TecDAX aktuell TecDAX: Der nächste Anlauf der Bullen läuft – einfach wird das nicht

Aktuelle Analyse des TecDAX Index

In diesem Artikel

TecDAX
ISIN: DE0007203275
Ticker: TDX
Währung: Punkte

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Zum TecDAX

Während DAX und MDAX sich bereits wieder in den Bereich der höchsten Levels seit dem Corona Crash zurückgekämpft haben, hätte der TecDAX noch ein gutes Stück zu gehen, bis das Juni-Hoch bei 3.267 Punkten erreicht wäre. Dann allerdings wäre es, im Gegensatz zu DAX und MDAX nur noch ein Katzensprung bis zum vieljährigen Hoch von 3.303 Punkten, das der Index im Februar markiert hatte. Nimmt man die unselige Zeit des „Neuen Markts“ aus, wäre das im Februar sogar ein Rekordhoch gewesen. Und eigentlich wäre der Index sogar schon darüber hinaus gelaufen, wäre er nicht Mitte Juni durch den Crash der Wirecard-Aktie förmlich „abgeschossen“ worden.

Die Pulverisierung dieser Aktie kostete den TecDAX in etwa zehn Prozent, denn im Gegensatz zum DAX war Wirecard im TecDAX sehr hoch gewichtet. Übersetzt heißt das: Andere Aktien im TecDAX mussten „übernehmen“, stärker laufen, als sie womöglich ohne den Wirecard-Crash gelaufen wären, um den Index vor charttechnisch bärischen Signalen zu bewahren. Das ist tadellos gelungen.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index nur ganz kurz und nicht signifikant unter seine im Chart dick blau hervorgehobene 200-Tage-Linie gerutscht war. Diese wurde dann nach Ausbildung eines kleinen „Morning Star“ (rotze Kerze, Doji, grüne Kerze) Ende Juni souverän zurückerobert. Dann lief der Index über die 20-Tage-Linie hinaus, die er in der vergangenen Woche bei einem kurzen Rücksetzer souverän verteidigte und gestern dann dynamisch zulegte. Das ist ein klar bullisches Szenario, das gute Chancen eröffnet, dass dieses Juni-Hoch bei 3.267 Punkten ebenso wie das Jahres-Verlaufshoch bei 3.303 Zählern angegangen und dann grundsätzlich auch überboten werden. Ist es wirklich so einfach?

Immer, wenn kein Wölkchen am Himmel den positiven Eindruck zu trüben scheint, werden alte Hasen vorsichtig. Und ja, so einfach wird der weitere Weg nach oben nach dem „Ausbaden“ des Flurschadens der zusammengebrochenen Wirecard-Aktie wohl nicht. Denn da mussten nicht wenige Aktien kräftig zulegen, um das aufzuholen. Und damit werden deren Rallyes „störungsanfälliger“. Was aktuell vor allem mit Blick auf die anstehenden Quartalsbilanzen und die dabei gemeinhin mitgelieferten Ausblicke der Unternehmen auf das laufende Quartal bzw. den Rest des Jahres gilt.

TecDAX Chart auf Monatsbasis vom 20.07.2020, Kurs 3.152,44 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Diese Bilanzen müssen mehrheitlich überzeugen. Und das so, dass die bei vielen Aktien durch eine immense oft weit über die „Prä Corona“-Hochs hinaus gelaufene Rallye gestiegene Erwartungshaltung befriedigt wird. Es müssten also eine ganze Reihe an Unternehmen Zahlen melden, die deutlich machen, dass sich die Mehrzahl der TecDAX-Unternehmen wirklich so erfolgreich gegen die derzeitige Rezession stemmen kann, wie es im bullischen Lager vorausgesetzt wird. Käme es zu zu vielen Enttäuschungen und den dann zu erwarteten Gewinnmitnahmen, wäre die derzeit zu sehende Kompensation der um die 300 Punkte, die Wirecard den TecDAX gekostet hat, schnell wieder dahin. Daher:

Ja, das Gesamtbild ist derzeit bullisch. Und die große „Trompetenformation“, die man im Chart auf Monatsbasis sieht, würde dem Index Spielraum bis knapp 3.400 Punkte verleihen, wenn die Zahlen „passen“. Aber man sollte immer daran denken, dass es auch anders kommen kann und Long-Trades nicht ohne Stop Loss-Absicherung laufen lassen. Derzeit wäre es ein erneuter, signifikanter Bruch der momentan bei 2.953 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie, die das Platzen bullischer Träume manifestieren würde. Sich knapp darunter abzusichern, wäre in jedem Fall zu überlegen.

TecDAX Chart auf Tagesbasis vom 20.07.2020, Kurs 3.152,44 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen des TecDAX Index

Wenn das Index-Schwergewicht Wirecard nicht implodiert wäre, hätte es der TecDAX wohl geschafft, mit dem Ende der ersten „Halbzeit“ des Jahres 2020 über 3.015 Punkten zu notieren und dadurch eine für die institutionellen Investoren werbewirksame schwarze Null für das Halbjahr zu erreichen. Sogar der Sprung über das vorherige, langjährige Hoch von 3.303 Punkten, das im Februar markiert wurde, wäre womöglich drin gewesen. Aber die Wirecard-Aktie ist jetzt einmal in sich zusammen gebrochen und hat aufgrund ihrer hohen Gewichtung im TecDAX alle Chancen zunichte gemacht, den Eindruck zu erwecken, das Thema Corona sei vom Tisch und ab sofort wieder Hausse angesagt. Oder doch nicht?

Es kommt darauf an, ob die Anleger differenzieren. Allerdings müssten sie es, sollte dabei eine bullische Sichtweise herauskommen, recht janusköpfig tun. Denn um zu der Ansicht zu kommen, dass man jetzt noch einsteigen müsste, nachdem trotz Wirecard zwei Drittel des Corona-Ausverkaufs aufgeholt sind, wäre es nötig, Wirecard einfach aus der Performance herauszurechnen und so einen „eigentlich“ weiter intakten Aufwärtstrend zu unterstellen. Auf der anderen Seite müsste man ignorieren, dass der Fundament dieser Aufwärtsbewegung weiterhin aus Treibsand besteht, weil eine echte Stabilisierung der Wirtschaft noch nicht gegeben ist und die Entwicklung der Pandemie in vielen Teilen der Welt deutlich macht, dass man besser nicht fest davon ausgehen sollte, dass Europa aus dem Schneider ist. Außenstehende dürften wohl zu der Einstellung tendieren, dass eine derart einseitige Betrachtung, die Positives überbewertet und Negatives ausblendet, wohl kaum weit verbreitet wäre. Aber da kennt man die Börse schlecht.

Der Blick in die Börsenhistorie belegt, dass diese Denkweise, so verquer sie auch sein mag, im Gegenteil gang und gäbe ist. Hätten nicht viele Akteure die Realität höchst selektiv eingeordnet, wäre diese Super-Rallye zurück in die Nähe der vorherigen Hochs ja gar nicht zustande gekommen. So gesehen wäre es keineswegs unmöglich, dass sich diese Vorgehensweise fortsetzt, zumindest so lange, bis die Nachrichtenlage und ggf. auch die Unternehmensbilanzen des zweiten Quartals so erdrückend gegen eine optimistische Sichtweise sprechen würden, dass sie erneut einem „rette sich wer kann“ weicht. Dabei kommt dem unmittelbaren Start ins zweite Halbjahr jedoch eine entscheidende Bedeutung als Wegweiser zu. Grund:

Der TecDAX ringt aktuell mit der 200-Tage-Linie. Ob Wirecard daran „schuld“ ist, dass es dazu kam oder nicht, ist da zweitrangig, denn jetzt geht es für die vielen rein charttechnisch orientierten Trader um eine wichtige Wegweisung. Sollte der TecDAX diese 200-Tage-Linie hinreichend deutlich zurückerobern, indem er über die aktuell bei 3.072 Punkten als nächstgelegener Widerstand fungierende 20-Tage-Linie hinaus ausbricht … was mit einem neuen bullischen Signal des im Tageschart mit eingeblendeten MACD-Indikator-Indikators einhergehen würde … wäre die Kuh in Form eines erneuten, größeren Abwärtsschubes erst einmal vom Eis. Denn dann hätten wir eine klare Indikation, dass in der Tat zur Quartalswende neues Geld an den Markt geflossen ist, kombiniert mit einem charttechnischen Kaufsignal. Dann würden sie die meisten Akteure wohl hüten, vorzeitig Gewinne mitzunehmen.

TecDAX Chart auf Wochenbasis vom 30.06.2020, Kurs 2.953,65 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Käme es indes anders, würde der TecDAX die 200-Tage-Linie nicht halten und in der Folge die wichtige, zwischen 2.681 und 2.792 Punkten gelegene Unterstützungszone brechen, würde alleine dieser entmutigende Eindruck erneut deutlich abrutschender Notierungen den derzeit noch eisern verteidigten Optimismus dahin schmelzen lassen und das Potenzial für ein heute von vielen bereits abgehaktes, zweites „Bein“ der Corona-Baisse liefern.

TecDAX Chart auf Tagesbasis vom 30.06.2020, Kurs 2.953,65 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

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Anfang der Woche hatten die großen Adressen an der Terminbörse einen massiven Gegenangriff gestartet, um ihr im Vorfeld der letztwöchigen Korrektur mit Händen zu greifendes Ziel doch noch zu erreichen: Die heute anstehende Abrechnung der Optionen und Futures auf einem maximal hohen Kursniveau zu erzwingen. 3.303 Punkte, das alte Hoch vom Februar, das war eindeutig das Ziel. Kurz darunter, bei 3.265 Zählern, begann der TecDAX zu stocken und begann eine Korrektur. Doch mit dem Turnaround am Montag und zwei starken Tagen danach sah es so aus, als könnten die Terminmarkt-Akteure das Ruder locker herumreißen. Über 200 Punkte hatte der TecDAX binnen drei Tagen gutgemacht. Und am Donnerstagmorgen ging die Aufholjagd weiter, bis 3.221 Punkte war der Index gelaufen. Und es war noch genug Zeit, um zumindest das Juni-Hoch bei 3.265 Punkten zu erreichen, bis heute die Futures und Optionen auf den TecDAX abgerechnet werden. Und dann ging die Sache schief.

Dabei ging den Bullen weder die Puste aus noch kam es zu nennenswertem Druck am Aktienmarkt insgesamt. Das Drama beschränkte sich auf eine Aktie. Das Dumme war nur, dass Wirecard, um die es da ging, im TecDAX zu den Schwergewichten gehört. Und die Aktie fiel nicht einfach. Das war förmlich eine Kernschmelze. Die Hintergründe dieses vernichtenden Selloff werden in einem anderen Beitrag beleuchtet, hier will ich mich auf den TecDAX und die Folgen dieses brutalen Panik-Verkaufs bei Wirecard konzentrieren.

Wirecard war mit seinem Minus für fast die kompletten Punkte verantwortlich, die der TecDAX am Donnerstag verlor. Jetzt könnte man argumentieren, dass diese Aktie ja jetzt nicht mehr allzu viel Luft nach unten hat. Und wenn das bullische Lager nicht ausgerechnet unmittelbar vor dem entscheidenden Moment, dieser heutigen Terminbörsen-Abrechnung, die Courage verliert, könnten die den TecDAX über andere Aktien des Index bzw. über den Future einfach wieder nach oben ziehen. Das ist grundsätzlich richtig und auch nicht unmöglich. An einem solchen Abrechnungstag ist nichts unmöglich, man nennt ihn nicht umsonst „Hexensabbat“. Aber Sie sehen es im Chart: Da wäre eine äußerst große Distanz in äußerst kurzer Zeit aufzuholen. Dazu müssten wirklich alle großen Player an der Terminbörse an einem Strang ziehen und richtig viel Kapital in die Hand nehmen. Und da gibt es ein Problem:

Das würde einen derart hohen Kapitaleinsatz bedeuten, dass sich das eigentlich im Verhältnis zu dem, was dann mit den zur Abrechnung anstehenden Optionen und Futures verdient bzw. nicht verloren würde, nicht rechnen dürfte. Zumal die Sache noch einen weiteren Haken hat: Diese Korrektur der Vorwoche kam ja nicht grundlos zustande. Und deren Auslöser, vor allem der Umstand, dass man in den USA die Pandemie nicht in den Griff bekommt, ist unverändert vorhanden. Damit ist die Ausgangslage für eine zweite „Rettungs-Rallye“ der großen Terminmarkt-Akteure ungünstig. Man müsste befürchten, nach der ersten, jetzt wegen Wirecard abverkauften Kaufwelle gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen, wollte man es so kurz vor der Abrechnung erneut versuchen. Denn solche Kaufwellen haben nur dann einen Sinn, wenn es gelingt, die dazu gekauften Positionen nach der Abrechnung mit Gewinn oder zumindest zum Einstandspreis wieder losschlagen zu können. Und in einem Umfeld wie diesem muss man bezweifeln, dass die Nachfrage nach dem heutigen „dreifachen Hexensabbat“ ausreicht, um das zu bewerkstelligen.

TecDAX Chart auf Wochenbasis vom 18.06.2020, Kurs 3.012,21 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Es wäre daher nicht überraschend, wenn dieser „Schicksalsschlag“ durch Wirecard die Basis für eine zweite Korrekturwelle würde, der dann deutlich weiter nach unten führt. Bestenfalls könnte noch der Quartals- und Halbjahresultimo und der Wunsch großer Fonds und ETFS, das Minus des ersten Halbjahres zu diesem Stichtag zu eliminieren, um die Kunden bei der Stange zu halten, stützen.

Da der TecDAX jetzt knapp unter dem alten Hoch abgedreht hat und der Wochenchart eine äußerst entmutigende rote Turnaround-Kerze zeigt, sollte man daher, sofern man hier Long investiert ist, sicherheitshalber absprungbereit sein. Sollte der TecDAX die jetzt auf einmal wieder bedrohlich nahe 200-Tage-Linie (aktuell bei 2.933 Punkten) mit Schlusskursen unter 2.900 Punkten signifikant durchschlagen, wäre der Weg nach unten bis zur nächsten Supportzone 2.740/2.800 Punkte frei. Wobei diese Zone nicht so massiv ist, dass sie unbedingt halten müsste.

TecDAX Chart auf Tagesbasis vom 18.06.2020, Kurs 3.012,21 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

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Solange es läuft, der Trend dynamisch ist, haben diejenigen, die sich ausschließlich an chart- und markttechnischen Aspekten orientieren, keinen Grund, ihre Positionierung zu ändern. Und solange das nicht der Fall ist, kann auch der Trend eigentlich nicht brechen. Das perfekte Perpetuum Mobile wäre geschaffen, wenn es nicht auch Marktteilnehmer gäbe, die diesen so rasanten Weg des TecDAX an die vorherigen Hochs mit einer gehörigen Position Skepsis mitgemacht haben. Marktteilnehmer, die stets auch nach unten schauten, statt entlang der charttechnischen Leitstrahlen stur nach oben zu blicken. Und wer das tat, dem war völlig klar, dass diese Rallye ein gewagter Vorgriff auf die Zukunft ist.

In einer solchen Konstellation kann jederzeit etwas schiefgehen. Denn wenn die (auch) fundamental orientiert agierende Klientel Gewinne mitnimmt, weil sich dort die Ansicht verbreitet, dass die Luft nach oben zu dünn wird, müssten die rein technisch orientierten Trader diesen Abgabedruck aufhalten. Der indes bei der kleinsten negativen Nachricht zu groß werden kann. Und wenn es erst einmal dazu kommt, dass der Druck wichtige, für die technischen Trader entscheidende Chartmarken bricht, bedeutet das, dass diese Gruppe ihre Long-Positionen schnell und umfassend glattstellt. Wenn da zu viele Long gegangen sind und nicht genug Akteure in die Verkäufe hinein die Hand aufhalten, kann das sogar so weit führen, dass bärische Signale entstehen und die chart- und markttechnisch orientierten Akteure die Fronten wechseln. Momentan steht der TecDAX in dieser Hinsicht auf der Kippe.

Dabei gab es eigentlich keine Nachrichten, mit denen man nicht hätte rechnen können, denn viele deutsche Konjunkturdaten, die gerade für den April hereinkommen, fallen zwar noch schlechter aus als prognostiziert. Aber wenn man sich darauf kapriziert, in die Zukunft zu schauen, sollte einen nicht schrecken, was im April passiert war. Vielmehr wirkt es, als würde der TecDAX aufgrund einer Kombination aus Höhenangst und Umschalt-Problemen ins Wanken geraten.

Zum einen sehen wir in den Charts, dass der Index in unmittelbarer Nähe der alten Hochs ins Stocken geriet und am Montag und Dienstag dann unter Verkaufsdruck kam. Da fehlte kaum mehr als ein Prozent zum Februar-Hoch (3.303 Punkte), die Jahreshochs 2018 und 2019 waren bereits überboten. Dass diejenigen, die sich auch an den Rahmenbedingungen orientieren, da auf den Gedanken kommen, ihren Gewinn zu sichern, ist nicht überraschend.

Zum anderen scheint dem Index seine Zusammensetzung, die ihm vorher zugutekam, zum Verhängnis zu werden. Denn die Kursraketen, die von vielen als perfekte Investments auf Basis der Corona-Problematik erschienen, so z.B. TeamViewer, Drägerwerk oder Sartorius, sind derart schnell und weit gelaufen, dass jetzt zu viele Akteure auf einmal ihren Gewinn sichern wollen. Die Aktien, die durch ihre Kursgewinne auch an Gewicht im Index gewonnen haben, fallen schnell und weit, während diejenigen Titel, die bislang zurückgeblieben sind, das bislang nicht auffangen. Dieses Problem, von den „Corona-Raketen“ zum Rest des Index umzuschichten, ist dabei eines, das mit den Rahmenbedingungen und den Zweifeln, ob diese Rallye sich wirklich wird halten können, zusammenhängt, letztlich aber der Auslöser werden könnte, dass auch die reinen „Techniker“ aussteigen, wenn die jetzt im Feuer stehende Unterstützungszone fallen sollte.

TecDAX Chart auf Wochenbasis vom 09.06.2020, Kurs 3.162,15 Punkte, Kürzel | Online Broker LYNX

Die ist durch den Bruch der am Montag noch verteidigten, am Dienstag dann aber gebrochenen März-Aufwärtstrendlinie bereits empfindlich angeschlagen. Aber noch bleibt die 20-Tage-Linie bei 3.125 Punkten als zweite Stützungslinie erhalten. Sollte die jedoch in den kommenden Tagen durchbrochen werden, hätte das „technische Lager“, auch mit Blick auf die überkauften markttechnischen Indikatoren (hier im Tageschart eingeblendet der RSI) keine Argumente mehr, um ihre Long-Positionen zu halten und aktiv zu verteidigen. Ein Test der 200-Tage-Linie, die mit 2.921 Punkten ein ganz erhebliches Stück entfernt wartet, wäre dann alles andere als eine Überraschung.

TecDAX Chart auf Tagesbasis vom 09.06.2020, Kurs 3.162,15 Punkte, Kürzel | Online Broker LYNX

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Im Chart des TecDAX auf Tagesbasis präsentiert sich der Index in einem blitzsauberen Aufwärtstrend, der von der 20-Tage-Linie als „Sicherungsleine“ begleitet wird. So lange man rein charttechnisch agiert, indem man konsequent dem Trend folgt und die Stop Loss-Absicherung regelmäßig entlang dieses doppelten Leitstrahls nachzieht, kann man sich die Frage, wie lange das noch gutgeht, eigentlich sparen. Wer hingegen von der Wiederkehr der ewigen Hausse überzeugt ist, massiv mit Hebel spekuliert und Stoppkurse für unnötigen Aufwand hält, wäre gut beraten, sich diese Frage umgehend zu stellen. Denn der TecDAX hat einen Level erreicht, der weiter außerhalb der aktuellen Lage liegt als zum Höhepunkt des US-Handelskriegs. Und damals war das Eis schon sehr dünn.

Am Mittwochabend fehlten dem TecDAX gerade einmal 40 Punkte bis zum bisherigen Jahres-Verlaufshoch, das, wenn man seine Vorgeschichte als „Nemax“ mal ausblendet, zugleich das bisherige Rekordhoch war. Und natürlich setzen die Bullen mehrheitlich darauf, dass dieses Hoch bei 3.302,94 Punkten überboten wird. Da dürften einige auf die obere Begrenzung der großen Dreiecksformation schielen, die im ganz langfristigen Chart auf Monatsbasis eingezeichnet ist. Diese obere Linie verläuft momentan ca. bei 3.380 Punkten. Was indes auch nicht mehr umwerfend viel Luft nach oben wäre. Und es handelt sich hier um ein nach rechts offenes Dreieck, eine sogenannte „Trompetenformation“. Die lässt zunehmende Volatilität erwarten. In der Tat, die hatten wird. Aber es ist immer offen, in welche Richtung der endgültige Ausbruch erfolgt. Im März gelang es, dieses Dreieck auf Monats-Schlusskursbasis ebenso zu verteidigen wie die im Monatschart blau eingezeichnete 1.000-Tage-Linie. Aber muss der TecDAX deswegen jetzt nach oben ausbrechen?

Natürlich ist das nicht ausgeschlossen, weshalb es mehr als verwegen wäre, sich dieser wie auf Schienen laufenden Rallye einfach entgegenzustellen und Short zu gehen. Aber wenn der Index dieses im Februar markierte Hoch überwindet, wäre der Effekt der Virus-Pandemie auf die Wirtschaft binnen vier Monaten komplett ausgebügelt … in den Kursen. Nur nicht in der Wirtschaft selbst. Selbst in einem „Best-Case-Szenario“ könnte man nur hoffen, dass die Wirtschaftsleistung Mitte 2021 wieder den vorherigen Level erreicht. Mit viel Glück. Und dann wäre das Wachstum, das man zu Jahresbeginn für 2020 erwartet hatte und das längst im Kurs des TecDAX eingepreist war, noch nicht dabei. Das ist schon jetzt ein Kredit mit langer Laufzeit und hohem Ausfallrisiko, den man da aufgebaut hat. Würde der TecDAX also neue Hochs markieren, würde es richtig „seltsam“, dann darf und muss man sich die Frage stellen:

Da all das jeder wissen könnte, wer kauft dann noch? Ein Vorteil für das bullische Lager dürfte sein, dass viele Akteure erst spät ausgestiegen waren und noch später wieder eingestiegen sind … oder noch gar nicht. Zumindest deutet das der zuletzt noch recht hohe Bestand an Put-Optionen an. Aber wie viele verkaufen „unten“ und steigen „oben“ noch wieder ein, wenn dieses „oben“ fast das alte Hoch bedeutet? Wer jetzt Long geht, will damit ja Gewinn erzielen. Und wenn selbst die obere Begrenzung der „Trompeten-Formation“ nur knapp 120 Punkte entfernt liegt, fragt man sich, was sich solche Käufer vorstellen? Zumal das Argument, dass so manche TecDAX-Aktie noch zurückgeblieben und somit kaufenswert ist, nicht zieht, denn:

Zum einen sind die Aktien, die jetzt noch am Boden liegen, zu Recht dort, weil es da besonders fraglich ist, ob und wann das Unternehmen alte Gewinnlevels wieder erreicht. Zum anderen gibt es ja auch die Gegenseite: Die TecDAX-Aktien, die zuvor als „sicherer Hafen“ durch die Decke gekauft wurden und dadurch überteuert sind. Wenn man glaubt, dass die Wende längst gelungen ist, wozu dann noch solche Aktien halten, statt die Gewinne zu kassieren? Und der TecDAX ist stark besetzt mit solchen „Corona-Überfliegern“, das ist ja der Grund, warum er DAX und MDAX so sehr davon gelaufen ist.

TecDAX Chart auf Monatsbasis vom 03.06.2020, Kurs 3.263,47 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Wir bewegen uns hier rational betrachtet schon seit ein paar Wochen in einem Terrain, das man als „abgehoben“ ansehen muss. Sollte der TecDAX neue Hochs erreichen, womöglich sogar die „Trompete“ überwinden, haben wir hier so etwas wie eine Kombination aus irrealer Kaufpanik und Squeeze Out der letzten Bären … und damit die Basis für einen erneuten, kapitalen Kurseinbruch, der leicht auch ohne Vorwarnung eintreten kann. Es sei denn, die Rahmenbedingungen würden binnen ein, zwei Monaten wieder so sein wie zu Jahresbeginn … aber das würde momentan einem Wunder gleichkommen. Langsam wäre daher, auch, wenn man grundsätzlich noch dem Trend folgen kann, daran zu denken, bei einem Teil der Positionen den Gewinn mitzunehmen.

TecDAX Chart auf Tagesbasis vom 03.06.2020, Kurs 3.263,47 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

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DAX +1,33 Prozent, TecDAX -2,04 Prozent, eine derart unterschiedliche Entwicklung an einem Tag sieht man selten. Und ausgerechnet der TecDAX kam deutlich unter Druck. Der Index also, der zuletzt die mit Abstand höchste Aufwärtsdynamik unter den „Großen Drei“ DAX, MDAX und TecDAX vorweisen konnte. Und der so kurz davor stand, das bisherige Jahres-Verlaufshoch zu erreichen, das im Februar, vor dem Kurseinbruch, bei 3.303 Punkten markiert wurde. Zum Tageshoch des Dienstags fehlten nur noch gut 3,5 Prozent, dann wäre das Unmögliche doch möglich geworden. Und jetzt dieses Minus trotz eines steigenden DAX, was war da los? Gab es gleich mehrere fatale Quartalszahlen oder Gewinnwarnungen bei TecDAX-Unternehmen? Nein, dieses Minus hatte einen anderen, höchst bemerkenswerten Grund:

Gestern wurden umfassende Umschichtungen vorgenommen. Dort, wo es zuletzt lief wie am Schnürchen, nahmen Marktteilnehmer Gewinne mit und schichteten das Kapital in Aktien um, denen man vor zwei, drei Wochen noch nichts zugetraut hatte. Das traf den TecDAX besonders hart, weil er gerade deswegen in den letzten Wochen so stark gelaufen war. Denn hier finden sich viele Software- und Medizintechnikunternehmen, die im Zuge der Corona-Krise stark nachgefragt waren, weil man sie als „sichere Häfen“ einstufte. Dadurch waren sie aber mit Blick auf die Bewertung sehr teuer geworden, während konjunktursensible, d.h. zyklischen Unternehmen wie z.B. Autobauer und alles, was mit Luftfahrt zu tun hat, eine günstige Bewertung hatten … vorausgesetzt allerdings, dass das Wachstum auch in diesen Branchen schnell und umfassend zurückkehren würde. Daran hatte man zuletzt nicht geglaubt, gestern auf einmal schon – wieso?

Ein entscheidender Auslöser könnte die Meldung gewesen sein, dass das geplante EU-Konjunkturprogramm, das den Wachstumsmotor wieder anwerfen soll, mit 750 Milliarden Euro noch größer werden soll als dies im Merkel/Macron-Plan angedacht wurde. Dies in Verbindung mit den stark rückläufigen Infektionsraten in den europäischen Kernländern der Pandemie weckt die Hoffnung, dass die Wende der Wirtschaft möglicherweise deutlich früher und dynamischer vonstattengehen könnte, als man das noch vor wenigen Wochen dachte. Und käme es so, wären diese so stark gelaufenen „sicheren Häfen“ nicht mehr nötig. Warum dann also nicht so schnell wie möglich die satten Gewinne in solchen Aktien mitnehmen und in die zyklischen Aktien wechseln, solange sie noch „billig“ sind?

Jetzt könnte man durchaus einige Argumente finden, warum es womöglich keine gute Idee ist, in die stark gefallenen zyklischen Aktien einzusteigen. Denn alleine aufgrund der Größe des geplanten Pakets muss die Wende nicht schneller gelingen. „Viel hilft viel“ war in solchen Situationen, z.B. 2008/2009, immer so eine Sache. Es braucht zusätzlich zu dem vielen Geld auch die Wiederkehr des Vertrauens der Unternehmen und Konsumenten in die Zukunft. Und was es ganz und gar nicht bräuchte, wäre eine zweite Infektionswelle im Herbst. Allerdings ist das eben nur ein Risiko und zudem eines, das sich wohl vorerst noch nicht manifestiert. Und solange offen bleibt, ob das Riesen-Konjunkturpaket funktioniert oder nicht, kann man daran glauben, dass es gelingt. Zumindest in einem Umfeld, in dem nicht zuletzt die steigenden Kurse selbst den Optimismus der Anleger befeuern. Kurz:

Der TecDAX wurde am Mittwoch, so verrückt es klingt, das Opfer des zunehmenden Optimismus der Marktteilnehmer. Die Frage ist indes, ob diese Gewinnmitnahmen weitergehen. Bei TeamViewer beispielsweise (siehe unsere heutige Analyse) kam es zu starken Abgaben, aber die entscheidenden charttechnischen Unterstützungen halten noch. So gesehen könnten die Akteure das Ruder bei dieser wie bei vielen anderen „Sichere-Hafen-Aktien“ noch herumreißen. Und das wiederum hieße:

TecDAX Chart auf Wochenbasis vom 27.05.2020, Kurs 3.109,38 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Man sollte den „Abendstern“ (grüne Kerze, Doji, rote Kerze), der dadurch im TecDAX entstand, noch nicht als das zementierte Ende der Rallye ansehen. Zum einen braucht diese Formation eine unmittelbare Bestätigung durch am Folgetag weiter fallende Kurse, um als Verkaufssignal zu gelten. Zum anderen sehen Sie im Chart, dass der TecDAX immer noch über einer ganzen Phalanx an potenziellen Auffanglinien notiert. Erst, wenn der Index die März-Aufwärtstrendlinie, die 20-Tage-Linie und vor allem die 200-Tage-Linie, im Chart auf Tagesbasis dick schwarz hervorgehoben, mit Schlusskursen klar unter 2.900 Punkten durchschlagen hätte, wären die Bullen wirklich vorerst geschlagen.

TecDAX Chart auf Tagesbasis vom 27.05.2020, Kurs 3.109,38 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

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