Auto1 Group: Short Squeeze in Sicht?

von |
In diesem Artikel

Auto1 Group
ISIN: DE000A2LQ884
|
Ticker: AG1 --- %

---
EUR
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur Auto1 Group Aktie

Der Online-Autohändler Auto1 Group meldete gestern früh die Absatz- und Ankaufszahlen des vierten Quartals. Das Wachstum war beeindruckend, aber die Aktie, die anfangs fünf Prozent zulegte, drehte schnell ins Minus und schloss auf Rekordtief. Ist diese Baisse endlos?

LYNX Premium
Exklusiv für Börsenblick-Leser

Um den Artikel vollständig lesen zu können, müssen Sie Abonnent unseres Newsletters LYNX Börsenblick sein.
Noch kein Abonnent? Melden Sie sich jetzt kostenfrei mit Ihrer E-Mail-Adresse an.
Sie erhalten den Freischaltungslink sofort per E-Mail!
Wenn Sie schon Abonnent sind, geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein.

Loading...

Natürlich haben Aktien, deren Unternehmen noch deutlich außerhalb der Gewinnzone operieren, das Problem einer soliden Bewertung, so dass sie mehr von der allgemeinen Marktstimmung abhängig sind, als mit Gewinnen und Dividenden aufwartende, etablierte Unternehmen. Aber ein so drastischer Abstieg, wie ihn die Auto1 Group-Aktie zeigt, ist schon ungewöhnlich. Vor allem, weil das Unternehmen im Rahmen der eigenen Ziele wächst.

Zwar bremsen momentan bei der Auto1 Group relativ hohe Investitionen. Aber das sind Investitionen in Kapazitäten zur Aufbereitung von angekauften Gebrauchtwagen – und die Fähigkeit, das europaweit in Eigenregie tun zu können, ist mittelfristig ein wichtiger Vorteil. Und mit den gestern vorgelegten An- und Verkaufszahlen des vierten Quartals (die Verkäufe stiegen insgesamt 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal), wird klar: Es läuft alles im Plan. Nur die Aktie nicht.

Die Auto1 Group-Aktie wurde den Erstzeichnern im Februar 2021 zu 38 Euro zugeteilt. Am ersten Handelstag erreichte der Aktienkurs 56,76 Euro – ein gigantischer Gewinn für die Erstzeichner. Aber schon am ersten Tag schloss die Aktie unter dem Eröffnungskurs und sollte das damalige Tageshoch nie wieder erreichen. Im Juni schloss die Aktie erstmals unter dem Ausgabekurs, mittlerweile hat sich der Kurs gegenüber dem Zeichnungs-Kurs von 38 Euro mehr als halbiert. Was steckt dahinter?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Auto1 Group Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Der Umstand, dass die Entwicklung für das Unternehmen planmäßig verläuft und gerade in diesen Monaten Gebrauchtwagen grandiose Preise erzielen, spricht dafür, dass man die Ursache der Dauer-Baisse woanders suchen muss. Und wenn ein Chartbild so aussieht wie dieses, wird deutlich: Hier sind vor allem charttechnisch orientierte Trader am Werk – auf der Baisse-Seite.

Wir sehen hier einen Abwärtstrendkanal, dessen obere Begrenzung im August ebenso wie im November eindrucksvoll bestätigt wurde. Das animiert die Trader, hier konsequent auf der Short-Seite zu agieren, sprich die Auto1 Group-Aktie immer wieder leer zu verkaufen. D.h. man leiht sich die Aktien, verkauft sie, um den Kurs zu drücken und plant, sie zu tieferen Kursen zurückzukaufen und dem Verleiher zurückzugeben. Die Differenz zwischen dem Verkaufskurs und dem späteren Rückkaufskurs ist, abzüglich der meist geringen Leihgebühr, der Reingewinn des Leerverkäufers.

Die untere Begrenzung des Trendkanals verläuft derzeit bei 17,25 Euro. Dass diese Linie vergangene Woche zunächst leicht, mit dem Abverkauf anfänglicher Gewinne gestern dann deutlich unterboten wurde, deutet an, dass die Leerverkäufer langsam übermütig werden. So etwas kann fatal schiefgehen, in einer sogenannten „Short Squeeze“ enden.

Denn wenn die Aktie erst einmal deutlicher anzieht, schwimmen den Leerverkäufern die Felle weg. Sie müssen die Aktie dann umgehend zurückkaufen, um keinen Verlust zu erleiden. Und bei einem Chartbild wie diesem darf man vermuten, dass da sehr viele leer verkauft haben. Wenn die alle auf einmal ihre leer verkauften Positionen „eindecken“ wollten, kann eine solche Aktie schnell mal zehn oder zwanzig Prozent nach oben schießen. Aber Vorsicht:

Einfach darauf zu wetten, dass eine solche Short Squeeze einsetzt, ist brandgefährlich. Das hätte man bei dieser Aktie schon mehrfach vermuten dürfen, doch bislang ist sie nie aufgetreten. Es sollte zumindest die Rückkehr in den Abwärtstrendkanal und ein Break über den nächstgelegenen Kreuzwiderstand erfolgen. Der liegt im Bereich 18,75 Euro und setzt sich aus dem Dezember-Tief und der 20-Tage-Linie zusammen. Alles, was sich darunter abspielt, dürfte die Leerverkäufer, sprich die „Bären“, noch in keiner Weise nervös machen!

Auto1 Group-Aktie: Chart vom 18.01.2022, Kurs 15,76 Euro, Kürzel AG1 | Online Broker LYNX

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen

Alle Börsenblick-Artikel

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Es gab in den letzten Wochen keine neuen Nachrichten vom Online-Automobilhändler AUTO1 Group, trotzdem fiel die Aktie immer weiter. Die Leerverkäufer freuen sich … aber wenn sie ihre Buchgewinne aufs Konto bringen wollen, könnte sich das ändern.

Es ist ein Start-Ziel-Sieg für die Bären, wie man ihn so wohl sonst nirgends findet. Das Verlaufshoch der AUTO 1 Group-Aktie entstand am 4. Februar, dem allerersten Handelstag der Aktie. Da wurden 55 Euro erreicht. Und all diejenigen, die bei der Erstzeichnung der Aktie dabei waren und diese zu 38 Euro ins Depot gebucht bekamen, konnten sich entspannt zurücklehnen. Doch dieser Zuteilungspreis wurde bereits im Juni unterschritten … und am gestrigen Montag wurde das bisherige Verlaufstief bei 18,76 Euro erreicht … auf einmal finden sich die Erstzeichner also 50 Prozent im Verlust wieder. Geht das etwa immer so weiter?

Das muss es nicht und tendenziell wird es das auch nicht. Wobei man sich aber nicht unbedingt darauf verlassen sollte, dass es zunächst nicht noch weiter abwärts geht, bevor diese Aktie dann irgendwann auf einmal zum Leben erwacht.

Da die fundamentale Lage eigentlich nicht negativer ist als zu dem Zeitpunkt, als die Anleger die Aktie hatten zeichnen können (weil zwar der Weg hin zur Gewinnschwelle durch zusätzliche Investitionen jetzt länger, dafür aber solider geworden ist), die Bären das aber auch bislang ignorierten, ist es zwar fraglich, ob es eine Quartalsbilanz sein könnte, die die Aufwärtswende auslöst. Aber je länger und weiter eine Aktie fällt, desto weniger zwingend müssen es „good news“ sein, die einen Abwärtstrend drehen. Grund:

Expertenmeinung: Dieser monatelange, wie auf Schienen laufende Abwärtstrend dürfte die umgehenden Aktien schon längst mehrfach von einer Hand in die andere gebracht haben. Die Dynamik des Abwärtstrends wird vor allem von sogenannten „Leerverkäufen“ ausgelöst. Das bedeutet, dass Trader in Aktien der AUTO1 Group Short gehen, indem sie sich bei Anlegern, die die Aktie besitzen, eben diese leihen und diese geliehenen Aktien dann am Markt verkaufen. Ziel: Druck auf den Kurs ausüben, um die Aktie dann zu niedrigeren Kursen kaufen und dem Verleiher zurückgeben zu können. Abzüglich der meist winzigen Leihgebühr ist die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem die Aktie verkauft wurde und dem Kurs, zu dem sie dann später zurückgekauft wurde, der Gewinn des Leerverkäufers.

Wenn wir im Hinterkopf haben, dass die unternehmerische Entwicklung der AUTO1 Group eine solche Super-Baisse nicht unterfüttert und dann sehen, dass der Aktienkurs eine untere Begrenzung des übergeordneten Abwärtstrends erreicht hat, wäre das so ein Moment, wo weit im Gewinn liegende Leerverkäufer auf die Idee kommen könnten, diesen Gewinn einzustreichen. Was aber eben nur geht, wenn man die Aktie dazu in der Menge kauft, in der man sie vorher leer verkauft hatte. Aber was, wenn da nicht genug Aktien angeboten werden, während sehr viele Leerverkäufer gleichzeitig ihre Position schließen (eindecken) wollen?

Dann kommt es zu einer Short Squeeze,, d.h. die Leerverkäufer werden ausgequetscht wie Zitronen, weil sie, wenn die Aktie erst einmal nach oben gedreht hat und sie ihre Gewinne sichern bzw. behalten wollen, dann eben zu jedem Preis in die Aktie hinein müssen. Das kann bisweilen dramatische Kurssprünge auslösen. Aber Vorsicht:

Ob man „eindecken“ will oder nicht, ist nicht zwingend von einer solchen, potenziellen Unterstützung abhängig, die die AUTO1 Group jetzt erreicht hat, sondern eine sehr emotionale Entscheidung, die dann auch noch eine solche Kettenreaktion durch die Eindeckungen anderer auslösen muss. Dass so etwas passiert, darauf sollte man sich auf keinen Fall verlassen. Nur eines sollte man jetzt besser wirklich nicht mehr: Hier noch selbst leer verkaufen bzw. über andere Derivate auf eine noch weiter reichende, ewige Baisse setzten, denn so langsam dürfte das Chance/Risiko-Verhältnis hier kein Verbündeter der Bären mehr sein!

Chart vom 20.12.2021, Kurs 19,79 Euro, Kürzel AG1 | Online Broker LYNX

Gestern früh stufte JP Morgan die Aktie der Auto1 Group von „Übergewichten“ auf „Neutral“ ab und senkte das Kursziel massiv von 52 auf 28 Euro. Dass das erneute Verkäufe auslöste, überrascht nicht. Trotzdem würde ich auf der Short-Seite langsam ans Eindecken denken.

Der Online-Autohändler Auto1 Group startete seine Börsenkarriere mit einem ersten Kurs von 55 Euro, nachdem die Aktie den Erstzeichnern zu 38 Euro zugeteilt wurde. Ein Gewinn, der sich sehen lassen konnte. Doch damit war die Karriere der Aktie auch schon zu Ende, es sei denn, man sieht die Sache aus der bärischen Perspektive. Denn für die Leerverkäufer ist diese im Februar an die Börse gekommene Aktie bislang ein Start-Ziel-Sieg. Aber es wäre verwegen, wollte man einfach darauf wetten, dass dieser Abstieg ewig so weitergeht.

Es ist zwar nicht damit zu rechnen, dass das Unternehmen in den nächsten zwei Jahren in die schwarzen Zahlen vordringt. Aber damit hätte man auch nicht rechnen können, als die Aktie an die Börse gebracht wurde. Und die Umsatzprognose hatte die Auto1 Group im Zuge der Bilanz zum dritten Quartal angehoben, sogar recht deutlich, von zuvor 4,0 – 4,4 Milliarden auf jetzt 4,5 – 4,6 Milliarden Euro. Und auch, wenn es bei einem Verlust bleibt, wurde die Prognose für die bereinigte EBITDA-Gewinnmarge von einer Spanne zwisshchen -2,5 bis -3,0 auf jetzt rund -2,5 Prozent konkretisiert. Die Aktie, die im Vorfeld der Bilanz (am 17.11.) einen Ausbruchsversuch über die übergeordnete Abwärtstrendlinie versuchte, daraufhin auf neue Rekordtiefs zu schicken, war im Licht dieser Entwicklung überzogen.

Expertenmeinung: Die Auto1 Group investiert derzeit immens in eine Abrundung des Weges vom Ankauf zur Lieferung gebrauchter Fahrzeuge, indem man ein bis zu 35.000 Fahrzeuge jährlich abwickelndes Aufbereitungszentrum errichtet. Das kostet nun einmal Geld. Aber das sind Investitionen, die in der Zukunft eine umso bessere Rendite ermöglichen.

Was die meisten Analysten genauso sehen: Dass JP Morgan die Aktie derart nach unten stutzte, lag daran, dass das Kursziel einfach „alt“ war und man daher einen Radikalschnitt vornahm, um wieder up to date zu sein. Doch dieses Ziel von 28 Euro liegt klar über dem derzeitigen Level der Aktie. Und der Durchschnitt der Analysten-Kursziele für die Auto1 Group-Aktie liegt derzeit bei 51 Euro, das neue Kursziel von JP Morgen ist das mit Abstand niedrigste.

Der Gedanke liegt nahe, dass hier ungewöhnlich viele Akteure die Aktie leer verkauft haben und das weiter tun. Solche dadurch ausgelösten radikalen Abwärtsbewegungen schrecken potenzielle Käufer ab. Aber sie haben auch den Haken, dass die Aktie plötzlich und weit steigen kann, wenn die Leerverkäufer den Gewinn kassieren wollen. Denn um Leerverkäufe zu neutralisieren, muss man die zuvor leer verkauften Aktien eben am Markt kaufen. Nach diesem immensen Abstieg kann das dazu führen, dass dann kaum noch jemand Aktien anbietet und dadurch ein „Short Squeeze“ entsteht, die den Kurs senkrecht nach oben treibt.

Ob das passiert und wann, ob zunächst noch der Versuch gelingt, den Kurs aus seiner kurzfristigen Seitwärtsrange heraus auf neue Tiefs zu drücken, kann man nicht vorhersehen. Was man aber festhalten kann: Diese Aktie ist so massiv gedrückt worden, obwohl es für die Auto1 Group läuft wie geplant, dass ich unbedingt die Finger von Short-Trades lassen bzw. bei bestehenden Short-Trades zusehen würde, den Gewinn nach Hause zu bringen.

Die Aktie des Online-Autohändlers AUTO1 Group wurde im Februar zu 38 Euro an die Erstzeichner ausgegeben und startete mit einem beeindruckenden Sprung auf 55 Euro in den Börsenhandel. Doch seither kennt diese Aktie nur den Weg nach unten. Was geht da vor?

Er wirkt schon seltsam, dieser stete Abverkauf der AUTO1 Group-Aktie, seit es am 17./18. November misslang, den Kreuzwiderstand aus der übergeordneten, die Aktie seit ihrem Börsendebüt begleitenden Abwärtstrendlinie und der Wendemarke bei 34,50 Euro zu überwinden. Denn am 17. November kamen die Ergebnisse des dritten Quartals – und die wiesen einen Rekord nach dem anderen aus. Wie kann man darauf negativ reagieren? Zumal es jetzt, auf neuen Rekordtiefs, sehr danach aussieht, als würden nicht einfach nur Anleger die Aktie verkaufen, sondern Leerverkäufer gezielt Druck ausüben?

Der Umsatz des Online-Autohändlers lag im dritten Quartal mit 1,26 Milliarden Euro, beeindruckende 64 Prozent über dem Vorjahresquartal. Die Gesamtjahres-Umsatzprognose wurde von 4,0 – 4,4 auf jetzt 4,5 – 4,6 Milliarden Euro angehoben. Und für das Brutto- bzw. Rohergebnis sieht die AUTO1 Group jetzt nach zuvor 380 – 410 Millionen Euro 415 – 425 Millionen. Wo sollte da ein Haken sein?

Expertenmeinung: Er findet sich bei der EBITDA-Gewinnmarge, d.h. dem Anteil am Umsatz, der vor Einbezug von Steuern, Zinsen und Abschreibungen als Gewinn hängenbleibt. Hierfür wurde die Prognose für das Gesamtjahr 2021 von einer Spanne zwischen 2,0 und 2,5 Prozent jetzt ans untere Ende, also auf 2,0 Prozent, nach unten genommen. Was auf EBITDA-Basis viel ausmacht.

Netto wird die AUTO1 Group ohnehin keine Gewinne erzielen, aber das war klar, denn man investiert derzeit in weiteres Wachstum und Synergieeffekte durch die Schaffung von Kapazitäten zur Fahrzeugaufbereitung. Aber dass diese EBITDA-Margenprognose gesenkt wurde, bedeutet, dass letztlich auf dieser EBITDA-Basis 20 Prozent weniger hängenbleibt als zuvor am oberen Ende der Prognosespanne avisiert … von 100 Euro Umsatz wären jetzt auf EBITDA-Basis nicht 2,0 bis 2,5, sondern eben nur noch 2,0 Euro übrig.

Möglich, dass es manchem Anleger aufstieß, dass das in einer Bilanzmeldung, die von Superlativen dominiert wurde, nur am Rande auftauchte und nicht besonders hervorgehoben wurde. Wahrscheinlicher aber ist, dass den Tradern damit vor allem klar wurde, dass das Erreichen der „schwarzen Null“ in der Bilanz eben noch ziemlich lange dauern könnte.

Was die Analysten angeht, heben da weiterhin nahezu alle den Daumen. Aber das hilft nichts, wenn die Anleger nicht auf sie hören. Das durchschnittliche Experten-Kursziel für diese Aktie liegt bei 51 Euro, zwei Analysten hatten unmittelbar nach der Bilanz, am 18. November, ihre Kursziele auf 37 bzw. 47 Euro angehoben. Sie sehen es im Chart: Das half alles nichts, gestern notierte der Kurs gerade mal auf halber Höhe dieses durchschnittlichen Kursziels. Solange die Aktie im Abwärtstrend verharrt, insbesondere, nachdem jetzt auch noch das vorherige Rekordtief vom Oktober bei 28,19 Euro durchschlagen wurde, ist die AUTO1 Group-Aktie zwar allemal spannend genug, um sie im Auge zu behalten. Aber blind in dieses fallende Messer zu greifen, wäre äußerst riskant.

Chart vom 25.11.2021, Kurs 25,60 Euro, Kürzel AG1 | Online Broker LYNX

Auto1: Vom deutschen Start-Up zum größten Gebrauchtwagenhändler in Europa. Das ist erst der Anfang. Die Aktie startet. Wie sieht die Prognose jetzt aus?

Just my two cents

Auto1 ist ein 2012 in Deutschland gegründetes Unternehmen und nach eigenen Angaben der größte Gebrauchtwagenhändler Europas.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber der Kauf- und Verkaufsprozess von Autos könnte nun wahrlich besser sein.
Wenn man nicht gerade Kfz-Mechaniker ist, hat man wohl nie ein gutes Gefühl dabei. Kann man dem Käufer/Verkäufer trauen? Ist der Zustand wirklich so gut, wie beschrieben? Ist der Preis in Ordnung? Da alles Verhandlungssache ist, kann man wohl nie sicher sein.

Leider gibt es bei uns keine wirkliche Alternative. Der Markt ist extrem fragmentiert und zehntausende von Autohändlern kochen ihr eigenes Süppchen.
In den USA gibt es einige börsennotierte Unternehmen, die die Sache etwas anders angehen.

Darunter beispielsweise Carvana oder Lithia Motors. Das größte Gut dieser Händler ist das Vertrauen der Kunden, dann können Fahrzeuge auch über das Internet abgesetzt werden.
Sie werden es nicht glauben, aber der Anteil der ungesehen über das Internet gekauften Fahrzeuge steigt unaufhörlich.

Der Trick ist, wie gesagt Vertrauen. Egal ob im stationären oder digitalen Gebrauchtwagenhandel. Lithia Motors kauft beispielsweise Fahrzeuge an, checkt sie komplett durch und verkauft sie für einen Festpreis.

Der Kunde kann sich sicher sein, dass der Zustand des Fahrzeugs in Ordnung ist. Ob er den Preis annimmt, oder nicht ist seine Wahl. Jeder weiß, dass Lithia keine Mondpreise verlangt, die Margen sind nicht sehr hoch.
Das scheint Anklang zu finden. In den letzten 12 Monaten hat Lithia Motors 20 Mrd. USD an Umsatz generiert.

Noch besser wäre dieses Geschäftsmodell natürlich, wenn man es online abwickeln könnte.

Auto1

Genau hier kommt Auto1 ins Spiel. Das Unternehmen hat sich mit Autohero das Ziel gesetzt, genau diese Lücke in Europa zu schließen.

Zuvor hat man das größte B2B-Netzwerk in Europa aufgebaut, also vor allem von und an Händler verkauft. Damit wurde die Grundlage für das noch aussichtsreichere Geschäft mit Endkunden geschaffen.

Inzwischen betreibt man mehr als 150 Logistikzentren sowie 400 Abholstationen in Europa.

Die internen Transportkosten liegen bei rund 75 Euro je Fahrzeug. Das bedeutet man könnte hier zusätzlich verdienen.
Weitere Einnahmen kann man durch die Finanzierung und die Wiederaufbereitung generieren.
Die Punkte werden hier in anderthalb Sätzen abgefrühstückt, sind aber von enormer Bedeutung.

Würden Sie?

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht. Aber ich wäre auch dazu bereits etwas mehr zu zahlen, um mir einerseits die Anfahrt zu mehreren Händlern zu sparen. Und vor allem, um mir sicher zu sein, dass der Zustand auch wie beschrieben und alles technisch in Ordnung ist.
Unter dem Strich ist das einfacher und im Zweifelsfall auch günstiger.

Dass der Markt gigantisch ist, muss man kaum erwähnen. Jährlich werden in Europa mit Gebrauchtwagen rund 700 Mrd. Euro umgesetzt.
Selbst wenn man sich mit Autohero nur einige Prozent des Gebrauchtwagenmarkt einverleiben wird, sprechen wir das Vielfache des heutigen Umsatzes.

Dementsprechend viel Potenzial messe ich diesem Geschäft bei.

Lassen wir die Zahlen sprechen

Der Erfolg spricht für sich. Auto1 ist bereits jetzt zum größten Gebrauchtwagenhändler Europas aufgestiegen. Der Umsatz lag keine zehn Jahre nach Gründung zuletzt bereits bei 3,48 Mrd. Euro.

Operativ ist man bereits profitabel, die Expansion verschlingt aber natürlich alles. In der derzeitigen Situation sollte es auch so sein.
Die Margen bewegen sich allerdings in die richtige Richtung.

Wie erwartet geht es mit dem Endkunden-Geschäft in großen Schritten vorwärts. Im letzten Quartal verzeichnete man hier ein Wachstum von 364%.
Der Konzernumsatz legte in Q3 um 64% auf 1,26 Mrd. Euro zu.

Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde von 4,0-4,4 auf 4,5-4,6 Mrd. Euro erhöht.
Beim Rohertrag stellt man nun 415-425 Mio. Euro in Aussicht, bisher war man von 380-410 Mio. Euro ausgegangen.

Wir sollten uns nochmal vergegenwärtigen, über welche Größen wir hier inzwischen sprechen. Auto1 dürfte in diesem Jahr rund 600.000 Fahrzeuge an den Mann bringen.

Auto1 kommt demnach auf ein KUVe von 1,6. Bei dem großen adressierbaren Markt und dem vorliegenden Wachstum und dem Endkundengeschäft, welches noch in den Kinderschuhen steckt, ist das wenig.
Das US-Pendant Carvana kommt auf ein KUV von 4,6.

Chart vom 17.11.2021 Kurs: 34,40 Kürzel: AG1 - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 17.11.2021 Kurs: 34,40 Kürzel: AG1 – Tageskerzen

Trotzdem wollte die Aktie bisher niemand haben. Seit dem Börsengang geht es mit dem Kurs nur bergab. Das könnte sich jetzt ändern. Mit dem heutigen Ausbruch über 34 Euro wurde der Abwärtstrend überwunden und es ist zu einem prozyklischen Kaufsignal gekommen.
Das erste Kursziel bei 35 Euro wurde bereits erreicht. Darüber wäre Platz bis 37 und 39 Euro. Mittelfristig könnte der Preis der Erstnotiz und mehr erreicht werden.

Fällt Auto1 hingegen wieder unter 33,80 Euro zurück, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.

Die Auto1 Group meldete am Freitagmorgen, dass man eine erste eigene Instandsetzungs-Einrichtung in Betrieb genommen habe, durch die interne Abläufe optimiert und die Kapazitäten erhöht werden können. Doch statt zu steigen, fiel die Aktie auf ein neues Tief.

Die Auto1 Group ist eine Gebrauchtwagenplattform, die vor allem über wirkaufendeinauto.de gebrauchte Fahrzeuge ankauft und über die Marke Autohero anbietet. Das ist ein interessanter Markt mit Wachstumspotenzial. Und die Errichtung eines eigenen Instandsetzungszentrums mit bis zu 150 Arbeitsplätzen ergibt absolut Sinn. Der Haken ist, dass das Unternehmen in den nächsten Jahren wohl noch nicht in die schwarzen Zahlen kommen wird … und mancher Anleger sich bei dieser gerade erst in diesem Februar an der Börse gelisteten Aktie wohl mehr versprochen hat.

Dass die Aktie auf eine grundsätzlich positive Meldung hin unter Druck geriet und sogar einen neuen Verlaufsrekord markierte, deutet an, dass da immer noch viele Akteure investiert sind, die die für ein solches Unternehmen nötige Geduld nicht aufbringen … und darüber hinaus wohl auch einige Leerverkäufer die Aktie gezielt drücken. Denn das Minus des Freitags drückte die Aktie unter die letzte charttechnische Unterstützung in Form des bisherigen Verlaufstiefs, da sind dann Bären oft aktiv mit von der Partie. Wie geht man mit einer solchen Situation um?

Expertenmeinung: Zunächst einmal muss man sich selbst fragen, ob man die Geduld aufbringen will, investiert zu sein, bis sich herausstellt, ob die Auto1 Group profitabel wird und was dann an Gewinnpotenzial besteht. Denn bis dahin ist keine wirklich belastbare Bewertung möglich, der Kurs daher vor allem der Stimmungslage unter den Akteuren unterworfen.

Zum anderen zeigt die negative Reaktion auf eine eigentlich gute Nachricht, dass noch viele Anleger in der Aktie sind, die zu hohe Erwartungen haben. Daher muss man momentan, gerade wegen dieses am Freitag durch den Break unter das bisherige Tief der Aktie (34,46 Euro) entstandenen, erneuten charttechnischen Verkaufssignals, mit weiterem Druck rechnen.

So, wie sich das Chartbild und das Verhalten der Marktteilnehmer darstellen, ist diese Aktie derzeit ein „fallendes Messer“. Hier auf Verdacht zuzugreifen, ist sehr riskant. Besser wäre es, sich konsequent am Chart zu orientieren und erst dann den Kauf zu erwägen, wenn sich erweist, dass die Käufer zurück und imstande sind, normalerweise von Short-Sellern aktiv verteidigte, charttechnische Widerstände zu überwinden. Und da sticht eine zentrale Linie ins Auge:

Auto1 Group-Aktie: Chart vom 10.09.2021, Kurs 33,36 Euro, Kürzel AG1 | Online Broker LYNX

Vom Start weg hat die Auto1-Aktie einen Abwärtstrend etabliert. Unter dieser aktuell bei 38,90 Euro verlaufenden Linie wurde der Kurs gerade erst Ende August erneut nach unten abgewiesen. Gelingt es, diesen Trend zu brechen, wäre das ein markant positives Signal. Und man wäre dann immer noch in etwa auf dem Level dabei, zu dem die Aktie an die Erstzeichner ausgegeben wurde. Denn auch, wenn der erste Handelstag noch euphorisch verlief und ein Hoch von 56,76 Euro erreichte: Ausgegeben wurde die Aktie zu 38 Euro!