DAX Prognose DAX: Sie wollten es, sie bekamen es … und wie nun weiter?

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Am Donnerstag ist der DAX mit Schwung über das bisherige Verlaufshoch gelaufen. Damit ist ihm gelungen, was Euro Stoxx 50, Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 noch nicht gelungen ist. Charttechnisch ist das klar bullisch. Aber könnte das nicht doch als Bullenfalle enden?

Wer sich in letzter Zeit beim DAX-Trading darauf verlassen hat, dass der deutsche Leitindex ein Spiegel der wirtschaftlichen Gesamtsituation sei, hatte wenig zu lachen. Das Wachstum pendelt um eine „rezessive Null“ herum, der Auftragseingang ist unerfreulich. Die Hoffnung, China werde massiv durchstarten und den Karren aus dem Dreck ziehen, bleibt bislang unerfüllt. Manche Quartalsbilanz auch großer deutscher Unternehmen fiel schwach aus. MDAX und TecDAX ziehen bei dieser Hausse nicht mit … und doch, es läuft.

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Natürlich ist das dünnes Eis, es ist sogar äußerst dünn. Aber erstens müsste man erst einmal wissen, dass das der Fall ist. Und sehr vielen, die am Aktienmarkt aktiv sind, fehlen dazu das nötige Grundwissen und/oder das Interesse daran. Warum Fachbücher wälzen, wenn es auch so geht? Und zweitens ist genau das, nämlich dass es bislang ja trotzdem aufwärts ging, für viele der Beweis dafür, dass die Hausse des DAX eine Einbahnstraße ist, Gegenverkehr ausgeschlossen. Und einen Faktor haben die Bullen ja nun definitiv auf ihrer Seite: die Charttechnik.

DAX Index: Monatschart vom 09.05.2024, Kurs 18.686,60 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX Index: Monatschart vom 09.05.2024, Kurs 18.686,60 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Mit diesem Ausbruch über das vorherige Verlaufshoch ist der DAX nach oben erst einmal frei. Sicher, mit dem Anstieg über den ganz langfristigen Aufwärtstrendkanal sehen wir ein „Überschießen“, das ist nie so ganz ohne. Hinzu kommt, dass der DAX sogar auf Monatsbasis markttechnisch nahe der überkauften Zone unterwegs ist. Das passiert nicht oft. Und wenn, das zeigt unser Chart auf Monatsbasis, ist eine Korrektur nie weit. Aber da geht es um langfristige Zeitraster, was hieße:

Jetzt ist der DAX eben erst einmal wieder klar bullisch. Und eine Korrektur könnte zwar jeden Augenblick einsetzen und ggf. auch heftig ausfallen. Aber sie muss es nicht, es könnte auch noch wochenlang weiter gutgehen mit diesem Tanz auf dem dünnen Eis und, wer weiß, sogar die „magische 20.000“ erreicht werden. Von der wirtschaftlichen Realität hat sich der Index ohnehin abgekoppelt, also, warum nicht? Immerhin zählt nur, ob mehr Geld in den Index hinein als hinaus fließt. Ist das der Fall, ist nach oben grundsätzlich nicht unmöglich. Aber!

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Deswegen eine Bullenfalle, sprich den unverhofften Rückfall unter das alte Hoch von 18.567,16 Punkten nebst danach weiter fallenden Kursen einfach frohgemut ins Reich der Märchen abzuschieben, wäre höchst verwegen. Denn eines weiß man eben nie:

Wie groß ist die Zahl derer, die gestern bei diesem Ausbruch nicht mitgezogen haben, nicht, weil sie es nicht mitbekommen haben, sondern weil sie nur abwarten wollen, bis den Käufern das Geld ausgeht, um dann in aus ihrer Sicht perfekt hohe Kurse hinein auszusteigen und/oder auf die Short-Seite zu gehen? Denn dass es beim gestrigen Anstieg, der weit über die Kursgewinne anderer großer Indizes hinausging, keine Gegenwehr gab, die man durch immer mal wieder abrutschende Kurse hätte erkennen können, ist völlig normal. Erfahrene Investoren, auch große Adressen, stellen sich einem derart dahinrasenden Güterzug nie in den Weg. Sie warten ab, bis er durch ist, bevor sie aktiv werden. Was bedeutet:

Die DAX-Bullen müssen zwingend immer in Bewegung bleiben, dürfen Bären und potenziellen Verkäufern keine Angriffspunkte bieten. Auf Dauer ist das nicht möglich. Und wenn der DAX noch ein paar Hundert Punkte weiterläuft, könnten bei einem dann auch auf Tagesbasis markttechnisch überkauften Level sogar die Handelsprogramme und die rein technisch agierenden Trader zu Verkäufern werden. Aber wo und wann das passiert, ist eben, wie immer, offen, daher ließe sich als Fazit nur eines festhalten:

DAX Index: Tageschart vom 09.05.2024, Kurs 18.686,60 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX Index: Tageschart vom 09.05.2024, Kurs 18.686,60 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Sollte der DAX dieses vorherige Hoch deutlicher und auf Schlusskursbasis unterbieten, was man als Anhalt bei Closings unter 18.450 Zählern annehmen könnte, dann wäre das Risiko einer Bullenfalls immens, dann beginnt hier das Eis zu brechen. Solange das nicht der Fall ist, ließe es sich auf der Long-Seite angenehmer leben … immer vorausgesetzt, man agiert, wie man es immer sollte, mit einer Stop Loss-Absicherung und zieht diese auch regelmäßig nach!

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Vorherige Analysen des DAX Index

Der DAX ist seit Ende Oktober gewaltig gelaufen, da wäre eine größere Korrektur als das, was wir bislang gesehen haben, nur normal. Aber es scheint, als wollten es die Bullen nicht darauf ankommen lassen, den Test der kritischen Zone unbedingt vermeiden. Klappt das auf Dauer?

Man kann es recht simpel zusammenfassen: Der DAX darf nach seiner Super-Rallye korrigieren, so viel und so lange er will, solange nur eines nicht passiert: Er darf nicht nennenswert unter 17.000 Punkte zurückfallen. Denn dort liegen nicht nur die Hochs der Phase um die Jahreswende.

DAX: Monats-Chart vom 29.04.2024, Kurs 18.118,32 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 29.04.2024, Kurs 18.118,32 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Um 17.000 bis 17.250 Zähler verläuft auch die obere Begrenzungszone des ganz langfristigen Aufwärtstrendkanals, wie wir im Chart auf Monatsbasis sehen. Würde er zu einem Monatsende, womöglich gar schon im Mai, in diesen Trendkanal zurückfallen, wäre das ein markant bärisches Signal. Und die Bullen wissen:

Die Rahmenbedingungen bieten ihnen derzeit nicht gerade Rückenwind. Die Preise steigen weiter, die Vorab-Inflationsdaten des Aprils aus Spanien und Deutschland gestern machten das erneut deutlich. Zwar sinkt die Jahresrate der Inflation immer näher an die Zwei-Prozent-Marke. Aber solange die Preise im Vergleich zum jeweiligen Vormonat in Regionen zwischen +0,3 bis +0,6 Prozent bleiben, wo sie derzeit liegen, würde die Jahresrate in den kommenden Monaten wieder steigen.

Was auch der EZB klar ist. Daher ist die – im Prinzip ja beflügelnde – Zinssenkungsphantasie momentan dünnes Eis. Dass die EZB im Juni eine kleine Zinssenkung vollzieht, ist zwar tendenziell wahrscheinlich. Dass das dann erst einmal nur ein symbolischer Akt ist und eine Phase des Prüfens und Abwartens folgt statt einer Nonstop-Senkungsserie, aber auch. Und was bliebe ansonsten als Kaufargument?

Expertenmeinung: Der DAX könnte durchaus an das bisherige Hoch und darüber hinaus laufen, wenn die Marktteilnehmer sehen würden, dass die im DAX gelisteten großen Unternehmen imstande sind, trotz der so hohen Zinsen einfach immer mehr und mehr Gewinn zu erzielen. Dass genau das gelingt, war ja auch Teil der Argumentation, die den Index seit Ende Oktober derart rasant und weit nach oben trieb. Der Haken dabei:

Bislang sieht man genau das aber nicht. Bislang hat zwar erst ein Teil der DAX-Unternehmen seine Quartalszahlen bzw. vorläufige Ergebnisse präsentiert. Aber die waren mehrheitlich eher enttäuschend. Und dass so manches Unternehmen bislang keine Vorab-Zahlen präsentiert hat, das sonst immer dann vorprescht, wenn man besser liegt als die Analysten es prognostiziert hatten, lässt nicht unbedingt Gutes erwarten.

Dass der DAX noch so deutlich über dieser Zone um 17.000 Punkte wieder nach oben drehte, erscheint daher eher wie eine „offensive Defensive“ der Bullen und weniger wie Käufe aus Überzeugung. Achten Sie daher auf dieses jüngste Zwischentief bei 17.627 Punkten. Das darf aus Sicht des bullischen Lagers nicht fallen. Passiert es doch, wäre ein Test der Region 17.000/17.250 Punkte sehr wahrscheinlich. Und wenn erst einmal die Kurse kippen, kann die Stimmung schnell hinterher purzeln, daher würde ich, wenn diese Zone wirklich erreicht würde, eher nicht allzu viel darauf wetten, dass sie dann auch hält.

DAX: Tages-Chart vom 29.04.2024, Kurs 18.118,32 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 29.04.2024, Kurs 18.118,32 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Kaum hatte das 2. Quartal begonnen, war es mit den Rallyes der großen Indizes schlagartig vorbei, da bildete der DAX keine Ausnahme. Der hat sich jetzt um 17.800 etwas stabilisiert. Aber das dürfte nicht von Dauer sein, denn so steht er charttechnisch zwischen zwei Stühlen.

Das Rekordhoch, am Morgen des 2. April erreicht, lag bei 18.567 Punkten. Die charttechnisch logischste Zielzone der Korrektur findet sich um 17.000, konkret zwischen 16.963 und 17.050 Punkten. Der DAX findet sich also aktuell genau in der Mitte wieder. Ein Zustand, den Trader nicht gerne so stehen lassen, eine Entscheidung muss her. Was hieße: Entweder, es gelingt, die Korrektur glaubwürdig vor Erreichen der Zielzone abzubrechen … oder die Zielzone wird konsequent angesteuert und getestet. Was wäre wahrscheinlicher?

DAX: Wochen-Chart vom 18.04.2024, Kurs 17.850,81 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 18.04.2024, Kurs 17.850,81 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Man würde in diesem geopolitisch sukzessiv kritischer werdenden Umfeld und angesichts enttäuschender Quartalszahlen der DAX-Mitglieder Continental und Sartorius zwar unwillkürlich zur bärischen Variante neigen. Aber angesichts eines längst geplatzten Zinssenkungs-Szenarios und trotzdem erreichten, neuen Rekordhochs sollte man sich nicht zu sehr auf die Rahmenbedingungen und die Logik stützen. Letztere holt einen davonlaufenden Markt zwar immer ein, egal, ob der zuvor nach oben oder unten übertrieben hat. Aber man weiß nie, wann. Aber woran könnte man sich sonst orientieren?

Expertenmeinung: Zunächst einmal muss man im Hinterkopf haben, dass heute eine Abrechnung der Index-Optionen am Terminmarkt läuft. Das kann den DAX in den letzten zwei, drei Tagen gestützt haben, es kann aber ebenso mit ein Grund gewesen sein, dass er überhaupt in die Mitte dieser Range zwischen Allzeithoch und der 17.000er-Zone gerutscht ist. Das kann man nie sicher absehen, wichtig ist nur, diesen so unkalkulierbaren Aspekt mit einzubeziehen, indem man in dieses aktuelle Verharren um 17.800 Punkte nicht zu viel hinein interpretiert. Unter dem Strich ließe sich sagen:

Nach den am Montag danach oft noch auftretenden „Nachwehen“ einer solchen Abrechnung dürfte der DAX ab dem kommenden Dienstag wieder in normales Fahrwasser zurückkehren, indem der Terminmarkt ins zweite Glied zurücktritt. Ab dann wären zwei Szenarien wegweisend in Bezug auf die Frage, ob die Bullen sich doch noch durchsetzen oder nicht.

Ein entscheidender Erfolg wäre, wenn der deutsche Leitindex nach der knapp unter ihr verlaufenden Oktober-Aufwärtstrendlinie die 20-Tage-Linie zurückerobern könnte, die aktuell bei 18.150 Punkten verläuft.

DAX: Tages-Chart vom 18.04.2024, Kurs 17.850,81 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 18.04.2024, Kurs 17.850,81 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Denn der Blick auf den Chart auf Tagesbasis zeigt, dass der DAX dort am vergangenen Freitag ebenso wie am Montag abgewiesen wurde, als versucht wurde, ihn wieder nach oben zu bringen. Ein Abdrehen an dieser Linie deutet auf aktiv Short agierende, charttechnische Trader hin. Können die an dieser Linie bremsenden Trader bezwungen werden, wäre das ein zumindest kurzfristig klar bullisches Signal.

Sollte der Index aber deutlicher unter das bisherige Korrekturtief von 17.713 Punkten fallen und auch darunter schließen, steigt die Wahrscheinlichkeit immens, dass es weiter Richtung der Zone um 17.000 geht. Die kommende Woche dürfte somit Weichen stellen.

Wenn sich Kurse auf Rekordniveau schnell aufwärts bewegen, haben die Bullen ein Problem: Es bilden sich bei einem solchen Sturmlauf keine charttechnischen Unterstützungen, so dass man wie auf einer Leiter ohne Sprossen unterwegs ist. Und auf den DAX trifft das derzeit zu.

Kaum musste man sich nicht mehr fragen, ob der DAX die runde 17.000 wohl nachhaltig würde überwinden können, war schon die 18.000 „eingetütet“ und der Index lief einfach immer weiter. Analysten-Kursziele für Ende 2024 wurden reihenweise überboten und binnen sechs Wochen ein Zugewinn von ca. 8,5 Prozent erzielt. Dabei lief die Rallye da schon lange, konkret seit Ende Oktober. Doch pünktlich zum Start ins zweite Quartal war auf einmal Schluss. Nur kurzfristig oder „bis auf Weiteres“?

DAX: Tages-Chart vom 09.04.2024, Kurs 18.077.69 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 09.04.2024, Kurs 18.077.69 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Diese Frage dürften sich momentan viele stellen, wenn nicht alle. Das Problem ist: Wenn diejenigen, die auf Käufe anderer mit eigenen Käufen reagierten und nur auf die steigenden Kurse, aber nicht auf das Umfeld schauten, erst einmal anfangen nachzudenken, wird es bei einer solchen Gemengelage leicht eng für die Bullen – aus zwei Gründen.

Expertenmeinung: Erstens, weil diese Hausse des DAX nicht von positiven Rahmenbedingungen begleitet wurde. Die Ausblicke vieler DAX-Unternehmen konnte man bestenfalls als „so lala“ einordnen. Die Zinssenkungsphantasie löst sich immer mehr auf, die Konjunkturdaten wollen nicht nennenswert besser werden. Derweil läuft der „sichere Hafen“ Gold wie geschnitten Brot und der Ölpreis ist auf einem die Inflation stützenden und die Kaufkraft drückenden Niveau angekommen.

Zweitens, weil der deutsche Leitindex zum Quartalsultimo markttechnisch ungewöhnlich stark überkauft war und diesen überkauften Zustand auf Tagesbasis nur teilweise, auf Wochenbasis noch gar nicht abgebaut hat. Und weil zu dieser Überhitzung hinzu kam, dass sich über der Zone zwischen 16.963 und 17.050 Punkten, die bis Mitte Februar den „Deckel“ darstellte und jetzt als Support fungiert, keine nennenswerten Unterstützungen ausbilden konnten.

Nur zwei Linien würden jetzt nahe des aktuellen Niveaus mögliche Auffanglinien darstellen. Zum einen die 20-Tage-Linie bei 18.155 Zählern, die indes gestern zum Handelsende schon leicht unterboten wurde. Zum anderen die sehr steile Oktober-Aufwärtstrendlinie bei momentan 17.940 Punkten. Darunter wären dann fast 1.000 Punkte Luft bis zu der Zone um 17.000 Punkte, die indes, wenn man sich den DAX auf Wochenbasis ansieht, im übergeordneten Bild auch eher wie eine Art Drahtseil und nicht wie ein stabiler Sockel wirkt.

DAX: Wochen-Chart vom 09.04.2024, Kurs 18.077.69 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 09.04.2024, Kurs 18.077.69 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Da so mancher DAX-Bulle erst jetzt auch mal nach unten sieht, hätten wir damit eine Gemengelage, in der es so manchem bisherigen Himmelsstürmer gerade schwindlig wird … was dem bärischen Lager nicht entgehen kann. Achten Sie also auf diese Aufwärtstrendlinie die, zum Leidwesen der Bullen, recht zügig ansteigt und die Käufer damit unter Zugzwangs setzt. Sollte der DAX diese Linie auf Schlusskursbasis um mindestens ein Prozent unterbieten und sie danach mindestens zwei Handelstage lang nicht zurückerobern, könnte es schnell ungemütlich werden, sofern man hier auf der Long-Seite unterwegs ist.

Eine Hausse bei zugleich keineswegs bullischen Rahmenbedingungen ruft oft Erinnerungen an große Kurseinbrüche wie 1987 oder 2000 hervor. Zwar ist dergleichen in einem solchen Umfeld nie unmöglich. Aber mich erinnert der DAX heute eher an den vom Frühjahr 2015. 

Er steigt und steigt und steigt. Die meisten Fragen schon gar nicht mehr, warum. Man würde auch seine liebe Not haben, tragfähige Antworten zu finden. Aber im Zweifel sagen sich die Bullen: Die Hausse nährt die Hausse … und das ist im Prinzip ja auch richtig.

Der Haken ist indes, dass zuletzt einfach keine Gewinnmitnahmen kommen. Angesichts des Umstands, dass die nächstgelegene, sauber ausgeprägte Supportzone um 17.000 liegt und sogar die 20-Tage-Linie als kurzfristiger Leitstrahl der Bullen heute gerade erst bei 18.000 Punkten ankommt, ein wenig gewagt.

DAX: Tages-Chart vom 27.03.2024, Kurs 18.475,06 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 27.03.2024, Kurs 18.475,06 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Hinzu kommt, dass er markttechnisch noch überkaufter ist als am Peak der Dezember-Rallye. Ein RSI-Indikator auf Tagesbasis mit einem Wert von 86,67 (die überkaufte Zone beginnt bei 70), wie wir ihn gestern sahen, gab es zuletzt im Dezember 1999. Da ist die Ansicht, dass der Index ein wenig heiß gelaufen sein könnte, also nicht wirklich abwegig.

Da kommt der Gedanke auf, dass sich die Trader die Gewinnmitnahmen womöglich für die kommende Woche aufheben, weil sie davon ausgehen, dass das „Window Dressing“ der institutionellen Investoren zum heutigen Quartalsende mit dem Ziel einer werbewirksam optimierten Performance den DAX womöglich noch ein Stück weiterträgt. Dann kommt kommende Woche (so hofft man) das Geld derer, die sich von der Performance des ersten Quartals anstecken ließen, in den Markt … und dann könnte man mal Kasse machen. Was, wenn es zu viele auf einmal tun, heftig werden könnte. Aber das ist nicht das eigentliche Risiko für den DAX.

Expertenmeinung: Das Problem ist, dass die Rahmenbedingungen nicht passen. Dass das Frühjahrsgutachten der deutschen Wirtschaftsinstitute dem deutschen Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2024 nach zuvor +1,3 jetzt nur noch +0,1 Prozent Anstieg zutrauen, muss zwar nicht zwingend ein Problem der kapital- und margenstarken Blue Chips im DAX sein. Aber grandios fielen die bisher vorliegenden Ausblicke bei sehr vielen DAX-Unternehmen ja nicht gerade aus. Ein „Halten auf hohem Niveau“ ist da schon im oberen Bereich der Aussagen. Das bedeutet, dass man sich in luftleerem Raum nach oben bewegt, ohne dass viele es bemerken. Allerdings gäbe es noch ein Zauberwort, das dazu führen kann, dass ein Index wie der DAX verblüffend lange der Schwerkraft trotzen könnte:

Hoffnung. Aber genau da kommt bei mir die Erinnerung an 2015 auf. Kurzer Rückblick im Schnelldurchlauf: Damals hatte man die Eurokrise mit diversen Rettungsschirmen und viel, viel billigem Geld einigermaßen im Griff, wenngleich nicht sauber gelöst. Aber richtig wachsen wollte die Wirtschaft in Europa trotzdem nicht. Zwar waren die Jahre 2012 und 2013 von steigenden Kursen beim DAX geprägt. Aber die basierten auf der Hoffnung eines deutlich wiedererstarkten Wachstums. Als das nicht kam, begann der DAX 2014 zu stagnieren und zu wackeln. Und dann wurde die Hoffnung reaktiviert:

DAX: Monats-Chart vom 27.03.2024, Kurs 18.475,06 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monatschart vom 27.03.2024, Kurs 18.475,06 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Man wollte glauben, dass die massive Ausweitung der EZB-Anleihekäufe das Wachstum wundersam befeuern würde. Das zu erwarten war ebenso unlogisch wie es dann auch ausblieb. Aber der Glaube daran versetzte Berge: Der DAX, zuvor gerade dabei abzurutschen, sauste mehrere Monate höher, bis dann im Mai Gewinnmitnahmen einsetzten und man wenig später erkannte: Nein, das Wunder kommt nicht. Heute will man daran glauben, dass die Leitzinsen bald und weit fallen, obwohl die EZB das so nicht kommuniziert. Man ist sogar imstande zu ignorieren, dass fallende Leitzinsen erst dann das Wachstum befeuern, wenn sie nahe am Tiefpunkt sind und nicht zu Beginn der Senkungen. Und erneut sehen wir einen DAX, der aus einer Abwärtsbewegung im Oktober ohne eine Veränderung der Lage, aber mit dieser Hoffnung auf ein Wunder, monatelang steigt.

Damals stieg er viel weiter, als man das rational hätte erwarten können, heute auch. Damals war absolut offen, wo sein Hoch sein würde … und das ist auch heute der Fall. Auf Verdacht einfach mal Short zu sein, wäre daher heute ebenso verwegen wie 2015. Aber immens auf der Hut zu sein, war damals richtig … und wäre es heute nicht minder, denn das mit den Wundern ist halt, wie die Erfahrung lehrt, so eine Sache.

Dass eine runde Marke auf Rekordniveau auf viele Marktteilnehmer wie ein Magnet wirkt, ist nicht ungewöhnlich. Dass sie als Ausstiegsziel fungiert, schon. Aber kann man sich darauf verlassen, dass sie wieder frischen Schwung in den Wasser tretenden DAX bringen?

Normalerweise fungiert eine „big figure“, eine große, runde Zahl, bei einem Index in erster Linie als Magnet. Dort will man hin, denn eine solche Marke und mit ihr neue Allzeithochs zu erreichen wirkt wie ein Meilenstein. Man könnte das mit der oberen Begrenzung eines Aufwärtstrendkanals vergleichen, denn auch eine solche Linie zieht die bullischen Akteure an.

Aber dort ebenso wie bei den runden Marken neigt man dann dazu, auch mal nach unten zu sehen, wie bei der Erstbesteigung eines Berggipfels. Und wer dann feststellt, dass die Luft auf diesem Gipfel dünn ist und sich zugleich viel zu viele dort tummeln, als der einzige Weg nach unten aufnehmen könnte, wird zum Ausstiegskandidaten.

Dass ein Index oder eine Aktie durch runde Marken recht schnell durchmarschiert oder Aufwärtstrendkanäle im Zuge eines „Overshooting“ überboten werden, ist daher nicht selten. Denn die großen Trader unter den Bullen wissen ganz genau um das Problem mit dem Blick nach unten, der ebenso das Nachdenken wie Schwindelgefühle auslösen kann. Deshalb sorgen sie genau an solchen neuralgischen Punkten dafür, dass der Schwung, das Momentum, nicht verloren geht und kaufen gezielt weiter, um die bullische Schar bei der Stange zu halten und neue Käufe zu provozieren. Wenn sie es denn können … und wollen.

DAX: Tages-Chart vom 18.03.2024, Kurs 17.939,21 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tageschart vom 18.03.2024, Kurs 17.939,21 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Das kann, wenn wir uns den DAX im Tageschart ansehen, jederzeit noch kommen, immerhin hatte er die 18.000er-Marke erst in der Vorwoche erreicht und tritt seit vier Tagen auf der Stelle. Das ist nicht lange. Noch nicht zumindest. Aber allzu lange darf man mit dem „Anschieben“ der Kurse und damit dem Beruhigen der Zweifler nicht warten, sonst werden aus Zweifeln Verkäufe. Und rutscht der DAX erst einmal, ist es bedeutend schwerer, ihn wieder in die Hausse-Spur zu bekommen, als wenn er Wasser tritt wie momentan. Und auch, wenn es selten der Fall ist, dass ein Anstieg auf Rekordlevels an runden Marken endet:

Expertenmeinung: Just beim DAX ist das zuletzt eben doch passiert. Und da wir da vom Dezember/Januar sprechen, ist das noch präsent genug, um einer anderen, von vielen womöglich bereits als „ausgestorben“ angesehen Klientel das Eingreifen schmackhaft zu machen: den Bären.

Im Dezember hatte der deutsche Leitindex erstmals die runde 17.000 erreicht, stoppte dort und trat eine Zeitlang auf der Stelle. Beim zweiten Anlauf blieb er aber wieder hängen. Und da wurden die Abgaben schon ein wenig forscher. Der Vorteil der Bullen war nach diesem zweiten Test der runden Marke, dass eine massive Unterstützungszone in Form der drei Hochs vom Frühjahr und Sommer 2023, die damals alle selbst Rekordhochs waren, recht nahe lag und hielt. Sie hielt, weil man weiter starke Zinssenkungsphantasie hatte, auf markant höhere Unternehmensgewinne im neuen Jahr setzte und der Rücksetzer daher wie eine perfekte Einstiegschance wirkte. Heute aber sieht die Gemengelage anders aus.

DAX: Wochen-Chart vom 18.03.2024, Kurs 17.939,21 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochenchart vom 18.03.2024, Kurs 17.939,21 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Die Zinssenkungsphantasie ist deutlich kleiner geworden, viele große Unternehmen haben eher magere Ausblicke vorgelegt und der DAX notiert zugleich 1.000 Punkte höher. Und nicht nur das: Jetzt ist eine massive Auffangzone eben nicht mehr so nahe wie im Januar, denn die wilde Hatz der Bullen, die einsetzte, nachdem der Index sich nach einigem Hin und Her doch noch von der 17.000 nach oben lösen konnte, verhinderte, dass sich ins Auge stechende Supportmarken herausbilden konnten. Bis auf die oft, aber nicht immer als Bullen-Leitstrahl funktionierende 20-Tage-Linie bei aktuell 17.670 Punkten wäre im Fall eines Rücksetzers sofort freie Bahn in den Bereich um 17.000 Punkte.

Wenn das Bullen-Lager verhindern will, dass die Gegenseite das ausnutzt und die Marktteilnehmer dadurch in einer solchen Phase des Innehaltens kalt erwischt, müssen sie sich also ranhalten. Die Entscheidung der US-Notenbank morgen Abend könnte da zum Zünglein an der Waage werden!