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Die Analysten konnten die Daumen heben, wie sie wollten, über Jahre hinweg ignorierten die Anleger Kaufempfehlungen sowie hohe Kursziele der Experten und ließen RWE links liegen. Jetzt scheint es plötzlich, als wollten alle die Aktie haben. Ist das nicht langsam zu viel des Guten?
RWE notiert jetzt auf dem höchsten Kursniveau seit 2016. Nach dem langen, weitreichenden Abstieg früherer Jahre, der die Aktie 2015 zeitweise unter zehn Euro drückte, und der jahrelangen Seitwärtsbewegung zu Beginn der Zwanzigerjahre ist das eine Entwicklung, mit der manche wohl nicht mehr gerechnet hatten. Wer hier schon länger dabei ist, kann also nur erfreut sein. Aber steht man mit dieser Freude auch auf festem Boden … oder ist diese derzeitige Hausse eine eher wacklige Angelegenheit?
Schaut man sich an, was die Analysten denken, könnte man zumindest eine Augenbraue heben. Denn 15 der 19 aktiven Einschätzungen haltenden Experten haben RWE zwar mit „Übergewichten“ oder „Kaufen“ eingestuft. Aber diese Einschätzungen sind ja nicht alle brandneu, was man daran erkennt, dass das durchschnittliche Kursziel momentan bei 55,87 Euro liegt … und somit aktuell bereits überboten ist.
Das wäre kein Problem, wenn der vergangene Woche mit der 2025er-Bilanz vorgelegte Ausblick auf das laufende Jahr einen deutlichen Anstieg beim Gewinn pro Aktie indiziert, der so nicht erwartet wurde und daher zur Erwartung berechtigt, dass viele Experten ihre Kursziele anheben. Ist das so?
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Expertenmeinung: Eher nicht. 2025 erzielte der Energieversorger einen Nettogewinn von 1,8 Milliarden Euro und einen Gewinn pro Aktie von 2,48 Euro. Für 2026 plant man mit einer Nettogewinn-Spanne zwischen 1,55 und 2,05 Milliarden. Die Mitte dieser Spanne liegt mit 1,8 Milliarden genau auf Höhe des Vorjahres-Ergebnisses. Und beim Gewinn pro Aktie läge die Mitte der Spanne bei 2,55 Euro, nur sieben Cent über dem 2025er-Gewinn. Was bedeuten würde: Bereits jetzt, im März, wird diese Gewinnerwartung mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 22 bezahlt. Zwar prognostiziert RWE dann für 2027 einen Gewinn pro Aktie von 3,05, da käme das KGV dann auf dem derzeitigen Kursniveau auf 18,7, aber:

Erstens muss dieses Ziel auch erst einmal erreicht werden. Zweitens wäre ein KGV von gut 22 für dieses und knapp 19 für nächstes Jahr höher, als das in der Branche üblich wäre. Da ist ein KGV von 15 in etwa die Standardgröße. Höheres Wachstumstempo würde zwar auch höhere KGVs ermöglichen. Aber nimmt man die 3,05 Euro, die RWE für 2027 sieht, als Basis, wäre das gegenüber 2025 im Schnitt ein Anstieg von knapp über zehn Prozent pro Jahr. Und das würde eine Bewertung, wie wir sie jetzt sehen, in die Region „eher teuer“ platzieren. Hinzu kommt: Wer jetzt einsteigen würde, müsste ja darauf setzen, dass diese Bewertung noch höher steigen kann, denn die Gewinnprognose bleibt als der eine Faktor der KGV-Berechnung ja erst einmal fix. Wenn der Kurs weiter anzieht, steigt das KGV also.
Und das ist fraglich genug, um das jetzt erreichte Kursniveau als eher dünnes Eis einzuordnen, was hieße: Solange der Trend weiter aufwärts weist, spräche zwar nichts dagegen, in diesem Zug sitzenzubleiben. Aber man sollte besser den doppelten Leitstrahl aus 30-Tage-Linie und September-Aufwärtstrendlinie im Auge behalten. Sollte dieser aktuell zwischen 50,80 und 52,10 Euro verlaufende Unterstützungsbereich brechen, könnte das durchaus zum Ausgangspunkt einer Korrektur werden, die, mit Blick auf das stattliche KGV, dann auch ihre Berechtigung hätte.

Quellenangaben: Ergebnis des Geschäftsjahres 2025, 12.03.2026:
https://www.rwe.com/presse/rwe-ag/2026-03-rwe-erzielt-starkes-geschaeftsergebnis-2025
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/RWE.DE/analyst-insights/
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