Siemens Aktie Prognose Siemens: Milliardenübernahme. Mir wird flau im Magen

News: Aktuelle Analyse der Siemens Aktie

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Am Dienstagabend gab Siemens bekannt, dass man für 1,575 Milliarden US-Dollar der US-Technologiekonzern Brightly Software (Brightly) vom Finanzinvestor Clearlake Capital übernommen wird. Der Betrag kann sich noch erhöhen, wenn in Zukunft bestimmte erfolgsabhängige Ziele erreicht werden.

Brightly hat sich auf Technologien und Steuerungssysteme zur Überwachung und Steuerung von Gebäuden spezialisiert, dem sogenannten „Smart Home“. Dazu greift die von Brightly entwickelte Software bestimmte Gebäudedaten ab, wertet diese aus und ermöglicht Nutzern damit eine effizienteres Gebäude- und Infrastrukturmanagement. 

Durch den Zukauf von Brightly will Siemens sein Geschäft mit Software zur Steuerung von Gebäude und Infrastruktur ausbauen und führend in diesem Bereich werden. Zum Zeitpunkt der Übernahme beschäftigt Brightly rund 800 Mitarbeiter, mit denen zuletzt ein Umsatz von ca. 180 Millionen US-Dollar erzielt wurde.

Sorgenfalten

Wenn ich lese, dass ein deutsches Unternehmen eine Milliardenübernahme in den USA durchführt, beschleicht mich ein ungutes Gefühl.
Es gibt leider zu viele Beispiele, in denen das nicht gut gelaufen ist.

Bayer und das Monsanto-Debakel ist nur ein jüngeres Beispiel. In Wirklichkeit begehen aber nicht nur unsere heimischen Konzerne enorme Fehler bei Zukäufen. Übernahmen generieren statistisch gesehen keinen Mehrwert für Anleger.

Es gibt einige Ausnahmen, aber im Durchschnitt sind große Zukäufe kein Gewinn für die Aktionäre. In der Regel wird schlichtweg zu viel gezahlt und es wird im falschen Moment gekauft.
Die meisten Übernahmen werden durchgeführt, wenn es geschäftlich gut läuft, denn dann hat man überschüssiges Kapital.
Aber natürlich sind dann auch die Preise am höchsten.

Es soll angeblich auch Vorstände geben, die vor allem im eigenen Interesse Übernahmen verfolgen. Man versucht, das eigene Unternehmen zu vergrößern, um damit ein höheres Vorstandsgehalt zu rechtfertigen.

Bei größeren Übernahmen sollte man als Anleger also vor allem darüber nachdenken, welcher Schaden im Zweifelsfall mit einem Zukauf angerichtet wird. Und das hängt von einigen zentralen Faktoren ab.

Darauf kommt es an

Am wichtigsten sind meines Erachtens die Verhältnismäßigkeiten und der Preis/Bewertung.

Vielleicht sollte ich direkt vorab zum Fazit kommen. In diesem Fall ist die Übernahme definitiv keine Katastrophe, der mögliche Schaden ist gering.

Betrachten wir das Thema Verhältnismäßigkeiten:

Siemens kommt derzeit auf einen Börsenwert von 83,7 Mrd. Euro. Ein Zukauf mit einem Preis von 1,58 Mrd. USD ist also kein Gamechanger.
Der Übernahmepreis entspricht schließlich nur rund 2% des Börsenwerts.

Im Fall von Siemens erhält man durch diese Überlegung bereits ein realistisches Bild der Lage.
Man sollte den Kaufpreis aber immer auch den geschäftlichen Kennzahlen gegenüberstellen. Es gibt schließlich auch Unternehmen, die zwar sehr viel an der Börse wert sind, aber nichts oder so gut wie nichts verdienen.

Entspricht der Wert einer Übernahme zwar nur 5% des Börsenwerts, aber dem hundertfachen des Jahresgewinns, sind die Verhältnismäßigkeiten natürlich vollkommen anders.

Siemens hat im Vorjahr allerdings ein operatives Ergebnis von 7,44 Mrd. Euro erzielt. Ein Zukauf in der genannten Größenordnung fällt also wahrlich nicht ins Gewicht.

Gefahr im Verzug

Diese Überlegungen sind übrigens auch der Grund, warum gigantische Übernahmen nach der Art von Bayer und Monsanto so gefährlich sind.
Wenn man ein Unternehmen zu einem Preis kauft, der dem bisherigen Konzerngewinn der letzten 10 Jahre entspricht, dann besteht eben auch die Möglichkeit einen Schaden anzurichten, der ein Jahrzehnt an Fortschritten zunichtemacht.

Wenn man eine Firma übernimmt, welche nahezu so groß ist, wie man selbst, besteht unter anderem auch die Gefahr, dass man die eigene Unternehmenskultur zerstört.

Hätte man beim Thema Verhältnismäßigkeit eine mögliche Gefahr ausgemacht, wäre der nächste Schritt gewesen, dass man die Bewertung der neuen Tochtergesellschaft prüft.

Bewertung zu hoch?

Im Fall von Brightly haben wir nur eine vage Vorstellung. Bei einem Kaufpreis von 1,58 Mrd. Euro und einem Umsatz von 180 Mio. USD, liegt das KUV bei 9,2.
 Das ist sicherlich viel, da wir die Wachstumsraten und Margen der Amerikaner nicht kennen, ist eine Einschätzung der Lage aber nicht wirklich möglich.

Siemens gibt in der Mitteilung lediglich an, dass der Markt, in dem Brightly tätig ist, durchschnittlich um 13% p.a. wächst und dass sich die Übernahme positiv auf das EPS von Siemens auswirken wird.
Man darf also annehmen, dass Brightly ordentliche Wachstumsraten verzeichnet und profitabel ist.
Die Eckpunkt die wir kennen, stimmen also eher optimistisch.

Am Ende kann man konstatieren, dass der mögliche Schaden für Siemens geringfügig ist.
Man muss also nicht panikartig das Schiff verlassen.

Siemens als Investment

Die Übernahme selbst löst also keinen Handlungsbedarf aus. Aber womöglich könnte Siemens interessant sein.

Siemens ist grundsolide, keine Frage. Eine Dividendenrendite von 4% ist mehr als ordentlich und eine KGVe von 12,3 ist wenig. In den letzten fünf Jahren lag das KGV durchschnittlich bei 18,5.
Aus dieser Sicht wäre also durchaus Potenzial vorhanden.

Man könnte also durchaus darauf spekulieren, dass sich diese Bewertungslücke mittelfristig schließt. Mehr gibt die Aktie aus meiner Sicht aber nicht her.

Siemens ist ein unbeweglicher Großkonzern mit geringem Wachstum und stagnierendem Gewinn. Nüchtern betrachtet sind das die Fakten.
Das Ergebnis pendelt faktisch seit mehr als zehn Jahren weitgehend zwischen 6,00 und 9,00 Euro je Aktie.
Das Hoch wurde 2015 erreicht, das Tief 2020.

Darf man den Prognosen Glauben schenken, wird sich daran vorerst auch nichts ändern. Sowohl im laufenden als auch im kommenden Geschäftsjahr soll der Gewinn bei 8,xx Euro je Aktie liegen.

Das ist auch der Grund, warum sich die Aktie langfristig eher mittelprächtig entwickelt hat. Siemens ist nicht abgestürzt, dafür gibt die geschäftliche Entwicklung keinen Anlass.
Der Kurs ist aber auch nicht durch die Decke gegangen, denn auch dafür geben die Zahlen keinen Anlass.

Chart vom 29.06.2022 - Kurs: 104 Kürzel: SIE - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 29.06.2022 – Kurs: 104 Kürzel: SIE – Wochenkerzen

Aus technischer Sicht liegen die nächsten Entscheidungsmarken bei 100 sowie 108 Euro.
Fällt die Aktie unter 100 Euro, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 92 Euro gerechnet werden.

Solange das nicht geschieht, kann es jedoch jederzeit zu einer Erholung in Richtung 108 Euro kommen. Darüber würde ein Kaufsignal ausgelöst, welches den Weg bis 112,50 Euro freimachen würde.
Oberhalb davon wäre Platz bis 120 oder 125 Euro.

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Vorherige Analysen der Siemens Aktie

Die Ergebnisse des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2021/2022 wurden gestern zwar zunächst nicht gerade positiv aufgenommen. Aber sie waren besser, als sie auf den ersten Blick aussahen. Und die Aktie hat aktuell eine langfristige Supportzone erreicht. Kaufen?

Dass der Gewinn nach Steuern deutlich von 2,4 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf jetzt 1,2 Milliarden Euro einbrach, hatte zwei Gründe. Zum einen war der Gewinn vor einem Jahr durch den Verkaufserlös eines Unternehmensteils nach oben verzerrt, zum anderen drückte diesmal der Rückzug aus dem Russland-Geschäft auf die Bilanz, das machte 0,6 Milliarden Euro aus. Ohne diese Sondereffekte bleibt der Eindruck eines behaupteten Geschäfts … das auch weiterhin rund laufen könnte, denn:

Der Auftragseingang lag mit fast 21 Milliarden Euro weit über den 15,9 Milliarden des Vorjahresquartals und etwa zehn Prozent über der durchschnittlichen Analystenerwartung. Und den Großteil des Umsatzes des zweiten Halbjahres habe man bereits in den Auftragsbüchern, war von Siemens zu hören.

Siemens-Aktie: Tages-Chart vom 12.05.2022, Kurs 113,90 Euro, Kürzel SIE | Online Broker LYNX

Damit könne man auch die bisherige Prognose bestätigen, die den Gewinn pro Aktie in einer Range zwischen 8,70 und 9,10 Euro sieht und damit zwischen 13 und 18 Prozent über dem des Geschäftsjahres 2020/2021. Daraus errechnet sich für Siemens derzeit ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen 12 und 13. Und das ist eher günstig. Natürlich bleibt ein Aspekt, dem man bedenken müsste:

Expertenmeinung: Siemens ist ein riesiger Konzern mit unterschiedlichsten Sparten. Solche Großunternehmen haben oft Schwierigkeiten, auf negativer werdende Rahmenbedingungen schnell zu reagieren. Es könnte also sein, dass Siemens in den kommenden Monaten durch die insgesamt nun einmal negativen Rahmenbedingungen Margendruck verspürt und die Gewinnprognose doch nicht zu halten ist. Aber dafür ist die Bewertung ja auch entsprechend niedrig, ein KGV zwischen 12 und 13 preist dieses Risiko grundsätzlich bereits ein.

Die Frage ist, ob die Aktie deshalb jetzt mehr Luft nach oben als nach unten hat. Denn das Problem des Gesamtmarkts bleibt: Der ist derzeit in einem massiven Abwärtsstrudel gefangen. Und dem können sich auch Blue Chips wie Siemens nicht auf Dauer entziehen. Die Aktie ist zwar schon deutlich zurückgekommen. Aber es wäre dennoch ratsam, lieber nicht in das momentan noch fallende Messer zu greifen. Will man mit eingrenzbarem Risiko einsteigen, wäre es besser zu warten, bis die Aktie wichtige Charthürden bezwingt. Solange „nur“ Unterstützungen halten, könnten die Short-Seller beim Erreichen von Widerstandsmarken zurückkommen und solche gehaltenen Auffanglinien dann im zweiten Anlauf durchschlagen.

Siemens ist in eine aus Zwischenhochs der Jahre 2017 bis 2019 bestehende Supportzone zwischen 108,60 und 114,10 Euro eingetreten, die im März zwar kurz unterboten, auf Wochenschlusskursbasis aber gehalten wurde. Im März ging es kurz bis auf 105,92 Euro nach unten, das wäre der Ankerpunkt auf der Unterseite, der halten muss, wenn die Chancen nach oben erhalten bleiben sollen. Aber bullisch wäre die Aktie erst, wenn mehr gelingt, als nur Supportlinien zu verteidigen. Die Aktie müsste über die mittelfristige Abwärtstrendlinie hinaus, die derzeit bei 123,50 Euro verläuft, idealerweise auch das letzte Zwischenhoch durch Schlusskurse über 125 Euro überbieten. Auch, wenn die Bilanz besser war, als sie auf den ersten Blick aussah: Solange das nicht gelungen ist, bleibt der Trend bärisch!

Siemens-Aktie: Wochen-Chart vom 12.05.2022, Kurs 113,90 Euro, Kürzel SIE | Online Broker LYNX

War die Siemens-Aktie zuletzt zu teuer geworden? Geht es nach den Analysten, dann nicht, deren Kursziele lagen bis Freitag alle über dem aktuellen Kurs. Dann senkte Barclays das Kursziel auf nur noch 125 Euro: Gefährdet das die Schlüsselzone, die unbedingt halten muss?

Mit dieser neuen Einschätzung steht Barclays bislang noch alleine: Die Analysten dort senkten das ohnehin im Vergleich zu anderen Experten niedrige Kursziel von 144 Euro auf 125 Euro und veränderten die Empfehlung von „mit dem Gesamtmarkt gewichten“ auf „Untergewichten“. Mit welcher Begründung?

Siemens sei, so der Barclays-Analyst, im Kerngeschäft weniger stark aufgestellt als Konkurrenzunternehmen, zudem sei der Konzern auch nach der Abspaltung von Unternehmensteilen (Siemens Energy, Siemens Healthineers) noch zu komplex strukturiert. Das sind Fakten, die allgemein bekannt sind, nur sind die anderen Analysten der Ansicht, dass dies das Wachstum nicht wird bremsen können, so dass der Rest der Experten mehrheitlich mit „Kaufen“ einstuft und das durchschnittliche Kursziel mit 170 Euro deutlich über dem aktuellen Kursniveau der Siemens-Aktie liegt. Aber ob die Investoren diesen Meinungen auch folgen, wird sich in den kommenden Tagen und Wochen erst noch zeigen müssen.

Expertenmeinung: Denn bislang rangiert der Aktienkurs noch ein gutes Stück unterhalb der durchschnittlichen Zielzone der Experten. Warum ist man hier so vorsichtig? Weil diese komplexe Konzernstruktur in früheren Jahren durchaus ein Problem war … und wir uns jetzt durch die Liefer-Engpässe in vielen Bereichen, die Schwierigkeiten bei der Logistik und die rasant gestiegenen Erzeugerpreise in einer Situation wiederfinden, in der eine schlanke, anpassungsfähige Struktur wichtig wäre, um diesem Druck effektiv zu begegnen.

Zwar hatte Siemens Anfang August sehr beeindruckende Ergebnisse zum 3. Geschäftsjahresquartal vorgelegt, aber die Probleme wurden ja erst im dritten Kalenderquartal, sprich im vierten Geschäftsjahresquartal des bei Siemens immer am 30.9. endenden Geschäftsjahres, wirklich spürbar. Und wie die Ergebnisse dieses Sommerquartals aussehen, wie Siemens die kommenden Monate beurteilt, all das weiß man noch nicht: Das Zahlenwerk wird, sofern keine Vorab-Daten vorgelegt würden, erst am 11. November kommen.

Möglich wäre es also durchaus, dass Barclays nur Vorreiter einer auch bei anderen Analysten weniger bullischen Beurteilung wäre, daher sollte man die Schlüsselzone im Auge behalten, deren jüngste Verteidigung die Basis einer starken Handelswoche wurde. Diese Zone sticht im Chart unmittelbar ins Auge:

Es geht um den doppelten Leitstrahl des Aufwärtstrends in Form der 200-Tage-Linie und der vor knapp einem Jahr etablierten, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie im Bereich 134/136 Euro. Die eindrucksvolle Bestätigung dieses Supportbereichs durch ein kleines Doppeltief ist der Grund, warum die Aktie in den vergangenen Tagen einen Sprung machte und sogar der Herabstufung durch Barclays trotzte, aber damit ist eben auch die Achillesferse der Bullen klar zu verorten. Sollten erneute Verkäufe diesen Bereich brechen, könnte einiges an Abgabedruck nachkommen, daher wäre ein Stoppkurs knapp unterhalb dieser Zone unbedingt zu überlegen!

Siemens-Aktie: Chart vom 15.10.2021, Kurs 141,26 Euro, Kürzel SIE | Online Broker LYNX