Die Mercedes-Benz Group legte am Dienstagvormittag vorläufige Ergebnisse zum 3. Quartal vor, die die Konsens-Erwartungen übertrafen. Doch die Freude hielt sich in Grenzen, weil der Konzern zugleich den Gesamtjahresausblick senkte. Wie geht das zusammen?
Eine Prognosesenkung, vor allem eine, die wie in diesem Fall durchaus erheblich ausfiel, würde vermuten lassen, dass die Aktie jetzt in ein tiefes Loch stürzen müsste. Aber das ist noch nicht entschieden. Sie sehen, dass die Mercedes-Benz-Aktie zwar als Reaktion auf diese Meldung um 3,86 Prozent nachgab, am Tagestief aber nicht unter das bisherige Jahrestief rutschte, das am 8. Oktober bei 38,89 Euro markiert wurde. Und dass Anleger momentan bei neuen „Bad News“ aus der Automobilbranche aus allen Wolken fallen, hätte auch überrascht.
Der Automobilkonzern senkte, übrigens nur einen Tag vor den heute anstehenden vollständigen Bilanzdaten zum 3. Quartal, die Prognose der um Sonderfaktoren bereinigten Gewinnmarge auf EBIT-Basis für die Sparte Mercedes Cars von bislang drei bis fünf auf zwei bis drei Prozent. Zugleich wurde avisiert, dass das bereinigte EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) jetzt auf Vorjahresniveau erwartet wird, bislang hieß es da „deutlich über dem Niveau des Vorjahres“. Zum Umsatz gab es keine Angaben, aber dazu könnte heute womöglich mehr kommen.
Bemerkenswert ist, dass die gestern vorab gemeldeten Ergebnisse des 3. Quartals besser ausfielen, als seitens der Analysten im Schnitt erwartet. Da erreichte der Konzern ein EBIT von 1,77 Milliarden Euro, die Prognose hatte bei rund 1,6 Milliarden Euro gelegen. Und in allen drei Hauptbereichen Cars, Vans und Financial Services wurden die Prognosen für die EBIT-Marge übertroffen. Warum also diese Prognose-Senkung?
Expertenmeinung: Das ist hier die Gretchenfrage, denn da fiel die Erklärung in der gestrigen Meldung eher unpräzise aus. Es hieß, man erwarte neben dem zunehmend herausfordernden Umfeld in China „höhere Kosten im vierten Quartal, inklusive höherer Materialkosten.“ Was darf man daraus ableiten?
Das ist eben die Frage. Könnte es sein, dass der Konzern diese höheren Belastungen explizit für das vierte Quartal sieht … oder erwartet man das auch über das laufende Quartal hinaus, womöglich weit darüber hinaus? Man weiß es nicht, aber das dürfte im Zuge der heute nach der Vorlage der offiziellen Quartalsbilanz anstehenden Telefonkonferenz von den Analysten erfragt und seitens des Vorstands beantwortet werden. Und diese Antworten könnten es sein, die darüber entscheiden, ob die Aktie, die gestern ihr bisheriges Jahrestief hielt, doch noch in ein Loch fällt oder aber nach oben dreht. Dazu ein Blick auf den Chart:

Die Mercedes-Benz-Aktie hatte sich im Vorfeld knapp unterhalb der Widerstandszone 42,62 zu 43,66 Euro festgefahren. Sollte es im Rahmen der heutigen Telefonkonferenz zu ermutigenden Aussagen kommen, könnte diese Zone erneut angegangen und im Idealfall überboten werden. Dadurch würde die Aktie zwar nicht automatisch bullisch, dazu müsste es gelingen, über die bei gut 49 Euro verlaufende 200-Tage-Linie zu steigen – und davor warten eine ganze Reihe an potenziellen Widerständen. Aber es könnte zur Basis einer soliden Bodenbildung werden.
Sollte man indes den Eindruck gewinnen, dass diese Aspekte einer schlechten Lage im chinesischen Markt und der höheren Kosten auch weit ins Jahr 2027 hineinwirken, kann das bislang gehaltene Jahres-Verlaufstief in der Tat fallen und der Abwärtstrend dadurch neue Dynamik erhalten. Eine spannende Ausgangslage, die schon heute in eine charttechnische Wegweisung münden könnte.
Quellenangaben:
Anpassung der 2026er-Prognose, 27.10.2026: https://group.mercedes-benz.com/investoren/berichte-news/ad-hoc/ad-hoc-meldung-453568.html
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.10.2026 um 21:58 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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