TecDAX aktuell TecDAX: Der Weg nach unten ist jetzt der leichtere!

News: Aktuelle Analyse des TecDAX Index

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TecDAX
ISIN: DE0007203275
Ticker: TDX
Währung: Punkte

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Zum TecDAX

In den vergangenen drei Monaten hat der TecDAX seine 200-Tage-Linie dreimal getestet und jedes Mal gehalten, wenngleich das Ende Juni eine ziemlich wacklige Angelegenheit gewesen ist. Jetzt ist der Index erneut und mit Wucht auf diesen im Chart auf Tagesbasis dick blau hervorgehobenen gleitenden Durchschnitt gekracht. Warum sollte er nicht ein viertes Mal halten? Außerdem ist diese 200-Tage-Linie nur die obere Begrenzung einer bis 2.739 Punkte nach unten reichenden Auffangzone. Erst, wenn die komplett unterboten wäre, käme es hier zu einem bärischen Signal, das über die kurzfristige Zeitebene hinausginge.

Da wäre also noch einiges an Puffer vorhanden. Und da die Bullen sich sicher sind, dass einiges von den Billionen, mit denen Regierungen und Notenbanken seit Monaten verhindern, dass die Rezession weltweit aus dem Ruder läuft, an den Aktienmärkten ankommt, dürfte sich da so mancher entspannt zurücklehnen. Und könnte mit dieser Gelassenheit schiefliegen.

TecDAX: Tages-Chart vom 21.09.2020, Kurs 2.995,45 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Denn dieses heftige Minus, welches der TecDAX zum Wochenstart zeigte, basierte nicht auf überraschend negativen Ereignissen bzw. Nachrichten vom Wochenende. Zwar hieß es in den meisten Medien, es sei die „Corona-Angst“, die an den Markt zurückgekehrt sei. Aber das greift, vorsichtig formuliert, zu kurz. Denn die USA haben die Pandemie nie in den Griff bekommen und die Infektionszahlen in Europa steigen nicht erst seit ein paar Tagen wieder deutlich. Und die Zahl an Konjunkturdaten, die andeuten, dass es mit einer rasanten und vollständigen Erholung der Weltwirtschaft wohl nichts wird, nimmt seit Wochen zu. Wieso reagiert der Aktienmarkt dann aber erst jetzt?

Den aktuellen Kurs und Chart des TecDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Man darf vermuten, dass der „dreifache Hexensabbat“ die Aktienindizes der Eurozone tatsächlich bis zur letzten Freitag absolvierten Abrechnung der Futures und Optionen in einem „Käfig“ festgehalten hatte. Offenbar war die Überlegung zutreffend, dass die großen Adressen an der Terminbörse ihre Positionierung auf einen Verbleib in der Handelsspanne der vergangenen Wochen ausgerichtet und gezielt darauf hingewirkt hatten, dass das auch gelingt. Angesichts der immer mehr einschlafenden Umsätze innerhalb dieses Seitwärtstrends war das durchaus mit einem Aufwand zu bewerkstelligen, der in Relation zum dadurch gesicherten Gewinn überschaubar blieb. Aber jetzt ist diese Abrechnung vorüber und die Terminbösen-Akteure können sich neu ausrichten. Dass es sofort nach dieser Terminmarkt-Abrechnung wie in einem defekten Fahrstuhl abwärts geht, macht deutlich, dass den Tradern die Eintrübung der Lage nicht entgangen ist. Dieses markante Minus des Montags wirkt, als wäre dem TecDAX schlagartig das stützende Bein dieser Terminbösen-Abrechnung weggetreten worden. Und dass es über den Handelsverlauf hinweg nicht zu nennenswerter Gegenwehr der Bullen kam, dürfte denen, die jetzt versuchen, die gestern bereits erreichte Unterstützung aus 200-Tage-Linie und den Zwischentiefs von Ende Juli und Anfang September (2.961/2.995 Punkte) zu durchschlagen, die Bestätigung geben, die sie brauchen. Die Chance, dass es den Bären gelingt, den Weg in Richtung der unteren Begrenzung der mittelfristigen Supportzone bei 2.739 Punkten freizumachen, ist deutlich gestiegen und der Weg nach unten definitiv der leichtere!

TecDAX: Monats-Chart vom 21.09.2020, Kurs 2.995,45 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des TecDAX Index

Am letzten Handelstag des Jahres 2019 ging der TecDAX mit 3.015 Punkten ins Ziel. Damit lag er per Montagabend in der Bilanz des bisherigen Jahres zwar leicht im Plus. Aber wenn man über den Atlantik zum „großen Bruder“, dem Nasdaq 100, schaut, kann man schon enttäuscht sein, denn der dessen 2020er-Zugewinn bewegt sich aktuell um die 30 Prozent. In den vergangenen Jahren war der TecDAX den Vorgaben des US-Technologieindex meist engmaschig gefolgt, hatte nicht selten sogar mehr Dynamik gezeigt. Davon ist derzeit nichts zu sehen. Warum?

Das mag zum einen daran liegen, dass dem TecDAX die „Super-Namen“ fehlen. Die größten Fische im Teich schwimmen nun einmal in den USA: Apple, Amazon, Netflix, Nvidia, Tesla, Adobe … da kommt der TecDAX halt schon ein wenig provinziell daher. Zum anderen spürt man förmlich, dass die europäischen Investoren die Lage und die Perspektiven deutlich vorsichtiger und besonnener beurteilen als in den USA. Das gilt nicht nur für den TecDAX, sondern für die gesamte europäische Börsenlandschaft. Und sicherlich tut man gut daran, in einer Gemengelage wie dieser vorsichtig zu agieren.

TecDax: Tages-Chart vom 14.09.2020, Kurs 3.090,55 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Aber wenn man hier mit leiseren Tönen agiert, kann der Index denn überhaupt auf absehbare Zeit aus diesem Käfig namens Seitwärtstrend heraus und dadurch wieder eine Basis für lukrative Trades werden? So langsam wird es ja schon anstrengend, auf ein klares Signal zu warten. Vor knapp vier Monaten schoss der TecDAX da, wo er am Montag auch schloss. Neue Dynamik wäre also wünschenswert – aber wie? Zwei Faktoren sollte man da im Auge behalten, einer davon ist fundamentaler Natur, der andere findet sich in der Charttechnik.

Ab Ende September rücken wieder die Quartalsbilanzen in den Fokus. Dabei beginnt die Hauptsaison der Ergebnisse zwar erst Ende Oktober. Aber Richtung Quartalsende könnten bereits erste Unternehmen ihre Prognosen nach oben oder unten anpassen, ab Anfang Oktober vorläufige Bilanzen einlaufen. Die müssen mehrheitlich die Hoffnungen der Marktteilnehmer bestätigen, dass, wenn schon nicht die Gesamtwirtschaft, so doch zumindest die börsennotierten Unternehmen eine spürbare und nachhaltige Verbesserung der Lage vorweisen können. Denn auch, wenn der TecDAX seitwärts läuft, getragen wird diese Seitwärtsbewegung auf der Unterseite durch eben diese Hoffnungen.

Kippen die, kippt der Index mit. Werden sie bestätigt, wäre mit der damit verbundenen Belebung der Hoffnungen auch der Ausbruch nach oben drin. Wobei ein solcher Ausbruch durch die im Chart auf Tagesbasis zu sehende Phalanx an oberen Wendepunkten erst als gelungen anzusehen wäre, wenn der TecDAX das bisherige Jahres-Verlaufshoch von 3.303 Punkten auf Schlusskursbasis überboten hat.

Auf der Unterseite wäre dann ein markant bärisches Signal generiert, wenn der Index den Supportbereich 2.739 bis 2.792 brechen würde. Dies in Verbindung mit Enttäuschungen bei den Bilanzergebnissen würde den Weg nach unten freigeben, aber: Hier sollte man auch auf einen deutlich oberhalb dieser Zone liegenden Bereich eine Auge haben:

In den letzten drei Monaten musste der TecDAX ganze drei Mal seine im Chart auf Tagesbasis dick schwarz markierte 200-Tage-Linie verteidigen. Das ist untypisch oft und dürfte so manchen Anleger unruhig machen. Denn normalerweise könnte man in einem „gesunden“ Umfeld damit rechnen, dass ein erfolgreicher Test dieser 200-Tage-Linie in einen dynamischen Aufwärtsimpuls übergeht. Doch der TecDAX fiel bislang immer zeitnah und kraftlos wieder auf diesen gleitenden Durchschnitt zurück. Sollte diese Linie sowie die letzten beiden Zwischentiefs mit Schlusskursen unter 2.950 Punkten fallen, müsste man das zumindest als „gutes Omen“ für die Bären einstufen.

TecDax: Wochen-Chart vom 14.09.2020, Kurs 3.090,55 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Dort, wo der TecDAX zum Start in die neue Handelswoche schloss, hatte er auch schon vor drei Monaten notiert. Dem crashartigen Ausverkauf und der darauffolgenden Kaufpanik folgte eine jetzt bereits drei Monate währende Pendelbewegung, deren Ausschläge immer geringer werden. Die Charts zeigen eine Dreiecksformation, die dadurch entstanden ist. Das suggeriert, dass wir nicht mehr allzu lange auf einen neuen Trendimpuls warten müssen, denn diese beiden Schenkel des Dreiecks rücken immer enger zusammen. Es braucht somit immer weniger, um den Ausbruch aus der Formation und damit ein charttechnisches Long- oder Short-Signal zu bewirken. Doch das Wort „suggeriert“ war bewusst platziert, denn:

Es wäre nicht die erste Dreiecksformation, aus welcher sich ein Index seitwärts hinausmogelt. Oder im Wechsel Bullen- und Bärenfallen produziert, an Volatilität zulegt, trotzdem aber keine neue Richtung findet. Man könnte meinen, in einem Umfeld wie diesem, in dem so vieles für die Weltwirtschaft auf dem Spiel steht, in dem so vieles völlig offen und unvorhersehbar ist, könnte man diese unerfreuliche Variante getrost ausschließen. Aber dann hätte der TecDAX schon längst wieder einen dynamischen Trend. Schließlich war die Lage nicht weniger offen und spannend, als der Erholungs-Rallye Ende Mai der Schwung abhandenkam. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher:

Der TecDAX pendelt nicht trotz, sondern wegen dieser so kritischen Gesamtsituation seitwärts. Das klingt nur im ersten Moment absurd. Wenn man sich überlegt, wie es in den Wochen zuging, in denen es erst senkrecht abwärts und dann nicht viel weniger steil aufwärts ging, kann man diesen Gedanken nachvollziehen. Den Gedanken, dass die Anleger erst Mitte/Ende Mai in der Lage waren, sich einmal zurückzulehnen, sich die Gesamtsituation vor Augen zu führen, anstatt wie zuvor immer nur angesichts extremer Kursbewegungen in beide Richtungen schnell und meist überhastet reagieren zu müssen. Und die Antwort auf die Frage, wie man jetzt weiter vorgehen sollte, sehen Sie im Chart:

TecDAX: Tages-Chart vom 24.08.2020, Kurs 3.117,56 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Man ist sich dessen unsicher. Was sich übrigens auch in immer weiter sinkenden Umsätzen niederschlägt. Mehr und mehr Akteure stellen derzeit das Feuer ein, warten auf eine taugliche Trendentscheidung, weil sie zu spüren bekommen, dass die alte Börsenregel schon ihre Berechtigung hat: Hin und Her macht Taschen leer. Dass man momentan nicht recht weiß, wie man weitermachen soll, ist schon verständlich. Einerseits ist den meisten Investoren zweifellos klar, dass der jetzt erreichte Kurslevel des TecDAX, so nah unter dem „Prä Corona“-Hoch, eine große Hypothek auf die Zukunft bedeutet. Andererseits kann man verstehen, dass sich auszusteigen scheut, wer Long investiert ist, weil man bis zum Beweis des Gegenteils hofft, dass die Zuversicht, die Lage werde schnell wieder normal, berechtigt war. Aber wann würde dieser Beweis, ob nun zu Gunsten oder gegen das bullische Lager, erbracht?

Das dürfte in den kommenden zwei, drei Monaten der Fall sein. Wenn mehrere Monate nach dem Ende des Lockdowns von Konjunkturdaten abgedeckt sind und zudem die ersten Quartalsbilanzen des laufenden Sommerquartals vorliegen. Dann ließe sich ermessen, ob die Bullen mit Zitronen gehandelt haben oder aber richtig daran taten, eisern Long investiert zu bleiben. Aber so lange wird diese Pendelbewegung nicht weiterlaufen, die aktiven Trader werden sich nicht mit immer kleineren Bewegungen zufriedengeben, die nirgendwohin führen. Das zeigte sich gestern:

Kaum war die Abrechnung der Index- und Aktienoptionen am Terminmarkt über die Bühne, startete der TecDAX durch. Und wer da kaufte, hatte die vorstehende Problematik erkannt. Denn wie kann man wachsende Zweifel am besten besiegen? Indem man positive Tatsachen schafft. Und für die Antwort auf die Frage, ob man besser aussteigen oder am Ball bleiben sollte, zählen weniger die Fakten außerhalb des Börsenparketts als vielmehr die Kurse selbst. Wenn es gelingt, den TecDAX deutlich aus dieser Dreiecksformation nach oben hinaus zu tragen, dieser Ausbruchsversuch also nicht umgehend als Bullenfalle endet, würden die technisch orientierten Trader ein solches, bullisches Signal verlängern und intensivieren und die Zweifler den Gedanken an den Ausstieg vorerst zurückstellen. Aber:

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der TecDAX klar unter seinem Tageshoch schloss und dadurch nicht aus der engeren Variante des Dreiecks, wie es diesem Chart eingezeichnet ist, herauskam. Diesen Ausbruch müssten die Bullen umgehend nachholen, es steht darüber sowieso noch eine ganze Phalanx an Charthürden in Form der vorherigen Zwischenhochs an, da sollte daher zumindest der erste Schritt reibungslos laufen. Jetzt sollten die Käufer ihren Angriff also tunlichst nicht vertändeln, denn ein Ausbruchsversuch, der scheitert, wird zum Bumerang, lässt die Zweifel, die dieser Ausbruch vertreiben sollte, nur noch wachsen.

TecDAX: Wochen-Chart vom 24.08.2020, Kurs 3.117,56 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Normalerweise kann man nie abschätzen, was diejenigen Marktteilnehmer, die gerade nicht aktiv agieren, denken und planen, bevor sie es wirklich tun. Und da es immer nur eine Minderheit ist, die agiert, statt nur zu beobachten, ist diese immer offene Frage ein permanenter Unsicherheitsfaktor bei jeder Analyse. Darüber hinaus ist oft auch nicht klar erkennbar, warum Investoren bestimmte Aktionen vornehmen, auch, wenn man diese direkt vor sich sieht. Hier, beim TecDAX, könnte es indes gut sein, dass dessen Kursverhalten uns einen wichtigen Einblick in die Köpfe vor allem größerer Investoren gewährt.

Denn es fällt auf, dass er zwar ab der abrupten Wende Mitte März ebenso den anderen deutschen Indizes davongelaufen ist wie dies für die technologielastigen Nasdaq am US-Aktienmarkt galt. Aber zuletzt war es ausgerechnet der vorher so starke TecDAX, der den Kopf hängen ließ. Was steckt dahinter?

Vor allem bei den vorherigen Outperformern sehen wir derzeit Abgabedruck. Die stärksten vier Aktien des TecDAX auf Basis des Performance-Vergleichs mit dem letzten Handelstag 2019 sind Sartorius Vz., Drägerwerk, TeamViewer und Aixtron. Und bei allen vier Aktien geht seit Mitte Juli nach oben nichts mehr. Aber ließe sich daraus mehr ableiten als die Unterstellung, dass viele Akteure, die dort auf der Welle der „Krisen-Profiteure“ mitschwammen, jetzt einfach den Gewinn mitnehmen, weil sie vermuten, dass diese Aktien erst einmal ausgereizt sind? Für sich allein genommen ließe sich in der Tat nicht mehr daraus ablesen. Aber:

Diese Gewinnmitnahmen werden dadurch interessant und lassen ein wenig tiefer blicken, weil zugleich der DAX stärker läuft und dort nicht wenige Aktien, die zuvor keiner haben wollte, auf einmal gesucht sind. So fällt auf, dass beim DAX einige der Outperformer des bisherigen Jahresverlaufs wie die Deutsche Börse oder SAP schwächer gehen, dafür aber die bislang im Jahresverlauf schwächsten Werte wie Daimler oder MTU Aero Engines zuletzt gekauft werden. Was bedeutet?

TecDax: Tages-Chart vom 11.08.2020, Kurs 3.028,24 Punkte, Kürzel TDX

Es scheint, als würden sukzessiv mehr Marktteilnehmer aus dem Krisenmodus in den Wachstumsmodus umschwenken, d.h. die Krisen-Profiteure abstoßen und sich den billig wirkenden, klassischen Industrietiteln aus den Branchen zuwenden, die besonders unter dem Konjunktureinbruch gelitten haben und deren Aktien im Fall einer starken, nachhaltigen Erholung der Konjunktur wieder auf alte Höhen laufen könnten. Natürlich erscheint das gewagt, denn so schnell, wie das viele hofften, kehrt die vorherige Wirtschaftsleistung nicht zurück … zumindest per Ende Juli ließ sich das noch nicht unterstellen. Aber die diesem Vorgehen zugrunde liegende Hoffnung kann, wie die Erfahrung lehrt, hartnäckig sein.

Noch ist diese Tendenz nicht nachhaltig, könnte eine kurze Episode bleiben. Aber sollte sich dieser Trend verstetigen, wäre der TecDAX mit den vielen Software- und Medizintechnik/Biotech-Titeln, die man als Krisen-Gewinner oder zumindest als nicht betroffen eingestuft hatte, der Verlierer. Die Charts weisen zwei Ebenen auf, auf die man achten sollte.

Auf kurzfristiger Ebene ist es die untere Begrenzung der in den letzten Monaten entstandenen Dreiecksformation, verstärkt durch die knapp darüber liegende 200-Tage-Linie, die derzeit bei 2.955 Punkten verläuft. Fiele sie, ginge es um eine mittelfristig relevante Supportzone zwischen 2.681 und 2.792 Zählern, die halten muss, um den TecDAX vor einem Short-Signal auf mittelfristiger Ebene zu bewahren. Doch dieser Blick in die Köpfe einiger Akteure ist kein sicherer Blick in die Glaskugel. Meinungen ändern sich schnell, gerade in einer Phase wie dieser, in der unstete Emotionen das Handeln dominieren. Und nur, wenn die Nachrichtenlage ihnen mehr und mehr Recht geben würde, dürften diejenigen, die jetzt von Krise auf Wachstum umschichten, ihre derzeitigen Aktionen auch fortführen. Besser wäre also, wie meist, nicht auf Verdacht zu handeln, sondern der Charttechnik die Signalgebung zu überlassen, insbesondere bei solch relativ klaren charttechnischen Vorgaben wie hier beim TecDAX.

TecDax: Wochen-Chart vom 11.08.2020, Kurs 3.028,24 Punkte, Kürzel TDX

Während DAX und MDAX sich bereits wieder in den Bereich der höchsten Levels seit dem Corona Crash zurückgekämpft haben, hätte der TecDAX noch ein gutes Stück zu gehen, bis das Juni-Hoch bei 3.267 Punkten erreicht wäre. Dann allerdings wäre es, im Gegensatz zu DAX und MDAX nur noch ein Katzensprung bis zum vieljährigen Hoch von 3.303 Punkten, das der Index im Februar markiert hatte. Nimmt man die unselige Zeit des „Neuen Markts“ aus, wäre das im Februar sogar ein Rekordhoch gewesen. Und eigentlich wäre der Index sogar schon darüber hinaus gelaufen, wäre er nicht Mitte Juni durch den Crash der Wirecard-Aktie förmlich „abgeschossen“ worden.

Die Pulverisierung dieser Aktie kostete den TecDAX in etwa zehn Prozent, denn im Gegensatz zum DAX war Wirecard im TecDAX sehr hoch gewichtet. Übersetzt heißt das: Andere Aktien im TecDAX mussten „übernehmen“, stärker laufen, als sie womöglich ohne den Wirecard-Crash gelaufen wären, um den Index vor charttechnisch bärischen Signalen zu bewahren. Das ist tadellos gelungen.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index nur ganz kurz und nicht signifikant unter seine im Chart dick blau hervorgehobene 200-Tage-Linie gerutscht war. Diese wurde dann nach Ausbildung eines kleinen „Morning Star“ (rotze Kerze, Doji, grüne Kerze) Ende Juni souverän zurückerobert. Dann lief der Index über die 20-Tage-Linie hinaus, die er in der vergangenen Woche bei einem kurzen Rücksetzer souverän verteidigte und gestern dann dynamisch zulegte. Das ist ein klar bullisches Szenario, das gute Chancen eröffnet, dass dieses Juni-Hoch bei 3.267 Punkten ebenso wie das Jahres-Verlaufshoch bei 3.303 Zählern angegangen und dann grundsätzlich auch überboten werden. Ist es wirklich so einfach?

Immer, wenn kein Wölkchen am Himmel den positiven Eindruck zu trüben scheint, werden alte Hasen vorsichtig. Und ja, so einfach wird der weitere Weg nach oben nach dem „Ausbaden“ des Flurschadens der zusammengebrochenen Wirecard-Aktie wohl nicht. Denn da mussten nicht wenige Aktien kräftig zulegen, um das aufzuholen. Und damit werden deren Rallyes „störungsanfälliger“. Was aktuell vor allem mit Blick auf die anstehenden Quartalsbilanzen und die dabei gemeinhin mitgelieferten Ausblicke der Unternehmen auf das laufende Quartal bzw. den Rest des Jahres gilt.

TecDAX Chart auf Monatsbasis vom 20.07.2020, Kurs 3.152,44 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Diese Bilanzen müssen mehrheitlich überzeugen. Und das so, dass die bei vielen Aktien durch eine immense oft weit über die „Prä Corona“-Hochs hinaus gelaufene Rallye gestiegene Erwartungshaltung befriedigt wird. Es müssten also eine ganze Reihe an Unternehmen Zahlen melden, die deutlich machen, dass sich die Mehrzahl der TecDAX-Unternehmen wirklich so erfolgreich gegen die derzeitige Rezession stemmen kann, wie es im bullischen Lager vorausgesetzt wird. Käme es zu zu vielen Enttäuschungen und den dann zu erwarteten Gewinnmitnahmen, wäre die derzeit zu sehende Kompensation der um die 300 Punkte, die Wirecard den TecDAX gekostet hat, schnell wieder dahin. Daher:

Ja, das Gesamtbild ist derzeit bullisch. Und die große „Trompetenformation“, die man im Chart auf Monatsbasis sieht, würde dem Index Spielraum bis knapp 3.400 Punkte verleihen, wenn die Zahlen „passen“. Aber man sollte immer daran denken, dass es auch anders kommen kann und Long-Trades nicht ohne Stop Loss-Absicherung laufen lassen. Derzeit wäre es ein erneuter, signifikanter Bruch der momentan bei 2.953 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie, die das Platzen bullischer Träume manifestieren würde. Sich knapp darunter abzusichern, wäre in jedem Fall zu überlegen.

TecDAX Chart auf Tagesbasis vom 20.07.2020, Kurs 3.152,44 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

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Wenn das Index-Schwergewicht Wirecard nicht implodiert wäre, hätte es der TecDAX wohl geschafft, mit dem Ende der ersten „Halbzeit“ des Jahres 2020 über 3.015 Punkten zu notieren und dadurch eine für die institutionellen Investoren werbewirksame schwarze Null für das Halbjahr zu erreichen. Sogar der Sprung über das vorherige, langjährige Hoch von 3.303 Punkten, das im Februar markiert wurde, wäre womöglich drin gewesen. Aber die Wirecard-Aktie ist jetzt einmal in sich zusammen gebrochen und hat aufgrund ihrer hohen Gewichtung im TecDAX alle Chancen zunichte gemacht, den Eindruck zu erwecken, das Thema Corona sei vom Tisch und ab sofort wieder Hausse angesagt. Oder doch nicht?

Es kommt darauf an, ob die Anleger differenzieren. Allerdings müssten sie es, sollte dabei eine bullische Sichtweise herauskommen, recht janusköpfig tun. Denn um zu der Ansicht zu kommen, dass man jetzt noch einsteigen müsste, nachdem trotz Wirecard zwei Drittel des Corona-Ausverkaufs aufgeholt sind, wäre es nötig, Wirecard einfach aus der Performance herauszurechnen und so einen „eigentlich“ weiter intakten Aufwärtstrend zu unterstellen. Auf der anderen Seite müsste man ignorieren, dass der Fundament dieser Aufwärtsbewegung weiterhin aus Treibsand besteht, weil eine echte Stabilisierung der Wirtschaft noch nicht gegeben ist und die Entwicklung der Pandemie in vielen Teilen der Welt deutlich macht, dass man besser nicht fest davon ausgehen sollte, dass Europa aus dem Schneider ist. Außenstehende dürften wohl zu der Einstellung tendieren, dass eine derart einseitige Betrachtung, die Positives überbewertet und Negatives ausblendet, wohl kaum weit verbreitet wäre. Aber da kennt man die Börse schlecht.

Der Blick in die Börsenhistorie belegt, dass diese Denkweise, so verquer sie auch sein mag, im Gegenteil gang und gäbe ist. Hätten nicht viele Akteure die Realität höchst selektiv eingeordnet, wäre diese Super-Rallye zurück in die Nähe der vorherigen Hochs ja gar nicht zustande gekommen. So gesehen wäre es keineswegs unmöglich, dass sich diese Vorgehensweise fortsetzt, zumindest so lange, bis die Nachrichtenlage und ggf. auch die Unternehmensbilanzen des zweiten Quartals so erdrückend gegen eine optimistische Sichtweise sprechen würden, dass sie erneut einem „rette sich wer kann“ weicht. Dabei kommt dem unmittelbaren Start ins zweite Halbjahr jedoch eine entscheidende Bedeutung als Wegweiser zu. Grund:

Der TecDAX ringt aktuell mit der 200-Tage-Linie. Ob Wirecard daran „schuld“ ist, dass es dazu kam oder nicht, ist da zweitrangig, denn jetzt geht es für die vielen rein charttechnisch orientierten Trader um eine wichtige Wegweisung. Sollte der TecDAX diese 200-Tage-Linie hinreichend deutlich zurückerobern, indem er über die aktuell bei 3.072 Punkten als nächstgelegener Widerstand fungierende 20-Tage-Linie hinaus ausbricht … was mit einem neuen bullischen Signal des im Tageschart mit eingeblendeten MACD-Indikator-Indikators einhergehen würde … wäre die Kuh in Form eines erneuten, größeren Abwärtsschubes erst einmal vom Eis. Denn dann hätten wir eine klare Indikation, dass in der Tat zur Quartalswende neues Geld an den Markt geflossen ist, kombiniert mit einem charttechnischen Kaufsignal. Dann würden sie die meisten Akteure wohl hüten, vorzeitig Gewinne mitzunehmen.

TecDAX Chart auf Wochenbasis vom 30.06.2020, Kurs 2.953,65 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Käme es indes anders, würde der TecDAX die 200-Tage-Linie nicht halten und in der Folge die wichtige, zwischen 2.681 und 2.792 Punkten gelegene Unterstützungszone brechen, würde alleine dieser entmutigende Eindruck erneut deutlich abrutschender Notierungen den derzeit noch eisern verteidigten Optimismus dahin schmelzen lassen und das Potenzial für ein heute von vielen bereits abgehaktes, zweites „Bein“ der Corona-Baisse liefern.

TecDAX Chart auf Tagesbasis vom 30.06.2020, Kurs 2.953,65 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

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