DAX aktuell DAX: Kommt es zu einer SKS-Trendwende?

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Zum DAX

In den USA kommt man mit dem seit Ende Juli überfälligen Konjunkturpaket nicht vom Fleck, hierzulande gelingt es nicht, sich auf einheitliche Regeln in Sachen Corona zu einigen. Eigentlich hätte man beides ahnen können, trotzdem reagierte der DAX erst am Donnerstag, nachdem er sich in den Tagen zuvor eisern in der Nähe der oberen Begrenzung seiner Seitwärtsrange hielt. Zum einen belegt das, dass viele Akteure angesichts der vielen Fragezeichen hinter der marktrelevanten Rahmenbedingungen abwarten, ob jemand anders aktiv wird und dann einfach mitziehen. Fängt einer an zu verkaufen, kommen plötzlich viele andere hinterher. Aber das ist nicht der einzige Faktor, der dazu führte, dass der deutsche Leitindex gestern auf einmal derart deutlich in die Knie ging.

Denn heute ist wieder einmal „Hexensabbat“. Die Optionen auf Indizes und Einzelaktien mit Oktober-Laufzeit werden abgerechnet. Und bis Mittwoch schien es, als würde den großen Adressen am Terminmarkt gelingen, was bereits im Juli, August und September funktionierte: Eine Abrechnung inmitten dieser Seitwärtsrange. Normalerweise bringt den großen Tradern an der Terminbörse ein starker Trend, der zur Abrechnung der Optionen einen Extrempunkt in der Handelsspanne erreicht am meisten (d.h. ganz oben oder ganz unten im Vergleich zu den Vorwochen). Aber momentan sieht das anders aus.

DAX Chart auf Monatsbasis vom 15.10.2020, Kurs 12.703,75 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Je länger diese Seitwärtsphase andauert, desto mehr Anleger setzen auf einen Ausbruch. Ob man da auf die Hausse- oder auf die Baisse-Seite setzt, ist dabei für diejenigen, die Optionen an die Trader verkaufen (sogenannte „Stillhalter“) sekundär. Wichtig ist nur, dass diese Optionen zum Ende der Laufzeit, im Fall der Oktober-Laufzeiten also heute, wertlos verfallen, weil der DAX unterhalb des Basispreises der verkaufen Calls und über den Basispreisen der verkauften Put-Optionen in die Abrechnung geht (heute um 13 Uhr, Optionen auf Einzelaktien werden per 17:30 Uhr abgerechnet). Kommt es so, ist das Geld, das die Trader für diese Optionen bezahlt haben, für die Stillhalter Reingewinn, sie müssen nichts auszahlen. Aber:

Wenn es knapp vor einer solchen Abrechnung zu einer deutlichen Veränderung im Kursniveau des Basiswerts, hier also dem des DAX, kommt, wird es problematisch. Dann droht das Risiko, dass eine Seite dieser verkauften Optionen doch ins Geld läuft, d.h. bei der Abrechnung einen Wert hat, den die Stillhalter auszahlen müssen.

In diesem Fall geht es um die Put-Optionen. Noch ist die Seitwärtsspanne nicht nach unten verlassen, d.h. die Notwendigkeit für die Stillhalter, die Verlust-Risiken zu begrenzen, hält sich noch im Rahmen … und sie müssen ja nur bis heute 13 Uhr durchhalten. Aber man darf schon vermuten, dass die Intensität des gestrigen Abwärtsimpulses dadurch gesteigert wurde, dass einige dieser Stillhalter sich gegen die Gefahr, dass ihre verkauften Puts zum Verlustbringer werden, abgesichert, „gehedgt“, haben. Was man z.B. tut, indem man im Future Short geht und so eine Gegenposition zu in den Verlust laufenden, verkauften Put-Optionen aufbaut: Was man an denen verliert, gewinnt man dann über den DAX Future auf der Short-Seite.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Wenn die Vermutung, dass dieser Faktor eine entscheidende Rolle dabei spielte, dass der DAX so deutlich fiel, zutrifft, könnte das für das Bullen-Lager einen Rettungsanker bedeuten. Denn das hieße, dass diese Absicherungen ab Montag nicht mehr benötigt werden. Dann würden Futures-Short-Trades wieder eingedeckt, d.h. der Hedge wird durch eine Gegenposition geschlossen, die dadurch aufgebaut wird, dass man in entsprechender Größenordnung im DAX Future Long geht – der Future und parallel zu ihm der Index zögen also wieder an. Aber:

Darauf wetten sollte man besser nicht. Denn sollte den großen Akteuren an der Terminbörse der Eindruck entstehen, dass sich die Rahmenbedingungen momentan so darstellen, dass eine Short-Positionierung sinnvoll wäre, könnten diese Hedges nicht nur beibehalten, sondern mit Blick auf den nächsten Terminmarkt-Abrechnungstermin im November sogar ausgebaut werden. Und dann würde es schnell interessant für das Bären-Lager.

Denn der Chart auf Tagesbasis lässt eine potenzielle Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation (SKS-Formation) erkennen, deren rechte Schulter gerade im Entstehen begriffen ist. Als Nackenlinie der Formation ließe sich die derzeit bei 12.158 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie ansehen. Wenn die fällt, wäre in diesem Umfeld, in dem der DAX seit Monaten auf einem Luftkissen aus bislang nicht erfüllten Hoffnungen schwebt, nach unten nichts unmöglich … zumal sich unmittelbar unterhalb dieser 200-Tage-Linie keine wirklich markanten Wendemarken als potenzielle Unterstützungen anbieten.

DAX Chart auf Tagesbasis vom 15.10.2020, Kurs 12.703,75 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des DAX Index

Von allen Seiten wird uns weisgemacht, dass wir es mit einer V-förmigen Erholung der Wirtschaft zu tun haben.
Dass auf den massiven Einbruch also eine ebenso starke Erholung folgt.

Genau dieses Szenario spielt auch die Börse. Die Indizes stehen weltweit nahe der Allzeithochs, als gäbe es keine Probleme.

In Wirklichkeit wird das ganze Kartenhaus aber nur von einem Faktor zusammengehalten: billiges Geld.

Regierungen und Notenbanken haben die ganze Welt mit Krediten überschüttet, teilweise hat man auch einfach Geld verschenkt.

Das wirkt sich natürlich auf die Aktienkurse aus. Die Bewertungen werden geradezu in die Höhe gezwungen. Irgendwo muss all die Liquidität schließlich hin.

Solange der Markt relativ ruhig ist, funktioniert das wunderbar. Alles scheint in Ordnung.

Schlagartig

Trübt sich die wirtschaftliche Lage aber wieder ein und sollte sich die V-förmige Erholung als Trugschluss herausstellen, könnte sich die Lage schlagartig verändern.

Wie schnell es dann gehen kann, haben wir im Februar erlebt. Plötzlich kam es zu einem Käuferstreik, der ganz einfach zu erklären ist.
Erwartet man weiter fallende Kurse, kauft man keine Aktien, egal wie viel Geld man auf der hohen Kante hat.

So läuft es immer

Heute könnte es wie damals laufen, eigentlich läuft es sogar immer so. Die Börse ignoriert alle Warnsignale, oft über Wochen hinweg und kippt dann ganz plötzlich.

Anfang dieses Jahres war das auch der Fall. Die Infektionszahlen in China stiegen immer weiter, Lieferketten brachen zusammen, der Einzelhandel kam zum Erliegen.
Dann tauchten immer mehr Covid-Fälle außerhalb Chinas auf. Relativ schnell war klar, dass die Virusinfektion nicht mehr einzudämmen war.

Der Markt ignorierte diese Warnsignale über Wochen hinweg und ich warnte immer wieder. Der Markt stieg indessen einfach weiter und markierte ein neues Allzeithoch.
Dann plötzlich die Implosion.

Nichts da mit V

Dass die V-förmige Erholung kein realistisches Szenario mehr ist, scheint ausgemachte Sache.
Es ist meines Erachtens sogar offensichtlich, man muss sich nur umschauen.

Dazu muss man gar keine großartigen Rechnungen anstellen. Es dürfte wohl einhellig und unbestritten sein, dass die Tourismus-Branche weltweit am Boden liegt.

Bei Reiseveranstaltern sind die Buchungen teilweise um 80-90% eingebrochen. Fluglinien haben die halbe Flotte eingemottet. Viele Hotels haben einfach die Tore geschlossen.
Bei einer zu geringen Auslastung ist der Betrieb teurer als die Schließung. Es stellt sich nur die Frage, ob man jemals wieder eröffnet.

Im großen Bild ergibt sich daraus ein Problem, da rund 10% des weltweiten BIP auf die Tourismusbranche entfällt und rund 15% aller Beschäftigten in diesem Sektor arbeiten.

Selbst wenn wir also nirgendwo sonst Probleme hätten, würde der Einbruch in diesem Sektor für eine weltweite Rezession von ungekanntem Ausmaß genügen.

Die Rechnung ist mehr als einfach: Halbiert sich der weltweite Tourismus in diesem Jahr – was noch sehr optimistisch geschätzt ist – sinkt das Welt-BIP um 5%.

Zum Vergleich: Im Jahr 2009 ging das BIP während der Finanzkrise um 2,5% zurück.

Staaten an der Klippe

Ich stelle mir auch schon seit Monaten die Frage, wie Länder, die maßgeblich vom Tourismus abhängig sind, das überstehen sollen.
Massenhaft verlieren Menschen ihre Arbeit.

Das betrifft nicht nur kleine Inselstaaten wie die Malediven, wo Tourismus für 60% der Wirtschaft verantwortlich ist.
Es sind auch nicht nur Urlaubsziele am anderen Ende der Welt wie Mexiko oder Thailand, wo 15% respektive 20% des BIP aus dem Tourismus-Sektor stammen.

Nein, die Probleme betreffen unsere Nachbar, direkt vor unserer Haustüre. In Spanien macht der Tourismus 15% der Wirtschaft aus, in Italien 13% und in Frankreich 10%.

Selbst wenn Reisen ab morgen wieder uneingeschränkt möglich ist und der Betrieb aufgenommen werden kann, der Schaden wurde bereits angerichtet.
Nachholeffekte gibt es nur in begrenztem Ausmaß. Man kann etliche Monate ohne Einnahmen nicht einfach ausgleichen.

Ausgemachte Sache

Es ist also ausgemachte Sache, dass es nicht zu einem V kommt. Die Probleme in der Tourismus-Branche dürften auf unabsehbare Zeit anhalten und das reicht schon aus.
So kommen wir nicht auf das Vorkrisen-Niveau.

Die Fed hat das gestern ganz klar und nüchtern zum Ausdruck gebracht, die V-förmige Erholung ist von Tisch:
Economic activity and employment have picked up in recent months but remain well below their levels at the beginning of the year.

Die Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten also erholt, wir sind aber weit unter dem Niveau vom Jahresbeginn.

Augen auf

Aber selbstverständlich beschränken sich die Probleme nicht nur auf diese Branche. Es knirscht in allen Sektoren, vor allem in denen, die mit Konsum oder langlebigen Wirtschaftsgütern zu tun haben.

Die Warnsignale springen einem inzwischen an allen Ecken und Enden entgegen. Es sieht nicht nur so aus, als ob wir keine vollständige Erholung erleben. Es droht vielmehr eine weitere Abkühlung der Wirtschaft.

Man könnte unzählige Punkte benennen, die auf einen neuerlichen Abschwung hindeuten.

Am Vortag wurde beispielsweise bekannt, dass die US-Kreditvergabe im August eingebrochen ist.
Das spricht nicht gerade für starken Konsum, von dem die Wirtschaft in den USA doch so abhängig ist.

Vorbörslich hat Easyjet ein Update vorgelegt. Demnach haben sich die Passagierzahlen bis zum August erholt, sind dann im September wieder um fast ein Drittel eingebrochen.

Eine nachhaltige Erholung sieht anders aus. Inzwischen erwartet die Branche, dass es wohl bis 2023 dauern dürfte, bis das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht wird.

Leider trifft das auch auf andere Sektoren zu. Der Automobil-Zulieferer Hella sprach kürzlich sogar von 2025.
Für Deutschland und den Dax wäre das eine echte Katastrophe.

Schauen Sie sich um

Man benötigt aber weder Unternehmensberichte, noch Wirtschaftsdaten oder Berechnungen, um die kommenden Probleme abzusehen.
Es reicht ein wenig gesunder Menschenverstand.

Stellen Sie sich selbst doch mal die Frage: Schauen Sie derzeit mit voller Zuversicht in die Zukunft?
Oder haben Sie gewisse Zweifel, wie das alles weitergeht?

Und wie sieht es in ihrem Umfeld, der Arbeit und im Bekanntenkreis aus? Fühlt man dort ähnlich?
Gibt man derzeit das Geld mit vollen Händen aus, oder ist man eher zurückhaltend?

Manch einer kann es vielleicht auch gar nicht mehr, da er sich in Kurzarbeit befindet oder der Job einfach weg ist.
Weltweit haben unzählige Menschen ihre Anstellung verloren. In den USA sind es wohl 30 Millionen.

Wie gut kann es um Konsum da stehen? Wie soll die wirtschaftliche Aktivität in dieser Lage sofort wieder auf das Vorkrisen-Niveau steigen?

Es gibt also genug Gründe, um vorsichtig zu sein. Vielleicht wäre es ratsam Gewinne zu realisieren und Geld vom Tisch zu nehmen.

Abschließend nochmal die sehr klare Aussage der FED:
Economic activity and employment have picked up in recent months but remain well below their levels at the beginning of the year.

Chart

Der Dax hat eine massive Rallye hinter sich, notiert inzwischen aber in dem maßgeblichen Widerstandsband der Vorjahre.
Den Bullen würde nur ein nachhaltiger Ausbruch über 13.500 Punkte helfen.

Fällt der Index hingegen unter 12.375 Punkte, muss mit einer Korrektur in Richtung 12.000 gerechnet werden.
Darunter trübt sich das Chartbild schrittweise ein und es drohen weitere Abgaben. Mögliche Ziele liegen bei 11.500 sowie 11.000 und 10.800 Punkten.

Chart vom 08.10.2020 Kurs: 13.039 Kürzel: DAX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 08.10.2020 Kurs: 13.039 Kürzel: DAX – Wochenkerzen

Die Defensive funktioniert also, wie man am Montag sah. TecDAX und MDAX hatten ihre 200-Tage-Linien zuvor touchiert und zum Wochenstart verteidigt, der DAX drehte sogar noch ein Stück oberhalb dieses gleitenden Durchschnitts wieder nach oben, der derzeit zusammen mit dem Zwischentief von Ende Juli bei 12.182/12.253 Punkten eine doppelte Supportlinie darstellt. Kann das die Bären bereits davon überzeugen, den Druck auf den DAX zu stoppen, womöglich ins Lager der Bullen überzulaufen?

Dazu wäre wohl deutlich mehr nötig. Denn nicht nur, dass es an unmittelbaren Argumenten seitens der Rahmenbedingungen fehlte, warum der DAX ausgerechnet am Montag durchstarten und weiterlaufen müsste. Es war auch ziemlich durchschaubar, warum diese Käufe losgetreten wurden. Zum einen wegen o.g. 200-Tage-Linie. Natürlich wollte, ja musste man seitens der Bullen verhindern, dass die bricht. Denn schließlich hat die v-förmige Erholung der Wirtschaft, auf die man jetzt wartet, nachdem der DAX eben diese Blitz-Erholung schon mal vorweggenommen hat, unerfreuliche Verspätung. Da gäbe es genug Argumente, um den DAX wieder ein gutes Stück tiefer zu schicken.

DAX: Tages-Chart vom 29.09.2020, Kurs 12.825,82 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Zum anderen endet heute das dritte Quartal. Was das Thema „Window Dressing“ ins Spiel bringt. Gemeint ist damit das „Aufhübschen des Schaufensters“ institutioneller Investoren wie Fonds, Hedgefonds oder auch Versicherungen und Rentenkassen durch das gezielte Optimieren der Performance zu den wichtigen Stichtagen am Ende eines Quartals. Und das schien diesmal nötig zu werden. Denn am Freitag war der DAX zum Tagestief nur noch wenig davon entfernt, dieses dritte Quartal zu einer Nullnummer werden zu lassen. Das wäre keine gute Werbung gewesen, um angesichts der Rezession und des so weit voraus gelaufenen Aktienmarkts nicht nur die bestehende Anleger-Kundschaft bei der Stange zu halten, sondern noch neue Kunden hinzu zu gewinnen. Jetzt ist es gelungen, dem DAX zum heutigen Quartalsultimo doch noch ein kleines Plus zu sichern.

Nur müsste man da ebenso wie in Sachen der Verteidigung der 200-Tage-Linie per heute Abend konstatieren: Auftrag erfüllt. Und jetzt?

Die Maßnahmen gegen das Corona-Virus werden hierzulande wie in den meisten Ländern der Eurozone wieder umfassender. Das wird keinen zweiten Lockdown nach sich ziehen, aber es wird die Erholung bremsen. Die Erholung die, wie die Daten der vergangenen Wochen andeuten, ohnehin schon früher verflacht als sich die Bullen das erhofften. Hinzu kommt diese US-Wahl. Man sorgt sich … und das womöglich zu Recht … dass nach diesem 3. November absolut nichts klar sein wird. Dass ein juristisches Hin und Her wie damals im Jahr 2000 blüht, nur angesichts der aufgeheizten Stimmung mit größeren Folgen. Das wäre nicht nur ein Problem der USA, so etwas würde in jeden Winkel der Welt ausstrahlen und der Erholung der Wirtschaft schaden.

All das ließe sich vielleicht auf eine leichtere Schulter nehmen, wenn der DAX in einem soliden Aufwärtstrend unterwegs wäre. Aber das ist er ja nicht. Es war eine Defensiv-Aktion, diese Kaufwelle des Montags, um ihn vom unteren Ende der monatelangen Seitwärtsspanne wegzubekommen. Um ihn nach oben hinaus zu tragen, gälte es eine ganze Reihe an Widerständen herauszunehmen, bis hinauf auf 13.460 Punkte. Und gelänge das, wäre das bisherige Rekordhoch so nahe, dass die Bullen fürchten müssten, den Index nur mit viel Mühe in eine Zone getragen zu haben, in der erst recht Gewinnmitnahmen einsetzen.

Nein, die Bullen müssten jetzt nicht nur die Bären davon überzeugen, die Füße stillzuhalten. Sie müssten auch sich selbst davon überzeugen, dass weiter zu kaufen Erfolg verspricht. Dass der DAX am Dienstag erst einmal nicht weiter vorankam, die unmittelbaren Anschlusskäufe ausblieben, zeugt davon, dass die Überzeugungsarbeit bislang noch nicht zum nötigen Erfolg geführt hat.

DAX: Monats-Chart vom 29.09.2020, Kurs 12.825,82 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der „dreifache Hexensabbat“, die Abrechnung der Optionen und Futures mit September-Laufzeit, ist über die Bühne. Hat er den DAX in dieser immer enger werdenden Seitwärtsrange festgehalten? Es wäre gut möglich, denn angesichts einer seit Monaten immer enger werdenden Handelsspanne könnten sich viele große Adressen am Terminmarkt nicht auf eine konkrete Trendrichtung positioniert haben, sondern darauf, dass der deutsche Leitindex in seiner Handelsspanne bleibt. Die vielen Trader, die auf den Ausbruch bis zu diesem Abrechnungstermin gesetzt hatten, haben ihren Einsatz am Optionsmarkt jetzt an die Stillhalter verloren, die den Erhalt des Seitwärtstrends erwartet und ggf. sogar forciert haben. Aber jetzt wäre die Gelegenheit, sich neu zu positionieren.

Der DAX notierte am Freitag nahezu dort, wo er Ende 2019 schloss (12.249 Punkte). Die Bilanz des dritten Quartals ist bislang positiv, aber nicht so sehr, dass man zwingend davon ausgehen müsste, dass es zu einem die Kurse zum Quartalsultimo höher ziehenden Window Dressing der Fonds kommen müsste. Und zudem hätte der DAX einiges nachzuholen, was seine Reaktionen auf die Rahmenbedingungen angeht. Die Frage ist nur, für welche Variante dieser Rahmenbedingungen sich eine Mehrheit unter den Marktteilnehmern findet, denn weiterhin ließe sich die Lage nach persönlichem Belieben auslegen.   

Expertenmeinung: Die Vorlagen der Wall Street waren zuletzt negativ, perlten vom DAX aber völlig ab. Wer tendenziell bärisch ist, würde erwarten, dass diese Vorgaben nachgeholt werden, zumal einige Konjunkturdaten andeuten, dass die Erholung der Wirtschaft viel zu früh verflacht. Das bullische Lager hätte aber ebenso seine Argumente. So hat der DAX dadurch, dass er der Korrektur der US-Indizes nicht gefolgt ist, relative Stärke bewiesen, die er ja grundsätzlich beibehalten könnte. Zudem könnte das Lager der Optimisten darauf verweisen, dass erste Schwächezeichen der Konjunktur durch eine erhoffte Erweiterung des im Juni verabschiedeten Konjunkturprogramms geheilt werden können. Diese Erweiterung ist zwar nicht sicher, aber solange es keine endgültige Entscheidung darüber gibt, lässt sich die Hoffnung aufrechterhalten.

Im Prinzip könnten sich die bullischen und bärischen Argumente gegenseitig neutralisieren und dazu führen, dass der DAX einfach weiter seitwärts schleicht. Aber nach dreieinhalb Monaten mit immer kleiner werdenden, nur kurzfristigen Impulsen dürften die Trader jetzt, nach dem „dreifachen Hexensabbat“, bereit sein, mehr zu wagen, um diese fruchtlose Phase endlich zu beenden. Welche Seite sich durchsetzen wird? Das lässt sich im Vorfeld nicht absehen, daher sollte man sich konsequent am Chart orientieren, denn die charttechnischen Ankerpunkte sind klar definierbar.

Auf der Unterseite wird die Handelsspanne durch die Juni-Aufwärtstrendlinie verengt. Diese Linie bildet zusammen mit der bis Dezember zurückreichenden Zone 12.886/12.974 Punkte eine Kreuzunterstützung, die nicht fallen darf, wollen die Bullen ihre Chance aufrechterhalten. Deren Bemühungen wären erfolgreich, wenn es gelingt, den Widerstand in Form der Juli/September-Hochs bei 13.314/13.460 Punkten zu überwinden … wobei dann bereits das bisherige Rekordhoch (13.795 Punkte) nahe wäre, das ein ebenso markanter Widerstand wäre. Unter 12.886 oder über 13.460 Punkten käme also wieder Leben in den DAX. Die neue Woche dürfte die Vorlagen liefern, womöglich sogar die Entscheidung bringen.

DAX: Chart vom 18.09.2020, Kurs 13.208,12 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die Zeitspanne, über die man beim DAX gültige Aufwärtstrendlinien platzieren kann, wird zwar immer kürzer und deren Steigungswinkel sukzessiv geringer. Aber noch liegen die Zwischentiefs jeweils höher als die vorangegangenen, noch ist der Aufwärtstrend des DAX damit intakt. Allerdings wird die Sache für die Bullen zusehends schwieriger durchzuhalten, wenn es nicht gelingt, zügig den Weg nach oben freizumachen. Schon das Zwischenhoch vom Juli erwies sich als ein „Island Reversal“ und damit als Bullenfalle. Und der Versuch, dieses Juli-Hoch zu bezwingen, wurde vergangene Woche erst einmal abgewiesen. Grundsätzlich nicht gut, aber noch ist das Kind damit nicht in den Brunnen gefallen.

Aus psychologischer Sicht ist für die Bullen von Vorteil, dass dieser Abverkauf am Donnerstag nicht hausgemacht ist, sondern der DAX durch die plötzlich markant nachgebenden US-Indizes ausgelöst wurde. Dadurch kann man zum einen darauf hoffen, dass die US-Akteure sich wieder fangen und den Rücksetzer aufkaufen, zumal vor allem beim Nasdaq 100, der Basis des Abgabedrucks, am Freitag eine wichtige Unterstützung hielt. Zum anderen konnte man versuchen, die feiertagsbedingte Abwesenheit der US-Investoren am Montag zu nutzen, um bullische Vorgaben zu generieren. Das wurde mit dem beeindruckenden Plus zum Wochenstart unübersehbar versucht … aber gelingt das auch?

DAX: Tages-Chart vom 07.09.2020, Kurs 13.100,28 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Das wird der heutige Handelstag wohl schon zeigen. Auffällig war, dass die auch am US-Feiertag gehandelten US-Index-Futures die starken Kursgewinne der europäischen Aktienmärkte nur äußerst verhalten bis gar nicht nachvollzogen. Der Dow Jones-Future zog leicht an, der Nasdaq 100-Future blieb zum europäischen Handelsende sogar markant in der Verlustzone. Was bedeutet das für heute?

Es bedeutet, dass das bullische Lager durch die kräftigen Käufe beim DAX ebenso wie beim Euro Stoxx 50 und anderen Euro-Indizes in Vorleistung gegangen ist ohne sicher sein zu können, dass sich ihre Mühen auszahlen. Dass die US-Futures nicht mitzogen, ist nicht unbedingt üblich. Große US-Adressen besetzen die Trading-Desks auch an Feiertagen, wenn auch nur mit wenig Leuten … und die computergesteuerten Systeme agieren ohnehin wie immer. Und das Fehlen eines Teils der Umsätze in Sachen US-Futures ist kein Grund, warum die nicht mitgelaufen sind, denn gemeinhin machen Bullen nicht frei, während die Bären einen Feiertag auslassen.

Auch, wenn das Minus des Nasdaq 100-Future einen klar identifizierbaren Grund hat, nämlich den, dass man erwartet, dass Tesla am Dienstag erneut wegbricht, weil der Aktie die sicher geglaubte Aufnahme in den S&P 500 verweigert wurde und völlig offen ist, ob das allein den US-Gesamtmarkt wirklich drücken wird: Diese instabilen US-Futures machen die umfassenden Käufe hierzulande riskant. Da sollte zum heutigen US-Handelsstart tunlichst kein erneuter Abverkauf auftauchen … oder aber dieser schnell aufgeholt werden. Dass der DAX die Juni-Aufwärtstrendlinie halten konnte, ist zwar positiv. Aber trotz der Käufe des Montags ist diese heute etwa bei 12.800 Punkten verlaufende Linie per Montagabend noch näher als das Verlaufshoch des vergangenen Donnerstags bei 13.460 Punkten. Und erst, wenn der DAX über diesem Hoch schließen würde, wäre die Kuh für die Bullen vorerst vom Eis. Vorsicht bleibt damit geboten, denn sollte der deutsche Leitindex die zum Wochenschluss verteidigte Trendlinie doch noch brechen und dieser gestrige Kraftakt damit vergebens gewesen sein, kann die Zuversicht, die sich aus diesen gestrigen Käufen herauslesen lässt, schnell und vor allem nachhaltig wegbrechen. Dann wäre ein erneuter Test der aktuell bei 12.200 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie womöglich nur eine Etappe auf dem Weg in tiefere Gefilde. Der heutige Tag kann somit Weichen stellen, aber „liefern“ müssen dafür vor allem die US-Börse und dort vor allem die Nasdaq!

DAX: Monats-Chart vom 07.09.2020, Kurs 13.100,28 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der DAX ist auf dem Sprung. Mit einem Tag Verspätung kam zu Beginn des neuen Handelsmonats frisches Geld in den Markt. Genug, um den DAX 270 Punkte höher zu tragen. Und im nachbörslichen Handel legte er, gezogen durch den mit den US-Börsen höher laufenden DAX Future, weiter zu. Würde der deutsche Leitindex das abendliche Plus in den heutigen Handel mitnehmen, würde er dann auch auf diesem Level schließen, es würde reichen, um das letzte Zwischenhoch vom Juli (13.313 Punkte) zu überwinden. Und dann wären der Weg an das bisherige Rekordhoch von 13.795 Punkten frei und der ewig scheinende Seitwärtstrend der vergangenen drei Monate ausgestanden. Und dann?

Monatschart vom 02.09.2020, Kurs 13.243,43 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Würde der DAX mitten in einer Rezession, bei einem für die Exporteure unerfreulich starken Euro und Indizien, die auf ein Abflauen der wirtschaftlichen Erholung hinweisen, einfach weiter steigen? Wer sich dessen sicher ist, sollte sich erinnern, dass das Juli-Hoch schon zur Bullenfalle wurde, indem das vorherige Hoch vom Juni nur kurz und geringfügig überboten wurde und der DAX dann erst einmal kräftig nachgab. Man sollte auch nicht vergessen, dass dieses Rekordhoch vom Februar eine Bullenfalle war, denn das 2018 erreichte Hoch des DAX bei knapp 13.600 Punkten wurde nur kurz überboten. Aber das bedeutet nur, dass sich der Index mit jedem Prozent, das er kurzfristig steigt, auf dünneres Eis begibt. Es bedeutet nicht, dass dieses Eis zwingend umgehend brechen müsste. Es könnte auch zu einem Szenario kommen, in dem der DAX wie eine Rakete durchstartet.

Tageschart vom 02.09.2020, Kurs 13.243,43 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Was passiert, wenn eine dreimonatige Seitwärts-Spanne nach oben durchbrochen wird? Wer bislang skeptisch war, müsste kaufen, sonst wird er zu einem verzweifelten, weil bei einem bullischen Signal nicht investierten Skeptiker. Wer bis dahin Short war, müsste diese Positionen schnell eindecken, viele würden dann sogar von Short direkt auf Long drehen. Das hieße: Es käme nicht nur zu Käufen, um Short-Positionen im DAX zu neutralisieren, sondern es käme zum doppelten Kaufvolumen, um danach netto Long zu sein. Das kann den DAX, wenn dieser Ausbruch gelingen sollte, rasant steigen lassen. Es kann, wohlgemerkt. Sicher kann man da nie sein, sicher weiß man so etwas immer erst danach.

Es kann dann durchaus sein, dass viele Trader dann nur ein Ziel haben: Das Rekordhoch testen und überwinden. Kurzfristig kann das dazu ganz und gar nicht passende Umfeld komplett in den Hintergrund treten. Rasant steigende Kurse ziehen viele völlig in den Bann, so sehr, dass sie alle Vorsicht fahren lassen. Aber eine solche „Kaufpanik“ sollte man sich aus bullischer Sicht besser nicht wünschen. Eine Fahnenstange im DAX, rasant und weit steigende Kurse, mit denen unser DAX es dann Nasdaq 100 und S&P 500 in den USA nachtun würde, bergen die Gefahr eines „sudden death“, von ohne Vorwarnung wegbrechenden Kursen. Denn eine solche starke Rallye als Reaktion auf einen Anstieg über das Juli-Hoch hieße, dass so ziemlich alle Bären kapitulieren. Wer kauft danach noch, wenn gefühlt „alle“ investiert sind?

Da reicht es dann, wenn nur ein paar größere Akteure zu viel ihren Gewinn in einem zu engen Zeitraum mitnehmen wollten, um einen solchen „sudden death“ auszulösen. Gerade in einem solchen Umfeld, denn natürlich agieren viele da wie auf rohen Eiern, weil man die nicht mithaltenden Rahmenbedingungen zwar kurzfristig verdrängen kann. Aber im Hinterkopf ist dieser Aspekt immer präsent. Wenn es zu einem solchen Ausbruch des DAX kommen sollte, täte man daher wohl gut daran, die Stoppkurse für Long-Trades zeitnah zumindest knapp unter die nächste Supportzone unterhalb der Ausbruchszone, d.h. unter den Bereich 12.886/12.973 Punkte, nachzuziehen.