DAX: Virus-Variante hin oder her, alle schauen jetzt auf diese Linie!

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Zu Redaktionsschluss am Freitag ist noch nicht wirklich viel über diese südafrikanische Virus-Mutation bekannt, die dafür sorgte, dass der DAX am Freitagmorgen mit einem gewaltigen „Down Gap“ startete. Aber sicher ist: Er startete nicht zufällig an einer entscheidenden Linie.

Die 200-Tage-Linie ist für viele Investoren mit mittel- und langfristiger Ausrichtung die Leitlinie hinsichtlich der Frage, ob man „drin“ oder „draußen“ sein sollte. Für viele Trader definiert sie die Scheidemarke zwischen Long und Short.

Anfang Oktober wurde dieser gleitende Durchschnitt der letzten 200 Börsentage zuletzt getestet, nachdem der DAX zuvor elf Monate teils weit darüber notiert hatte. Da kam es zu einem einzigen Handelstag mit einem Schlusskurs unter dieser Linie. Knapp 60 Punkte hatte der deutsche Leitindex die 200-Tage-Linie da unterboten. Doch es war nur ein einziger Schlusskurs darunter, innerhalb eines zwei Wochen währenden Ringens um diese Linie.

Am Freitag startete der DAX fast auf den Punkt genau an dieser Linie. Der erste Kurs im regulären Handel lag bei 15.383,90 Punkten, die Linie lag bei 15.382,67. Es dürfte kein Zufall gewesen sein. Diese Nachricht einer möglicherweise höchst problematischen Virus-Mutation versetzte offenbar nicht wenige Akteure in eine gelinde Panik, weshalb sie Positionen einfach unlimitiert verkauften. Dadurch wurde der DAX für seinen ersten Kurs über den Future bis dorthin durchgereicht, wo Nachfrage bestand. Dass das an der 200-Tage-Linie war, unterstreicht deren Bedeutung. Aber sie wurde nicht gehalten. War es das also für die Bullen?

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Das ist noch nicht sicher. Auffällig war, dass der DAX diese Linie in der ersten Handelsstunde zwar kurz unterbot, sie dann aber noch vor 10 Uhr zurückeroberte und dann bis eine Stunde vor dem Handelsende verbissen verteidigte. Doch dann vergrößerten sich die Verluste an der Wall Street … und die Verteidiger wurden überrannt. Am Ende schloss der DAX 125 Punkte unter seiner 200-Tage-Linie. Das ist ziemlich viel. Aber vor etwas mehr als einem Jahr sah es genauso aus und die Bullen schlugen dennoch sofort zurück, warum nicht auch diesmal?

DAX: Tages-Chart vom 26.11.2021, Kurs 15.257,04 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Sie könnten auch diesmal gleich ab heute zurückschlagen. Das wird davon abhängen, wie sich das Thema Corona über das Wochenende entwickelt. Ein Thema, das man eigentlich schon als nicht mehr für den Aktienmarkt entscheidend angesehen hatte. Kein Wunder also, dass viele aus allen Wolken fielen, denn jetzt gesellt sich die Angst vor Lockdowns zu den bislang von nicht wenigen fleißig ausgeblendeten Marktrisiken wie „Flaschenhals“ und Inflation hinzu. Zu viel, um es noch ignorieren zu können?

Sollte der DAX heute und/oder am Dienstag mehr als ein, zweihundert Punkte weiter fallen, dürfte das in der Tat zu viel sein und der Weg nach oben zugestellt sein. Man muss es abwarten, aber:

Im Gegensatz zum Oktober 2020, als diese 200-Tage-Linie schon recht deutlich gebrochen war, der Index trotzdem aus dem Stand drehte und die Linie zurückeroberte, haben wir diesmal ein schwierigeres Umfeld. Damals setzte man auf die kurz darauf stattfindende US-Wahl (4.11.2020) und wurde wenige Tage später (9.11.2020) von Meldungen über erste, einsatzbereite Impfstoffe überrascht. Das drehte Stimmung und Trend. Solche Nachrichten liegen jetzt eher nicht vor uns … dafür sind gerissene Lieferketten und bislang stur weiter steigende Preise Aspekte, die für sich alleine schon einen Aufwärtstrend beenden könnten.

Sollte der DAX diese am Freitagabend bei 15.382,67 Punkten verlaufende, jetzt zum Zünglein an der Waage gewordene 200-Tage-Linie mindestens um 200 Punkte auf Schlusskursbasis unter sich lassen, wären die Bullen wieder im Spiel. Wenn nicht, würde ich auf die von so vielen als „Sahnehäubchen“ einer Hausse entgegen den Rahmenbedingungen erhoffte Jahresendrallye keinen Pfifferling mehr geben.

DAX: Monats-Chart vom 26.11.2021, Kurs 15.257,04 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

 

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Kann man die Jahresendrallye jetzt bereits vergessen … oder werden die Bullen das verlorene Terrain im D-Zug-Tempo zurückerobern? Der DAX hat gestern eine wichtige Unterstützung gebrochen, aber es müsste noch eine weitere fallen, bevor es für die Bullen richtig eng werden würde.

Die Frage, warum der Aktienmarkt ausgerechnet jetzt ins Wanken gerät und nicht schon Wochen und Monate früher, ist eigentlich müßig. Wenn die meisten Marktteilnehmer Warnsignale monatelang ignorieren, ist der Auslöser für Verkäufe entsprechend selten in der Nachrichtenlage zu finden. Wenn sich ein Index wie der DAX relativ weit von den Rahmenbedingungen entfernt hat, bewegen wir uns bei der Ursachenforschung für einen Rücksetzer fast immer im Bereich der Psychologie. Werden die Kauforders knapp, weil kurzfristig zu viele bereits hoch oder voll investiert sind … und ausgerechnet dann kommen so viele Verkaufsorders, dass sie der Markt nicht umgehend aufnehmen kann, geht es halt abwärts.

Warum genau die Kauforders zahlreicher wurden, sprich ob da einfach zu viele den Eindruck hatten, es könne nicht schaden, langsam mal ein wenig Geld aufs Konto zurück zu befördern oder ob die Zahl derer zugenommen hat, die sich intensiver mit der Gesamtsituation befassen und erkennen, dass diese Hausse eher über kurz als über lang schiefgeht, ist nie sicher zu ermitteln. Und es ist auch nicht nötig, denn man kann den Anlegern zwar nicht in die Köpfe blicken, aber eines ist, unabhängig von der Motivation der Verkäufer, zu erwarten: Wenn die Abgaben weitergehen, wenn aus einem bislang ziemlich kleinen Rücksetzer eine Korrektur wird, weil weitere charttechnische Unterstützungen brechen, wird die Zahl derer, die unruhig werden, schnell zunehmen. Und wer nervös ist, fackelt mit dem Ausstieg oft nicht lange.

Expertenmeinung: Erfahrene Trader wissen das, daher muss es ihnen darum gehen, die Supportzone, die der DAX am Dienstag gebrochen hatte, umgehend zurückzuerobern. Der deutsche Leitindex muss so schnell wie irgend möglich wieder über den Bereich 16.000/16.030 Punkte zurück. Gelingt das, werden sich aufgeschreckte Anleger leicht beruhigen lassen. Was verhindern würde, dass die Verkäufe eine Größenordnung annehmen, die dazu führt, dass zu viele, die eigentlich vorhatten, in einen Rücksetzer hinein zuzukaufen, ihre Orders sicherheitshalber blitzschnell wieder streichen.

Wochenchart vom 23.11.2021, Kurs 15.937,00 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Und diese erfahrenen Investoren innerhalb des bullischen Lagers wissen auch, dass ihnen die Sache schnell entgleiten könnte, wenn der DAX die nächste Supportzone um 15.800 Punkte nicht halten sollte. Aus psychologischer Sicht, weil viele dann erkennen, dass die Defensive der Bullen nicht die nötige Kraft hat, um den Aufwärtstrend zu halten – worauf sie sich in den letzten Wochen verlassen hatten. Aus charttechnischer Sicht, weil unterhalb von 15.800 Punkten erst einmal keine Supportmarke oberhalb der heute etwa bei 15.365 Punkten ankommenden 200-Tage-Linie als potenzielles Sprungtuch warten würde.

Letztlich geht es also weniger um Ursachenforschung als um diese beiden Chartzonen, um die 15.800 auf der Unter- und die 16.000 auf der Oberseite. Diese beiden Bereiche können die Weichen für die Tendenz der kommenden Wochen stellen … und die Entscheidung wird in diesem Umfeld nicht lange auf sich warten lassen.

Tageschart vom 23.11.2021, Kurs 15.937,00 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Wenn ein Index ein altes Rekordhoch überwindet, ist das ein massiv bullisches Signal. Doch bleiben Anschlusskäufe aus, gießt das umgehend eine Menge Wasser in den Wein. Und genau da klemmt es beim DAX – was mit Blick auf das langfristige Chartbild problematisch ist.

Bereits seit acht Monaten ringt der DAX mit der oberen Begrenzungslinie des langfristigen Aufwärtstrendkanals, wie Sie im Chart auf Monatsbasis sehen können. Erfahrenen Investoren, vor allem die großen Adressen unter ihnen, entgeht das nicht. Und sie übersehen auch nicht, dass der Index auf Monatsbasis schon relativ lange in der überkauften Zone rangiert. Und sie wissen ebenso, dass es völlig normal wäre, wenn der deutsche Leitindex die untere Begrenzung dieses Kanals testen würde, falls er „oben“ abgewiesen wird. Eine Linie also, die derzeit bei knapp 10.500 Punkten liegt.

Wer zu dieser erfahrenen Klientel gehört, ist sich zudem bewusst, dass Inflation und Flaschenhals beide das Zeug dazu hätten, einen solchen Abwärtsschwenk zu unterfüttern. Wenn der derzeit aus den Schlagzeilen verschwundene, aber nichtsdestotrotz weiter wankende chinesische Immobilienmarkt auch noch zu einem Belastungsfaktor wird, erst recht.

Dass es nicht gelingt, den DAX wirklich deutlich von seinem alten, im August bei 16.030 Punkten markierten Hoch zu lösen, ist daher etwas, das man im Auge behalten muss: Acht Tage nach seinem Ausbruch notiert er immer noch weniger als ein Prozent darüber. Zumal der näher rückende, am Freitag anstehende Abrechnungstermin an der Terminbörse normalerweise hilfreich sein müsste, um Aufwärtsdynamik aufzubauen. Stattdessen sehen wir einen DAX, der unübersehbar um jeden Punkt nach oben kämpfen muss.

Expertenmeinung: Zu Gunsten des bullischen Lagers ließe sich festhalten, dass es immerhin noch nicht zu einer Bullenfalle kam. Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis: Der Index schleppt sich auffällig mühsam nach oben, aber immerhin ist keinerlei nennenswerter Abgabedruck zu sehen. Noch nicht?

DAX: Tages-Chart vom 15.11.2021, Kurs 16.148,64 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Noch nicht. Diesen Zusatz muss man zwingend anbringen, denn wenn ein bullisches Signal wie der Ausbruch auf neue Rekorde keine nennenswerten Anschlusskäufe zeitigt, ist irgendetwas faul. Entweder sind schon zu viele hoch investiert und schon so viele Menschen seit Frühjahr 2020 neu dazugekommen, dass dem Markt der Nachschub an neuen Anlegern und Kapital ausgeht. Oder aber das Kaufinteresse ist zwar ordentlich, trifft aber auf so viele Verkaufsorders, dass der DAX dadurch gebremst wird. Oder aber, die dritte Möglichkeit, die angesprochene Terminbörsen-Abrechnung bremst die Kurse, weil da viele große Akteure Call-Optionen mit Basis 16.000 und höher auf den DAX verkauft haben und verhindern wollen, dass die ihnen am Freitag teuer zu stehen kommen.

Ist es wichtig zu wissen, welches der drei Elemente überwiegt? Im Prinzip schon, denn wenn dem Markt die Käufer ausgehen, kann dieser Ausbruch leicht zur Bullenfalle werden und das wiederum diese Rallye nachhaltig beenden. Ginge dieses Schneckentempo aber vor allem auf das Konto der Terminbörse, wäre es gut möglich, dass der DAX sofort wieder auf Touren kommt, sobald diese Abrechnung am Freitag über die Bühne ist. Nur: Es ist eben nicht genau feststellbar, wo es klemmt. Wir sehen nur, dass es klemmt. Also?

Also wäre es ratsam, sich jetzt von einer persönlichen Marktmeinung zu lösen und flexibel auf das zu reagieren, was das Chartbild uns beim DAX in den kommenden Tagen liefert. Wobei mal festhalten sollte:

Solange es gelingt, die mittelfristig relevante, im Mai und Oktober sauber verteidigte Supportzone um 14.800 Punkte zu halten, wäre der Dax nur für kurzfristig agierende, risikofreudige Trader auf der Short-Seite interessant. Aber sobald der Index die nächstliegende Unterstützungszone 15.960/16.030 Punkten brechen und damit unter das alte Rekordhoch zurückfallen sollte, wird es zumindest für kurzfristige Trader spannend.

Dann geht es sofort um den doppelten Leitstrahl der Rallye, bestehend aus der 20-Tage-Linie bei aktuell 15.860 und der Oktober-Aufwärtstrendlinie bei momentan 15.930 Punkten (vorausberechnet für den heutigen Dienstag). Sollte diese Zone mit Schlusskursen unter 15.800 Punkten deutlich durchbrochen werden, muss der Ausbruchsversuch als gescheitert angesehen werden … und das könnte leicht dazu führen, dass, wer heute noch überzeugt bullisch ist, dann schlagartig die Beine in die Hand nimmt.

Fazit: Noch ist nach oben alles drin, aber den Bullen läuft die Zeit davon, sie müssen Kursgewinne liefern, damit ihnen die Trader nicht von der Fahne gehen. Und wenn eine solche „Fahnenflucht“ beginnen sollte, kann das, in einem Umfeld kritischer Rahmenbedingungen wie derzeit, leicht eine Lawine auslösen.

DAX: Monats-Chart vom 15.11.2021, Kurs 16.148,64 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der DAX startete nach der Rallye der US-Börsen als Reaktion auf die US-Notenbank-Entscheidung zwar mit einem neuen Verlaufsrekord, am Ende des Tages stand dann aber ein Doji im Chartbild. Damit sind die Bullen noch nicht „durch“ – und müssten schnell nachlegen!

Das hat also erst einmal nicht geklappt. Der Plan der Bullen war klar: Der DAX musste vorbörslich über den Future nach oben gezogen werden, damit die Anleger vor eine „Friss oder Stirb“-Situation gestellt werden. Die Käufer sollten zugreifen aus Sorge, dass ihnen die Kurse sonst davonlaufen, die Bären sollten eilig eindecken, um ihre Verluste zu begrenzen.

DAX: Tages-Chart vom 05.11.2021, Kurs 16.029,65 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Dieser erste Schritt hin zu einem dynamischen Ausbruch über das alte, bei 16.030 Punkten gelegene Verlaufshoch gelang auch: Der deutsche Leitindex startete mit 16.035,90 Punkten auf einem neuen Verlaufsrekord. Doch der erhoffte Effekt blieb aus: die Anschlusskäufe kamen nicht. Am Ende schloss der DAX zwar erstmals über der Marke von 16.000 Punkten, aber knapp unterhalb des Eröffnungskurses und auf Höhe des alten Verlaufshochs. Und es fiel auf, dass die Handelsspanne mit gerade einmal 67 Punkten verdächtig klein ausfiel. Kurz: Die Reaktion, die dieser Ausbruch nach oben hätte auslösen sollen, kam nicht. Und jetzt?

Expertenmeinung: Jetzt ist die Entscheidung auf heute, spätestens auf Anfang kommender Woche vertagt. Aber sie wird recht zügig kommen müssen, denn einen solchen, quasi im luftleeren Raum stehenden Doji lassen die Trader nicht einfach so stehen. Gut möglich, dass die heute anstehenden US-Arbeitsmarktdaten und die Reaktion darauf an den US-Märkten den nötigen Impuls liefern werden.

Die Ausgangslage für die Bullen: Entweder war der DAX nicht weit genug gelaufen, um Short-Eindeckungen und Anschlusskäufe auszulösen – oder aber das bärische Lager hat diese Zone aktiv verteidigt. Damit ist klar: Der DAX müsste idealerweise gleich heute den neuen Verlaufsrekord von 16.064,79 Punkten klar überwinden und idealerweise auch solide darüber schließen. Ansonsten würde drohen, worauf die Bären spekulieren.

Die Ausgangslage für die Bären: Noch ist nichts verloren. Dieser Doji wäre eine ideale Basis für eine Bullenfalle. Ob ihm noch ein weiterer Doji oder direkt eine längere rote Kerze folgt, die den DAX dann wieder unter 16.000 drückt: Wenn das gelingen sollte, könnte man auf eine Korrektur hoffen, die zumindest an die untere Begrenzung des steilen, kurzfristigen Aufwärtstrendkanals führt. Immerhin ist vielen Anlegern klar, dass die Rallye nach der Ankündigung der US-Notenbank, mit dem Zudrehen des Geldhahns zu beginnen, mehr als alles andere eine Flucht nach vorne ist, weil die Bullen die Rahmenbedingungen gegen sich haben.

Wie das ausgeht, ist nicht vorhersehbar, klar ist damit aber: Diese Konstellation hätte das Zeug, Weichen zu stellen. Entweder ist die Rallye damit dann erst einmal vorbei … oder aber der DAX bekommt die zweite Luft und startet eine vorzeitige Jahresendrallye. Speziell heute sollte man ihn nicht aus den Augen lassen!

DAX: Monat-Chart vom 05.11.2021, Kurs 16.029,65 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Schwache VW-Zahlen, die Inflation zu hoch, das US-Wachstum zu niedrig: Das waren die „bad news“ des Donnerstags. Doch der DAX hielt die Spur, die Bullen kaufen jede schlechte Nachricht weg. Das kann jederzeit schiefgehen. Aber es kann eben auch noch weitergehen!

Die Bullen haben ja, was das Kleinreden von Risiken angeht, ein großes Vorbild: Am Donnerstag ließ die EZB wieder einmal alles beim Alten und zeichnete das Bild einer Gesamtsituation, in der die negativen Faktoren alle nur vorübergehend wirken und die Zentralbank die Lage völlig im Griff hat. Dass Notenbanken mit ihren Einschätzungen in der Geschichte der Börse schon oft katastrophal danebenlagen, mag wissen, wer schon ein paar Jahrzehnte als Inverstor agiert und/oder sich mit der Börsenhistorie befasst hat. Aber das sind eben die wenigsten. Und wenn man massiv auf Hausse setzt und eine EZB einem genau das erzählt, was man hören will … warum dann zweifeln?

Wirklich überraschend war es daher nicht, dass der DAX gerade einmal zehn Punkte unter dem Vortages-Schlusskurs aus dem Handel ging. Die Volkswagen-Aktie und mit ihr Porsche tauchten zwar unter den größten Tagesverlierern auf, weil die VW-Bilanz bestätigte, was die Prognosesenkung bei Continental letzte Woche andeutete, nämlich ernsthafte Probleme durch fehlende Teile. Aber Continental und Daimler schlossen dennoch im Plus. Wirklich ernst scheinen die meisten Anleger den „Flaschenhals“ nicht zu nehmen. Weil diese Problematik kompliziert und nicht eingrenzbar ist? Denkbar.

DAX: Tages-Chart vom 28.10.2021, Kurs 15.696,33 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Auch die etwas über den Prognosen und bezogen auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex auf 4,6 Prozent gestiegene, deutsche Inflation schien kaum jemanden zu irritieren. Warum sich Gedanken machen, was das in den kommenden Monaten anrichten kann, wenn die Preise weiter steigen, wenn die EZB doch zu wissen behauptet, dass die Inflation 2022 wieder auf „Normalniveau“ liegen werde?

Und das schwache, mit 2,0 Prozent noch deutlich unter der im Vorfeld mehrfach gesenkten Expertenprognose von im Schnitt 2,7 Prozent herein gekommene US-Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal, nun, das ist ja ein Problem der USA. Und selbst, wer erkennt, dass das unsere Exporte ebenso dämpfen kann wie der wankende Konsum in China, mochte sich damit beruhigt haben, dass dann doch wenigstens die US-Notenbank den Beginn der Kürzung der Anleihekäufe verschieben könnte. Wie lange geht das noch gut?

Expertenmeinung: Solange der Trend des DAX nicht nachhaltig beschädigt wird, ist nach oben nichts unmöglich, egal, ob das aus fundamentaler Sicht heller Wahnsinn wäre oder nicht. Denn wer sich weniger auskennt, orientiert sich eben am Trend des Leitindex. Und solange das so viele tun, dass sie mit ihren Käufen das Szenario generieren können, das ihnen die Bestätigung dafür liefert, immer noch mehr zu kaufen, ist ein Ausbruch über den bisherigen Verlaufsrekord bei 16.030 Punkten nicht auszuschließen, zumal:

Markttechnisch wäre der DAX zwar auf Tages-, Wochen- und Monatsbasis überkauft. Aber so etwas irritiert bullische Trader erst, wenn der charttechnische Trend wackelt. Daher können markttechnische Indikatoren wie der hier in beiden Charts mit eingeblendete Stochastik-Oszillator bisweilen sehr lange in der überkauften Zone bleiben.

Durch das sture Ausblenden kritischer Faktoren ist es jetzt gelungen, den Oktober zu einem sehr starken Monat zu machen, der das Minus des Septembers fast vollständig auszugleichen vermochte. Zwar sehen wir im Chart auf Monatsbasis, dass der DAX immer noch an der oberen Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrendkanals festhängt. Aber gesetzt den Fall, er könnte diese Linie mit Schlusskursen klar über dem bisherigen Verlaufsrekord überwinden, könnte es durchaus zu einem „Squeeze Out“ für die verbliebenen Bären kommen und die Aufwärtsbewegung Richtung Jahresende noch an Intensität zunehmen. Hinzu kommt, dass der deutsche Leitindex auf kurzfristiger Ebene mustergültig läuft: Aufwärtsschub, Konsolidierung, erneuter Aufwärtsschub.

Wenn der Wurm beginnt, sich in dieses bullische Bild zu schleichen, dann sieht man das zuerst auf Tagesbasis. Der DAX-Tageschart muss bei solchen Risiken in den Rahmenbedingungen weiterhin perfekt passen. Noch tut er es, damit bleibt der Weg nach oben frei. Aber schon, wenn der Index mit Schlusskursen deutlicher unter 15.600 Punkten unter die Vorwochenhochs zurückfallen sollte, würde ich vorsichtig werden. Bei Schlusskursen unter 15.250 Punkten wäre dann sogar schon die eine oder andere Alarmsirene angebracht. Das Eis trägt die Bullen noch, aber es ist eben auch hauchdünn.

DAX: Monats-Chart vom 28.10.2021, Kurs 15.696,33 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Was wiegt schwerer, kritische Rahmenbedingungen oder ein Dow Jones, der dem DAX vormacht, wie man in einem solchen Umfeld trotzdem neue Rekorde erzielt? Kurzfristig könnte der DAX der Wall Street folgen, denn die Bullen haben Rückenwind seitens der Charttechnik.

Allerdings sollte man, bevor man die ideale charttechnische Ausgangsbasis für die Bullen preist, unterstreichen, dass es gute Gründe hat, weshalb der DAX seinen bisherigen, bei 16.030 Punkten wartenden Rekord noch nicht angegangen hat. Hierzulande agieren die Anleger tendenziell behutsamer als an den US-Börsen. Und es wäre keineswegs das erste Mal, wenn sich herausstellen würde, dass diese Vorsicht richtig war. Denn ob an der Nasdaq oder bei Dow Jones und S&P 500, die Volatilität dort nimmt zu, die Intraday-Bewegungen werden hektischer. Das ist mit Blick auf die zahlreichen, sich gegenseitig intensivierenden Belastungsfaktoren wie Inflation, Flaschenhals und Zinsangst eine explosive Mixtur. Hinzu kommt, dass man in den USA zwei – vermeintliche – Vorteile hat:

DAX: Monats-Chart vom 22.10.2021, Kurs 15.542,98 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Zum einen scheinen die Quartalsbilanzen dort sehr gut auszufallen. Das liegt zwar daran, dass die Prognosen der Analysten oft gezielt zu niedrig angesetzt werden, aber dieser Trick, die Stimmung hoch zu halten, funktioniert derzeit wieder ganz gut, weil ihn die meisten der vielen neu an den Markt geströmten Sparer noch nicht durchschauen. Zum anderen ist der Inflationsdruck in den USA ein wenig niedriger, weil in Europa zu den stark gestiegenen Rohstoffpreisen ein tendenziell steigender US-Dollar hinzukommt, der die Rohstoffimporte zusätzlich verteuert.

Expertenmeinung: Trotzdem könnten die heimischen Bullen den DAX ins Kielwasser der US-Börsen bugsieren und höher tragen … vorausgesetzt, die Vorlage aus den USA bleibt positiv. Was man per Freitagabend zwar noch unterschreiben konnte, aber die Achterbahnfahrt des US-Aktienmarkts zum Wochenschluss macht deutlich, dass die Bullen dort nicht auf wirklich sicherem Boden stehen. Was für den DAX bedeutet: Wenn er jetzt weiter zulegt, würde dadurch zwar ein bullisches Signal entstehen, aber in einem Umfeld wie diesem ist so etwas immer „vorläufig“. Der Blick auf die Charts zeigt:

Auf kurzfristiger Ebene hätte der DAX eine perfekte Ausgangsbasis für weiter anziehende Notierungen. Nach dem erfolgreichen Test der Unterstützungszone 14.816/14.845 Punkte und der sofortigen Rückeroberung der 200-Tage-Linie stieg der deutsche Leitindex zügig über die kurzfristige Abwärtstrendlinie. Dort vollzog er durch den kurzen Rücksetzer des Donnerstags, der sofort auf Gegenwehr der Bullen traf, einen perfekten Pullback an diese Linie, sprich an den Ausbruchslevel. Am Freitag war er bereits auf dem Weg, das vorherige Zwischenhoch bei 15.598 Punkten zu bezwingen, als die volatile Wall Street einige bewog, vor dem Wochenende doch lieber ein paar Gewinne zu sichern. Jetzt kommt es also auf den Wochenstart an:

Schafft der DAX ein Closing über 15.600 Zählern, wäre der Weg über die leichte Hürde bei 15.800 Punkten in Richtung des bisherigen Rekordhochs bei 16.030 Punkten frei. Aber der Blick auf den DAX auf Monatsbasis mahnt dazu, auf der Hut zu bleiben. In diesem längerfristigen Bild wirkt das, was der Index da zeigt, immer noch wie eine Toppbildung. Erst, wenn neue Schlusskurs-Hochs erreicht sind, wäre dieses Risiko erst einmal vom Tisch, bis dahin kann es jederzeit zu einer kalten Dusche für das Bullen-Lager kommen!

DAX: Monats-Chart vom 22.10.2021, Kurs 15.542,98 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX