EURO STOXX 50 Prognose Euro Stoxx 50: Noch einmal 25 Prozent nach unten?

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
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Es wirkt wie ein überzogenes Horror-Szenario … zumindest für das bullische Lager. Aber wenn man das langfristige Chartbild und die derzeitigen Rahmenbedingungen zusammennimmt: Ganz unmöglich wäre es nicht, dass der Euro Stoxx 50 noch einmal 25 Prozent nachgibt.

Der Blick auf den Monatschart des Euro Stoxx 50 zeigt: Der „Ausflug“ des europäischen Leitindex über die zwischen 2014 und 2020 geltende, breite Handelsspanne ist zu Ende. Von März bis Mai war es noch einigermaßen gelungen, einen eindeutigen Rückfall in diese Zone zu verhindern. Aber diesmal, im Juni, ist da nichts mehr zu machen. Der Monat endet morgen und der Euro Stoxx 50 müsste noch acht Prozent zulegen, um sich an das untere Ende der zwischen 3.836 und 3.901 Punkten liegenden, oberen Begrenzung des Trendkanals zu retten.

Dass der Index damit wieder klar in diese breite Seitwärtsspanne zurückgerutscht ist, deren untere Begrenzungszone durch das Jahrestief 2016 bei 2.672 Punkten und die knapp darunter verlaufende, 2009 etablierte, langfristige Aufwärtstrendlinie definiert wird, bedeutet natürlich nicht, dass er zwingend dorthin zurückfallen und die sich daraus ergebenden 25 Prozent Spielraum nach unten ausloten müsste. Vor allem dann nicht, wenn das Umfeld dazu nicht passen würde. Aber das Umfeld „arbeitet daran“, dazu zu passen.

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die Perspektive, dass steigende Zinsen das Wachstum ins Gegenteil verkehren, was dazu führen dürfte, dass zwar die Inflation durch eine deutlich sinkende Nachfrage eingedämmt wird, man aber hinsichtlich der Unternehmensgewinne auf diesem Weg den Teufel mit dem Beelzebub austreibt, ist klar bärisch. Und vielen, aber wohl längst noch nicht allen Anlegern schwant:

Das wird sich in den Bilanzen des zweiten Quartals bereits niederschlagen, so richtig aber erst im jetzt beginnenden zweiten Halbjahr wirken. Und es gibt ja noch ein weiter reichendes Problem: Wie will man da wieder herauskommen? Was würde Verbrauchern, deren Taschen durch die Inflation und steigenden Kosten für den Schuldendienst immer leerer werden, ermöglichen, wieder mehr zu konsumieren und damit die Unternehmensgewinne zu befeuern? Wenn die momentan wahrscheinliche Rezession sich erst einmal breit gemacht hat, reicht es nicht mehr, die Leitzinsen einfach wieder zu senken, denn ein gebranntes Kind scheut das Feuer, so schnell werden die meisten dann nicht erneut Kredite aufnehmen.

Natürlich muss klar sein: Es muss nicht zu einem „Worst Case-Szenario“ kommen, es können sich positive, bislang noch nicht absehbare Einflüsse einstellen, die die Lage beruhigen. Aber es wäre riskant, darauf zu wetten. Die Möglichkeit, dass der Euro Stoxx 50 sein durch den Rückfall in den alten Seitwärtstrend aufgetanes Kursziel in Form dessen unterer Begrenzung auslotet, ist vorhanden. Und bislang tun sich die Bullen schwer, den Eindruck zu erwecken, es sei keine gute Idee mehr, hier Short zu gehen. Der Blick auf den Tageschart zeigt das:

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 28.06.2022, Kurs 3.549,29 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Es gelang zwar, das bisherige Jahres-Verlaufstief vom März bei 3.387 Punkten zu verteidigen. Aber mehr eben auch nicht. Der Anstieg über die nächstgelegene Widerstandslinie in Form des Mai-Verlaufstiefs bei 3.527 Zählern traf am Montag und Dienstag auf Gegenwehr. Der Euro Stoxx 50 müsste mindestens über 3.665 Punkten schließen, um kurzfristig bullisch zu werden. Allzu viel weiter wäre der Weg an das März-Tief auch nicht. Und sollte diese jetzt erst einmal verteidigte Linie fallen, wäre das Horror-Szenario weiterer 25 Prozent Luft nach unten eines, das genug an Kontur gewinnt, um antizyklische Long-Trades vorerst besser sein zu lassen.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 28.06.2022, Kurs 3.549,29 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

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Die beiden letzten, sehr schwachen Wochen hatten eine bärische Vorgeschichte, die Käufer traten also mit einem Handicap an – und konnten es nicht überwinden. Und wenn die jetzt angesteuerte Unterstützung fällt, würde das charttechnische Kursziel … 2.921 Punkte lauten!

Die vergangenen Wochen und Monate boten den Short-Sellern ein optimales Szenario. Es kam zwar immer wieder zu kräftigen Impulsen nach oben. Aber die drehten jedes Mal genau dort ab, wo sie mussten, um das bärische Gesamtbild aufrechtzuerhalten. Das sieht man im Chart auf Wochenbasis besonders gut:

Ende Februar wurde eine Toppbildung vollendet, die massiven Abgabedruck zur Folge hatte, die dann aber im März im Bereich einer aus dem Sommer und Herbst 2020 stammenden Supportzone zwischen 3.401 und 3.451 Punkten aufgefangen wurde. Die anschließende Rallye wurde dann Ende März/Anfang April genau auf Höhe der Nackenlinie des vorherigen Topps ausgebremst. Das folgende, im Juni entstandene Zwischenhoch lag dann deutlich tiefer und fast genau auf der Höhe des Prä-Corona-Hochs vom Februar 2020 (3.867 Punkte). Durchsetzen konnten sich die Käufer also über Monate hinweg nicht mehr.

Und jetzt könnten die Short-Seller den Sack zumachen. Denn mit dem Schlusskurs des Freitags landete der Euro Stoxx 50 erneut in dieser im März gehaltenen Auffangzone 3.401/3.451 Punkte … und das mit einer Dynamik, die die in die Defensive gedrängten Bullen ziemlich nervös machen dürfte.

Expertenmeinung: Seit die Gegenbewegung vom Mai genau am unteren Ende der Widerstandszone 3.857/4.047 Punkte hängengeblieben war, lief für das bullische Lager alles schief. Erst brach die März-Aufwärtstrendlinie, dann sackte der Euro Stoxx 50 auch noch unter das Mai-Tief. Die letzte potenzielle Wendemarke oberhalb des Zwischentiefs vom Herbst 2020 bei 2.921 Zählern wäre jetzt das März-Verlaufstief bei 3.387 Punkten. Wobei man im Chart auf Tagesbasis sieht: Nähme man rein die Tages-Schlusskurse als Benchmark, wäre der Index da bereits durch. Bullen ohne Chance?

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 17.06.2022, Kurs 3.438,46 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Derart mit dem Rücken zur Wand zu stehen, kann den Willen, das Ruder doch noch herumzureißen, zwar noch intensivieren. Aber immer mehr potenziellen Käufern ist in den vergangenen Wochen klar geworden, dass aus dem Bereich der Rahmenbedingungen nichts für sie, sondern alles gegen sie spricht. Das heißt, sie müssen damit rechnen, dass Rallyes nicht weit kommen. Einzig ein massiv überverkaufter Markt, der sogar bei einem bewusst überspitzt bärischen Wachstums-Szenario eine Übertreibung nach unten darstellen würde, wäre jetzt eine Basis, um auf die Wende zu wetten. Aber das erfordert eine völlige Kapitulation des bullischen Lagers. Und auch, wenn die vergangenen zwei Wochen äußerst unangenehm waren: Eine Kapitulation ist das eher noch nicht.

Aber was ist mit dem Terminmarkt? Am Freitag lief die Abrechnung der Futures und Optionen mit Juni-Laufzeit. Es wirkt, als hätten die großen Akteure am Terminmarkt den europäischen Leitindex gezielt an das Tief der letzten Monate bugsiert, speziell für diese Abrechnung. Könnte es somit nicht sein, dass sie jetzt, nachdem sie ihre Gewinne auf der Short-Seite gemacht haben, die Seiten wechseln?

Das könnte es und so etwas passiert auch bisweilen. Aber da wir hier von erfahrenen, großen Tradern reden, die zudem meist mit trendfolgenden Handelssystemen arbeiten und selten massiv gegen die Rahmenbedingungen agieren, sollte man sich lieber nicht darauf verlassen. Eine solche Gegenbewegung an bzw. knapp über dem März-Tief kann kommen, muss aber nicht. Und noch weniger wahrscheinlich als ihr Auftreten an sich wäre, wenn sie dann weiter führen würde als an diese massive Widerstandszone 3.857/4.047 Zähler, an welcher der Euro Stoxx 50 zuletzt gescheitert war. Long zu gehen ist in diesem Umfeld eben nicht mehr, wie in früheren Jahren, „normal“, sondern extrem riskant.

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 17.06.2022, Kurs 3.438,46 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Chart vom 09.06.2022, Kurs 3.724,45 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Einige der gestrigen EZB-Statements hatte die Mehrheit der Akteure definitiv nicht erwartet – und das im negativen Sinne. Das bullische Lager zog den Kopf ein … und dem Euro Stoxx 50 würde dadurch nur ein weiterer schwacher Tag für ein markant bärisches Signal reichen.

Zwei Aspekte dürften besonders dazu beigetragen haben, dass die Erleichterungs-Rallye im Anschluss an die EZB-Entscheidung ins Wasser fiel: Die aktualisierte Inflationsprognose und die Aussagen von EZB-Chefin Lagarde zur Verlässlichkeit dieser Prognosen.

Zunächst einmal nahm die EZB die Inflationsprognose für das laufende Jahr von 5,1 auf 6,8 Prozent nach oben. Da man da bereits von den Fakten eingeholt wurde, war damit zu rechnen. Aber nicht damit, dass der Ausblick für 2023 nach bislang 2,1 Prozent jetzt eine Inflationsrate von 3,5 Prozent sieht. Das war ein Tiefschlag für diejenigen, die sicher waren, dass die Zinserhöhungen nur kurz und pro forma erfolgen werden, um Konjunktur und Kapitalmarkt ja nicht zu gefährden. Mit 2,1 Prozent in 2023 hätte man die Zinserhöhungen schnell einstellen und darauf verweisen können, dass die Teuerung wieder im Zielkorridor läge. Bei 3,5 Prozent wäre das nicht der Fall. Es könnten also mehr Anhebungen kommen, als das seitens der Bullen bislang erwartet wurde.

Darüber hinaus hatte kaum jemand damit gerechnet, dass auch die EZB eventuell einen Gang höher schalten und größere Zinsschritte erwägen könnte. Aber genau das deutete EZB-Chefin Lagarde im Rahmen der Pressekonferenz an und sagte zudem, dass der erste Zinsschritt im Juli die Inflation wohl kaum bremsen werde. Hinzu kam, dass sie eingestand, dass die Prognosen voll daneben lagen, ohne indes die Lösung zu präsentieren. Alle internationalen Institutionen hätten falsch gelegen, so Lagarde, kein Modell habe vorhergesagt, wie sich die Lage entwickeln würde. Dabei habe man jeden Stein umgedreht, um die Fehler zu finden.

Expertenmeinung: Gerade die letzte Aussage könnte einige erheblich nervöser gemacht haben. Denn natürlich konnte man nicht ahnen, dass es zum Angriff auf die Ukraine kommen würde. Ebenso wenig ließ sich mit Prognosemodellen vorhersehen, wie intensiv und lang anhaltend die Lieferketten-Probleme ausfallen würden. Und auch die subjektiven Entscheidungen der Verbraucher lassen sich nicht in Modellen vorhersagen. Dass das so ist, ist nicht das Problem. Dass die EZB glaubt, das müsse möglich sein, ist der eigentliche Punkt.

Monatschart vom 09.06.2022, Kurs 3.724,45 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Die Anleger stimmten mit den Füßen ab und stiegen aus. Damit ist das bullische Setup erst einmal dahin. Der Euro Stoxx 50 hatte im Vorfeld die übergeordnete Januar-Abwärtstrendlinie überwunden, blieb jetzt aber unter der mittelfristig relevanten Widerstandszone 3.836/3.906 Punkte hängen und fiel an den Punkt zurück der, würde er brechen, den Weg nach unten freigeben würde: An den Kreuzungspunkt der vorgenannten Januar-Abwärtstrendlinie mit der kurzfristigen, Anfang Mai etablierten Aufwärtstrendlinie bei 3.714 Punkten.

Tageschart vom 09.06.2022, Kurs 3.724,45 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Dieser Punkt hielt am Donnerstag erst einmal. Aber man konnte am Intraday-Verlauf erkennen, dass bereits kurz nach der EZB-Entscheidung massiv verteidigt werden musste, um diesen Support zu halten, ohne dass sich der Index nach oben absetzen konnte. Was andeutet, dass da noch nichts in trockenen Tüchern ist. Ein weiterer schwacher Tag würde schon reichen, um den Weg in Richtung des Mai-Tiefs bei 3.527 Punkten freizugeben.

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Der Euro Stoxx 50 hatte direkt vor dem Monatsultimo die mittelfristige Abwärtstrendlinie bezwungen. Daraus hätte ein markantes, bullisches Signal werden können, hätten die Verkäufe nicht – aus Sicht der Bullen – im genau falschen Moment wieder eingesetzt!

Noch hätte die Käuferseite zwar die Chance, mit einem sofortigen, kräftigen Impuls für klare Verhältnisse zu sorgen. Aber eigentlich hätte das gar nicht nötig werden dürfen. Dass der europäische Leitindex am Dienstag – und damit am letzten Handelstag im Mai – nachgab, war eine hochgezogene Augenbraue wert. Dass er unmittelbar mit Beginn eines neuen Börsenmonats am Morgen im Plus lag, den Tag aber im Minus beendete, dürfte bei erfahrenen Tradern die zweite Augenbraue nach oben befördert haben.

Das Ziel derer, die da in der Vorwoche auf einmal kräftig zugelangt hatten, war recht leicht zu durchschauen. Denn an den Rahmenbedingungen konnte es ja nicht gelegen haben, die waren, als der Euro Stoxx 50 zu steigen begann, so negativ wie zuvor. Also sucht man nach anderen Motiven und findet sie im strategischen Bereich:

Expertenmeinung: Wie auch bim DAX wurde versucht, eine mittel- und langfristig wichtige Unterstützungszone zum Monatsultimo zurückzuerobern um zu verhindern, dass der Bruch dieser Zone Anschlussverkäufe auslöst, die vor allem große Adressen wie Fonds oder Pensionskassen in die Bredouille gebracht hätten. Beim DAX gelang das auch knapp, beim Euro Stoxx 50 nicht, denn der Bereich 3.836/3.901 Punkte, um den es da ging, war einfach schon zu weit entfernt.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 01.06.2022, Kurs 3.759,54 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Als klar wurde, dass das nicht hinhauen würde, gingen erste Akteure schon zum Monatsultimo wieder aus dem Markt. Und dann schienen auch noch diejenigen nicht mitzuspielen, die zuvor zu Beginn eines neuen Monats in großen Summen frisches Geld an ihre Fonds oder ETFs überwiesen und die Kurse dadurch am Laufen gehalten haben. Dass der Index am ersten Handelstag des Monats erneut an Boden verlor, ist somit ein kritisches Zeichen, sofern man hier auf der bullischen Seite steht.

Aber überraschend ist es nicht, zumal man die Rechnung ja nie ohne das Lager der Short-Seller, der Bären, machen sollte. Vor allem nicht in einem übergeordneten Abwärtstrend und bei negativen Rahmenbedingungen. Denn wir sehen im Chart auf Tagesbasis, dass sich die Charthürden auf kurzfristiger Ebene nicht auf den Bereich 3.836/3.901 Punkte beschränken, sondern dicht gestaffelt liegen, bis hinauf zur bei 4.054 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie. In diesem bärischen Umfeld da durchzukommen, mochten die Bullen wohl nicht versuchen … während die Short-Seller das Touchieren dieser Zone nutzten, um einmal zu testen, ob der Euro Stoxx 50 bereits reif sein könnte für die nächste Short-Attacke. Ist er das?

Man muss die kommenden Tage abwarten. Wirklich bärisch wäre der Index erst wieder, wenn er aus der Dreiecksformation, aus welcher er am Montag nach oben ausgebrochen war, nach unten herausfällt und darüber hinaus das letzte Zwischentief bei 3.527 Zählern auf Schlusskursbasis unterbietet. Solange das noch nicht passiert ist, könnte die Käuferseite das Ruder jederzeit noch herumreißen. Darauf zu wetten, dass sie dazu imstande und willens sind, wäre aber angesichts dieses misslungenen Starts in den Juni etwas gewagt.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 01.06.2022, Kurs 3.759,54 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Wenn man sich den Euro Stoxx 50 ansieht, wird sofort klar, was gelingen muss, um diejenigen, die auf der bullischen Seite gegen die Baisse ringen, aufatmen zu lassen: Das bisherige Monatstief muss halten. Aber zu wissen, was zu tun ist und es hinzukriegen, ist eben zweierlei.

Eigentlich könnte man ja relativ guter Dinge sein. Denn trotz der Folgen der Sanktionen gegen Russland, die vor allem die Eurozone zu schultern hat und trotz der hier gegenüber den USA wackligeren Konjunktur sind es Dow Jones, Nasdaq 100 und S&P 500, die ihre Tiefs vom März bereits unterschritten haben. Der Euro Stoxx 50 hingegen nicht.

Hier lag das bisherige Tief des Monats klar über dem vom März. Und als der europäische Leitindex gestern nach den massiv negativen Vorlagen aus den USA in Richtung dieser bei 3.527 Punkten liegenden Marke abrutschte, gelang es, das Minus zum Handelsende einzugrenzen. Noch ist diese dünne grüne Linie im Tageschart, diese unter die Tiefs vom März und Mai zu ziehende Aufwärtstrendlinie, damit zwar nicht getestet und verteidigt, so dass sie nicht als entscheidender Support gelten kann. Aber sie ist noch da … und eben dieses Mai-Tief als potenzieller Support auch. Die Frage, die sich die Käuferseite stellen muss, ist jedoch:

Expertenmeinung: Wie viel ist das wert? Denn den meisten Marktteilnehmern dürfte bewusst sein, dass der Euro Stoxx 50 mit seiner relativen Stärke zum US-Aktienmarkt auf dünnem Eis steht. Dass die EZB in Sachen Leitzinsen zaudert, die US-Notenbank hingegen durchgreift, mag scheinbar von Vorteil sein. Aber Grundlage dieses Zauderns ist ja die in der Eurozone schwächere Konjunktur, die sich letzten Endes auch auf die Unternehmensgewinne auswirken wird. Dass das im ersten Quartal noch nicht der Fall war, kann nicht überraschen. Aber die recht hohe Zahl an vorsichtigen oder bereits gesenkten Unternehmensausblicken macht deutlich, dass sich diese Gemengelage schnell eintrüben dürfte.

Es fehlt daher an einem Rückhalt auf fundamentaler Seite … und zugleich sehen wir im Chart ja nur ein höheres Zwischentief in einem intakten, übergeordneten Abwärtstrend. Und selbst wenn es gelingt, die im Januar etablierte, derzeit bei 3.805 Punkten verlaufende Abwärtstrendlinie zu überwinden, würde der Index direkt darüber auf eine ganze Phalanx an Hürden treffen. Wirklich nach oben frei wäre er, wenn er die 200-Tage-Linie überboten hätte. Aber die wartet erst bei 4.075 Zählern – bis dahin wäre es ein ebenso weiter wie steiniger Weg.

Im Gegenzug sehen die Bären einen Index in der Defensive der, sollte es bis zum Monatsende nicht zu deutlich steigenden Kursen kommen, diesmal eben doch in die breite, im Chart auf Monatsbasis zu sehende Handelsspanne der Jahre 2014 bis 2020 zurückfallen würde.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 19.05.2022, Kurs 3.640,55 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Im März hatte man den Index wieder über die Range gezogen, im April hielt sie wenigstens noch halbwegs. Aber jetzt wird es eben schon wieder eng. Und grundsätzlich hätte man hier Rahmenbedingungen, die allemal das Zeug dazu hätten, den Euro Stoxx 50 mittelfristig an die untere Begrenzung dieser Handelsspanne bei etwa 2.670 Punkten zu drücken.

Die Vorteile liegen also klar im Bären-Lager … so gesehen sollte man sich besser nicht darauf verlassen, dass das Mai-Tief bei 3.527 Punkten hält. Und falls es bricht, dürfte das Lager der Käufer so schnell zusammenschrumpfen, dass es für diejenigen, die trotzdem Long bleiben, richtig brennt.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 19.05.2022, Kurs 3.640,55 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Am vergangenen Donnerstag notierte der Euro Stoxx 50 knapp unter dem bisherigen Monatshoch und war dabei, die Januar-Abwärtstrendlinie zu überwinden. Seither ging alles schief für die Bullen. Und so, wie das Chartbild jetzt aussieht, könnte das erst der Anfang sein.

Man kann die Sache eigentlich auf eines reduzieren: Die Käuferseite hatte im März versucht, sich gegen die immer negativer werdenden Rahmenbedingungen zu stemmen, in der Hoffnung, dass das „Wegkaufen“ von markanten Baisse-Signalen ausreichen würde, um die Anleger bei der Stange zu halten bzw. sie im Idealfall zum Zukauf zu bewegen. Das funktionierte im März eindrucksvoll, wie wir im Chart auf Monatsbasis sehen: Der Euro Stoxx 50 schaffte es zurück über die wichtige Supportzone 3.836/3.906 Punkte. Der Haken war:

Es hielt nicht vor, die Anschlusskäufe blieben im April aus. Was genau passierte, sehen wir im Chart auf Tagesbasis. Schon kurz vor Quartalsende kam es zu Abgaben. Auf Monatsbasis war das nicht tragisch, denn der europäische Leitindex ging ja trotzdem knapp über der Supportzone 3.836/3.906 Punkte aus dem Quartal. Aber im Mikrokosmos auf Tagesbasis wurde da klar: Die Bullen mussten nachsetzen, sofort. Denn der Euro Stoxx 50 war kurz vor dem Quartalsultimo in die Nackenlinie der im Herbst etablierten und im Februar vollendeten Toppbildung gelaufen und dort abgeprallt. Außerdem blieb er an der Januar-Abwärtstrendlinie hängen. Zum Start ins neue Quartal musste also sofort etwas vorangehen. Und das blieb aus.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 26.04.2022, Kurs 3.721,36 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Anfang der Vorwoche versuchten es die Bullen nochmal, blieben aber wieder an der Januar-Abwärtstrendlinie hängen. Der Euro Stoxx 50 drehte ab. Und bei der Abwärtsbewegung kam weit mehr Dynamik auf. Die Quittung war am Dienstag ein neues Monatstief, ein MACD-Trendfolgeindikator, der erneut auf Short drehte und, das wiegt am schwersten: Drei Handelstage vor dem Monatsende ist der Index wieder unter 3.836/3.906 Punkte gefallen und damit doch wieder in die breite Handelsspanne der Jahre 2013 bis 2020 gerutscht.

Expertenmeinung: Bei einer solchen Konstellation wird man sich im Lager der Short-Seller erfreut die Hände reiben. Denn dort weiß man, was man im bullischen Lager eben auch weiß: Die Rahmenbedingungen sind für eine Baisse wie gemacht. Die bärischen Fakten durch steigende Kurse in den Hintergrund zu drängen, klappt bisweilen und kann lange funktionieren. Aber jetzt sehen eben beide Seiten, dass es diesmal nicht gelungen ist.

Das dürfte die Zahl derer, die jetzt, nachdem der Euro Stoxx 50 am Dienstag auch noch mit einem Abwärts-Turnaround durch das bisherige Monatstief gerutscht ist, umgehend auf der Long-Seite dagegenhalten, ziemlich dezimieren. Während Trader, die bislang in Sachen Short eher skeptisch waren, hier eine Ermutigung erhalten. Und der Vorteil des Bären-Lagers ist, so unerfreulich das auch sein mag: Die Chance, dass sich die Rahmenbedingungen in nächster Zeit nennenswert aufhellen, ist nicht eben groß.

Nur, wenn es gelingen würde, den Euro Stoxx 50 bis zum Monatsende… und damit bis Freitagabend… wenigstens noch an diese jetzt doch unterbotene Zone 3.836/3.906 Punkte zu ziehen, hätten die Bullen noch eine kleine Chance. Ansonsten wäre es sogar keineswegs auszuschließen, dass der Index sich mittelfristig in Richtung der unteren Begrenzung der langfristigen Handelsspanne bei 2.672 Punkten orientiert.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 26.04.2022, Kurs 3.721,36 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX