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Obwohl die Ölpreise weiterhin auf inflationstreibendem Niveau verharren, gelingt es, den Euro Stoxx 50 über mittelfristig entscheidenden Unterstützungen zu halten. Zwei Aspekte tragen wohl dazu bei, beide keine Unbekannten, beide aber auch eher wacklige Stützen für die Bullen.
Seit der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 Anfang vergangener Woche die markante Unterstützungszone 5.471/5.568 Punkte testete und diese ebenso wie die knapp darüber verlaufende 200-Tage-Linie tadellos verteidigte, bleibt der Index auf Abstand zu dieser Zone.
Zwar hat das bisher nicht zu einer nennenswerten Rallye oder gar einem Kaufsignal geführt. Immerhin müsste der Index nicht nur die momentan attackierte Widerstandszone 5.795/5.823 Punkte zurückerobern, sondern eigentlich auch zumindest das zweite Abwärts-Gap (Kurslücke) von Anfang März schließen, um wieder als aktiv bullisch gelten zu können. Dazu müsste er über 5.987 Punkten schließen…
Und in dieser Hinsicht ist noch nicht viel geboten, so dass man dieses „Abstandhalten“ zur mittelfristig wichtigen Auffangzone eher als effektive Defensivleistung ansehen kann. Aber selbst das überrascht, eigentlich. Schließlich sind die Rahmenbedingungen derzeit alles, nur nicht bullisch.
Dass bisher absolut nichts funktioniert hat, um den Ölpreis nach unten zu reden, und eine freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus sowie ein Ende des Beschusses auf Ölanlagen in Nahost vorerst eher nicht wahrscheinlich sind, ist ein ernsthaftes Problem. Höhere Energiepreise, die über längere Zeit auch hoch bleiben, erhöhen die Kosten für die Unternehmen und mindern zugleich die Kaufkraft der Verbraucher. Kurz: Das drückt aufs Wachstum, und das, auf diesem Level der Öl-, aber auch der Gaspreise, nicht zu knapp. Und es ist ja keineswegs so, dass diese Einschätzung eine Ausnahme wäre.

Der gestern vorgelegte ZEW-Index der Konjunkturerwartungen für März zeigte für die Eurozone einen dramatischen Einbruch der Konjunkturerwartungen seitens der hierfür befragten Finanzmarktexperten. Von +39,4 ging es direkt auf -8,5 Punkte in negatives Terrain. Sie sehen es am Chart auf Tagesbasis: Am Euro Stoxx 50 ging dieses Signal, obgleich deutlich negativer ausgefallen als prognostiziert, offenbar spurlos vorüber. Seltsam?
Expertenmeinung: Es wäre nur dann seltsam, wenn man davon ausgehen würde, dass der Aktienmarkt umgehend und streng rational nach den Fakten laufen würde. Aber zwischen Daten und Kursen stehen die Emotionen der Marktteilnehmer, die Reaktionen verzögern und, wenn genug Hoffnung im Spiel ist, sogar vermeiden können. Es scheint, als würde man bislang stur darauf hoffen, dass die hohen Energiepreise eine zeitlich hinreichend eng begrenzte Episode bleiben, um sich nicht negativ auf die Konjunktur auszuwirken. Das Verpuffen der Meldungen über baldige Tanker-Eskorten und freigegebene strategische Reserven sollte indes dazu anhalten, nicht zu hoch auf dieses „es wird alles wieder gut“-Szenario zu wetten.
Darüber hinaus könnte derzeit als zweiter Faktor die übermorgen anstehende, große Abrechnung an der Terminbörse in der Suppe rühren, bei der wie an jedem dritten Monat eines Quartals neben den Optionen auch noch die Futures auslaufen. Große Akteure am Terminmarkt können durchaus imstande sein, die Kurse kurz vor einer solchen Abrechnung gezielt zu „führen“. Was zwar ggf. immensen Kapitalaufwand bedeuten kann, der Effekt durch gesicherte Gewinne und/oder vermiedene Verluste ist aber oft höher.
Das Problem beim Zusammenspiel dieser beiden Aspekte ist: Ab Montag kommender Woche tritt der Terminmarkt ins zweite Glied der Einflussfaktoren zurück. Bis dahin sollte die Hoffnung, dass wir es hier nicht mit einer die Konjunktur weltweit deutlicher beschädigenden Situation zu tun haben, neue Nahrung erhalten. Denn sobald der Eindruck entstehen sollte, dass die Defensive an Kraft verliert und der Abgabedruck wieder zunimmt, könnten die 200-Tage-Linie und die Supportzone 5.471/5.568 Punkte blitzschnell wieder im Fokus stehen. Sich mit Long-Positionen im Depot unterhalb dieses Bereichs mit Stoppkursen, ggf. sogar mit sofort greifenden Stop-Loss-Verkaufsorders abzusichern, dürfte daher kein Fehler sein.

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