Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 03.-09.08.2020

Wenn Unvorstellbares vorstellbar wird, kann die Rallye schlagartig enden

In diesem Artikel

Dow Jones
ISIN: US2605661048
Ticker: INDU
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Zum Dow Jones

Wir alle haben ein Problem mit Dimensionen, die zu weit außerhalb dessen liegen, was wir persönlich kennen und erlebt haben. Dafür gibt es viele Beispiele im Alltag. Doch dieses Phänomen erstreckt sich auch auf die Kapitalmärkte, auf die Börse aktuell ganz besonders. Das ist ein mit entscheidender Grund, warum die Aktienmärkte Mitte März auf einmal zu steigen begannen. Doch dasselbe Phänomen könnte bald dazu führen, dass diese Rallye in einen neuen Baisseschub mündet.

Stellen Sie sich vor, Sie stünden mit einem Kind an der Westküste der Bretagne und zeigen ihm das Meer. Um klar zu machen, wie groß es ist, Sie erklären: Schau, von hier aus sind es fast 6.000 Kilometer, bis man wieder an Land wäre. Damit erreichen Sie … gar nichts. Denn wie soll ein Kind ermessen können, wie viel 6.000 Kilometer wirklich sind? Das ist eine abstrakte Größe. So etwas können nur Erwachsene erfassen. Denken die Erwachsenen zumindest.

Denn können wir wirklich so genau ermessen, wie viel 6.000 Kilometer sind, wenn wir sie noch nie aktiv zurückgelegt haben? Man könnte behaupten, das könne man, wenn man mal im Flugzeug über den Atlantik geflogen ist. Aber ist das wahr? Können einige Stunden dösen, Fernsehen und ab und an aus dem Fenster schauen klarmachen, wie viel 6.000 Kilometer sind? Nein, das können wir nicht. Würden wir 6.000 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen, dann könnten wir es. Dann könnten wir den Unterschied zwischen 60, 600 und 6.000 Kilometern wirklich voll erfassen und verinnerlichen. Das tut aber fast niemand. Was große Zahlen angeht, glauben wir bloß, wir würden das vollumfänglich begreifen. Aber nein, wir können uns zwar merken, dass das Licht in einer Sekunde fast 300.000 Kilometer zurücklegt. Aber wir können es uns nicht wirklich vorstellen. Und das gilt auch für vieles, was derzeit an Börse aktuell passiert.

Große Zahlen und ein gefährlicher Gewöhnungseffekt

Wenn der US-Kongress ein Hilfspaket von einer Billion US-Dollar auf den Weg bringt, klingt das nach viel. Und da es dazu dienen soll sicherzustellen, dass den Arbeitslosen das Geld nicht ausgeht, ist man versucht zu denken: Gute Sache, das sichert die Rückkehr zum vorherigen Wachstum. Aber sieht man auch die negative Seite dieser „großen Zahl“? Das würde man tendenziell dann tun, wenn man diese Summe in Relation setzen, sie in das Gesamtbild einordnen könnte. Aber wer kann sich wirklich vorstellen, wieviel eine Billion ist?

Wenn Sie Millionär sind, können Sie es … vielleicht. Denn dann müssten sie sich nur vorstellen, dass jeder einzelne Euro der Million, die Sie besitzen, plötzlich zu einer weiteren Million wird. Dann wäre diese gigantische Zahl erreicht: Eine Million Millionen oder tausend Milliarden. Oder aber sie fahren nach Köln, lassen diese große Stadt mit ca. einer Million Menschen auf sich wirken. Eine Million Städte wie Köln, das ergäbe eine Billion an Menschen. Wer so versucht, „große Zahlen“ wirklich zu verinnerlichen, umgeht den brisanten Gewöhnungseffekt, durch den viele solche gigantischen Summen irgendwann als normal ansehen, ohne wirklich zu verstehen, welche Dimensionen da aufgerufen sind.

Und wer die Dimension dieser Summen wirklich erfasst, mit denen seit Beginn der Pandemie herumhantiert wird, dem muss es förmlich eiskalt den Rücken herunterlaufen. Denn wie kritisch muss die Lage wohl sein, wenn es eine Million Millionen braucht, nur um zu verhindern, dass die Arbeitslosen in eine Katastrophe schlittern, den Rest der US-Wirtschaft noch tiefer in den Sumpf ziehen? Und das ist ja nicht die erste Billion, die da fließt. Von den Unsummen an Repo-Krediten der US-Notenbank ganz zu schweigen, die kommen noch obendrauf. Und bei uns in Europa sind diese „großen Zahlen“ nur unwesentlich kleiner.

Das „Tilt“-Phänomen: Bei zu großen Erschütterungen schaltet das Hirn ab

Diese Unfähigkeit, ungewohnte Größenordnungen wirklich zu erfassen, führt dazu, dass die Risiken vor allem am Aktienmarkt immer größer werden. Es sind weder die Pandemie selbst noch die brutale Rezession, die für diese momentane Hausse an der Börse aktuell das unmittelbarste Risiko darstellen. Es ist der Umstand, dass viele, die derzeit in Goldgräberstimmung sind und die Aktienkurse immer höher treiben, nicht imstande sind, die Dimension der Gefahr zu erfassen. Weil sie glauben, dass sie das Risiko kennen. Weil sie sicher sind, dass diese Gefahren nicht allzu groß sind, weil sie nur vorübergehend wirken. Und sie glauben das, weil sie mit nicht vertrauten Dimensionen hinsichtlich der Rezession und der Gegenmaßnahmen zu tun haben.

Es war im Zuge des Handelskriegs, als eine Analyse der Bank of America erklärte, wieso man am Aktienmarkt einfach so tat, als wäre der Handelskrieg nicht da oder zumindest in Kürze zu Gunsten der USA entschieden, obwohl das nachlassende Wachstum deutlich machte, dass die von Washington negierten, negativen Folgen für die eigene Wirtschaft eindeutig vorhanden waren. Es steckt ein Phänomen dahinter, dass auch mit „großen Zahlen“ zu tun hat:

Viele Menschen reagieren umgehend und entschieden auf eine klar umrissene Bedrohung. Aber in dem Moment, in dem diese Gefahr die bekannte, erfassbare Größenordnung überschreitet und damit das Gehirn auch keine unmittelbare Reaktion auf Basis vorheriger Erlebnisse vorschlagen kann, wird die Gefahr einfach ausgeblendet. Das Beispiel eines Flippers, der bei zu starken Belastungen einfach den Dienst quittiert (tilt), passt da ganz gut. Man tat damals so, als wäre der Handelskrieg nicht da und machte einfach weiter wie immer. Das wurde den Anlegern auch zusätzlich durch die US-Regierung erleichtert, die gebetsmühlenartig wiederholte, dass ein „Deal“ ganz, ganz nahe sei und dann für alle in den USA Milch und Honig fließen werde. Und heute?

Gegenüber der aktuellen Situation war der Handelskrieg glatt harmlos

Heute ist die Dimension der Gefahr noch weitaus größer. Und das Verhalten vieler, natürlich, dasselbe: Man blendet die Gefahr einfach aus, weil sie das Fassungsvermögen übersteigt. Die Super-Rezession wurde zwar von der Corona-Pandemie ausgelöst. Aber dass dieser Konjunktureinbruch so gefährlich ist, eben nicht schnell vorbei sein muss, hat andere Gründe. Zum einen das jahre-, mittlerweile schon jahrzehntelange Wachstum auf Pump, ob in Europa, China, Japan oder den USA, das zu einer Schuldenblase führte.

Zum anderen das Misstrauen gegenüber der Pandemie-Situation und den eigenen Perspektiven seitens der Menschen, die entweder direkt von der Pandemie betroffen sind, keine Arbeit mehr haben oder finanziell stark unter Druck geraten sind. Diese Pandemie hat ins Wanken gebracht, was jahrelange Niedrigzinsen bislang übertünchen konnten: Zu viele Menschen haben in Wahrheit zu wenig Geld, um in einer Phase steigender Risiken einfach weitermachen zu können wie zuvor. Was dazu führt, dass überall der Einzelhandel einbrach und dafür die Sparquote auf seit dem II. Weltkrieg nicht mehr gesehene Größenordnungen explodierte, wie der folgende Chart am Beispiel der USA zeigt.

Börse aktuell: Wenn Unvorstellbares vorstellbar wird, kann die Rallye schlagartig enden - Vergleich Entwicklung Sparquote USA und US-Einzelhandelsumsatz von Juli 2003 bis Juli 2020 | Online Broker LYNX

Aber wenn das wahr wäre, dürften die Aktienmärkte doch nicht steigen? Sehen die Anleger Charts wie den vorstehenden denn nicht? Das könnten sie, aber die, die da an der Börse aktuell kaufen, wollen es nicht. Weil das nicht in das Szenario passt, das in ihrem Kopf existiert. In diesen Köpfen ist die Gefahr entweder gar nicht da oder übertrieben und die Wende so nahe, womöglich gar längst gelungen, dass die Kurse an der Börse aktuell immer weiter steigen müssen. Aber wie wollte man diese Pandemie denn ausblenden, bei über 150.000 Todesopfern allein in den USA?

Das geht leicht. Wenn man nicht direkt betroffen ist! Es kaufen diejenigen, die keinem dieser Risiken direkt ausgesetzt sind. Und da wären wir wieder bei der Unfähigkeit, abstrakte, fremde Dinge wirklich erfassen zu können. Sie kennen das sicher auch aus ihrem Bekanntenkreis:

Nicht alle haben mit dieser Situation gleich große Probleme. Wer selbst nicht an Corona erkrankt war … wer niemanden durch die Pandemie verloren hat … noch seine Arbeit hat und/oder keine Sorgen hat, seine Schulden nicht bezahlen zu können … wer nicht selbständig ist und dadurch die Veränderung im Konsumverhalten unmittelbar spürt … neigt dazu die Gefahr nicht ernst zu nehmen. Weil er/sie nicht direkt damit konfrontiert ist und weil es sich um eine Gemengelage handelt, zu der es keine “Karteikarte“ im eigenen Erfahrungsschatz gibt.

Diese durchaus große Gruppe von Menschen ist es, die, sofern vermögend genug, seit Wochen und Monaten am Aktienmarkt kauft, als würde es morgen verboten. Und wie schon während des Handelskriegs werden sie vor allem aus Washington immer wieder dazu ermuntert.

Börse aktuell: Wenn Unvorstellbares vorstellbar wird, kann die Rallye schlagartig enden - Vergleich Entwicklung Bruttoinlandsprodukt USA und S&P 500 von Oktober 1985 bis Juli 2020 | Online Broker LYNX

Nun könnten Sie einwenden, dass selbst der blauäugigste, unerfahrenste Anleger nicht übersehen könnte, dass die US-Indizes wieder an oder nahe ihrer vorherigen Rekordhochs notieren, während man gerade letzte Woche einen so nie gesehenen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 32,9 Prozent gemeldet hat, wie der vorstehende Chart zeigt. Niemand kann doch so naiv sein, denken Sie?

Das Unvorstellbare auszublenden heißt, eine alternative Realität zu kreieren

Davon abgesehen, dass Emotionen wie Gier und Panik gerade in besonders ungewöhnlichen Phasen die Hände der Anleger an der Börse aktuell führen und deren Aktionen damit unberechenbar machen, sind wir da wieder beim Phänomen, dass viele glauben, „große Zahlen“ problemlos erfassen zu können und dazu in Wahrheit eben nicht imstande sind. Oder nicht imstande sein wollen, das kommt noch hinzu. Bauen wir dazu doch einmal die drei Elemente „große Zahlen“, „Emotionen“ und das „Tilt-Phänomen“ zusammen.

Wir reden von Zahlen, die kein heutiger Anleger je „erlebt“ hat. Die höchste Arbeitslosigkeit, die höchste Sparquote, die stärksten Verluste im Wachstum seit Jahrzehnten oder in einigen Fällen seit Anbeginn der Börsen. Wie kann es wundern, dass so viele die Dimension nicht erfassen können, weil sie all das nicht mit eigenen Erfahrungen vergleichen können wie jemand, der einmal wirklich 6.000 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren ist?

Daher sind auch die daraus erwachsenden Konsequenzen außerhalb des je erlebten. Wenn man schon die Dimension der Gefahr nicht erfasst, wie sollte man dann imstande sein abzuschätzen, was passiert, wenn der Versuch der Regierungen und Notenbanken, diese Situation zu kitten, schiefgeht und es noch schlimmer wird? Also spielt sich bei den meisten, die derzeit am Aktienmarkt einsteigen oder mit vollen Depots auf noch höhere Kurse an der Börse aktuell wetten, folgendes ab:

  1. Die Größenordnung dieser Rezession sprengt die Erfahrungswerte und ist für viele damit nicht zu begreifen. Da die Gegenmaßnahmen ebenso extrem sind, hier mit Billionen statt mit Milliarden agiert wird, ist auch das keine Basis dafür, die Tragweite zu erkennen. Die Reaktion:
  2. Man entfernt die Gefahr unbewusst aus der Wahrnehmung. Und in dem Moment, in dem man einfach so tut, als wäre alles irgendwie so wie immer, auch, weil die eigenen Lebensumstände sich nicht verändert haben, wird ein derart extremer Kurseinbruch am Aktienmarkt zu einer einmaligen Chance, die Angst verschwindet, die Gier übernimmt die Steuerung des Handelns.
  3. Und sobald das passiert, ist man in einer Verfassung, in der man allein durch die eigene, auf eine fortgesetzte Super-Hausse an der Börse aktuell ausgerichtete Positionierung nur zu gerne bereit ist, nicht nur negative Nachrichten zu ignorieren und positive überzubewerten. Man ist auch bereit, wie man es derzeit immer öfter hört, zu glauben, dass alle bisherigen Börsenregeln nicht mehr relevant sind, so z.B. die Relation des Aktienkurses zu den Unternehmensgewinnen.

Börse aktuell: Wenn Unvorstellbares vorstellbar wird, kann die Rallye schlagartig enden - Entwicklung KGV Dax von Juli 1987 bis Juli 2020 | Online Broker LYNX

In solchen Situationen interessiert sich auf einmal niemand mehr dafür, dass z.B. das Kurs/Gewinn-Verhältnis des DAX an der Börse aktuell jetzt auf untypisch hohe Levels gestiegen ist und weiter steigen wird, weil einige DAX-Unternehmen noch gar keine Ergebnisse für das schwache zweite Quartal gemeldet haben. Es scheint egal zu sein, weil die Lage sich ja schnell wieder bessern wird. Dass es dafür heute noch keine Hinweise gibt, obwohl man vor zwei Monaten sicher war, diese spätestens für den Juli zu bekommen, wird einfach ausgeblendet. Wie alles, das stört.

Was wird die Realität an die Börse zurückbringen?

Aber das könnte dann doch eigentlich ewig so weitergehen? Selbst wenn die Zahlen noch weniger begreifbar werden, weil die Wende ausbleibt und noch schwächere Konjunkturdaten mit noch mehr aus dem Hut gezaubertem Geld bekämpft werden: Wer erst einmal seine eigene, alternative Realität errichtet hat, wird sich davon ja nicht irritieren lassen. Richtig, aber:

Da kommen wir wieder zu diesen „großen Zahlen“ und dem Weg, diese zu begreifen. Man muss selbst betroffen sein, dann wird aus einer nicht erfassbaren Größe etwas Handfestes. Ob es einen selbst trifft oder jemanden aus der Familie oder Freunde:

Wenn die Zahl derer, die erkrankt waren, steigt, ist der Kreis derer, die begreifen, dass es eben nicht immer mit ein wenig Halsweh abgehen muss, deutlich größer. Damit würde die Pandemie dann für viele realer und ist damit in ihrer Relevanz besser einzuordnen.

Wenn die Erholung noch länger ausbleibt, weil der Konsum nicht anzieht, da viele außerhalb der derzeitigen Käufer sehr wohl um die Gefährlichkeit der Situation wissen und deswegen unnötige Ausgaben streichen, werden mehr Arbeitsplätze verloren gehen, mehr Firmen Probleme bekommen. Auch dadurch geraten dann viele, die sich heute als nicht betroffen ansehen, in unmittelbaren Kontakt mit der Krise.

Wenn das Unvorstellbare vorstellbar wird, kann es schnell gehen!

Um es noch einmal hervorzuheben: Es ist ja nicht die Mehrheit der Menschen, die an der Börse aktuell Aktien kauft. Es ist ein Teil der Anleger. Und die Anleger stellen ja wiederum nur einen kleinen Teil der Bevölkerung eines Landes. Ein anderer Teil der Anleger weiß die Lage sehr wohl einzuordnen, aber wer erkennt, was sich hier abspielt, wird auch nicht einfach blind eigene Bestände verkaufen oder Short gehen. Er/sie wird beobachten, ob sich dieser kollektive Wahn der scheinbar nicht betroffenen, ihre private, rosa Realität aufzulösen beginnt. Erst, wenn die Saat des Zweifels unter denen aufgeht, die derzeit an nichts zweifeln, wenn es um große Gewinne geht, werden auch diese sich der Lage bewussten Anleger aktiv.

Wenn mehr Menschen das bislang für sie Unvorstellbare erfassen, diese großen Zahlen ob eigener Betroffenheit nicht mehr zu verdrängen sind und dadurch vorstellbar werden, dann endet diese so verrückt wirkende Super-Hausse. Dann aber kann sie sehr schnell enden, denn Gier, die derzeit wieder das Geschehen beherrscht, ist ansteckend … Angst aber auch!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

 

Marktkommentar vom 03.08.2020, Charts vom 31.07.2020, Quelle marketmaker pp4

 

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Es sind kaum mehr als drei Monate bis zur Wahl des nächsten US-Präsidenten. Aber auch die Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Sitze im Senat werden neu vergeben. Die Demokraten führen in Umfragen seit Monaten deutlich. Das hat, gerade aufgrund des ungewöhnlichen Wahlsystems in den USA, zwar noch nicht viel zu sagen. Aber viele machen sich dennoch bereits Sorgen, was aus der Hausse der Aktienmärkte wird, sollten die „Blauen“, die Demokraten, ans Ruder kommen. Zu Recht?

Diese Denkweise beschränkt sich keineswegs auf die USA. In allen Ländern glauben viele Anleger, dass eher links stehende Regierungen für die Börse fatal seien, eher rechts stehende hingegen gut. Das Argument: Die „Rechten“ sind der Industrie näher und sorgen für ideale Bedingungen für die Unternehmen, die „Linken“ hingegen bedeuten Streiks, zu hohe Lohnkosten und die Gewinne behindernde Reglementierungen.

Die Börse aktuell scheint das ja auch zu bestätigen, denn Donald Trump hat sich ja keineswegs als Anwalt der zuvor von der Politik vergessenen US-Bürger erwiesen, sondern vor allem den Großunternehmen paradiesische Verhältnisse geschaffen, während die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wurde, die Staatsverschuldung ebenfalls. Und die Börse fand das jahrelang offenbar tadellos. Was indes ein Punkt ist, der zu denken geben könnte:

Republikaner haushalten besser? Die Zahlen belegen das nicht.

Eigentlich würde dieses Schwarz/Weiß-Denken vieler auch beinhalten, dass die Konservativen aufs Geld achten und solide Staatsfinanzen sicherstellen, während die „Sozis“ das Geld aus dem Fenster werfen. Und ja, die demokratische Obama-Regierung hat in ihren acht Jahren eine Verdoppelung der Staatsschulden mit sich gebracht, von etwa 10 auf 20 Billionen US-Dollar. Nur hat Donald Trump dem nicht, wie versprochen, ein Ende bereitet. Unter ihm sind die Schulden in dreieinhalb Jahren auf zuletzt 26,5 Billionen angestiegen.

Nun könnte man argumentieren (und wer diese Sichtweise der „börsenschädlichen“ Demokraten vertritt, tut das auch), dass das ja nur an dieser Pandemie liege, Trumps Regierung müsse ja massiv Geld bereitstellen, um die Lage zu stabilisieren. Ja, das ist richtig, nur würde man dann ignorieren (Mr. Trump tut das in seinen Statements bewusst), dass die Obama-Regierung im Januar 2009 vereidigt wurde und damit als erstes den katastrophalen Scherbenhaufen der gepatzten Subprime-Blase zusammenkehren musste. Was eben auch nur mit gigantischen Geldspritzen ging. Und die Subprime-Krise entstand und platzte unter der republikanischen Bush-Regierung.

Auch für den Handel hat sich der Wechsel von den „blauen“ Demokraten zu den „roten“ Republikanern (das sind die jeweiligen Parteifarben) nicht gerade gerechnet. Donald Trump trat an, das Handelsbilanzdefizit der USA zu tilgen, indem er dafür sorgen sollte, dass das Ausland ebenso viele Waren aus den USA kauft wie man im Gegenzug aus dem Rest der Welt in die USA importiert. Mission erfüllt? Der folgende Chart zeigt es:

Börse aktuell: US-Wahl und Börse: Unnötige Angst vor einer „blauen Welle“? - Entwicklung US-Handelsbilanz von Januar 1981 bis Juli 2020 | Online Broker LYNX

Gar nichts wurde erreicht. Denn Achtung, dieser Chart zeigt nicht das Defizit, sondern die Handelsbilanz als solche, d.h. je tiefer der Kurs (da wird ja auch entsprechend ein Minus in der Skalierung gezeigt), desto höher das Defizit. Sie sehen: Die jüngsten Daten (für den Mai) weisen ein Handelsbilanzdefizit von 54,6 Milliarden US-Dollar aus. Als Trump sein Amt im Januar 2017 antrat, waren es 45 Milliarden gewesen. Dass die Republikaner dem Handel guttun, wird damit widerlegt. Nicht zuletzt auch, wen man sich die Historie ansieht. Der Chart geht ja bis 1981 zurück, als Ronald Reagan (Republikaner) sein Amt antrat. Sie sehen: Eine Ausweitung des Importüberschusses der USA, sprich des Defizits, verzeichnete man vor allem in den Jahren der Präsidenten Clinton und Bush Junior. Die Parteizugehörigkeit ist dafür also offenbar nicht relevant.

Es scheint, Republikaner können es eben nicht grundsätzlich besser

Und das gilt auch für das Wachstum an sich. Die folgende Grafik zeigt die Veränderung des US-Bruttoinlandsprodukts seit den Achtzigerjahren. Sie sehen: In der Tendenz zeigt sich kein Zusammenhang zwischen der Höhe des Wachstums und der Parteizugehörigkeit des Präsidenten.

Börse aktuell: US-Wahl und Börse: Unnötige Angst vor einer „blauen Welle“? - Entwicklung Bruttoinlandsprodukt USA von Mai 1985 bis Juli 2020 | Online Broker LYNX

Und es wäre eigentlich auch überraschend. Denn in erster Linie reagiert die Politik auf weltwirtschaftliche und/oder geopolitische Notwendigkeiten, greift regulierend bei Ungleichgewichten und/oder Schieflagen ein (oder sollte es zumindest tun) und lässt die Wirtschaft normalerweise in Ruhe. Je mehr sich die Politik da einmischt, desto eher läuft etwas in Sachen Wachstum aus dem Ruder. Die derzeitige US-Regierung hat das ja erneut bewiesen:

Die Versuche, das Handelsdefizit zu beenden und die großen Wirtschaftspartner wie die Anrainer Mexiko und Kanada, die EU und vor allem China in ein Korsett zu zwingen, das den USA Vorteile garantiert, hat nicht funktioniert. Wer genau hinsieht erkennt in der vorstehenden Grafik, dass das US-Wachstum auch vor dem Corona-Einbruch immer weiter zurückging. Die von Mr. Trump versprochenen mehr als drei Prozent Wachstum wurden nur kurz erreicht, 2019 kam das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, nicht zuletzt als Folge des Handelskriegs, wieder in den Bereich des langjährigen Durchschnitts knapp über zwei Prozent zurück.

Nun ließe sich zwar argumentieren, dass bestimmt Milch und Honig geflossen wären, wäre nicht die Corona-Problematik aufgetaucht. Aber das ist reine Spekulation. Ob der Teileinigung in Sachen Handelskrieg mit China weitere Schritte gefolgt wären, jetzt, so nahe an der nächsten Wahl? Trump hatte das ja schon früh im Jahr verneint. Und dass es überhaupt möglich gewesen wäre, diese Abmachungen beiderseits einzuhalten, wird von nicht wenigen Volkswirten bezweifelt.

Hinzu kommt: So ganz anders als das, was Trump 2016 versprochen hatte, ist das Programm des demokratischen Kontrahenten Biden nicht:

Bidens Wirtschaftsprogramm ist nur auf den ersten Blick ein Schreckgespenst für die Börse

Die Grundidee, US-Produkte gegen die Konkurrenz zu schützen, findet sich auch hier, nur auf anderem Weg. Statt sich mit anderen Wirtschaftsmächten anzulegen, möchte Joe Biden erreichen, dass US-Amerikaner gezielt mehr eigene Produkte kaufen, er fordert „buy american“ statt Trumps „America first“. Das soll auch aktiv mit Regierungsgeldern gefördert werden. Diesen Plan kann er vor allem deswegen vom Prinzip her so eng an Trumps alte Versprechungen anlehnen, weil der sie nicht eingelöst hat. Biden fischt damit gezielt im Teich der Unzufriedenen.

Weitere Punkte in dem vor zwei Wochen etwas umfassender vorgestellten Wirtschaftsprogramm Bidens jedoch sind ein gefundenes Fressen für diejenigen, die warnen, dass der US-Aktienmarkt zusammenbrechen würde, sollte Biden die Wahl gewinnen. Zumindest auf den ersten Blick wirkt es, als sei das so.

Biden will den Mindestlohn auf 15 US-Dollar die Stunde anheben und damit verdoppeln. Er hat angedeutet, zumindest einen Teil der Steuererleichterungen für Unternehmen, die Trump vorgenommen hat, zurückzunehmen. Das wirkt, als müssten die Unternehmensgewinne umgehend und deutlich wegbrechen. Aber wenn man genauer nachdenkt, muss man hinter diese Schlussfolgerung zumindest ein Fragezeichen setzen.

Denn Trump, angetreten als der, der den Geringverdienern gute Arbeit und gutes Einkommen zurückgeben werde, hat vor allem die Reichen bedacht. Steigende Unternehmensgewinne durch markant gesenkte Unternehmenssteuern führten zu Aktienrückkäufen und Dividendensteigerungen. Doch das dadurch generierte Geld erreichte zum erdrückenden Teil eben nur die ohnehin bereits Wohlhabenden. Und die konsumieren nicht mehr durch diese Politik, als sie es ohnehin schon tun. Das wirklich substanzielle Wachstum kann aber nur durch eine Besserstellung der Bevölkerung in ihrer ganzen Breite gelingen. Vor allem in den Industrienationen, in denen mehr und mehr Menschen aus der Mittelschicht in die Zone der Geringverdiener abrutschen, gerade weil gezielt die Großunternehmen und die Reichen fördernden Maßnahmen die Mittelschicht unter Druck setzen.

Wenn Biden nun den Hebel auf der Gegenseite ansetzt, indem er den niedrigen
Einkommen eine größere Einkommensstabilität sichern will, würde das die Unternehmen ob wieder höherer Steuern und höherer Lohnkosten zwar im ersten Schritt belasten. Aber durch die gestärkte Kaufkraft eines weit größeren Teils der Bevölkerung würde der Umsatz der Unternehmen wiederum steigen und höhere Gewinne auf diesem Weg statt über höhere Gewinnmargen generiert. Und gelingt es ihm, auf einem weniger aggressiven Weg sein „buy american“ durchzusetzen, wären es eben auch gezielt die US-Unternehmen und nicht die aus China oder der EU, die davon profitieren.

Blaue Welle: Wenn Sieg, dann richtig

Wenn der Aktienmarkt im Fall eines Siegs der Demokraten in die Knie gehen sollte, dann vor allem, weil die US-Indizes an der Börse aktuell eine wirtschaftliche Wiederbelebung einpreisen, hinter der die Realität weit zurückhängt. Aber nur mal angenommen, der US-Markt würde im Vorfeld der Wahl wieder deutlicher zurückkommen, wäre es nicht einmal überraschend, wenn ein Wahlsieg der Demokraten mit steigenden Kursen honoriert würde.

Voraussetzung wäre aber nicht nur ein starkes „Schattenkabinett“, in dem Biden eine überzeugende Ministerriege vorstellt, sondern auch, dass auch der Senat eine demokratische Mehrheit bekommt. Nur dann wäre es zu schaffen, die avisierten Veränderungen zeitnah und umfassend durchzusetzen. Dass die Demokraten nicht per se negativ für den Aktienmarkt sind, wird man bis dann wohl auch mehrheitlich am Markt erkennen, immerhin sind die Zahlen, gemessen an der Performance des Dow Jones, für die letzten 40 Jahre eindeutig, wie der folgende Chart zeigt:

Börse aktuell: US-Wahl und Börse: Unnötige Angst vor einer „blauen Welle“? - Entwicklung Dow Jones von Dezember 1980 bis Juli 2020 | Online Broker LYNX

 

Die Performance der einzelnen Präsidenten-Amtsperioden habe ich da der Übersichtlichkeit halber jeweils bis zum Ende des Jahres einer Amtszeit gerechnet, da die Wahlen zwar immer Anfang November stattfinden, die Vereidigung des Präsidenten aber erst Mitte Januar des Folgejahres vorgenommen wird, damit ist der Jahresultimo ein sinnvoller Kompromiss zur Messung der Performance. Sie sehen: Eine Tendenz, dass demokratische Präsidenten wirklich schlecht für den US-Aktienmarkt gewesen wären, gab es nicht.

Sollte es also zu einer „Blauen Welle“ kommen, was hieße, dass die Demokraten (deren Parteifarbe blau ist) nicht nur das Weiße Haus, sondern auch Repräsentantenhaus und Senat erobern, kann das allemal auch der Beginn einer sehr positiven Phase für die US-Wirtschaft und den US-Aktienmarkt werden. Ob es so kommt, hängt nicht davon ab, welches Parteibuch der jeweilige Präsident hat, sondern davon, ob er die richtigen Entscheidungen trifft!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Marktkommentar vom 27.07.2020, Charts vom 24.07.2020, Quelle marketmaker pp4

Der Aktienmarkt kann Geld aus dem Nichts erschaffen … und wieder vernichten. Wie das funktioniert, möchte ich in diesem Beitrag darstellen. Wer diesen Mechanismus versteht, realisiert auch, warum der Börse aktuell in dieser kritischen Phase der Weltwirtschaft eine wichtigere Rolle zukommt als die Pandemie selbst. Und welche Konsequenzen es hätte, wenn diese derzeitige Hausse in sich zusammenfallen würde.

Es ist ein ebenso wenig kluger wie totzukriegender Spruch, den man jedoch immer wieder hört, wenn etwas an der Börse schiefgeht: „Dein Geld ist ja nicht weg … es hat nur jemand anders!“. Davon abgesehen, dass das der Adressat natürlich nicht witzig finden kann, ist er falsch. Richtig ist das bei manchen Derivaten wie den Futures. Da steht einer Position immer eine Gegenposition gegenüber. Gewinnt die eine Seite, verliert zugleich die andere in derselben Größenordnung. Bei Aktien jedoch ist diese Ansicht, dass das Geld nur jemand anders habe, vollkommen falsch. Geld kann in der Tat einfach verschwinden. Genauso, wie es vorher einfach entstehen kann, was indes niemanden stört – nur anders herum tut es weh.

Das ist nicht nur der Grund, warum Gewinne am Aktienmarkt erst dann „echt“ sind, wenn es gelungen ist, Buchgewinne in Cash zu verwandeln. Das ist auch der Grund, warum es meist vor allem vom Aktienmarkt abhängt, ob aus einer kritischen Phase der Weltwirtschaft eine Rezession, aus einer Rezession sogar eine Depression wird. Sehen wir uns das mal an.

Wie Geld aus dem Nichts entstehen … und wieder zu Nichts werden kann

Der entscheidende Aspekt bei der Erschaffung und Vernichtung von Vermögen liegt darin, dass wenige sich „bewegende“ Aktien den (theoretischen) Wert aller Aktien eines Unternehmens verändern. Nehmen wir mal an, das Unternehmen X hat 1.000 Aktien ausgegeben, die an der Börse aktuell bei 50 Euro notieren. Der Gesamtwert der Aktien läge also bei 50.000 Euro.

Nun steigt der Kurs der Aktie an. Das passiert, weil Käufer am Markt sukzessive bereit sind, mehr für diese Aktie zu bezahlen und die Nachfrage so hoch ist, das potenzielle Verkäufer entsprechend höhere Preise als Limits einstellen und erwarten können, dass sie diese Preise auch bekommen. Warum die Nachfrage steigt, ist dafür übrigens völlig irrelevant.

Nehmen wir an, die Aktie ist auf 60 Euro gestiegen. Mit diesem letzten Börsenkurs wären alle existierenden Aktien diese 60 Euro wert, die Börsenbewertung des Unternehmens über seine 1.000 Aktien läge also auf einmal bei 60.000 Euro. Haben also alle, die die Aktie bei 50 Euro hatten, verkauft und andere Anleger 1.000mal 60 Euro bezahlt? Aber nein! Theoretisch würde es reichen, wenn seit dem Kurs von 50 Euro nur eine einzige Aktie gehandelt, die aber zu 60 Euro verkauft wurde. Irgendjemand hat zehn Euro mehr auf den Tisch gelegt, aber auf einmal sind alle anderen, die die Aktie vorher hatten, pro Aktie zehn Euro reicher. Es wurden also, abzüglich der zehn Euro, die wirklich mehr bezahlt wurden, 999mal zehn Euro „erschaffen“. Aber:

Der Haken ist, dass das theoretische Gewinne sind. Die Aktienbesitzer haben jetzt theoretisch zehn Euro mehr pro Aktie an Vermögen. 999mal 10 Euro, die aus dem Nichts entstanden, weil nur eine Aktie höher gehandelt wurde. Geld, für das niemand gearbeitet hat, das keine Notenbank gedruckt hat, das niemand wirklich jemandem anders bezahlt hat. Es ist einfach so entstanden. Aber es handelt sich um Buchgewinne. Es kann sein, dass man sie wirklich in echtes Geld verwandeln kann, wenn genug Kaufinteresse vorhanden wäre. Es kann aber auch sein, dass das nicht gelingt. Und ist Letzteres der Fall, verschwindet es auch „einfach so“, löst sich in Luft auf. Wie?

Nehmen wir an, es herrscht eine unruhige, ängstliche Stimmung am Aktienmarkt. Kaufen will kaum jemand, aber immer mehr Anleger würden zu gerne aus ihren Aktien aussteigen. Doch wenn die Nachfrage zu gering ist, ein Überangebot herrscht, bestimmen die wenigen potenziellen Käufer den Kurs. Die können sich bei unserer Beispielaktie hinstellen und den Verkäufern sagen: Entweder zu 30 Euro – oder ihr könnt eure Aktien behalten. Es gibt nur ein paar Kauflimits bei 30 Euro, darüber ist nichts. Wenn die Verkäufer nervös genug sind, wird irgendeiner womöglich bereit sein, diese Order zu „fillen“, zu 30 zu verkaufen. Was hieße:

Auf einmal sind alle anderen Aktien, obgleich sie gar nicht gehandelt wurden, auch nur noch mit 30 Euro bewertet. Statt 60 Euro 30 Euro … das gilt für alle 1.000 Aktien. Und so sind plötzlich 1.000mal 30 Euro verschwunden. Obwohl nur eine Aktie zu diesem Kurs umging. Obwohl niemand davon profitiert und diese 30 Euro Verlust „verdient“ hat. Einfach so. Und das ist das Damoklesschwert, das momentan über der Weltwirtschaft schwebt.

Geld kann in der Tat einfach verschwinden

Wenn es in den Wirtschaftsnachrichten bisweilen heißt, an diesem oder jenem Tag seien x Billionen an Börsenwert „vernichtet“ worden, ist das in der Tat so. Das Geld ist einfach weg. Nun könnten Sie sagen: Ja, aber es war ja auch vorher nie da! Aber das ist zum einen nicht unbedingt der Fall, zum anderen haben wir das Problem, dass solche „Buchgewinne“ von vielen als „echter Gewinn“ wahrgenommen werden. Zunächst zum ersten Punkt:

Fällt beispielsweise eine Aktie von 100 auf 50 Euro, haben all diejenigen einen realen Verlust, die mit „echtem Geld“ von ihrem Konto zuvor mehr für den Kauf der Aktie bezahlt haben, seien es 70, 80 oder mehr Euro. Auf diese Weise kann also nicht nur Geld „verschwinden“, das es vorher nie gab. Es kann sich auch Geld in Luft auflösen, das zuvor wirklich erarbeitet wurde.

Das andere Problem ist, dass Anleger mit diesem Geld disponieren. Sie planen Anschaffungen, planen ihre Altersvorsorge auf Basis dessen, was sie zu besitzen glauben. Wird dieses Vermögen schlagartig weniger, werden solche Planungen über den Haufen geworden. Ob 2000-2003 oder 2008/2009, immer wieder las man über Menschen, die eigentlich vorhatten, mit dem Geld, das sie mit Aktien verdient zu haben glaubten, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen – und dann weiter arbeiten mussten.  Dieses weit verbreitete Gefühl, dass die Börsenkurse wirklich das Vermögen ausweisen, eine Momentaufnahme des Depotwerts wirklich wie echtes Geld zu behandeln wäre, ist ein fataler Fallstrick.

Thema Konsumbremse: Gerade in den USA ist der Aktienmarkt das Zünglein an der Waage!

Man hört zwar bisweilen, dass das deshalb keine große Rolle spielt, weil ja nur wenige Menschen an der Börse aktuell Aktien haben und die ganz große Mehrheit an Aktien in Händen von wenigen Superreichen liegt, die auch dann genug Geld haben, wenn ihre Aktien einbrechen. Aber das ist so nicht richtig.

Denn erstens haben vor allem in den USA weit mehr Menschen als hierzulande Aktien, ohne sie direkt zu handeln. Beispielsweise über Pensionsfonds, über Fonds oder ETFs. Zweitens sind selbst zehn Prozent der Aktien in Händen von „Normalbürgern“ genug, um einen immensen Effekt auf das Wachstum zu haben, wenn sie wegbrechen.

Dabei sprechen wir nicht über die ärmeren Menschen. Die haben in der Tat kein Geld für Aktien übrig. Aber auch nicht für den Konsum über das Nötigste hinaus. Die Grunddeckung an Waren ist aber hinsichtlich einer Rezession auch nicht der entscheidende Punkt. Der Konsum fällt ja nie auf null, wie wir gleich in mehreren Charts sehen werden. Es geht um die Mittelschicht. Dort sind Aktieninvestments verbreiteter. Dort sind sie ein wichtiges Element des Vermögens. Und das ist der Punkt, denn:

Wenn der Konsum einbricht, sind es die Dinge, die in den Bereich „nice to have“ gehören, die wegbrechen. Neue Autos. Neue Möbel. Häuser und Wohnungen. Reisen. Mobiltelefone. Unterhaltungselektronik. Wenn diese Dinge schlagartig deutlich weniger konsumiert werden, brennt der Baum. Diese Dinge sind es, die durch das Suggerieren ihrer „Notwendigkeit“ noch Wachstum erzeugten, obwohl immer mehr Menschen in den Industrienationen in die Armut abgleiten. Die Mittelschicht macht das Wachstum. Und die Mittelschicht hat die Aktiendepots, die Fond, die ETFs, die Pensionsfonds, auf die es ankommt.

Wenn Sie plötzlich sehen, dass Ihr Vermögen, das an der Börse aktuell investiert ist, in dramatischem Tempo weniger wird … wenn damit unsicher wird, was Sie zuvor als sicher ansahen, nämlich eine sichere finanzielle Situation, werden Sie nicht losziehen und einen Neuwagen kaufen, wenn es der alte noch tut. Sie werden die angedachte Weltreise eher bleiben lassen, werden weniger Geld in Restaurants ausgeben und den Kauf des neuesten Handys lieber verschieben. Wie lange?

Bis die Lage wieder gut aussieht, die Kurse wieder gestiegen sind und sie somit keine Angst mehr um ihr Geld haben müssen! Deswegen war diese Rallye an der Börse aktuell wichtig. Deswegen haben Regierungen und Notenbanken mit Geld nur so um sich geworfen: Nicht nur, um zu verhindern, dass die Schuldenblase platzt, sondern auch, um dadurch zu erreichen, dass die Menschen, die den Kern des Konsums ausmachen, den Fuß von der Bremse nehmen. Immerhin macht der Konsum den größten Teil des Bruttoinlandsprodukts aus. In Europa ebenso wie in China, in den USA trägt der Konsum sogar gut zwei Drittel zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Der Zusammenhang Aktienmarkt/Konsumverhalten in vorherigen Rezessionen

Dieser Zusammenhang zwischen Aktienmarkt und Konsum als Rückgrat der Wirtschaftsleistung ist nicht neu. Sehen wir uns dazu drei Charts an. Im Jahr 2000 kam es zwar schon im März zu einem ersten brutalen Einbruch der Technologieaktien an der Nasdaq. Aber Sie sehen im folgenden Chart, dass die Nasdaq danach zwar wild schwankte, man aber bis zum Herbst 2000 immer wieder Ansätze sah, dass sich alles irgendwie wieder erholt. Doch in dem Moment, als im Herbst nicht nur die Nasdaq, sondern auch der Gesamtmarkt absoff, ging wirklich die Angst um. Da begannen sich Unsummen an Buchgewinnen in Luft aufzulösen … und da erst brach der Einzelhandel ein.

Börse aktuell: Vom Aktienmarkt hängt jetzt alles ab - Vergleich Entwicklung US-Einzelhandelsumsätze, Nasdaq 100 und S&P 500 von Juni 1998 bis Dezember 2003 | Online Broker LYNX

Damals, 2000 bis 2003, schwankte der Einzelhandelsumsatz immens, das war später auch durch den 11. September 2001 bedingt, blieb aber im Jahresvergleich dennoch über der Nulllinie. Trotzdem reichte es zu einer Rezession, denn zuvor, 1999 und in der ersten Hälfte 2000, hatte das Wachstum im Konsum zwischen sechs und zehn Prozent betragen. Und nicht selten dienten die Buchgewinne am Aktienmarkt auch noch als Sicherheit für Kredite, was wegbrechende Aktienkurse natürlich noch explosiver machte! Auch 2007/2008 sahen wir diesen Zusammenhang zwischen Aktienmarkt und Konsum:

Börse aktuell: Vom Aktienmarkt hängt jetzt alles ab - Vergleich Entwicklung US-Einzelhandelsumsätze, Nasdaq 100 und S&P 500 von Juli 2005 bis März 2010 | Online Broker LYNX

Das Wachstum des Konsums und mit ihm das US-Wirtschaftswachstum insgesamt ließ zwar schon 2007 nach, als die ersten Subprime-Kreditpakete platzten und sich heftige Probleme am US-Immobilienmarkt abzeichneten. Aber da traten nur diejenigen auf die Konsumbremse, die sich etwas auskannten und den Sprüchen, das alles sei für die US-Wirtschaft kein Problem, nicht glaubten. Erst im Spätsommer 2008 wurde allen klar, was da gerade passierte. Die Aktienkurse brachen immer schneller ein. Und erst in diesem Moment brach auch der Konsum weg, begann die Rezession so richtig. Und heute?

Börse aktuell: Vom Aktienmarkt hängt jetzt alles ab - Vergleich Entwicklung US-Einzelhandelsumsätze, Nasdaq 100 und S&P 500 von Februar 2018 bis August 2020 | Online Broker LYNX

An der Börse aktuell sieht es besonders kritisch aus. Der vorstehende Chart mag das manchen nicht erschließen, immerhin lag der US-Einzelhandelsumsatz im Juni wieder um 1,1 Prozent über dem vom Juni 2019, legte also zu (für Europa haben wir für den Juni noch keine Daten). Aber das ist kein Beweis dafür, dass die US-Bürger wegen dieser jetzt schon vier Monate währenden, das Gros der vorherigen Verluste ausgleichenden Aktienmarkt-Hausse den Fuß von der Konsum-Bremse nehmen.

Denn die dramatischen Rückgänge der drei Monate zuvor sind damit ja nicht ausgeglichen. Es wirkt, als habe man im Juni wieder ‚“normal“ konsumiert, auch wieder wie zuvor Dinge, die über den Grundbedarf hinausgehen. Aber eine Wachstumsrate von 1,1 Prozent ist dennoch weit weniger als das vor dem Corona-Crash über Jahre hinweg geltende Wachstumslevel von im Schnitt ca. vier Prozent. Und das, obwohl der Aktienmarkt den Eindruck erweckt, es sei doch alles längst wieder normal … was sehr an die Phase 2008 erinnert, als eisern stabil gehaltene Aktienmärkte ebenfalls vorgaukeln sollte, die geplatzte Subprime-Blase sei harmlos.

Unerfahrene Anleger sind an der Börse aktuell ein besonderer Risikofaktor

Da kann man sich vorstellen, was mit dem Konsum passiert, wenn der Aktienmarkt jetzt erneut kippen sollte, wenn diese Fata Morgana an der Börse aktuell „alles ist wieder gut“ verschwindet. Noch im Februar wähnten sich viele reich und am Aktienmarkt sicher aufgehoben. Einen Monat später waren gigantische Summen verschwunden. Heute sind sie, scheinbar, wieder da. Es ist klar, dass die Anleger noch weit entsetzter sein würden, würde das Geld erneut verschwinden.

Und das Risiko, dass es an der Börse aktuell dazu kommt, ist nicht gerade klein. Die Pandemie ist nicht nur nicht verschwunden, sie ist in den USA außer Kontrolle. Bislang springt der Konsum nicht so an, wie er müsste. Und Regierung und Notenbanken haben bereits aus allen Rohren gefeuert. Hinzu kommt, dass sich in den letzten Jahren speziell aufgrund Donald Trumps „Hochreden“ des Aktienmarkts viele US-Bürger an den Aktienmarkt gewagt haben, die weder das Wissen noch die Erfahrung haben, in Krisensituationen richtig zu handeln. Und diese Super-Rallye der letzten vier Monate hat noch einmal viele „Rookies“ an den Markt gespült, die da die Chance des Jahrhunderts sahen.

Wir haben im Februar und März gesehen was passiert, wenn die Rahmenbedingungen negativ überraschen, viele mit der Situation überfordert sind und dann die ersten beginnen, auszusteigen. Es kam zu einer Verkaufslawine, wie man sie so selten sah. Diesmal, wenn so mühselig „reparierte“, zuvor geplatzte Hoffnungen sich erneut in Luft auflösen und mit ihnen Billionen an Buchgewinnen, dürfte klar sein, dass das massive Folgen auf den Konsum, das Rückgrat der US-Wirtschaft, haben wird.

Bei uns in Europa sind all diese Aspekte weniger extrem ausgeprägt. Man hat zuvor nicht so sehr übertrieben, in beide Richtrungen nicht. Aber sollte die Wall Street an der Börse aktuell unter der Last nicht erfüllter Hoffnungen zusammenbrechen, würden DAX & Co. natürlich, zumindest zunächst, vergleichbar deutlich mit in die Tiefe gerissen.

Es bleibt dabei: Agieren Sie an der Börse aktuell nicht zu risikofreudig und egal in welcher Position nie ohne konsequent dem Geschehen angepasste Stop Loss-Absicherung!

 

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

 

Marktkommentar vom 20.07.2020, Charts vom 17.07.2020, Quelle marketmaker pp4

 

 

 

Es geht schon wieder los. Wir sehen am Aktienmarkt Entwicklungen, die man aus der Börsengeschichte bereits kennt, würde man hinsehen. Die Zeit vor 1929. Die Zeit vor 2000. Oder vor 2008. Bemerkenswerte Parallelen tun sich da an der Börse aktuell auf. Aber genau hinzusehen ist etwas, das viele gar nicht wollen. Das Ergebnis: Wer vernünftig denkt und disponiert, wird dafür bestraft, wer Dummes tut, verdient. Aber damit kann man durchaus umgehen … indem man so klug ist zu tun, was die Dummen tun, aber rechtzeitig von Bord geht, bevor das Schiff den Eisberg rammt.

In den Jahren vor dem Beginn der großen Depression 1929 bis 1932 feierte Dummheit fröhliche Urstände. Man konnte alles am Aktienmarkt unterbringen. Unternehmen mit wohlklingenden Namen, die nur den kleinen Makel hatten, nichts oder noch nichts herzustellen? Immer her damit. Schachtel-Konstrukte, in denen Fonds in Fonds investierten, deren Hautinvestmentgebiet Fonds waren? Klingt gut, wurde gekauft. Investieren auf Kredit? Aber natürlich, nur Dummköpfe taten das nicht. Es war allgemeiner Konsens, dass jetzt jeder reich werden könne. Auch ohne sich mit der Börse auszukennen, denn am Ende würde ohnehin alles steigen.

Was dann passierte, war aus heutiger Sicht folgerichtig. Damals aber sahen das nur die Wenigsten. Und man sollte sich hüten, das darauf zu schieben, dass „die Menschen damals“ es nicht besser wussten. Wir reden hier von einer Phase, die nicht zwei-, dreitausend Jahre zurückliegt, sondern keine hundert Jahre.

„Nichts gelernt“ ist kein Phänomen früherer Zeiten

In den Jahren 1998, 1999 und 2000 begann sich die „Gewissheit“ durchzusetzen, dass alte Bewertungsmodelle nicht mehr gelten. Niemand bekam eine schlüssige Antwort auf die Frage, warum das denn so sein solle. Die Antwort waren für nahezu alle die Kurse: Die steigen immer weiter, also musste es ja stimmen, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Eine Zeit, in der alle spielend leicht reich werden würden. Man kaufte Aktien von Unternehmen, die kaum mehr vorweisen konnten als einen Namen, aber das Zauberwort „Internet“ sorgte dafür, dass viele dachten, da könne man nichts falsch machen. Man lag falsch, wie wir im folgenden Chart des Nasdaq Composite Index sehen, in dem die meisten der damaligen „Wunder-Aktien“ gelistet waren.

Börse aktuell: Wenn Vernunft dumm und Unvernunft vernünftig erscheinen - Entwicklung Nasdaq 100 von September 1997 bis August 2020 | Online Broker LYNX

Wie konnte das nur passieren? Hatte man aus dem Fall 1929 nichts gelernt? Immerhin lag der doch nur 70 Jahre zurück und war relativ gut dokumentiert! Die Frage blieb einem im Hals stecken, als 2007 die Subprime-Blase platzte und der Aktienmarkt, ob in den USA oder bei uns in Europa, monatelang so tat, als wäre nichts. Als würde ein zusammengebrochener Immobilienmarkt keine Auswirkungen auf die US-Wirtschaft insgesamt haben, auf die Weltwirtschaft schon mal gar nicht. Zumal dieses Liedchen von Politikern, Finanzindustrie und sogar Notenbanken vorgesungen wurde. Und wieder konnte man im Nachhinein nur verständnislos bis hysterisch lachen: Das war doch vom ersten Moment an völlig auszuschließen: Die Rezession, die kam, was vorhersehbar. Und diesmal waren es nur acht Jahre seit dem letzten Mal, in dem dumme Aktionen zuerst gut gingen und dann am Ende doch bestraft wurden. Acht Jahre, nicht 70.

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach. Solche Phasen, in denen der Markt den Kontakt zur Realität verliert, sind komplett emotional verursacht und werden auch über die ganze Zeit nur von Emotionen gesteuert. Ich wurde 1999 wie 2007 wüst beschimpft, als ich davor warnte. Der Basistenor dabei: Ich würde zu denen gehören die verhindern wollen, dass „wir einfachen Sparer“ auch mal was vom Kuchen abbekommen, indem ich die Kurse nach unten rede und den kleinen Mann vom Aktienkauf abhalte. Der Knackpunkt ist:

Das Goldrausch-Phänomen

Wenn Menschen, die sonst wenig bis gar nichts mit der Materie zu tun haben, den Eindruck erhalten, sie könnten ohne Arbeit mit wenig Geld ein Vermögen machen, indem sie einfach nur tun, was die anderen tun und ggf. ein wenig Kredit aufnehmen, um ihre „Basis“ zu vergrößern, geht es um den Traum vom großen Geld. Dem Geld, das sonst nie erreichbar wäre. Da setzt die Ratio aus. Und zwar nachhaltig, zumal es da um Personen geht, die ja weder Erfahrung noch Fachkenntnisse haben, was den Aktienmarkt angeht. Die Methode: Einfach das machen, was die anderen auch machen. Was dabei herauskommen kann, zeigt beispielhaft der folgende Chart:

Börse aktuell: Wenn Vernunft dumm und Unvernunft vernünftig erscheinen - Vergleich Entwicklung Nasdaq 100 und Tesla von Dezember 2019 bis August 2020 | Online Broker LYNX

Tesla, eine Aktie, die an der Börse aktuell durch die Decke geht, mitten in einer Rezession (die man in vergleichbaren Phasen 1929, 2000 und Anfang 2008 ja noch nicht einmal hatte!) auf neue Rekorde schießt und den Nasdaq 100-Index meilenweit unter sich lässt. Tesla, von der die Analysten derzeit schätzen, dass man da vier bis fünf Dollar pro Aktie im laufenden Jahr Gewinn schaffen könnte. Tesla, die in diesem Jahr bisher 270 Prozent gestiegen ist, obwohl die Auslieferungen des ersten Halbjahrs mit 179.000 Fahrzeugen nur im Schnitt des Vorjahres liegen. Tesla, von der die Käufer glauben, aber eben nicht wissen, dass man da in Kürze Geld wie Heu machen wird und das jetzt für 2020 (im Fall eines Eintreffens dieser o.a. Gewinnprognose) bei 365 liegende Kurs/Gewinn-Verhältnis deshalb „günstig“ ist. Tesla, bei der die Analysten mit ihren Kurszielen nicht nachkommen, der Durchschnitt liegt immer noch bei 780 US-Dollar. Tesla, die durch diese Kaufpanik von der Marktkapitalisierung der am höchsten bewertete Autobauer der Welt ist.

Das ist dasselbe Phänomen an der Börse aktuell, dass man bei den Goldrausch-Phasen erlebt hat, nicht nur in den USA, überall dort, wo scheinbar Gold, Silber, Diamanten quasi nur aufgelesen werden mussten. Es entsteht ein Sog, der Menschen, die eine Chance sehen, aus ansonsten unverrückbaren, kleinen Verhältnissen herauszukommen, dazu bringt, völlig unvernünftig, ja dumm zu handeln. War den Goldsuchern in Kalifornien oder Alaska klar, dass viele sterben würden? War ihnen klar, dass es nur die waren, die Schaufeln und Pickel verkauften, die wirklich reich werden würden? Nein, den meisten war absolut gar nichts klar. Es lockte nur eines: Geld. So wie vor 1929. So wie vor 2000. So wie vor 2008. So wie heute.

Natürlich sind diejenigen, die an der Börse aktuell wie wild kaufen, die Rezession und vor allem die offene Frage, wann die überstanden sein wird, ignorieren, nicht „dumm“, sie handeln nur so. Einfach, weil Geld auch die Wahrnehmung korrumpiert. Es ist ganz und gar nicht überraschend, dass vor allem diejenigen, die gerade erst eingestiegen sind, in diese relativ wenigen stark steigenden Aktien an der Börse aktuell, ihr eigenes Handeln wütend gegen Warnungen verteidigen. Je größer das Risiko ist, das man eingeht, desto eher neigt man dazu, es herunterzuspielen.

Diesmal ist alles anders? Das heißt es jedes Mal!

Natürlich dürfte das schiefgehen. Das Argument, dass diesmal ja alles anders sei, kommt immer. Und ist, natürlich, immer fadenscheinig, nur jedes Mal ein bisschen anders formuliert. So wird momentan argumentiert, dass so viel Geld seitens Regierungen und Notenbanken in den Ring geworfen wurde, dass das alles heilen wird, ja muss. Es wird zudem argumentiert, dass an der Börse aktuell die neuen Rekorde der Nasdaq der Beweis seien, dass die Krise eigentlich schon überstanden sei, sonst wäre der Nasdaq 100 nicht da, wo er jetzt steht.

Und natürlich sind diese Argumente Unsinn. Das Geld der Regierungen und Notenbanken sollte primär dazu dienen, die Kreditblase am Platzen zu hindern. Denn wenn das passiert, das Kartenhaus des Wachstums auf Pump zusammenbricht, wäre nicht viel zu retten. Aber es muss das Wachstum nicht wiederbeleben. Das hängt an den Konsumenten. Die müssen wieder Geld ausgeben wie zuvor, am besten noch mehr. Was sie, zumindest bis jetzt, nicht tun. Denn die Verbraucher sind mehrheitlich keine Aktionäre, ihnen fehlt es daher am Goldrausch-Zweckoptimismus.

Außerdem haben wir jetzt bereits eine Rezession, in den vorgenannten Beispielen früherer Jahrzehnte kam die erst zusammen mit der Baisse am Aktienmarkt, weil das erodierende Vermögen dazu führte, dass immer mehr Menschen auf die Konsumbremse traten. Die Hausse soll auch vorgaukeln, dass das diesmal unnötig sei, sicher. Aber die nicht unter Kontrolle gebrachte Pandemie ist nicht angetan, das auch alle glauben zu lassen und wieder große, nicht zwingend nötige Anschaffungen zu tätigen.

Darüber hinaus beschränkt sich die selektive Wahrnehmung der Bullen nicht nur auf die Rahmenbedingungen. Wer auf Gipfelstürmer wie Tesla, amazon.com, Netflix & Co. verweist, schaut am breiten Markt einfach vorbei. Denn der bietet keineswegs Argumente, dass der Himmel voller Geigen hängt. Wir sehen im folgenden Chart, dass es eben die Nasdaq alleine ist (was sehr an die Zeit vor dem Platzen der „Dot.Com-Blase“ 2000 erinnert), die davon zieht. Der breite Markt in Form des NYSE Composite bleibt gegenüber Ende 2019 klar im Minus. Der Dow Jones, der sich etwas besser schlägt, ringt seit Wochen darum, wenigstens wieder über seine 200-Tage-Linie zu gelangen.

Börse aktuell: Wenn Vernunft dumm und Unvernunft vernünftig erscheinen - Vergleich Entwicklung Dow Jones mit NYSE-Composite und Nasdaq 100 von Dezember 2019 bis August 2020 | Online Broker LYNX

Und der blanke Wunsch nach viel Geld ohne Aufwand … das allein reicht nicht, das Ruder der Rahmenbedingungen an der Börse aktuell herumzureißen. Die Rahmenbedingungen und die Aktienmärkte haben eine Schere gebildet, die sogar größer sein könnte als Anfang 2008. Aber!

Bis jetzt geht das eben gut. Bis jetzt sind es die, die offenbar Dummes tun, die Geld verdienen. Wer rational und vorsichtig agiert, wäre weggeblieben oder nach der ersten Gegenreaktion wieder ausgestiegen. Wer auf Basis des Verstands etwas riskieren wollte, wäre womöglich Short gegangen … und hätte Verluste kassiert. Verluste, wo diejenigen, die den Verstand einfach vor die Tür setzen, Gewinne machen. Das ist frustrierend, wirkt ungerecht und wie eine unlösbare Situation. Oder?

Wie agiert man auf einer Leiter ohne Sprossen?

Nein, mit einer solchen Gemengelage kann man auch als rational agierender, besonnener Marktteilnehmer zurechtkommen. Überlegen wir mal: Richtig ist zwar, dass eine solche Rallye an der Börse aktuell, die ohne Fundament daherkommt, jederzeit in sich zusammenbrechen kann. Es ist, als würde diese Aufwärtsbewegung auf einer Leiter stehen, die eigentlich gar keine Sprossen hat. Sobald diejenigen, die von der ewigen Hausse träumen, mal nach unten sehen, kann es sofort vorbei sein. Denn eines ist der Mehrzahl derer, die immer weiter kaufen, traditionell gemein:

Sie wissen unterbewusst selbstverständlich um die Risiken, ahnen, dass ihre Argumente nicht tragen. Aber sie sagen sich: Solange es klappt, mache ich mit. Ich muss doch nur verkaufen, wenn die anderen auch aussteigen. Und das ist genau der Ansatz, den man nutzen kann, denn:

Im Prinzip ist das ja richtig so, nur können Menschen, die emotional und nicht rational agieren, nicht einfach von eben auf sofort auf besonnenes Handeln umschalten, will meinen: Sie reden sich ein, dass sie zügig aussteigen würden. Aber sie tun es meist nicht.

Auch in der Phase Februar/März war das meist nicht der Fall, obwohl man … eigentlich … ahnen durfte, dass die Kurse auch ohne das Corona-Problem zu hoch gelaufen waren. Trotzdem kenne ich extrem viele, die nicht ausgestiegen sind. Das ist die typische Reaktion: Statt „fight“ oder „flight“ stellt man sich tot, schaut weg und hofft, wenn man wieder hinschaut, ist der Spuk vorbei.

Börse aktuell: Wenn Vernunft dumm und Unvernunft vernünftig erscheinen - Entwicklung Nasdaq 100 von Februar 2020 bis August 2020 | Online Broker LYNX

Aber was, wenn man wirklich täte, was sich andere nur vornehmen? Warum sollte man denn nicht einfach dem Trend an der Börse aktuell folgen, sich aber im Gegensatz zu den meisten, die auf der Leiter ohne Sprossen immer höher klettern, konsequent mit Stop Loss-Verkaufsorders absichern, die man dann auch konsequent entlang der relevanten Chartmarken nachzieht? Selbst der scheinbar senkrecht nach oben laufende Nasdaq 100 bietet da gute Ankerpunkte in Form eines doppelten Leitstrahls aus April-Aufwärtstrend und 20-Tage-Linie, wie der vorstehende Chart zeigt.

Wirklich auszusteigen, wo andere es sich nur vornehmen und es dann doch nicht tun, ist in meinen Augen der Schlüssel. Denn eines weiß man aus der Geschichte der Börse eben auch: Wenn so viele die Bodenhaftung verlieren, kann es dauern, bis sie auf dem Bauch landen. Das kann schon heute mit einem Schlag vorbei sein. Aber es kann eben auch noch Monate so verrückt weitergehen. Also, warum nicht konsequent dem Trend an der Börse aktuell folgen, sich dabei ebenso konsequent absichern und so auf vernünftigem Weg von der Unvernunft anderer profitieren?

 

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

 

Marktkommentar vom 13.07.2020, Charts vom 10.07.2020, Quelle marketmaker pp4

Würde man sich die jüngsten Konjunkturdaten genauer ansehen, könnte man leicht erkennen, dass sie keineswegs so grandios sind, wie das derzeit vor allem in Washington täglich betont wird. Aber scheinbar tut das an der Börse aktuell niemand. Würde man einen Schritt voraus denken, müsste man sich vor den anstehenden Bilanzen des zweiten Quartals und den Perspektiven der Unternehmen für die kommenden Monate fürchten. Aber offenbar interessiert das den Aktienmarkt nicht. Nicht nur das „Ist“ wird ausgesperrt, auch das, was man aus der aktuellen Entwicklung ableiten kann: Die großen Indizes steigen an der Börse aktuell einfach weiter. Warum?

Der Aktienmarkt ist ein Spiegelbild der Wirtschaft und ihrer Perspektiven. Sagt man. Den Investoren sagt man nach, dass sie geschickt und mit großem Sachverstand agieren, oft das Gras wachsen hören und daher kommende Entwicklungen am Aktienmarkt schon die Kurse bewegen, Monate bevor sie der Mann auf der Straße bemerkt. Heißt es. Aber momentan scheint da irgendetwas nicht zu stimmen. Denn eigentlich müssten ja Volkswirte und Analysten ebenso die rosige Zukunft sehen können, die am Aktienmarkt durch diese wilde Aufholjagd seit Mitte März eingepreist wird. Aber unter den Experten bleibt man vorsichtig, ja skeptisch.

Wie kann es sein, dass die Kurse an der Börse aktuell steigen, obwohl einem bei genauem Hinsehen der Jubel über die US-Arbeitsmarktdaten im Hals stecken bleiben müsste, weil man dann erkennt, dass die Zahl der im Juni neu geschaffenen Stellen zwar in der Tat die größte aller Zeiten war, dennoch aber erst ein Drittel der im März und April verlorenen US-Jobs wieder da ist? Und das, obwohl die meisten US-Betriebe wieder arbeiten. Wie ist es möglich, dass man am Aktienmarkt das Ende der Pandemie und die „Wiedereröffnung“ der US-Wirtschaft feiert, während zeitgleich die Zahl der Neuinfektionen auf neue Rekorde steigt? Und wie ist es zu erklären, dass der DAX an der Börse aktuell einfach mitläuft, obwohl man in Europa seitens der Experten noch weitaus vorsichtiger mit der Zukunft umgeht als die US-Volkswirte?

Sachverstand ist heute die Ausnahme

Die Antwort ist gar nicht so schwer zu erkennen. Vorausgesetzt, man versteht, dass die eingangs aufgeführten Eigenschaften der Anleger mittlerweile Plattitüden sind und der Aktienmarkt dementsprechend nicht das Spiegelbild der Wirtschaft ist, sondern davon, was die keineswegs sachkundige Mehrheit der Anleger sich an der Börse aktuell erhofft. Und Hoffnungen und Realität haben oft nichts miteinander zu schaffen. Überlegen wir mal:

Diese oben genannten Aussagen stammen aus einer Zeit, in der nur relativ wenige Menschen an der Börse investierten. Fonds, Hedgefonds, Derivate und ETFs gab es nicht. Leicht zugängliche Informationen über die Funktion der Börse ebenso wenig. Und wer damals Aktien handeln wollte, musste das unmittelbar über seine Bank tun. Da musste man einfach bereit und imstande sein, sich intensiv mit der Materie zu befassen. Sicher, Dilettanten gab es schon immer. Aber heute sind sie in der Mehrheit. Das klingt zwar abwertend. Aber es ist nun einmal so.

Durch die Entwicklung der vergangenen ca. 30 Jahre kann heutzutage jeder, der auch nur ein bisschen Geld übrig hat, zum Anleger werden. Jeder kann schnell und auch mit Hebelwirkung ein- und aussteigen, hat eine Vielzahl von technischen Möglichkeiten und eine riesige Auswahl an Investment-Vehikeln zur Verfügung. Dafür erforderlicher Sachverstand? Keiner. Dafür erforderliche Erfahrung? Keine. Warum also sollten die Aktienmärkte die wirtschaftliche Realität und/oder deren Perspektiven widerspiegeln, wenn so viele, die sich dort tummeln, keine Ahnung davon haben?

Ein Indiz, dass das das eigentliche Problem ist, findet sich in den anderen Assets, z.B. bei den Edelmetallen, am Devisenmarkt oder den Anleihen. Dorthin verirrt sich der unbedarfte Anleger selten, dort dominieren erfahrene Trader. Und dort sehen wir sehr wohl, dass sich die sehr brenzligen Perspektiven der Weltwirtschaft niederschlagen. Der Aktienmarkt hingegen bewegt sich wie in einer eigenen Welt. Weil er auch in genau dieser eigenen Welt ist.

Gute Indikatoren bewirken gar nichts, wenn kaum jemand hinsieht

Ein Beispiel zeigt der nächste Chart: Wir sehen hier, dass der Dow Jones in bestimmten Phasen völlig entgegen dem US-Einkaufsmanagerindex läuft. Dabei gibt dieser eine sehr gute Indikation für den Zustand und die Perspektiven der US-Wirtschaft. Eigentlich also ein tadelloser Leitstrahl. Aber in den Jahren 2004 bis 2007 sowie zwischen dem Herbst 2018 und dem „Corona-Crash“ fiel der Einkaufsmanagerindex unübersehbar, trotzdem stieg der Dow Jones immer weiter. Warum?

Börse aktuell: Warum lebt die Börse immer mehr in ihrer eigenen Welt? - Vergleich Entwicklung Dow Jones mit US-Einkaufsmanagerindex von Dezember 1997 bis August 2020 | Online Broker LYNX

Weil das Phasen waren, in denen eine Art Goldgräberstimmung aufkam. Die lockte sehr viele völlig unerfahrene, nicht mit Fachkenntnissen ausgestattete Menschen an den Aktienmarkt. Dass sie den Einkaufsmanagerindex als Vorlage ignorierten lag einfach daran, dass sie ihn entweder gar nicht kannten/beachteten oder sich auf die dauer-bullische, aber oft falsche Interpretation in den Medien verließen. Es war der feste Glaube an leicht verdientes Geld, das die Kurse trieb. Die Realität in der Wirtschaft spielte keine Rolle. Wobei es schon fast witzig ist, dass die eingangs genannten Aussagen über den Aktienmarkt ganz entscheidend daran beteiligt sind, wenn die Kurse sich völlig von der Realität lösen.

Emotionen regieren an der Börse aktuell die Trends, nicht die Fakten

Denn wenn unerfahrene Anleger glauben, dass die anderen sich auskennen und wissen was sie tun, folgen sie ihnen. Wodurch an der Börse aktuell Massen ahnungsloser Anleger anderen Massen ahnungsloser Anleger folgen. Und wenn einem nur oft genug erzählt wird, dass der Aktienmarkt das Spiegelbild der Realität ist und dieser steigt, warum sollte man das nicht glauben, wenn man sich nicht auskennt und die einzige Motivation des Investments nicht das Interesse an der Materie, sondern der Wunsch nach viel Gewinn ohne Aufwand ist? Und dann ist da ja noch die emotionale Komponente.

Die Hausse 2004 bis 2007 basierte auch auf der großen Hoffnung, die lange Baisse 2000 bis 2003 sei vorbei und der Weg für Gewinne wieder frei. Viele, die vorher nicht ausgestiegen waren und immense Summen verloren, kauften zu in der Hoffnung, ihr Geld schnell wiederzusehen. Aus dieser Hoffnung wurde Gier, so sehr, dass man das Platzen der Subprime-Blase, die man, wollte man hinsehen, mit Händen hätte greifen können, geflissentlich verdrängte. Auch 2019 war es die Gier, die die Kurse höher zog, gezielt und massiv vom US-Präsidenten angefacht, der den Aktienmarkt trotz abbröckelndem Einkaufsmanagerindex immer wieder höher redete. Und heute? Heute sind es Gier und Hoffnung zusammen, die die Kurse an der Börse aktuell nach dem Corona-Crash höher ziehen.

Wie eng diese Aspekte miteinander verwoben sind, sieht man gut am folgenden Chart. Während der Dow Jones und der US-Einkaufsmanagerindex öfter auseinander laufen, hat man beim Vergleich des Dow Jones mit dem US-Verbrauchervertrauen das Gefühl, Zwillinge vor sich zu haben. Kein Wunder, denn auch im Verbrauchervertrauen äußert sich die Hoffnung der normalen Bürger. Sie wollen, dass es ihnen immer besser geht, werden von der US-Regierung darin bestärkt, die mit Superlativen für die Gegenwart und die Zukunft nie spart … all das schlägt sich im Verbrauchervertrauen ebenso nieder wie am Aktienmarkt, denn wer hoffnungsfroh und gierig ist, kauft an der Börse aktuell Aktien. Vor allem, wenn es für diese Klientel so aussieht, als würde der Aktienmarkt der Beweis dafür sein, dass sie mit ihrem Optimismus richtig liegen. Aber Moment, werden manche einwenden, was ist mit den Erfahrenen, den Fachleuten, die gibt es ja schließlich auch noch! Ja, aber:

Börse aktuell: Warum lebt die Börse immer mehr in ihrer eigenen Welt? - Vergleich Entwicklung Dow Jones mit US-Verbrauchervertrauen von Mai 1998 bis August 2020 | Online Broker LYNX

Die erfahrenen Fondsmanager sind Sklaven ihrer unerfahrenen Kunden

Was die erfahrenen Privatinvestoren angeht, sind die eindeutig in der Minderheit. Und die erfahrenen Fondsmanager oder die ETF-Betreiber zählen nicht. Zwar werden da die großen Summen bewegt, welche an der Börse aktuell die Trends „machen“. Aber sie zählen deshalb nicht, weil Fondsmanager letzten Endes Sklaven ihrer Kunden sind. Und das sind diejenigen, die nicht selbst ihr Geld am Aktienmarkt verdienen wollen, sondern es „verdienen lassen“. Das Problem dabei:

Um eine gute Performance schaffen zu können, fahren diese sogenannten „institutionellen Investoren“ immer nur geringe Barreserven. Was heißt: Überweisen die Kunden ihnen neues Geld, müssen sie das Geld zeitnah investieren, also kaufen. Würden diese Sparer Geld abziehen, würde sich das unmittelbar auf den Markt auswirken, weil die Fonds, ETFs etc. eben kaum oder keine Barreserven haben und deswegen nur dann imstande sind, den Kunden den Wert ihrer Anteile auszuzahlen, wenn sie sich dieses Geld durch Verkäufe am Markt beschaffen. Kurz:

Es sind am Ende nicht die erfahrenen Fondsmanager, sondern ihre unerfahrenen Kunden, die an der Börse aktuell die Trends „machen“. Und da diese wenig bis nichts über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wissen und oft nur den Trend der Märkte selbst als Grundlage für ihre Entscheidungen nehmen (ohne zu erkennen, dass sie damit die Käufe anderer unerfahrener Sparer als Beleg dafür nehmen, dass die Lage positiv ist), bewegt sich der Aktienmarkt so oft in seiner eigenen, von der Realität abgekoppelten Welt. Ein weiterer Punkt ließe sich noch hinzufügen:

Die Börse handelt nicht die wahrscheinliche Zukunft, sondern die erwünschte!

Gerne wird als Argument für die so oft seltsam unfundiert wirkenden Haussephasen der Aktienmärkte erklärt, dass die Börse schließlich die Zukunft handelt. Und natürlich wird a) alles wieder gut und b) alles noch besser als zuvor. Ob das realistisch ist, spielt dabei eine höchst untergeordnete Rolle für die Entscheidungen derer, die unbelastet von Fachwissen und Erfahrung am Aktienmarkt Geld anlegen. Der Grund:

Geht es aufwärts, gehen alle mit diesem Argument hausieren. Die Politik, weil Optimismus und das Klopfen auf die eigene Schulter Wähler bringt. Die Finanzindustrie, weil sie vornehmlich dann richtig Geld verdient, wenn die Kurse stiegen, denn die unerfahrene Mehrheit derer, die das Geld für die Hausse heranschaffen, kann oder will nur „Long“. Und zuletzt die Anleger selbst, die natürlich wollen, dass z.B. in der aktuellen Situation alles schnell wieder wird wie zuvor und sie dabei auch noch viel Geld einsacken, weil sie massiv in Aktien investieren. Oder wenigstens ihr Geld schnell wiedersehen, weil sie, wie üblich bei fehlender Erfahrung, ohne Stoppkurse agiert haben und ihr erspartes bei der Corona-Baisse mit in die Tiefe gerissen wurde.

Börse aktuell: Warum lebt die Börse immer mehr in ihrer eigenen Welt? - Vergleich Entwicklung Dow Jones mit US-Bruttoinlandsprodukt von Oktober 2002 bis August 2020 | Online Broker LYNX

Doch damit handelt die Börse selten die wahrscheinliche Zukunft, sondern eine, die alle gerne hätten. Was eben nicht heißt, dass es so kommen wird. Der vorstehende Chart zeigt, dass der US-Aktienmarkt 2006 und 2007 ebenso längere Zeit ein nachlassendes Wachstum ignorierte wie 2018 und 2019. Beide Male bekam man dafür die Quittung. Beide Male aber wurde nicht abgewartet, bis sich die Konjunktur auch nur stabilisierte, bevor wieder massiv gekauft wurde.

2009 ging das gut. Aber 2020 haben wir nicht nur eine Rezession, sondern vor allem in den USA immer noch das Virus, das diese Rezession letzten Endes auslöste. Diesmal wird es also womöglich deutlich schwieriger, den Karren aus dem Dreck zu ziehen als 2009 … zumal da noch die Risiken eines unberechenbaren Präsidenten im Wahlstress wären. Doch das hält, es kann nach vorstehenden Überlegungen nicht mehr überraschen, nur wenige davon ab, am Aktienmarkt wieder einmal „all in“ zu gehen. Das muss schiefgehen … oder?

Was kann bewirken, dass die Realität die Kurse wieder einholt?

Das wird sicherlich schiefgehen. Aber wann das sein wird, kann in solchen Situationen niemand wirklich vorher abschätzen. Bedenken Sie, dass diejenigen, die an der Börse aktuell ohne Wissen, aber mit (auf die Masse dieser Menschen gesehen) viel Geld die Hausse nähren, normale Warnsignale gar nicht mitbekommen! Und auch der Umstand, dass es gefährlich wenige Aktien sind, die „in“ sind und daher jeder haben will, kann bald, muss aber nicht zu einem „sudden death“ dieser Hausse führen.

Richtig ist schon, das zeigt der folgende Chart, dass der US-Gesamtmarkt ganz und gar nicht gut aussieht. Der Dow Jones mit seinen 30 meist klassischen Unternehmen ist im Vergleich zum Jahresende 2019 noch im Minus, der breite Gesamtmarkt, hier im Chart repräsentiert durch den ca. 2.300 Aktien listenden New York Stock Exchange (NYSE) Composite Index, noch deutlich mehr. Aber:

Börse aktuell: Warum lebt die Börse immer mehr in ihrer eigenen Welt? - Vergleich Entwicklung Dow Jones mit NYSE-Composite, Nasdaq 100, amazon und Apple von Dezember 2019 bis August 2020 | Online Broker LYNX

Diejenigen, die breit gestreute Portfolios haben und damit eher die unerfreuliche Entwicklung des NYSE Composite im Depot sehen, sind ja in der Minderheit … und fühlen sich durch ihre Vernunft auch noch bestraft. Denn die Ahnungslosen kaufen, was am besten läuft, stecken ihr Geld z.B. in Nasdaq 100-ETFs oder kaufen gleich die paar Super-Performer wie z.B. Apple, Amazon, Microsoft, Adobe oder Tesla. Natürlich sind die dadurch sehr teuer, tendenziell sogar heftig überbewertet. Aber noch einmal: Die, die da an der Börse aktuell mit Masse kaufen, wissen das nicht. Also werden sie auch nicht aussteigen, weil diese Aktien zu teuer sind. Also – ewige Hausse?

Sudden Death der Hausse? Jederzeit möglich!

Nein, das sicher nicht. Ein solches Szenario ist im Gegenteil so gefährlich wie kein anderes. Und zwar, weil das Ende der Hausse nicht durch Fakten, sondern durch die Emotionen der Unerfahrenen bestimmt wird und damit vom Auslöser wie vom Zeitpunkt her absolut unvorhersehbar ist. Basis einer Abwärtswende wäre natürlich eine Verkaufslawine.

Die ersten steigen aus, weil irgendetwas ihnen das Gefühl gibt, dass es langsam gefährlich wird. Andere verkaufen auch, alleine, weil sie sehen, dass die Kurse zu fallen beginnen. Die nächsten werden erst nervös, wenn es zu einer größeren Abwärtsbewegung gekommen ist, dann aber pflegt diese Klientel sofort verkaufen zu wollen, was hieße, dass es sogar zu ähnlichen Abwärtsschüben wie im März kommen könnte, weil zu viele auf einmal aus dem Markt herauswollen und die Käuferseite zugleich verwaist ist.

Aber was den ersten Stein ins Rollen bringt, das Fass der Ignoranz zum Überlaufen bringt? Man weiß es nicht. Es könnten noch weiter steigende Infektionszahlen in den USA sein. Es könnte die Wiedereinführung massiverer Beschränkungen sein. Fatale Quartalsbilanzen der Unternehmen die nicht, wie viele hoffen, von äußerst positiven Ausblicken begleitet sind. Es könnten irgendwelche unvorhersehbaren „Überraschungen“ aus Washington sein. Oder aber die Masse bleibt stur dabei, kauft immer weiter, weil genug Anleger an der Börse aktuell einfach glauben wollen, dass alles gut wird, auch entgegen den Fakten in den Nachrichten, bis irgendwann im Herbst klar wird, dass es nichts wurde mit der behaupteten Blitz-Erholung der Wirtschaft. Man weiß es nicht.

Wie ließe sich mit einer solchen „abgehobenen“ Börse umgehen?

Wie geht man mit einer solchen Situation um, wenn man selbst sehr wohl Fachwissen und Erfahrung hat? Kopfschütteln ist da natürlich erlaubt. Aber wenn man schon weiß, dass eine solche Hausse morgen in einen fatalen Crash münden, andererseits aber durchaus auch noch Monate weitergehen könnte, konnte es zuletzt eigentlich nur zwei Optionen geben: wegbleiben oder mitmachen. Denn warum sollte man diesen Trends an der Börse aktuell nicht folgen? Schließlich kann der erfahrene Investor etwas, was für immer mehr Akteure böhmische Dörfer sind: Die Risiken streuen und die Positionen allesamt konsequent mit Stop Loss-Verkaufsorders gegen einen drohenden „sudden death“ absichern!

 

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

 

Marktkommentar vom 06.07.2020, Charts vom 02.07.2020, Quelle marketmaker pp4

Donald Trump will wiedergewählt werden. Weil er die bis Februar 2020 ungebremste Hausse immer wieder eng mit seiner Politik verbunden hat, regelmäßig betonte, dass die Kurse an der Börse aktuell nur seinetwegen steigen, muss er es schaffen, die „Trump-Hausse“ über die Ziellinie des Wahltags zu retten. Aber seine Gegner wissen, dass der Aktienmarkt auch leicht zu Trumps Achillesferse werden kann … und könnten diese „Waffe“ gegen ihn wenden.

Der US-Aktienmarkt könnte, was die US-Präsidentschaftswahl am 3. November angeht, zum Zünglein an der Waage werden. Die erste, in der vergangenen Woche vorgelegte Umfrage sieht Joe Biden zwar mit 14 Prozent Vorsprung vor Donald Trump. Aber in diesen gut vier Monaten bis zum Wahltag kann sehr viel passieren. Selbst eine Woche vor der Wahl wäre ein Vorsprung, sofern er nicht wenigstens 20 Prozent ausmachen würde, keine sichere Indikation. Zum einen wegen der unentschlossenen Wähler, zum anderen wegen des Wahlmänner-Systems in den USA, das bedingt, dass nicht zwingend gewählt wird, wer landesweit die meisten Stimmen bekommt.

Trumps Stern fällt … zum für ihn schlecht möglichsten Zeitpunkt

Für Trump ist es jetzt entscheidend, irgendwie Punkte zu machen. Aber wie? Auch in der Frage der reinen Zustimmung zu seiner Amtsführung hat er, wie die folgende Abbildung der Umfrage-Ergebnisse des renommierten Gallup-Instituts zeigt, in der letzten Veröffentlichung Anfang Juni deutlich an Boden verloren. Ob das auf seinem Verhalten in Bezug auf die Unruhen in US-Großstädten beruht, auf seinem Umgang mit der Pandemie oder mit beidem, sei dahingestellt. Fakt ist: Die anfängliche Reaktion, sich im Fall einer Krise hinter die Führenden zu stellen, ist verpufft, die Masche des „War President“ eher zum Bumerang geworden.

Börse aktuell: Wird der US-Aktienmarkt zur Waffe im Wahlkampf? - Entwicklung Trump Zustimmung in der US-Bevölkerung von Januar 2017 bis Juni 2020 | Online Broker LYNX

Die zuletzt gemessenen 39 Prozent Zustimmung sind zwar nicht sein bisheriger Tiefpunkt, der lag bei 33 Prozent im Herbst 2017. Aber die „Disapproval Rate“, der Anteil der Befragten, die seine Amtsführung ablehnen, liegt mit 57 Prozent sehr hoch. Und der rasante Absturz von 49 Prozent Zustimmung Mitte Mai auf diese jüngsten 39 Prozent ist für seine Wahlchancen bedrohlich. Und das, obwohl der US-Aktienmarkt rasant aufholte, während diese letzte Umfrage, die zwischen dem 28. Mai und dem 4. Juni lief, abgehalten wurde.

Der US-Aktienmarkt als „Präsidenten-Macher“?

Trotzdem ist hier noch lange nichts entschieden. Und der Aktienmarkt wird, wie bei so vielen Wahlen zuvor, eine entscheidende Rolle spielen. Wieso? Bei uns wäre es unvorstellbar, dass das Niveau des DAX eine Bundestagswahl mit entscheiden würde. Aber der Anteil an Menschen, die ihr Geld, oft ihre Altersvorsorge, am Aktienmarkt anlegen, ist in den USA weit höher als hierzulande. Und viele der normalen Sparer wissen wenig bis gar nichts von volks- oder betriebswirtschaftlichen Dingen. Für sie sind keine Bilanzen oder Konjunkturdaten relevant, sondern einfach nur das, was hinten herauskommt, sprich der Trend am Aktienmarkt und das, was sie damit verdienen.

Und wenn da Verluste statt Gewinne zu Buche stehen, ist grundsätzlich die Regierung schuld, weil sie eine falsche Politik gemacht hat. Nehmen wir da nur das Beispiel des Jahres 2008. Hätte Obama gegen McCain auch dann gewonnen, wenn der Aktienmarkt nicht in einer Baisse gefangen gewesen wäre und die Menschen Angst um ihr Geld bekommen hätten? Vielleicht, aber eher nicht. Der folgende Chart zeigt, wie heftig der Dow Jones als US-Index-Flaggschiff damals im Vorfeld an Boden verloren hatte. Und der republikanische Kandidat McCain beging einen großen Fehler.

Börse aktuell: Wird der US-Aktienmarkt zur Waffe im Wahlkampf? - Entwicklung Dow Jones von März 2008 bis April 2009 | Online Broker LYNX

Denn er wiederholte im Frühjahr 2008 gebetsmühlenartig, dass die Wirtschaft stark sei, das Platzen der Immobilienblase die Gesamtwirtschaft nichts ins Wanken bringen würde. Dieses „the economy is strong“ wurde ihm zum Verhängnis, als es eben doch anders kam. Und natürlich hatte die Regierung ihren Anteil an der Krise, auch, wenn die Hauptschuldigen in der Finanzindustrie saßen. An diese Situation dürften sich die Demokraten im Vorfeld dieser Wahl 2020 erinnern. Zumal Trump, im Verhältnis zu McCain damals, einen noch größeren Fehler gemacht hat, der ihm jetzt auf die Füße fallen … oder, wenn nötig, auf die Füße geworfen … werden könnte:

Trump und „sein“ Aktienmarkt: Hat er zu hoch gepokert?

In den USA pflegt der Amtsinhaber dann wiedergewählt zu werden, wenn er dafür sorgt, dass die Wirtschaft wächst. Oder genauer, dass seine potenziellen Wähler mehr Geld in der Tasche haben. Da viele Amerikaner eher wenig an politischen Details interessiert sind, ist das ein entscheidendes Kriterium. Das war ein Grund, weshalb Trump es so eilig hatte, seine Steuersenkungen per Januar 2018 durchzubekommen, die weiterhin das einzige vollendete Großprojekt aus der Liste seiner Versprechungen sind. Trotzdem verlor er in den „Midterm Elections“ im November 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus.

Es wäre daher immens wichtig, dass der US-Aktienmarkt bis November stark bleibt, idealerweise neue Hochs markiert. Denn solange jemand noch seinen Job hat und nicht über den Tellerrand hinaus schauen kann oder will, sind es die großen Aktienindizes, allen voran das Flaggschiff Dow Jones, die als Gradmesser dafür dienen, ob Trump in Sachen Wirtschaft erfolgreich ist. Das ist zwar ein Trugbild. Aber so läuft es dort eben in der Regel.

Gerade in der „Causa Trump“ ist der Aktienmarkt entscheidend, weil er die Hausse der Indizes permanent mit sich verknüpft hat. Seinetwegen sind die Kurse an der Börse aktuell auf immer neue Rekorde gestiegen, er hat nie verpasst, das zu betonen. Er hatte sogar behauptet, dass die Börsen im Fall seiner Amtsenthebung zusammenbrechen würden. Damit hat er dieses Trugbild, dass Dow Jones & Co. die wirtschaftliche Realität widerspiegeln, noch zementiert und untrennbar mit sich selbst verbunden.

Dass der Dow Jones im März fast genau auf Höhe des Levels wieder scharf nach oben drehte, auf dem die Trump-Hausse im November 2017 begonnen hatte (siehe der folgende Chart), mag angesichts des „dreifachen Hexensabbats“ Mitte März, der für das Tief und die folgende Wende eine wichtige Rolle spielte, zwar zum Teil Zufall sein. Aber man dürfte in Washington schon laut aufgeatmet haben, als dadurch die Trump’sche Börsenbilanz wieder positiv wurde.

Börse aktuell: Wird der US-Aktienmarkt zur Waffe im Wahlkampf? - Entwicklung Dow Jones von September 2016 bis Juni 2020 | Online Broker LYNX

Eigentlich könnte man denken, dass Trump damit einen Joker in Händen hält. So oft, wie er die Kurse schon hochgeredet und damit gegen das ungeschriebene Gesetz verstoßen hat, dass ein Präsident sich nicht zum Aktienmarkt äußert, könnte er das doch wieder tun? Das könnte er und wird es zweifellos auch. Aber es ist fraglich, ob er damit Erfolg hat.

Wenn das Ersparte an der Börse aktuell schwindet, gibt es für die Wähler keine Ausreden

Erinnern wir uns an dieses eingangs erwähnte Phänomen: Trumps Zustimmungswerte sind deutlich gefallen, obwohl die Börse aktuell wieder anzieht und Trump sorgfältig die Schuld an allem Negativen auf andere Schultern verteilt. Anfangs hatte das tadellos funktioniert, doch jetzt rutschen diese Zustimmungswerte in einen Bereich, der andeutet, dass sogar einige seiner treuen Fans abspringen.

Ein Grund dürfte sein, dass diese Hausse an der Börse aktuell nicht nur hinsichtlich der Verbindung zur Realwirtschaft ein Trugbild ist, sondern auch in sich selbst. Was man daran erkennen kann, dass, wie der folgende Chart zeigt, am vorvergangenen Freitag gerade einmal ein Viertel der am US-Aktienmarkt gelisteten US-Aktien über ihrer 200-Tage-Linie notierte, die für viele mittel- und langfristige Investoren die Scheidemarke zwischen Hausse und Baisse darstellt. Das ist, angesichts der Nähe der großen Indizes zu ihren vorherigen Rekordlevels, erschreckend wenig.

Börse aktuell: Wird der US-Aktienmarkt zur Waffe im Wahlkampf? - Entwicklung US-Aktien über 200-Tage-Linie von Mai 2015 bis Juni 2020 | Online Broker LYNX

Der Grund dafür ist, dass relativ wenige Aktien diese Hausse an der Börse aktuell tragen, während sehr, sehr viele Aktien nicht mitziehen. Damit dürften viele US-Anleger noch deutlich in der Verlustzone festsitzen und z.B. die neuen Rekorde des Nasdaq 100 mit Groll betrachten, weil sie nur ansatzweise oder gar nicht mit von der Partie sind. Und diejenigen wenigen Aktien, die immer höher steigen, so z.B. die Publikumslieblinge Apple, Amazon oder Microsoft, steigen durch diese Hausse mit fehlender Marktbreite auf Bewertungslevels, die sie immer anfälliger für scharfe Korrekturen und damit zu einem Pulverfass an der Börse aktuell machen.

Und Trump weiß zweifellos ganz genau: Wenn es ums Geld geht, lassen die Wähler keine Ausreden gelten. Und nachdem sein Getrommel in Sachen Trump-Hausse in den vergangenen Monaten immer weniger erfolgreich war, dürfte er auch ahnen, was ihm endgültig in Sachen Wahlchancen das Genick brechen kann: der Aktienmarkt.

Wenn die US-Finanzindustrie Trump loswerden will, weiß sie, wo sie ansetzen muss

Aber Parteien können keine Aktien kaufen und verkaufen, die Demokraten können den Aktienmarkt also gar nicht beeinflussen? Und würden sie es versuchen, indem sie das Gegenteil von Trump tun und die Kurse nach unten reden, würden sie sich ja ins eigene Fleisch schneiden, denn wie eben erwähnt, versteht der Wähler ja in Sachen Geld keinen Spaß. Also?

Natürlich werden die Demokraten kein Wort über den Aktienmarkt verlieren. Aber das müssten sie ja auch nicht selbst tun. Der Gegner, dem sich Donald Trump hinsichtlich seiner selbstgebastelten Achillesferse, sprich „seiner“ Trump-Hausse“ gegenüber sieht, ist die US-Finanzindustrie, allen voran große Investmentbanken wie Goldman Sachs oder J.P. Morgan. Speziell Goldman Sachs hat nie mit ihrem Missfallen gegenüber diesem Präsidenten vor dem Berg gehalten. Und Trump hat sich in Bankenkreisen nicht unbedingt Freunde gemacht.

Anfangs werden viele Großbanken gehofft haben, dass Trump für ihr Fortkommen genau der Richtige sei. Und in der Tat hat er auch nicht gerade wenige Restriktionen, die nach der Subprime-Krise eingeführt wurden, um die Banken an die Kandare zu nehmen, wieder abgeschafft. Aber er ist ein höchst unberechenbarer „Partner“. Und wenn diese Großbanken zum Schluss kommen, dass die Alternative, eine neue, demokratische Regierung, die bessere ist, womöglich bereits mit kompetenten Leuten im Schattenkabinett von Joe Biden belegt, könnte man Trump sehr leicht und radikal die Gunst entziehen.

Die Hedgefonds und der Eigenhandel der Banken sind mächtige Waffen, um die Trump-Hausse so rechtzeitig vor der Wahl zu pulverisieren, dass es auch unbedarfte Trump-Wähler, die sich im Vertrauen auf seine Sprüche erstmals in den Aktienmarkt gewagt haben, so hart trifft, dass sie ihm wutentbrannt den Rücken kehren. Aber würden die Banken das tun … Short gehen, um eine Wahl mit zu beeinflussen?

Würden die US-Banken Trump wirklich den Teppich unter den Füßen wegziehen?

Warum nicht? Natürlich sind fallende Kurse an der Börse aktuell nicht gut fürs Geschäft. Aber Trumps Vorgehen in der Corona-Krise ist es nicht minder. Und wenn die Entscheider in den großen Banken den Eindruck bekommen, dass weitere vier Jahre unter diesen Bedingungen mehr Schaden anrichten als eine „Vorwahl-Baisse“, werden sie sich dafür entscheiden, das ihrige beizutragen, um eine neue Gemengelage für die US-Wirtschaft zu schaffen, die letztlich auch mit einer für die Banken wichtigen geopolitischen Befriedung einhergehen würde.

In der Politik spielen Banken durchaus eine wichtige Rolle im Hintergrund. Das ist weltweit so, in den USA, in denen der Lobbyismus als völlig normal betrachtet wird, erst recht. Und das beschränkt sich nicht auf reine Wahlkampfspenden. Vieles läuft im Hintergrund. Und sollte Trumps Stern weiter sinken und es ihm nicht gelingen, rechtzeitig vor der Wahl überzeugend die Kurve zu kriegen, wäre der Gedanke, dass es die US-Banken wären, die Trump den Teppich unter den Füßen wegziehen, alles andere als abwegig.

Trump muss den US-Aktienmarkt nach oben bekommen bzw. oben halten, seine Gegner profitieren, wenn das Gegenteil passiert: Die kommenden vier Monate werden womöglich noch spannender als diese aktuelle, hochvolatile Phase an der Börse!

 

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Charts vom 25.06.2020, Quelle marketmaker pp4