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Eine Aktie mit KGV 8, Dividendenrendite über 4 % und einem erwarteten Gewinnsprung um 26 %? Wo liegt der Haken?
Die günstigste Qualitätsaktie am US-Aktienmarkt?
Die großen Aktienindizes notieren nahe ihren Rekordständen und viele Unternehmen sind hoch bewertet. Entsprechend schwierig ist es geworden, Aktien mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis zu finden.
Die meisten Aktien haben mehr Rückschlagpotenzial als Luft zur Oberseite.
Omnicom fällt in diesem Spannungsfeld jedoch sofort auf. Die Aktie wird mit einer P/E von unter 8 bewertet und bietet gleichzeitig eine Dividendenrendite von mehr als 4 %.
Eine derart niedrige Bewertung würde normalerweise auf ein Unternehmen in einer strukturellen Krise hindeuten. Aber ist das der Fall?
Omnicom gehört zu den Schwergewichten der globalen Werbeindustrie und ist inzwischen die größte Agentur-Holding der Welt. Das Unternehmen ist jedoch weit mehr als eine klassische Werbeagentur. Es begleitet Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Markenstrategie über kreative Kampagnen bis hin zu Mediaplanung, Mediaeinkauf, Datenanalyse sowie Kommunikations- und Reputationsmanagement.
Dadurch entstehen langfristige Kundenbeziehungen, denn große Marken wechseln ihre Agenturpartner nur selten.
Das eigentliche Geschäftsmodell hinter Omnicom
Dennoch blieb auch Omnicom vom tiefgreifenden Wandel der Branche nicht verschont. Die Werbeindustrie hat sich innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert. Während früher Fernsehen, Print und Radio den Markt dominierten, fließen heute mehr als 70 % der weltweiten Werbeausgaben in digitale Kanäle.
Plattformen wie Google, Meta, Amazon oder TikTok kontrollieren nicht nur einen Großteil der Aufmerksamkeit der Nutzer, sondern auch die technologische Infrastruktur für digitale Werbung.
Für die Bärenseite ist das in den letzten Jahren das zentrale Argument gegen Omnicom geworden. Tatsächlich hört es sich auch logisch an und wirkt äußerst abschreckend.
An dieser Stelle dürfte ein Großteil aller Anleger abwinken und Omnicom als Verlierer abschreiben.
Dabei wird jedoch übersehen, dass das Unternehmen von einem Rekord zum anderen jagt. Die Theorie, dass die großen Internetplattformen Omnicom das Geschäft verhageln, erscheint demnach nicht bestätigt.
Das verändert alles
Omnicom hat in den letzten fünf Jahren ein Rekordergebnis nach dem anderen eingefahren und den Gewinn von 5,05 auf 8,67 USD je Aktie gesteigert.
Der Wandel hat den Wettbewerb verschärft, doch Omnicom hat in dieser Zeit nicht geschlafen. Je komplexer die Werbewelt wird, desto wichtiger werden Unternehmen, die Daten auswerten, Zielgruppen präzise identifizieren und Werbekampagnen kanalübergreifend steuern können. Genau darauf hat Omnicom in den vergangenen Jahren seine Strategie ausgerichtet.
Statt ausschließlich auf Kreativität setzt der Konzern inzwischen konsequent auf Daten, Technologie und künstliche Intelligenz. Mehrere Übernahmen haben diese Entwicklung beschleunigt. So stärkte beispielsweise der Kauf von Flywheel Digital die Kompetenzen im Bereich E-Commerce und Transaktionsdaten. Dadurch kann Omnicom Werbekampagnen zunehmend direkt mit realen Kaufentscheidungen verknüpfen und deren Erfolg messbar machen.
Den größten strategischen Schritt stellt jedoch die Übernahme der Interpublic Group (IPG) für 13,8 Milliarden US-Dollar dar. Durch den Zusammenschluss im Jahr 2025 ist der weltweit größte Werbekonzern entstanden. Die eigentliche Bedeutung der Transaktion liegt allerdings weniger in klassischen Größenvorteilen als in den verfügbaren Daten.
Der Plan scheint aufzugehen
Mit Acxiom bringt IPG eine der weltweit wertvollsten Plattformen für Identitäts- und Verbraucherdaten in den Konzern ein. Zusammen mit Omnicoms eigener Datenplattform Annalect entsteht ein umfangreiches Netzwerk aus Verbraucherprofilen, das Nutzer über unterschiedliche Geräte und Plattformen hinweg identifizieren kann.
Die Integration schreitet zügig voran. Anfang 2026 wurden die wichtigsten Dateneinheiten beider Unternehmen zusammengeführt. Acxiom und Annalect arbeiten nun gemeinsam im Bereich “Data, Identity & Analytics”, während Kinesso als zentrale Plattform für digitale Aussteuerung und Kampagnenumsetzung fungiert. Dadurch entstehen nicht nur Synergien auf der Kostenseite, sondern auch deutlich leistungsfähigere Produkte für Werbekunden.
Hinzu kommen die klassischen Vorteile eines größeren Konzerns. Durch das höhere Einkaufsvolumen lassen sich bessere Konditionen bei Medienpartnern verhandeln, während doppelte Strukturen abgebaut werden können. Das Management erwartet deshalb erhebliche Kostensynergien und eine steigende Profitabilität in den kommenden Jahren.
Übernahme mit Sprengkraft
Diesen Versprechungen sollte man immer skeptisch gegenüberstehen, bis sie sich wirklich materialisieren – und genau das scheint bei Omnicom der Fall zu sein.
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres lag der Gewinn mit 1,90 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 1,82 USD. Mit einem Umsatz von 6,24 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 5,85 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Die Umsatzzahlen sind auf Jahressicht nicht sinnvoll vergleichbar, da sie durch die Übernahme von Interpublic um etwa 70 % gestiegen sind. Das organische Wachstum von Omnicom lag bei 3,9 %.
Da der Deal aber weitgehend über einen Aktientausch finanziert wurde, sieht das beim Ergebnis anders aus.
Das Ergebnis konnte um 11,8 % gesteigert werden.
Darüber hinaus hat die Art und Weise, wie der Zusammenschluss gestaltet wurde, die Kapitaldecke nicht belastet, wodurch Omnicom erhebliche Mittel für Aktienrückkäufe bleiben.
Der Vorstand hat daher Buybacks mit einem Volumen von 5 Mrd. USD beschlossen, die vollständig im laufenden Geschäftsjahr umgesetzt werden sollen.
Derzeit würde das ausreichen, um mehr als 20 % aller ausstehenden Aktien einzuziehen.
Sollten das Unternehmen gleichzeitig organisch wachsen und weiterhin Synergieeffekte heben, könnte das zu einem erheblichen Gewinnsprung führen – und genau das wird auch erwartet.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 26 % auf 10,86 USD je Aktie steigen.
Omnicom kommt demnach auf eine forward P/E von 7,2.
Die Dividende liegt derzeit bei 0,80 USD je Aktie, wird quartalsweise ausgeschüttet und erscheint gut finanziert. Derzeit entspricht das einer Dividendenrendite von 4,10 %.

Aus technischer Sicht ist die Aktie übergeordnet leicht bullisch. Es fehlt jedoch ein nachhaltiger Ausbruch über 85 USD. Sollte der gelingen, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 95 – 97 USD und dem Allzeithoch.
Für antizyklische Investoren könnte hingegen der Bereich zwischen 70 und 74 USD interessant sein.
Aus Sicht der Bullen sollte die Aktie jedoch nicht unter 66 USD fallen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.07.2026 um 11:11 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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