XAUUSD aktuell Gold: So geht es nicht weiter … aber wie geht es denn weiter?

News: Aktuelle Gold Analyse des London Gold Spot

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Allzu lange halten die vielen spekulativen, kurzfristig orientierten Trader eine trendlose Phase bei einem derart intensiv getradeten Asset wie Gold nicht aus. Dann kommt es gemeinhin zu einem Ausbruch, dem viele dann umgehend folgen und ihn dadurch intensivieren. Dabei muss die Ausbruchsrichtung nicht logisch sein, was einen Seitenblick auf die Rahmenbedingungen angeht. Denn je länger eine Seitwärtsbewegung andauert, desto weniger mittel- und langfristig orientierte, vor allem fundamental orientierte Marktteilnehmer sind im Tagesgeschäft dabei. Und die momentane Seitwärtsbewegung dauert bereits einen Monat an. Eine Entscheidung könnte also jederzeit erfolgen, zumal jetzt die März-Aufwärtstrendlinie wackelt. Das dürfte die Akteure aus der Reserve locken. Aber in welche Richtung müsste Gold ausbrechen?

Da findet sich des Pudels Kern: Bei vor allem charttechnisch initiierten Impulsen bleibt die Logik bisweilen auf der Strecke. Denn wollte man z.B. als Basis annehmen, dass Gold als „sicherer Hafen“ angesehen wird und daher dann die besten Chancen für einen Ausbruch nach oben bestünden, wenn sich die Erholung der Weltwirtschaft festfährt oder es sogar wieder abwärts ginge, bliebe offen, wie viele Marktteilnehmer eine solche Sicht der Dinge auch teilen und entsprechend handeln würden. Schließlich sehen wir in den letzten Wochen nicht wenige Konjunkturdaten, die andeuten, dass sich die Erholung zu früh festfährt, aber bislang lässt das die Aktienmärkte kalt. Also wäre auch ein Ausbruch des Goldes nach oben nicht zwingend.

Expertenmeinung: Es wäre derzeit tatsächlich der bessere Weg, es für den Moment den kurzfristigen Tradern nachzutun und die Charttechnik als Ankerpunkt für eine Positionierung in den Vordergrund zu stellen. Und da die momentane Seitwärtsbewegung im Gegensatz zu der einschläfernden Phase zwischen Mitte April und Mitte Juni sehr lebhaft und volatil ist, finden sich hier auch charttechnische Ankerpunkte, die eine gute Chance haben, relativ bald angegangen zu werden.

Auf der Unterseite testet Gold zwar aktuell die Kreuzunterstützung aus der März-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie im Bereich 1.945/1.950 US-Dollar, aber in Seitwärtsbewegungen verlieren Auf- und Abwärtstrendlinien an Bedeutung, daher ist es die Auffangzone 1.863/1.902 US-Dollar, die für eine kurzfristige Richtungsentscheidung von größerer Bedeutung wäre. Dass es hier in der Tat vor allem um die Grabenkämpfe der Trader und nicht um das übergeordnete Bild geht, zeigt sich auch daran, dass das alte Rekordhoch, 2011 bei 1.921 US-Dollar markiert, im aktuellen, täglichen Auf und Ab keine Rolle spielt. Sollte dieser Bereich 1.863/1.902 US-Dollar fallen, wäre die dann zu erwartende, erste Zielzone eines Abwärtsschubes der Bereich 1.661 zu 1.748 US-Dollar, d.h. die durch die 200-Tage-Linie verstärkte, alte Seitwärtsrange der Monate April bis Juni.

Dass die letzten, kurzfristigen Zwischenhochs jeweils leicht unter den vorherigen lagen, bedeutet für die bullische Seite zwar ein Handicap, aber sobald es gelänge, die beiden letzten Zwischenhochs mit Schlusskursen über 2.016 US-Dollar zu überbieten, wäre dieser Bann gebrochen. Das unmittelbare Kursziel wäre dann zwar „nur“ das bisherige Verlaufs-Rekordhoch bei 2.075 US-Dollar. Aber würde Gold einen Ausbruch nach oben schaffen, müsste diese bisherige Bestmarke keineswegs zwingend eine nachhaltige Bremse sein.

Chart vom 10.09.2020, Kurs 1.948,20 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des London Gold Spot

War es das erst einmal mit der Gold-Hausse … oder startet das Edelmetall umgehend durch und überbietet die jüngsten Hochs deutlich? Einige Experten verweisen auf einen wieder etwas anziehenden US-Dollar zum Euro und gestiegene Anleiherenditen. Beides sind Argumente, die kurzfristig auf den Goldpreis drücken und Umschichtungen in Richtung US-Anleihen auslösen können. Die Frage ist aber, ob das nachhaltige Entwicklungen sind und zudem, ob sich die Gold-Bullen dadurch die Butter vom Brot nehmen lassen. Denn eigentlich sprechen die Rahmenbedingungen eher dafür, dass steigende US-Renditen und ein stärkerer US-Dollar nicht mehr sind als eine Gegenbewegung, bevor die Renditen wieder sinken und der Greenback weiter an Boden verliert.

Gerade die gestern im Rahmen der Jackson Hole-Notenbankkonferenz verkündete Entscheidung der US-Notenbank, vom bisherigen, relativ starren Inflationsziel abzugehen, würde diesen Gedanken unterstützen. Denn die US-Notenbank würde diesen Weg nicht gehen, wenn sie nicht davon ausgehen würde, dass extrem tiefe Renditen am Anleihemarkt über einen langen Zeitraum nicht nur hilfreich, sondern zwingend erforderlich wären. Diese Entscheidung war eine zu Gunsten lange Zeit unattraktiver Anleiherenditen und ein Beleg dafür, dass die v-förmige Erholung der US-Aktienmärkte in der Realwirtschaft bislang keine Entsprechung findet. Beides würde gegen eine Abwärtstrendwende bei Gold sprechen, aber:

Expertenmeinung: Bei Gold tummeln sich nicht nur fundamental orientierte, mittel- und langfristige Investoren. Im Gegenteil sind es die kurzfristigen, chart- und markttechnisch orientierten Trader, die die ganz kurzfristige Tendenz bestimmen. Und vor allem auf die kommt es jetzt an. Der Chart zeigt, worum es jetzt geht:

Anfang August sackte der Goldpreis binnen nur drei Handelstagen von seinem bisherigen Verlaufsrekord bei 2.075 US-Dollar auf 1.863 US-Dollar durch. Damit setzte der Kurs genau auf der Mitte März etablierten, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie auf – und die hielt. Doch die darauf folgenden Käufe versandeten unterhalb des Rekordhochs. Gold fiel erneut zurück und testete diese März-Trendlinie am Mittwoch und Donnerstag erneut. Beide Male hielt sie zwar. Aber nachdem der Goldpreis am Donnerstag als erste Reaktion auf die US-Notenbankentscheidung zulegte, dann aber an der 20-Tage-Linie abgefangen wurde, ist die Entscheidung per Freitagmorgen offen.

Gelingt es, den Kurs von dieser aktuell bei 1.910 US-Dollar verlaufenden Trendlinie zu lösen und über der momentan bei 1.970 US-Dollar notierenden 20-Tage-Linie zu schließen, wäre nach oben wieder alles drin. Sollte die Trendlinie heute oder zu Beginn der kommenden Woche jedoch brechen, dürften die technisch orientierten, kurzfristigen Trader wohl kaum einen Gedanken an mittelfristig positive Perspektiven des Goldes verschwenden und auf die Short-Seite wechseln. Ein Test der Supportzone um 1.750 US-Dollar wäre dann keineswegs auszuschließen. Hopp oder Topp … jetzt entscheidet es sich.

Gold: Chart vom 27.08.2020, Kurs 1.928,40 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Je komplizierter sich die Rahmenbedingungen darstellen, desto eher neigen Marktteilnehmer dazu, auf fahrende Züge aufzuspringen. Da es in extrem komplexen Phasen vielen zu aufwändig ist, die Lage komplett zu erfassen, verlassen sie sich bei abrupten und starken Impulsen darauf, dass „die anderen schon wissen werden, was sie tun“. Was jedoch dazu führen kann, dass aus rein technisch bedingten Bewegungen starke Schübe werden, zu denen die Medien die passenden Meinungen dann „nachreichen“. Der kräftig wegbrechende Goldpreis war gestern ein typisches Beispiel dafür.

Ob man zu hören bekam, dass die steigenden Aktienmärkte ein Beleg dafür seien, dass die Gemengelage sich rasant aufhellt und daher „sichere Häfen“ wie Gold verkauft werden sollten oder man scheinbar tiefer ging, indem man die Hauruck-Freigebe eines Impfstoffs in Russland oder den deutschen ZEW-index als Auslöser der Umschichtung in konjunktursensible Aktien angab: Es hielte einem genaueren Hinsehen nicht stand.

Diese Impfstoff-Freigabe wird zu Recht mehrheitlich als äußerst unbesonnen angesehen. Der ZEW-Index war keineswegs gut, wenn man sich beide Indizes des ZEW ansah und nicht nur den scheinbar guten von beiden. Und der Aktienmarkt steigt vor allem in den USA schon seit Anfang des Monats, ohne dass das den Goldpreis anfänglich gebremst hätte, denn der hatte sein neues Rekordhoch ja gerade erst vergangenen Freitag erzielt.

Chart vom 11.08.2020, Kurs 1.920,40 US-Dollar, Kürzel XAUUSD Tageschart | Online Broker LYNX

Es dürften im Gegenteil einfach Gewinnmitnahmen gewesen sein, die dann aber in eine Verkaufslawine mündeten. Das ist beileibe nichts Neues. Wie läuft so etwas ab? Gerade weil Gold in den vergangenen Wochen so immens stark zugelegt hatte, tummelten sich hier mehr kurzfristige Trader als üblich, die mit aggressiven, hoch gehebelten Derivaten agieren und dementsprechend enge Stop Loss-Absicherungen fahren. Wenn Gewinnmitnahmen dann mal etwas größer ausfallen als sonst und der Kurs dadurch durch einige Intraday-Supportlinien gedrückt wird, kann das eine Stafette an Stop Loss-Verkäufen auslösen, die jeweils noch mehr Druck erzeugen, den Kurs noch tiefer drücken und so die nächsten Stop Loss-Orders auslösen. Wenn das passiert, lässt sich der Ausverkauf nicht mehr ohne weiteres bremsen, zumindest nicht an dem betreffenden Tag.

Und es kann sogar weiter gehen, wenn der Verlust so groß wird, dass er Margin Calls auf der Long-Seite nach sich zieht und die nicht „gefillt“ werden können. Übersetzt heißt das: Die Mindest-Sicherheitsleistung bei Futures wird unterboten, es wird eine Nachzahlung fällig, um diese Sicherheitsleistung wieder auf den nötigen Stand zu bringen … und das dazu erforderliche Geld ist nicht da. Wenn das passiert, würden solche unter Wasser geratenen Long-Positionen umgehend zwangsverkauft und würden den Abgabedruck noch erhöhen. Ob es so kommt, ist per Dienstagabend nicht abzusehen, aber:

Chart vom 11.08.2020, Kurs 1.920,40 US-Dollar, Kürzel XAUUSD Wochenchart | Online Broker LYNX

Die Rahmenbedingungen sind, nüchtern betrachtet, dieselben wie Ende letzter Woche. Die Argumente, die für Gold zumindest als Beimischung im Depot sprächen, sind also alle noch da. Und es kann sogar von Vorteil sein, dass der Kurs durch diese Verkaufslawine auch mal „ausatmet“. Zumindest, solange der Goldpreis nicht nennenswert unter dem alten, 2011 erreichten Rekordhoch von 1.921 US-Dollar UND der mittelfristigen, derzeit bei 1.860 US-Dollar verlaufenden Aufwärtstrendlinie schließt, wäre Gold noch nicht bärisch und der Gedanke, dass wir hier einen gerade aus dem Bahnhof fahrenden Baisse-Zug sehen, noch ohne solides Fundament. Das soll nicht bedeuten, dass Gold sich zwingend schnell wieder an und über bisherige Rekorde begeben muss, in jedem Fall sollte man Stoppkurse, die man sich im Vorfeld gesetzt hat, konsequent beachten. Aber ob man jetzt bereits eine Basis hätte, um hier ins Bären-Lager zu wechseln, ist aus meiner Sicht zumindest noch fraglich.

Der Chart auf Monatsbasis zeigt, wie wichtig der gestrige Kursanstieg für das bullische Lager war: Der Goldpreis hat sich aufgemacht, die Widerstandszone 1.791/1.803 US-Dollar zu durchbrechen, die letzte Hürde vor dem bisherigen, im zweiten Halbjahr 2011 markierten Rekordhoch von 1.921 US-Dollar pro Feinunze. Damit ist nicht alleine die Chance gestiegen, dass Gold diesen alten Rekord wiedersieht. Es ist damit auch wahrscheinlicher geworden, dass der Kurs neue Rekorde markiert. Man sollte sich aber hüten, das bereits als sicher, als ausgemachte Sache, anzusehen.

Beeindruckend ist dennoch, dass man sich im Lager der Gold-Bullen von der Aktienmarkt-Rallye der letzten fast vier Monate nicht hat irritieren lassen. Bei Gold wird weiter konsequent darauf gesetzt, dass es zu einem erneuten Exodus aus dem Aktienmarkt kommen wird, weil man sich dort sehr weit von der keineswegs für Aktien positiven Realität entfernt hat. Und auf eine Zukunft setzt, die immer unwahrscheinlicher wird, nämlich die rasante und vollständige Erholung der Weltwirtschaft.

Dass die „Gold Bugs“ ausgeharrt und sogar konsequent zugekauft haben, zeigt eine ungewöhnlich hohe Überzeugung, die indes am Anleihemarkt, wo die Renditen weiter im Bereich ihrer Frühjahrs-Tiefs verharren, ebenso vorherrscht. Und auch, wenn nie sicher absehbar ist, wann sich die Schere zwischen Aktienmarkt und Rahmenbedingungen schließt: Dass sie sich zu Ungunsten des Aktienmarkts schließen wird, ist in der Tat die weit wahrscheinlichere Variante. Dann könnte geschehen, worauf man am Goldmarkt setzt:

Eine erneute, panische Fluchtwelle aus dem Aktienmarkt sucht nach „sicheren Häfen“ und landet bei Edelmetallen und Anleihen. Dass Gold dann einen Kapitalzufluss sieht, der reicht, um das alte Allzeithoch und darüber hinaus auch noch die magische Marke von 2.000 US-Dollar zu überwinden, ist in der Tat nichts, das utopisch klingen würde.

Gold Chart auf Monatsbasis vom 08.07.2020, Kurs 1.809,08 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Doch noch ist die Zone 1.791/1.803 US-Dollar erst knapp überboten, signifikant ist das noch nicht. Daher ist eine Absicherung laufender Long-Positionen für den Fall zwingend, dass die Gold-Bullen zurückgedrängt werden, beispielsweise im Fall einer die kritischen Rahmenbedingungen weiterhin komplett ausblenden Aktienmarkt-Rallye. Hierzu bietet das kurzfristige Chartbild aber auch eine günstige Orientierung:

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass Gold Ende Juni aus einer über zwei Monate währenden Seitwärtsrange nach oben ausgebrochen war. Deren obere Begrenzung bildet zusammen mit der März-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie im Bereich zwischen 1.747 und 1.761 US-Dollar eine markante Auffangzone. Sollte dieser Bereich auf Schlusskursbasis und mit Closings unter 1.735 US-Dollar auch deutlich unterboten werden, wäre das ein Signal, dass der Traum neuer Rekordhochs kurz vor dem Ziel doch noch platzen könnte. Sollte Gold jetzt aber kurzfristig weiter zulegen, wäre kurz- wie mittelfristig nach oben noch einiges möglich.

Gold Chart auf Tagesbasis vom 08.07.2020, Kurs 1.809,08 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

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Es ist schon beeindruckend, wie eisern die Trader im Gold auf der Long-Seite agieren, obwohl sie seit Wochen mit einem stur steigenden Aktienmarkt konfrontiert werden, der suggeriert, dass die Wende zum Besseren längst vollzogen ist und somit ein Investment in einen „sicheren Hafen“ wie Gold blockiertes Kapital wäre. Das zeigt, dass man außerhalb des Aktienmarkts wieder einmal den deutlich rationaleren Blick auf die Lage hat. Denn nicht nur Gold, auch Anleihen bleiben auf ihren hohen Levels und unterstreichen so, dass diejenigen, die sich die Entwicklung der Corona-Pandemie und der Konjunkturdaten genauer ansehen, keinen Schritt weit von ihrer Erwartung abweichen. Konkret von der Erwartung, dass die Aktien-Hausse auf Sand gebaut ist und nicht wenige, die dort schon wieder bis zur Halskrause Long sind, über kurz oder lang in Gold flüchten werden.

Ob die Gold-Bullen am Ende Recht behalten, wird sich weisen. Ob Gold aber auch dann, wenn der Aktienmarkt wieder in die Knie gehen sollte, einfach weiter zulegt, hängt aber für den Moment auch von einem anderen Aspekt ab, nämlich, ob die jetzt laufenden Gewinnmitnahmen aufgefangen und charttechnische Verkaufssignale verhindert werden können. Denn für solche Gewinnmitnahmen gibt es ein Argument, das mit Corona nichts zu tun hat, sondern mit der Vergangenheit:

Expertenmeinung: Der Kurs ist zwar vergangene Woche aus seiner wochenlangen Handelsspanne nach oben ausgebrochen, stößt jetzt jedoch auf eine alte, nichtsdestotrotz aber markante Widerstandszone. Unser ganz langfristiger Chart auf Monatsbasis zeigt, dass es nach dem Rekordhoch des Jahres 2011 eine volatile Seitwärtsbewegung gab, deren obere Wendemarken im Bereich 1.791 bis 1.803 US-Dollar liegen. Diese Zone ist zwar schon viele Jahre alt, kann aber dennoch das Geschehen aktiv beeinflussen, weil damals viele bei den Aufwärtsschüben darauf gesetzt hatten, dass Gold das vorherige Rekordhoch und womöglich auch noch die 2.000 US-Dollar-Marke überwinden wird. Doch die Abgaben derer, die jetzt ihren Einstandskurs endlich wiedersehen und erleichtert aussteigen, dürften sich nicht ewig hinziehen. Die Bullen werden versuchen, das auszusitzen. Was hieße:

Solange Gold nicht kurzfristig deutlicher nachgibt, wobei man da als kritische Marke das Juni-Verlaufstief bei 1.670 US-Dollar sehen könnte, stehen die Chancen gut, dass diese Abgaben an der Widerstandszone 1.791/1.803 US-Dollar bald abgearbeitet sind und das Edelmetall dann das mögliche Kursziel 1.800 US-Dollar in eine Etappe auf dem Weg zum bisherigen Rekordhoch von 1.921 US-Dollar verwandelt. Welches den Anstieg, sollte sich die o.a. Erwartung erfüllen, dass es eine zweite Fluchtwelle vom Aktienmarkt in die „sicheren Häfen“ geben wird, keineswegs dauerhaft aufhalten müsste.

Gold Chart vom 29.06.2020, Kurs 1.768,80 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

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Der Aktienmarkt sackt für viele überraschend und dramatisch weg, angeblich wegen düsterer Perspektiven der US-Notenbank und wieder steigender Corona-Infektionszahlen in den USA. Genau das Szenario also, auf das bärische Anleger gewartet haben: Die Rückkehr der Optimisten von Wolke 7 zurück zur Realität, verbunden mit massiven Verkäufen am Aktienmarkt in Europa und den USA, die den bullischen Anlegern das Blut gefrieren lassen dürften. Dementsprechend schlägt jetzt die Stunde der „sicheren Häfen“, d.h. der Anleihen und der Edelmetalle. Aber der Goldpreis in unserem Chart ist nicht der vom Mittwoch, als bei den Aktien noch alles in Ordnung zu sein schien, sondern vom Donnerstag. Wir sehen:

Gold stieg nur kurz und wenig über den Vortages-Schlusskurs. Am Mittwoch hatte das Edelmetall noch etwa 23 US-Dollar zugelegt, während der Aktienmarkt auf vorgenannte Aspekte nur moderat negativ reagierte. Gestern hingegen sackten die Kurse bei Dow Jones, DAX & Co. haltlos weg … und Gold schaltete in den Rückwärtsgang. Was läuft da schief für die Gold-Bullen?

Expertenmeinung: Das Problem lässt sich mit „Löcher stopfen“ umschreiben. Große Akteure haben meist breit gestreute Portfolios. In dem Moment, in dem der Aktienmarkt derart massiv unter die Räder kommt, geraten dort die Margins, die für Derviate-Positionen hinterlegten Sicherheitsleistungen, auf der Long-Seite unter Druck. Es gilt, diese Sicherheitsleistungen aufzufüllen – und zwar sofort. Andernfalls muss man umgehend verkaufen oder aber die Position wird von der jeweiligen Terminbörse liquidiert. Wer nicht aussteigen will, aber nicht genügend Barreserven hat, um die Margins aufzufüllen, muss Geld besorgen. Wo? Meist passiert das dort, wo man noch gut aussteigen kann, ohne Verlust zu machen – derzeit zum Beispiel bei Gold.

Das heißt, große Akteure verkaufen Gold-Positionen, um mit dem erlösten Geld ihre notleidenden Long-Margins am Aktienmarkt aufzufüllen. Ob sich das noch intensiviert, so dass Gold sogar die wichtige Supportzone 1.661/1.670 US-Dollar bricht oder aber diese Abgaben schnell aufhören und dem Kurs so den Weg nach oben freigeben, muss sich erst erweisen. Klar ist: Noch befindet sich der Goldpreis damit in einer breiten Seitwärtsspanne, die durchaus auch die Basis einer Toppbildung sein kann. Long zu bleiben, hat zwar in diesem Umfeld grundsätzlich die bessere Perspektive, aber es wäre zu überlegen, sich konsequent unter dieser Unterstützungszone 1.661/1.670 US-Dollar mit einem Stoppkurs gegen den „Fall der Fälle“ abzusichern.

Gold Chart vom 11.06.2020, Kurs 1.729,30 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

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