TransUnion sitzt auf einem Datenschatz, der im Zeitalter von KI immer wertvoller werden könnte. Ist die Aktie erstaunlich günstig bewertet?
Ein Burggraben aus Daten
TransUnion ist neben Equifax und Experian eine der drei großen Kreditauskunfteien („Credit Bureaus“) in den USA.
Die Credit Bureaus sammeln Daten von Kreditgebern, Banken, Kreditkartenunternehmen, Leasingfirmen usw. Diese Daten umfassen offene Kredite und Kreditrahmen, Zahlungsverhalten, Kreditanfragen, Inkassofälle, Gerichtsurteile und im Extremfall auch Insolvenzen.
FICO und andere Anbieter von Kredit-Scores wie VantageScore nutzen die Daten von TransUnion, Equifax und Experian, um Bonitätsbewertungen (Kredit-Scores) zu berechnen.
Das Unternehmen sitzt damit an einer ausgesprochen wichtigen Stelle der Finanzwirtschaft. Banken, Kreditkartenanbieter, Autokreditgeber und andere Unternehmen greifen auf die Daten von TransUnion zurück, um Kreditrisiken einzuschätzen, Identitäten zu überprüfen und Betrug zu erkennen.
TransUnion sammelt Informationen über Kredite, Zahlungsverhalten, Kreditanfragen und andere finanzielle Aktivitäten und verknüpft sie zu detaillierten Profilen. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil liegt nicht in einzelnen Datensätzen, sondern in der Kombination aus Datenmenge, Historie und Analysemodellen.
Ein möglicher Konkurrent kann zwar jederzeit eine Software entwickeln, verfügt aber nicht über die Daten, auf denen das Geschäft von TransUnion fußt.
Dabei handelt es sich um einen handfesten Burggraben.
Der Datenschatz hinter der Kreditwirtschaft
Darüber hinaus entwickelt sich TransUnion zunehmend zu einem breiter aufgestellten Datenanbieter, der weniger abhängig von den Schwankungen des US-Hypothekenmarktes ist.
Das Unternehmen hat sein Portfolio erfolgreich in Bereiche wie Versicherungen, E-Commerce und Medien diversifiziert, unter anderem auch durch die Übernahmen von Neustar und Sontiq.
Insbesondere im Versicherungsbereich ziehen die Ausgaben bereits an, was das Wachstum weiter ankurbelt.
Ferner wurde eine technologische Überarbeitung der Systeme vollzogen, wodurch der Grundstein für mögliche langfristige Margensteigerungen gelegt wurde.
Hinzu kommt ein stark wachsendes Auslandsgeschäft in Indien. Die Tochtergesellschaft TU CIBIL ist die führende Kreditauskunftei des Landes und verzeichnet seit 2017 ein organisches Wachstum von über 30 Prozent (in lokaler Währung).
Der Markt steckt aber auch heute noch in den Kinderschuhen. Der Großteil der indischen Bevölkerung besitzt weder ein Bankkonto noch dementsprechend eine Möglichkeit Kredite aufzunehmen.
Dieser Markt bietet eine langfristige Wachstumsperspektive, höchstwahrscheinlich über Jahrzehnte hinweg.
KI: Chance oder Bedrohung?
Besonders interessant ist der Bereich Fraud & Identity. Je stärker Geschäfte ins Internet wandern, desto wichtiger wird die Frage, ob eine Person tatsächlich diejenige ist, für die sie sich ausgibt. Gleichzeitig nehmen Identitätsdiebstahl und Betrugsversuche zu. TransUnion kann hier auf einen Datenbestand zurückgreifen, der bereits für andere Zwecke aufgebaut wurde. Das eröffnet zusätzliche Einsatzmöglichkeiten.
Deshalb ist KI aus meiner Sicht auch eher Chance als Bedrohung. KI kann die Analyse von Daten günstiger und schneller durchführen. Entscheidend bleiben die Daten, mit denen die Modelle gefüttert werden – und über die verfügen nur TransUnion, Equifax und Experian.
Die Geschäftszahlen untermauern diese These. TransUnion ist auch im KI-Zeitalter kontinuierlich gewachsen und das dürfte sich auch im laufenden und kommenden Geschäftsjahr fortsetzen.
Im letzten Geschäftsjahr hat das Unternehmen ein Rekordergebnis von 4,30 USD je Aktie erzielt, wenngleich die Kursentwicklung auch etwas anderes suggeriert.
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres konnte der Umsatz um 14 % auf 1,25 Mrd. USD gesteigert werden. Das Ergebnis kletterte von 208 auf 230 Mio. USD, was 1,18 USD je Aktie entspricht.
Ausblick und Bewertung
In Q2 lag der Gewinn mit 1,23 USD je Aktie über den Erwartungen von 1,14 USD. Mit einem Umsatz von 1,31 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 1,28 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 15 % und einem Gewinnsprung um 14 %.
Daraufhin wurde die Prognose für das laufende Geschäftsjahr zum zweiten Mal erhöht. TransUnion stellt nun einen Umsatz von 5,13 – 5,16 Mrd. USD und einen Gewinn von 4,75 – 4,83 USD je Aktie in Aussicht (bisher: 5,10 – 5,14 Mrd. USD und ein Ergebnis von 4,68 – 4,75 USD je Aktie).
Da TransUnion in der Regel tiefstapelt, sind die Prognostiker noch etwas optimistischer und erwarten einen Gewinnsprung um 13 % auf 4,84 USD. Damit würde das Unternehmen wie gewohnt ein Rekordergebnis einfahren – seit dem Börsengang im Jahr 2014 ist das in 10 von 11 Jahren gelungen.
TransUnion kommt demnach auf eine forward P/E von 16,6. Im langjährigen Durchschnitt lag die P/E bei 25.

Gelingt jetzt ein Ausbruch über 82 USD, könnte das eine Rallye in Richtung 88 oder 93 USD einleiten. Darüber ergäbe sich Potenzial bis 99 USD.
Für antizyklische Anleger könnte hingegen der Bereich zwischen 64 und 71 USD interessant sein.
Aus Sicht der Bullen sollte die Aktie jedoch nicht unter 64 USD fallen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 12.08.2026 um 11:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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