EURO STOXX 50 aktuell EuroStoxx 50: Das war erst Schritt 1 … wird der zweite folgen?

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
ISIN: EU0009658145
Ticker: SX5E
Währung: Punkte

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Zum EURO STOXX 50

Ist es jetzt endlich vorbei mit diesem über drei Monaten währenden Seitwärtstrend? Zum Start in die Woche ist dahingehend ein wichtiger, erster Schritt gelungen. Kaum war dieser große Abrechnungstermin an der Terminbörse am Freitag vorbei, kam Schwung in den Euro Stoxx 50, der vom Start in den Montag weg deutlich an Boden verlor. Dadurch wurde die wichtige Kreuzunterstützung aus Juni-Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Linie signifikant durchbrochen. Dennoch war das erst der erste von zwei Schritten. Denn was wir bislang sehen, ist eine Kombination aus bis zur Terminmarkt-Abrechnung zurückgehaltenen Verkäufen und ersten bärischen Attacken. Was wir aber noch nicht sehen, ist der Ausbruch aus dem Seitwärtstrend.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der europäische Leitindex am Montag auf Höhe der Zwischentiefs von Ende Juni und Ende Juli aufgesetzt hat. Dass die Gegenbewegung des Dienstags ziemlich klein ausfiel, ist zwar ein Indiz dafür, dass der kräftige Abverkauf des Montags viele im Lager der Bullen verunsichert hat. Aber das ist noch keine Garantie dafür, dass die Käufe nicht heute oder in den kommenden Tagen wieder einsetzen und diese jetzt getestete Unterstützungszone 3.150/3.174 Punkte dadurch verteidigt wird.

EuroStoxx 50: Tages-Chart vom 22.09.2020, Kurs 3.164,13 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Dieses bislang nur auf kurzfristiger Ebene generierte Short-Signal der Charttechnik würde umgehend neutralisiert, wenn es gelingen sollte, den Euro Stoxx 50 wieder über den jetzt als Kreuzwiderstand fungierenden Bereich um 3.300 Punkte zu heben. Um aktiv bullisch zu werden, müsste der Index über die obere Begrenzungszone des Seitwärtsspanne hinaus, d.h. über 3.451 Punkten schließen, was sicherlich in einem Umfeld wieder zunehmender Verunsicherung nicht einfach würde. Aber solange dieser zweite Schritt in Form eines erneuten Abwärtsimpulses, der die untere Begrenzung der monatelangen Handelsspanne durchschlägt, nicht vollzogen ist, bleibt dem bullischen Lager diese Chance erhalten.

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Dass die Rahmenbedingungen immer weniger dem noch vor wenigen Wochen von vielen als sicher angenommenen Szenario einer v-förmigen Erholung der Eurozone-Wirtschaft entsprechen, ist zwar richtig. Immer mehr Konjunkturdaten deuten an, dass die Gegenreaktion auf den Lockdown deutlich unterhalb des „Prä Corona“-Levels verflacht. Und immer mehr große Unternehmen bauen jetzt doch umfassend Stellen ab. Aber das zeichnet sich schon seit Wochen ab. War es allein dieser „dreifache Hexensabbat“ an der Terminbörse vergangenen Freitag, der dazu führte, dass die Marktteilnehmer darauf bislang nicht nennenswert reagierten? Oder wischen viele die Erkenntnis, dass die Farbe der kommenden Monate in Sachen Euro-Konjunktur nicht rosa, sondern grau sein wird, weiterhin vom Tisch? Dann wäre diese Abwärtsbewegung des Montags gar kein Nachholeffekt in Bezug auf „bad news“, die man nur im Hinterkopf gespeichert hatte, solange der Terminmarkt den Weg nicht freigab. Noch ist nicht eindeutig erkennbar, aus welchem Holz dieser Abwärtsschub des Montags geschnitzt ist. Der Euro Stoxx 50 muss aus der gesamten, breiten Handelsspanne nach unten ausbrechen, was hieße, nicht nur die jetzt angelaufene Zone 3.150/3.174 Punkte zu unterbieten, sondern auch den Bereich 3.024/3.054 Punkte. Solange das nicht „erledigt“ wurde, haben die Bären noch nicht gewonnen.

EuroStoxx 50: Monats-Chart vom 22.09.2020, Kurs 3.164,13 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

Seit Anfang Juni geht es mit dem europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 seitwärts. Und seit Wochen werden die Ausschläge kleiner, die Umsätze nehmen immer weiter ab. Was nicht auf einem Sommerloch basiert, denn die Ferienzeit ist mittlerweile um, trotzdem nähert sich der Index langsam einer „Flatline“ an. Aber die Chancen stehen gut, dass dieser Spuk der Trendlosigkeit sehr bald vorbei ist, womöglich bereits am Montag.

Heute steht, wie alle drei Monate am dritten Freitag des dritten Monats eines Quartals, der „dreifache Hexensabbat“ an, die Abrechnung der Futures sowie der Optionen auf Indizes und Einzelaktien. Der Gedanke, dass es dieser Termin ist, der den Euro Stoxx 50 derzeit lähmt, drängt sich auf. Zum einen, weil der Euro Stoxx 50 ebenso wie die meisten nationalen Indizes der Eurozone den Vorlagen der US-Börsen nicht folgen. Weder bei deren Run nach oben bis Anfang September noch im Zuge der derzeitigen Korrektur. Und das wird nachvollziehbar, wenn man sich ansieht, wie lange der europäische Leitindex schon seitwärts läuft.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 17.09.2020, Kurs 3.316,57 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Dieses leblose Gezuckel der Kurse reicht bis über den letzten „dreifachen Hexensabbat“ im Juni hinaus. Der ebenso wie die beiden nachfolgenden, normalen Abrechnungstermine im Juli und August, bei denen es nicht zu einem Auslaufen von Index-Futures kam, wurden dadurch allesamt für diejenigen Terminmarkt-Akteure ein Erfolg, die ihre Positionen so gesetzt hatten, dass sie verdienen, wenn der Euro Stoxx 50 eben nicht nach oben oder unten ausbricht.

Solche Positionen sind ideal für sogenannte „Stillhalter“, d.h. für meist große Adressen, die Optionen an andere Marktteilnehmer verkaufen und die nur dann einen Gewinn erzielen, wenn die Optionen zum Stichtag wertlos verfallen. Denn dann ist der Preis, zu dem die Stillhalter die Optionen verkauft haben, ihr Reingewinn. Ein lukratives Geschäft, je länger ein Seitwärtstrend läuft. Denn natürlich setzen umso mehr Trader darauf, dass es endlich zu einem Ausbruch kommt, je länger diese Seitwärtsbewegung andauert, zumal es an der Wall Street hektisch zugeht und der Euro Stoxx 50 daher doch eigentlich ausbrechen müsste.

Das könnte er jetzt auch. Nachdem es gelungen ist, den Index so lange in einer Seitwärtsrange zu halten, dürften sich die großen Player am Terminmarkt nach dem heutigen „Hexensabbat“ neu orientieren und dabei Richtung des nächsten Abrechnungstermins am 16. Oktober eher auf die aktive Seite im Optionsmarkt setzen. Jetzt wäre ein Ausbruch für diese Klientel lukrativ. Und wenngleich man sich besser nicht zu sicher sein sollte, dass der nach unten führt, bevor die entsprechenden Chartmarken gefallen sind, ist die Unterseite momentan greifbarer.

Während der Weg für einen Ausbruch nach oben, der gelungen wäre, wenn der Euro Stoxx 50 die Widerstandszone 3.400/3.451 Punkte auf Schlusskursbasis bezwingt, der momentan steinigere wäre, finden sich auf der Unterseite zwei Zonen, die jetzt von Bedeutung sind. Für die kurzfristige Zeitebene ist es der Bereich um 3.287 Punkte, wo die Juni-Aufwärtstrendlinie aktuell mit der 200-Tage-Linie eine Kreuzunterstützung bildet. Würde diese Unterstützung auf Schlusskursbasis gebrochen, wäre der Weg aus charttechnischer Sicht an die untere Begrenzung der monatelangen Seitwärtsspanne im Bereich 3.024/3.054 Punkte frei. Wenn auch diese Zone fallen würde, wäre der Euro Stoxx 50 auch auf mittelfristiger Ebene bärisch. Wir dürfen gespannt sein, ob sich der Index schon am Montag auf den Weg macht, diese Seitwärtsphase mit Schwung zu beenden!

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 17.09.2020, Kurs 3.316,57 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Mit etwas gutem Willen ließe sich das, was der Euro Stoxx 50 seit über drei Monaten zeigt, als ansteigendes Dreieck bezeichnen. Aber nüchtern betrachtet geht es seit Juni einfach nur seitwärts. Die europäischen Blue Chips werden seit einem Vierteljahr von einem permanenten „einerseits, andererseits“ in einem engen Käfig gehalten:

Einerseits hofft man darauf, dass die Konjunkturprogramme der Eurozone imstande sein werden, die Wirtschaft zusammen mit den EZB-Maßnahmen schnell wieder auf den „Prä-Corona-Level“ zu tragen. Zudem können sich die Marktteilnehmer der Sogwirkung der haussierenden US-Indizes nicht entziehen. Andererseits erkennen viele sehr wohl, dass selbst der jetzt erreichte Level eine große Hypothek auf die Zukunft ist, die mit Blick auf die sich mehrenden Hinweise, dass die Erholung an Fahrt verliert, jederzeit platzen könnte.

Euro Stoxx: Tages-Chart vom 09.09.2020, Kurs 3.324,83 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Doch der Euro Stoxx 50 wird nicht nur durch fundamentale Erwägungen bewegt. Natürlich spielen die rein chart- und markttechnisch agierenden Trader immer eine mit entscheidende Rolle. Aufgrund der in sukzessiv engeren Bahnen verlaufenden Seitwärtsbewegung reduzierte man sich da zuletzt auf entsprechend kurze Zeitebenen. Aber jetzt beginnt die Phase, in der die großen Akteure am Terminmarkt um die Richtung ringen, in die es bis zur Abrechnung der Optionen und Futures mit Laufzeit September gehen soll. Dieser auch „dreifacher Hexensabbat“ genannte Termin steht morgen in einer Woche an.

Normalerweise wird seitens der großen Adressen an der Terminbörse versucht, diese Abrechnung an einem Extrempunkt der Handelsspanne seit dem letzten Abrechnungstermin (in diesem Fall war das der 21. August) zu erreichen. Was bedeutet, dass ein vorbestehender Trend sich meist in den Tagen bis zu diesem „Hexensabbat“ intensiviert. Aber welchen Trend wollte man hier, beim Euro Stoxx 50, intensivieren?

Es ist gut möglich, dass es diesmal zu der selteneren Variante kommt, bei der diese großen Player des Terminmarkts ihre Positionierung nicht auf einen Extrempunkt der letzten Monate ausrichten, sondern gezielt darauf setzen, dass der Index in seiner Seitwärtsrange verbleibt. Z.B. indem sie in großem Umfang Call- und Put-Optionen mit Basispreisen außerhalb dieser Handelsspanne verkaufen.

Solche sogenannten „Stillhalter-Positionen“ setzen darauf, dass die Basispreise dieser verkauften Optionen, in diesem Fall z.B. Call-Optionen mit Basispreisen über 3.400 und Put-Optionen mit Basispreisen unter 3.100 Punkten, zur Abrechnung nicht erreicht werden und die Optionen dadurch wertlos verfallen und den „Stillhaltern“ den eingenommenen Verkaufspreis als Reingewinn einbringen. Würden genug große Adressen an der Terminbörse solche Strategien fahren, könnten diese willens sein, Ausbruchsversuche aus dieser Seitwärtsspanne sogar gezielt abzufangen. Käme es so, würde erst wieder nach diesem Abrechnungstermin am 17. September Dynamik in den Euro Stoxx 50 kommen.

Ob es so ablaufen wird, ist aber nie sicher vorhersagbar. Und würde es trotz der Ambitionen am Terminmarkt, den Index in seiner Range zu halten, zu einem klaren Ausbruch kommen, müsste man dort seine Positionierung entsprechend der Ausbruchsrichtung anpassen. Was einen solchen Impuls noch intensivieren würde. Daher dürfte es sich lohnen, das Geschehen in den kommenden Tagen genau zu beobachten.

Das bullische Lager verbuchte zuletzt ein paar Pluspunkte, weil es gelang, den Index relativ stabil zu halten, während es an der Wall Street und am Times Square zeitweise förmlich Aktien regnete. Damit hätte man eine Grundlage für einen erneuten und diesmal womöglich erfolgreichen Ausbruch über die obere Begrenzung dieser monatelangen Handelsspanne geschaffen. Der eigentliche Widerstand aber wartet erst bei 3.400 Punkten. Und „durch“ wäre der Euro Stoxx 50 erst, wenn das Verlaufshoch des Juli-Ausbruchsversuchs bei 3.451 Punkten auf Schlusskursbasis überboten wäre.

Der Haken bei dieser jüngsten Stabilität ist die Juni-Aufwärtstrendlinie, die seit Anfang des Monats bereits mehrfach getestet und verteidigt wurde. Würde diese heute bei ca. 3.265 Punkten verlaufende Linie doch noch signifikant auf Schlusskursbasis gebrochen (als signifikant könnte man da ein Closing von mindestens einem Prozent darunter annehmen), wäre ein Anlauf an die untere Begrenzung der Handelsspanne im Bereich 3.024/3.054 Punkte durchaus bis zu der am 17. September anstehenden Abrechnung denkbar.

Ausbruch nach oben, nach unten oder doch der gezielte Verbleib in dieser Handelsspanne, idealerweise in diesem durch die Juni-Aufwärtstrendlinie und die Linie von 3.400 Punkten definierten Dreieck? Jetzt beginnen die Tage, an denen der Terminmarkt das „ausfechtet“!

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 09.09.2020, Kurs 3.324,83 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Vormittags bis zu 1,7 Prozent im Plus, zum Handelsende ein Prozent im Minus, das war ein ernüchternder Intraday-Turnaround, den wir am Donnerstag beim Euro Stoxx 50 gesehen haben. Und der sitzt den Bullen auch deswegen tief im Fleisch, weil der europäische Leitindex dadurch ausgerechnet knapp unter 3.400 Punkten abgedreht hat. Dort, wo er schon im Juni abgewiesen wurde. Und wo er im Juli intraday kurz durchkam, dann aber zum Handelsende scheiterte. Dort, wo diese beiden vorherigen Versuche in Korrekturen mündeten. Das könnte diesmal ebenso kommen. Und womöglich sogar noch etwas herber ausfallen als im Juni und Juli, was den Spielraum nach unten angeht. Zumindest, wenn es heute ebenfalls nennenswert abwärts geht. Denn noch ist die Sache nicht offen, der Showdown findet erst heute statt.

Chart vom 03.09.2020, Kurs 3.304,22 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker | Woche LYNX

Heute stehen um 14:30 Uhr die US-Arbeitsmarktdaten an. Die waren für den Juli enttäuschend ausgefallen, das sollte heute für den August besser nicht schon wieder der Fall sein, denn für viele Investoren, die nicht allzu tief in die Materie volkswirtschaftlicher Daten eindringen, sind diese Zahlen ein wichtiger Wegweiser. Und sollte der erneut andeuten, dass man mit der seit über fünf Monaten anhaltenden Hoffnungs-Rallye auf dem Holzweg ist, kann es schnell sehr ungemütlich werden. Natürlich wären US-Daten zuvorderst das Problem der US-Investoren. Aber der Donnerstag zeigte ja: Wenn die Kurse an der Wall Street und am Times Square wanken, wanken sie in Europa mit. Aber wieso ging es überhaupt in den USA auf einmal abwärts wie mit einem defekten Fahrstuhl?

Ich konnte keine Meldung finden, die diesen Abverkauf zwingend hätte lostreten müssen. Auffällig war aber, dass es die im Vorfeld ihrer Aktiensplits noch einmal extrem nach oben geschossenen Aktien Apple und Tesla waren, die bereits am Mittwoch ein wenig wackelten und am Donnerstag dann gleich vom Start weg unter Druck kamen. Das strahlte auf andere Nasdaq-Kursraketen aus, das wiederum erfasste den Gesamtmarkt. Es passierte also das, was bullische Anleger nie glauben wollen, bevor sie es erleben: Es kam zu einer Verkaufslawine. In diesem Fall dürften Verkaufsorders mit dem Zweck der Gewinnmitnahme einfach ein zu hohes Volumen erreicht haben, das der Markt nicht auffangen konnte. Das löste Stop Loss-Verkaufsorders aus und die Lawine kam ins Rollen. So etwas kann gleich am nächsten Tag in eine wilde Schnäppchenjagd übergehen … muss aber nicht.

Was solche Käufe verhindern könnte, sind „bad news“. Denn natürlich gerät die vorherige Euphorie nach einem solchen Tag ins Wanken. Und man erinnert sich all der zuvor so lässig verdrängten negativen Nachrichten. Kommt dann noch eine dazu, kann es umgehend richtig ungemütlich werden. Und auch bei uns in Europa gab es einiges, das das bullische Lager umgehend ausblendete. Das wird also heute wirklich ein hochspannender Tag, zumal der Euro Stoxx 50 nicht nur an einem markanten Widerstand abgewiesen wurde, sondern auch auf einer nicht minder markanten Unterstützung landete, die tunlichst den Freitag überleben sollte:

Chart vom 03.09.2020, Kurs 3.304,22 Punkte, Kürzel ESTX50 | Tag | Online Broker LYNX

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index im Bereich der Kreuzunterstützung aus 20-Tage- und 200-Tage-Linie zum Stehen kam. Die stehen gerade unmittelbar vor einem bullischen „Crossover“, d.h. die 20-Tage-Linie könnte, würde der Euro Stoxx 50 wieder anziehen, über die 200-Tage-Linie laufen und damit ein positives Signal generieren. Wenn er wieder anzieht. Schafft der Index heute ein einigermaßen taugliches Plus, wäre nach oben weiterhin alles drin. Sollte er aber diese beiden gleitenden Durchschnitte und die kurzfristige Aufwärtstrendlinie durch einen Schlusskurs unter dem bisherigen Wochen-Verlaufstief bei 3.245 Punkten brechen, wäre der Weg nach unten erst einmal frei!

Es sind noch drei Handelstage bis zum Monatsende. Und der Chart des Euro Stoxx 50 auf Monatsbasis zeigt: Diesmal wollen sich die Bullen nicht an der 200-Tage-Linie abweisen lassen. Am Mittwoch ging er, das sehen wir im Chart auf Tagesbasis, wo die Berechnung der 200-Tage-Linie präziser ist, sogar knapp darüber. Und die wichtige Charthürde bei 3.400 Punkten, die bis in den Oktober 2019 zurückreicht, ist in Reichweite. Der Euro Stoxx 50 laboriert an seinem Befreiungsschlag nach oben. Und da es bereits der dritte Anlauf in drei Monaten ist, wäre man versucht zu unterstellen, dass es diesmal auch hinhaut.

EuroStoxx50: Tages-Chart vom 27.08.2020, Kurs 3.356,76 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Das unterstellen zumindest diejenigen, die einen solchen Ausbruch seit dem ersten, abgewiesenen Versuch im Juni erhoffen. Aber wenn man jetzt wieder vermehrt hört, dass „der Markt nach oben will“, sollte man sich eine Frage stellen: Warum hat er es dann nicht längst getan, sondern „eiert“ seit einem Vierteljahr seitwärts? Entweder, ein Trader ist davon überzeugt, dass Pandemie und Rezession als Risikofaktoren Auslaufmodelle sind und die Trader an der Wall Street völlig richtig liegen, wenn sie dort ein neues Hoch nach dem anderen bei S&P 500 und Nasdaq 100 produzieren … oder er ist es nicht. bärische Marktteilnehmer würden so argumentieren und erwarten, dass dieser dritte Ausbruchsversuch erneut schiefgeht oder zumindest in einer Bullenfalle endet.

Sie hätten Recht damit, würden die Anleger sich konsequent an der Faktenlage ausrichten. Denn die hat bislang nicht erfüllt, was sich das Lager der Optimisten im Frühsommer erhofft hatte. Viele Konjunkturdaten zeigen auf, dass es eben nicht mit ein paar Billionen getan ist, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Und dieser Aspekt läge heute ebenso wie vor einem und zwei Monaten belastend auf dem Markt. Aber so läuft es eben nicht. Die Marktteilnehmer pflegen seit jeher ihre Sicht der Dinge an ihrem Depotbestand auszurichten. Wer bullisch ist, mag keine negativen Nachrichten und schiebt sie beiseite, solange die Kurse ihn nicht dazu zwingen, hinzusehen und nötigenfalls umzudenken. Und wer bärisch ist, hat immer mehr Probleme, die eigentlich negativen Rahmenbedingungen als eigene Entscheidungsbasis zu sehen, wenn die Kurse nach oben davonlaufen. Man fängt an, entweder die eigene Meinung zu modifizieren oder aber einfach pragmatisch dem Trend zu folgen und die Fakten ab diesem Moment außen vor zu lassen. Und das hieße:

Dieser Ausbruch des Euro Stoxx 50 über diesen Widerstand bei 3.400 Punkten und damit aus einer monatelangen Seitwärtsrange nach oben hätte auch trotz eines dazu nicht passenden Umfelds eine realistische Chance. Einfach, weil die Bären so sehr ins Hintertreffen geraten, wenn die Kurse trotzdem nach oben ausbrechen, dass sie mitlaufen oder gar noch vorhandene Short-Positionen eindecken müssen. Und das könnte den Ausbruch, so er denn mit Schlusskursen über dem Verlaufshoch des Julis bei 3.451 Punkten als signifikant angesehen werden kann, sogar intensivieren. Dass man sich dann besser Gedanken machen sollte, weil sich a) eine große Schere zwischen Kursen und Realität immer irgendwann schließt und b) dem Markt meist relativ bald die Käufer ausgehen, wenn die letzten Bären aufgeben, ist zwar richtig. Aber kurzfristig hätten die Bullen dann erstmal gewonnen … und mit einem Stop Loss um 3.300 Punkte, der dann relativ eng unter der überbotenen Widerstandslinie ebenso wie unter der 200-Tage-Linie läge, ließe sich das Risiko auch für Ex-Bären mit (berechtigtem) flauem Gefühl im Magen in Grenzen halten.

EuroStoxx50: Monats-Chart vom 27.08.2020, Kurs 3.356,76 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Wenn das bullische Lager verhindern will, dass der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 den dritten Monat in Folge an der 200-Tage-Linie hängenbleibt, müsste es jetzt langsam Gas geben. Es stellt sich aber die Frage, warum der Index diesen wichtigen gleitenden Durchschnitt und die knapp darüber wartende Charthürde von 3.400 Punkten jetzt nehmen sollte, wenn es zuvor so lange nicht gelang. Dazu müssten bullische Argumente auftauchen. Aber die Konjunkturdaten bleiben weit hinter den Hoffnungen zurück, die man noch im April und Mai in eine Blitzerholung der Wirtschaft setzte. Und die Quartalsbilanzen sind über die Bühne und vermochten den Ausbruch nicht zu erreichen. Langsam dämmert vielen bullischen Marktteilnehmern, dass sich die Sache womöglich doch schwieriger und zäher gestalten könnte als gedacht. Und diese Zweifel entgehen auch denen nicht, die seit Wochen geduldig darauf lauern, auf der Short-Seite aktiv zu werden.

Die wachsenden Zweifel und diese seit zweieinhalb Monaten andauernde Seitwärtsbewegung im Bereich der 200-Tage-Linie als Atempause vor dem nächsten Rallye-Schub anzusehen, dürfte immer noch eine weit verbreitete Sichtweise im bullischen Lager sein. Aber solange die Datenlage nicht liefert, was längst eingepreist wurde, besteht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Ausbruchsversuch in einer Bullenfalle endet. Um einen festsitzenden Karren wieder freizubekommen, wird gerne „geruckelt“, ohne sofort in eine Richtung davonzuziehen. Und in einen Sprung über 3.400 Punkte hinaus könnten rein technisch agierende Trader auf der Long-Seite auf den Kurs aufspringen und damit das „Ruckeln“ in die Gegenrichtung auslösen. Wieso können Käufe zum Bumerang werden?

Dadurch, dass der Euro Stoxx 50 schon so lange seitwärts schleicht, sind die Umsätze massiv zurückgegangen. Wer in größerem Umfang Short gehen oder auch nur seine Long-Gewinne einstreichen wollte, würde den Index wegen dieser zu geringen Umsätze sofort und weitreichend drücken, ohne größere Positionen zu noch hohen Kursen verkaufen oder Short-Positionen aufbauen zu können. Kommt es aber zu einem Ausbruch nach oben und dadurch zu einer Belebung der Umsätze, wäre die Basis für größere Gewinnmitnahmen und/oder den Switch auf Short vorhanden, denn eine steigende Nachfrage ermöglicht auch ein Mehr an Abgaben, ohne die Kurse sofort massiv zu drücken.

Chart vom 20.08.2020, Kurs 3.273,98 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Euro Stoxx 50 könnte, obwohl er schon so viel von seinem Corona-Crash aufgeholt hat, trotzdem schnell und weit nach oben davonziehen und eine Bullenfalle ausbleiben, wenn echte „good news“ diesen Ausbruch nach oben initiieren würden. Aber würden es die langsam nervös werdenden Bullen ohne Rückenwind auf der Nachrichtenseite versuchen, wäre das eine durchschaubare und daher nicht allzu erfolgversprechende Verzweiflungstat, die leicht scheitern kann. Sollte er im Fall einer Bullenfalle mit Schlusskursen unter 3.150 Punkten aus dem Kernbereich der Seitwärtsspanne herausrutschen, wäre das ein starkes Indiz dafür, dass die Show erst einmal vorbei ist … aber Vorsicht:

Eine gute Nachricht könnte reichen, und ein Ausbruch nach unten kann im Gegenzug zur Bärenfalle werden. Seitwärtstrends sind immer in beide Richtungen tückisch!

Chart vom 20.08.2020, Kurs 3.273,98 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX