MDAX aktuell MDAX: Kursziel 28.000? Noch ist das nur der „worst case“

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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Zum MDAX

Da war ein Hauch von Panik zu spüren, als der MDAX am Vormittag kurzzeitig an der 31.000 Punkte-Marke kratzte und damit über drei Prozent gegenüber dem Vortages-Closing verlor. Zum Handelsende wurde zwar einiges von den Verlusten wieder aufgeholt. Aber aus dem Schneider sind die Bullen damit nicht – das Gespenst einer großen Korrektur hängt im Raum.

Was vielen dabei besonders zu schaffen machen dürfte ist, dass es keinen unmittelbaren, zwingenden Grund für diesen steigenden Abgabedruck gibt, den man mit einem „ja, aber“ niederreden könnte. Es ist einfach die „Schwerkraft“, die jetzt auf die Kurse einwirkt.

MDAX: Tages-Chart vom 23.02.2021, Kurs 31.643,84 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Viele Aktien im MDAX sind seit Anfang November ungewöhnlich weit gestiegen und haben dabei markant wachsende Unternehmensgewinne vorweggenommen. Jetzt laufen erste Perspektiven der Unternehmen für 2021 ein, die deutlich verhaltener sind als das, was viele Anleger und Analysten sich zuvor vorgestellt hatten. Und das drückt, je mehr von solchen defensiven Prognosen einlaufen, eben nicht mehr nur die Aktien der betroffenen Unternehmen selbst. Man erkennt, dass man den Bogen überspannt hat und verkauft auch dort, wo solche subjektiv als „bad news“ gesehenen Prognosen nicht oder noch nicht auftauchen.

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Es läuft also, was die Entwicklung der Wirtschaft angeht, nichts schief. Dass die Rückkehr zum Wachstum nicht rasant vonstattengeht, dass dieser Weg ein steiniger sein würde, hätte sich jeder ausrechnen können. Nur wollten das viele nicht sehen, weil diese Rallye sie glauben ließ, dass die Kurse auch dann einfach weiter steigen, wenn die Realität nicht hinterherkommt. Das funktioniert zwar – und oft auch lange – aber nie ewig. Jetzt ist offenbar in den Köpfen vieler Akteure ein Punkt erreicht, wo man nicht nur weiß, dass der Bogen eigentlich überspannt war, sondern zugleich realisiert, dass er zu brechen droht. Und da gilt nun einmal die Plattitüde: Wer zuerst verkauft, bekommt noch die besten Kurse.

Gesetzt den Fall, die Verkäufe würden unmittelbar weitergehen, wäre daher ein Test der 200-Tage-Linie, die sich im Sommer und Herbst 2020 dreimal als entscheidende Unterstützung bewährt hatte, eigentlich ganz normal. Dass der MDAX sich seit Anfang November untypisch weit von diesem gleitenden Durchschnitt entfernt hatte, ist dafür kein Hinderungsgrund. Immerhin würde ein Test dieser aktuell bei 28.130 Punkten verlaufenden Linie trotzdem nur etwa ein Drittel der Super-Hausse zwischen Ende März 2020 und Anfang Februar korrigieren. Zudem finden sich dort die markanten Zwischenhochs vom September und Oktober und bilden mit der 200-Tage-Linie eine Kreuzunterstützung, die sich ohne Zweifel so mancher potenzielle Short-Trader als mögliches Ziel ausgeguckt hat. Aber: Noch ist das nur ein denkbares, nicht aber das wahrscheinlichste Szenario. Dass der MDAX am Dienstag einiges seiner Verluste hat aufholen können zeigt, dass die Käuferseite bislang aktive und effektive Gegenwehr leistet. Die negative Divergenz des im Chart auf Tagesbasis mit eingeblendeten RSI-Indikators und der überkaufte Level des Stochastik-Oszillators auf Monatsbasis zeigt zwar, dass der Index heiß gelaufen und angeschlagen ist. Aber er ist auch relativ gut unterstützt. Erst, wenn die gestern zum Handelsende verteidigte kurzfristige Aufwärtstrendlinie klar fiele, indem der Index unter dem Dienstags-Verlaufstief von 31.017 Punkten schließt, würde die Lage kritisch. Dann läge als markantere Auffanglinie nur noch das „alte“ Rekordhoch vom Februar 2020 bei 29.438 Zählern zwischen dem Index und einem solchen Test der Zone um 28.000 Punkte. Dann, unter 31.017 Punkten, würde aus einen solchen „Worst Case“ eben doch ein Szenario, mit dem zu rechnen wäre.

MDAX: Monats-Chart vom 23.02.2021, Kurs 31.643,84 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des MDAX Index

Der MDAX-Kurs hat den DAX seit den Tiefs vom März 2020 klar geschlagen und liegt in der Performance seither etwa zehn Prozent vorne. Aber dieser „Index der zweiten Reihe“ ist knifflig zu traden. Wie kommt man einem solchen „Biest“, das zu dynamische, weitreichende Trends aufweist, um es links liegen zu lassen, bei?

Die Ursache dieser „Unschärfe“ ist schnell gefunden: Der Index beinhaltet 60 und damit doppelt so viele Aktien wie der DAX, die teilweise recht markteng sind und daher nicht so „fließen“ wie umsatzstarke Aktien. Hinzu kommt, dass hier der Umsatz im Derivatebereich weit niedriger ist als beim international als Flaggschiff dienenden DAX. Dieses Fehlen einer starken, zweiten Ebene als glättendes Element macht sich ebenfalls bemerkbar.

Grundsätzlich stützt man sich als Trader auf Trendlinien, auf horizontale Unterstützungen und Widerstände, auf gleitende Durchschnitte, Candlestick-Formationen und nicht zuletzt auf markttechnische Indikatoren. All diese Tools bieten Hinweise auf potenzielle Ein- und Ausstiegspunkte, egal, ob auf der Long- oder der Short-Seite. Was aber nur funktioniert, wenn sich auch genug andere Akteure an solchen Punkten orientieren. Bei einem Index wie dem MDAX, bei dem das Gros der Aktivität auf die 60 Einzelwerte und weniger auf den Index an sich ausgerichtet ist, ist das selten der Fall.

Sich hier auf fundamentale Analysen zu fokussieren, den Index insgesamt als günstig oder teuer einzuordnen und das als Entscheidungsbasis zu nehmen, bringt ebenso wenig. Denn auch hier gilt: Wenn es zu wenig andere Akteure interessiert, ob eine Aktie im MDAX eigentlich zu teuer oder zum Niederknien unterbewertet wäre, kommt man damit nicht weit, erst recht nicht, wenn man da 60 ganz unterschiedliche Aktien in einem Topf vereinen müsste. Und würde man sich den MDAX auf kurzfristigeren Zeitrastern als der hier gezeigten Tages- und Wochenbasis ansehen, würde man ebenfalls erkennen: Das sieht höchst unkoordiniert aus, da tradet es sich auch auf Stundenbasis schlecht. Also, was tun?

Ich würde bei solchen schwierigen, aber eben zugleich auch spannenden Problem-Indizes nach den Ankerpunkten suchen, die eben doch auffallend oft beachtet werden. Denn das dürfte dann vorerst auch so bleiben. Kurz: Man sollte nach dem suchen, was funktioniert und nicht auf etwas als Entscheidungsgrundlage bestehen, was funktionieren sollte, es aber nicht tut. Konkret:

Die 20-Tage-Linie ist zwar momentan eindeutig der Leitstrahl des seit November laufenden Rallye-Schubes, aber nach zwei erfolgreichen Tests der Linie kam es Ende Januar zu einer Bärenfalle. Will man diese Linie als Basis für einen Stopp Long beibehalten, wäre daher ein recht breiter Sicherheitspuffer von zwei Prozent auf Schlusskursbasis oder von drei Prozent im Fall einer Stop Loss-Verkaufsorder ratsam. Aber zwei weitere klassische Ankerpunkte haben sich hier in jedem Fall bewährt:

Zum einen das alte Rekordhoch vom Februar 2020 bei 29.438 Punkten, denn der Rücksetzer unmittelbar vor Weihnachten wurde genau dort gedreht. Das war kein Zufall … und damit werden sich viele Akteure diese Marke als wichtige Entscheidungsmarke notiert haben. Zum anderen die gute, alte 200-Tage-Linie. Sie sehen im Chart auf Wochenbasis, dass dieser wichtige gleitende Durchschnitt (dort als hellblaue Linie) seit Jahren immer wieder als Unterstützung funktioniert hat. Aber Sie sehen natürlich auch:

Tagesschart vom 06.02.2021, Kurs 32.256,89 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Letztere zwei „bewährte“ Orientierungspunkte liegen nicht gerade um die Ecke, der MDAX hat sich von beiden Marken weit entfernt. Aber ich denke, deswegen doch wieder auf nicht Bewährtes zurückzugreifen, um schneller Signale zum Long-Ausstieg oder für einen spekulativen Short-Trade zu erhalten, bringt eher Verdruss. In Fall des „Biest“ MDAX würde ich daher eher eine gezielt mittelfristige Ebene vorziehen und ein wenig Feinsteuerung über Gewinnmitnahmen und Zukäufe nach Rücksetzern versuchen. Wer es mit seinem Trading eiliger hätte, hätte dafür ja immer noch den DAX …

Monatschart vom 06.02.2021, Kurs 32.256,89 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Würde man sich die Sache einfach machen, könnte man konstatieren, dass das Plus des MDAX in Höhe eines halben Prozents am ersten Handelstag 2021 ein Beleg dafür sei, dass die Käufer weiter auf dem Posten sind und Anstieg somit weitergehen dürfte. Nur würde man sich die Sache damit deutlich zu einfach machen und in der MDAX-Analyse ein Warnsignal einfach ignorieren.

Und mit Ignorieren könnte es diesmal nicht getan sein, denn die Verkäufer, die aktiv dazu beitrugen, dass der MDAX am Montag einen „Bearish Long Upper Shadow“ ausbildete, werden ihre Verkäufe nicht beenden, nur, weil die Käufer heute einfach in alter Stärke und Zuversicht wieder antreten. Im Gegenteil, genau das hat ja diejenigen, die daran „Schuld“ sind, dass der Index deutlich unter dem im Tagesverlauf erreichten, neuen Verlaufsrekord von 31.280,75 Punkten schloss, dazu bewogen, Gewinne mitzunehmen: Eine ausreichende Nachfrage auf Rekordniveau, die es ermöglicht, auch größere Positionen loszuschlagen, ohne dadurch die Kurse massiv unter Druck zu setzen.

MDAX: Tages-Chart vom 04.01.2021, Kurs 30.950,60 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Dieser „Bearish Long Upper Shadow“ ist gekennzeichnet durch einen kleinen, idealerweise roten Kerzenkörper (wie hier der Fall, d.h. der Schlusskurs liegt unter dem Eröffnungskurs) und einen langen oberen Docht, der anzeigt, dass neue Hochs auf Verkaufsdruck trafen. Daraus lässt sich ablesen, dass entweder die Zahl der Verkäufer zunimmt oder dem Markt im Gegenteil die Käufer ausgehen. Wundern würde es nicht, angesichts des immensen Grades an Hoffnung, der in den Kursen steckt. Aber ein solcher „Bearish Long Upper Shadow“ ist ein Warnsignal, nicht mehr. Er könnte weitere Trader locken, ebenfalls den Gewinn zu sichern, bevor er dahin ist. Aber es ist auch eine Kerze, die die Bullen schnell egalisieren könnten, es gälte nur, den gestrigen Verlaufsrekord von 31.280,75 Punkten schnell zu überbieten.

Das Wort „schnell“ dürfte dabei aber entscheidend sein. Immerhin ist der MDAX binnen zwei Monaten um gut 20 Prozent nach oben gelaufen, ist dabei sogar auf Monatsbasis markttechnisch nahe der überkauften Zone und weist auf Tagesbasis ein zusätzliches Warnsignal durch den unten mit eingeblendetem RSI-Indikator auf. Der zeigt nämlich eine sogenannten „negative Divergenz“, das heißt, dass zwar der Index ein neues Hoch erreicht hat, das Hoch des Indikators aber unterhalb des vorherigen liegt. Dass sich diese Divergenz im RSI auch noch in dessen überkaufter Zone abspielt, ist etwas, das Bullen mit Unruhe und Bären mit Vorfreude zur Kenntnis nehmen dürften.

Den Bullen bliebe also nur die eilige Flucht nach vorne, um zu verhindern, dass so mancher vorher sorgloser Trader auch mal nach unten schaut und erkennt, dass die Leiter, auf der die Kurse immer höher klettern, hinsichtlich der Fundamentals gar keine Sprossen hat. Die müssen erst „nachwachsen“, d.h. das Wachstum, das die Trader unterstellen, müsste auch Realität werden. Was sich in dem momentanen Umfeld als zu hohe Erwartung herausstellen könnte. Kritisch würde es für die Bullen aber erst, wenn zwei Unterstützungen fallen sollten: Zum einen die im Tageschart hellblau markierte 20-Tage-Linie, die derzeit als Leitstrahl der Bullen dient, zum anderen das alte Rekordhoch vom Februar bei 29.438 Punkten, das am 21. Dezember noch perfekt verteidigt wurde. Noch ist also nichts angebrannt, aber dieser „Bearish Long Upper Shadow“ sollte diejenigen, sie derzeit noch ohne Stop Loss auf der Long-Seite agieren, dazu animieren, sich eine solche Absicherung zuzulegen.

MDAX: Monats-Chart vom 04.01.2021, Kurs 30.950,60 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

dass eine solche Hausse auch jederzeit vorbei sein könnte. Nicht bei diesem Momentum. Nicht bei neuen Rekorden. Und erst recht nicht, wenn nach dem Break über eine „magische Marke“ keine Gewinnmitnahmen, sondern Anschlusskäufe auftauchen. Und genauso präsentiert sich der MDAX:

Anfang des Monats ging er als erster der großen deutschen Aktienindizes über sein vorheriges Rekordhoch aus dem Februar (29.438 Punkte). Am Donnerstag schloss er dann auch noch über der runden Marke von 30.000 Punkten und zog am Freitag dynamisch davon. Mit einer Distanz von über einem Prozent zu dieser „magischen Marke“ ließe sich dieser Ausbruch aus charttechnischer Sicht als signifikant einstufen. Was sollte den Bullen da schon passieren?

Die Abrechnung der Futures und Optionen am Terminmarkt ist jetzt über die Bühne. Es sind nur noch wenige Handelstage bis zum Jahresultimo, der MDAX gegenüber dem Jahresanfang im Plus und damit ein Kandidat für Window Dressing. D.h. für Käufe institutioneller Investoren wie Fonds, die mit der gezielten Reduzierung ihrer Barreserve versuchen, noch ein wenig werbewirksame Performance zum Jahresende heraus zu kitzeln. Und was wäre zum Start ins neue Jahr dann anderes zu erwarten als eine kräftige Kaufwelle ermutigter Anleger, nachdem sie sahen, dass dieser Index ein Jahr mit einem Plus beendete, auf das im Frühjahr niemand noch einen Euro hätte wetten mögen? Denn da mag sich mancher überlegen: Wie muss der MDAX erst davonziehen, wenn das Thema Corona vom Tisch ist?

Ja, so könnte es kommen. Aber es wäre leichtsinnig, ein derart super-bullisches Bild der Zukunft einfach als vorprogrammiert vorauszusetzen. Denn so grandios das Chartbild des Index auch aussieht, in Wahrheit laufen die Bullen durch ein Minenfeld.

Chart vom 18.12.2020, Kurs 30.405,62 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und das beschränkt sich nicht alleine darauf, dass die Trader die Wiederbelebung eines Wachstums vorwegnehmen, das in dieser Ausprägung lange dauern dürfte, bis es erreicht ist. Es ist auch nicht nur das US-Konjunkturpaket, das zwar wahrscheinlich vor Weihnachten kommt (zum Redaktionsschluss am Freitagabend tat sich da noch nichts), bei dem aber völlig offen ist, ob die Marktteilnehmer dessen Umfang und Zusammensetzung auch positiv aufnehmen. Auch das Thema Großbritannien, zuletzt erfolgreich ignoriert, hat große Auswirkung auf Wohl und Wehe vieler MDAX-Unternehmen … und ein negativer Ausgang dieses Dramas ist wohl kaum in diese Rekordkurse eingepreist.

Das alleine wäre schon Grund genug, vorsichtig zu werden. Aber es kommt auch noch die Struktur der Rallye hinzu. Was zuletzt lief, läuft einfach weiter, z.B. Aixtron, Dürr, Evonik, Evotec, HelloFresh, Lanxess, Metro, Rheinmetall, thyssenkrupp oder Wacker Chemie. Ob diese Aktien längst überzogen haben, scheint niemanden zu kümmern, die Trader folgen dem Momentum, kaufen das, was am besten läuft. Das deutet eine spekulative Phase an, in der zu viele Akteure gierig und dadurch unvorsichtig werden. Und zugleich ist der MDAX markttechnisch heiß gelaufen. Sehen Sie sich da einmal den RSI-Indikator an, der im Chart auf Tagesbasis unten mit eingeblendet ist: Der ist sehr weit in die überkaufte Zone gelaufen, so etwas hält sich meist nicht sehr lange, bevor es zu einer Korrektur kommt oder die Notierungen zumindest stagnieren.

Tageschart vom 18.12.2020, Kurs 30.405,62 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Der MDAX bräuchte somit bessere Rahmenbedingungen, zumindest ein überzeugendes US-Konjunkturpaket, Und es braucht einen Switch der Käufe weg von den überhitzten o.g. „Dauerläufern“ hin zu denjenigen MDAX-Titeln, die zuletzt zurückgeblieben sind, um die überkaufte Situation des Index vorerst abzufedern. Kommt weder noch, können die bullischen Träume schlagartig platzen. Sollte der MDAX die Kreuzunterstützung aus dem alten Rekordhoch vom Februar bei 29.438 Punkten und der in diesen Bereich nachgelaufenen 20-Tage-Linie mit Schlusskursen unter 29.200 Punkten hinreichend deutlich durchbrechen, wäre das per Freitag noch perfekte Szenario dahin. Ein Stoppkurs in dieser Region wäre, für diesen Fall der Fälle, unbedingt ratsam.

Derzeit ist er der Stärkste im Revier: Während der TecDAX seit Monaten seine Richtung sucht und der DAX unterhalb seines Sommer-Hochs seitwärts läuft, hat der MDAX, der „Index der zweiten Reihe“, nicht nur sein Hoch vom Sommer überboten, sondern auch das im Februar bei 29.438 Punkten ausgebildete, bisherige Rekordhoch bezwungen.

Basis dieser relativen Stärke ist der hohe Anteil an Unternehmen klassischer Branchen, denen man jetzt im Licht eines erhofften, baldigen Endes des Corona-Dramas wieder starkes Wachstum zutraut und beherzt zugreift. Zwar listet auch der MDAX unter seinen 60 Titeln ehemalige „Corona-Gewinner“, die aufgrund dieses Schwerpunktwechsels der Akteure nicht mehr ins Laufen kommen – aber der Anteil der „Klassiker“ ist eben höher.

Dabei fällt auf, dass der Index seit dem auch im DAX zu sehenden, doppelten Kurssprung nach der US-Wahl und den Meldungen über nahende Impfstoffe in der ersten Novemberhälfte deutlich langsamer steigt. Aber nennenswerte Rücksetzer blieben bislang aus, die Akteure kaufen stur weiter. Das führte in den vergangenen Tagen zu einem Anstieg über das vormalige Allzeithoch vom Februar. Ist es ein schlechtes Omen, dass es daraufhin nicht zu einem kräftigen Aufwärtsimpuls kam, ausgelöst durch Trader, die auf Basis dieses charttechnischen Kaufsignals kräftig zugreifen? Im Gegenteil.

Der Umstand, dass der MDAX durch das vorherige Rekordhoch eher hindurch diffundiert ist, statt ein Kursfeuerwerk zu zeigen, lässt vermuten, dass es eben nicht rein charttechnisch und oft kurzfristig agierende Trader waren, die den Index über den Terminmarkt auf neue Hochs trugen. Es waren Investoren, die sich auf die einzelnen Aktien selbst konzentrierten. Dadurch, dass der MDAX aufgrund der 60 verschiedenen in ihm gelisteten Aktien weniger scharf konturiert verläuft, wenn der Terminmarkt nicht das Zepter schwingt, ist dieser Anstieg auf neue Rekorde somit eher „zufällig“ entstanden, basierend auf Käufen in Einzelwerten. Das verleiht diesem Ausbruch eine größere Chance, von Dauer zu sein.

Tageschart vom 10.12.2020, Kurs 29.689,13 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Daher ist es gut möglich, dass auch die „magische“ 30.000 nicht gezielt angesteuert und in der Hoffnung überboten wird, dass dann ihre Short-Trades eindeckende Bären und dem Signal folgende Daytrader den Ausbruch intensivieren, sondern eher „nebenbei“ fällt.

Das Aufwärtspotenzial des MDAX wird eher auf den Rahmenbedingungen fußen als z.B. beim vom Terminmarkt stark mit beeinflussten DAX. Es wird darauf ankommen, ob die Konjunktur stabil bleibt, die Akteure weiterhin mit guten Bilanzen für das vierte Quartal rechnen können, die Pandemie in Europa in den Griff kommt und die Exportperspektiven Hoffnung zulassen. Solange die Mehrheit der Marktteilnehmer darauf baut, dass es relativ bald zu einem solchen, positiven Umfeld kommt, muss auch die 30.000er-Marke kein Hindernis sein. Wichtig wäre nur im Hinterkopf zu behalten, dass all diese Hoffnungen bislang eben nicht mehr sind als das:

Hoffnungen. Und die können allemal auch platzen. So langsam dieser Steigflug des MDAX auch vonstattengeht, angesichts dessen sollte man auch hier nicht ohne Fallschirm auf der Long-Seite mitfliegen. Zu früh sollte man aber nicht an der Reißleine ziehen, denn erst, wenn der Index mit Schlusskursen unter 28.000 Punkten unter die Monatshochs von September und Oktober zurück fallen würde, würde sich hier mehr zeigen als ein grundsätzlich normaler Pullback an den Ausbruchslevel.

Wochenchart vom 10.12.2020, Kurs 29.689,13 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

29.438,03 Punkte, das war der bisherige Verlaufsrekord des MDAX, markiert am 20. Februar dieses Jahres. Im Gegensatz zu DAX und TecDAX läuft hier bereits der Kampf um diese letzte charttechnische Hürde. Aber bislang haben die Bullen dabei Probleme. Der MDAX lief nicht einfach mit Schwung über diese Linie, sondern hängt seit zwei Tagen an ihr fest. Damit sind die Marktteilnehmer im bullischen Lager jetzt gefordert. Denn sollte der Index noch ein, zwei Tage festsitzen, würde aus dem Warnsignal, welches sich daraus bislang ergibt, ein negatives Signal, das deutlich machen würde, dass die Zahl derer, die diesen Level als Kursziel und nicht als Zwischenstopp auf dem Weg an und über die 30.000 sehen, eindeutig überwiegt.

Würden die Käufer daraufhin ihre Orders streichen, die bestehenden Verkaufsorders auf diesem Level aber noch nicht abgearbeitet sein, würde ein kleiner Schub an weiteren Verkaufsorders oder gar gezielten Leerverkäufen der Bären ausreichen, um den Index weit zurückzudrängen. Und dass die Bären sich das gerade ganz genau und mit einer gewissen Vorfreude ansehen, dürfte unstrittig sein. Zweimal lief der MDAX über den alten Verlaufsrekord und schloss zweimal darunter. Und nicht nur das:

Expertenmeinung: Am Montag entstand daraus ein sogenannter „Gravestone Doji“, ein Doji nahezu ohne Kerzenkörper und mit einem langen oberen Docht, der deutlich macht, dass der gesamte Anstieg des Tages verloren ging. Was immerhin um die 400 Punkte war. Und psychologisch noch ungünstiger für die Bullen ist, dass man es am Dienstag zwar unverdrossen gleich noch einmal versuchte, dabei aber einen „Shooting Star“ produzierte, der kaum weniger potenziell bärisch ist als ein „Gravestone Doji“. Zugleich ist der MDAX nach dem Sturmlauf des Novembers auf Basis markttechnischer Indikatoren überkauft. Sie sehen im Chart unten den RSI-Indikator eingeblendet: Der Indikator ist in der überkauften Zone angekommen, was oft, wenngleich nicht immer, ein Vorbote für Abgabedruck ist.

Chart vom 01.12.2020, Kurs 29.352,27 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Das Problem des bullischen Lagers ist, dass sie ja nicht nur gegen kurzfristige Warnsignale im Candlestick-Chart und gegen überkaufte Indikatoren antreten müssen, sondern auch gegen die Rahmenbedingungen. Denn die Bullen dürften mehrheitlich sehr wohl wissen, dass die Gesamtsituation eine solche Hausse bislang nicht unterfüttert. Dass beispielsweise die gestern veröffentlichte Absenkung der 2021er und 2022er Wachstumsprognose Deutschlands und der Eurozone seitens der OECD nicht allzu viel negative Reaktionen zeitigte, liegt vor allem daran, dass der Schwung der November-Rallye noch groß genug ist, um mehr Anleger von Gewinnmitnahmen abzuhalten. Jetzt aber sieht das Bild für den MDAX schon weniger dynamisch aus. Sollte er noch ein, zwei Tage auf der Stelle treten oder gar nach unten abdrehen, würde die Zahl der Verkaufswilligen wohl sehr zügig zunehmen. Spätestens, wenn der Index unter 28.000 Punkte und damit in die vorherige Handelsspanne zurück fallen würde, wäre hier Alarm angesagt.