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Dow Jones Industrial Average Index: Historische Analysen der letzten 6 Monate

Index-Portrait und Kursentwicklung: Dow Jones Index
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Analysis

Wenn man nach Aspekten sucht, die derzeit beim US-Index-Flaggschiff Dow Jones zu Gunsten der Bullen sprechen, fällt die Liste überschaubar aus: auf ihr steht momentan nichts. Nicht einmal der Umstand, dass der Dow Jones zuletzt seine alte Rekordmarke vom Januar überwunden hat. Denn nicht nur, dass er jetzt wieder darunter notiert. Die Art und Weise, wie er sich wieder unter das Januar-Hoch begeben hat, ist außergewöhnlich bärisch.

Wenn der Anstieg über eine Rekordmarke zeitnah zurückgenommen wird, statt zu Anschlusskäufen zu führen, ist das schon nicht gerade gut. Aber bei einem die Gewinne der US-Exporteure ausbremsenden, steigenden US-Dollar, markant gestiegenen Ölpreisen und den immer näher rückenden, völlig offenen Zwischenwahlen (6. November), deren Ausgang massive Bedeutung für die wirtschaftlichen Perspektiven hat, kann man schon auf den Gedanken kommen, dass das bullische Lager jetzt sein Pulver wirklich verschossen hat.

Und die Bären hätten zudem zwei gewichtige Argumente im Chart auf Candlestick-Basis auf ihrer Seite:

Expertenmeinung: Zwei potenzielle Trendwendeformationen in Form von „Evening Stars“ (Abendsternen) in weniger als drei Wochen, beide oberhalb des alten Rekordhochs entstanden, das ist schon ein Wort. Diese Kombination aus einer grünen Kerze, einem isoliert über der Kerze stehenden Doji und einer unmittelbar folgenden roten Kerze indiziert einen Wechsel in der Dominanz, hin zu den Verkäufern.

Nicht gut, wenn das ausgerechnet dann passiert, wenn die Bullen eigentlich mit Anschlusskäufen rechnen. Der erste Abendstern tauchte Ende September auf. Und er war insofern „gültig“, als diesem Abendstern unmittelbar eine weitere rote Kerze folgte und die Formation dadurch bestätigte. Der Index bröckelte folgerichtig auch ab. Aber mit dem neuen Quartal wurde erst einmal massiv gekauft.

Der Dow Jones startete fulminant in das vierte Quartal und schloss bereits am Dienstag über diesem ersten Abendstern. Das sah gut aus – aber nicht lange. Denn der Mittwoch brachte zwar ein neues Verlaufshoch … aber auch wieder einen Doji. Gefolgt von einer roten Kerze.

Der zweite Abendstern war entstanden. Knapp über dem ersten, und wiederum, am Freitag, durch eine rote Kerze bestätigt. Dass die Bullen am Donnerstag ebenso wie am Freitag versuchten, die Verluste aufzukaufen, wirkt da wie eine Verzweiflungstat. Denn sollten diese Käufe nicht fruchten, würden die da gekauften Aktien gleich mit auf den Markt geworden und den Druck nur erhöhen.

Dass der Index dabei in beiden Fällen am oberen Ende seines Ende Juni etablierten Aufwärtstrendkanals nach unten abdrehte und mittlerweile auch der Trendfolgeindikator MACD auf Verkauf gedreht hat, tut ein Übriges, um deutlich zu machen, dass sich die Bullen jetzt gewaltig strecken müssen, um einen für sie äußerst unangenehmen Herbst noch zu verhindern.

Chart vom 05.10.2018, Kurs 26.447,05 Punkte, Kürzel INDU

Noch ist das dritte Quartal nicht vorüber, aber bislang stehen seit Ende Juni fast zehn Prozent Anstieg zu buche. Auch, wenn das US-Index-Flaggschiff Dow Jones dabei nicht gerade durch Stetigkeit auffällt, die Bewegungen weniger zielgerichtet wirken als in der Super-Hausse, die im Januar zu Ende ging: Genau dorthin, an den Endpunkt dieser Hausse, steuert der Index gerade.

Gut 200 Punkte fehlen noch, weniger als ein Prozent. Und natürlich wird der Dow Jones diese letzte Hürde bravurös überwinden. Jedenfalls darf man unterstellen, dass die Bullen das voraussetzen. Aber es ist wohl kaum vorgekommen, dass die Mehrheit der Akteure knapp vor einer wichtigen Hürde und im Zuge eines Aufwärtsimpulses davon ausgehen wäre, dass der Kurs an diesem Widerstand scheitert. Wäre es so, wäre er nie in die Nähe der Hürde gekommen. Aber forscht man nach den Argumenten, die für einen Break über das Hoch bei 26.616 Punkten sprächen, kommt man bei einem „T“ heraus. Und das ist ein Problem.

Wobei: Trump ist nicht gemeint. Sicherlich ist auch „T wie Trump“ für manche Akteure ein Grund zu kaufen. Aber die Mehrheit dürfte sich im Klaren darüber sein, welche Risiken da derzeit bei Fiskalpolitik und internationalem Handel eingegangen werden. Und die meisten dürften wissen, dass die USA am Ende keineswegs als Gewinner dastehen müssen. Bedenkt man, dass eine solche Unsicherheit die Investoren normalerweise bremst, wirkt diese Hausse hanebüchen. Aber im Augenblick dürfte es eben auch ein anderes „T“ sein, um das es geht:

Expertenmeinung: „T wie Terminbörse“ dürfte die Triebfeder dieser Tage sein. Immer wieder haben wir erlebt, dass die Abrechnung der Optionen auf Aktien und Indizes, wie sie morgen ansteht, die Kurse an einen Extrempunkt in Relation zur Handelsspanne seit der letzten Abrechnung getrieben haben. Und ideal ist es für die sogenannten „Stillhalter“, die großen Adressen, die als Verkäufer von Call- und Put-Optionen an „normale“ Anleger auftreten, wenn die Abrechnung an einem Punkt stattfindet, mit dem das Gros der Anleger nicht gerechnet hat. Denn dann verfallen ihre Optionen zur Freude der Stillhalter wertlos, diese müssen also keine Gewinne auszahlen und kassieren die „Prämie“, den beim Verkauf eingenommenen Preis, als Reingewinn.

Und wer hätte vor einigen Wochen in diesem Umfeld, dem man neben Haushaltsloch und Handelskrieg noch die Russland-Affäre und das offene Ergebnis der in sechseinhalb Wochen anstehenden US-Zwischenwahlen hinzufügen kann, mit einem Dow Jones am Allzeithoch gerechnet? Der Haken dabei ist: Dass man sich da in einer Flughöhe befindet, in der die Luft dünn ist, wissen auch diejenigen, die dafür sorgen, dass diese Optionsabrechnung so grandiose Gewinne bringt, dass die für das Erreichen der Rekordzone nötigen Käufe sich rechnen. Und ab Montag ist das Thema Options-Abrechnung vom Tisch.

In den ersten Tagen der kommenden Woche kann es noch zu „Nachwehen“ dieser Rallye durch Eindeckungen nicht ausreichend unterlegter Short Call-Positionen kommen (sofern die Rallye bis Freitag auch durchgehalten wird). Aber wie die kommende Woche nach diesem Höhenflug in einem Umfeld wie diesem enden wird, ist eine ganz andere Sache. Ein abrupter Richtungswechsel relativ bald nach einem solchen Abrechnungstermin wäre ebenso wenig selten wie diese „T wie Terminbörse“-Hausse in seinem Vorfeld!

Chart vom 19.09.2018, Kurs 26.405,76 Punkte, Kürzel INDU

Wo liegt die Grenze zwischen Entschlossenheit, Mut, Risikobereitschaft und bodenlosem Leichtsinn? Was die Hausse der US-Indizes angeht, ist das eine Frage, die sich die Anleger dort derzeit täglich stellen müssten. Dass sie es offenbar nicht tun, deutet an, dass sie die Grenze bereits überschritten haben. Was bedeuten würde, dass es nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis sich die Falltür auftut, die Bullen verschlingt und die Aktien schlagartig ins Bodenlose fallen, dorthin, wo sie, würde Vorsicht das Handeln dominieren, ohnehin notieren würden. Trotzdem haben die Bären derzeit nicht einmal Grund zur Vorfreude, denn:

Leichtsinn dominiert hier schon seit Mr. Trumps Wahlsieg und damit seit 22 Monaten. Da gab es zwar Anfang des Jahres einen kurzen Riss im Gefüge einer stets positiv interpretierten Gemengelage. Aber dass es gelang, den eilig wieder zu kitten, bestärkt die meisten Investoren am US-Markt in ihrer Überzeugung, dass die großen US-Indizes nichts umwerfen kann. Wenn schon so viele potenziell bärische Aspekte einfach ignoriert wurden, was soll da noch passieren? Und das ist in der Tat ein Punkt, der dagegen spricht, sich auf Verdacht schon einmal Short zu positionieren. Niemand kann vorhersagen, was es sein wird, das diese Falltür aufstößt, noch wann es passiert und bis wohin der Dow Jones dann gestiegen ist. Short zu gehen hat sich schon so oft als fatale Idee erwiesen, dass es die meisten Trader gar nicht mehr erwägen. Was wiederum bedeutet, dass die Bullen eigentlich freie Bahn haben, von ein paar Gewinnmitnahmen abgesehen, die sich aber bislang problemlos wegkaufen lassen.

Der S&P 500 und der Nasdaq 100 haben es vorgemacht, dementsprechend guter Dinge ist man, dass das Flaggschiff Dow Jones nachzieht. 26.616,71 Punkte, markiert am 26. Januar 2018, das ist die letzte Hürde, die es zu überwinden gilt. In zwei Wochen wäre dieses bisherige Rekordhoch innerhalb des derzeitigen, Ende Juni etablierten Aufwärtstrendkanals erreichbar. Am Mittwoch fehlten am Tageshoch noch 450 Punkte, keine zwei Prozent, bevor der Index Richtung Wochenschluss ein bisschen die Flügel hängen ließ. Dass sich die erdrückende Mehrheit keine Sorgen zu machen scheint, dass das womöglich ein Warnsignal sein könnte, nicht zuletzt aufgrund eines in der überkauften Zone nach unten eindrehenden Stochastik-Oszillators, ist für sich genommen schon ein Warnsignal. Aber kein Verkaufssignal.

Der Ärger, den sich die USA mit dem Rest der Welt einhandeln, wird auf die leichte Schulter genommen, weil die US-Akteure fest damit rechnen, dass sie am Ende als Sieger dastehen werden. Dass muss keineswegs so kommen. Darüber hinaus geht man davon aus, dass die morgen in neun Wochen anstehenden Zwischenwahlen die Republikaner als Sieger sehen und Trump danach weitermachen kann wie bisher. Auch das muss keineswegs so kommen. Aber solange diesen festen Überzeugungen keine negativen Fakten gegenüberstehen, kann der Leichtsinn weitergehen – und damit auch der Aufwärtstrend des Dow Jones. Und ihn über diese letzte charttechnische Hürde von 26.616,71 Punkten tragen. Aber wer sich daran erinnert, dass es immer brenzlig wird, wenn zu viele sicher sind, dass nichts anbrennen kann, erinnert sich dieser Falltür und agiert hier nicht ohne Netz und doppelten Boden. Die Hochs vom März und Juni sowie die untere Begrenzung des Juni-Trendkanals bilden zwischen 25.350 und 25.450 Punkten eine wichtige Unterstützungszone. Knapp darunter muss ein Stop Loss Long liegen!

Chart vom 31.08.2018, Kurs 25.964,82 Punkte, Kürzel INDU

Ob es das Chartbild ist oder die Rahmenbedingungen: In den letzten Monaten beschleicht einen Investor das Gefühl, dass das US-Index-Flaggschiff Dow Jones keine wirklich solide Struktur aufweist. Der Weg in eine Eskalation des auch und womöglich gerade die USA selbst belastenden Handelskriegs wirkt zwar vorgezeichnet, aber immer wieder steigen die Notierungen des Index rapide an, wenn die Medien die Meinung schüren, man werde sich einigen. Mit der EU, mit Kanada und Mexiko, mit China. Dass es dazu bislang nicht gekommen ist, diese Hoffnungen immer wieder neu aufgewärmt werden müssen, mag vielen nicht auffallen, weil der Index zulegt, den Eindruck erweckt, die Lage sei tadellos.

Und was die Unternehmensergebnisse zum zweiten Quartal angeht, das Bruttoinlandsprodukt, den Einzelhandelsumsatz oder den Arbeitsmarkt, sind die Zahlen in den letzten Monaten gut gewesen. Die Maßnahmen der US-Regierung scheinen „zu liefern“. Grundsätzlich wäre die Chance gut, dass der Dow Jones diese untypisch breite und nicht minder untypisch zerfahrene Seitwärtsbewegung der letzten sechs Monate beendet, indem er nach oben ausbricht, an und über das bisherige Rekordhoch von 26.617 Punkten läuft. Aber nur, wenn die Mehrheit der Akteure den schönen Schein als Grundlage ihrer Entscheidungen wählt, denn:

Dass dieser Handelskrieg gut ausgeht, zu Gunsten der USA und deren Wachstum, dafür gibt es derzeit keinerlei Belege. Nicht einmal für die angeblich so nahen Einigungen zwischen den USA und ihren zahlreichen „Gegnern“ an sich. Hinzu kommt jetzt, dass der US-Dollar erneut kräftig zulegt. Das bringt die meist in US-Dollar verschuldeten Emerging Markets in Schwierigkeiten. Aber auch ihre oft US-amerikanischen Gläubiger würden, sollte die US-Dollar-Rallye anhalten, unter ausstehenden Zins- und Tilgungsraten oder ganz platzenden Riesen-Krediten leiden. Zugleich bremst der feste US-Dollar die Exportperspektiven der US-Unternehmen aus. Und der Vorteil billigerer Rohstoffimporte relativiert sich, nachdem die USA vor allem unter Trump Riesenschritte unternommen haben, um dahingehend so autark wie möglich zu werden.

Der am Donnerstag veröffentlichte Konjunkturindex der regionalen US-Notenbank von Philadelphia ist ein interessanter Indikator für die derzeitige Lage und Perspektiven der kommenden Wochen. Dieser Indikator, der das Geschehen einer der wichtigsten Industrieregionen der USA misst, fiel für August auf den tiefsten Stand seit der US-Wahl im November 2016. Und es war vor allem der Subindex der Auftragseingänge, der immens deutlich zurückkam. Die kurzfristig starken Konjunkturdaten des zweiten Quartals wurden durch den unmittelbaren, ersten Effekt der Steuerreform befördert. Ob die US-Wirtschaft jetzt ohne diesen Anschub-Effekt weiter dynamisch wachsen wird, ist völlig offen und, mit Blick auf Handelskrieg und Dollar-Rallye, zumindest fraglich. Sollten die Investoren diesen Aspekt berücksichtigen, wäre der Weg des Dow Jones über die nahe gekommene obere Begrenzung der breiten Handelsspanne (bei 25.800 Punkten) steinig. Und eines muss man im Hinterkopf behalten:

Chart vom 17.08.2018, Kurs 25.669,32 Punkte, Kürzel INDU

Am Freitag ging wieder einmal eine Abrechnung an der Terminbörse über die Bühne. Die in den USA immens wichtigen Optionen auf Aktien und Indizes wurden abgerechnet. Wenn es zu schaffen ist, wird versucht, diese Abrechnung am oberen Ende der Index-Handelsspanne seit der letzten Abrechnung zu vollziehen. Dass der Dow Jones binnen zwei Tagen, vom Tagestief des Mittwochs bis zum Hoch des Freitags, sagenhafte 760 Punkte oder drei Prozent zugelegt hat, dürfte großenteils auf diese „Hexentänze“ im Zuge der Optionsabrechnung zurückzuführen sein. Vorher war der Index ja bereits wieder auf dem Weg nach unten. Und da der Sogeffekt solcher Abrechnungstermine mit deren Ablauf endet, ist es keineswegs beschlossene Sache, dass der Dow mit einem Schlusskurs, der hinreichend klar über 25.800 Punkten, dem oberen Ende der breiten Handelsspanne, liegt, ein bullishes Signal wird generieren können.

Chart vom 17.08.2018, Kurs 25.669,32 Punkte, Kürzel INDU

Es war verblüffend, dass die US-Investoren offenbar guter Dinge waren, dass das Gespräch ihres Präidenten mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker positiv verlaufen würde, womöglich sogar ein überraschender „Deal“ dabei herauskäme. An einem Tag, an dem Boeing trotz guter Zahlen unter Druck stand und das Ergebnis von General Motors nicht das erste war das unterstreicht, dass der Bumerang-Effekt von Trumps aggressiver Handelspolitik nicht lange auf sich warten ließ. Und das, obgleich man am deutschen Aktienmarkt den Kopf einzog.

Auf Basis desselben Gespräches, mit der Befürchtung, dass das Eis danach nicht schmelzen, sondern womöglich noch dicker werden könnte. Oder war es etwas anderes, das die Marktteilnehmer in den USA dazu brachte, ein anfänglich deutliches Minus im Index-Flaggschiff Dow Jones sukzessive aufzuholen, je näher der Zeitpunkt rückte, an dem sich die Türen des Raums öffnen würden, hinter denen Trump und Juncker sich besprachen?

Das ist wahrscheinlich. Es kann sich um dieselbe Motivation gehandelt haben, mit der am Tag zuvor in Europa fleißig gekauft wurde: Der Versuch, einen Puffer zu schaffen, um sicherzustellen, dass es im Fall einer negativen Reaktion auf dieses Meeting nicht zum Bruch charttechnisch relevanter Marken kommen würde. Denn das würde den Druck durch Verkäufe von kurzfristigen Tradern bzw. deren Switch auf die Short-Seite noch intensivieren.

Da kommt es für große Adressen billiger, im Vorfeld zu kaufen, anstatt ansonsten erst auf einem deutlich tieferen Niveau aussteigen zu können. Und wer weiß, vielleicht käme der „Deal“ ja wirklich und man hätte mit diesen Käufen gleich zu Beginn einer Super-Rallye zugegriffen. Aber wissen konnte das niemand. Und die Handelszeit verstrich … bis plötzlich nur 25 Minuten vor Handelsende durchsickerte, es habe tatsächlich eine Annäherung gegeben!

In nur 15 Minuten schoss der Dow Jones um 200 Punkte höher. Es wurde kolportiert, die EU habe einer Senkung der Industriezölle ebenso zugestimmt wie höheren US-Soja-Importen. Und in der Tat, im Zuge der erst nach US-Handelsende begonnenen Pressekonferenz bestätigte Juncker das. Und nicht nur das. Er erklärte, man wolle auf weitere Schutzzölle verzichten und mehr US-Gas importieren. Und er sei ja auch mit der Absicht eines „Deals“ nach Washington gereist.

Da blieb manch einem der Mund offen stehen, denn im Vorfeld hatte er erklärt, er habe keine konkreten Vorschläge in der Tasche. Und von vielen Seiten war er aufgefordert worden, hart zu bleiben. So gesehen ist der Jubel der Investoren eventuell voreilig, denn das, was Juncker da zugestanden hat, müsste die EU insgesamt billigen. Was man bezweifeln darf. Zumal Donald Trump nichts als Gegenleistung zu bieten hatte außer, dass man zusammen an der Beseitigung der Stahl- und Aluminium-Strafzölle arbeiten werde und die Industriezölle für „Nicht-Automobil-Produkte“ sinken sollen, was klar machte:

Die Auto-Zölle und damit auch mögliche Strafzölle sind ausgenommen. Das wirkte wie ein „Umkippen“ Junckers unter dem Vorbehalt, dass die gesamte EU mit ihm umkippt. So gesehen ist auch dieser dadurch gelungene Intraday-Turnaround des Dow Jones einer mit Vorbehalt.

Chart vom 25.07.2018, Kurs 25.414,10 Punkte, Kürzel INDU

Da darf man auf den heutigen Handel gespannt sein, wenn sich das, was verkündet wurde, gesetzt hat und die Akteure sich darüber klar werden, dass Juncker nicht die EU ist, da also noch Fragezeichen bleiben. Der Index ist durch diese Rallye genau an die Widerstandszone aus den Zwischenhochs vom März und Juni (25.400/25.450 Punkte) herangelaufen. Sollte er hier abdrehen, könnte es schnell ungemütlich werden, aber erst im Fall eines Bruchs der bei 24.500 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie wäre ein wirklich markant bärisches Signal generiert.

Würde indes die aktuell angelaufene Widerstandszone bezwungen, wäre es das Zwischenhoch vom Februar bei 24.800 Zählern, das dann direkt im Visier der Bullen läge und die letzte Charthürde vor dem Allzeithoch darstellen würde. Aber um das anzupeilen, müsste sich der Schein einer Befriedung, der am Mittwochabend aus Washington auf die Märkte ausstrahlte, erst einmal zu einem belastbaren Faktum wandeln.

Zwei Jahre lang wurde die 200-Tage-Linie des US-Index-Flaggschiffs Dow Jones nicht mehr auf Schlusskursbasis unterschritten. Das letzte Mal war das unmittelbar nach dem britischen Referendum Ende Juni 2016 – das ist lange her. Und auch da gab es nur einen einzigen Tag mit einem Schlusskurs unterhalb dieses wichtigen gleitenden Durchschnitts, danach zog der Index umgehend und kräftig wieder an. Doch diesmal ist der Wurm drin. Dass es nach Anfang April und Anfang Mai schon zum dritten Test der 200-Tage-Linie binnen drei Monaten kommt, ist ohnehin problematisch, denn normalerweise wird das Touchieren der 200-Tage-Linie von vielen mittel- und langfristigen Investoren als Kaufgelegenheit gesehen und deren Verteidigung zieht einen kräftigen Aufwärtsimpuls nach sich. Das war zwar nach den ersten beiden Tests dieses Jahres ebenso der Fall, aber diese Rallyes hielten nicht vor. Dass der Dow Jones jetzt seit Tagen außerstande ist, sich von dieser Linie zu lösen und am Dienstag schon der dritte Versuch, diese Linie endlich unter sich zu lassen, in einem Intraday-Turnaround mit Schlusskurs unterhalb der 200-Tage-Linie endete, ist ein haushohes Warnsignal. Denn Nerven und Geduld derer, die derzeit versuchen, diese Unterstützung zu verteidigen, ist keinesfalls unbegrenzt. Zumal diese Linie nicht die einzige ist, die dadurch im Feuer steht:

Expertenmeinung: Knapp unter dieser aktuell bei 24.344 Punkten verlaufenden Linie liegt die „Trump-Linie“, eine Aufwärtstrendlinie, die vom Tag nach der US-Wahl unter dem Zwischentief von Anfang Mai verläuft. Sie symbolisiert die durch Donald Trumps Wahlsieg und seine Wachstum versprechenden Pläne ausgelöste Hausse. Bricht sie, wäre das wie ein Symbol für das Scheitern dieser Pläne oder doch zumindest des Optimismus hinsichtlich deren Effekt. Diese Linie liegt mit 24.130 Punkten ebenfalls brisant nahe. Würde der Dow Jones auch nur unter das Tagestief des Montags rutschen, wäre auch dieser Aufwärtstrend gebrochen. Zwar wären das Mai-Tief bei 23.530 und die Tiefs von Anfang Februar (23.361 Punkte) und Anfang Mai (23.344 Punkte) weitere potenzielle Unterstützungen in relativer Nähe. Aber den Investoren dürfte völlig klar sein: Brechen die 200-Tage-Linie und die Trump-Linie, wird damit auch die noch verbliebene Zuversicht wegbrechen. Dann wäre nach unten nichts unmöglich, das bisherige Jahres-Verlaufstief bei 23.344 Zählern wohl eher eine Etappe als ein Ziel eines Abverkaufs. Und der Stichtag des 6. Juli, an dem mit dem Inkrafttreten der US-Strafzölle gegen China durch dessen Bumerang-Wirkung ein heftiger Schlag gegen den ohnehin nicht gerade solide wirkenden Wachstumspfeiler der US-Wirtschaft erfolgen würde, ist nahe … denn der 6. Juli wäre bereits übermorgen. Hier nach dem heutigen Feiertag noch die Kurve nach oben zu bekommen, wird damit zusehends schwieriger.

Chart vom 03.07.2018, Kurs 24.174,82 Punkte, Kürzel INDU

Eigentlich ist es ja nur der gleitende Durchschnitt der Schlusskurse der letzten 200 Börsentage, um den beim Dow Jones gerade gerungen wird. Nur eine rein rechnerische Orientierungslinie, die grob die Trendrichtung anzeigt und indiziert, ob sich ein Kurs in einem grundsätzlich eher positiven oder negativen Terrain bewegt. Es gäbe viele andere Möglichkeiten zu urteilen, ob ein Index wie in diesem speziellen Fall der Dow Jones bullisch oder bärisch ist, ob man da noch einsteigen kann oder besser das Weite suchen sollte. Aber:

Diese 200-Tage-Linie hat eben Symbolcharakter, ist für viele Investoren die Scheidemarke zwischen dem grundsätzlichen Kauf oder dem Verkauf von Aktien. Und weil das jeder weiß, wird seitens derer, die einen stabilen Aufwärtstrend und steigende Kurse brauchen, alles darangesetzt, diese Linie zu verteidigen, wenn sie touchiert wird. Bereits zweimal in diesem Jahr kam es dazu, Anfang April und Anfang Mai. Dass zwei Tests zeitlich so nahe beieinander liegen, ist eher ungewöhnlich. Nachdem es aber in beiden Fällen gelang, den Dow Jones sofort wieder nach oben wegzuziehen, waren viele beruhigt. Doch jetzt ist der Index erneut an dieser Linie angekommen. Das macht die Sache brenzlig. Denn natürlich sind viele Akteure grundsätzlich bereit, an dieser Linie zu kaufen. In der Erwartung, den Trend zu stabilisieren und zugleich mit kurzfristigen Trades guten Gewinn zu machen, wenn die Linie wieder einmal zum Sprungbrett für einen größeren Aufwärtsimpuls wird. Doch was, wenn es schiefgeht?

Gerade an dieser Linie ist es nur ein kleiner Schritt von der Entscheidung, mit allem, was da ist, zuzulangen oder blitzschnell auszusteigen, bevor es die anderen tun. Denn fällt diese Linie, dreht die Stimmung, weil die 200-Tage-Linie eben so viel beachtet wird. Am Mittwoch schloss der Dow Jones erstmals seit genau zwei Jahren nennenswert unter dieser Linie. Würde es gelingen, ihn auf Wochenschlusskursbasis wieder klar darüber zu tragen, das Problem wäre noch zu heilen. Und nachdem es am Donnerstag anfänglich zu erneutem Abgabedruck kam, weil die ersten das Spiel schon als verloren ansahen, kam die „Kavallerie“ und drehte den Index wieder in die Gewinnzone. Aber Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis:

Um die Linie, derzeit bei 24.313 Punkten, zurückzuerobern, hat es nicht gereicht. Da muss mehr kommen, von unten wieder an die Linie heranzulaufen reicht nicht. Heute muss der Dow Jones überzeugen, sonst kann es schlagartig ungemütlich werden. Denn der Chart auf Wochenbasis zeigt: Es geht nicht nur um diesen gleitenden Durchschnitt. Der Dow Jones ringt zugleich um die bei 24.000 Punkten verlaufende, unter das letzte Tief von Anfang Mai gezogene Aufwärtstrendlinie seit der US-Wahl im November 2016. Auch das ist ein Symbol:

Chart vom 28.06.2018, Kurs 24.216,05 Punkte, Kürzel INDU

Es ist die „Trump-Linie“. Bricht sie, wirkt das wie ein scharfer Einbruch in das Vertrauen der Investoren in die Wachstumsbemühungen der US-Regierung. Es hängt also viel, sehr viel von der momentan umkämpften Zone ab. Und sollte es nicht gelingen, die 200-Tage-Linie und diese Aufwärtstrendlinie vertrauenerweckend deutlich zu verteidigen, indem der Index schnell über die bei 24.800 Zählern verlaufende 20-Tage-Linie steigt, bleibt das Damoklesschwert eines scharfen Kurseinbruchs präsent. Der „Trigger“ dürfte ein Schlusskurs unter 24.000 Punkten sein. Und die wachsende Verunsicherung aufgrund des eskalierenden Handelsstreits hat jetzt auch die Wall Street erfasst, sie wäre dann der Treibstoff, der einen Selloff beschleunigen würde, wenn 200-Tage-Linie und Trump-Linie fallen.

Chart vom 28.06.2018, Kurs 24.216,05 Punkte, Kürzel INDU

Ein Minus von 328 Punkten zum Wochenstart beim US-Index-Flaggschiff Dow Jones ist schon herbe genug, aber es hätte leicht weit, weit größer ausfallen können. Am Tagestief bei 28.084 Punkten hatte das Minus knapp 500 Punkte betragen. Und zu diesem Zeitpunkt waren, wie Sie im Chart sehen können, nicht nur das markante Zwischentief von Ende Mai bei 24.248 Punkten unterboten, sondern auch die bei 24.280 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie. Die Linie, die viele Investoren als Scheidemarke zwischen bullisch und bärisch ansehen. Die Linie, die das letzte Mal vor fast auf den Tag genau zwei Jahren beim Dow Jones auf Schlusskursbasis unterboten wurde: am 27. Juni 2016. Und auch damals nur für genau einen Tag. Und darüber hinaus die Linie, die Anfang April und Anfang Mai bereits verteidigt werden musste. 45 Minuten vor dem US-Handelsende begann plötzlich, nachdem kurz vor 21 Uhr unserer Zeit ein neues Tagestief erreicht wurde und hinsichtlich der 200-Tage-Linie alles verloren schien, eine gewaltige Kaufwelle, die den Dow Jones in weniger als einer halben Stunde um 200 Punkte nach oben trug, über diese 200-Tage-Linie hinaus. Aber Sie sehen es im Chart: Ganz gereicht hat es nicht. Der Bruch der Linie war mit knapp 30 Punkten alles andere als signifikant. Aber ein Schlusskurs unterhalb dieser Linie, zum ersten Mal seit zwei Jahren, was es dennoch. Was auch daran lag, dass andere Akteure diese wilden Rettungskäufe zum Anlass nahmen, in diese hinein weiter Positionen abzubauen. Eine explosive Ausgangslage für den heutigen Handel und den Rest der Woche, zumal:

Expertenmeinung: Mit dieser Kaufwelle Richtung Handelsende versuchten diejenigen, die bei einem weiteren Abrutschen des Dow Jones viel zu verlieren hätten, das Symptom des Problems zu bekämpfen. Aber an die Ursache kommt man nicht so leicht heran. Es ist die durchaus berechtigte Sorge, dass die immer weiter verhärtenden Fronten zwischen den USA auf der einen Seite und all den von Strafzöllen belasteten und bedrohten Ländern auf der anderen Seite erheblichen Schaden in der Weltwirtschaft anrichten werden. Und die USA am Ende stärker belasten als diejenigen, die der US-Präsident im Sinne der US-Wirtschaft auf diesem Weg an die Kandare nehmen will. So lange dieses Damoklesschwert über den Märkten schwebt, bleibt der Weg nach oben steinig, nach unten hingegen wirken die Unterstützungen insbesondere nach diesem Montag „weich“. Sollte es nicht gelingen, den Dow Jones sofort und deutlich zurück über diesen 200-Tage-Durchschnitt zu tragen, stünde sofort das bisherige Jahres-Verlaufstief bei 23.346 Punkten als Ziel der bärischen Trader im Raum. Und gerade, weil sich bislang wohl zu viele zu sicher waren, dass diese Unterstützungen in jedem Fall halten werden, kann es zu einem kapitalen Kurseinbruch kommen, sollte dieses bisherige Jahrestief fallen … vor allem, wenn das schnell passieren sollte. Für das bullische Lager geht es jetzt um die Wurst. Und es wird spannend sein zu sehen, ob es angesichts der zunehmenden Verunsicherung noch stark genug ist, um den Bären im letzten Moment noch Paroli zu bieten!

Chart vom 25.06.2018, Kurs 24.252,80 Punkte, Kürzel INDU

Aus einem recht großen Minus von in der Spitze fast 300 Punkten wurde am Freitag am Ende ein nur höchst moderater Abschlag von 85 Zählern. Was den Eindruck erweckt, dass die Bullen an der Wall Street das Geschehen absolut unangefochten dominieren und die Zuversicht unerschütterlich ist und bleiben wird. Aber das könnte sehr gut nur ein Eindruck sein, der schöne Schein, der dem bullischen Lager nur recht sein kann, weil allzu viel mehr als das die Kurse nicht trägt. Denn alleine, dass es am Freitag zunächst recht harsch abwärts ging, macht klar, dass die Investoren durchaus auf „bad news“ reagieren. Und die waren in der vergangenen Woche recht zahlreich. So nahmen die Akteure die rigide Ausrichtung der US-Notenbank, die derzeit von zwei weiteren Zinsschritten in diesem Jahr ausgeht, nicht gerade erfreut zur Kenntnis. Noch deutlich unerfreulicher war die heftige Reaktion der Euro/US-Dollar-Relation auf die Aussagen der EZB am Donnerstag. Der US-Dollar näherte sich mit einem rasanten Anstieg wieder den bisherigen Korrektur-Hochs zum Euro (d.h. Euro/US-Dollar fiel) und droht dadurch den für das US-Wachstum so wichtigen Währungsvorteil beim Export weiter zu dezimieren. Und dann ist da ja noch der Handelskrieg:

Expertenmeinung: Dass der US-Präsident am Freitag die nächste Runde einläutete, die man als Startschuss für eine sukzessive, gegenseitige Eskalation sehen darf, war negativ, wenngleich zu befürchten. Die Strafzoll-Liste gegen China wurde dort mit Gegenmaßnahmen beantwortet die, das hatte Trump gleich avisiert, nur noch mehr Strafzölle auslösen würden. Der Gedanke, dass China daraufhin klein beigibt, statt seinerseits noch mehr US-Importe höher zu besteuern, wäre naiv. Und Europa wird wohl sehr bald als nächstes dran sein. Den meisten Investoren an der Wall Street, den US-Unternehmen ohnehin, ist klar: Das geht auch zu Lasten der US-Wirtschaft. Da war kein Argument zu finden, warum der Dow Jones am Freitag scheinbar mühelos anfängliche Verluste zum Handelsende reduzieren konnte. Es waren zwei andere Aspekte, die dazu führten, dass das US-Index-Flaggschiff die Woche mit einem nur kleinen Minus beendete: der große Verfalltermin an der Terminbörse und die Charttechnik. Ersterer zieht, sofern grundsätzlich ein Aufwärtstrend vorliegt, meistens die Kurse. Oft werden Kurssteigerungen aber zurückgenommen, sobald diese – am Freitag absolvierte – Abrechnung der Futures und Optionen vorüber ist. Letzteres, die Charttechnik, sprach in den Tagen zuvor sukzessive für die Bären. In der abgelaufenen Woche sah der Index nach der grünen Kerze vom Freitag zuvor zwei Dojis und am Mittwoch dann eine rote Kerze – in der Kombination ist das als brisanter Abendstern mit zwei Köpfen zu sehen. Dem folgte am Donnerstag ein vergeblicher Versuch, die Formation durch steigende Kurse zu egalisieren und zuletzt dann das anfängliche Minus von beinahe 3300 Punkten, das den Index an die 20-Tage-Linie als nächstgelegene Unterstützung führte. Die Bullen mussten einfach dagegenhalten, diese 20-Tage-Linie verteidigen. Mithilfe des Rückenwinds des Terminbörsen-Verfalltermins am Freitag gelang das. Aber ob das ab heute ohne diese Terminmarkt-Stütze gelingen wird, ist fraglich. Schlusskurse unter dem April-Hoch (24.859) wären ein erstes, kurzfristig bärisches Indiz, ein Bruch des Ende Mai markierten Zwischentiefs und der 200-Tage-Linie durch Schlusskurse unter 24.200 Punkten ein bereits markantes Abwärts-Signal.

Chart vom 15.06.2018, Kurs 25.090,48 Punkte, Kürzel INDU

Das war wirklich kein angenehmer Start in die feiertagsbedingt an der Wall Street erst gestern begonnene Handelswoche. Am Tagestief hatte der Dow Jones 505 Punkte verloren. Pünktlich eine halbe Stunde vor dem Handelsende kam zwar die so oft auftauchende „Kavallerie“, um in letzter Minute zu retten, was zu retten war. Aber ein Blick auf den Chart zeigt: Auch, wenn es gelang, das Minus auf 392 Punkte einzugrenzen, ist aus charttechnischer Sicht durchaus ein gewisser Flurschaden zu vermelden. Was die Marktteilnehmer dabei besonders unruhig machen dürfte, ist die Frage: wieso wir? In Europa brennt der Baum, da hat man Sorge, dass die Lage in Italien sich zu einer Krise für die gesamte Gemeinschaft auswächst, dass Spanien im Fall eines erfolgreichen Misstrauensvotums gegen Regierungschef Rajoy noch hinzukommt. In den USA jedoch hatte man am Wochenende vom US-Präsidenten vernommen, man sei bezüglich eines Treffens mit Kim Jong Un auf gutem Wege. Muss man das nicht als gute Nachricht werten? Nicht unbedingt, denn: Immerhin hatte eben dieser US-Präsident am vergangenen Donnerstag einen Brief an Kim Jong Un veröffentlicht, in dem er eben dieses Treffen, hinsichtlich welchem er sich kurz darauf wieder auf gutem Wege befand, abblies. Und:

Expertenmeinung: Dass die US-Regierung in Bezug auf China offenbar einen Zickzack-Kurs fährt, der den Chinesen bald zu bunt werden könnte … dass man in Bezug auf Europa nur noch mit dem Säbel rasselt und da bezüglich der übermorgen beginnenden Strafzölle auf Stahl und Aluminium nicht einmal mehr geredet wurde, dafür aber die nationale Sicherheit bemüht wird, um ggf. auch noch europäische Autos auszusperren … dass man sich bei den NAFTA-Verhandlungen ebenso unberechenbar zeigt … nicht wenigen Investoren dürfte es da mulmig werden. Hinzu kommt der Bumerang-Effekt der Euro-Problematik: Auch, wenn der Euro wegen der Angst vor einer Zerreißprobe der Eurozone fällt, der US-Dollar steigt eben dennoch zum Euro und drückt auf die US-Exportperspektiven. Und auch US-Banken halten italienische und spanische Anleihen, die derzeit kräftig an Boden verlieren und geraten deswegen unter Druck. Nur, weil in Europa die Flammen hochschlagen, heißt das nicht, dass es in den USA nicht auch brennen könnte. Und das realisiert man ebenso wie den Umstand, dass der Dow Jones bereits in den Tagen zuvor problematisch aussah, weil der Ausbruch über das April-Hoch umgehend in ein „bearish engulfing pattern“ im Candlestick-Chart mündete und dadurch zur Bullenfalle wurde. Und ob der Index 392 oder 505 Punkte im Minus schloss, mit dem gestrigen Schlusskurs fiel die 20-Tage-Linie als nächstgelegene Unterstützungslinie. Bis zur 200-Tage-Linie bei aktuell 23.992 Punkten ist es nur noch ein Katzensprung. Und den meisten Anlegern dürfte klar sein: Es ist äußerst selten, dass eine solche Linie bei einem dritten Anlauf binnen relativ kurzer Zeit hält. Mittelfristig bärisch würde der Dow Jones zwar erst, wenn er neben dieser 200-Tage-Linie auch noch das bisherige Jahres-Verlaufstief bei 23.344 Punkten gebrochen hätte. Aber auf kurzfristiger Ebene stehen die Bären bereits jetzt am Ruder.

Chart vom 29.05.2018, Kurs 24.361,45 Punkte, Kürzel INDU

Mitte April hatte der Dow Jones bei 24.859 Punkten ein Zwischenhoch markiert. Von dort aus kam es Anfang Mai zum zweiten Test der 200-Tage-Linie in diesem Jahr. Wieder, so wie bereits Anfang April, gelang es, diesen wichtigen gleitenden Durchschnitt zu halten. Zwei erfolgreiche Tests, das sollte reichen, um einen nachhaltigeren Aufwärtsimpuls zu initiieren – unter normalen Umständen. Aber die sind derzeit an der Wall Street durchaus nicht normal, denn herzlich wenig im Bereich der Rahmenbedingungen spricht für steigende Kurse: Der US-Dollar legt wieder zu und entzieht den US-Exporteuren den seit der Wahl im November 2016 gewachsenen Vorteil einer schwachen Währung. Die Zinsen am Anleihemarkt sind so hoch wie seit Jahren nicht. Das Wirtschaftswachstum liegt trotz Steuerreform derzeit unter dem langjährigen Durchschnitt. Und geopolitisch haben sich die USA nicht gerade beliebt gemacht. Da stellte sich natürlich vielen Investoren die Frage, ob es nicht womöglich vor allem die am vergangenen Freitag vollzogene Abrechnung der in den USA sehr wichtigen Optionen gewesen sein könnte, die den Dow Jones im Vorfeld dieses Verfalltermins gezogen hat. Was dafür sprach war, dass der Index zu Beginn der vergangenen Woche mit 25.000 Punkten einen typischen „Options-Strike Price“ erreicht hatte, dort aber nicht weiter zulegte. Ein vergleichbares Bild hatte es im April vor der damaligen Options-Abrechnung gegeben. Und der folgte der oben erwähnte, erneute Test der 200-Tage-Linie auf dem Fuße. Würde der Dow Jones womöglich nach dieser Abrechnung erneut nach unten abdrehen?

Expertenmeinung: Der Kurssprung, den der Dow Jones am Montag vollzog, schien diese Frage mit „nein“ zu beantworten, zumal es dadurch gelang, den Widerstand des April-Hochs bei 24.859 Punkten, an dem der Index am Montag der Vorwoche auf Schlusskursbasis noch nicht vorbeigekommen war, zu bezwingen. Alles sah nach Befreiungsschlag aus, zumal man mit der Erklärung der USA und Chinas, wichtige Fortschritte in Bezug auf die Reduzierung des US-Handelsbilanzdefizits erreicht zu haben, entscheidenden Rückenwind zu haben glaubte. Doch hat man sich da womöglich vertan? Diese Absichtserklärung war bei genauem Hinsehen reichlich vage. Steigende Importe landwirtschaftlicher Produkte, die da avisiert wurden, nützen börsennotierten US-Unternehmen kaum. Und Chinas Entscheidung, die Zölle für alle Automobilimporte von 25 auf 15 Prozent zu senken, verbessert die Wettbewerbslage der US-Autobauer nicht, weil auch die anderen nicht-chinesischen Automobilhersteller diesen Vorteil erlangen. Damit machte sich am Dienstag Ernüchterung breit – zu einem charttechnisch für die Bullen sehr ungünstigen Zeitpunkt. Das Minus von 179 Punkten war zwar geringer als der Kursgewinn des Montags. Aber der Dow Jones schloss dadurch unter dem Eröffnungskurs des Montags, weil es da zu einer Aufwärts-Kurslücke gekommen war. Und er schloss wieder unter diesem April-Hoch von 24.859 Punkten. Dadurch entstand sogar, wenngleich knapp, ein Warnsignal in Form eines „bearish engulfing pattern“ auf Candlestick-Ebene – und das bei einem Stochastik-Oszillator, der in der überkauften Zone nach unten eingedreht hat. Wenn dieses gestrige Minus nicht umgehend in erneute Käufe mündet, sondern Anschlussverkäufe sieht, kann das den „China-Effekt“ komplett aufzehren und die Bären zurück auf den Plan bringen. Ein erneuter Test der 200-Tage-Linie wäre dann durchaus zeitnah denkbar. Und ob diese Linie dann einem dritten Anlauf in kurzer Zeit standhalten würde, ist fraglich.

Chart vom 22.05.2018, Kurs 24.834,41 Punkte, Kürzel INDU

Gestern Abend gegen 20:15 Uhr verkündete der US-Präsident den einseitigen Ausstieg der USA aus dem Iran-Atomabkommen. Zugleich würden, so Trump, ohne Verzug entschlossene Sanktionen gegen den Iran in Kraft treten. Am Aktienmarkt bemühte man sich unübersehbar, jegliche negative Reaktion zu verhindern, kleine Schwächen sofort wieder aufzukaufen. Doch diese Entscheidung dürfte Auswirkungen auf die Sicherheitslage weltweit und den Welthandel haben, die über kleine Ausschläge im Dow Jones hinausgehen werden. Die Frage ist indes, wo und wann diese Auswirkungen auftreten. Denn konkrete Angaben zu den Sanktionen machte Trump im Zuge seiner Rede nicht. Und die ersten Reaktionen aus anderen Ländern fielen aus, wie es zu erwarten war: Saudi-Arabien und Israel applaudierten, Russland und Frankreich wollen weiter versuchen, die USA wieder ins Boot zu holen, EU-Ratspräsident Tusk erklärte, Trump werde nach dem Ausstieg einem geeinten Europa gegenüberstehen. Und der Iran machte sofort klar, dass das Abkommen mit den anderen Unterzeichnern China, Russland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland weiter gelte. Das war alles noch zu vage, um Druck auf den US-Aktienmarkt auszulösen, also versuchte das bullische Lager, den Puffer, den man zu den mittelfristig entscheidenden Unterstützungen des US-Index-Flaggschiffs aufgebaut hatte, zu halten. Vorerst mit Erfolg: Der Dow Jones beendete den Dienstag fast auf den Punkt unverändert. Aber sollte man dabei das Wort „vorerst“ nicht dick unterstreichen?

Expertenmeinung: Das wäre in der Tat besser, denn noch sind die Bären nicht aus dem Feld geschlagen. Wir stehen hier einer hochspannenden, mit dem gestrigen Patt weiterhin offenen, aber eine Entscheidung unmittelbar einfordernden Gemengelage gegenüber. Auf der einen Seite ist es ein bullisches Signal, dass es am vergangenen Donnerstag gelang, mit der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie gleich zwei entscheidende Unterstützungen zu verteidigen. Und mit den Käufen des Freitags entstand daraus sogar ein „Morning Star“ in der Candlestick-Lehre, ein kurzfristig bullisches Signal mit der Chance, Basis eines neuen Aufwärtsimpulses zu werden. Doch auf der anderen Seite blieben die Anschlusskäufe als Reaktion auf diese Chance, sich nach oben abzusetzen, bislang aus. Weder am Montag noch am gestrigen Dienstag gelang es, den Kreuzwiderstand aus 20-Tage-Linie und Januar-Abwärtstrendlinie zu überwinden. Und selbst wenn es gelänge: Erst, wenn das letzte Zwischenhoch aus dem April bei 24.859 Punkten überboten wäre, wäre die Serie tieferer Zwischenhochs gesprengt und wirklich eine Basis gegeben, auf der Long-Seite mit tauglichem Chance/Risiko-Verhältnis zu agieren. Solange die Rahmenbedingungen aber eher für die Bären sprechen – steigender US-Dollar, hohe Anleihezinsen, Iran-Problematik und die offene Lage in Bezug auf die Strafzölle – hätten die Bären jederzeit ihre Chance, mit dem Bruch von mittelfristigem Aufwärtstrend, 200-Tage-Linie und dem bisherigen Jahres-Verlaufstief bei 23.346 Punkten klare Zeichen zu setzen.

Chart vom 08.05.2018, Kurs 24.360,21 Punkte, Kürzel INDU

Es ging um viel an diesem Donnerstag. Schon wieder galt es, die 200-Tage-Linie beim US-Index-Flaggschiff Dow Jones (23.751 Punkte) zu verteidigen. Ein US-Notenbankstatement vom Mittwochabend, das den Eindruck erweckte, dass die „Fed“ nicht gerade mit fester Hand und planvoll agiert … ein US-Dollar, der eine markante Trendwende nach oben zu vollziehen droht und so dem ohnehin enttäuschenden Wachstum der letzten Monate den Boden der billigen, den Export stützenden Währung zu entziehen droht … und das bei manchen mulmige Gefühl, dass die Verhandlungen mit China zur Abwendung einer gegenseitigen Strafzoll-Welle keineswegs so reibungslos laufen werden, wie das bislang angedeutet wurde: All das sorgte dafür, dass viele Marktteilnehmer am Donnerstag zum Handelsstart ihr Heil in der Flucht suchten. Nach dem durchaus zutreffenden, alten Motto: Wer zuerst aussteigt, bekommt noch die besten Kurse.

Aber nicht alle können einfach aussteigen. Über die langjährige, vor gut neun Jahren begonnene Hausse hinweg sind viele Fonds und Hedgefonds derartig gigantisch geworden, dass sie nicht einmal einen Bruchteil ihrer Portfolios am Markt loswerden könnten, ohne durch ein dadurch entstehendes, massives Überangebot selbst den Kursrutsch auszulösen, vor dem sie sich in Sicherheit bringen wollen. Und will man sich über die Futures gegen fallende Kurse absichern, indem man mit größeren Positionen Short geht, drückt das die Indizes selbst genauso. Solche Situationen sind fatal. Und so ist für diese großen Adressen eine nachhaltigere Trendwende des US-Aktienmarkts keine Option, die man zulassen würde, solange es noch irgendwie zu verhindern ist. Aber wie?

Indem man die Barreserven mobilisiert, über die Futures mit Hebelwirkung Long geht und den Index damit mit der Brechstange aus der Gefahrenzone zieht. Sie sehen im 60-Minuten-Chart des Dow Jones, dass bereits nach etwa zwei Stunden Handelszeit massive Gegenwehr einsetzte, nachdem der Dow Jones im Tief bereits etwa 400 Punkte verloren hatte und keine 200 Punkte mehr vom bisherigen Jahres-Verlaufstief (23.346 Punkte) entfernt war. Der Chart zeigt, dass es gelang, sehr schnell die zur Eröffnung entstandene Kurslücke zu schließen. Der Chart zeigt aber auch, dass beim Erreichen der Nulllinie sofort die Luft heraus war. Versuche, den Dow Jones tiefer in die Gewinnzone zu heben, funktionierten nicht. Am Ende blieb ein Plus von fünf Punkten … und viele offene Fragen.

Denn das war nur eine einigermaßen gelungene Defensiv-Aktion in höchster Not. Sie sehen im Tageschart, dass nicht nur die 200-Tage-Linie, sondern auch bereits die in ihrem Winkel an das April-Tief angepasste, mittelfristige Aufwärtstrendlinie im Tagestief unterboten war. Es bleiben nur noch die Verlaufstiefs vom Februar und April bei 23.361 und 23.346 Punkten, dann wäre der Weg nach unten frei gewesen – und das hätte einen immensen Abverkauf ausgelöst. Aber solange sich kein nachhaltiger, tragfähiger Aufwärtsimpuls daraus ergibt, wird die Gefahr, dass diese Zone doch noch bricht, nur größer. Denn jeder sieht, dass die großen Adressen in der Defensive sind. Und jeder sieht, dass die Abstände, in denen die alles, was sie haben, in den Ring werfen, „all in“ spielen müssen, kürzer werden – auch die Bären.

Chart vom 03.05.2018, Kurs 23.930,15 Punkte, Kürzel INDU

Und je öfter der Index unter 24.000 Punkte und damit in die charttechnische Gefahrenzone rutscht, desto größer werden die dort gekauften, nur zur Stabilisierung gedachten Positionen. Die, davon darf man ausgehen, nicht allzu weit unterhalb des bisherigen Jahrestiefs von 23.446 Punkten über Stop Loss-Verkaufsorders abgesichert sind. Diejenigen, die gestern mit aller Macht die 200-Tage-Linie retteten, waren zwar erst einmal erfolgreich. Aber der Einsatz, den sie dafür bringen müssen, ist hoch. Und wenn es doch zu einem Selloff unter die bisherigen Tiefs käme, verlöre man das letzte, das entscheidende „all in“-Spiel doch noch. Und ein Spieler, der seine letzten Reserven einsetzt, reagiert darüber hinaus nicht so besonnen, wie er angesichts zunehmender Risiken sollte. Wir haben extrem spannende Tage und Wochen an der Wall Street vor uns!

Chart vom 03.05.2018, Kurs 23.930,15 Punkte, Kürzel INDU

Als der Dow Jones am Dienstag mit einer großen Kurslücke nach oben startete, wurde dadurch – zumindest in der Berechnung auf Tagesbasis – die Januar-Abwärtstrendlinie bezwungen. Und das kurz vor einem Abrechnungstermin für Index-Optionen, der die Kurse im Zuge von Aufwärtsbewegungen normalerweise zieht: Da sahen die meisten Akteure wohl die 25.000 Punkte-Marke per Freitagabend als sicher an. Dass es dann doch die 24.500 wurde, in deren Bereich die Index-Optionen am Freitag abgerechnet wurden, mutet prozentual betrachtet unproblematisch an. Ob nun zwei Prozent höher oder tiefer – was macht das schon aus? Noch gar nichts, das stimmt. Aber dass im weiteren Wochenverlauf keinerlei Zug mehr in den Dow Jones kam, ist ein Indiz dafür, dass der Index ohne diesen Abrechnungstermin womöglich erst recht unter Druck geraten wäre. Ein ähnliches Bild hatten wir im Umfeld der letzten Terminbörsen-Abrechnung am 16. März gesehen. Im Verlauf der Tage knapp vor dieser Abrechnung „verhungerte“ eine Aufwärtsbewegung. Und die Woche nach dem Verfalltermin ging es zunächst langsam, dann aber immer dynamischer abwärts. In eine solche „Nach-Verfalltermin-Woche“ treten wir jetzt ein. Kommt es diesmal anders, können die Bullen die nötigen Zeichen setzen, um die Aufwärtsbewegung aufrechtzuerhalten?

Mit Blick auf die chart- und markttechnische Gesamtlage ist festzuhalten: Die Bullen dürfen jetzt nicht versagen, denn auch, wenn es bis zum bisherigen Jahrestief, das Anfang April mit 23.346 Punkten einen Hauch unter dem Tief von Anfang Februar markiert wurde, noch relativ weit ist: Dieses Sicherheitspolster ist nicht gerade solide. Es müssten zwar gleich fünf charttechnische Unterstützungen gebrochen werden, um ein neues Jahrestief zu markieren. Aber die liegen eben auch auf engem Raum. 1.100 Punkte bis zu einem mittelfristig relevanten Short-Signal, das wäre schnell geschafft, wenn man seitens der Bären nur entschlossen genug agiert. Und Sie sehen es im Chart auf Wochenbasis: Aufgrund des dort anderen Winkels der Abwärtstrendlinie wurde diese auf Wochenbasis nicht überboten. Es ging anfangs darüber, aber auf Höhe der oberen Begrenzung des Anfang 2016 etablierten Aufwärtstrendkanals um 24.850 Punkte wurde der Index abgewiesen. Sie sehen auch: Diese obere Begrenzungslinie des Trendkanals spielt seit Anfang März immer wieder eine Rolle, zunächst als Unterstützung, jetzt als Widerstand.

Auf der Ebene des Tagescharts hat das Abbröckeln des Index bislang nur dazu geführt, dass er wieder auf der hier einen steileren Winkel aufweisenden Januar-Abwärtstrendlinie von oben aufgesetzt hat. Würde der Dow Jones umgehend wieder anziehen, wäre das nichts anderes als ein Pullback, würde den Ausbruch also bestätigen. Würde er klar über dem Vorwochen-Verlaufshoch von 24.859 Punkten schließen, wäre der Pullback abgeschlossen und die Indikation bullisch. Aber ob er jetzt umgehend wieder anzieht, ist eben noch nicht heraus.

Chart vom 20.04.2018, Kurs 24.462,94 Punkte, Kürzel INDU

So aber haben wir erst einmal ein US-Index-Flaggschiff vor uns, das in einer normalerweise eher bullisch verlaufenden Woche mit einem Terminbörsen-Abrechnungstermin ziemlich genau da wieder schloss, wo die Woche begonnen hatte. Könnte das am Freitagabend nach US-Handelsende gemeldete Einlenken Nordkoreas für Käufe sorgen? Vielleicht. Aber wahrscheinlicher ist, dass sich die Akteure auf andere Themen fokussieren: Konjunkturdaten, Quartalsbilanzen und das pausenlose Polit-Theater in Washington. Und in diesen Bereichen waren „good news“ zuletzt eher dünn gesät. Fazit: Der Dow Jones wäre aus aktueller Sicht nach Schlusskursen über 24.900 Punkten bullisch, im Fall eines Schlusskurses unter 23.300 bärisch. In der Zone dazwischen toben die Daytrader … da sollte man sich nur ins Getümmel bewegeben, wenn man mit hoher Volatilität umgehen kann und möchte.

Chart vom 20.04.2018, Kurs 24.462,94 Punkte, Kürzel INDU

Die deutlich unter den Erwartungen ausgefallene Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze im März (103.000 statt wie erwartet knapp 200.000), die am Freitag auf den Tisch kam und ein kurz zuvor veröffentlichtes, erneut gestiegenes Handelsbilanzdefizit im Februar – das waren US-Konjunkturdaten, die den Investoren deutlich machten: So, wie der US-Präsident das avisiert hatte, so, wie er sich das vorgestellt hatte, funktioniert es nicht. Und dass er daraufhin erst recht den Konfrontationskurs wählt, bereitet immenses Unbehagen, denn die Anleger wissen sehr wohl: China sitzt durchaus nicht am kürzeren Hebel. Die Reaktion:

572 Punkte Minus bei US-Index-Flaggschiff Dow Jones am Freitag. Damit wurde die vergangene Handelswoche trotz der Rallye am Mittwoch und Donnerstag zu einer Verlust-Woche. Und das auf einem charttechnischen Niveau, das deutlich macht, dass die Bullen den Index bislang nicht aus der Gefahrenzone bekommen. Und die Zeit läuft gegen sie, denn mit jedem Test der mittelfristig entscheidenden Unterstützungen wird die Zahl derer, die sich eine Chance ausrechnen, diesen Level durch aktive Käufe zu verteidigen und den Dow Jones dadurch wieder in einen tragfähigen Aufwärtsimpuls zu überführen, natürlich kleiner. Vor allem, wenn sich die Perspektiven nicht mehr so positiv präsentieren, wie man sie noch Ende Januar, als das bisherige Rekordhoch erreicht wurde, gesehen hatte.

Als Unterstützung entscheidend sind zwei Linien: Die 200-Tage-Linie bei knapp 23.500 Punkten und das Februar-Verlaufstief von 23.361 Zählern. Beide waren am Ostermontag bereits kurzzeitig unterboten worden. Es gelang, von dort aus nach oben zu laufen, vor allem am Mittwoch setzte das bullische Lager Zeichen. Aber die waren noch nicht markant genug. Die Charthürden, die es zu überwinden gälte, um sich effektiv aus der Gefahrenzone zu retten, blieben unbezwungen: Die 20-Tage-Linie, an der der Dow Jones am Donnerstag nur knapp, nicht jedoch signifikant vorbeikam und die Januar-Abwärtstrendlinie. Erst, wenn der Dow mit Schlusskursen über 24.700 Punkten hinreichend deutlich über beide Widerstände und damit zugleich über das Vorwochenhoch (erzielt am Donnerstag bei 24.622 Punkten) hinaus laufen würde, wäre der Weg nach oben wieder frei, zumindest in die Region um 25.500 Zähler. Die Chance dafür steht nach dem Abverkauf des Freitags indes noch nicht allzu gut. Und die Unterseite?

Chart vom 06.04.2018, Kurs 23.932,76 Punkte, Kürzel INDU

Je öfter die Bären an das Februar-Tief „anklopfen“, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es bricht. Zumal den Bären großer Lohn winken würde, denn die nächste, markantere Auffanglinie in Form der aus dem Februar 2016 stammenden Aufwärtstrendlinie würde erst um 22.400 Punkte warten. Und da das Volumen an Stop Loss-Absicherungen, die knapp unter diesen bisherigen Jahrestiefs liegen, mit jedem „Rettungsversuch“ der Bullen zunimmt, kann schon die nächste Short-Attacke den Erfolg bringen und durch kaskadenartig auslösende Stop Loss-Verkäufe zu einem immensen Selloff führen. Diese Woche kann bereits die Entscheidung bringen!

Chart vom 06.04.2018, Kurs 23.932,76 Punkte, Kürzel INDU

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