EUR.USD aktuell Euro/US-Dollar: Wo bleibt der „big move“?

Aktuelle Entwicklung von EUR.USD

von |
In diesem Artikel

EUR.USD
ISIN: EU0009652759
|
Ticker: EUR.USD --- %

---
--
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zum EUR.USD

Der Donnerstag hatte es in sich: Eine EZB, deren Untätigkeit langsam nervös machen dürfte und US-Inflationszahlen zum Fürchten. Das hätte für immense Bewegung in der Euro/US-Dollar-Relation sorgen müssen. Aber es passierte nichts – wo bleibt der „big move“?

Man hätte sich wohl nicht gewundert, wenn es gestern bei Euro/US-Dollar zu kräftigen Schwankungen gekommen wäre. Denn jetzt sind die Tage entscheidender Konjunkturdaten und Notenbanksitzungen angebrochen: Gestern entschied die EZB. Kommenden Mittwoch zieht die US-Notenbank nach. Gestern kamen die US-Verbraucherpreise für Mai auf den Tisch, kommenden Dienstag stehen die US-Erzeugerpreise an. Die Marktteilnehmer am Forex-Markt sind gemeinhin Fachleute in Sachen Geldpolitik und dementsprechend gespannt, was jetzt passieren wird. So gesehen wäre es eher normal gewesen, wenn Euro/US-Dollar gestern nervös auf und ab gesprungen wäre. Nichts dergleichen passierte. Was ist da los?

Das ist die Ruhe vor dem Sturm. So interessant die gestrige EZB-Sitzung dahingehend war, dass man dort erneut jedwedes Risiko durch Inflation kleinredete, so ernüchternd die US-Verbraucherpreise mit ihren 5,0 Prozent Anstieg zum Vorjahresmonat waren: Das Bild ist unvollständig.

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Expertenmeinung: Noch ist offen, ob auch die US-Erzeugerpreise vergleichbar stark gestiegen sind und damit eine „Bugwelle“ erhalten bleibt, indem zu erwarten ist, dass die US-Unternehmen ihre gestiegenen Kosten auch in den kommenden Monaten an die Verbraucher weitergeben werden. Und erst recht ist offen, was die US-Notenbank tun wird. Auf sie kommt es an. Wird sie weiter behaupten, die Inflation würde von alleine verschwinden? Oder wird sie doch aktiv, indem sie wenigstens das Volumen der Käufe am US-Anleihemarkt schrittweise zurückfährt? Erst, wenn das klar wird, wird die Mehrheit der Trader eine Entscheidung fällen. Und dann kann es in der Tat zu einem „big move“ kommen. Die Ausgangslage:

Angenommen, die US-Notenbank würde weiterhin nichts gegen den Anstieg der Inflation unternehmen, wäre das grundsätzlich ein Signal für einen schwachen US-Dollar, denn die kurzfristigen Zinsen würden niedrig bleiben, das Wachstum könnte aufgrund eines ungehinderten Stroms billigen Geldes weiter stark bleiben. Zwar zum Preis einer markanten Teuerung, die bereits jetzt einen Level erreicht hat, den wir in den letzten 20 Jahren nur einmal und das nur kurz, nämlich im Sommer 2008, gesehen haben. Aber das dürfte den Trader zunächst mal egal sein. Würde die „Fed“ aber handeln, könnte das einen starken Aufwärtsimpuls des US-Dollars auslösen, d.h. die hier im Chart abgebildete Relation Euro/US-Dollar käme unter Druck. Aber Vorsicht:

Diese sich in dem seit Frühjahr 2020 laufenden Euro-Aufwärtstrend manifestierende Dollar-Schwäche preist die Passivität der US-Notenbank ja bereits ein. Es ist nur die Frage, ob das bereits vollumfänglich der Fall ist. Wenn es so wäre, das Gros der Forex-Trader also mit einer erneut nicht agierenden „Fed“ gerechnet hat, kann es gut sein, dass der Euro nur geringfügig zulegt. Euro/US-Dollar müsste schon über das bisherige Jahreshoch bei 1,2350 US-Dollar hinauslaufen und sich ein, zwei Handelstage darüber halten, um erwarten zu lassen, dass das mittelfristige Kursziel bei 1,2555 US-Dollar wirklich angesteuert wird.

Dass die „Fed“ wirklich handelt, dürfte angesichts des seit April anziehenden Euros hingegen weniger erwartet werden. Da könnte es dann wirklich zu einem „big move“ kommen, sollten sich zu viele Trader auf dem falschen Fuß wiederfinden. Ein Test der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie bei aktuell 1,1910 US-Dollar wäre da nicht überraschend … und im Fall einer auf einmal glaubwürdig entschlossen wirkenden „Fed“ wäre sogar deren Bruch nicht auszuschließen.

Euro/US-Dollar:Chart vom 10.06.2021, Kurs 1,2174 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX
Wollen Sie Online Trading als professionelles Erlebnis erfahren?

Eine Kostenlose Depotführung, günstige Preise, eine ausgezeichnete Handelsplattform und erstklassiger Service!

Wir tun alles für Ihren Erfolg und Ihre Zufriedenheit – so geht Online-Trading heute.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen von EUR.USD

Im ersten Quartal 2021 kam der Euro/US-Dollar-Kurs zur Erleichterung der Eurozone-Exporteure wieder zurück, aber kaum begann das zweite Quartal, waren die Bullen wieder da. Stehen neue Jahreshochs an? Das Chartbild würde es ermöglichen.

Eigentlich müsste es ja anders herum laufen und der US-Dollar zum Euro stark sein statt umgekehrt, würde es allein auf die Fundamentaldaten ankommen. Denn in den USA liegen die Anleiherenditen höher, der US-Dollar müsste also seitens der internationalen Bond-Investoren gesuchter sein. Das Wachstum ist deutlich höher als in der Eurozone, was ebenso wie die in den USA deutlich stärker angezogene Inflation darauf hindeutet, dass wenn, dann die US-Notenbank als erste die geldpolitischen Zügel anzieht, was ebenfalls für einen starken US-Dollar sprechen würde. Aber es ist der Euro und nicht der Greenback, der aktuell gesucht ist. Wieso?

Expertenmeinung: Zum einen kann man vermuten, dass viele Trader daraufsetzen, dass die US-Notenbank zwar grundsätzlich in Bezug auf die Inflation besonders alarmiert sein müsste, trotzdem aber nichts unternehmen wird. Denn man würde riskieren, das Wachstum abzuwürgen, das durch die als Reaktion auf die Corona-Problematik generierte Geldflut entstanden ist. Dass die Mitglieder der US-Notenbank permanent betonen, dass die Inflation keine Gefahr darstelle, bestärkt die Trader darin, hier mutig auf dauerhaft niedrige, womöglich sogar weiter fallende Zinsen zu wetten.

Zum anderen haben Währungsrelationen auch immer eine politische Komponente. Denn wer die schwächere Währung hat, hat Exportvorteile. Und diese Butter wollen sich die USA, ob Regierung oder Notenbank, nicht vom Brot nehmen lassen. Solange die Forex-Trader davon ausgehen, dass man imstande ist, das nötigenfalls auch hinter dem Vorhang aktiv durchzusetzen, dürfte der grundsätzliche Trend US-Dollar Short bleiben.

Und zuletzt ist es gerade diese in den USA besonders hohe Flut an aus dem Hut gezaubertem Geld, die den Greenback drückt. Der Geldbedarf ist extrem, ob es nun um Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen geht, daher sieht man hier ein so großes Angebot für internationale Investoren, dass dies nicht nur die Kurse der US-Anleihen, sondern auch die Währung drückt. Aber welches dieser Argumente aktuell greift, ist zweitrangig, solange der Trend aufwärts weist, passen für die Trader letztlich alle.

Chart vom 26.05.2021, Kurs 1,2201 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Und bezogen auf die Charttechnik sehen wir, dass der Euro zum US-Dollar nach der abrupten Aufwärtswende im April mittlerweile die zu Jahresbeginn etablierte Abwärtstrendlinie überboten hat und auf das bisherige Jahreshoch von 1,2350 US-Dollar zusteuert. Dieses Hoch würde umgehend zum Kursziel, sobald es gelingt, den aktuell umkämpften Widerstand in Form des Februar-Hochs bei 1,2243 US-Dollar zu bezwingen. Derzeit hätten die Bullen da durchaus gute Karten. Und sollte auch dieses Jahreshoch bei 1,2350 US-Dollar fallen, wäre es keine Überraschung, wenn es gelänge, diese Rallye bis an das nächste, markante Kursziel, das Jahreshoch 2018 bei 1,2555 US-Dollar, weiter zu treiben.

Das erste Quartal brachte einen stetig zum US-Dollar nachgebenden Euro. Und das ließ sich auf fundamentaler Ebene auch begründen. Umso mehr reiben sich viele Akteure die Augen, denn auf einmal zieht die Euro/US-Dollar-Relation kräftig an. Was passiert da?

Wenn man sich im Bereich der Rahmenbedingungen umschaut, hat sich seit der abrupten Aufwärtswende des Euro gar nichts verändert. Die beiden entscheidenden Notenbanken, die US-Notenbank ebenso wie die EZB, verlegten sich bei ihren letzten Sitzungen auf ein „weiter so“. Und dass sich die USA deutlich bessere Voraussetzungen für ein Durchstarten der Wirtschaft geschaffen haben, das Inflationsrisiko aber trotzdem beide Wirtschaftsräume betrifft, das ist heute nicht anders als vor einem Monat, als der Euro noch auf dem Weg nach unten war.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 26.04.2021, Kurs 1,2082 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Und in der Tat wäre ein schwächerer Euro in diesem Umfeld logisch. Internationales Kapital neigt dazu, eher dorthin zu fließen, wo das Wachstum stärker ist, ob es da um Investitionen von Unternehmen oder um Kapitalmarkt-Investments geht, ist einerlei. Darüber hinaus liegt das Renditeniveau der Anleihen in den USA höher, auch das macht den Dollar-Raum attraktiver und lässt eine höhere US-Dollar-Nachfrage vermuten, die den Kurs ziehen sollte. Was aber eben pünktlich mit der Quartalswende anders wurde.

Wenn die Fundamentals keine tauglichen Argumente hergeben, blieben noch zwei Bereiche, die es abzuklopfen gälte: Die Charttechnik und damit das Element der Spekulation … und die Politik. Was ist mit Letzterer? Klar ist, dass die USA keinen starken US-Dollar gebrauchen können, denn je „teurer“ der Greenback zu anderen Währungen ist, desto schwieriger gestaltet sich der Export, weil andere Produkte dadurch dort relativ gesehen billiger werden und/oder die Gewinnspannen der US-Exporteure schrumpfen. Aber normalerweise spielt sich das Bestreben, die eigene Währung zu schwächen, nicht auf einer offiziellen politischen Ebene ab. Es ist denkbar, dass man versucht, den US-Dollar hinter den Kulissen verbal ein wenig zu schwächen, aber wahrscheinlicher ist derzeit das zweite Element: die Spekulation.

Was keineswegs überraschen würde, immerhin liegt der Anteil rein spekulativen, kurzfristigen Tradings bei den Umsätzen am Devisenmarkt deutlich über 90 Prozent. Gerade dass der Euro pünktlich zu Beginn des neuen Quartals auf dem Absatz kehrt machte, obgleich es zu diesem Zeitpunkt keine Nachrichten gab, die eine solche Wende zwingend gemacht hätten, deutet an, dass es sich hier eher um eine charttechnisch basierte, spekulative Wende handelt, die dementsprechend auch keine mittelfristige Reichweite erlangen muss.

Gut denkbar ist, dass der Bruch der 200-Tage-Linie nach unten und die darauffolgenden Anschlussverkäufe im Euro Eindeckungen der Euro-Bären auslösten, die zunächst an die 200-Tage-Linie führten, dort aber erste Trader die Fronten wechselten und mit der Rückeroberung dieser im Chart auf Tagesbasis dick schwarz markierten Linie eine rein technisch basierte Kaufwelle entstand. Spannend wird es da genau jetzt, denn:

Jetzt hat der Kurs die Januar-Abwärtstrendlinie erreicht. Bliebe es bei einer spekulativen Bewegung, könnte versucht werden, diese nach oben zu durchbrechen, um noch einmal einen weiteren Aufwärtsschub im Euro zu provozieren, dann aber wohl in diese Käufe hinein Gewinne mitzunehmen. Der Euro/US-Dollar-Kurs müsste mindestens das Februar-Hoch mit Closings über 1,2250 US-Dollar überbieten, um den Anstieg auf eine mittelfristig relevante Ebene zu heben. Dann wäre es sogar möglich, dass die Trader den Kurs bis an das mittelfristige Ziel bei 1,2255 US-Dollar tragen (siehe der langfristige Chart auf Monatsbasis).

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 26.04.2021, Kurs 1,2082 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Aber solange die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen eher für den US-Dollar sprechen, wäre es überraschend, wenn der Kurs auch noch diese wichtige Hürde bei 1,2555 US-Dollar überbieten würde. Wahrscheinlicher wäre momentan, dass diese eher spekulative Bewegung sich relativ bald erschöpft. Aber Vorsicht ist da immer geboten. Erst, wenn der Euro/US-Dollar-Kurs unter 1,1875 US-Dollar schließen würde, wäre das Währungspaar aus charttechnischer Sicht tatsächlich wieder bärisch.

Europa schlägt sich schlecht in der Krise, das drückt den Euro. Und jetzt kommt in den USA die Inflationsangst dazu, das zieht den Dollar höher. Der Euro im Abstiegskampf: Wo liegen die nächsten Kursziele?

Die Geldflut ist in den USA weit größer: Was die US-Regierung über die vergangenen knapp zwölf Monate zusätzlich zu den Maßnahmen der US-Notenbank ausgeschüttet hat, hat in der Eurozone keine Entsprechung. Die Geldmenge in der Eurozone ist seit Beginn der Krise massiv gestiegen, aber in den USA ist sie explodiert. Eigentlich müsste das Druck auf den Greenback, den US-Dollar, ausüben. Und so war es auch bis zu Jahresbeginn, der Euro wurde sukzessiv zum US-Dollar teurer. Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet.

Denn die Geldschwemme zeigt Wirkung. In den USA sehen die Konjunkturdaten bereits besser aus. Und die Perspektive ist weit günstiger. Mehr Geld, mehr Impfungen, das bedeutet, dass man dort Monate voraus ist, was das Erreichen eines normalen wirtschaftlichen Umfelds angeht. Damit fließt wieder mehr Geld in die USA, ob an den Aktienmarkt oder in Unternehmen. Die Trader unterstellen somit eine steigende Nachfrage nach dem Greenback, der Kurs zieht zum Euro an, d.h. die Relation Euro/US-Dollar fällt. Und diese Perspektive stärkeren Wachstums hat noch eine zweite Komponente, die den US-Dollar stärkt:

Die Gefahr einer über das von der Notenbank tolerierbare Maß hinaus anziehenden Inflation. Diese Erwartung spiegelt sich nicht nur am US-Anleihemarkt in Form steigender Renditen wider, sondern auch in der Währung, denn höhere Zinsen sind traditionell ein Argument für eine stärkere Währung.

Expertenmeinung: Sie sehen im Chart, dass der Euro/US-Dollar-Kurs dadurch alles, was er seit Anfang November zulegen konnte, wieder abgegeben hat. Zunächst hielt dabei Anfang März die 200-Tage-Linie, aber im Verlauf der vergangenen Woche fiel auch diese wichtige Supportlinie. Bemerkenswert ist dabei, dass ein Erholungsversuch zuvor unter der im Chart blau gehaltenen 20-Tage-Linie abgewiesen wurde. Das deutet an, dass die kurzfristigen Trader die Abwärtsbewegung aktiv begleiten. Und wie weiter?

Da sich an beiden Argumenten gegen den Euro, an der schlechten Wachstumsperspektive der Eurozone ebenso wie an der Sorge vor Inflation in den USA, so schnell nichts ändern dürfte, könnte sich dieser Abstieg noch eine Zeitlang fortsetzen. Die nächste Unterstützung wartet im Bereich von 1,16 US-Dollar pro Euro, das wäre ein durchaus in den nächsten ein, zwei Wochen denkbares Kursziel. Der nächste charttechnische Support wäre dann die Zone 1,1422 zu 1,1495. Das wäre ein Level, der im ersten Halbjahr möglich scheint.

Euro/US-Dollar:Chart vom 26.03.2021, Kurs 1,1798 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Um den Euro auch unter diese Zone zu drücken, müsste sich die für den Greenback bullische Perspektive aber noch intensivieren und zugleich der Eindruck entstehen, dass die USA nicht gegen einen zu starken, ihre Exportperspektiven bremsenden US-Dollar vorgehen würde.

Der Devisenmarkt hat traditionell eine „politische Nase“, reagiert intensiver auf politische Einflüsse als der Aktienmarkt. Was nachvollziehbar ist, da die Politik die Perspektiven der jeweiligen Volkswirtschaft maßgeblich beeinflussen kann. Was die Forex-trader in dieser Hinsicht erwarten, zieht oder bremst eine Währung, auch und gerade die Euro/US-Dollar-Relation.

Dass der Euro zum US-Dollar im November und Dezember deutlich zulegte, ist solch eine „politische Bewegung“. Der Wahlsieg der US-Demokraten schürte die Befürchtung, dass mehr Reglementierung der Wirtschaft und des Handels sowie Steuerhöhungen dazu führen werden, dass das Wachstum der US-Wirtschaft ausgebremst wird, die US-Notenbank noch intensiver eingreifen wird und damit der Renditelevel am Anleihemarkt ebenso wie eine geringere Stabilität der US-Wirtschaft den Greenback als Anlagewährung unattraktiver machen werden.

Eine sehr pauschale Denkweise, zumal sich dieses Schwarz/Weiß-Denken bei vielen früheren demokratischen Regierungen am Ende als falsch erwies. Und langsam schleichen sich dahingehend offenbar auch Zweifel ein, denn der US-Dollar gewinnt wieder an Boden, der Euro kommt zurück. Aber ist das schon eine mittelfristig relevante Abwärtswende, ist die starke Phase des Euro damit vorbei?

Expertenmeinung: Dafür würde sprechen, dass sich die Befürchtungen in Sachen Steuererhöhungen und Reglementierung bislang nicht bestätigt haben und die Biden-Regierung versucht, vieles anzuschieben, um zu verhindern, dass die US-Wirtschaft in die Rezession zurückfällt … während das für Europa bislang nicht zu beobachten ist. Hier wirkt die EU derzeit paralysiert, die Wirtschaft siecht in einem immer wieder verlängerten Lockdown dahin und die Spätfolgen dieser Situation sind kaum absehbar. Es wirkt, als würde die „sicherere“ Anlagewährung und das attraktivere Renditeniveau am Anleihemarkt in den kommenden Jahren eher in den USA zu finden sein und daher der US-Dollar eher nachgefragt werden als der Euro. Aber:

Noch weist die Charttechnik keine echte Abwärtswende aus. Erst, wenn der Euro/US-Dollar-Kurs die wichtige, langfristige Auffangzone 1,1876/1,2042 US-Dollar, an die die Bullen bis zum Ausbruch im Dezember längere Zeit vergebens angerannt waren, wieder unterbieten würde, würde sich langsam ein bärisches Szenario für den Euro etablieren. Und selbst dann könnte es sich noch bloß um eine Korrektur handeln, die in ein Pullback an den Ausbruchslevel mündet. Der Ausbruchslevel wäre definiert durch die beiden langfristigen Abwärtstrendlinien, die untere verläuft derzeit bei 1,14 US-Dollar. Auch von dort aus könnten die Euro-Bullen wieder durchstarten, daher: Sollte Euro/US-Dollar in den Bereich zwischen 1,14 und 1,1876 US-Dollar abrutschen, würde er sich auf mittel- und langfristiger Ebene in einer neutralen Zone befinden, in der man das Feld den kurzfristigen Tradern überlassen sollte. Aber oberhalb dieses Bereichs hätten die Euro-Bullen noch alle Chancen, das nächste, größere Kursziel bei 1,2555 US-Dollar doch noch zu erreichen, denn solange der Trend hält, erweisen sich die Akteure am Forex-Markt gegen Veränderungen ihrer vorherigen „politischen“ Meinungen oft als recht widerstandsfähig.

Euro/US-Dollar: Chart vom 02.02.2021, Kurs 1,2019 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Der Euro/US-Dollar-Kurs ist am Dienstag zum europäischen Handelsende an der oberen Begrenzung der im Juli etablierten Handelsspanne zwischen 1,1603 und 1,2010 US-Dollar vorbei und attackierte am Dienstag die obere Begrenzung der eigentlichen Widerstandszone, die bis in die Jahre 2010/2012 zurückreicht, bei 1,1876/1,2042 US-Dollar.

Und nachdem das Währungspaar per Ende November signifikant über die langfristige, bis ins Jahr 2008 zurückreichende Abwärtstrendlinie gelaufen ist und damit deutlich wurde, dass sich die Euro-Bullen derzeit nicht stoppen lassen, wäre es eher eine Überraschung, würde dieser Ausbruch nach oben dann doch noch im Bereich von 1,2042 US-Dollar ausgebremst.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 01.12.2020, Kurs 1,2046 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Würde dieser große Sprung gelingen, läge das nächste charttechnische Kursziel bei 1,2555 US-Dollar, dem Jahreshoch 2018. Ein erreichbares Ziel, womöglich auch relativ kurzfristig. Aber zu sicher sollte man sich einer solchen Fortsetzung der Euro-Rallye nicht sein. Nicht nur, weil der Kurs in diesem Jahr ein Tief bei 1,0636 US-Dollar gesehen hatte und somit schon deutlich angezogen hat. Sondern auch, weil die Argumente für einen derart deutlich zum Greenback fester gehenden Euro zumindest in einer mittelfristigen Perspektive nicht unbedingt zwingend sind.

Für einen weiterhin schwachen US-Dollar zum Euro, sprich für die Fortsetzung der Euro-Rallye, müsste man normalerweise mindestens eine von mehreren Voraussetzungen erfüllt sehen: Eine zunehmende Aversion gegenüber Investments ausländischer Investoren und Unternehmen in den USA. Eine in den USA deutlich schwächere Wirtschaft nebst der Perspektive, dass dies auch eine Zeitlang so bleiben würde.

Und/oder die Erwartung, dass die Renditen am US-Anleihemarkt weiter sinken und dadurch zu denen des Euroraums unattraktiver werden, entweder verursacht durch massive konjunkturelle Probleme und/oder durch Deflation. Aber nüchtern betrachtet ist ein solches Szenario mittelfristig nicht zu erwarten, das Eintreffen aller Voraussetzungen zugleich, was dann zu einem echten, umfassenden Wertverfall des Greenbacks führen könnte, erst recht nicht.

Momentan mag die geopolitische Lage und der Umgang der derzeitigen Regierung mit der Pandemie und ihren wirtschaftlichen Folgen gegen den US-Dollar sprechen. Und das wird sich nicht sofort mit der Vereidigung von Joe Biden am 20. Januar ändern; da wieder in die Spur zu kommen, braucht Zeit. Aber momentan darf man annehmen, dass es grundsätzlich gelingen wird, die US-Wirtschaft wieder so zu stärken und die politische Gesamtlage zu stabilisieren, dass die USA als Investmentziel ihre alte Attraktivität wiedererlangen und der US-Dollar damit gefestigt würde.

Es ist zwar möglich, dass man seitens der US-Wirtschaft versucht, den schwachen US-Dollar noch eine Zeitlang unten zu halten bzw. weiter zu drücken, um den daraus resultierenden Exportvorteil gegenüber der Eurozone in dieser schwierigen Phase aufrechtzuerhalten. Aber natürlich wünscht sich jeder Währungsraum aus präzise demselben Grund eine schwache Währung. Auch, wenn sich die EU dahingehend meist weniger entschlossen zeigt:

Man sollte im Hinterkopf behalten, dass die Euro-Rallye nicht in Stein gemeißelt ist. Bei aggressiveren Long-Trades wäre zu überlegen, bereits dann die Segel zu streichen, sollte Euro/US-Dollar unter 1,1860 US-Dollar und damit deutlicher in die vorherige Seitwärtsspanne zurückfallen.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 01.12.2020, Kurs 1,2046 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX