Beiersdorf: Zurück im DAX … das könnte den Bullen Beine machen

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Beiersdorf
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Zur Beiersdorf Aktie

Es gibt zweifelsfrei spannendere Aktien als Beiersdorf, aber: Ab morgen ist die zuvor in den MDAX abgestiegene Aktie wieder im DAX und damit auf dem Schirm der internationalen Investoren. Und bestimmte Vorteile hat Beiersdorf eben doch, die die Bullen locken könnten.

„Langweilig ist sexy“ ist ganz sicher eine Aussage, die derzeit vor allem diejenigen Anleger nicht unterschreiben würden, die sich in hochvolatilen und riskanteren Aktien tummeln, weil sie davon ausgehen, dass ein Aktienmarkt, der schon so lange immense Risiken abschüttelt, nie und nimmer kippen wird. Aber genau dieser Spruch wird plötzlich interessant und wahr, wenn der Markt eben doch kippt. Und dass eine solche Reaktion immer mit Verspätung kommt, dann, wenn kaum noch jemand eine Abwärtswende befürchtet, ist in der Geschichte der Börsen bislang ohne Ausnahme. Das wäre der Moment, in dem die Aktie eines Unternehmens wie Beiersdorf auf einmal massiv an Attraktivität gewinnen könnte.

Beiersdorf hat mit seinen Markenprodukten wie Nivea, Hansaplast oder Labello einen festen Stand in der Konsumwelt, andererseits bewegt sich das Unternehmen nicht gerade in einem Wachstumsmarkt. Die jährlichen Umsatzveränderungen liegen im prozentual einstelligen Bereich, die Margen bewegen sich wenig, die Gewinne somit ebenso. Und die Dividendenrendite für 2020 lag zwar mit 0,74 Prozent besser als die Rendite eine Bundesanleihe, aber unter dem Dividendenrendite-Durchschnitt des DAX.

Schlecht? In Phasen starken Wirtschaftswachstums schon, denn das zieht dann an Beiersdorf großenteils vorbei. Aber in Phasen, in denen das Wachstum in die Knie geht, behält Beiersdorf im Gegenzug eben den Kopf über Wasser, weil der Umsatz und damit auch der Gewinn weniger zurückgehen als z.B. bei einem Automobilhersteller oder einem Maschinenbauer.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Beiersdorf Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Aber man sollte selbst dann, wenn man einer Reaktion des Aktienmarkts auf die sich zuziehende Schlinge der Negativ-Faktoren wie Inflation und Flaschenhals zuvorkommen wollte, auf ein bullisches Signal im Chart der Beiersdorf-Aktie warten. Erstens, weil auch potenzielle, „sichere Häfen“ oft in Selloff-Phasen des Gesamtmarkts zunächst mit zurückkommen. Zweitens, weil sich die Aktie gerade in der „Jammer-Phase“ befindet.

Letzteres ist ein Phänomen, das man in den letzten drei Jahren regelmäßig beobachten konnte. Früh zu Beginn eines neuen Jahres liefert Beiersdorf die Perspektive für das Geschäftsjahr, die Anleger sind enttäuscht, die Aktie rutscht massiv ab. Dann jedoch sehen andere Investoren in dem niedrigen Kurslevel eine Einstiegschance, die Aktie zieht wieder an … bis im Sommer/Herbst die Luft raus ist, meist, weil die unternehmenseigene Perspektive eben doch eintritt und nicht nennenswert übertroffen wird. So gesehen könnte Beiersdorf ab jetzt monatelang abbröckeln, es sei denn …

… es kommt zu dieser Situation, in der „langweilig“ auf einmal als „sicherer Hafen angesehen würde. Aber darauf blind zu setzen wäre riskant, zumindest ein bullisches Signal im Chart sollte man schon im Rücken haben. Und das wäre aus aktueller Sicht dann gegeben, wenn die Aktie mit Schlusskursen über 99 Euro die Nackenlinie des Ende September vollendeten Topps zurückerobern und damit zugleich über die mittelfristige Abwärtstrendlinie und die 200-Tage-Linie steigen würde, zwei Hürden, an denen der Kurs bislang noch gescheitert ist.

Chart vom 27.10.2021, Kurs 96,42 Euro, Kürzel BEI | Online Broker LYNX

 

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Beiersdorf gilt zu Recht als grundsolide. Unter dem Dach des Konsumgüterkonzerns vereinen sich unter anderem Nivea, Eucerin, Labello, Hansaplast, 8×4, Hidrofugal und Tesa.

Die Branche ist nicht zyklisch und auch nicht von großen Umbrüchen geprägt. Darüber hinaus hat Beiersdorf dank der starken Marken eine gewisse Preissetzungsmacht.

Nehmen wir als Beispiel Nivea. Die wenigsten würden aufhören, Nivea zu kaufen, wenn der Preis etwas steigt. Die meisten würde es wohl nicht mal wahrnehmen.
Denn die Preise steigen natürlich mit der Zeit.

Daher sollte man eigentlich davon ausgehen, dass die Beiersdorf -Aktie nicht gerade volatil ist.
Schaut man sich allerdings den Chart an, stellt man allerdings fest, dass Kurskapriolen andauernd vorkommen.

Chart vom 30.09.2021 Kurs: 94 Kürzel: BEI - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 30.09.2021 Kurs: 94 Kürzel: BEI – Tageskerzen

Nach einem Sell-Off im Februar legte die Aktie von 82 auf 108 Euro zu. Ein Plus von mehr als 30%.
Aktuell kommt es wieder zu einem Abverkauf.

Wo kann man zuschlagen?

Aus technischer Sicht bieten sich die Unterstützung bei 90 sowie der Bereich zwischen 83 und 85 Euro an.

Chart vom 30.09.2021 Kurs: 94 Kürzel: BEI - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 30.09.2021 Kurs: 94 Kürzel: BEI – Wochenkerzen

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass die Aktie in diesem Bereich wieder drehen wird. Ein möglicher Ausstieg könnte dann zwischen 100 und 105 Euro erfolgen.
So sähe ein mögliches Trading-Setup aus.

Investment-Case

Aber reicht es auch für ein Investment? Wie bereits angesprochen, handelt es sich bei Beiersdorf um ein solides Unternehmen. Die Chance, mit dieser Aktie Schiffbruch zu erleiden, ist gering.

Tesa, Nivea & Co. werden nicht plötzlich aus den Regalen verschwinden und dementsprechend werden die Hamburger auch weiter Geld verdienen.

In den letzten zehn Jahren konnte Beiersdorf den Umsatz von 5,63 auf 7,03 Mrd. Euro steigern. Das Ergebnis kletterte von 1,10 auf 2,47 Euro je Aktie.
Das Wachstum ist also nicht gerade hoch, aber immerhin zeigt die Tendenz in die richtige Richtung. Es spricht wenig dagegen, dass man sich in Zukunft ähnlich weiterentwickeln wird.

Im Verhältnis dazu ist ein KGV um die 30 allerdings auch sehr üppig. Beiersdorf kommt zwar seit jeher auf eine ähnliche Bewertung, das muss aber nicht so bleiben.

Das eigentliche Problem ist aber, dass der zuvor gewählte Bezugspunkt (also zehn Jahre) Beiersdorf in einem sehr guten Licht dastehen lässt.

Der Baer-Case

Wenn man die Sache etwas negativer darstellen möchte, könnte man darauf verweisen, dass der Umsatz seit dreieinhalb Jahren so gut wie stagniert.
Beim Gewinn ist sogar seit 2013 nicht mehr viel passiert.

In diesem Zeitraum schwankte das Ergebnis zwischen 2,35 und 3,21 Euro je Aktie. Ein klarer Aufwärtstrend ist nicht zu erkennen.
Aus dieser Warte ist ein KGV von über 30 kaum zu rechtfertigen.

Dass sich bei Beiersdorf über die Jahre hinweg wenig getan hat, zeigt auch die Dividende, die seit 2012 unverändert bei 0,70 Euro je Aktie liegt.

Selbst wenn man den Prognosen Glauben schenkt und erwartet, dass der Gewinn in diesem Jahr auf 3,00 und im kommenden auf 3,30 Euro je Aktie steigt, ist nicht mehr viel Kurspotenzial vorhanden.
Ein KGV von 30 entspräche schließlich auch nur einem Kursziel von 99 Euro bis Ende 2022.

Am Mittwochmorgen präsentierte der Beiersdorf-Konzern seine Bilanz des Jahres 2020 nebst Ausblick auf das laufende Jahr. 2019 wurde dieses Ereignis mit kräftigen Verkäufen quittiert. 2020 ebenso … und als wolle man dem Gesetz der Serie folgen, ließen die Akteure die Aktie auch diesmal fallen wie eine heiße Kartoffel.

Dabei waren die Ergebnisse zwar nicht gerade ein Kaufargument. Aber sie hätten auch nicht überraschen dürfen. Immerhin agiert Beiersdorf im Konsumbereich und da speziell im Beauty-Sektor, die zweite Säule ist der „Klebe-Bereich“, der vor allem von tesa repräsentiert wird. Dass eine solche Produktpalette in einem Jahr wie 2020 keine steigenden Gewinne mit sich bringen könnte, hätte man wissen können, zumal Beiersdorf selbst das in den vorherigen Quartalsbilanzen auch so avisiert hatte.

Konkret ging es mit dem Umsatz 2020 um 5,7 Prozent abwärts, der Gewinn, gerechnet als EBIT, gab um 17,2 Prozent nach. Dass dieser überproportional fiel, lag an der unter Druck geratenen Marge, die von 14,3 Prozent im Jahr 2019 auf 12,9 Prozent fiel. In einem wirtschaftlichen Umfeld wie diesem hätte das keine negative Überraschung sein dürfen. Auch nicht, dass Beiersdorf für das angelaufene, neue Geschäftsjahr kleine Brötchen backt. Ohne konkrete Größenordnungen zu nennen, avisierte Beiersdorf Umsatzwachstum und eine Gewinnmarge, die im Bereich Consumer auf dem Level von 2020 liegen soll, während die Marge im Bereich tesa durch Investitionskosten etwas gedrückt würde. Was lasen die Akteure daraus, die am Mittwoch ausstiegen?

Expertenmeinung: Da Beiersdorf nicht konkretisiert hat, wie genau dieses Umsatzwachstum aussehen könnte, klang das, als müsste man sich im laufenden Jahr mit einem Unternehmensgewinn bescheiden, der nicht über den des Jahres 2020 hinauskommt. Das kann auch so kommen, aber das sagt diese Prognose nicht explizit aus. Beiersdorf betonte, dass es weiterhin schwierig sei, eine verlässliche Prognose abzugeben. Dies klar hervorzuheben ist vernünftig. Und es deutet an, dass man hier lieber zu defensiv schätzt als sich später nach unten korrigieren zu müssen. Solange sich die gesamtwirtschaftliche Situation weltweit nicht unerwartet deutlich verschärft, ist das, was Beiersdorf da avisiert, daher eher das untere Ende der möglichen Entwicklung. Und damit so schlecht nicht, zumal:

In beide „Säulen“ des Unternehmens, Consumer und tesa, will Beiersdorf in den kommenden Jahren viel investieren. Was zwar für den Moment auf die Margen drückt, sich mittelfristig aber bezahlt machen sollte. Für 2022 sehen die Analysten bereits wieder anziehende Gewinne, die etwa sieben bis acht Prozent über den „Prä Corona“-Gewinnen von 2019 liegen würden. Daraus würde sich auf dem aktuellen Kurslevel ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 25 ergeben. Das ist nicht gerade niedrig für das geringe Wachstum, ist aber zugleich für Beiersdorf normal, ein KGV von 25 läge sogar am unteren Ende der Bewertung der letzten Jahre.

Das wird der Aktie zwar kurzfristig nicht helfen, denn mit dem Bruch der breiten Unterstützungszone bei 88/90 Euro ist erst einmal ein kurzfristig klar bärisches Signal entstanden. Aber es wäre durchaus denkbar, dass sich die Aktie im Bereich der Tiefs der Jahre 2019/2020 zwischen 77,62 und 80,60 Euro fängt. In beiden Jahren hatte sich der Kurs nach einer ersten negativen Reaktion auf die Perspektive des begonnenen Jahres relativ bald wieder auf den Weg nach oben gemacht.

Wer risikofreudig ist, könnte sich daher überlegen, die Aktie in dieser Supportzone „abzufischen“ und den Einstieg mit einem Stoppkurs knapp unterhalb dieser Zone 77,62/80,60 Euro abzusichern. Wer vorsichtiger agieren will, würde warten, bis die Aktie den Turnaround klar vollzogen hat, indem die jetzt durchbrochene und damit als Widerstand fungierende Zone 88/90 Euro wieder überboten wurde.

 

Beiersdorf Aktie: Chart vom 17.02.2021, Kurs 86,00 Euro, Kürzel BEI | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Die Aktie des deutschen Konsumgüterkonzerns Beiersdorf kämpft sich langsam und stetig wieder ihren Weg in Richtung der Stände von Februar dieses Jahres zurück. Bevor die Krise ausbrach, notierte die Aktie noch bei rund 108 EUR, um kurz danach rund 28 Prozent an Wert zu verlieren. Seither konnten sich die Bullen wieder recht gut in Szene setzen. Vor allem die äußerst konstruktive Bodenbildungsphase, welche sich von April bis Mai erstreckte, war hierbei wichtig. Der Breakout aus dieser Formation brachte die Aktie Anfang Juni erstmals wieder zurück in eine positive Trendphase. Die wichtigen gleitenden Durchschnitte der Perioden 20 und 50 zeigen seither ebenfalls nach oben und unterstreichen den bullischen Tenor. Expertenmeinung: Die Chance auf weitere Kursanstiege steht im Moment recht gut. Bei rund 100 EUR findet sich ein klarer Widerstand, welchen es nun zu brechen gilt. Danach stünde das nächste Kursziel für die Aktie eigentlich schon fest. Es wäre das bisherige Hoch des Jahres und somit die Marke bei rund 108 EUR. Nach unten hin ist darauf zu achten, dass die Aktie möglichst das Pivot-Tief dieser Woche bei 95.52 EUR nicht mehr nach unten durchbricht. Hier befindet sich auch die 50-Tage-Linie, welche zuletzt einen guten Rückhalt bot. Wir bleiben vorläufig bullisch auf die Aktie. Aussicht: BULLISCH Chart vom 18.06.2020 Kurs: 99.76 Kürzel: BEI | Online Broker LYNX

Beiersdorf stellt eine Vielzahl von Konsumartikeln her und ist mit mehr als 150 Tochtergesellschaften weltweit vertreten.

Ein sicherer Hafen

Zu den bekanntesten Marken des Konzerns zählen hier Tesa und Nivea, Labello, 8×4, La Prairie, Eucerin und die Pflastermarken Hansaplast und Elastoplast. Das Unternehmen hat sich in einigen Bereichen eine starke Position erkämpft. Die Markenmacht ist also enorm und das Geschäft ist nicht sonderlich konjunkturanfällig. Daher gilt Beiersdorf auch als sicherer Hafen. Ich bin der Meinung, dass das ein Trugschluss ist. Unternehmen und Aktie haben einige gute Jahre hinter sich, doch das dürfte vorerst vorbei sein.

Stellen Sie sich diese Frage

Was ist ein Unternehmen wie Beiersdorf Wert? Würden Sie dem Konzern ein KGV von 15 zugestehen, vielleicht sogar 20 oder mehr? Vielleicht ändert sich Ihre Meinung noch. Betrachten wir das blanke Zahlenwerk. In den letzten zehn Jahren kletterte der Umsatz von 6,19 auf 7,65 Mrd. Euro. Das entspricht kaum mehr als 2% p.a., inflationsbereinigt wächst das Unternehmen also nicht. Dennoch konnte man die Margen nach der Finanzkrise wieder deutlich steigern, was zu einer guten Entwicklung beim Gewinn geführt hat. Es dürfte aber jedem klar sein, dass man selbst bei Tesa und Nivea die Margen nicht ewig erhöhen kann. Verbraucher und Handel ziehen an einem gewissen Punkt nicht mehr mit. Daher ist die operative Marge von Beiersdorf auch seit drei Jahren wieder rückläufig. Das Plateau ist aus meiner Sicht erreicht.

Was wäre möglich?

Wenn der Umsatz aber kaum steigt und man auch bei den Margen keinen Spielraum mehr hat, wie soll der Gewinn spürbar anziehen? Stellen wir uns jetzt noch einmal die Frage: Was ist ein Unternehmen mit diesen Charakteristiken Wert? Aktuell kommt Beiersdorf auf ein KGV von 30 und einen P/FCF von 35. Ich halte das für höchst irrational. Beiersdorf kam in den letzten Jahren zwar meistens auf eine derartige Bewertung, doch bisher hat sich der Gewinn auch positiv entwickelt. Das dürfte vorerst ein Ende haben. Dementsprechend ist die realistische Renditeerwartung aus meiner Sicht 0.

Doch nicht so sicher

Diese Einschätzung verfestigt sich, wenn man die jüngsten Quartalszahlen betrachtet. So sicher und von der Konjunktur abgekoppelt ist das Geschäft nämlich gar nicht. Im ersten Quartal war der Umsatz weltweit um 3,6% rückläufig. In Europa lag das Minus bei 5,7%. Die Rettung war bisher Amerika, denn dort wurden die Corona-Maßnahmen eben auch erst später beschlossen. Im zweiten Quartal dürfte das Geschäft dann auch dort spürbar nachlassen. Es spielt auch keine Rolle, ob man Consumer oder Tesa betrachtet. In allen Segmenten und nahezu allen Regionen war der Umsatz rückläufig.

Prognose gekappt

Dementsprechend musste man auch die Prognose zurücknehmen. Bisher war man von einem Umsatzwachstum von 3-5% ausgegangen. Das ist nicht viel, für Beiersdorf wäre es aber ein verhältnismäßig sehr starkes Jahr gewesen. Bei der EBIT-Umsatzrendite, also der Marge, rechnete man ohnehin mit einem Rückgang von 14,5% auf 14,0-14,5%. Selbst das dürfte nicht mehr erreichbar sein. Das bedeutet, dass der Gewinn in diesem Jahr sinken wird. Selbst wenn man der Aktie also ein KGV von 30 zugesteht, müsste die Aktie weiter nachgeben. Außerdem scheint die Botschaft auch noch nicht beim Markt angekommen zu sein. Bisher liegt der Konsens noch immer bei einem unveränderten Konzerngewinn in 2020. Die Analyse soll aber auch kein Verriss sein. Beiersdorf ist grundsolide und hat eine saubere Bilanz. Man wird mit der Aktie wahrscheinlich auch keine Bruchlandung erleiden, doch eine halbwegs ordentliche Rendite sollte man auch nicht erwarten. Beiersdorf generiert einfach nicht genug überschüssiges Kapital, als dass das möglich wäre. Deshalb zahlt man auch seit mehr als zehn Jahren eine unveränderte Dividende von 0,70 Euro je Aktie. Das entspricht einer Dividendenrendite von 0,73%. Mehr kann man sich einfach nicht leisten.

Technische Betrachtung

Das Chartbild ist bereits seit geraumer Zeit angeschlagen. Das Hoch vom September 2019 konnte anschließend über Monate hinweg nicht mehr erreicht werden. Jetzt wurde der Aufwärtstrend durchbrochen, von unten getestet und den Bullen ist keine Rückkehr in den Trend gelungen. Dementsprechend sind erneute Kursverluste wahrscheinlich. Mögliche Anlaufstellen liegen bei 85 sowie 81 und 75 Euro. Chart vom 05.05.2020 Kurs: 90,00 Kürzel: BEI - Wochenkerzen | LYNX Online Broker

In einem derart nervösen und emotionalen Umfeld könnte gerade der Umstand, dass der Markenartikel-Konzern Beiersdorf so langweilig daherkommt, ein Vorteil für die Aktie sein. Denn eigentlich wären gerade jetzt, in einer Phase, in der alle Branchen Sorge haben, dass Umsatz und Gewinn unter Druck kommt, stabile Erträge ein Segen und könnten dafür sorgen, dass die Marktteilnehmer Kapital in eine solche Aktie umschichten, um vor den Folgen des immer heftiger wankenden Konjunktur geschützt zu sein. Aber auch, wenn Beiersdorf wirklich recht bieder daherkommt: Es ist fraglich, ob die Akteure hier kurzfristig zugreifen oder nicht sogar im Gegenteil die Leerverkäufer dafür sorgen, dass der Kurs in einen erneuten Abwärtsimpuls übergeht. Denn die Bilanz, die das Unternehmen am Dienstag vorlegte, erfüllte zwar alle Voraussetzungen dafür, dass einem ereignisarmen Jahr 2019 ein ereignisarmes Jahr 2020 folgen wird. Aber dieses Zahlenwerk hatte einen Haken. Und der fand sich in der Perspektive für das laufende Jahr. Mit einem leicht steigenden Umsatz und einem in etwa konstanten Gewinn, den Beiersdorf 2019 erreichte, soll es grundsätzlich auch im laufenden Jahr weitergehen. Aber die Unternehmensführung betonte, dass mögliche Auswirkungen der Virus-Epidemie noch nicht quantifizierbar seien und daher in der Prognose noch nicht berücksichtigt sind. Jetzt ist das völlig logisch und sollte nicht überraschen. Aber damit wurde eben unterstrichen, dass es zumindest gut denkbar wäre, dass die 2020er-Vorausschau eines Umsatzwachstums zwischen drei und fünf Prozent und einer Gewinnmarge auf Vorjahresniveau noch nach unten korrigiert werden. Das führte dazu, dass die Aktie nicht das bullische Zeichen setzen konnte, das nötig gewesen wäre, um die derzeit bärische Chartkonstellation umzukehren. Expertenmeinung: Mitte vergangener Woche war die Aktie aus ihrer seit September 2019 geltenden Handelsspanne zwischen 100,80 und 108,05 Euro nach unten ausgebrochen. Was auch unterstreicht: Als der Gesamtmarkt in den vergangenen Monaten rasant zulegte, war Beiersdorf nicht mit von der Partie. Als er vergangene Woche einbrach, schon. Das alleine war ein Indiz, dass sich die Anleger mit Beiersdorf als potenziellem „sicheren Hafen“ schwertun würden, denn andere Titel, z.B. aus dem Versorger- und Immobiliensektor, hielten sich zuletzt besser. Am Montag und Dienstag konnte der Kurs dann zwar wieder etwas Boden gutmachen. Aber erst, wenn die vorherige Seitwärtsrange mit Schlusskursen über der jetzt zum Widerstand gewordenen, unteren Begrenzungszone 100,80/101,50 Euro zurückerobert wäre, wäre die trotz der leichten Erholung zu Wochenbeginn weiter geltende bärische Indikation eliminiert. Und dass es am Dienstag als Reaktion auf diese Bilanz nur zu einem Plus von knapp einem Prozent reichte, die Aktie damit sogar einen Tick weniger zulegte als der DAX und ebenso wie der Index deutlich unter ihrem Hoch schloss, ist keine unmittelbare Empfehlung für potenzielle Käufer. Vielmehr könnten jetzt aufgrund dieser über den Perspektiven schwebenden Virus-Problematik die Begehrlichkeiten der Bären geweckt werden. Denn als Beiersdorf vor einem Jahr mit einer unter den Erwartungen der Anleger liegenden 2019er-Perspektive aufwartete, brach die Aktie von 91 auf 82 Euro ein. Es wäre nicht ausgeschlossen, dass man einfach unterstellt, dass Beiersdorf seine Prognose bald wird korrigieren müssen und diese damaligen Tiefs als Kursziel anpeilt. Daher wäre der Gedanke, die Aktie unterhalb eines Closings über 101,50 Euro auf der Long-Seite anzugehen, aus aktueller Sicht ziemlich gewagt. Beiersdorf Aktie Chart vom 03.03.2020, Kurs 97,82 Euro, Kürzel BEI | Online Broker LYNX