interesse mehr für Silber vorhanden sein, könnte der Kurs ins Bodenlose fallen und die scheinbare Beständigkeit löst sich in Luft auf. Das ist richtig, aber:

Hier geht es um subjektive Aspekte. Natürlich ist Silber ein relativ seltenes Element. Aber das sind andere auch, ohne, dass sie dieses Attribut der Sicherheit tragen würden. Es liegt einfach daran, dass die Menschen Silber seit Jahrtausenden als wertvoll erachten, dass Silber und „Geld“ früher begrifflich eng verwoben waren, weil Silber ein Zahlungsmittel war. Das verbinden viele mit dem Gedanken, dass „früher“ solche Gefahren wie große Rezessionen, platzende Blasen und der Verlust des letztlich nur an ein Versprechen von Regierungen gebundenen Geldwerts nicht existierten. Was ganz und gar nicht stimmt, aber wie gesagt: Das Empfinden, dass Silber ebenso wie Gold ein „sicherer Hafen“ sei, ist emotional geprägt und damit subjektiv.

Aber zurück zu der Frage, ob Silber in den kommenden Wochen und Monaten einen erneuten Aufwärtsimpuls sehen wird oder nicht. Wir wagen eine Silberpreis Porgnose:

Bleiben Sie flexibel – vorgefasste Meinungen sind Gift für die Gewinne

Angenommen, die oben erwähnten Voraussetzungen für eine erneute Flucht aus dem Aktienmarkt lägen vor: Kann man dann fest davon ausgehen, dass es zu der Silber-Hausse Teil 2 kommt?

Nein, denn „sicher“ ist, was die Zukunft angeht, nun einmal gar nichts. Daher ist es absolut zwingend, sich nicht stur vorab auf ein Szenario festzulegen. Denn dann läuft ein Anleger Gefahr, eine sich auftuende Chance, die in die Gegenrichtung der eigenen Erwartung entsteht, nicht wahrzunehmen oder, schlimmer noch, eisern auf der falschen Seite des Trends zu bleiben und Verluste zu erleiden, wo Gewinne hätten entstehen können bzw. müssen.

Diese Flexibilität, die Offenheit gegenüber dem Unerwarteten, ist bei Silber noch wichtiger als bei Gold, denn der Silberpreis zeigt sich deutlich volatiler, wie der nachfolgende, langfristige Chartvergleich deutlich macht:

In starken Aufwärtstrends am Edelmetall-Markt steigt Silber meist stärker, in Baissen fällt es weiter als Gold. Und bisweilen zeigt der Silberpreis auch eine Zeitlang ein von Gold abgekoppeltes Eigenleben. Flexibilität ist hier also unbedingt ratsam. Was heißt:

Am besten fährt, wer im Kopf flexibel bleibt und Gelegenheiten nutzt, statt stur nach einer vorgefassten Meinung eine Position zu halten. An der Börse gilt ohnehin der Leitspruch: „Alles kann, nichts muss“.

Und das gilt für die Frage, ob Silber steigen muss, wenn am Aktienmarkt die Hoffnungen platzen, ebenso. Allerdings gälte das auch für die Frage, ob Silber nicht womöglich zulegen kann, obwohl der Aktienmarkt weiter zulegt. Möglich ist das allemal, wenngleich es nicht unbedingt ein typisches Szenario wäre. Aber wie geht man damit um, dass man heute nicht sicher voraussagen kann, was in drei, sechs oder zwölf Monaten sein wird?

Indem man den Kursen folgt und nicht den Meinungen. Wer klare Signale der Charttechnik zu identifizieren versteht, ist grundsätzlich in der richtigen Richtung dabei. Daher klopfen wir Silber gleich nach den Aspekten der Charttechnik ab. Vorab ein anderer Aspekt, der deutlich macht, wie tückisch Meinungen sein können:

Silberpreis-Entwicklung: Auch die Experten haben keine Glaskugel

Der folgende Chart liefert ein weiteres Argument, warum es nicht sinnvoll ist, sich im Vorfeld auf ein Szenario des Silberpreises festzulegen. Die Grafik zeigt Silber über zehn Jahre zusammen mit dem Anteil bullisch eingestellter Experten. Sie sehen, dass es hier einen Gleichlauf gibt: Steigt der Silberpreis, steigt der Anteil der Bullen unter den Experten. Nur, was bringt Ihnen das? Die Experten werden nicht Wochen oder Monate vorher bullisch, sondern deren Stimmung bewegt sich mit dem Kurs mit.

Wenn selbst die ausgewiesenen Experten nicht imstande sind, die Bewegungen des Edelmetalls vorauszusagen, warum sollte man das als Anleger überhaupt versuchen! Achten Sie auf die Signale, die Ihnen die chart- und markttechnische Analyse liefern. Vorher noch ein Aspekt, den man immer im Hinterkopf behalten sollte: der Währungsfaktor.

Der Währungsaspekt ist nicht zu unterschätzen!

Silber wird wie alle Rohstoffe in US-Dollar gerechnet. Der Kurs einer Feinunze Silber in US-Dollar ist das Maß der Dinge. Was die Feinunze in Euro kostet, ist damit davon abhängig, wie der Euro/US-Dollar-Kurs aktuell steht. Und damit ist es für uns als europäische Anleger nicht alleine wichtig, wie sich der Silberpreis selbst bewegt, sondern auch, ob der US-Dollar zum Euro an Wert verliert, was bei Long-Trades auf Silber negativ wäre … oder aber, ob der US-Dollar zum Euro teurer, wertvoller wird. Ist Letzteres der Fall, gäbe es diesen Währungsgewinn noch als Zubrot. Unsere folgende Grafik zeigt, wie viel das ausmachen kann:

Über die letzten Jahre hat der Euro tendenziell nachgegeben, d.h. der US-Dollar wurde aus Sicht europäischer Investoren mehr wert. Besonders 2014/2015 ging es mit dem US-Dollar aufwärts (der Euro/US-Dollar-Kurs fiel). Das sorgte für einen großen Vorsprung bei denjenigen europäischen Anlegern, die bereits damals bei Silber Long investiert waren. Über die vergangenen zehn Jahre hat Silber in US-Dollar kaum an Wert gewonnen, in Euro aber knapp 40 Prozent Gewinn gebracht!

Es ist daher ratsam, bei Silber Long-Trades vorzugsweise dann mitzuziehen, wenn Euro/ US-Dollar abwärts tendiert, was hieße, der US-Dollar legt an Wert zu. Anders bei Silber Short-Positionen: Da bietet ein schwacher US-Dollar zusätzlichen Rückenwind, denn dann verlieren der Silberkurs in US-Dollar und der US-Dollar selbst zum Euro auch noch!

Die Charttechnik zeigt für die Silberpreis-Prognose: Die Bullen hätten jetzt ihre Chance

Sehen wir uns jetzt an, was außerhalb des emotionalen Elements, das die Kurse bewegt, per Ende September an charttechnischen Fakten greifbar ist. Wie stehen die Chancen für die Silber-Bullen in einer Prognose?

Der vorstehende Chart zeigt das Edelmetall auf längerfristiger Ebene über vier Jahre auf Wochenbasis. Hier sieht man gut, dass der Kurs ab Sommer 2018 ein großes Doppeltief ausgebildet hatte, dessen Nackenlinie, das Zwischenhoch vom Februar, im August überwunden wurde. Das war der Treibsatz zu der jüngsten Silber-Rallye, verbunden mit dem Umstand, dass mit der Nackenlinie auch eine genau dort verlaufende, wichtige Durchschnittslinie überboten wurde: der EMA (Exponential Moving Average) 200 auf Wochenbasis, sprich die 1.000-Tage-Linie. An dieser Linie war Silber im Sommer 2016 nicht recht vorbeigekommen. Diesmal gelang es, angetrieben durch das lukrative Kursziel, das sich aus diesem Doppeltief ergab.

Um das Kursziel einer Trendwendeformation rein rechnerisch zu ermitteln, wie es das Lehrbuch vorgibt, muss man die Differenz des tiefsten Punkts der Formation zum nächsten Punkt von dort aus abtragen, wo die Formation vollendet wurde. Daraus ergab sich in diesem Fall ein Kursziel von 19,76 US-Dollar (im Chart violett dargestellt). Dieses Kursziel wurde Anfang September bis auf zehn Cent erreicht und kann damit als abgearbeitet gelten. War es das also für die Bullen? Keineswegs, vielmehr bietet dieses Bild der jetzt laufenden Korrektur gerade wegen dieses Doppeltiefs eine sehr gute Chance für einen erneuten Rallye-Impuls, denn:

Wir haben bereits eine kräftige Korrektur der Aufwärtsbewegung gesehen. Wer kurzfristige Gewinne mitnehmen wollte, hat das also bereits getan. Wer jetzt noch Long ist, würde wohl erst aussteigen und ggf. auf die Short-Seite wechseln, wenn sich die Hoffnungen derer, die zuletzt kurzfristig wieder in Richtung Aktienmarkt umschichteten, erfüllen, indem echte, greifbar positive Fakten auf den Tisch kommen. Werden die Hoffnungen aber enttäuscht, wäre das eine gute Basis, um mit dem nächsten Aufwärtsimpuls das übergeordnete charttechnische Kursziel, das 2016er-Jahreshoch bei 21,14 US-Dollar, anzugehen. Vorteil der Bullen: Der vormalige Kreuzwiderstand in Form der Nackenlinie des Doppeltiefs und der 200-Wochen-Linie bei 16,82/16,90 US-Dollar dient jetzt als Unterstützung.

Wie ließe sich Silber am besten traden?

Betrachtet man sich im folgenden Chart den Kursverlauf auf Tagesbasis, so stellt man fest, dass man da mit klassischen Trendlinien oder Widerstands- und Unterstützungslinien nicht allzu weit kommt. Mit diesen typischen charttechnischen Instrumenten lässt sich Silber auf mittelfristiger Ebene gut, auf kurzfristiger Ebene aber deutlich weniger gut greifen. Die Lösung?

Da ließe sich ein Blick auf die schon im Wochenchart mit „eingebauten“ gleitenden Durchschnitte werfen. Sie glätten Trends und sind oft ebenso „Trigger“ für Käufe und Verkäufe von Tradern wie klassische Wendepunkte im Kursverlauf. Hier ein allgemeines Beispiel im Chart, wie sich z.B. Überkreuzungen (Crossover) für Long- und Short-Trades nutzen ließen. Da lohnt sich das Ausprobieren, wichtig ist, dass man als Trader eine Vorgehensweise erarbeitet, die dem eigenen Trading-Stil entspricht.

Die Trailing Stop-Order: Gewinne sichern, Verluste begrenzen.

Die Trailing-Stop Verkaufsorder ist eine abgewandelte Stop-Order. Hierbei wird der Stop-Preis in einem festgelegten Folgeabstand (Trailing-Wert) an den Kurs gekoppelt. Wenn dieser Wert steigt und somit der Abstand größer als der Trailing-Wert ist, wird der Stop-Preis nach oben angepasst.

Silber-Aktien: Für erfahrene Trader hochinteressant!

Ebenso wie bei Gold und anderen Edelmetallen sind Aktien der Unternehmen, die das Edelmetall fördern und/oder weiterverarbeiten eine hochinteressante Investment-Idee für risikofreudige Anleger. Risikofreudig und erfahren sollte man da aber schon sein, denn diese Aktien sind oft noch volatiler als der Silberpreis selbst. Der Grund:

Hier schlagen auch kleinere Veränderungen im Preis pro Feinunze stark auf die Gewinne durch, weil man da die Förderkosten abziehen muss. Angenommen, eine Silbermine hätte Förderkosten von 12 US-Dollar pro Feinunze, würde ein Kursanstieg des Silbers von 15 auf 18 US-Dollar die Gewinnspanne glatt verdoppeln, während dieser Anstieg im Silberkurs selbst nur 20 Prozent ausmacht.

Interessante Silber-Aktien und weitere Informationen zum Thema finden Sie in diesem Artikel: „Die besten Silber-Aktien 2019“.

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Fazit: „Augen auf“ schlägt jede langfristige Silberpreis-Prognose

Silber ist nach Jahren eines trüben Daseins als Mauerblümchen wieder im Rampenlicht angekommen. Ob dieses Comeback bald dazu führen wird, dass der Kurs das mittelfristige potenzielle Ziel von 21 US-Dollar erreicht, womöglich sogar überbietet?

Das hängt von einer Kette für sich genommen schon nicht sicher vorhersagbaren Faktoren ab. Wird sich die Gesamtsituation der Weltwirtschaft weiter zuspitzen oder gelingt es, die derzeitigen Risiken in den kommenden Monaten zu bannen? Und selbst wenn es hinsichtlich des Wachstums kritischer wird, ist nicht vorhersagbar, ob und wann genau die momentan wieder so zuversichtlich und gelassen wirkenden Akteure am Aktienmarkt die Nerven verlieren und der Run auf die Edelmetalle wieder einsetzt.

Dem Kurspotenzial wäre, wenn Emotionen, Charttechnik und Rahmenbedingungen einheitlich in eine Richtung weisen, weder nach oben noch nach unten Grenzen gesetzt, das hat der Silberpreis in den vergangenen Jahren bewiesen. Wir raten daher dazu, das Geschehen immer mit einem Auge zu verfolgen, um konsequent anhand charttechnischer Signale Chancen zu nutzen, von denen Silber in den kommenden Monaten womöglich gleich mehrere bieten wird!

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Ronald Gehrt

Ronald Gehrt

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnnist in zahlreichen Funktionen aktiv, aktuell ist er u.a. Chefanalyst des Börsendienstes Stock Selection Europe bei Finanzen100. Dabei versteht sich Gehrt als Allrounder, der in der fundamentalen, volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie im Bereich der verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse.
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