DAX Prognose DAX: Sind die Käufer gekommen, um zu bleiben?

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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In der vergangenen Woche fiel der DAX jeden einzelnen Tag, doch der Start in die neue Handelswoche fiel erfreulich aus. Der Index drehte noch oberhalb kritischer Marken, das wirkt, als sei die Korrektur vorbei. Aber ist das so … oder wirkt es nur so?

Aus charttechnischer Sicht war es positiv, dass der deutsche Leitindex mit der kleinen Aufwärts-Kurslücke des Montags noch knapp oberhalb der April-Aufwärtstrendlinie drehte, auf die er am Freitag mit Vehemenz zugesteuert hatte. Das lässt sich als erneuten, erfolgreichen Test dieser heute bei ca. 18.160 Punkten verlaufenden Linie sehen: gut. Der Haken:

DAX: Tages-Chart vom 22.07.2024, Kurs 18.407,07 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 22.07.2024, Kurs 18.407,07 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Das war es bis jetzt aber auch schon mit „good news“ aus chart- oder markttechnischer Sicht. Bevor der im Chart auf Tagesbasis mit eingeblendete Trendfolge-Indikator MACD nicht wieder auf Kauf gedreht und der DAX selbst nicht nur Supportlinien gehalten, sondern Widerstände zurückerobert hat, ist der Aufwärtsschwenk nur einer auf Bewährung. Und eigentlich wäre dieser nur gelungen, wenn der Index das bisherige Verlaufshoch von 18.893 Zählern auf Schlusskursbasis überbietet und damit die aktuelle Handelsspanne unter sich lässt. Was rein prozentual nicht gerade wie ein Hexenwerk wirkt, nur:

Dazu müsste, wer gestern kaufte, weiter kaufen und wer unentschlossen war, einsteigen, statt Positionen abzubauen. Das wäre zu erwarten, wenn die Argumente, welche die Käufer gestern sahen, auch heute noch gelten. Aber was war es denn überhaupt, das den DAX am Montag in die Gewinnzone trug? Der Verzicht Bidens auf die Kandidatur bei der US-Präsidentschaftswahl?

Expertenmeinung: Das wäre deswegen naheliegend, weil dieser Punkt nebst der Frage, ob Kamala Harris jetzt diese Position bekommt oder doch nicht, am Montag die Schlagzeilen dominierte. Aber das Naheliegende muss zum einen nicht automatisch richtig sein, zum anderen bleibe die Frage, ob und wie positiv das denn eigentlich ist.

Dass Europa nicht gerade vor Trump-Fans strotzt und viele in der Eurozone hoffen, dass der Kelch eines schwer einschätzbaren Präsidenten, der schon jetzt wieder Strafzölle und den „Rückbau“ von Umweltauflagen auf dem Zettel hat, doch noch an ihnen vorübergeht, mag sein. Aber davon abgesehen, dass die US-Märkte am Montag unübersehbar auch nicht wirklich wussten, wie man das alles jetzt werten soll, ist ja durchaus die Frage, ob Trump denn wirklich ab sofort schlechtere Karten hat und wenn ja, ob das für den Aktienmarkt insgesamt gut oder schlecht ist. Da stehen viele Fragen im Raum, auf die es für den Moment keine Antworten geben kann. Daher: Angenommen, es wäre der Biden-Verzicht, der den DAX nach oben befördert hat, so wäre das ein Beinchen, das jederzeit wieder wegknicken könnte.

Aber es gäbe ja auch noch weitere Aspekte, die eine Rolle gespielt haben können. So senkte die chinesische Notenbank recht unerwartet in der Nacht zum Montag ihre Leitzinssätze. Da China als Absatzmarkt vieler deutscher Branchen ebenso essenziell wie momentan problematisch ist, kann das die Hoffnung auf eine Belebung der Exporte nach China und mit ihnen der Bilanzen in Branchen wie den Autobauern oder der Chemie beflügelt haben.

Darüber hinaus kann der am Freitag absolvierte Abrechnungstermin am Terminmarkt dazu geführt haben, dass zuvor wegen dieser Abrechnung ungewöhnlich stark gedrückte Aktien wieder eingesammelt wurden. Doch dieser Aspekt hätte, ebenso wie die US-Wahl oder die Zinssenkungen in China, den Malus, nicht zwingend vorhalten zu müssen. Ob die Käufer von gestern also gekommen sind, um zu bleiben, ob neue hinzukommen und der DAX damit am vergangenen Freitag wirklich ein Zwischentief gesehen hat, das auf absehbare Zeit nicht unterboten wird, blieb daher am Montagabend noch offen.

Offen genug, um die April-Aufwärtstrendlinie bei heute etwa 18.160 Punkten sowie das markante Zwischentief aus dem Juni bei 17.951 Punkten nicht aus dem Auge zu lassen. Sollten diese Linien fallen, können Stimmung und DAX umgehend Abwärtsdynamik aufbauen, deren nächste Ziele dann das April-Tief, die 200-Tage-Linie und schließlich die Supportzone um 17.000 Punkte wären. Der DAX müsste zwingend über das bisherige Hoch hinaus, um aus Sicht der Bullen „safe“ zu sein … sie haben es selbst in der Hand, das zu bewerkstelligen.

DAX: Monats-Chart vom 22.07.2024, Kurs 18.407,07 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 22.07.2024, Kurs 18.407,07 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

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Vorherige Analysen des DAX Index

Ein uraltes Erfolgsrezept des bullischen Lagers lautet, kritische News gezielt „wegzukaufen“. Denn nicht nur für die Handelsprogramme, sondern auch für viele Trader ist ein intakter Trend entscheidend, nicht der Nachrichtenticker. Aber das darf eben nicht schiefgehen.

Eigentlich waren die US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag nicht bullisch. Einerseits lag die Zahl neu geschaffener Jobs nur deswegen einigermaßen im Rahmen der Erwartungen, weil seitens der öffentlichen Hand 70.000 Stellen im Mai geschaffen wurden. Die US-Industrie baute sogar 8.000 Jobs ab. Aber mit einer Jahresrate von +3,9 Prozent lag der Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne andererseits trotzdem auf einem Niveau, das zu hoch ist, um sicher von einem nennenswerten Rückgang der Inflation ausgehen zu können.

Trotzdem wurde versucht, diese Daten in Käufe umzusetzen, schließlich wurde auch an der Wall Street weiter gekauft. Doch am Ende des Tages blieb beim DAX nur ein Plus von 25 Punkten übrig, nachdem er zeitweise 200 Punkte zugelegt hatte. Aber wenn einmal aus einem größeren Gewinn ein kleiner wird, ist das ja noch lange kein Beinbruch.

Wenn das aber zweimal nacheinander passiert, geht bei vielen erfahrenen Tradern eine Augenbraue nach oben. Und am Montag passierte es eben noch einmal, diesmal als – letztlich nachvollziehbare – Reaktion auf die Wahlentscheidung in Frankreich.

Expertenmeinung: Schnell wurde klar, dass der Versuch, eine Regierung der Rechtsparteien zu verhindern, zu einer nicht weniger problematischen Situation geführt hatte. Indem jetzt ein untereinander uneiniger linker Flügel, die die stärkste Kraft wurde, aber nicht stark genug, um alleine regieren zu können. Die Sitzverteilung bedeutet unklare Verhältnisse und erhebliche Probleme, eine neue Regierung zu bilden. Das ist für die Eurozone insgesamt eine ungute Situation. Entsprechend verhalten ging es beim DAX zum Wochenstart los, die Vorbörse zeigte kaum Regung.

Aber dann wurde wie so oft, wenn die Bullen merken, dass sie Zeichen setzen müssen, trotzdem gekauft. Der DAX legte zeitweise gut 150 Punkte zu. Nur am Ende, da sah es in etwa genauso aus wie am Freitag: Der Kursgewinn war diesmal sogar komplett dahin, der deutsche Leitindex ging mit -3 Punkten quasi unverändert aus dem Handelstag.

DAX: Tages-Chart vom 08.07.2024, Kurs 18.472,05 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 08.07.2024, Kurs 18.472,05 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Zwei Tage, an denen vergeblich versucht wurde, negativen Nachrichten zu trotzen, das ist dann schon etwas, das die ersten unruhig machen kann. Zumal der DAX, wir sehen es im Chart, auf Tagesbasis, unter seinen letzten Zwischenhochs abgewiesen wurde.

Noch sieht das im mittelfristigen Chart auf Wochenbasis mehr wie eine Konsolidierungsphase als wie eine Toppbildung aus. Noch könnte das Lager der Käufer das bullische Momentum mit einem einzigen, starken Handelstag, der den DAX über die kurzfristige Abwärtstrendlinie und die Hochs der letzten zwei Handelstage trägt, wieder herstellen. Aber es ist zweifellos genug Akteuren klar, dass wir hier nicht über ein „Kann“, sondern ein „Muss“ reden, dass Eile geboten ist. Denn „unverwundbar“ ist der DAX, das hatten wir gerade erst Mitte Juni gesehen, nicht.

DAX: Wochen-Chart vom 08.07.2024, Kurs 18.472,05 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 08.07.2024, Kurs 18.472,05 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Neigt sich wie jetzt ein Quartal dem Ende zu, kommen die „Window Dressing“ genannten Positionsanpassungen institutioneller Investoren ins Spiel. Die ziehen die Indizes oft höher, im Fall des DAX ist das diesmal aber nicht so, im Gegenteil, das Window Dressing bremst eher.

Der Ausdruck „Window Dressing“ meint genau das, was er übersetzt bedeuten würde: das Fenster dekorieren. Institutionelle Investoren wie Fonds, Hedgefonds oder Pensionsfonds passen ihr Portfolio zum Ende eines Quartals gerne so an, dass die Performance optimiert und dadurch besonders werbewirksam daherkommt. Schließlich will man bestehende Kunden halten, zum Zukauf ermutigen und idealerweise neue hinzugewinnen.

Dazu wird die Barreserve angepasst und gute gelaufene Positionen eher zugekauft, schwache reduziert. Im Fall eines starken Quartals, in dem dann auch normalerweise mehr Aktien gut gelaufen sind, als im Quartalssaldo verloren haben, wird die Barreserve dann gerne eingesetzt, um so hoch wie möglich in stark gelaufenen Aktien investiert zu sein. Das zieht diese „Pacemaker“ noch einmal bis zum Ultimo höher, während die Quartalsverlierer umso heftiger abrutschen. Das Problem beim DAX:

DAX: Tages-Chart vom 27.06.2024, Kurs 18.210,55 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 27.06.2024, Kurs 18.210,55 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Anders als die US-Indizes, die auf solide Gewinne im für die Börse heute endenden zweiten Quartal blicken, müsste sich der DAX arg strecken, um das Quartal wenigstens null auf null abzuschließen, denn er beendete das erste Quartal bei 18.492 Zählern. Also läuft hier in Sachen „Zugpferd“ zum Ultimo eher wenig bis gar nichts. Im Gegenteil fällt vor allem auf, dass die Verlierer der vergangenen drei Monate gerade unter Druck stehen, die werden also verkauft und drücken mehr, als Käufe bei stark gelaufenen Aktien ziehen.

Aber das ist ja nur ein auf einen Stichtag bezogenes Phänomen … heißt das, der DAX könnte ab kommender Woche die Bremsen lösen und wieder dynamisch nach oben davonziehen?

Expertenmeinung: Egal, ob das Window Dressing mehr bremst als stützt oder umgekehrt, es ist keine Indikation für die Zeit danach. Normalerweise nutzen die großen Adressen eine Quartalswende, um ihre Portfolioausrichtung zu überprüfen und ggf. anzupassen. Während das Window Dressing eine Reaktion auf das bereits geschehene ist, blickt man da also nach vorne und versucht, aussichtsreiche Branchen höher zu gewichten, während ausgereizte oder in der Perspektive verschlechterte Bereiche untergewichtet, der ganz abgestoßen werden.

Und das gilt bei Investoren, die sich nicht alleine auf den DAX reduzieren, sondern internationale Portfolios fahren, auch für die Frage: Mehr oder weniger DAX gegenüber anderen Indizes in Europa oder weltweit. Und da haben wir eine Ausgangslage, in der sich eine höhere Gewichtung des deutschen Leitindex nicht unbedingt aufdrängt.

DAX: Monats-Chart vom 27.06.2024, Kurs 18.210,55 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 27.06.2024, Kurs 18.210,55 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Deutschland als Wachstums-Klotz am Bein der Eurozone, Sparkurs der Regierung statt massiver Förderung und Wachstumsanreiz, Gewinnwarnungen in verschiedensten Branchen und eine Bewertung, die, bezogen auf die Zusammensetzung des Index, alles andere als günstig ist: Das wären eher Argumente, die DAX-Exposition im dritten Quartal herunterzufahren. Das könnten die Entscheider bei institutionellen Investoren selbstverständlich anders und positiver beurteilen, keine Frage, aber:

Es wäre auf jeden Fall eine gute Idee, erst wieder über das Etablieren oder Ausbauen von Long-Trades nachzudenken, wenn der DAX mit einem Break über die die Konsolidierung führende 20-Tage-Linie bei 18.330 und über das April-Hoch bei 18.567 Punkten einen Beweis dafür abliefert, dass die Bullen im dritten Quartal wieder antreten, um den DAX auf neue Hochs zu tragen.

Das Wochenminus des DAX war immens und brachte eine ganze Reihe an bärischen Signalen der Chart- und Markttechnik mit sich. Die Frage, die sich jetzt alle stellen, lautet: Wie weit geht es jetzt noch nach unten? Die 17.000er-Zone böte sich als Ziel an, aber muss es so kommen?

Da war eine Menge Kapital unterwegs in der vergangenen Woche, raus aus den Aktien der Eurozone, hinein in Anleihen und US-Aktien. Der Exodus wurde losgetreten durch das Ergebnis der Europawahl und den als unmittelbare Folge angesetzten, vorgezogenen Neuwahlen in Frankreich. Und denkbar wären solche Neuwahlen auch in Deutschland. Das interpretieren offenbar nicht wenige internationale Investoren so, als werde Europa in Zukunft ein schlechterer Standort für Investitionen, könnte noch weniger Wachstum zeigen und seitens der internationalen Konkurrenz in vielen Branchen noch weiter zurückfallen. Die Konsequenz: Man reduziert seine Kapitalexposition in der Eurozone und sieht zu, das Geld woanders sicherer unterzubringen.

Aber irgendwann hätte da ja verkauft, wer verkaufen wollte, d.h. dieser Abgabedruck dürfte endlich sein. Das ist der erste Punkt, über den man nachdenken sollte. Der zweite ist: Würden Neuwahlen die Lage wirklich verschlechtern und ist die politische Lage jetzt instabiler als vor der Wahl? Und zuletzt: Muss der DAX denn zwingend mit abrutschen, wenn es in Frankreich ungemütlich wird … oder könnte er nicht vielmehr der Index sein, der Kapital, das aus dem französischen Leitindex CAC 40 abfließt, aufnimmt?

Expertenmeinung: Bei allen drei Fragen kann es nur subjektive Antworten geben, sogar bei der ersten. Denn ja, sicherlich ist das Reduzieren der Positionen seitens internationaler Investoren endlich. Aber wir können aus dieser Erkenntnis nicht ableiten, wie viel Geld bereits abgeflossen ist, wie viel man noch verkaufen will und vor allem nicht, ob manche Hedgefonds jetzt nicht umschwenken und gezielt in der Eurozone auf die Short-Seite setzen.

DAX: Tages-Chart vom 14.06.2024, Kurs 18.002,02 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 14.06.2024, Kurs 18.002,02 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Hinsichtlich der zweiten Frage könnte man sagen: Unruhig war die Lage ja schon vorher, das Ergebnis der Europawahl ist nur das Ergebnis dieser Unzufriedenheit. Es ist zwar möglich, dass eine neue Regierungskonstellation in Frankreich und ggf. in den kommenden Jahren auch in anderen Eurozone-Ländern die Lage verschlimmert, weil dann Parteien in der Verantwortung stünden, die bislang noch nicht bewiesen haben, dass sie nicht nur die Entscheidungen der Regierenden kritisieren, sondern es auch besser machen können. Aber es muss nicht zwingend so kommen.

Und da man außerhalb Europas Deutschland lange Zeit als eine Art ruhenden Pol innerhalb der EU angesehen hat, könnte der DAX theoretisch durchaus aus anderen Eurozone-Ländern aufnehmen. Allerdings musste man das mit dem „ruhenden Pol“ zuletzt eher auf das stagnierende Wachstum und eine Art „Entscheidungsstau“ beziehen. Was nicht gerade für Deutschland als erste Wahl für internationales Kapital im Vergleich zu anderen EU-Ländern spricht.

Hinzu kommt, dass die Drohung der EU von Strafzöllen gegen bestimmte Importe chinesischer Elektrofahrzeuge trotz massiver Warnung von Experten und Automobilindustrie nicht gerade den Eindruck erweckt, dass die EU imstande wäre, in Sachen Wirtschaftsstandort und Wachstum die richtigen Entscheidungen zu treffen. Was aus meiner Sicht hieße:

Es ist möglich, dass die Verkäufe erst einmal weitergehen, es ist möglich, dass sich das Bären-Lager gezielt und massiv auf den DAX stürzt, aber es wäre leichtsinnig, das als beschlossene Sache anzusehen. Zumal das Kapital, vor allem das, welches in US-Hightech-Aktien übersiedelte, die mehrheitlich heiß gelaufen und überbewertet sind, dort womöglich nicht lange bleiben könnte, so dass manch einer relativ bald überlegen könnte, den DAX auf niedrigerem Level wieder einzusammeln. Bald heißt aber nicht „umgehend“, zumal:

DAX: Wochen-Chart vom 14.06.2024, Kurs 18.002,02 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 14.06.2024, Kurs 18.002,02 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Die Supportzone bei 17.000 Punkten nebst der bei 16.900 Zählern verlaufenden 200-Tage-Linie wären potenzielle Kursziele der Trader … und noch ist der Index nicht einmal auf Tagesbasis überverkauft. Hinzu kommt diese auffällige negative Divergenz des RSI-Indikators zum Index auf Wochenbasis. Der Weg nach unten wäre kurzfristig also der leichtere. Und da am Freitag mal wieder eine große Abrechnung am Terminmarkt ansteht, könnte der Druck bis dahin anhalten.

Aber danach würde ich mit Short-Trades deutlich vorsichtiger sein. Zwar wäre die Luft nach oben jetzt dünner als zuletzt, so dass man vom DAX besser nicht allzu viel Aufwärtspotenzial erwarten sollte. Aber das heißt nicht, dass man jetzt mit Mann und Maus hoch gehebelt Short gehen könnte, ohne das Risiko, plötzlich von einer starken Gegenbewegung überrollt zu werden. Denn klar ist eben auch: 16.900/17.000 wäre ein Kursziel, aber Ziele können, müssen aber nie erreicht werden, daher: Vorsicht jetzt beim kurzfristigen Trading!

Der DAX klopft weiter ans Rekordhoch, obwohl man in Sachen Zinsphantasie eher ernüchtert sein müsste. Denn die Trader haben zwar bekommen, worauf sie monatelang gesetzt hatten, aber ein „Nachschlag“ könnte vorerst ausbleiben. Kommt die Reaktion beim DAX noch?

Seit Ende Oktober 2023 trieb die Erwartung den DAX, dass die Leitzinsen in der Eurozone und den USA bald, spätestens im März, zu sinken beginnen und dann schnell und weit zurückgenommen werden. Und das ohne vorherigen, heftigen Abstieg der Wirtschaftsleistung. Kurz: Man nahm seit letzten Herbst ein „Best Case-Szenario“ vorweg. Man startete diese Hausse beim DAX bei 14.630 Zählern und erreichte das bisherige Hoch am 15. Mai bei 18.893 Punkten. Der Haken: Das „Best Case-Szenario“ kam nicht zustande.

Die Konjunkturentwicklung in der Eurozone insgesamt blieb wacklig, in Deutschland war und ist sie schlicht miserabel. Und statt einer ersten Zinssenkung im März, der dann schnell weitere folgen sollten, kam dieser erste Zinsschritt erst am gestrigen 6. Juni. Gut, könnte man sich sagen, dann eben etwas später, aber Hauptsache, die Zinsphantasie wird genährt und ab jetzt geht es zügig zurück in die wachstumsfördernde Region des „billigen Geldes“. Doch das könnte man nur behaupten, wenn man die wirtschaftliche Gemengelage nicht kennt und weder das Statement der EZB gelesen noch die Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde gesehen hat. Denn nein, weitere Zinsschritte wurden nicht nur nicht avisiert. Die EZB machte recht klar, dass man darauf besser vorerst nicht wetten sollte.

Expertenmeinung: Was man angesichts des deutlich über der Toleranzschwelle der EZB liegenden Lohnanstiegs in der Eurozone ebenso wie in Deutschland im ersten Quartal längst ahnen durfte, wurde gestern auch so kommuniziert: Das war einem Rückgang der Teuerungsrate zurück an die Zwei-Prozent-Zone absolut nicht zuträglich. Die Folge:

Die EZB korrigierte ihre Inflationsprojektion für das laufende Jahr, und zwar nach oben: von bislang 2,3 auf 2,5 Prozent für die Gesamtinflation und von 2,6 auf 2,8 Prozent für die Kernrate, die die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energie herausrechnet. Und für beide Bereiche sieht die EZB jetzt 2,2 Prozent per Ende 2025 statt zuvor 2,0 Prozent. Letzteres hätte bedeutet: Ziel erreicht. Ersteres nicht.

DAX: Tages-Chart vom 06.06.2024, Kurs 18.652,67 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 06.06.2024, Kurs 18.652,67 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Damit muss man nüchtern betrachtet konstatieren: Diesem ersten Schritt müssen keineswegs in nächster Zeit weitere folgen, die EZB wird sich erst einmal genau ansehen, wie sich die Gesamtsituation weiter entwickelt. Damit wäre die Zinsphantasie erst einmal entschwunden … nach einer Zinssenkung um 0,25 Prozent, die somit kaum mehr als fünf Prozent des vorherigen Anstiegs des Leitzinses von 0,0 auf 4,5 Prozent zurücknimmt. Wachstums-Stimulus sieht anders aus. Damit ist der Kursrakete DAX also der Treibstoff ausgegangen. Kann es gelingen, auch ohne weiter zu fliegen?

Das wird darauf ankommen, wie viele derjenigen, die regelmäßig Geld in den DAX investieren, dabei aber nur auf dessen Trend und nicht auf das Umfeld achten, jetzt den Eindruck gewinnen, dass es besser wäre, langsam mal Gewinne mitzunehmen. Und diese Klientel wird voraussichtlich erst dann reagieren, wenn der DAX unter neuralgische Punkte rutscht. Solange nicht zu viele reagieren, wird die Masse also auch nicht verkaufen, vermutlich sogar einfach weiter kaufen, bis irgendjemand laut genug „Feuer“ schreit. Was, wenn man sich um das Umfeld nicht kümmert, nur die Kurse selbst tun könnten. Da sich aber nicht nur passive und unerfahrene Anleger im DAX tummeln, kann das durchaus passieren.

DAX: Monats-Chart vom 06.06.2024, Kurs 18.652,67 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 06.06.2024, Kurs 18.652,67 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Dass der DAX gestern trotz der eher „falkenhaften“ Aussagen der EZB ein Plus über die Ziellinie rettete, hat da noch wenig zu sagen. Man muss einfach mal abwarten, ob die nächste, wichtige Supportmarke jetzt angesteuert wird und ob sie hält oder nicht. Das Problem der Bullen: Diese Marke ist ziemlich nahe:

Es geht um das jüngste Zwischentief bei 18.365 Punkten, von dem aus der deutsche Leitindex gerade erst am Dienstag den letzten Aufwärtsimpuls gestartet hatte. Das war zugleich die Bestätigung der Oktober 2023-Aufwärtstrendlinie als dem Leitstrahl der Hausse. Fällt diese Marke auf Schlusskursbasis, wäre die Chance, dieses Zwischentief zum Sprungbrett für einen Anlauf an und über das bisherige Rekordhoch zu machen, vertan. Das wäre, als würde der DAX selbst „Feuer“ schreien. Und das dürften auch diejenigen mitbekommen, die sich um das „Drumherum“ nicht scheren. Fazit: Die DAX-Hausse könnte zwar theoretisch auch ohne Zinsphantasie weitergehen … aber ich würde nicht allzu hoch darauf wetten!

Dass die Wall Street am Donnerstag trotz stark steigender Nvidia-Aktie einen Abwärtsschwenk vollzog, schlug sich auch im DAX nieder, aber zum Handelsende des Freitags waren die Verluste wieder aufgeholt. Ist der Weg nach unten also blockiert, der nach oben offen?

Würde man sich in den Kopf eines überzeugt bullischen Traders versetzen, würde man etwa folgendes finden: Im Fall eines massiven Rallye-Schubes der US-Indizes im Kielwasser starker Nvidia-Bilanzdaten steigt der DAX natürlich mit, keine Frage. Im Fall eines Abwärtsimpulses, ob Nvidia daran „schuld“ wäre oder nicht, ist das kein Grund, beim DAX auszusteigen, schließlich ist der in Bezug auf KI kaum betroffen. Egal also, wie es kommt, lautet das Motto „vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ Ein Problem könnte dabei nur dann auftreten, wenn zu viele gegenteiliger Ansicht sind. Am Freitag waren sie es nicht.

DAX: Tages-Chart vom 24.05.2024, Kurs 18.693,37 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 24.05.2024, Kurs 18.693,37 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Wir sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der DAX zwar zeitweise nachgab, dann aber genau dort auf Käufe traf, wo es darauf ankam. Und das schon bei den unmittelbar nächstgelegenen Supportlinien, sprich bereits auf der Ebene des „Mikrokosmos“. Genau auf Höhe der im Tageschart schwarz gehaltenen 20-Tage-Linie drehte der Index, holte die Verluste wieder auf und schloss quasi unverändert, wodurch die nächstliegende horizontale Supportlinie in Form des April-Hochs bei 18.567 Zählern ebenfalls auf Schlusskursbasis verteidigt wurde.

Doch es ist selten mit einer erfolgreichen Defensive getan, vor allem nicht in einem Umfeld mit mehrheitlich bärischen Rahmenbedingungen. Jetzt müssen die Bullen weitermachen, attackieren, eventuelle Verkaufsorders im Bereich des jüngsten Verlaufsrekords bei 18.893 Punkten abräumen und nach oben ausbrechen, denn:

Expertenmeinung: Mit der Verteidigung dieser nahe gelegenen Supportlinien ist auch eine Achillesferse entstanden: Wenn diese 20-Tage-Linie bei einem zweiten Test fallen sollte, wäre das ein Signal dafür, dass das bullische Lager zu schwach ist, um stärkeren Druck abzufangen. Dann würden diejenigen, die zwar von dem Intraday-Reversal der US-Indizes am Donnerstag irritiert waren, deren Finger aber über der „Sell“-Taste stehen blieb, diesmal doch draufdrücken. Und das weiß auch das bärische Lager, dessen Stärke man nie wirklich abschätzen kann, zumal:

Am Freitag wirkte das Kursverhalten nicht so, als hätten die Bären nennenswert mitgemischt. Unter der 20-Tage-Linie und damit unter 18.500 Punkten dürfte sich das aber ändern, denn dann wäre die nächste Unterstützungslinie von Bedeutung erst das April-Tief bei 17.627 Zählern. Ein Spielraum, denn auszuloten die Short-Seller allemal versuchen dürften, denn die wacklige Gesamtsituation würde einem nach unten abdrehenden DAX ja nicht zuwiderlaufen.

Die Käuferseite ist also trotz dieser erfolgreichen Verteidigung weiter gefordert. Diese Woche muss da nach oben etwas vorangehen. Wenn nicht, wäre dieser 20-Tage-Durchschnitt die Linie, auf die es auf kurzfristiger Ebene ankommt. Ein leichtes Unterbieten wäre noch kein großer Beinbruch, aber spätestens bei Schlusskursen unter 18.400 Punkten würde die Trendampel auf „dunkelgelb“ umspringen.

DAX: Monats-Chart vom 24.05.2024, Kurs 18.693,37 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 24.05.2024, Kurs 18.693,37 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX